#38 ABTREIBUNG - podcast episode cover

#38 ABTREIBUNG

Apr 16, 202548 minEp. 41
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Episode description

Jede dritte Schwangerschaft ist ungeplant, und etwa eine von drei dieser Schwangerschaften endet mit einem Schwangerschaftsabbruch. In Deutschland passiert das rund 100.000 Mal pro Jahr – so häufig wie eine Blinddarm-OP. Doch während der Eingriff medizinisch unkompliziert ist, bleibt er rechtlich, emotional und gesellschaftlich hoch aufgeladen.

Theresa Lachner spricht mit Gianna Bacio, Sexualpädagogin und Autorin, die in dieser Folge offen und persönlich von ihrer eigenen Erfahrung mit einem Abgang und einer Abtreibung erzählt. Gemeinsam beleuchten sie nicht nur individuelle Erlebnisse, sondern auch die strukturellen Hürden und kulturellen Narrative rund um das Thema.


🔍 Themen dieser Episode:

Verpflichtende Beratung & die Bürokratie rund um den Schwangerschaftsabbruch

Der Pearl Index & der Mythos vom „zu doof zum Verhüten“

Rechtslage in Deutschland, Europa & den USA – ein internationaler Vergleich

Women on Waves & andere wichtige Initiativen

Was die Turnaway-Studie wirklich über Langzeitfolgen zeigt

Jetzt reinhören und mitreden – über ein Thema, das uns alle betrifft.



Wichtige Links aus der Folge:

👉Gianna Bacios Podcast HOT STUFF https://www.giannabacio.de/s-projects-side-by-side

🔗 Women on Waves

📚 Turnaway Study: https://www.ansirh.org/research/ongoing/turnaway-study


Laura Dornheim: Deine Entscheidung. Alles was du über Abtreibung wissen musst. Kunstmann 2023


  • Abtreibung Erfahrung
  • Schwangerschaftsabbruch in Deutschland
  • Verpflichtende Beratung Abtreibung
  • Pearl Index & Verhütung
  • Stille Abtreibung
  • Abtreibungsrecht Europa USA
  • Women on Waves
  • Turnaway Studie
  • Gianna Bacio Abtreibung




Credits:

Redaktion, Moderation, Schnitt: Theresa Lachner

Postproduktion, Sounddesign, Cover: Pascal Pazanda


Infos zu aktuellen Rabattcodes und die Möglichkeit, ein Coaching bei Theresa Lachner zu buchen, findest du hier:

https://linktr.ee/lvstprinzip


Transcript

Music. Geplant. Und eine von drei dieser ungeplanten Schwangerschaften endet mit einem Abbruch. In Deutschland passiert dieser Eingriff in etwa so häufig wie eine Blinddarm-Operation. Also so an die 100.000 Mal pro Jahr. Doch im Gegensatz zu einer Blinddarm-OP ist eine Abtreibung mit deutlich mehr bürokratischen, emotionalen und oft auch finanziellen Hürden verbunden. Das hat auch meine liebe Kollegin, die Sexualpädagogin Jana Baccio, erlebt, die sehr offen über ihre Erfahrungen spricht.

Und das heute auch hier. Ich freue mich wahnsinnig, dass du da bist, liebe Jana. Hallo. Hallo, liebe Teresa. Ja, ich freue mich auch total. Ich habe auch schon überlegt, wann wir uns wieder das letzte Mal gehört haben. Wir hören uns ja immer nur so sporadisch und so happyer bin ich, dass wir uns jetzt diese Woche ja schon mehrmals hören, weil ihr auch noch bei mir zu Gast sein wirst. Ja, also vielen Dank für die Einladung.

Ich freue mich so, dich zu sehen. Es ist so lustig, weil wir arbeiten ja schon so viele Jahre so nebeneinander her und ab und zu hören wir uns dann mal und ich freue mich jedes Mal total. Und genau, freue mich besonders, dass du über dieses doch natürlich auch sehr sensible Thema heute mit mir sprichst. Wie immer auch du, was ist denn dein Safe-Word für heute? Jetzt hatte ich die ganze Zeit, darüber nachzudenken. Das wird mir natürlich nicht sein.

Peaches. Peaches, wunderbar. Ich finde es total stark, dass du als Sexualpädagogin diese Erfahrung geteilt hast. Und zwar erstmal über Instagram in so eine Art Videotagebuch. Und dann auch in deinem Podcast Hot Stuff, den Link packen wir in die Shownotes, dann können sich alle diese Folge anhören. Da ist besonders cool, dass nicht nur du zu Wort kommst, sondern auch dein Partner und ein Pro-Familie-Mitarbeiter. Magst du uns einfach mal mitnehmen? Wie war das? Wie kam das?

Ja, also vielleicht denkt man sich das jetzt auch schon, aber das Ganze war natürlich jetzt so überhaupt gar nicht geplant. Also genau, wir waren dieses Jahr, Anfang des Jahres im Urlaub und vorher habe ich schon so gedacht, wählt mal ganz gut, wenn ich jetzt mal so langsam meine Periode kriegen würde. Und dann sind wir aber trotzdem in den Urlaub gefahren, waren da auch zwei Wochen und ich habe halt die ganze Zeit nicht mal eine Tage bekommen.

Und es war echt schon komisch, weil die eigentlich immer recht zuverlässig kamen. Ich wollte mir aber jetzt auch diesen Urlaub irgendwie nicht versauen. Und habe dann schon währenddessen die ganze Zeit auch mit meinem Partner darüber gesprochen, was machen wir denn jetzt eigentlich, wenn ich jetzt wirklich schwanger bin. Also es ist nicht so, dass wir uns vorher nicht auch schon darüber unterhalten, mit zweitem Kinderwunsch, ob der überhaupt da ist.

Wir waren uns davor auf jeden Fall schon eigentlich relativ einig, eigentlich reicht uns ein Kind. Und dann aber trotzdem nochmal, jetzt war das Thema ja dann auch mal da, haben wir das nochmal besprochen, dann war schon so, nee, ist schon so richtig, also ein Kind ist toll, mehr wollen wir aber auch nicht. Ja, und dann... Und habe ich irgendwann schon eindeutige Symptome gehabt. Also meine Brüste wurden irgendwie immer größer und größer und spannt dann total.

Mir war auch übel. Also war das dann eigentlich schon so klar. Ich konnte auch die letzten Tage des Urlaubs gar nicht mehr so richtig genießen, weil ich schon so wusste, ja, okay, ich weiß erst, was kommt. Wir sind wieder nach Hause geflogen. Und dann habe ich mir einen Tag später den Schwangerschaftstest geholt. Also Freundinnen von mir meinten, du bist doch irgendwie verrückt.

Wieso machst du denn dann nicht im Urlaub den Test? Dann hättest du doch die Sicherheit gehabt, ja, was hätte ich denn jetzt da machen können? Also egal, war ja meine persönliche Entscheidung. Ich habe den Test dann nachgemacht. Der war dann natürlich positiv. Und trotz alledem, obwohl ich es mir schon vorher gedacht habe, war es dann erstmal ein Schock.

