Sehen wir in den USA wirklich ein goldenes Zeitalter, wie es Trump verspricht? Könnten wir mit Gewinnrück gerne rechnen, wenn Zölle tatsächlich erhoben werden? Und wie wird das letztlich Unternehmensgewinne beeinflussen? Was ja nichts anderes ist als einer der Einflussfaktoren von der Bewertung auch dann. Den Markt beschäftigt aktuell die Bewertungen. Die sind jedoch historisch eher schlecht darin, Wendepunkte in den Märkten zu identifizieren.
Man hat so ein bisschen das Gefühl, Trump macht mit seinem Zollkrieg eigentlich einen Kampf gegen sich selbst und seine Wähler. Herzlich willkommen zu Märkte und Trends im Mai 2025. Die Weltwirtschaft schaut gespannt auf die USA, wo die Zollpolitik und das Verbrauchervertrauen im Mittelpunkt stehen. Nachdem es eine erste Korrektur im Zollstreit zwischen China und den USA gab, kehrt die Euphorie an den Märkten zurück. Doch ist die Rückkehr berechtigt oder war das nur so ein vorübergehender Trend?
Die Wall Street zeigt wieder steigende Kurse, aber was heißt es jetzt für die Zukunft? Werden Zölle tatsächlich kommen? Und wie werden sie die Geschäftspläne der Konzerne beeinflussen? Und das und andere Themen möchte ich heute wieder mit Thomas Ott besprechen. Thomas, herzlich willkommen. Hallo Jörg, danke. Ich freue mich wieder dabei zu sein. Du hast eine Menge schon angesprochen. Legen wir direkt los. Ja, kommen wir zur Wirtschaft. Wie wird das Verbrauchervertrauen in den USA
durch die Zollpolitik beeinflusst? Und was heißt das letztendlich für die Konjunktur? Sehen wir in den USA wirklich ein goldenes Zeitalter, wie es Herr Trump verspricht, oder eher gesteigerte Unsicherheit? Naja, wenn wir uns glaube ich die letzten Jahre anschauen in den USA, was Wachstum angeht, vor allem nominales Wachstum, dann waren wir ja wahrscheinlich schon in einem goldenen Zeitalter. Die Frage ist, warum eher können wir dieses Zeitalter verlängern?
Und wir sehen in den USA zwar noch wirklich solides Wachstum auf den Jahresscheiben, also wenn man immer Jahr auf Jahr rechnet, aber auf der Quartalsebene war jetzt eben das erste Quartal tatsächlich eher mal schwach, wenn wir uns die Zahlen anschauen, die wir im April bekommen haben.
Und das kann schon mit der neuen Zollpolitik von Trump zusammenhängen, die einfach wirklich hier eine Belastung für die Lieferketten ist und auch einfach für die Unternehmen, für die Investitionspolitik etc. Und gleichzeitig steht eben auch China weiterhin wirtschaftlich unter Druck. Die Industrieproduktion eher enttäuschend, Konsum bleibt auch eher schwach und wirklich diese Stimuluspakete, die wir aus China gesehen haben, zeigen noch nicht den gewünschten Effekt.
Darum, das Wachstum verlagert sich vielleicht so ein bisschen weg von den USA, weg von China vielleicht ein bisschen mehr auch nach Europa und auch nach Indien oder anderen Schwellenländern in den Regionen. Unsicherheit USA, vielleicht hat Deutschland vielleicht sogar einen Gefallen getan damit. Schauen wir mal. Deswegen springen wir gleich nach Europa, wir haben viel zu besprechen. Ja, mach mal. Europa kämpft einfach wirklich weiterhin. Die Stimmung ist tatsächlich besser geworden.
Das sieht man auch einfach wirklich, wenn man mit anderen Investoren, mit Konkurrenten auch dann irgendwo spricht. Stimmung ist besser. Die Zahlen konnten jetzt auch wirklich die Schätzungen der Analysten erstmals wirklich übertreffen. Also da ist wirklich auch ein bisschen Momentum in den Zahlen drinnen. Deutschland selbst bleibt aber leider eher schwach. Hier warten wir einfach weiterhin auf die Umsetzung der angekündigten Reformen, auf wirklich die Implementierungen der Fiskalpakete.
Da bleibt der Fortschritt noch aus. Heißt aber, da besteht dann für die Zukunft auch noch Überraschungspotenzial nach oben. Also kann man auch was Positives draus machen. Gehen wir zum Sonderthema globale Lieferketten und wie die unter Druck sind. Die US-Wirtschaft ist international oder gar nicht. Heißt letzten Endes, sie exportiert und muss aber auch importieren, zum Beispiel die Rohstoffe, die seltenen Erden.
