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Wie ein Sadomaso-Blog das Außenministerium erschüttert

Aug 23, 202540 min
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Ein hochrangiger Diplomat trat wegen eines frauenfeindlichen Blogs zurück. Der Fall bringt Sicherheitslücken und politische Netzwerke ans Licht

Im österreichischen Außenministerium brodelt es. Eine Affäre rund um einen Spitzendiplomaten sorgt dort für Schlagzeilen. Der Mann soll über Jahre einen frauenfeindlichen Sadomaso-Blog betrieben haben. Inzwischen ist er von seinem Posten als EU-Botschafter zurückgetreten. Aber hinter den Kulissen ist der Skandal längst noch nicht abgekocht.

Denn offenbar führte der Diplomat seinen Sadomaso-Blog nicht nur privat, sondern auch während seiner Arbeitszeit – von Dienstgeräten aus. Genau dadurch könnte eine massive Sicherheitslücke entstanden sein. Eine Lücke, über die womöglich einer der größten Hacks in der Geschichte des Außenministeriums möglich wurde. Intern sollen diese Vorwürfe längst bekannt gewesen sein. Trotzdem kam der Diplomat jahrelang ungeschoren davon. Warum? Gab es ein Netzwerk im Außenministerium, das ihn schützte? Und warum kocht die Affäre ausgerechnet jetzt hoch – nachdem das Außenministerium von der liberalen Beate Meinl-Reisinger übernommen wurde? Kann sie sich in dem ÖVP-dominierten Ministerium überhaupt durchsetzen?

In dieser Folge von "Inside Austria" erklärt Thomas Mayer, EU-Korrespondent und leitender Redakteur beim STANDARD, wie viel Macht der umstrittene Diplomat hatte – und welche Netzwerke im diplomatischen Dienst der Fall ans Licht bringt. Und Fabian Schmid, leitender Investigativredakteur, hat sich die angeblichen Sicherheitslücken im Ministerium angesehen. War wirklich ein Erotikblog das Einfallstor für einen der größten Hackerangriffe überhaupt?

In dieser Folge zu hören: Thomas Mayer (leitender Redakteur und politischer Korrespondent Europa beim STANDARD), Fabian Schmid (leitender Redakteur Investigativ beim STANDARD), Interview: Antonia Rauth und Lucia Heisterkamp; Produktion: Christoph Neuwirth

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Im österreichischen Außenministerium brodelt es. Eine Affäre rund um einen Spitzen-Diplomaten sorgt dort für Schlagzeilen. Der Mann soll über Jahre einen frauenfeindlichen Sadomasoblock betrieben haben. Inzwischen ist er von seinem Posten als EU-Botschafter zurückgetreten. Aber hinter den Kulissen ist der Skandal längst noch nicht abgekocht. Weil offenbar dieser Diplomat seinen Sadomasoblock nicht nur privat geführt, sondern auch während

seiner Arbeitszeit von Dienstgeräten aus. Genau dadurch dürfte eine massive Sicherheitslücke entstanden sein. Eine Lücke, über die womöglich einer der größten Hacks in der Geschichte des Außenministeriums möglich wurde. Und damit nicht genug, denn intern sollen diese Vorwürfe längst bekannt gewesen sein. Trotzdem kam der Diplomat jahrelang ungeschoren davon. Warum? Gab

es ein Netzwerk im Außenministerium, das ihn geschützt hat? Und warum kocht die Affäre ausgerechnet jetzt hoch, nachdem das Außenministerium im März von der liberalen Beate Meine Reisinger übernommen wurde? Kann sie sich im ÖVP-dominierten Ministerium überhaupt durchsetzen? Ich bin Lucia Heisterkamp vom Spiegel. Und ich bin Antonia Raut vom Standard. In dieser Folge von "Inside Austria" sprechen wir mit zwei Kollegen, die zu dieser Affäre im Außenministerium

recherchiert haben. Thomas Meyer, EU-Korrespondent und leitender Redakteur beim Standard, erklärt wie viel Macht der Sadomaso-Diplomat hatte und welche Netzwerke im diplomatischen Dienst der Fall ans Licht bringt. Und mit Fabian Schmidt, er ist leitender Redakteurinvestigativ und hat sich die angeblichen Sicherheitslücken im Ministerium angesehen. War wirklich ein Erotik-Block das Einfallstor für einen der größten Heckerangriffe überhaupt?

Thomas, du hast diesen Fall von Anfang an begleitet. Um wen geht's bei diesem Spitzen-Diplomaten denn jetzt eigentlich? Es geht um den ständigen Vertreter Österreichs bei der Europäischen Union. So ist sein offizieller Titel, der klingt sehr kompliziert, sagt aber eben gleichzeitig eigentlich sehr genau aus, um wen es geht und um was es

dabei geht vor allem. Der ständige Vertreter bei der Europäischen Union ist nicht irgendein Botschafter Österreichs im Ausland, also so wie in Paris, London oder Washington, sondern es ist der Vertreter der quasi das wichtigste Bindeglied zwischen der österreichischen Bundesregierung in Wien und den Institutionen der Europäischen Union in Brüssel und den Vertretern der 26 EU-Partnerländer ist, die auch jeweils mit einem ständigen Vertreter in Brüssel vertreten

sind. Das klingt jetzt alles sehr abstrakt und das ganz praktisch zu machen. Was passiert bei den ständigen Vertretern der Länder in Brüssel? Sie sind sozusagen diejenigen, die die gesamte europäische Politik für ihre Regierungen, für ihre Regierungschefs, aber

auch für die Ministerien in Brüssel koordinieren, umsetzen, verhandeln. Natürlich hat jedes einzelne Ministerien über die Minister direkten Zugang zu den Ministerräten zum Beispiel, aber man muss sich vor Augen führen, dass es praktisch außer der Militärpolitik keinen Bereich mehr gibt, bei dem nicht die europäische Dimension auch für die nationale Ebene eine wichtige Rolle spielt und umgekehrt. Und deswegen ist dieser ständige Vertreter in Brüssel,