Dann kamen auch noch so ein paar Sachen zusammen, dass mein Freund auch noch gestürzt ist und sowieso irgendwie ganz viel mit sich selbst zu tun hatte, mit dem blauen Auge, da im Bett hing und dann kam das noch so on top. Ja, übrigens stimmt, ich bin schwanger. Was machen wir denn jetzt eigentlich? Ja, und wir sind dann dabei geblieben, dass wir gesagt haben, wir wollen das Kind nicht. Und dann kam ganz viel, was ich vorher so nicht wusste, obwohl ich Sexuellpädagogin bin.

Ich wusste nicht ganz genau, welche Fristen man dann einhalten muss. Also genau, dass man dann ja ein Schwangerschaftsberatungsgespräch führen muss, bevor man einen Schwangerschaftsabbruch durchführt. Dass man dann drei Tage warten muss, bis man den Schwangerschaftsabbruch überhaupt machen darf und, und, und, dass das Ganze von einem Arzt durchgeführt werden muss, dass der aber oder die nicht beraten darf. Also beziehungsweise die darf nicht das Beratungsgespräch dann auch gleichzeitig führen.

Ja und all diese Dinge, die wusste ich dann gar nicht und die habe ich dann durchlebt und ich habe eben dann gemerkt, so kam es dann eigentlich auch zu den Videos, dass wenn ich darüber spreche, dass es mir gut tut und ich aber auch das Gefühl hatte, wer weiß, vielleicht hilft es auch anderen. Ja, und so ging das dann irgendwie so schrittweise.

Also was ich zum Beispiel auch gar nicht wusste, ist, dass es so schwierig überhaupt ist, einen Arzt oder eine Ärztin zu finden, die überhaupt Abbrüche durchführt. Ich wohne in der Nähe von Köln und hier ist es sogar noch relativ einfach. Je mehr man so in ländlichere Gebiete kommt, desto schwieriger ist es. Und dann müssen betroffene Personen dadurch auch einige Stunden Fahrtweg in Kauf nehmen.

Ja, bei mir ging es dann aber trotzdem relativ schnell, dass ich einen Termin bekam und ich habe dann also erstmal ein Beratungsgespräch geführt bei Pro Familia und ein paar Tage später dann eben die Untersuchung bei der Gyn gehabt. Und die hat dann schon irgendwie so, also die hat schon so irritiert irgendwie geguckt, weil sie meinte, ach, also für den Zeitraum, den sie mir jetzt schildern, der jetzt eigentlich vergangen sein muss ja seit der Befruchtung. Müsste der Embryo jetzt größer sein.

Also er ist jetzt wahrscheinlich noch nicht so weit entwickelt oder was eben sein könnte, dass es eine Fehlgeburt ist, weil ich auch keinen Herzschlag feststellen kann.

Und dann haben wir nochmal einen Folgetermin vereinbart, Und dann haben wir bei diesem Folgetermin eine Woche später dann festgestellt, es ist tatsächlich eine Fehlgeburt und so, also das ist jetzt quasi schon das Ende eigentlich der Geschichte, weil damit habe ich jetzt eine Fehlgeburt erlebt mit der festen Absicht, aber einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu wollen. Und habe so ja jetzt auch mal kennengelernt, was man dann überhaupt alles machen muss an Schritten.

Ja, ich glaube, das war jetzt so die Kurzfassung. Es war natürlich so emotional ein Auf und Ab mit ganz vielen Gesprächen auch nebenbei eine Therapeutin, die mich noch begleitet hat. Natürlich mit Gesprächen mit meinem Partner, mit Freundinnen. Und trotz alledem, also ich habe häufig gemerkt, dass ich in meiner Entscheidung schon fest so bin, also die war für mich schon klar und ist mir jetzt auch nicht so sonderlich schwer gefallen.

Also ich habe oft von außen so mitbekommen, oh krass, du machst wohl gerade eine richtig krasse Zeit, wie geht es dir denn eigentlich, ich bin ganz oft gefragt, wie geht es dir denn eigentlich und Mensch, es muss jetzt und wie willst du den Abschied dann eigentlich, was willst du da für ein Ritual draus machen und ich war so, warte mal, das ist so schwer, war die Entscheidung jetzt gar nicht für mich, weil...

Ich bin happy mit einem Kind und es war für uns vorher auch schon so klar, dass wir auch ein Kind nur wollen. Also weißt du, was ich meine? Ja. Ich glaube, dass das eben total individuell ist und dass Menschen da sehr unterschiedlich mit umgehen und auch ganz unterschiedliches Modell für sich wählen können, was denen selbst da gut tut. Und für mich war das jetzt, denke ich, das Richtige.

Ich höre aber auch so ein bisschen raus, es war zwar eine klare Entscheidung, Aber das heißt ja auch nicht, dass es dann leicht war, also allein dieser ganze Bürokratie-Prozess, den man da durchlaufen muss. Also ich denke mir auch, man muss auch mal die Zeit haben für so eine Abtreibung. Weißt du, was ich meine? Ja, das stimmt. Ja, total. Ja, klar, genau. Und das bündelt natürlich dann schon auch nicht nur Zeit, sondern auch Energie.

Also, dass ganz viel Energie dann darauf fliegt, okay, wann ist jetzt nochmal der nächste Termin? Oder ich habe mir dann auch so viele Gedanken gemacht, oh Gott, jetzt ist ja schon so viel Zeit verstrichen, geht das jetzt überhaupt noch? Bin ich jetzt überhaupt noch in diesem Rahmen von den zwei Wochen? Habe dann immer wieder nachgerechnet und so, nein, nein, es müsste eigentlich noch alles soweit ja stimmen.

Und als ich dann auch ein paar Ärztinnen abtelefoniert habe, haben die dann auch schon gesagt, oh, da sind sie jetzt schon für die medikamentöse, für den medikamentösen Abbruch viel zu spät dran. Also das können wir dann schon gar nicht mehr machen. Da müssen sie dann das Ganze jetzt operativ machen. Das machen wir aber wiederum nicht. Und das war eigentlich wirklich so das Nervigste an der ganzen Geschichte.

Und das in einem Zustand, wo man eh jetzt schon auch irgendwie vulnerable ist, allein durch die ganzen Hormone, die da irgendwie schon sich verändern, schätze ich mal, oder? Auf jeden Fall. Also das stimmt. Genau, in diesem, ich sag mal, normalen Zustand vorher, vor der Schwangerschaft, war ich ja so genau auch straight, nein, ich kann mir kein zweites Kind vorstellen und ich möchte jetzt hier, ich bin so gut jetzt wieder in meinen Beruf reingekommen, das ging gerade wieder so aufwärts.

Dass ich so gemerkt habe, das macht mir gerade auch so Bock und das will ich jetzt so weitermachen. Und dann kam das dazwischen. Und dann die Hormone und dieses Gefühl von schwanger sein mit großen Brüsten, spannenden Brüsten. Eigentlich das Gefühl, im Urlaub haben zu wollen, hey, ich will jetzt hier Party machen. Auch nicht unbedingt, weil ich Familienurlaub mache. Ich will jetzt hier mal wieder freidrehen. Und dann aber da so als ...