In China werden 70 Prozent aller eingesetzten seltenen Erden gefördert und die Volksrepublik übernimmt dann auch wiederum 87 Prozent der Weiterverarbeitung der Stoffe. Daraus entstehen, das kennen wir vielleicht schon, Batterien, Magneten, wir sehen sie in Elektrogeräten, E-Autos, Windturbinen, humanoide, Roboter und auch in Flugzeugen werden sie verbaut. Kurzum, China dominiert die Wertschöpfungskette. Also eigentlich doch das größte Druckmittel von China auf die USA.
Was denkst du, wie geht es da weiter? Ja, das ist tatsächlich ein großes Thema, glaube ich, was auch ein bisschen unterhalb vom Radar tatsächlich auch fliegt in der Berichterstattung. Diese seltenen Erden, genau wie du sagst, werden einfach in allen Elektrogeräten dieser Welt eigentlich inzwischen verwendet. Und alles, was irgendwo auch nur ansatzweise diesen Begriff smart davor hat, benutzt seltene Erden. Und darum könnten wir auch über dieses Thema wahrscheinlich einen eigenen Podcast machen.
Und für die Weltwirtschaft ist einfach das Problem, dass diese Ausfuhr der Rohstoffe von China direkt selbst stark reglementiert wird. Dieser Prozess sehr intransparent ist, wie... Geht es überhaupt, diese Rohstoffe aus China rauszubekommen? Und natürlich gehört auch dazu, dass China immer mehr dieser Rohstoffe selber benötigt für ihre eigenen E-Auto-Produktion. Das heißt, für uns ist weniger vorhanden und das beeinträchtigt dann auch die Lieferketten global.
Und das ist einfach ein Riesenthema und damit können sie wirklich Druck auf die USA ausüben, weil natürlich die Mac 7 eine Menge Bedarf an diesen Rohstoffen haben. Gibt es Alternativen beziehungsweise, ich meine, ich habe jetzt auch den Rohstoffstil mit der Ukraine. Ich glaube, da lagert auch ein bisschen was. Genau, da sieht man einfach wirklich diesen globalen Wunsch, sich von China davon ein bisschen unabhängig zu machen.
Aber effektiv gibt es aktuell wenig Kapazitäten oder wenig Alternativen zu China. Wie du genau gesagt hast, abhängig welchen Teil man der Wertschöpfungskette sich anschaut, liegen entweder zwischen 70 und 90 Prozent tatsächlich in China und dazu kommt auch, dass der Abbau dieser Rohstoffe extrem dreckig, umweltschädlich etc. Ist und dass deswegen auch viele Länder diesen Abbau eigentlich gar nicht im eigenen Land wirklich haben möchten.
Da hat man einfach auf der Weltwirtschaft ein bisschen geschlafen, da hat China uns wirklich den Rang abgelaufen. Die USA haben das jetzt gemerkt, darum auch dieser Deal mit der Ukraine. Aber für den Moment gibt es wenig Alternativen, aber das hat natürlich riesige Konsequenzen für die Energiewende hier in Europa, aber auch für die gesamte Industrieproduktion weltweit. Kommen wir direkt zu den Aktienmärkten und auch da würde ich gerne ein bisschen
mit Deutschland anfangen, beziehungsweise mit dem DAX. Ist der zu teuer geworden? Gibt es da Probleme mit Hinblick auf die Lieferkettenprobleme oder ist da mehr zu erwarten und damit eine Korrektur im DAX oder auch mit China, was den Export angeht? Oder sind wir gerade in so einer Zwischenphase, wo alle mal so warten, was liefert denn eigentlich die Regierung? Ja, so mit dem Thema davor mit den seltenen Erden sehe ich jetzt aktuell weniger Probleme tatsächlich für den DAX.
Das größere Thema, was wirklich den Markt beschäftigt, sind aktuell die Bewertungen. Die sind jedoch historisch eher schlecht darin, Wendepunkte in den Märkten wirklich zu identifizieren. Darum mag ich Bewertungen jetzt auch nicht als kurzfristige Argumente und kann diese Argumentationen deswegen auch ein bisschen schwer nachvollziehen, wenn ausschließlich wegen Bewertungen Probleme gesehen werden.
Dennoch, klar, die Bewertungen sind optimistisch und der Index ist natürlich auch schon sehr, sehr weit gelaufen dieses Jahr. Auch durch die positive Stimmung nach der Wahl oder den Fiskalpaketen, die veröffentlicht wurden, das hat natürlich die Unternehmen und die Titel im DAX getrieben.
