¶ Definition und Bedeutung von Mooren
Kurz und bündig. Sie verändern Deutschland. Willkommen zu einer neuen Ausgabe Kurz und bündig. Mein Name ist Linda Achtermann und ich freue mich, dass Sie auch in dieser Folge mit dabei sind. Heute haben wir ein Thema für Sie vorbereitet, womit ich mich zugegebenermaßen das erste Mal beschäftigt habe. Denn wir sprechen über Moore. 1,5 Millionen Hektar der Landmasse Deutschlands war ursprünglich von Mooren bedeckt. In ganz Europa sind es ungefähr 60 Millionen Hektar.
95 Prozent der deutschen Moore sind inzwischen laut dem Naturschutzbund Deutschland trockengelegt. Und das ist ein Problem, denn stillgelegte Moore gehören zu den größten Emittenten von CO2. Emittenten von CO2 ist ein Begriff, der ausdrückt, dass jemand oder etwas den Austritt von CO2 verursacht. Dieser Begriff wurde gewählt, da CO2 nicht produziert wird, sondern freigesetzt wird.
Zu sagen, trockene Moore würden CO2 verursachen, ist somit nicht ganz richtig. Die Trockenlegung von Moore setzt CO2 frei, da es vorher bereits gebunden wurde. Moore sind vernässte Feuchtgebiete mit einer charakteristischen niedrigen Vegetation. Ein ständiger Wasserüberschuss hält den Boden sauerstoffarm und verhindert den vollständigen Abbau von pflanzlichen Resten, die stattdessen als Torf abgelagert werden.
Und das ist schon der erste Grund, der Moore für die Landwirtschaft so interessant macht. Denn Torf kann durch seine spezielle Beschaffenheit große Mengen von Wasser speichern, weshalb er gerne Erde beigemischt wird. Zierpflanzen, Salat, Gemüse. Nahezu jeder Setzling im professionellen Gartenbau wächst heute auf Torferde heran. Doch es gibt noch einen zweiten Grund, warum sich die Landwirtschaft für Moore interessiert. Die großen Flächen.
Nur 10% aller entwässerten Moore wurden für den Torfabbau stillgelegt. Der Rest, also 85%, wurde zu Wald oder Weiden umfunktioniert.
¶ Moore als Klimaschützer und Emittenten
Unser heutiger Gast, Prof. Dr. Hans Josten, ist Biologe und emeritierter Professor für Moorkunde und Paleoökologie an der Universität Greifswald. Seit Jahren wirbt er für mehr Aufmerksamkeit, kritisiert den problematischen Umgang mit Mooren und sucht nach Lösungen, Moore wiederzubeleben. Guten Tag. Moore sind wichtig für den Klimaschutz. Das ist eine Aussage, der können Sie wahrscheinlich direkt zustimmen. Manche Menschen fragen sich aber...
Warum? Was haben denn Moore mit dem Klimaschutz zu tun? Moore sind Ökosysteme, die sehr viel Kohlenstoff enthalten. Moore sind grundsätzlich Ökosysteme, in der ... die Produktion von Pflanzenmaterial größer ist als der Abbau. In normalen Ökosystemen wie in Wäldern oder in Wiesen usw., da verrottet das tote Pflanzenmaterial vollständig nach einer Weile.
lagert eigentlich nichts ab. Bei Moore ist das so, dass durch Wassersättigung des Bodens das abgestorbene Pflanzenmaterial nicht vollständig wegrottet, aber sich aufhäuft, akkumuliert. Akkumuliert. Akkumuliert ist ein Verb, das ausdrückt, dass sich etwas anhäuft. Hier spricht Josten von Pflanzenmaterial, das im Moor nicht komplett verrottet, sich auftürmt und anhäuft und damit akkumuliert.
Und weil Pflanzenmaterial viel mehr als die Hälfte aus Kohlenstoff besteht und die Pflanzen diesen Kohlenstoff als CO2... aus der Atmosphäre geholt habe, mittels Photosynthese Pflanzen Massa gemacht haben, sind Moore wegen ihrer sogenannten Dorfschicht, die sie ablagern, so kohlenstoffreich und deshalb so bedeutsam für das Klima. Das hat eine positive Wirkung. Wenn Bohren noch leben, wenn sie nass sind, dann speichern sie neues kohlenstoffhaltiges Material.
durch CO2-Anzug aus der Atmosphäre. Wenn mooren aber entwässert sind, wird dieses organisches Material nicht mehr konserviert. Und oxidiert, rottet neu weg und kommt als CO2, als Kohlenstoffdioxid, ein wichtiges Klimagas, wieder zurück in der Atmosphäre. Und das sind eigentlich die zwei Seiten von Moore, die Moore wichtig machen fürs Klima.
Jetzt ganz kurz vor unserer Aufnahme hat die Heinrich-Böll-Stiftung, ich glaube zusammen mit dem BUND, den Mooratlas veröffentlicht. Und da stand drin, dass Moore weltweit mehr CO2 emittieren als... als der Flugverkehr. Ist das so? Ja, das ist so. Wahnsinn. Moore sind so dicht an Kohlenstoff. Man muss sich vorstellen, wenn man ein Hektar ... Das ist 100 mal 100 Meter. Da kommt jedes Jahr die gleiche Menge CO2 aus, als das ein Auto, ein Pkw...