über den wir entsprechen, so wichtig. Er ist in einer sehr exponierten Position. Er verfügt über enormes Wissen und Einfluss und Information auch über geheimes Wissen, was also nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Und deswegen ist dieser Fall so sensibel eigentlich. Und sag doch mal, was soll dieser mächtige Mann jetzt konkret angestellt haben? Um so mal sehr allgemein und zurückhaltend zu formulieren, er hat sich Blößen gegeben,

die man sich in dieser Funktion nicht geben sollte. Es gibt mehrere Fehler, die er gemacht hat. Ich formuliere es einmal so, die zunächst mal aus dem Privatbereich zu kommen scheinen. Er soll einen Blog betrieben haben und einen pseudonym. Es gibt ja noch immer Leute, die das bestreiten, aber das scheint ziemlich sicher zu sein. Und in diesem Blog ging es, um das allgemein zu sagen, um frauenfeindliche Dinge. Und das könnte man sagen, ist zunächst

einmal privat. Aber nun sind nicht nur über diesen Blog, sondern auch über andere eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Dinge des Botschafters Materialien an die Öffentlichkeit gekommen. Das wurde Medien zugespielt. Es wurde auch Parteien zugespielt. Auch wir haben diese Informationen bekommen. Und Ende Juli eben ist völlig überraschend dieser Botschafter aus Brüssel abgezogen worden. Offiziell hat es geheißen, dass er die Außenministerin

Mindler Heisinger um Abberufe und Gebeten habe. Es hat sich dann herausgestellt, dass die Ministerin nur 48 Stunden vorher überhaupt zum ersten Mal, wie sie sagt, von diesen Vorwürfen erfahren hat. Also, es liegt nahe, dass sie als Ministerin die Konsequenz gezogen hat. Und nur zwei Tage später ist das dann in der Kronenseitung gestanden, ohne die Nennung

der Funktion oder des Namens, aber mit sehr bekannten Details aus diesem Blog. Und was jetzt aber noch sehr wichtig ist, es geht eben nicht nur um diesen Blog, der uns jetzt in der Aufklärungsarbeit eigentlich weniger interessiert, was die Inhalte betrifft, sondern dieser Blog soll entstanden sein auf Dienstgeräten, im Außenministerium in Wien zum Teil. Und

es wurden Inhalte bekannt über das Diensthandy des Botschafters in Brüssel. Das lässt sich nachvollziehen auch anhand von Bilderserien, über die wir verfügen, beziehungsweise SMS-Jets mit Botschaftern, mit Regierungsangehörigen, mit Mitarbeiter und so weiter. Das ist einmal grundsätzlich zusammengefasst die Materie, über die wir hier sprechen. Und wie sind diese ganzen bekannten Informationen überhaupt in die Öffentlichkeit gekommen?

Wie ich schon gesagt habe, das erste, was in die Öffentlichkeit kam, ist, dass ein Botschafter ein sehr, sehr wichtiger, spitzen Diplomat in einer europäischen Hauptstadt abgerufen worden ist. Und das ist gleichzeitig in der Kronenseitung bekannt geworden, eben mit Berichten über Inhalte dieses Blogs. Also es wurde sozusagen ein Skandal medial an die Öffentlichkeit gespielt, ohne die Hintergründe zu nennen. Sondern es wurde nur bestätigt dann auch

vom Außenministerium, dass der Botschafter tatsächlich abgerufen worden ist. Und das war ja dann auch der Grund, warum andere Medien und anderem auch wir gesagt haben, wir können jetzt ja nicht so tun, als wüssten wir von nichts, wir müssen zur Aufgehung beitragen und wir haben dann eben sehr klar, auch sehr fair, wie ich denke, versucht, die Hintergründe dessen, was da im Außenministerium passiert, darzustellen.

Bevor diese Informationen in der Kronenseitung standen, hat aber noch ein FPÖ-naher Blog diese Affäre aufgegriffen, oder? Genau, der hat sozusagen noch brutaler, ganze Teile dieses Blogs an die Öffentlichkeit gebracht, hat aber auch vermieden, darauf hinzuweisen, um wen oder um was es überhaupt geht und welche Status überhaupt geht. Bestätigt wurde das Ganze dann eben durch das schnelle

Handeln der Außenministerin. Und wir haben dann auch Informationen bekommen, dass im Außenministerium diese Sache schon lange bekannt war, auch nicht nur im Flurfunk, sondern dass es auch ein Disziplinarverfahren gegeben hat. Da kommen wir dann vielleicht noch dazu. Auf jeden Fall war klar, hier ging es nicht nur um eine brandaktuelle schnelle Geschichte, sondern

um eine Affäre mit einem sehr langen Vorlauf. Das Überraschende war, wie gesagt, dass die Außenministerin dabei völlig kalt erwischt wurde, offenbar weder von ihren Beamten noch von dem Vorgänger Alexander Schallenberg. In irgendeiner Weise darüber informiert oder gewarnt, dass es bei dieser Stelle in Brüssel ein Problem geben könnte. Du hast ja schon gesagt, der Diplomat wurde dann abgezogen. Welche Reaktion gab es denn noch auf die Affäre?