Das Schöne ist, dieses Momentum, was wir einfach sehen, also diese positive Entwicklung, die ist historisch gesehen eher gut darin zu sagen, okay, wenn mal etwas läuft, dann kann es auch weiterlaufen und ich glaube, das ist jetzt aktuell eher etwas, worauf ich schauen würde, wo ist Bewegung drin, wo ist Momentum drinnen und dann kann ein Index auch weiterlaufen, trotz vielleicht ambitionierter Bewertungen. Wir haben so ein paar Gewinnwarnungen in Serien in den USA, General Motors,
Ford, American Airlines. Das ist vielleicht ganz spannend. American Airlines beabsichtigt die Prognose für das Gesamtjahr zu aktualisieren, sobald die wirtschaftlichen Aussichten klarer sind. Könnten wir mit Gewinnrück gerne rechnen, wenn Zölle tatsächlich erhoben werden und wie wird das letztlich Unternehmensgewinne beeinflussen, was ja nichts anderes ist als einer der Einflussfaktoren von der Bewertung auch dann?
Ja natürlich, also das haben wir ja eben auch gesehen, als die Zölle gekommen sind, sind die Märkte abgerauscht, weil die Investoren erwartet haben, dass die Gewinne rückgängig werden. Die Unternehmen werden allerdings die Gewinne oder die Schätzungen erst dann runternehmen, wenn das eigentlich vom Aktienmarkt schon eingepreist ist. Also da ist immer so eine gewisse Lead-Lag-Beziehung irgendwo dabei.
Natürlich würden die Gewinne rückläufig sein, wenn wirklich diese Zölle kommen, aber das war ja auch einer der Gründe, warum wir jetzt erstmal wieder diesen Aufschub für 90 Tage auch bekommen haben.
Darum ist jetzt auch die Möglichkeit, um die Gegenseite zu nehmen, die Unternehmen haben jetzt 90 Tage Zeit, um eigentlich zu investieren, darum besteht auch die Möglichkeit, dass das nächste Quartal sehr, sehr stark wird von den Unternehmensgewinn und das halt dann einfach das zweite oder dass die nachfolgenden Quartale dann schlechter werden.
Also da muss man, glaube ich, tatsächlich eng dran sein, eng an dem Markt bleiben, wie sich die News entwickeln, wie auch die Konsumenten sich weiter verhalten und dann alles entscheidend wird wirklich sein, sehen wir nochmal eine Verlängerung und welche Trade-Deals sehen wir? Ja, das ist doch die spannende Frage. Also was können Anleger in den kommenden Monaten erwarten?
Die sollen sich strategisch aufstellen. Ist es jetzt eigentlich ratsam eher mit, also das ist meine Lieblingsfrage, ich habe irgendwie 100.000 Euro auf der Seite liegen als Cash. Macht es jetzt im Moment Sinn, durchaus mal zu warten, weil halt einfach nochmal vielleicht was kommt und damit Einstiegskurse entstehen? Natürlich können Einstiegskurse entstehen. Es bringt mir nur nichts, wenn der Markt davor 10% gelaufen ist und dann 10% fällt. Dann bin ich quasi wieder da, wo ich gestartet habe.
Mathematisch nicht exakt dort, aber du weißt, worauf ich raus möchte.
Ich glaube, aktuell ist es einfach wichtig, Ruhe zu bewahren, wenn man investiert ist, investiert bleiben, auf seine Manager, auf seine langfristige Strategie vertrauen und wenn ich 100.000 Euro habe, gleiche Antwort wie die letzten Male auch, nicht alles auf einmal investieren, sondern sich in diesen Markt rein skalieren und dann, wenn wir wirklich einen Abverkauf sehen, dann kann man ein bisschen mehr machen und ansonsten halt langfristig in den Markt reingehen.
Und langfristig auch seinem Manager vertrauen, dass der schon weiß, was er macht. Denn aktuell ist wirklich aktives Management wahrscheinlich der richtige Ansatz hier. Okay, gehen wir mal zum Anleihen. Man hat so ein bisschen das Gefühl, Trump versucht, den zusätzlichen Wohlstand, den die Realwirtschaft derzeit nicht liefert, am Kreditmarkt reinzuholen. Moody's hat am Freitag die USA ihrer Spitzenbonität beraubt von AAA, 3xA auf AA1.
Begründet wurde es mit gestiegenen Zinszahlungen, wir haben steigende Ausgaben für Sozialleistungen und eine relativ gesehene geringere Verbesserung der Einnahmesituation. Was hat diese Herabstufung für eine Bedeutung für den Anleihenmarkt?