Mama da zu setzen als vielleicht werdende Mama. Das war ganz komisch, ganz strange irgendwie. Und das hat dann schon dazu geführt, dass ich immer wieder auch Babys angeguckt habe mit dem Gefühl von, oh, ist ja irgendwie schon süß. Und wie wäre das denn eigentlich und so. Aber dann mich auch zu fragen, ist das jetzt nicht die Hormonflut, die da aus mir spricht? Oder ist das jetzt wirklich Janna, die da jetzt gerade drauf spricht?

Das musste ich dann mal auseinanderfiltern und mich nochmal zurückbesinnen an die Zeit von vorher. Und das muss ich ja auch offen zugeben, als dann die Fehlgeburt war oder die Diagnosefehlgeburt, setzte schon so ein leichtes Gefühl von irgendwie Erleichterung ein. Auch, puh, jetzt muss ich da gar nicht so aktiv eingreifen in das Ganze, sondern irgendwie ist das Ganze jetzt für mich entschieden worden.

Und dann, als ich nachher den Abgang hatte, muss ich sagen, war ich danach schon sehr erleichtert, auch dass dieses Gefühl von Schwangersein weg war. Ja, vielleicht sagen wir noch mal, welche Methoden es so gibt. Man kann ja eben medikamentös abtreiben oder eben durch dann Absaugen oder eine Kyretage. Das sind so die drei Methoden, wobei die Absaugung häufiger gemacht wird. Und das ist natürlich ein Eingriff, der wirklich unter Vollnarkose passiert

meistens oder unter einer lokalen Betäubung. Aber ich glaube, die Vollnarkose ist häufiger. Also es ist dann schon wirklich so eine Operation. Und ich verstehe total die Erleichterung, dass du einerseits natürlich nicht eingreifen musstest und andererseits auch, ja, du hast ja natürlich auch einen Eingriff erspart, der ja auch... Geld kostet, weil das wird ja nicht von der Kasse übernommen. Also das muss man ja auch dazu sagen.

Ja, genau. Also ein Schwangerschaftsabbruch wird nur dann von der Kasse übernommen. Wenn du ein Einkommen hast unter, ich glaube, in Deutschland ist das 1400 Euro. Oder wenn es eine Vergewaltigung war. Das muss man auch jetzt gar nicht, glaube ich, bei der Polizei angezeigt haben, aber halt im Arztgespräch dann darlegen, dass es keine freiwillige Zeugung war. Und dann wird es auch übernommen.

Genau, das ist ja, ja genau, so ist ja jetzt auch im Moment die Gesetzeslage, dass das Ganze ja strafbar ist nach Strafgesetzbuch im Paragrafen 218. Und dass das Ganze aber straflos bleibt, wenn ja so eine medizinische Indikation vorliegt.

Also wenn du irgendwie gesundheitlich beeinträchtigt bist, Wenn die Schwangerschaft ein Risiko darstellen würde, beispielsweise wenn die Schwangere dadurch in Lebensgefahr käme oder eine kriminologische Indikation vorliegt, also dann bei einer Vergewaltigung, dann bleibt das Ganze straflos. Ganz andere Frage, hattest du das eigentlich in der Ausbildung, dieses Modul Schwangeren-Konfliktberatung? Du bist ja Sexualpädagogin, bespricht man das bei euch?

Ich sage jetzt nein. Nein, weil die, also jetzt, ich muss mal gerade gucken, 2014 habe ich die Ausbildung gemacht, also das liegt ja auch schon jetzt echt ein paar Jahre zurück und ich glaube, dass wir das nicht hatten in unserer Ausbildung beim ISP. Es kann ja natürlich sein, dass die das mittlerweile jetzt auch mit aufgenommen haben. Ja, ich meine, natürlich geht es dann, ich habe ja Sexualberatung gelernt. Das ist ja ein bisschen anders.

Pädagogik ist ja eher, sagt man, eher so mit jugendlichen Kindern so. Kann man das so unterscheiden? Ja, genau. Ist jetzt gerade auch super nerdy, es interessiert mich nur fachlich. Aber wir hatten so ein Wochenende schwangeren Konfliktberatung. Und das finde ich irgendwie ganz interessant, was du da so lernst auch. Also diese ganzen Sachen drumherum, die man eben wissen muss, aber auch so ein bisschen, welche Sprache verwendet man, wenn man jemanden berät, der ungewollt schwanger ist.

Also du kriegst sofort gelernt, so okay, deine Position hat absolut neutral zu sein. So, ne, wenn du jemandem berätst, du bist jetzt weder dafür, dass sie das behält, noch dafür, dass sie das abtreibt, sondern du musst irgendwie.

Superneutrale Haltungen haben das zeigt sich auch in der Wortwahl, da wirst du nie irgendwie sagen, ja, das ungeborene Kind oder das Baby oder so Wörter wie Leben sondern da gibt es immer der Fötus, der Embryo, so, ne also das eben gar nicht so richtig emotionalisiert wird und, Ich finde das auch total interessant. Also mir hat das Modul selber schon wirklich in mehreren Situationen geholfen, auch Frauen in so einer Lage beraten zu können.

Aber ja, wie ging es dir denn mit dieser, ich sage mal, Zwangsberatung? Weil in Deutschland ist ja das Gesetz so, das ist in Österreich anders. Du musst, um abtreiben zu dürfen, erst mal dich verpflichtend beraten lassen. Du kriegst anders einen Schein ausgestellt. Dann musst du nochmal drei Tage warten und frühestens dann kann man diesen Eingriff durchführen. lassen. Genau. Wie ging es dir mit diesem Beraten werden? Also ich war erst mal so, warum muss ich das denn jetzt auch machen?

Ich bin doch jetzt schon sicher, wieso soll ich mich jetzt noch beraten? Also war erst mal sehr kontra. Als ich dann die Beratung durchgeführt habe, war ich nachher total happy, dass ich das gemacht habe, weil das wie so ein kleines Therapiegespräch war. Also es hat mir schon geholfen, würde ich sagen, jetzt bei der Verarbeitung oder das Ganze auch nochmal einzuordnen. Und interessanterweise bin ich dann auch noch beraten worden von meinem damaligen Ausbilder der Sexualpädagogik.

Das war wirklich total komisch erstmal, als wir uns angeguckt haben. Warte mal, wir kennen uns doch. Und dann natürlich auch die Frage, ist das okay für dich, wenn wir jetzt die Beratung hier so machen? Also die Frage haben uns, glaube ich, beide dann gestellt, aber es war dann okay für uns und es war auch gut, dass wir das so zusammen gemacht haben.

Und ja, und da habe ich dann auch noch mal so die Frage gestellt bekommen oder die habe ich mir dann selber noch mal gestellt, wie will ich jetzt eigentlich damit umgehen? Wie will ich das auch, diese Situation sozusagen jetzt die ganze Zeit begleiten emotional? Wie will ich das nachher verbuchen? Und ich könnte es ja jetzt auch so, also das meinte er dann auch so, du könntest es ja jetzt auch in irgendeine Schublade packen.