Naja, die Reaktion des Ministeriums war zunächst mal, wir bestätigen zwar den Vorgang, dass der Botschafter abgezogen ist, aber ansonsten gibt man dazu keinerlei Auskunft. Man hat sich darauf zurückgezogen, dass das eine private Angelegenheit sei, die da im Hintergrund laufen und ansonsten gebe weder das Außenministerium über seine Sprecher noch das Kabinett der

Ministerin noch irgendein Beamter zu diesem Fall irgendeine Auskunft. Das war sozusagen die offizielle Reaktion, aber im Zuge weiterer Berichterstattung hat sich das dann eben auch entwickelt und es gab dann auch weitere Konsequenzen, auch Informationen. Die nächste Konsequenz war, dass die nachdem der Standard publiziert hatte, dass es zu dem Fall bereits im Herbst 2024 ein Disziplinarverfahren gegeben hat, dass die Ministerin den Posten der Sektionschefin

für Personal neu ausgeschrieben hat. Wie sie selbst bestätigt hat, wollte sie damit ein Zeichen setzen nach außen, wie auch nach innen. Der Fall ist kompliziert, weil die betreffende Diplomatin eigentlich schon vor eineinhalb Jahren als Botschafterin nach Japan hätte gehen sollen. Dazu kam es dann nicht, aber das sind sozusagen Details einer diplomatischen Karriere. Die Frage, die aber aufgedaucht ist, warum wird dieser Posten ausgerechnet

jetzt während dieser Fall aufgedeckt wird, ausgeschrieben. Und die dritte Konsequenz, die ist eigentlich dann sozusagen noch weitreichender. Ausministerin Mainl Reisinger hat eine Untersuchungskommission eingesetzt unter der Leitung des früheren Verteidigungsminister Thomas Stalinger. Die hat sich gerade konstituiert, hat gerade ihr Ziel der Aufklärung im Aufgabengebiet, womit sie sich beschäftigen werden in den nächsten Wochen definiert und dieser Bericht soll bis

Ende September erstellt werden. Also wir können davon ausgehen, dass es sowohl in der Sache des Botschafters als auch, was die Sicherheitslücken im Ausministerium betrifft, dann einen Bericht geben wird, wo dann offiziell auch mehr Klarheit geschaffen wird. Du hast aber schon angesprochen, dass es intern offenbar schon länger zumindest Getratsche über diese Vorwürfe gegeben hat. Das Ganze soll also schon so halb publik gewesen sein. Was wissen wir denn darüber?

Also nach unserem Wissen hat es nicht nur Getratsche gegeben, das gab es auch, den sogenannten Flurfung, was ja nicht ungewöhnlich ist bei einem Ministerium, das so viel Kommunikation rund um die Welt betreibt, sondern es gab es ja wohl auch Fakten. Also die Einsetzung dieser Disziplinar-Kommission im Herbst 2024 ist ja nicht erfolgt, weil es Getratsche gegeben hat, sondern es gab ganz konkrete Hinweise darauf, was dieser Botschafter gemacht hat

und dass es dabei ein Sicherheitsproblem gab. Warum diese Disziplinar-Kommission unter der Leitung der Personalchefin nur zu einer Rüge gekommen ist als Konsequenz, aber der Mann dann ganz normal an seinen Posten weitergearbeitet hat, das muss geklärt werden. Das ist aus unserer Sicht ungewöhnlich, weil das einfach komme ich zurück zu dem, was

ich am Anfang gesagt habe, ja nicht unerheblich ist für ein diplomatischen Dienst. Ein Botschafter, der sich solche Blößen gibt, ist potenziell in dieser Exponiertheit, in der er arbeitet, immer Erpressungen ausgesetzt durch ausländische Geheimdienste. So etwas darf schlicht und einfach nicht passieren, das muss einen diplomatischen Dienst von vornherein höchst alarmieren

und man muss sich überlegen, was das bedeutet. Ich sage damit nicht, dass das passiert ist, aber man muss sich schon klar sein, das sollte man nicht naiv sein, dass solche Lücken oder solche Angriffsflächen gar nicht erst geboten werden dürfen. Das hat übrigens ausministerin Meinl Reisinger auch betont, auch öffentlich gesagt jetzt zuletzt im Sommergespräch, es dürften die Diplomaten und erst recht spitzen Diplomaten nicht einmal in den Verdacht geraten,

irgendetwas zu tun, was ihrem Amt nicht entspricht. Und das ist, glaube ich, die Vorgabe, um die es geht. Es müssen hier höhere Standards Gültigkeit haben als nur das, was jetzt dienstrechtlich hier festgeschrieben ist. Es müssen einwandfreie Persönlichkeiten sein, auf die man sich verlassen

kann. Letztendlich läuft es auf eine Vertrauensfrage hinaus. Wem kann ein Minister, wem kann eine Ministerin, wem kann letztendlich der Bundeskanzler hundertprozentig vertrauen, auf wen kann er sich hundertprozentig verlassen, wenn er zum Beispiel zu europäischen Räten zu Gipfeln

nach Brüssel reist und das ganz praktisch zu sagen. Der ständige Vertreter in Brüssel ist der Mann oder die Frau, bis jetzt hat es nur Männer gegeben, der den Bundeskanzler vom Flughafen abholt, wenn er zu einem Jugendgipfel fährt und im Auto mit ihm die wichtigsten und allerletzten Dinge bespricht, die beim Treffen der Staats- und Regierungschefs besprochen werden. Also mit diesem Beispiel allein kann man schon sehen, dass das tatsächlich eine

sehr heikle und exponierte Position ist, von der wir das sprechen. Und da sollte man eigentlich davon ausgehen, dass das nicht so noschalon irgendwie behandelt wird. Wenn es eigentlich schon so lange am Brudeln war und das ja auch in der Vergangenheit schon ein Disziplinarverfahren gab, warum sind die Vorwürfe dann ausgerechnet jetzt nochmal an die Öffentlichkeit gekommen? Das hat mit den Publikationen zu tun. Das hat damit zu tun, was ich schon erzählt habe,

dass die Außenministerin den Botschafter eben abgezogen hat. Offiziell hat er aus privaten Gründen um seinen Rückzug gebeten und dass dadurch eben Bewegung in die ganze Sache gekommen ist, weil eben Faxen geschaffen wurden. Also ab sofort ist das ja nicht mehr nur die Sache eines einzelnen Botschafters. Da geht es mittlerweile um die Reputation des gesamten diplomatischen Dienstes Österreichs im Ausland. Ich kann das einem ganz einfachen