Ein Benzin-Pkw ausstößt, wenn er 135.000 Kilometer weit fahren würde. So ein Hektar Wiese auf Moor. emittiert pro Jahr genau die gleiche Menge, als dass man drei-, vier-, fünfmal um die Welt fährt. Das hat als Konsequenz, dass die Kühe, die dann auf dieser Moorwiesen weiden, essen, das die Produkte machen, die unglaublich klimabelastend sind. Das kann man sich kaum vorstellen, aber ein Kilogramm Käse von Milch von Kühe auf Moor entspricht 45 Kilogramm CO2.
Ein Liter Milch entspricht die gleiche CO2-Menge als zwei Liter Benzin. So, wenn man morgens gern ein Glas Milch trinkt, kann man genauso gut ein Liter Benzin trinken, statt eine halbe Liter Milch.
¶ Notwendigkeit der Moor-Vernässung
Was muss in Deutschland anders gemacht werden? Naja, wir spüren jetzt, dass diese Trockenlegung vom Moor große Konsequenzen hat. In Deutschland sind entwässerte Moore verantwortlich für fast 7% von allen Treibungsgasemissionen. Weltweit ist das 4%. In Mecklenburg-Vorpommern ist das 40%. Das ist nicht nichts. Wenn wir tatsächlich Klimaänderungen beschränken wollen zu 2 Grad oder 1,5 Grad, müssen wir alle CO2-Emissionen anhalten.
Und das bedeutet schlicht hin, dass wir es nicht mehr erlauben können, dass es noch trockene Moore gibt, die CO2 ausstoßen. Wir müssen alle entwässerte Moore wieder vernassen, weil dann hört diese Emission auf. Und wenn wir diese Moore nützen möchten, müssen wir sie nass nützen. Wie funktioniert denn das, ein Moor zu vernässen? Ich stelle mir das vor, Rasensprenger hingestellt.
Und dann wird das beregnet und dann ist es wieder nass. Aber so funktioniert es wahrscheinlich nicht, oder? Nee, man muss nicht vergessen, dass die Entwässerung... die Tätigkeit ist. Man muss etwas tun, um ein Moor nass, trocken zu kriegen. Moore sind nur entstanden auf Stellen, die nass waren. Man hat die trocken gelegt. Man muss aufhören, die zu entwässern.
In vielen Flächen in Deutschland wird einfach Wasser aktiv rausgepumpt, um die Moore trocken zu legen. Man muss dort einfach die Pumpe abstellen. Man muss die Grabe nicht mehr pflegen. Das Tun ist das Entwässern. Das Wiedervernessen ist das Lassen. Wir müssen lassen und nicht tun. Und natürlich auch gezielt tun, um es zu beschleunigen.
Beschleunigen ist ein Verb, das sagt, dass man etwas oder einen Prozess schneller werden lässt. Hier spricht Josten davon, dass vom gezielten Entwässern von Mooren abgesehen werden muss. Das würde das Nässen der Moore beschleunigen. Im März des letzten Jahres 2022 hat das Bundesumweltministerium das Aktionsprogramm natürlicher Umweltschutz ausgerufen, bei dem Ökosysteme gestärkt werden sollten, die zum Klimaschutz beitragen. Und darin sind auch zwei Milliarden.
Euro vorgesehen für die Vernässung von Mooren. Reicht das denn aus? Nee. Einfache Antwort, okay. Der Umfang der Emissionen aus Moore ist ähnlich wie der Umfang der Emissionen aus Braunkohde. Kohlenausstiegplan gemacht, wo 10 Milliarden investiert werden. Auf ähnliche Weise müssen wir, sag mal, einen Ausstiegsplan machen, um auszusteigen aus der entwässerungsbasierten Moornutzung.
¶ Paludi-Farming und Herausforderungen
Gibt es denn internationale Vorbilder? Wird es irgendwo auf der Welt besser gemacht als hier in Deutschland? Ja, ich bin ziemlich beeindruckt über was in Indonesien geschieht. Indonesien hat riesige Probleme. Indonesien ist das wichtigste Moor-imitierende Land der Welt. Also die Hälfte aller Reibhausgasemissionen aus der Westerde Moor kommen aus Indonesien.
Aber die haben in 2015 derartige Katastrophen gehabt. Die haben regelmäßig diese große Feuerkatastrophe, das entwesterte Moorbrennen. Aber 2015 war richtig schrecklich. Und seitdem haben die Indonesier über Millionen... von Hektaren die Wasserstände angehoben.
Das ist beeindruckend. Die haben richtig auf großer Fläche die Emissionen reduziert. Und wenn wir diese Frage jetzt nochmal auf Deutschland bezogen beantworten wollen, wie können diese Veränderungen auf den Weg gebracht werden, dann ist die Antwort das Entwässern. einfach sein lassen. Seit Jahrtausenden kann man sagen, ist die Landschaft eingerichtet, um Sachen zu entwässern.