So von wegen, okay, das war jetzt ein Lebensabschnitt, okay, tschüss, weg damit. Oder aber, nee, das ist jetzt gerade schon die Entscheidung oder eine wichtige Entscheidung in meinem Leben. Und ich glaube eben nicht, dass ich jetzt nochmal eines Tages dann sagen würde, oh, jetzt ein zweites Kind wäre aber jetzt ganz schön. Das wäre jetzt schon so die endgültige Entscheidung, dass ich jetzt eben in

meinem Leben ein Kind habe. Obwohl ich mir zum Beispiel früher, als ich noch jünger war, immer gedacht habe, mindestens zwei Kinder. Ich möchte mindestens zwei Kinder haben. Dann habe ich eins bekommen, habe gemerkt, ah, okay, so ist es, ein Kind zu haben. Ich möchte doch nur eins. Ja, und das war dann auch so klar, dass ich mir dann noch mal länger so Gedanken darüber machen möchte. Wie will ich dieses Ereignis jetzt sozusagen verbuchen in meiner Biografie? Und das war voll wichtig für mich.

Deswegen, also das habe ich so ein bisschen revidiert. als das, was ich vorher dachte, dass es jetzt irgendwie so ein Muss ist. Aber ich weiß zum Beispiel auch, dass manche... Schwangere sich auch so einig sind da und so sicher sind in ihrer Entscheidung, kein Kind zu wollen, diesen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen und die keine Beratung wollen und die auch in Anführungsstrichen nicht brauchen.

Deswegen, jetzt steht es ja auch im Moment so zur Diskussion, ob es überhaupt dieses Beratungsgespräch noch braucht, in Anführungsstrichen. Und ich finde, das dürfte halt eigentlich auch individual entschieden werden. Also ich bin da eigentlich auch für eine Freiwilligkeit und finde nicht, dass man da sagen muss, ja jeder muss das jetzt machen. Für mich war es jetzt total wertvoll, das muss ich schon sagen. Ja, da geht es natürlich dann auch nochmal darum, genau die Schritte zu besprechen.

Also zum einen auch die Möglichkeiten, ob medikamentös oder operativ, da kommt es ja vor allem auch auf dann die vergangene Zeit an, die jetzt seit der Befruchtung stattgefunden hat. Dass man operativ eben viel länger noch machen kann bis zur 12. Schwangerschaftswoche und medikamentös nur im früheren Zustand.

Und ja, also was, wo ich mir schon ein bisschen die Frage gestellt habe, weil ich mir diesen Paragrafen nochmal genauer angeguckt habe und da steht schon drin, dass die Beratung zum Wohle oder zum Schutz des ungeborenen Lebens, also es steht da so ein bisschen vage irgendwie drin, aber eigentlich so ein bisschen pro Schwangerschaft durchgeführt werden soll. Dann habe ich schon so gedacht, jetzt bin ich aber mal gespannt.

Deswegen bin ich gerade total erleichtert, als du das auch sagtest, dass ihr das so gelernt habt, dass man eben absolut neutral sein soll. Und das sagte mir da der Berater bei Pro Familia eben auch. Nein, nein, die müssen absolut neutral sein. Ich glaube aber wiederum, dass es auch Beratungsstellen gibt und habe ich auch durchaus aus der Community mitbekommen, die noch vom alten Schlag sind, einfach da konservativer.

Und tatsächlich eine schwangere Person eher zum Wohle des ungeborenen Lebens dann beraten würden. Und das fände ich dann tatsächlich schwierig. Aber da war es wirklich so ganz ergebnisoffen. Also er hat schon ja natürlich auch rausgehört, dass ich da meine Entscheidung schon getroffen habe. Und dann haben wir eben auch gemeinsam überlegt, okay, was gibt es jetzt für Möglichkeiten?

Welche Schritte müssen jetzt gegangen werden? Ich habe dann eine Telefonliste von möglichen Ärztinnen am Schluss bekommen. Und dann eben auch die Information darüber, welche Kosten dann für mich oder auf mich zukommen würden. Nochmal zu dieser Beratung. Also ich habe mich ein bisschen schlau gemacht. So in den meisten größeren Städten ist es tatsächlich pro Familia. Aber es gibt natürlich auch so kleinere Träger, die auch in kleineren Ortschaften da sind.

Und ich finde, solange die so geschult sind, dass es ergebnisoffen ist, ist es ja okay. Aber eine der Sachen, die auch wirklich schwierig sind, das habe ich sogar selber erlebt, als ich mal für eine Beratung wollte, jemand was wissen zu den Nebenwirkungen von dieser medikamentösen Abtreibung. Habe ich das nochmal schnell gegoogelt, bin auf einer Seite gelandet, die sah erstmal nicht unseriös aus, bis ich dann mir dachte, oh, hier kommt aber sehr oft ungeborenes Kind und Leben und sowas vor.

Also genau diese Wörter, die so ein bisschen Redflex sind. Und dann habe ich das im Impressum nachgeguckt und das gehörte dann eben zu Pro Femina, also nicht Pro Familia, aber sehr ähnlich klingend, auch ganz weit oben gerankt in Google und das ist eine Pro-Life-Organisation, die wirklich Frauen explizit dazu dringt, na komm. Du schaffst das schon mit der Hilfe und weiß ich nicht wem alles.

Und ich bin ja sowohl Journalistin als auch Sexualberaterin, also bilde mir ein, ich hätte ein Bärminimum an Medienkompetenz, aber du kommst einfach schnell auf solche Seiten und musst dann auch wirklich genau nachgucken, wessen Gesinnungen die eigentlich sind. Und das ist zum Beispiel eine Stelle, die von sich behauptet, sie würde diese Beratung auch durchführen. Aber von denen kriegst du halt nicht den verpflichtenden Schein.

Und ich glaube, wenn du eh schon in einem bisschen desorientierten Zustand bist, das vielleicht nicht so gut alles vorher checkst und dann googelst, dann passiert es dir unter Umständen, dass du in so einer unseriösen Beratung landest. Und dann einfach nur Zeit verlierst und da genervt wirst. Und natürlich moralisch total niedergemacht wirst.

Und ich glaube, in einer seriösen Beratung würde ich sagen, Also ich habe das mitbekommen bei einer Freundin, die ist da hingekommen und der wurde gesagt, es ist auch egal, was wir hier besprechen, du kriegst den Schein so oder so, dass du da warst. Weil ich glaube, ganz oft ist ja auch so die Angst da, so okay, muss ich mich jetzt hier irgendwie benehmen, gute Fügung, dann werde ich dann auch das bekommen, was ich will.

