Korrelation peripherer Farbkontrast-Schwellenwerte mit den stereometrischen Parametern des Heidelberg-Retina- Tomographen
Jun 28, 20070
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Hintergrund: Die konventionelle Weiss-auf-Weiss-Perimetrie zählt zum Goldstandard der
Glaukom-Diagnostik. Der Verlust achromatischer Kontrastempfindlichkeit ist aber als
sensorischer Ausfall ein Spätsymptom und markiert den Beginn einer lokalen Erblindung. In
diversen Studien konnte nachgewiesen werden, dass ein Verlust an chromatischer
Kontrastempfindlichkeit im kurzwelligen Bereich des Farbspektrums perimetrischen
Gesichtsfelddefekten vorausgehen kann. Eine quantitative Bestimmung peripherer
Farbkontrastempfindlichkeit erlaubt der Arden-Computergraphik-Farbtest. Ziel dieser
Querschnittsstudie war zum einen, Unterschiede in der peripheren Farbkontrast-Sensitivität
zwischen einer größeren Gruppe von Glaukom-Patienten (n=50), sogenannten
präperimetrischen Diagnosegruppen (Patienten mit okulärer Hypertension, Patienten mit V.a.
Glaukom, n=41) und augengesunden Patienten (n=19) zu finden, und zum anderen die
Bestimmung von Zusammenhängen zwischen peripheren Farbkontrast-Verlusten im
kurzwelligem Bereich (Tritanachse) und zu diesem Zeitpunkt gegebenenfalls bestehenden
Pathologien der Papillenmorphologie. Hierfür wurde sowohl der Mittelwert der
Farbkontrastempfindlichkeit der einzelnen Quadranten, als auch die
Farbkontrastempfindlichkeit eines einzelnen Quadranten (hier „Field Low Left“) mit den
entsprechenden HRT II-Parametern (global oder ein einzelner Sektor) korreliert.
Patienten und Methodik: Insgesamt wurden 110 Patienten in die Studie miteingeschlossen,
und in die Diagnosegruppen „Glaukom“ (n=50), „V.a. Glaukom“ (n=26), „OCH“ (n=13) und
„Augengesund“ (n=21) eingeteilt. Bei allen Patienten wurde eine Messung mit dem HRT II
zur Erhebung quantitativer Papillen-Mekmale, und der Arden-Computergraphik-Farbtest
durchgeführt. Darüber hinaus erfolgte jeweils eine Gesichtsfelduntersuchung, eine
Visusbestimmung, eine allgemeine Anamnese, eine ausführliche Medikamentenanamnese
und die Bestimmung der im bisherigen Krankheitsverlauf maximalen Tensiowerte. Die
Papillenmorphologie wurde anhand qualitativer Merkmale von einem erfahrenen Untersucher
in folgende Gruppen eingeteilt: „glaukomatöser Papillenbefund“, „grenzwertiger
Papillenbefund“ und „unauffälliger Papillenbefund“.
Nichtparametrische Tests: Im Kruskall-Wallis-Test zeigten die Variablen „Field mean“ und
„Field LowL“ einen signifkanten Unterschied (p=0,039 bzw. p=0,023) zwischen den
Diagnosegruppen. Im Mann-Whitney-Test erfüllen „Field LowL“-Werte die Kriterien einer
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Signifikanz-Adjustierung und unterscheiden sich zwischen den Diagnosgruppen „Glaukom“
und „Augengesund“ statistisch signifkant (p=0,006).
Ergebnisse der bivariaten Korrelation: Sowohl im Gesamtkollektiv, als auch in der
Diagnosegruppe „Glaukom“ zeigte der Farbkontrast-Schwellenwert des unteren linken
Quadranten („Field LowL“) im Unterschied zum Mittelwert der Farbkontrast-Schwellenwerte
der Einzel-Quadranten („Field mean“) die stärkeren und häüfigeren Zusammenhänge zur
Papillenmorphologie. In der Gruppe „Glaukom“ zeigte „Field LowL“ statistisch signifikante
Zusammenhänge zu den meisten stereometrischen Parametern des HRT II: „cup area“
(r=0,547, p=0,000), „rim area“ (r=0,456, p=0,001), „cup/disc area ratio“ (r=0,525, p=0,000),
„rim/disc area ratio“ (r=0,525, p=0,000), „cup volume“ (0,453, p=0,001), „rim volume“
(r=0,409, p=0,003), „height variation contour (r=0,38, p=0,006), „cup shape measure“
(r=0,345, p=0,012), „mean RNFL thickness“ (r=0,404, p=0,004) und „RNFL cross sectional
area“ (r=0,381, p=0,006). In den präperimetrischen Diagnosegruppen „V.a. Glaukom“ und
„OCH“ konnte nur in der „OCH“-Gruppe ein statistisch hochsignifikanter Zusammenhang
(r=0,764, p=0,001) zwischen „Field LowL“ und dem stereometrischen Paramter „height
variation contour“ gefunden werden.