Beispiel erzählen, das mir ein Botschafter erzählt hat. Diese Gerüchte und diese Berichte verbreiten sich natürlich sehr schnell. Auch die hochserieße Nachrichtenagentur Reuters hat das weltweit verbreitet und der vollen Nennung des Namens, der Funktion und auch der Vorwürfe. Und man kann sich vorstellen, dass sowas natürlich im diplomatischen Getriebe weltweit auch besprochen wird. Dieser Botschafter hat mir erzählt, dass bei einer Sitzung ganz

offen gefragt wurde, ist das Ira? Ist das Ihr Chef? Und ein Mitarbeiter hat dann gesagt, um Gottes Willen, das sind wir nicht. Und jetzt können Sie sich vorstellen, auch die Botschafter oder Vertreterinnen in Paris, in Washington, London kommen da zufällig in eine Situation, die einfach unangenehm ist. Und deswegen ist es meiner Meinung nach so wichtig, dass diese Sache so schnell wie möglich bereinigt wird, aufgeklärt wird, damit eben da wieder

Verlässlichkeit und Ruhe einkehrt. Und das hätte meiner Meinung nach eigentlich schon im vergangenen Herbst passieren müssen, als diese ersten Informationen geliefert worden sind. Und warum ist da nichts passiert? Also hat da irgendjemand eine schützende Hand über diesen Botschafter gehalten? Das ist eine sehr gute Frage, die ich nicht beantworten kann. Das müssen die Mitglieder der Disziplinarkommission, das müssen alle, die von diesem

Fall damals gewusst haben, beantworten. Ich gehe davon aus, dass Thomas Starlinger, der früherer Verdeidungsminister, das versuchen wird, das auch aufzuklären. Er war der frühere Adjutant übrigens von Bundespräsident Van der Bellen, bevor er in der Regierung von Kanzlerin Bierlein 2019 zum Verdeidungsminister ernannt wurde. Und er ist bekannt als ein hochintegrer, direkter, klarer Mann, der, glaube ich, nicht den Fehler machen wird hier zu

taktieren. Er wird die Sachen zusammentragen und er wird einen Bericht erstellen. Und dann wird man wahrscheinlich auch genauer wissen, was da vor acht Monaten im Hintergrund passiert ist. Aber es gibt aus journalistischer Sicht, ich habe dazu auch ein Leitartikel geschrieben, bis hinauf zu Außenminister Alexander Schallenberg oder dem früheren Außenminister Alexander Schallenberg Aufklärungsbedarf. Er stellt sich die Frage tatsächlich, wer

hat davon gewusst? Hat der Minister selbst davon gewusst? Wer in seinem Kabinett hat 2024 von diesem Fall gewusst? Und warum wurde nur mit einer Rüge reagiert? Warum hat man nicht damals schon, um ungemacht zu vermeiden, personelle Konsequenzen gezogen? Dann wäre es möglicherweise gar nicht dazu gekommen, zu dieser Aufregung, mit der wir heute konfrontiert sind. D.h. man kann aber sagen, in dem ganzen Skandal geht es eben nicht nur um den Fehltritt

von einem einzelnen Diplomaten, sondern es geht wirklich um Sicherheitslücken. Absolut, absolut. Der Fehltritt eines Diplomaten würde ich jetzt mal locker sagen, ist eine Privatsache. Das würde mich auch journalistisch überhaupt nicht interessieren. Jeder Mensch hat das Recht, in seinem Privatleben zu machen, was er will. Aber Menschen, die für die Regierung arbeiten, die öffentlich exponiert sind, deren Tätigkeit im Öffentlichen Interesse sind,

die dürfen sich solche Blößen nicht geben. Schlicht und einfach, weil das eben zu den beschriebenen Konsequenzen führen kann. Und das ist das Problem in diesem Fall. Es geht um das politische Problem, es geht um das Sicherheitsproblem, es geht darum, dass Österreich als Staat gegenüber anderen Staaten nicht so, sagen wir, verletzbar sein darf. Danke dir schon mal an dieser Stelle, Tom. Wir kommen dann noch mal zu dir zurück. Fabian

Schmidt, du bist Leitender Redakteur beim Standard-Investigativ. Und wie siehst du das denn jetzt? Geht es hier um einen einzelnen Beamten, einen einzelnen Diplomaten, der sich falsch verhalten hat, einen Skandal verursacht hat? Oder reicht diese Affäre weiter? Ja, also die große Frage ist, was eigentlich mit den Hinweisen geschehen ist, die offenbar in den vergangenen Jahren eingetrudelt sind, wo möglich sogar verschiedene Ministerien,

jedenfalls auch im Außenministerium. Und die Frage ist auch, wie das das Disziplinarverfahren geführt wurde, gegen den Beamten, warum es eben nur mit einer Rüge endete, warum er da nicht abgezogen wurde. Also da kann man schon fragen, ob er womöglich geschützt wurde oder milder behandelt wurde als andere, oder warum er eben nicht von dieser pristisch trächtigen und auch sehr wichtigen, diplomatisch sehr wichtigen Position der EU-Botschaft,