Also so ein gefühltes Gefälle und das ist zumindest bei Pro Familia nicht so, die müssen dir den Schein dann schon geben auch, dass du da warst und dass du dann mit diesen drei Tagen Überlegungsfrist, die ich auch irgendwie komisch finde. Ja, ich auch. Ja, genau. Also nee, das wurde mir da auch gesagt. Und das war schon was, wo ich aber dann auch überlegt hatte, also schon die Frage, die du eben gestellt hast, ist dann schon interessant,

ob ich das eigentlich gelernt habe. Die hat mich ja auch stutzig werden lassen. So, warte mal, ich bin Sexualpädagogin und ich weiß das alles nicht. Das geht doch eigentlich gar nicht. Das ist ja auch wieder peinlich. Gott, das hatte sowieso ganz viel mit Scham zu tun, als ich dann auch gesehen habe, jetzt kenne ich den auch noch aus meiner Ausbildung, der hat mich da unterrichtet und jetzt sitze ich da als Freundin. Und Schwangere besser. Hast du

nicht zugehört? Habe ich wohl nicht ganz aufgepasst in meiner Ausbildung. Ja, ich habe mich schon auch sehr geschämt. Ja, und das war natürlich dann auch noch für mich mit einer der größten Mutausbrüche, dass ich das jetzt geteilt habe auf Instagram, weil da natürlich auch ganz viel, also nein, ganz viel ist übertrieben. Es kam Gegenwind, aber das meiste war sehr, sehr positiv.

Also das war wiederum ja auch gut. Aber doch, es kam natürlich schon auch Gegenwind und dann auch, hä, wie kann dir das denn passieren als Sexualpädagogin? Und ich wollte ja genau das damit zeigen, weißt du, so zum einen ich bin menschlich und zum anderen ja auch Sexualpädagoginnen kann das passieren und ja, das hat eben nichts mit Bildungsschicht oder zu tun, sondern das prägt ja dann nochmal umso mehr dieses Gefühl von Schuld oder Scham, wenn wir da so weitermachen.

Und danach haben ja auch ganz viele Frauen geschrieben und dann eben auch mit ihrer Profession oder was sie eben beruflich machen, da waren ÄrztInnen dabei, da waren ProfessorInnen dabei, die gesagt haben, ja, also mir ist das auch passiert und es ist gut, dass du darüber sprichst, dass man endlich so dieses Tabu da wegbricht.

Ich habe das so gefeiert, dass du das öffentlich geteilt hast, weil ich finde, du hast damit auch genau diesem Klischee widersprochen, was wir eben so oft auch medial vermittelt bekommen von diesen dummen Teenagern, die zu blöd zum Verhüten sind. Dann ungewollt schwanger werden und dann wie die Smarties ihre Abtreibungspillen nehmen, wie das Jens Spahn so schön gesagt hat.

Der auch eine Studie in Auftrag geben wollte wie traumatisiert Frauen von Abtreibungen sind, wo also wirklich die Lage jetzt schon ganz klar ist also ich glaube, 99% sagen nach 5 Jahren das war eine gute Entscheidung das sind solche Sachen und ich glaube auch, Wirklich, dass du als Frau, die schon ein Kind hat, sagst, ich möchte halt nicht noch eins. Diese Entscheidung, es ist auch einfach nicht das Bild, was man so medial vermittelt bekommt von einer Frau, die abtreibt.

Aber es ist halt einfach der absolute Durchschnitt. Also ich glaube, knapp die Hälfte der Frauen sagen, ich habe schon ein oder mehrere Kinder und ich will kein weiteres. Ich kann mir vielleicht auch keins leisten oder es passt mir halt gerade nicht rein. Und auch da muss man sagen, es gibt jetzt auch keine besonders guten oder schlechte Gründe zur Abtreibung. Also jeder Grund ist ein guter Grund. Also jeder selbstbestimmte Grund zumindest, wo man nicht dazu gedrängt wurde.

Und ja, diese Frage zu doof zum Verhüten, ich glaube, das ist vielleicht ein guter Zeitpunkt nochmal an den Pearl Index zu erinnern. Genau, dass ja auch keine Verhütungsmethode komplett sicher ist. Das ist ja auch so ein verqueres Denken irgendwie, dass wir denken, okay, wenn wir jetzt eine Verhütungsmethode benutzen, dann sind wir komplett geschützt. Also beispielsweise ist das Kondom ja auch eigentlich mit das Unsicherste.

Ich meine, da kommt es natürlich dann häufig auf Anwendungsfehler an, warum das überhaupt dann so einen schlechten Pearl-Index hat. Da liegt der Pearl-Index bei zwei bis zwölf, also relativ weit auseinander, aber das liegt eben dann häufig an Anwendungsfehlern. Aber ja, weißt du, die können halt passieren. Und deswegen auch mit Kondom ist man auch nicht komplett geschützt. Die Pille hat einen ganz guten Pearl-Index mit 0,1 bis 0,9.

Also ich glaube, ich sage es nochmal kurz, weil der Pearl-Index ist ja glaube ich auch nicht ganz unumstritten. Wir gehen ja immer von diesen absoluten Idealbedingungen aus, zum Beispiel bei der Pille, dass du halt nicht zwischendurch Magenprobleme hast und vielleicht Durchfall oder dich mal übergeben musst. Also das führt ja eben auch schon dazu, dass sie nicht so gut funktionieren kann.

Und ja, Kondom, wie du sagst, Anwendungsfehler, was ich auch immer wieder predige, ist, checkt eure Kondomgröße. Es gibt so einen Riesenunterschied, ob das Kondom richtig gut sitzt und passt oder zu klein, zu groß, reißt, rutscht ab. Also allein das kann schon viel tun irgendwie für die Sicherheit. Dann auch so Sachen wie Kupferspirale, ganz guter Pearl-Index.

Also man sagt, je kleiner die Zahl ist, desto weniger Frauen werden innerhalb von einem Jahr, wo sie nur dieses Verhütungsmittel benutzen, schwanger. Und von der Kupferspirale ist zum Beispiel 0,3 bis 0,8. Also das heißt, drei von tausend Frauen werden damit schwanger im Jahr. Aber ich habe so oft das Gefühl, mit meiner anekdotischen Evidenz deckt sich das so überhaupt nicht. Weil ich kenne wirklich mehrere Spiralen-Babys zum Beispiel.

Die halt trotzdem, die Gebärmutter halt irgendwie, da saß das nicht so richtig gut. Und ich meine, es gibt auch da immer wieder so Rückrufaktionen, dass irgendein bestimmtes Produkt doch nicht so gut funktioniert. Und also ich glaube, shit happens einfach. Oder auch trotz Pille. Also kenne ich auch total viele und haben mir auch super viele geschrieben, Wo ich wirklich dachte, hä, das ist ja irgendwie komisch, dass die angeblich ja eigentlich so sicher sein soll.

Genau, und wo du das eben mit Jens Spahn gesagt hast, dass wir ja jetzt auf einmal damit anfangen, die Anti-Baby-Pille, nein, die Pille danach... Und unkontrolliert in uns reinzuwerfen. Genauso ist es ja auch mit Schwangerschaftsabbrüchen, dass da viele jetzt die Angst haben, oh Gott, wenn jetzt dieser Paragraf 218 wegfällt, ja was passiert denn da eigentlich? Ja was passiert denn da, als wenn die Leute jetzt auf einmal dann losziehen und jetzt just for fun Schwangerschaftsabbrüche durchziehen?

