¶ Meckern: Definition und Klischee
Hallo und willkommen zurück zu einer neuen Folge meines Podcasts. In der heutigen Folge geht es mal nicht um die Weihnachtszeit in Deutschland. Darüber spreche ich gerne, darüber werde ich auch viel sprechen im Dezember. Aber heute geht es mal um ein Thema, das damit gar nichts zu tun hat, nämlich um die Frage, meckern die Deutschen viel und wenn ja, worüber meckern sie und warum meckern sie eigentlich so viel?
Bevor wir damit beginnen, eine kurze Bitte. Falls dir dieser Podcast gefällt und falls er dir beim Deutschlernen hilft, gib mir gerne eine gute Bewertung auf Spotify oder Apple Podcasts oder wo du ihn hörst. Das hilft anderen Leuten, diesem Podcast leichter zu finden und auch damit Deutsch zu lernen. Vielen Dank im Voraus. Ja, meckern die Deutschen viel? Das ist heute die Frage, die ich hier klären möchte. Erstmal, was bedeutet meckern denn eigentlich?
Also meckern bedeutet so viel wie Kritik üben, sich beschweren, ja, die Unzufriedenheit mit einer Situation, einer Person oder einer Sache auszudrücken. Und dabei so ein bisschen genervt zu sein und einfach offen über diese Unzufriedenheit sprechen. Und ich würde sagen, ja, die Deutschen meckern relativ viel. Das ist halt irgendwie ein Klischee und ein Klischee ist nun nicht zu 100% zutreffend. und passt natürlich nicht zu jedem von über 80 Millionen Deutschen, das ist völlig klar.
Aber so ein Klischee hat oftmals eben auch einen Ursprung. Und ich als Deutscher würde sagen, dass die Deutschen vergleichsweise viel meckern, wobei ich jetzt diesen Vergleich natürlich jetzt auch nicht mit jedem anderen Land habe. Ich bin aber auch relativ viel verreist und habe zumindest in der Kommunikation in anderen Ländern festgestellt, dass da weniger gemeckert wird. Dass sich da auch beschwert wird, sicherlich, aber in Deutschland, dass das schon irgendwie mehr ist.
¶ Gründe für die deutsche Meckerkultur
Die Frage ist vielleicht erstmal, warum? Meckern die Leute denn so gerne? Also, warum beschweren sich die Deutschen so gerne? Und ich habe mir da so ein paar Sachen überlegt, warum das so sein könnte. Das ist sicherlich auch wieder individuell. Ich kann ja jetzt nicht sagen, warum jetzt irgendjemand im Haus in Brandenburg sitzt und sich gerade beschwert, aber. Ich glaube, Deutsche haben oftmals sehr hohe Ansprüche.
Die Deutschen haben oftmals hohe Ansprüche an verschiedene Situationen, an gewisse Dienstleistungen, an die Qualität von Produkten. Und das kommt natürlich von dieser Vorstellung. dass Deutschland das Land der Ingenieure ist, was hier gebaut wird, wird mit Qualität gebaut. Die Produkte, die hier produziert werden, werden mit Qualität produziert.
Und auch wenn es heutzutage eigentlich so ist, dass hier gar nicht mehr so viel produziert wird, weil das in China oder anderen asiatischen Ländern passiert, Hat man natürlich trotzdem noch kulturell im Kopf verankert, diese Qualitätsvorstellung, diese Idee von deutscher Wertarbeit. So wurde das früher vor mehreren Jahrzehnten genannt. Das haben schon viele Leute im Kopf. Und dementsprechend unzufrieden sind sie dann.
Wenn irgendein Produkt oder irgendeine Dienstleistung, irgendein Service, also irgendwas, womit sie Kontakt haben, eben nicht dieser Vorstellung entspricht. Und nun ist es so, dass die Kommunikation von Deutschen eben auch eher direkt ist. Also So, das Feedback, die Rückmeldung, die wird dann nicht unbedingt zurückgehalten, sondern die kommt dann eben direkt raus. Ja, also wo andere Leute vielleicht dann eher drumherumreden würden und versuchen würden, das höflich zu formulieren.
sagt der Deutsche dann, wenn er weiß ich nicht, einen Maler hatte, der zu Hause renoviert hat, sagt der Deutsche dann, das sieht scheiße aus, was haben sie denn da gemacht? So. Und das ist natürlich für viele Leute, die das nicht kennen, ähm,
Ja, Kulturen, wo man dann vielleicht eher sowas sagen würde wie: Vielen Dank erstmal, dass Sie hier sind und dass Sie diese Arbeit gemacht haben. Vielleicht können wir ja nochmal über ein paar Sachen sprechen. Für die ist das natürlich dann ungewohnt. Das verstehe ich. In diesem Fall wäre das dann vielleicht auch berechtigte Kritik, berechtigtes Meckern, wenn man so will. Und ich bin auch der Meinung, dann sag es lieber direkt, das spart Zeit und vermeidet Missverständnisse.