Im ersten Moment wahrscheinlich eine relativ geringe tatsächlich, weil der US-Anleihemarkt ist weiterhin der größte auf der Welt, er ist weiterhin der liquideste auf der Welt und der US-Dollar ist weiterhin einfach wirklich dieser Currency of Last Resort, Safe Haven Currency. Also das ist viel, wo einfach die Investoren sich sicher fühlen und eine Double-A-Bewertung ist immer noch eigentlich eine Top-Bonität.
Darum dieser eindeutige negative Effekt direkt ist irgendwo für mich aktuell noch schwer zu sehen. Allgemein finde ich schon auch, dass der Anleihemarkt nachhaltig an Attraktivität wirklich gewinnt. Die Zinsstrukturkurven haben wir jetzt gesehen, haben sich wieder normalisiert und wir gehen auch davon aus, dass die Steilheit weiter zunehmen wird, also dass die Zinsstrukturkurve weiter eigentlich hier auf steil bleibt.
Trotzdem kann die EZB die Zinsen weiter senken und das ist eigentlich allgemein mal für einen langfristigen Investor im Anleihenmarkt eine super Voraussetzung. Gleichzeitig US bleiben ein bisschen riskanter einfach, du hattest es angesprochen, wegen der höheren Staatsverschuldung und der auch etwas höheren Inflationserwartungen.
Und gleichzeitig macht das aber auch den Markt einfach interessant, weil man eben hier dann anstatt zweieinhalb, kriege ich vielleicht viereinhalb oder fünf Prozent Zinsen. Da sind wir aktiv in dem Markt drinnen. Auch dann wollen wir jetzt die Treasuries haben, wollen wir den Dollar zusätzlich haben als Risiko. Und wenn man das aktiv spielt, dann kann es auch ein sehr interessanter Markt sein. Wo würde ich in Europa investieren? Weil ich sage mal, eine Staatsanleihe mit,
keine Ahnung, wo liege ich? Zwei Prozent? Ja, je nach Laufzeit bis zweieinhalb, drei Prozent auf den ganz langen. Ich will ja keinen Reallohnverlust oder kein Lohn ist das falsche Wort. Ich will ja keinen Verlust einfahren bei zwei Prozent Investition. Kaufverlust. Kaufverlust, ganz genau. Genau, also Unternehmensanleihen in Euro ist tatsächlich genauso, wie wir es, ich glaube, die letzten zwölf Monate auch schon gesagt haben. Also für regelmäßige Zuhörer, die können den Teil jetzt überspringen.
Wir mögen weiterhin kurzlaufende Unternehmensanleihen mit guter Bonität in Europa. Warum? Weil es einfach ein Markt ist, der sehr stabil ist, der regelmäßig eine Outperformance, also eine Überrendite gegenüber den Staatsanleihen liefert, bei geringer Volatilität, bei geringem Zinsrisiko und einfach darum für uns ein super Baustein im Portfolio ist, um nachhaltig Renditen generieren zu können.
Ja, man hat so ein bisschen das Gefühl, Trump macht mit seinem Zollkrieg eigentlich einen Kampf gegen sich selbst und seine Wähler. Er steigert Lebenshaltungskosten, erhöht die Gefahr einer Rezession, verschlechtert die Bonität der USA. Ja, goldenes Zeitalter für die USA, du hast das gesagt, war ja eigentlich eher der vergangenen Zeit, nach vorne blickend, vielleicht eher weniger.
Die Frage, die man sich im Moment glaube ich durchaus stellen kann, irrt die Börse sich, wo sie gerade steht von den Werten, beziehungsweise vielleicht doch mal ein bisschen Cash nebenhin legen, rationiert investieren, vielleicht gibt es noch ein paar Einschüchskurse. Also ich denke zumindest eins kann man festhalten, Volatilität wird ein bisschen noch bleiben. Also die Schwankung. Genau, da würde ich unterschreiben. Ich glaube, wir sind aktuell in einer sehr volatilen Phase an den Märkten.
Wir haben teils sehr erratische Bewegungen. Wir wissen nie, wann tweetet oder ex-Trump das nächste Mal. Das kann ein Kursfeuerwerk auslösen, das kann aber auch einen Abverkauf auslösen. Darum eng dranbleiben, aktiv sein in der Positionierung, dann kann man auch wirklich von diesen Chancen profitieren. Immer natürlich darauf achtend, dass das Risiko im Portfolio nicht konzentriert ist, sondern immer schön breit diversifiziert bleibt. Dann hat man viel Flexibilität im Portfolio.
Ja, Thomas, vielen lieben Dank wieder für den Einblick. Wir hören uns im Sommer wieder und zwar im Juni würde ich sagen. Machen wir, ich freue mich drauf. Bleibt gesund und investiert klug. Viele Grüße aus München.