Jeder Landwirt und Landwirtin hat gelernt zu entwässern. Das ist tatsächlich ein großer Schritt. Das geht darum, um neue Produktionsverfahren zu entwickeln. Von Gewächse, die auf nasse Böden wachsen können. Geräte zu entwickeln, die da überhaupt fahren können, neue Logistik, neue Produktionsketten und so weiter und so weiter. Und wir müssen die ganze Mentalität ändern, die Ausbildung und so weiter. Das ist ein unglaublich großes Unternehmen und deshalb müssen wir...
möglichst schnell damit anfangen. Wir haben, sag mal, noch 30 Jahre Zeit, um das Problem zu lösen, um sozusagen, wenn wir die Zielsetzungen von Paris schaffen möchten. Und das sollen wir schaffen, weil die Katastrophen, die wir sonst kriegen, sind richtig groß. Und wir müssen möglichst schnell anfange, um diese enorme Herausforderung anzugehen. Eine Herausforderung, der sich Herr Josten in seiner Forschung angenommen hat.
An der Universität Greifswald hat er das Konzept des Paludi-Farmings, also einer nassen Landwirtschaft, entwickelt. Doch natürlich steht auch die Entwicklung dieses Konzeptes vor Hindernissen. Und jetzt ist die Herausforderung, um die Gewächse zu wählen, weil Kartoffeln und Karotten, die wachsen nicht unter Wasser. Das ist einfach so. Man braucht natürlich angepasste...
Und das ist eine Frage von Suchen. Viele davon kennen wir, die nützen wir schon. Der beste Beispiel ist Schilf. Schon Jahrtausende wird Schilf als Baumaterial verwendet. Prozent von aller Schilf, die hier bei uns auf den Dächern liegt, wird aus Türkei, Rumänien und China importiert, obwohl wir das selbst unter naschen Bedingungen anbauen konnten hier. Wir könnten hier tatsächlich eine lokale Produktion haben, die so...
Und das ist nur eine Idee. Josten hat mit seinem Team auch besondere Moosarten identifiziert, die sich auf Moor anbauen lassen und als Torfersatz dienen könnten. Auch bei Tieren, die auf einem nassen Moor stehen können, ist Joosten weiter. Die dauerhafte Nässe im Moor macht Wasserbüffeln beispielsweise dank ihrer besonderen Hufe nichts aus.
Sogar Energie lässt sich mit Biomaterial herstellen, das in Mooren wächst, ohne den Torf abzubauen. Was ist das größte Hindernis bei dieser Veränderung? Das ist eigentlich Geld. Es ist jetzt so, dass entwässerungsbasierte Landwirtschaft, die jährlich an Klimaschade anbringt von 8,5 Milliarden Euro in Deutschland, zur entwässerungsbasierten Moorlandwirtschaft.
8,5 Milliarden Euro Klimaschade pro Jahr. Die wird gefördert mit 400 Millionen Euro pro Jahr. So wir bezahlen, um Klimaschade anzurichten. Das ist krank. Dagegenüber die Pioniere, die anfangen mit einer nasse Landwirtschaft, davon werden die Subventionen gestrichen. einfach weil Schilf und diese Gewerksäle, die man dort anbauen kann, nicht auf der richtigen Liste stehen. Das ist EU-Politik, das fängt an sich zu ändern, aber das dauert noch einige Jahre, bevor das alles umgesetzt ist.
Wenn wir das umdrehen würden, würde die ganze Welt sofort ändern.
¶ Der Kampf um nasse Moore
Dass die Wichtigkeit von Mohren für den Klimaschutz bei der Politik ankommt, dafür forscht und kämpft Josten. Ob er sein Ziel erreichen wird, bleibt offen. Dass der gebürtige Niederländer aber alles daran setzen wird, ist auch bei seinem deutschen Lieblingssatz zu erkennen. Ich bin kein Deutscher, wie man schon gespürt hat. Und ich habe selbst eine Art von Sprichwort erfunden und das versucht in der Welt zu sein. Und da sagt man auch immer davon, das ist falsches Deutsch.
Aber es ist unglaublich effektiv gewesen. Und diese Aussage ist Moor, Bus, Nass. Perfekt. Ich glaube, das kann man genauso stehen lassen. Das fasst eigentlich das gesamte Gespräch sehr gut zusammen. Vielen Dank für Ihre Zeit. Ich bin Linda Achtermann und jetzt sind Sie gefragt. Informieren Sie sich weiter zu dem Thema und schauen Sie sich doch einmal auf der Internetseite des Goethe-Instituts um.
Das Skript, eine Vokabelliste und ein Arbeits- und Lösungsblatt zu dieser Folge gibt es wie immer unter www.goethe.de slash kurz und bündig. Wenn Sie mögen, können Sie auch in der nächsten Folge wieder eine spannende Person kennenlernen. Ich würde mich freuen, wenn wir uns wiederhören. Tschüss! Das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut fördern mit dem Programm Europa-Netzwerk Deutsch seit 1994 die deutsche Sprache als Arbeits- und Verfahrenssprache in den europäischen Institutionen.
Linda Achtermann