das vielleicht versetzt hat, zu einer weniger heiklen Botschaft. Also diese Fragen kann man schon stellen und die werfen dann natürlich die Frage nach einem größeren System oder Seilschaften im Ministerium auf. Genauso, wie man sich schon auch genauer anschauen muss, wiefern die neue Ministerin Berthe Meinl-Reisinger von den NEOS über den Fall informiert worden ist und dann auch als erste Medienberichte kamen, wie schnell man dann eigentlich alles

offen gelegt hat. Das heißt, kann man auch davon sprechen, dass dieser Vorfall ein Sicherheitsrisiko war? Ich glaube schon, dass man davon sprechen kann, also aus mehreren Gründen eigentlich. Also zunächst einmal ist es ja so, wenn jemand etwas macht, das vielleicht von anderen als skandalös empfunden wird, kontrovers, wie auch immer, wenn jemand das anonym und heimlich macht, dann ergibt es natürlich die Möglichkeit, damit erpressbar zu werden. Also das ist ganz

egal, ob es jetzt prinzipiell etwas ist, für das man sich schämen muss. Also das ist gar keine moralische Bewertung, aber selbst wenn ich jetzt zum Beispiel schwul bin und ich aute mich aber nicht, sondern lebe das heimlich aus, ergibt sich die Möglichkeit der Pressbarkeit in spitzen Positionen, weil natürlich genau das das Futter ist für Nachrichtendienste und Personen erpressen zu können und sogenanntes Kompromat.

zu haben. Also das ist einmal so das erste Sicherheitsrisiko. Das Zweite ist dann, dass ja SMS-Kursieren, Inhalte vom Handy der EU-Potschaft, das Kursieren, auch Einblicke in dessen Fotogalerie etc. Das heißt, er war offenbar nicht in der Lage sein Gerät zu schützen oder den Inhalt des Geräts so zu schützen, dass das nicht kursiert. Das ist offenbar auch im Umfeld mehrer Parteien, Medien gelandet und so weiter. Das ist natürlich auch sehr unangenehm, wenn da auch Kommunikation

mit anderen Diplomaten oder Diplomaten anderer Länder darunter ist. Und das dritte Sicherheitsrisiko ergibt sich dann quasi im IT-Bereich durch das Betreiben, womöglich dieses Blogs auf einem Dienstgerät. Jetzt müssen wir kurz von diesem spezifischen Botschafter etwas weggehen und auf einen großen Cyberangriff aufs Außenministerium im Jahr 2020 zurückblicken. Was ist damals genau passiert? Also das war kurz vor Weihnachten 2019. Also da war gerade noch die Übergangsregierung nach

der Ibiza-Affäre. Im Abend der Außenminister war Alexander Schallenberg. Der Botschafter war damals Kabinettschef von Kanzlerin Brigitte Bierlein. Und da kam es dann über die Weihnachtstage zu Meldungen, dass im Außenministerium ein großer Hackerangriff passiert sei. Und was wir wissen, ist, dass der mehrere Monate lang ging, dass sich das Außenministerium sehr schwer tat, da quasi alle Spuren der Schadsoftware aus den Systemen zu entfernen. Es dürfte eine quasi Operation

zur Wissensbeschaffung gewesen sein. Also es ist nicht bekannt, dass der Daten manipuliert wurden. Es dürfte viel mehr ausgekundschaftet worden sein, was im Außenministerium vorliegt, Mitarbeiter, Informationen und so weiter und so fort. Man muss aber dazu sagen, einerseits war die Informationspolitik des Außenministeriums damals sehr sehr wage. Also bis heute weiß man eigentlich sehr wenig, was da tatsächlich passiert ist, ob man tatsächlich Täter ausfindig machen konnte, welche Daten da

jetzt genau abgesorgt wurden. All das ist nicht bekannt und ich habe auch mit einigen Parlamentarien angesprochen, die auch sagen, also auch in Unterausschüssen oder Geheimenausschüssen des Parlaments sind solche Informationen nicht übermittelt worden. Das heißt, da gibt es noch viele Fragezeichen dazu und eben auch zur Frage, wie dieser Angriff tatsächlich zustande gekommen

ist. Es hat geheißen, dass quasi ein Weihnachtsgroß, ein digitaler Weihnachtsgroß-Email eines Mitarbeiter infiziert war und über das Öffnen davon dann weitere Computer im Netzwerk infiziert wurden mit Schadsoftware. Genau. Aber gibt es denn zumindest Spekulation darüber, wer damals dahinter gesteckt haben könnte? Also es wurde nie bewiesen, aber es führen

schon viele Spuren Richtung Russland. Also das ist so ein etwas naheliegendes. Wir wissen ja, dass russische Hacker in ganz Europa Informationen abzusagen versuchen, auch in deutschen Parteien oder beim Bundestag und so weiter gibt es immer wieder Berichte oder auch französische Regierung beziehungsweise das Team von Emmanuel Macron damals im Wahlkampf. Also wenn ich jetzt wetten müsste, dann würde ich vermutlich Richtung Russland gehen, vor allem auch, weil ja damals eben nach dem

Ibiza-Video ein Regierungswechsel anstand, die FPÖ in Opposition geschickt worden war. Also das ergibt alles schon Sinn. Du hast schon gesagt, dass es mitunter ein digital verseuchter Weihnachtsgroß gewesen sein könnte, der da diese Schadsoftware ins System geschleust hat, könnte es theoretisch aber auch dieser Blog des Diplomaten gewesen sein, der da das Einfallstor für die Hacker war oder

zumindest seine Arbeiten daran auf den Dienstgeräten. Also theoretisch ja, also theoretisch und prinzipiell kann man sagen, dass immer wenn jemand auf einem Dienstgerät, ob Laptop, Handy oder iPad, wenn jemand da private Logins verwendet, dass das dann ein Sicherheitsrisiko ist. Also wir kennen