Das ist ja auch völliger Quark. Also ich finde es halt viel, viel schlimmer, dass das Ganze so kriminalisiert wird. Absolut. Und ich glaube, wir sehen wirklich auch im internationalen Vergleich, dass Länder, in denen Abtreibungen mehr kriminalisiert werden, nicht dazu führen, dass es weniger Abtreibungen gibt, sondern nur, dass es weniger sichere Abtreibungen gibt. Also das ist wirklich ganz, ganz deutlich an allen Statistiken zu erkennen.

Auch die USA ist jetzt wirklich sowas von zurückgefallen, was irgendwie die Frauensterblichkeit angeht in bestimmten Bundesstaaten, wo das eben kriminalisiert jetzt ist. Also ich war im Herbst auf einer Sexualmedizinerkonferenz und da war ein wirklich alter amerikanischer Arzt, der gesagt hat, so während den Anfängen, ich hätte das nie für möglich gehalten, dass es in den USA nochmal so wird. Und schaut nach Polen. Es ist ja wirklich ein Nachbarland.

Was da passiert, da werden Frauen, die mit Komplikationen ins Krankenhaus kommen, müssen erst mal einen Urintest abgeben, ob sie die Abtreibungspille genommen haben. Dann werden sie nicht behandelt oder anders behandelt. Da ist ja Abtreibung komplett kriminalisiert inzwischen. Und also da passieren so viele Sachen, die mich so wütend machen, dass ich manchmal zu heulen anfange. Also da werden jetzt wirklich diese Abtreibungspille, ist ja ein Präparat, das relativ gut wirkt.

Und auch noch in Deutschland geht es ja nur bis zur, weiß ich nicht, neunte Woche oder sowas sagt man, dass man die verschreibt. Weil dann eben das, was man dann ausscheidet, selber schon sehr groß ist. Also ist auch von Arzt zu Arzt unterschiedlich. Manche verschreiben das auch tatsächlich nur bis zur sechsten Woche. Ja, das ist total interessant. Und ich habe aber auch schon ÄrztInnen-Meinungen gehört, die sagen, eigentlich könnte man das auch noch deutlich länger geben.

Und das ist ja genau das, was jetzt auch in den USA passiert und was eben auch in Polen passiert, dass eben AktivistInnen schauen, dass sie diese Abtreibungspille quasi nach Polen reinschmuggeln, entweder über die Grenze. Ich habe auch gehört, es werden Drohnen rübergeflogen, dass die ins Land kommt. Es werden Abtreibungen auf dem Seeweg durchgeführt, weil da das Seerecht gilt. Des Landes, aus dem man kommt.

Also dass wirklich Ärztinnen auf Booten dahin fahren und dann dort Frauen abtreiben können. Und das sind so Sachen, die sind einerseits so unvorstellbar für uns, aber andererseits halt einfach im Nachbarland. Das kann man gar nicht fassen. Also so geht es mir oft, dass ich das gar nicht fassen irgendwie begreifen kann. Und auch dieses, jetzt war das ja auch in Deutschland immer mal wieder so gefühlt zumindest, kurz davor, dass wir diesen Paragrafen abschaffen konnten.

Dann haben sich doch wieder die Konservativen durchgesetzt bzw. quergestellt. Und jetzt leben wir damit immer noch. Gerade gibt es ja auch da wieder einen Hoffnungsschimmer am Himmel, weil die SPD ja jetzt gerade gesagt hat, also wenn Koalition mit uns, dann nur, wenn dieser Paragraf wegkommt. Also es ist immer wieder so ein Bangen oder Hoffen zwischendurch und dann doch nicht. So ging es mir jetzt auch, also auch durch alle Emotionen durch.

Ja, auch so viel Wut einfach. Also auch gerade, dass dann Merz sagt, ja, wir sollten hier nichts überstürzen. Ich glaube, Deutschland, Österreich, Schweiz sind so ein paar der letzten Länder hier im Umkreis, wo es noch so einen Paragrafen gibt und in allen anderen, außer natürlich dann den richtig Konservativen, aber wenn wir so nach Niederlande, Dänemark, da gibt es das nicht.

Und das hat auch nicht zur Folge, dass das Gesundheitssystem zusammenbricht und Freundinnen sich zum Mädelsabend in der Abtreibungsklinik wachreden, weil es gerade witzig ist. Man muss es ja mal so klar sagen. Ich habe auch ein wirklich super Buch dazu gelesen, das ich natürlich auch in den Shownotes verlinken werde. Deine Entscheidung von Laura Dornheim, alles, was du über Abtreibung wissen musst, was ich echt besser haben als brauchen.

Immer gut, wenn das irgendeine Freundin schon mal daheim im Schrank stehen hat und dann einer anderen Freundin bei Bedarf ausleihen kann, weil die wirklich ganz, ganz klar erklärt, welche Schritte passieren wann. Und hier habe ich auch was zur Rechtslage in Europa gefunden. Also in wie vielen Ländern das einfach Kassenleistung ist und es wirklich nur in Deutschland und Österreich ist es keine Kassenleistung und du musst dafür selber...

Und zwar auch, also was ich mich auch immer frage, so eine medikamentöse Abtreibung ist ja ein ganz anderer Aufwand, als wenn du in ein Krankenhaus gehst, da gibt es einen OP, der muss für dich präpariert werden, dann stehen da fünf Leute um dich rum. Als du nimmst zwei Pillen. Und trotzdem kostet es irgendwas um die 300 Euro. Ja, und ich glaube, der Preis dieser Tablette, wenn du die halt so verschickst in Länder, also wenn du da spendest, sind dann irgendwie so 30 Euro oder sowas.

Ja, also auch da fragt man sich so, mit welcher Begründung ist das noch so? Ja. Und dieses Präparat, was du da nimmst, ist dann auch irgendein Off-Label-Use und eigentlich für Magenkrämpfe zugelassen. Und also da sind so viele Sachen, da denkst du, wenn Männer abtreiben müssen, dann wäre das, würde die Welt anders aussehen. Ja, genau, das ist es ja. Also wenn ich jetzt kritisiert worden bin für das Ganze, dann eben auch meistens von Männern.

Und auch da darf ja nochmal ein Umdenken stattfinden, dass wir eben dieses ganze Thema Verhütung nicht immer nur aus der Frauenperspektive betrachten und beurteilen, sondern dass da Männer viel mehr mit in die Pflicht genommen werden und sich auch an den Kosten der Verhütungsmittel natürlich mitbeteiligen, wenn die jetzt Frauen schlucken sollten beispielsweise. Oder eben einfach wie selbstverständlich Kondome dabei haben.

Also wieso ist das immer noch so sehr, dass sich da Frauen wie selbstverständlich drum kümmern müssen und nachher sind sie es schuld, wenn sie dann schwanger werden. Also es ist doppelt und dreifach scheiße, dass wir eigentlich alles Mögliche tragen müssen. Wir sind auch nachher dann schwanger und müssen dann mit den Konsequenzen leben. Und im schlimmsten Fall die halt nicht wegrennen, wenn das Kind dann geboren ist und der Mann kann sich aus der Affäre ziehen.