Und dann liegt eben quasi auf dem Tisch, worüber gesprochen werden soll, dann ist es klar und dann kann man darüber sprechen. Direkt muss er nicht respektlos sein oder sollte nicht respektlos sein, um Gottes Willen. Aber direkt ist meiner Meinung nach auch ziemlich gut. Also diese hohen Ansprüche an Qualität, das ist die eine Sache und dementsprechend ist man dann halt schnell unzufrieden, wenn man meint, dass das nicht funktioniert, wie man sich das vorstellt.
Man muss ja mal, wenn man das positiv betrachtet, vielleicht auch dazusehen. Dass diese dauerhafte Unzufriedenheit oder dieses dauerhafte Es geht noch besser natürlich auch im besten Fall dazu führen kann, dass Sachen optimiert werden, dass Sachen verbessert werden. Und dass das dann zu Innovationen und höheren Standards führt. Ja, da muss man halt irgendwie so ein bisschen unterscheiden, ist das nun Kritik und Meckern, was wirklich
auf ein bestimmtes Thema abzielt und wo man dann auch einen Verbesserungsvorschlag hat? Oder ist es einfach nur so ein Hintergrundgeräusch, wo irgendjemand mit sich unzufrieden ist und den ganzen Tag Irgendwas erzählt, was nicht alles schlecht ist. Also, das hängt natürlich auch davon ab, worüber man hier spricht.
Dann ist die Sache, dass Deutsche gerne Planungssicherheit haben. Also, Deutsche haben gerne im Regelfall Sachen organisiert und geplant. Das heißt, wenn jetzt hier im März irgendein Geburtstag ist, Dann weiß man eben schon jetzt ganz gerne, wer kommt da, wann ist das Treffen, was wird gemacht und wo findet das statt. Dann kann man sich das in den Kalender eintragen und dann weiß man genau, was an diesem Samstagabend um 19 Uhr wo passiert.
Klar, das wirkt dann irgendwie auch so ein bisschen steif. Das wirkt wenig spontan. Das ist sicherlich so. Und wie gesagt, auch hier ist das jetzt nicht bei jedem Deutschen so, aber ich rede jetzt halt ein bisschen über dieses Klischee, ne? Das ist klar. Und wenn dann Informationen unklar sind, dann wird sich halt auch relativ schnell beschwert. Das ist dann auch eine Sache, die vielen Leuten nicht gefällt. Wie gesagt, heutzutage sind da auch viele Leute ganz anders.
Ich glaube sicherlich, dass beides so seine Vor- und Nachteile hat. Sicherlich diese Planung, diese strikte, rigide Planung. Macht natürlich wenig Spontanität dann möglich in diesem Zeitpunkt. Auf der anderen Seite das Positive ist eben auch, dass man eben auch wieder weiß, was passiert, woran man ist, was man erwarten kann und es endet dann weniger wahrscheinlich im Chaos.
Wie gesagt, das habe ich am Anfang schon gesagt, ich bin auch relativ viel verreist und ich rede jetzt hier gar nicht über spezielle Länder, aber klar, ich war eben auch in Ländern, wo man diese langfristige Planung nicht macht. Oder von mir aus auch kurzfristige Planung, wo man sich dann irgendwie trifft.
Und dann ist irgendwie so die Idee: ne, wir treffen uns um sechs und irgendwann zwischen sechs und neun kommen dann irgendwelche Leute und manche kommen auch gar nicht. Das ist halt so eine Sache, das kann Deutschen eben dann, wenn sie das so machen, nicht passieren. Aber wie gesagt, So dieses um spontan da was machen, ist dann eben auch gerne blockiert. Also
Es hat so alles seine Vor- und Nachteile. Wie dem auch sei, hier soll es ja heute um das Thema meckern und sich beschweren gehen. Wenn da irgendwas bei dieser Planung unklar ist oder was dazwischen kommt, dann gibt es auch viele Leute, die sich da beschweren. Das ist der Punkt.