das ja aus unserer Arbeit. Wir benutzen quasi das firmenweite E-Mail-System. Ich glaube, ich verrate da keine Betriebsgeheimnisse, wenn ich sage, dass das Outlook ist, wo wir dann natürlich unsere Sicherheitsvorgaben haben, wo unsere IT-Abteilung festlegt auch was zum Beispiel passiert, wenn Anhänge geöffnet werden oder wo potenziell dubiose Absender markiert werden und hinter quasi einem Spam-Filter landen, wo wir auch sehr vorsichtig sind als Journalist*innen, dass wir,

wenn wir jetzt von einer unbekannten Quelle Informationen zugespült kriegen, dass wir die dann zum Beispiel in einem System öffnen, das abgekapselt ist vom Rest der Redaktion. Also kurz um Organisationen haben das strenge Vorgaben und das wird natürlich unterlaufen, wenn man dann sich privat einloggt bei irgendeinem E-Mail-Anbieter, der natürlich weit aus niedrigere Sicherheitsvorkehrungen hat, womöglich, weil es sowieso für Privatnutzer herabgesetzt ist oder weil es an sich vielleicht

Wegwerf-Adressen sind mit einer unsicheren Infrastruktur. Das lässt sich so prinzipiell dazu sagen und die E-Mail-Adresse unter der dieser Blog betrieben wurde, war auf jeden Fall auch schon Teil eines Datenleaks, wo einfach massenhaft Login-Daten gestohlen wurden und im Internet kursierten. Also da gibt es diverse Seiten, wo man das checken kann, wo jeder anschauen kann,

ob die eigenen E-Mail-Adressen da darunter sind. Wenn man dann so eine Kombo hat mit E-Mail-Adresse und dem Passwort, das dafür benutzt wird, das ist für Heikern natürlich auch ein gefundenes Fressen. Da können Sie dann schauen, ob dieses Passwort dann auch bei anderen offiziellen Logins benutzt wird zum Beispiel, das nennt man "credential stuffing". Genau, also das ergibt ein weiteres

Sicherheitsrisiko. Aber man muss auch dazu sagen, es gibt jetzt keine Indizien dafür, dass dieser Blog das ausgelöst hat, aber eben in Kombination damit, dass man ohnehin so wenig weiß darüber, was da passiert ist damals, ist es, finde ich, gut, wenn man das noch einmal genau prüft alles. Wird das denn jetzt nochmal geprüft? Also gibt es Möglichkeiten, diesen Heck von damals

2020 nochmal aufzuklären, oder ist das im Prinzip jetzt vorbei? Ja, es ist eine Prüfungskommission eingesetzt worden und der Leitung von Thomas Stalinger, der war eben in der Übergangsphase damals Verteidigungsminister und hat eben im Bundesheer Karriere gemacht, war auch in Brüssel stationiert als Verbindungsmann zu NATO quasi. Und das ist schon jemanden, der man auch, glaube ich,

vertrauen kann, das seriös und kritisch durchzuführen. So eine Prüfung ist natürlich die Frage, ob damals eine ordentliche Forensik betrieben wurde und ob quasi die gefundenen Spuren der Mailware und so weiter noch vorhanden sind, aber da würde ich schon davon ausgehen. Und da gibt es natürlich eine Reihe von Möglichkeiten, wie man sich das noch einmal anschauen kann. Da kann man

natürlich Indizien finden, die zur Identifizierung beitragen können, des Täters. Also zum Beispiel in der Vergangenheit gab es dann halt so etwas wie das man gemerkt hat im Code, dass immer wieder kirilische Schriftzeichen vorkommen oder chinesische oder dass man zum Beispiel die IP-Adressen, über die die Mailware gesteuert wird, nachvollziehen kann oder aber auch zum Beispiel Uhrzeiten, an

denen quasi die Mailware aktiviert war, wo die Täter aktiv daran gearbeitet haben. Also all das kann man dann so quasi Indizien rausziehen, aber das große Problem daran ist, dass das natürlich gute Hacker und vor allem auch staatliche Hacker wissen und daher versuchen das absichtlich zu verschleiern und natürlich keine Schwierigkeit ist, wenn ich jetzt, sagen wir mal, ein iranischer Hacker bin, dass ich dann ein paar kirilische Schriftzeichen in den Code habe, um eine falsche

Gefährte zu legen. Also es ist schon sehr schwierig, aber grundsätzlich glaube ich, das Material ist noch da und es gibt viele Möglichkeiten, das zu untersuchen. Danke Fabian Schmitz. Tom Meyer, kommen wir zum Außenministerium in Österreich noch ein bisschen generell. Das war ja jahrelang ÖVP geführt und die Kreise, in denen dieser Botschafter

verkehrt haben dürfte, die waren auf jeden Fall der Volkspartei nahestehend. Gibt es denn da ein schwarzes Netzwerk, das die Fäden zieht und das vielleicht auch seine eigenen Leute schützt? Ich würde diese Frage zweigeteilt beantworten. Österreich wäre nicht Österreich, wenn es diese Netzwerke nicht in allen Bereichen gäbe und zwar nicht nur schwarze, sondern auch rote, blaue, grüne und in Zukunft wahrscheinlich auch pinke von den Neos. Das ist ganz klar. Also das

allein erreicht noch nicht aus, um sich diesen Fall zu erklären. Die zweite Geschichte ist und das kommt glaube ich dem eigentlichen Problem näher. Wenn Menschen jahrzehntelang einander persönlich sehr gut kennen, dann versagen möglicherweise gewisse Kontrollmechanismen, weil man eben, wenn man jahrzehntelang nebeneinander arbeitet, nebeneinander sitzt, eine gewisse Hämmung hat, wenn dann ein Groberfehler passiert, daraus auch die Konsequenzen zu ziehen. Dass das