Ja, das war zum Beispiel auch noch was, was dann auch noch mal viele Diskussionen so in den Kommentaren angestoßen hat, ob jetzt eigentlich Männer dann mitreden dürfen. Wenn, also ob sie dann nicht auch das gleiche Mitspracherecht haben, wenn eine Frau schwanger ist, dass sie dann auch sagen, ja, aber ich will das Kind bekommen oder sie sagt, sie will es haben und er möchte aber dann auch sagen können, ja, aber ich nicht, also kriegen wir das nicht.

Und denen klarzumachen, ja, was ist nicht dein Körper? Das ist halt ihr Körper, ihre Regel. Puh, also da ist eigentlich noch mal viel Aufklärungsarbeit. So habe ich das Gefühl, da sind Basics notwendig. Jetzt mal fernab von diesen ganzen Regelungen, die es da gibt. Da muss da noch mal total viel, finde ich, Aufklärung betrieben werden. Dieses, das sagt sich zwar oft so leicht, my body, my choice. Oder eben mein Körper, meine Regeln. Das vermittle ich ja jetzt auch schon immer unserem Sohn.

Aber ja, was steckt eigentlich auch dahinter? Wie war das für deinen Partner in der Situation? Genau, also für den war dann auch so erschreckend festzustellen, dass... Genau, das hat er auch in der Podcast-Folge dann noch gesagt, dass er jetzt kein Mitspracherecht hätte, wenn wir uns jetzt nicht so einig wären, dass das halt auch echt ein Thema sein könnte und ja auch in meinem Umkreis durchaus ein Thema ist, wenn einer einen Kinderwunsch hat und die andere Person nicht.

Und dass dadurch auch schon Beziehungen kaputt gegangen sind und dass wir da uns glücklich schätzen können, dass wir da so auf einer Wellenlänge sind. Aber natürlich auch immer so in Absprache oder das Ganze ist ja ein System, das ist ja so voneinander so abhängig auch. Also ich weiß zum Beispiel, ich möchte, wenn ich ein Kind kriegen sollte oder noch ein Kind kriegen sollte, möchte ich das eben nicht alleine großziehen im Idealfall, Sondern mit meinem Partner zusammen.

Und da ich aber weiß, also zum einen gibt es einen größeren Altersunterschied und aber auch einen Energieunterschied an der Stelle, dass er das nicht mittragen kann und möchte, ist für mich auch klar, ja, dann passt es halt auch umso mehr nicht. Ja. Also das hängt natürlich dann auch immer zusammen. Genau, aber für ihn war es halt am krassesten dann so festzustellen, okay, wenn ich mich aber jetzt dazu entscheide, dann hat er kein Mitspracherecht letzten Endes.

Klar kann er sagen, okay, ich finde das jetzt gut oder nicht gut, aber letzten Endes entscheide ich das Ganze. Ich habe mit Ariadne von Schirach, dieser Philosophin, auch mal über das Thema im Podcast gesprochen. Und sie hat dann auch von ihrer Abtreibung erzählt. Und sie meint, sie glaubt, Männer haben eben genau diese Wut auf Frauen, die abtreiben, weil die Frau da das Leben nehmen kann sozusagen.

Und sie sieht das irgendwie so als Kern dieser Abtreibungsgegner, dass die Frau in dem Moment die größere Macht hat als der Mann. Dass er dann nicht die Kontrolle darüber hat, letzten Endes. Und dass deswegen dann irgendwie Konservative versuchen, diese Kontrolle noch viel mehr zu erlangen gerade. Und das auf ganz viele Arten in ganz vielen Ländern nicht ganz, ganz, ganz schrecklich finde.

Ja. Ja, also ich versuche immer diesen Podcast auch on a high note oder zumindest einer konstruktiven Schlussnote zu enden. Und toll wäre natürlich, wenn der jetzt veröffentlicht wird und dann bis dahin ist der Paragraf schon abgeschafft, aber ich bin noch ein bisschen skeptisch, ob es passiert. Wie geht's dir?

Ich auch, also ich hab mich halt mal wieder mega gefreut, aber dadurch, dass ich so viele Enttäuschungsmomente jetzt in der letzten Zeit hatte, wo ich mich immer vorher gefreut habe, war das wie so ein ausbleibender Orgasmus. Ich freu mich jetzt gar nicht erst wieder. Ja, deswegen bin ich auch so ein bisschen gedrosselt. Hoffe natürlich trotzdem Und das wäre wirklich jetzt eigentlich so die schönste Botschaft noch vor dieser...

Crazy Koalition, die sich da gerade bildet, dass das zumindest geklappt hat und danach kann er in die Welt untergehen. Nein, so apokalyptisch wollen wir jetzt vor allem nicht enden. Nein, nein. Ich freue mich jedenfalls, dass es dir wieder gut geht, dass du da durch diese Zeit gut durchgekommen bist. Ja, also mir geht es wirklich gut und ich habe kein Verabschiedungsritual in dem Sinne gemacht. Also ich habe diesen Fötus nicht begraben, sondern ich habe ihn mir ganz genau angeschaut.

Ich bin echt so neugierig gewesen. Was kommt da jetzt aus mir raus? Wie sieht das aus? Und wie viel ist das? Ja, also diese Fehlgeburt, das war schon irgendwie nochmal krass, einfach so körperlich zu erleben, weil das einfach viel stärkere Schmerzen waren, eine viel stärkere Blutung, als ich das sonst vor meiner Periode so gekannt habe. Und dann fand ich es eben da total spannend, so diesen Zellhaufen zu durchforsten und zu gucken, was kann man da eigentlich erkennen.

Aber damit ging es mir dann gut, den so im Klo zu verabschieden und ich bin froh, dass ich tolle Menschen an meiner Seite habe und die mich da irgendwie gut durch die Zeit begleitet haben und mir geht es gut mit der Entscheidung, mir geht es gut in der Partnerschaft, dass wir das irgendwie beide auch so entschieden haben und da an einem Strang ziehen.

Und auch gut damit, dass ich das in die Öffentlichkeit getragen habe und damit ja offensichtlich einen Nerv getroffen habe, weil so viel Interaktion wie unter den Videos, die ich da gepostet habe, war ich lang nicht mehr, wenn sogar noch nie. Ja, du hast da wirklich, also wirklich auch meine Kolleginnen, mit denen ich darüber gesprochen habe, waren so, wow, die hat Mut, also die traut sich wirklich was. Also deswegen auch hier Hut ab. Ja, aber das war mir erst mal wirklich nicht bewusst.

Also das war wirklich so, okay, ich zeige mich jetzt dadurch, aber dass es nachher so einen Impact hat, das habe ich überhaupt gar nicht erwartet, wirklich nicht. Aber darf ich dich fragen, du hast das schon zeitversetzt geteilt, oder? Das war jetzt nicht so live aus der Gönn-Praktis quasi. Nee, oh Gott, gar nicht. Es haben ja dann auch welche geschrieben. Und ich war ja dann schon so emotional viel weiter vorne.