¶ Häufige Beschwerdethemen im Alltag
Naja, und dann ist es auch so, dass dieses Meckern und sich Beschweren irgendwie auch sowas von so einer sozialen Kommunikation hat. Das ist sicherlich vielleicht ein bisschen merkwürdig. dass irgendwie dann etwas Negatives benutzt wird, um Smalltalks zu führen. Das mögen ja viele Leute in Deutschland sowieso nicht so gerne, Smalltalks zu führen. Aber ja, man hat halt dann immer gemeinsam irgendwas, worüber man sich beschweren kann. Ich bin davon nicht so ein Fan, weil.
Ja, man kann ja auch irgendwie über was Schönes reden oder über was Positives und wenn es nichts Positives zu erzählen gibt, dann kann man auch einfach mal ein paar Minuten gar nichts sagen. Es ist aber so, dass sich viele Leute schon gerne beschweren. Und da sind die ganz
Großer Klassiker ist, dass man sich über das Wetter beschwert. Ja, das hat jetzt nichts mehr mit Produktivität und Innovation zu tun. Das ist wirklich so, also wenn es zu heiß ist, dann beschweren sich die Leute, dass es zu heiß ist. Wenn es regnet, dann beschweren sich die Leute, dass es regnet. und wenn es zu kalt ist, dann meckern die Leute, dass es so kalt ist. Kurz gesagt, ähm, viele Leute in Deutschland haben an jeder Wettersituation irgendwas auszusetzen.
Und das wird dann oftmals auch gern kombiniert mit Freizeitaktivitäten, also so Sätze wie Naja, jetzt wo ich arbeiten muss, scheint die Sonne das ganze Wochenende hat es geregnet, wo ich gern Fahrrad gefahren wäre. Die sind dann auch relativ typisch. Also man findet dann eben auch irgendeine Kombination, warum genau dieses Wetter jetzt heute nicht passt, aber am Wochenende gepasst hätte.
Dann beschweren sich Deutsche gern über den Verkehr. Ja, ich stand mit dem Auto im Stau. Diese Baustelle wird aber auch gar nicht fertig. Diese Straße hier in dieser Stadt ist wirklich eine absolute Vollkatastrophe. Die Bahn kam wieder zu spät. Irgendwas in dieser Richtung, öffentliche Verkehrsmittel, das eigene Auto muss repariert werden, das wird zu teuer, die Baustelle wird nicht fertig, die Qualität dieser Straße ist schlecht. Hier bräuchte man eine Spur mehr, was auch immer es ist.
Irgendwie in diese Richtung, das ist auch so ein beliebtes Smalltalk-Meck-Thema von vielen Deutschen. Dann redet man sehr gerne über Bürokratie und Ämter. Das ist ja nun so eine Sache, wo man oft sagt, die Bürokratie in Deutschland sei so schlecht.
Ich muss ehrlich sagen, ich weiß gar nicht, ob sie so ungewöhnlich schlecht ist. Also, ja, es nervt, es ist anstrengend, man hat natürlich nie Lust darauf, auf irgendein Amt zu gehen. Aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das in anderen Ländern jetzt besser ist. Ich kann es nicht beurteilen, weil
Ich war oftmals dann nur als Tourist dort und habe dort nie gewohnt. Und ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass das in anderen Ländern durchweg perfekt funktioniert, wie dem auch sei. Das ist halt so eine Sache. Von der sich viele Leute irgendwie gestresst fühlen, wenn sie diesen Kontakt damit haben. Und da wird dann auch gerne drüber gemeckert und sich ausgetauscht mit anderen Leuten, Arbeitskollegen, Freunden, Nachbarn, wem auch immer.
Naja, und dann sind das halt noch so ganz klassische Themen wie Preise, Inflation, alles ist teuer geworden. Diese Steuer ist zu hoch, das kann ich mir nicht mehr leisten, ich habe eine Mieterhöhung bekommen. Also sicherlich irgendwie berechtigte Themen, aber das ist natürlich dann eine Sache, über die man sich auch gerne beschwert. Über die Arbeit, das ist natürlich ein Klassiker. Diese Kollegin ist doof.