Ausministerium seit 40 Jahren von der ÖVP geführt wird, ist nicht so überraschend. Das wissen wir alle. Ich glaube, man sollte aber trotzdem Diplomaten nicht von vornherein unterstellen, dass sie quasi der ÖVP angehören, selbst wenn es eine gewisse Nähe gibt. Ich kenne sehr, sehr viele Diplomaten, sehr, sehr viele Botschafter. Da wäre ich vorsichtig. Das sind zu einem großen Teil Spitzenweite, die wirklich sachlich auch gut sind, dass die in ihrem privaten politisches

Verständnis haben. Das ist selbstverständlich, sonst wären sie auch nicht in dem Job, den sie haben. Aber ich glaube, man kann das nicht nur auf Parteilichkeit zurückführen. Das muss man, glaube ich, schon sagen. Das gilt nicht nur für ÖVP-Leute, das gilt auch für SPÖ-Naheleute. Wir reden in erster Linie von Beamten, die im Dienste der Republik stehen. Also man sollte, glaube ich,

bei diesen einfachen pauschalen Verallgemeinerungen, das sollte man vorsichtig sein. Aber natürlich, wenn man die Verhältnisse kennt, ist klar, dass im Ausministerium die ÖVP besonders stark ist, so wie halt zum Beispiel die Sozialdemokratie nach Jahrzehntelanger Tätigkeit im Sozialministerium sehr stark ist. Aber das wäre ja fürchterlich, wenn Parteinähe dazu führt, dass bei solchen groben Vergehen dann etwas zugedeckt wird, nur aus Parteinähe. Das glaube ich so eigentlich nicht.

Ich glaube, dass das tatsächlich daran liegt, dass gewisse Leute Hemmungen hatten, weitreichende Konsequenzen zu ziehen. Genaues weiß ich dazu nicht. Ich hoffe, dass die Untersuchungskommission Stalinger dazu Näheres an den Tag bringen wird, weil die sind ja auch befugt, mit den betreffenden Leuten Gespräche zu führen. Die müssen auch antworten. Da stoßen wir Journalisten an gewisse Grenzen, weil Beamte in diesem Fall schlicht und einfach einen Maulkorb haben. Sie dürfen

mit uns offiziell darüber nicht sprechen. Wir haben es ganz am Anfang schon kurz angesprochen. Es gab ja im Außenministerium im Frühjahr diesen Jahres einen Machtwechsel. Und zwar wird es jetzt seit März von der Außenministerin Beate Meinl-Reisinger geführt, der Liberalen. Würdest du denn sagen, dass trotzdem noch die gleichen Leute von der ÖVP im Hintergrund die Fäden ziehen oder gab es da wirklich einen echten Machtwechsel? Die Frage beantwortet sich von selbst. Die Frau Meinl-Reisinger

ist erst seit wenigen Monaten Außenministerin. Sie hat es zu tun mit dem Apparat, der eingespielt ist, der auch politisch lange, lange Zeit von der ÖVP geführt worden ist und mit Sicherheit hat auch das zu Irritationen geführt. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, hätte es diesen politischen Wechsel an der Spitze des Außenministeriums nicht gegeben, wäre dieser Fall möglicherweise auch

anders gelaufen. Also die Tatsache, dass sie sehr rasch innerhalb von 48 Stunden den Botschafter abgezogen hat oder ihm ausrichten hat lassen, dass sie gerne möchte, dass er seinen Rücktritt einreicht. Die Tatsache, dass sie eine Untersuchungskommission einsetzt, die von früheren Verteidigungsminister Starlinger geführt wird und nicht von einem Außenamtsmenschen. Das zeigt,

dass sie hier eine andere Linie einziehen will und das hat sie auch gesagt. Man muss sie aber auch zugute halten, dass die Ministerin ausdrücklich bedroht hat, dass sie weiß, dass sie in einem Ministerium sitzt, in dem auch Spitzenleute sehr, sehr gute und verlässliche Leute arbeiten, auf die

sie sich natürlich als Ministerin auch verlassen muss. Aber ganz generell jetzt vielleicht kann man so beantworten, es muss jetzt vielen Leuten im Außenministerium klar sein, es ist eine neue Zeit angebrochen, es gelten nicht mehr die alten Gewohnheiten, die es in den vergangenen Jahren unter Außenminister Schallenberg und vorher kurz und so weiter gegeben hat. Das scheint mir klar zu

sein. Jetzt betrifft der ganze Skandal aber ja nicht ausschließlich das Außenministerium, weil die Vorwürfe offenbar auch schon bei einem anderen Ministerium, nämlich dem damals noch vom Minister Werner Kogler von den Grünen geführten Beamtenministerium angekommen sein dürften. Was hat es denn damit auf sich und warum hat da offenbar trotzdem niemand eingegriffen? Das ist vorläufig ungeklärt. Es ist so, man muss da vorsichtig sein, das Beamtenministerium von Werner Kogler ist nicht

involviert in diese Affäre, das spielt sich nur im Außenministerium ab. Was ist im Beamtenministerium von Kogler oder früher von Kogler? Er ist ja nicht mehr im Amt. Gibt ist eine Behörde, eine Wesselblauer Behörde, in der man Unregelmäßigkeiten im Staatsapparat melden kann. Diese Behörde ist im Beamtenministerium angesiedelt, aber muss dazusagen, sie untersteht jetzt nicht Kogler direkt, sondern sie ist eine unabhängige Behörde. Also insofern ist das ein bisschen ein komplizierter