Und die waren so, krass, was du jetzt gerade durchleben musst und ich war schon so emotional viel weiter weg. Nee, nee, genau, das war zeitlich versetzt. Ja, ich glaube, das, also ansonsten stelle ich mir schon auch noch sehr belastend vor, wenn dann irgendein Helmut in die DMs slidet und sagt, du Mörderin oder so. Also es waren schon, Reaktionen meintest du ja, waren hauptsächlich positiv, aber gab dann auch Leute, die es doch nicht so cool fanden, dass du das teilst. Das stimmt.

Ja, mein Blockierfinger war natürlich wieder ganz hart in der Zeit. Ja, geht nicht anders. Und ich habe auch teilweise die Kommentare dann ausgeschaltet, weil ich da selber merkte, jetzt gerade schütze ich mal auch meine mentale Gesundheit. Aber trotzdem so cool, dass du es geteilt hast und gut, dass es bei dir alles gut verlaufen ist. Ich höre halt auch wirklich so oft, hey, ich habe mich damit so alleine gefühlt.

Und ich glaube, je mehr darüber gesprochen wird und je mehr das auch geteilt wird, umso weniger allein fühlen sich vielleicht auch einzelne Menschen, die das gerade durchleben. Ja, genau das. Das kam nämlich auch in den Kommentaren immer drüber, dass das genau die Frauen immer gedacht haben, dass sie alleine wären. Gibt es irgendwas, was du dir gewünscht hättest, dass das jetzt anders läuft, sei es von Gesellschaft oder das ganze Prozedere? Ja, da gibt es natürlich irgendwie so viel.

Da gibt es so viel, was ich jetzt da an der Stelle am liebsten sofort verändern würde. Aber wenn es so eine Sache wäre Also ich glaube, was mich ja dann so Am meisten umgehauen hat Ist, dass dieser. Mythos Dass halt da so viele Mythen Rundum ranken Also dieses mit der Verhütungssache Dass es ein Bildungsthema ist Zu dumm zu verhüten und all das, Das würde ich am liebsten So aus den Köpfen Raussaugen können Aber wenn ich mir jetzt eine Sache wünschen dürfte Dann wäre es das,

Du darfst ja auch mehrere Sachen wünschen. Wir sind hier bei Wünscht dir was, Podcast. Ich wünsche mir wirklich, ich drücke da jetzt echt die Daumen für diese nächste Koalition in Deutschland, dass wir es schaffen, dass dieser Paragraf jetzt abgeschafft wird und dass es jetzt einfach viel mehr Frauen leichter gemacht wird, wenn sie einen Wangerschaftsabbruch durchführen wollen. Und bessere medizinische Versorgung bzw.

Dichteres Versorgungsnetz. Also das ist einfach nicht mehr wie eine Straftat behandelt wird. Ich glaube, so vieles würde resultieren daraus, was diese Gesetzeslage im Moment noch halt nicht hergibt. Ja, genau. Manchmal hatte ich so das Gefühl, das läuft dann alles so unter der Hand. So hier ist jetzt der Zettel mit den Telefonnummern, dann telefoniert die jetzt mal ab und dann so abtelefoniert. Ja, bei uns leider nicht, aber versuchen sie es mal da in der Praxis. Ja, viel Erfolg.

Okay, dann rufe ich jetzt da mal an. Das ist so schlimm. Und ich meine, gerade jetzt zum Beispiel der medikamentöse Abbruch, da besteht ja normalerweise, außer es kommt zu Komplikationen, muss irgendeine Art Nachsorge passieren, besteht die Handlung ja darin, dass die Ärztin dir eine Tablette gibt und du die dann vor der Ärztin nehmen musst.

Das sind zwei Tabletten. Und die erste muss man in Anwesenheit der Ärztin nehmen, um quasi dadurch zu verhindern, dass man das Präparat jemand anderem weiterverkaufen geben könnte. Also das ist der Hintergrund dazu.

Und wo ich auch denke, also das ist jetzt wieder die Jens Spahn wilde Vorstellung, dass wir das alles als Freizeitbeschäftigung machen, aber, jemanden in der Tablette zu nehmen und zu sagen, schluck die mal und hier hast du die nächste, das kann ja eigentlich auch eine Apothekerin zum Beispiel, also es gibt auch wirklich Länder, da gibt es diese. Abtreibungspille ganz einfach in der Apotheke zu kaufen.

Ja, und die zweite Tablette darf man aber dann zu Hause nehmen, weil das hatte der mir neunmich noch alles mit aufgeschrieben mit Home Use, also dass es da auch nochmal Unterschiede gibt, dass es dann auch die Abtreibungen für den Home Use, Genau, das ist der Home-Use. Also die erste musst du dort einnehmen und dann die zweite, die ist für den Home-Use bestimmt.

Also ich will jetzt gar nicht den Eingriff schmälern, also beziehungsweise die Abtreibung an sich, die ist ja trotzdem heavy, genau wie eine Fehlgeburt war ja bei dir auch nicht ohne, nehme ich an körperlich. Aber es wäre doch einfach cool, wenn das ein bisschen normaler behandelt würde als eine Gesundheitsleistung so für Frauen, was es halt eigentlich ist ohne diesen moralischen Überbau. Genau und ich glaube, das alles hängt halt zusammen mit der Legalisierung.

Dann, dass die Mythen sich langsam auflösen würden und dass sich mehr Frauen öffnen würden, sagen, ja genau, ich habe das auch machen lassen und dann glaube ich, könnten wir alle zumindest in dem Bereich da ein bisschen befreiter wieder leben. Ja, das glaube ich auch. Vielen, vielen Dank, dass du deine Erfahrung mit uns geteilt hast. Das war, glaube ich, wahnsinnig wertvoll. Und ja, schön, dass wir sprechen konnten dazu.

Sehr gerne, das fand ich auch. Sag noch mal, ich vergesse immer am Schluss die Promo zu machen, aber sag noch mal den Leuten, wo finden sie dich im Internet und was gibt es da? Genau, es gibt von mir eben auch einen Podcast, der heißt Hot Stuff. Den findet ihr auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen. Und dann ansonsten habe ich eine eigene Website, auf der nicht so viel stattfindet. Viel mehr findet statt auf meinem Instagram-Kanal unter Gianna Baccio.

Wunderbar, danke dir, meine Liebe. Danke an alle, die diese Folge gehört haben. Ihr findet natürlich auch eine Folge, die wir zusammen aufgenommen haben, sehr bald bei Hot Stuff. Die werden wir natürlich auch verlinken. Ansonsten freuen wir uns natürlich immer, wenn ihr diese Folge auch weiterschickt, empfehlt. Lustprinzip und Hot Stuff mit möglichst vielen Sternchen überschüttet auf der Plattform eures Vertrauens.

Ich freue mich natürlich auch immer über Rückmeldungen und Feedback, solange sie nicht irgendwie Abtreibungsgegner- Content sind, den könnt ihr gerne für euch behalten. Ansonsten, ja. Music.

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