Ergebnisse der partiellen Korrelation: Bei Konstanthalten des Einflusses der Variable
„age“ in der Glaukom-Gruppe zeigt „Field mean“ einen moderaten, statistisch signifikanten
Zusammenhang zu den HRT-II-Parametern „height variation contour“ (r=0,348, p=0,008) und
„CLM temporal-inferior“ (r=0,371, p=0,005). Bei Herauspartialisieren der Variable „disc
area“ konnten alle in der bivariaten Korrelation gefundenen Zusammenhänge beibehalten
werden. Bei Konstanthalten des Einflusses der mittleren Defekttiefe der
Gesichtsfelduntersuchung („MD in dB“) zeigten sich keine statistisch signifikanten
Zusammenhänge. Im Unterschied dazu zeigte der Quadranten-Schwellenwert „Field LowL“
in der Glaukom-Gruppe sowohl bei Konstanthalten des Einflusses des Alters, als auch der
Papillengröße, als auch der mittleren Defekttiefe der Gesichtsfeld-Untersuchung statistisch
signifikante Zusammenhänge zu allen auch in der Pearson-Korrelation gefundenen
stereometrischen HRT-II-Parametern, wobei die Zusammenhangs-Stärke bei
Herauspartialisieren von „disc area“ und „MD in dB“ schwächer ausfiel als in der bivariaten
Korrelation; bezüglich der Kontrollvariable „MD in dB“ sind es: „cup area“ (r=0,457,
p=0,001), „rim area“ (r=0,290, p=0,033), „cup/disc area ratio“ (r=0,419, p=0,003), „rim/disc
area ratio“ (r=0,419, p=0,003), „cup volume“ (0,333, p=0,017), „rim volume“ (r=0,319,
p=0,021), „height variation contour (r=0,304, p=0,027), „cup shape measure“ (r=0,260,
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p=0,05), „mean RNFL thickness“ (r=0,411, p=0,004) und „RNFL cross sectional area“
(r=0,354, p=0,012). Der in der bivariaten Korrelation in der „OCH“-Gruppe gefundene, starke
Zusammenhang zwischen „Field LowL“ und dem stereometrischen Paramter „height
variation contour“ zeigte sich auch bei Herauspartialisieren des Alters und der mittlerern
Defekttiefe der Gesichtsfeld-Untersuchung: r=0,686, p=0,01 bzw. r=0,794, p=0,002, jedoch
nicht bei Herauspartialisieren der Variablen „disc area“ (r=0,001, p=0,499). Der
überwiegende Teil der in den präperimetrischen Diagnosegruppen gefundenen
Zusammenhänge zeigte sich jedoch statistisch nicht signifikant.
Ergebnisse der Regressionsanalyse: Sowohl nichtstereometrische Parameter wie Alter,
Augeninnendruck und Ergebnisse der Gesichtsfelduntersuchung, als auch die
stereometrischen Parameter des Heidelberg-Retina-Tomographen-II zeigen einen statistisch
signifikanten Einfluss auf die Ergebnisse des Computergraphik-Farbtests. Während der
Einfluss von nichtstereometrischen Parametern einen stärkeren Einfluss auf die Variable
„Field mean“ als auf die Variable „Field LowL“ aufweist (r2=0,445, p=0,000 versus r2=0,359,
p=0,001), verhält es sich mit den stereometrischen HRT-II-Parametern umgekehrt: Sie zeigen
den stärkeren Einfluss auf die Variable „Field LowL“ (r2=0,603, p=0,000 versus r2=0,188,
p=0,048).
Schlussfolgerung: Die Diagnose „Glaukom“ setzt sich aus den Ergebnissen unterschiedlicher
Untersuchungen zusammen. Zu den Eckpfeilern der Glaukom-Diagnostik zählen
Papillenveränderungen, erhöhter Augeninnendruck, Gesichtsfelddefekte und schließlich das
Alter und die Familienanamnese eines Patienten. In den letzten Jahrzehnten hielt vor allem
die qualitative Messung der Papillenmorphologie und umgebender Netzhaut-Strukturen
(HRT, OCT, GDX, u.a.) Einzug in die Glaukom-Diagnostik. Gemeinsam mit
psychophysikalischen Tests, die Gesichtfelddefekte nachweislich vor dem Verlust an
Kontrastempfindlichkeit in der Weiss-auf-Weiss-Perimetrie aufzeigen, erweitert und ergänzt
sie die klassische Glaukom-Diagnostik. In dieser Arbeit konnte zunächst bestätigt werden,
dass sich die Ergebnisse des Arden-Computergraphik-Farbtests bei einer erstmals großen
Gruppe von Glaukom-Patienten signifikant von den Ergebnissen der Kontrollgruppe
augengesunder Patienten unterscheiden. Im weiteren konnte erstmals gezeigt werden, dass
auch unter Berücksichtigung des Alters und der Ergebnisse der Gesichtsfelduntersuchung ein
überwiegend hochsignifikanter Zusammenhang zwischen einem funktionellen Test (Arden-
Computergraphik-Farbtest) und einem modernen, rein morphologischen Test (HRT II) bei
Glaukompatienten besteht. Die Einzel-Quadranten-Analyse (hier der funktionell linke untere
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Quadrant) zeigte hier die stärksten Zusammanhänge zu den Parametern „cup area“, „rim
area“, cup/disc area ratio“ und „rim/disc area ratio“ und ist dem Mittelwert der
Schwellenwerte aller Quadranten überlegen. Die statistisch signifikanten Veränderungen
entsprechen dem temporal-superioren Bereich der Papille, in dem in frühen und in mäßig
fortgeschrittenen Glaukom-Stadien erste Verluste des neuroretinalen Randsaums zu
beschrieben sind (Tuulonen A & Airaksinen PJ, 1991, Jonas JB et al., 1993).
Dem Arden-Computergraphik-Farbtest kommt somit ein hoher Stellenwert in der
Glaukomdiagnostik zu. Die Kombination von Funktion und Morphologie erhöht die Validität
in der Glaukomdiagnostik; eine Eignung als Screening-Test, der zwischen präperimetrischen
Diagnosegruppen unterscheidet, konnte allerdings nicht bestätigt werden.
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