Ablauf. Das erklärt wahrscheinlich auch, warum der frühere Vizekanzler Kogler, den ich danach befragt habe, auch überhaupt keine Ahnung hatte, dass solche Informationen an seinen Ministerien beziehungsweise diese Stelle herangetragen worden sind. Aber ich denke, nachdem ja jetzt klar ist, dass im Außenamt schon im Herbst 2024 und nach unserer Information schon früher es entsprechende Informationen gegeben hat, ist das vielleicht auch nicht mehr so relevant. Es hat

ja diese Distilionärkommission gegeben. Sie kamen nur eben zu einem Ergebnis mit sehr, sehr, sehr weichen, mit den weichsten Konsequenzen, die im Dienstrecht überhaupt vorgesehen sind, nämlich zu einem Verweis im Personalakt, zu einer Rüge, aber nicht mehr. Kann man denn insgesamt sagen, dass dieser ganze Skandal eben zeigt, dass einfach Kontrollmechanismen auf der allerhöchsten

Ebene gefehlt haben? Und wenn ja, wie könnten diese Kontrollmechanismen aussehen? Das wird Aufgabe sein, dieser Kontrollkommission genau das sehr präzise herauszuarbeiten, um der Ministerin eben auch etwas Objektives an die Hand zu geben, was sie an den Abläufen in ihrem Ministerium verändern muss. Es hatte ja gerade in den vergangenen Tagen wieder eine Sicherheitslücke

gegeben, von der 70 Leute, wie Meinl Reisinger gesagt hat, betroffen waren. Es ist nicht sehr gravierend, es ist dann nicht eingedrungen worden sozusagen in sensible Bereiche des Ministeriums, da ging es irgendwie um Reisendaten und so weiter, aber schlimm genug. Das heißt, und ich vermute,

das betrifft nicht nur das Ausministerium, sondern auch andere Ministerien. Es muss hier offenbar daran gearbeitet werden, dass man sich besser absichert gegen Angriffe aus dem Internet über den Einzelfall hinaus. Aber was das genau ist, das muss jetzt eben erarbeitet werden. Womit aber, glaube ich, Schluss sein sollte, ist diese Geheimniskremerei und dieser Versuch, das Ganze zu schubladisieren, um auch das noch zu sagen. Die Darstellung des Außenministeriums und auch im Zuge unserer

Recherchen war eigentlich immer, da ist nichts zu sehen, bitte weitergehen. Es handelt sich um eine reine private Angelegenheit und Probleme im privaten Bereich, aber da gibt es nichts. Es gibt auch nichts zu schreiben, nichts aufzuklären. Das war sozusagen der Versuch, diese Geschichte vom Tisch zu kriegen und das ist nicht gelungen und ich glaube, dass das auch ein sehr, sehr großer Fehler war. Tom, welches Bild von Österreich bleibt denn da jetzt auf internationalem Paket

zurück? Weil, also dieser Fall hat in Brüssel ja Kreise gezogen. Sind wir da jetzt ein bisschen die Lachnummer? Da sollte man die Kirche im Dorf lassen. Österreich ist ein nicht so wichtiges Land, dass die anderen Partner sich da ständig den Kopf zu brechen, auch ob Wien hier eine Sicherheitslücke sein könnte oder nicht. Wir leben in einer Zeit, in der im Weißen Haus die wichtigsten europäischen Stadtchefs und Regierungschefs sich mit Donald Trump und Zelensky treffen, um Frieden in der

Ukraine zu machen. Also dieser Fall Österreich hängt nicht sehr hoch. Man sollte es aber nicht unterschätzen. Natürlich wird das kommuniziert, natürlich macht man sich darüber Gedanken und es wird mit Sicherheit auch der eine oder andere Botschafter sich überlegen, wenn er den österreichischen Vertreter trifft, wer ihm da gegenüber sitzt, ob er sich auf den verlassen kann oder eben nicht. Aber das ist eben die hohe Kunst der Diplomatie. Da muss für Verlässlichkeit,

für Vertrauen, für Sauberkeit gesorgt werden. Und das sollte, und das hat aber Meinl Reisinger ohnehin schon öffentlich auch gesagt, das sollte einer verantwortlichen Ministerin zu denken geben und um es ganz praktisch zu sagen, die Stelle in Brüssel ist jetzt nicht besetzt. Sie ist provisorisch besetzt durch einen Stellvertreter, aber es müsste natürlich möglichst rasch jemand

als neuerständiger Vertreter installiert werden, damit die Arbeit weitergehen kann. Jetzt ist Mitte August, wir sind mitten in der Sommerpause, aber später sind zwei, drei Wochen, wenn dann die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre Rede zur Lage der Europäischen Union im Parlament in Straßburg halten wird, wenn die Verhandlungen zu Ukraine weitergedient sein werden.

Spätestens dann muss Österreich wieder vollhandlungsfähig sein und ich gehe wohl davon aus, dass man das auch weiß und dass man später im September auch vielleicht mit dem Bericht der Untersuchungskommission dann Nägel mit Köpfen macht und Lösungen gefunden haben wird. Also kein bleibender Schaden, hoffentlich für Österreichs Ruf in der Welt der Diplomatie, aber auf jeden Fall eine Affäre, die innerhalb des Außenministeriums wichtige Fragen aufwirft,

den jetzt noch nachgegangen wird. Vielen Dank fürs Zuhören und vielen Dank euch beiden, dass ihr da wart. Insider Austria hören Sie auf allen gängigen Podcast-Plattformen, auf der standard.at und auf spiegel.de. Wenn Ihnen unser Podcast gefällt, dann folgen Sie uns doch und lassen Sie uns ein paar Sterne da. Kritik, Feedback oder Vorschläge zum Podcast können Sie wie immer gerne an insideaustour@spiegel.de oder an podcast.ret/standard.at schicken.

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diesen Podcast mitwirken. Es war diesmal vor allem Christoph Neuwirt. Ich bin Lucia Heisterkamp, ich bin Antonia Raut. Wir sagten Tschüss und Papa. [Musik]

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