Dieser Kollege ist nicht zuverlässig, mein Chef, den mag ich nicht, oder was auch immer. Das sind so ganz klassische Themen. Und Politik. Das ist aber auch klar und ich glaube, das ist jetzt auch nichts Ungewöhnliches, denn mit der Politik, mit dieser Erwartungshaltung und mit dem, was die Leute dann bekommen, sind, glaube ich, auch viele Leute in vielen Ländern.
Oder haben da andere Vorstellungen? Was vielleicht nochmal etwas individueller ist in Deutschland, viele Deutsche eben sehr regelorientiert sind. Das sind also teilweise eben ganz klare Gesetze, die festschreiben, was gemacht werden darf und was nicht.
Das sind aber auch so Sachen wie Hausordnungen oder inoffizielle Regeln oder offiziellere Regeln, also so Geschichten wie kein Müll im Treppenhaus stehen lassen, wie... die Tür leise zumachen, wie auf dem Sonntag keinen Lärm machen, halt alles solche Sachen, die irgendwie Schon Sinn ergeben, aber da ist man, glaube ich, in Deutschland dann schon etwas strenger und Stichwort direkte Kommunikation dann auch schnell geneigt, irgendetwas zu sagen und sich zu beschweren, wo man vielleicht.
an anderen Orten dieser Welt darüber hinwegsehen würde oder das nicht so direkt kommunizieren würde, möglicherweise.
¶ Fazit und nützliche Vokabeln
Also, um es kurz zu machen, ja, die Deutschen meckern viel, aber nein, nicht jeder meckert immer. Es gibt eben einmal diesen. Ja, ich wollte jetzt sagen, Perfektionswahn, aber ich finde es auch gar nicht schlecht, Sachen ordentlich zu machen und versuchen gut zu machen. Aber ja, das ist einmal das, wo, glaube ich, konstruktivere Kritik und Meckern oft herkommt.
Dann gibt es aber eben auch diese Sache, dass es natürlich Leute gibt, die irgendwie andere Unzufriedenheiten haben und dann was auch immer in ihrer Umgebung gerade finden, um sich zu beschweren. Das ist dann sicherlich etwas emotional und weniger produktiv. Ich wollte jetzt zum Ende noch ein paar nützliche... Wörter und Redewendungen mit an die Hand geben.
Die man da vielleicht wissen müsste. Also das Wort meckern habe ich ja nur oft genug gesagt. Dann gibt es noch das Wort Jammern. Also jammern hat immer so was Dramatisches an sich, auch irgendwie. Irgendwie sowas Trauriges. Also jammern ist dann irgendwie, wenn Leute sagen, ach, mir geht's so schlecht und allen anderen geht es besser und nur ich habe dieses Problem und das Leben ist so ungerecht zu mir, das wäre dann jammern, wohingegen Meckern eher so was Wütendes an sich hat.
Dann sagen Deutsche auch gerne so etwas wie: Das ist Meckern auf hohem Niveau oder das ist Jammern auf hohem Niveau. Damit wollen sie dann eigentlich schon sagen, dass, was jetzt kommt, eigentlich. fast schon albern ist, dass eigentlich alles funktioniert, aber eine kleine Sache, eine kleine Sache, da gibt es dann doch was. Und das wird dann oftmals mit dem Satz, ich weiß, das ist Meckern auf hohem Niveau eingeleitet, aber ich würde trotzdem noch gerne mal über diese Sache sprechen.
Kritik äußern, könnte man auch sagen, na, ich möchte nochmal eine kleine Kritik äußern oder wenn ich nochmal eine kleine Kritik äußern darf. Also das wären vielleicht noch ein paar nützliche Vokabeln. Übrigens Vokabeln. Es gibt ja noch mehr Folgen von diesem Podcast, die ich mal aufgenommen habe. Ich habe zu jedem dieser Folgen, zu jeder dieser Folgen auch.
Transkripte, wo du den ganzen Text lesen kannst, Wortlisten bekommst, das findest du alles über den Link in der Folgenbeschreibung, falls dich das interessiert. Und dort findest du auch Deutschunterricht mit. Gut, das war's mit der Folge. Morgen dann ein neues Thema. Ich wünsche dir einen fantastischen Tag und wir hören uns. Bis dann und auf Wiederhören.
