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Teilzeit-Nation Österreich: Land der Faulen?

Aug 02, 202543 min
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ÖVP-Minister Wolfgang Hattmannsdorfer hat eine Debatte über die Teilzeitarbeit losgetreten. Warum ist Vollzeitarbeit in Österreich so unbeliebt – und wieso ist das ein Problem?

In Österreich ist wieder einmal eine Debatte über die Teilzeitarbeit entbrannt. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer von der ÖVP hat zuletzt höhere Sozialversicherungsbeiträge für bestimmte Teilzeitarbeitende in den Raum gestellt. Seiner Meinung nach sollen alle mehr einzahlen, die "freiwillig" nicht Vollzeit arbeiten. Am Wochenende hat Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner dann von "Lifestyle-Teilzeit" gesprochen und diese kritisiert.

Insgesamt arbeiten rund 1,5 Millionen Menschen in Österreich Teilzeit. Bei erwerbstätigen Frauen sind es mehr als 50 Prozent, bei Männern knapp über 13 Prozent. Damit sind wir europaweit unter den Spitzenreitern. Nur in den Niederlanden arbeiten noch mehr Menschen in Teilzeit. Kritiker fürchten, dass die hohe Teilzeitquote Österreichs ohnehin schon angeschlagene Wirtschaftsleistung dämpft und die leeren Staatskassen weiter belastet. Andere sagen: Menschen dürfen selbst entscheiden, wie viel sie arbeiten wollen. Statt Strafen für "freiwillige" Teilzeitarbeitende brauche es bessere Betreuungs- und Pflegeangebote, um jenen Vollzeitarbeit zu ermöglichen, die das auch wollen – aber nicht können, weil sie Carearbeit leisten müssen.

In dieser Folge von Inside Austria wollen wir wissen, wie teuer Teilzeitarbeit Österreich wirklich kommt. Warum ausgerechnet in Österreich so viele Menschen keine Vollzeitstellen annehmen. Und wie Staat und Unternehmen etwas daran ändern könnten. Dafür sind zwei Expertinnen zu Gast: Carmen Treml vom wirtschaftsliberalen Thinktank Agenda Austria forscht zu Bildung und Arbeitsmarkt, Eva Eberhartinger von der Wirtschaftsuniversität Wien ist Expertin auf dem Gebiet der Steuerpolitik. Sie erklärt, welche Steuerreformen tatsächlich Bewegung in die Teilzeitquote bringen würden.

In dieser Folge zu hören: Carmen Treml (Agenda Austria), Eva Eberhartinger (Wirtschaftsuniversität Wien), Moderation: Antonia Rauth; Produktion: Christoph Neuwirth

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Transcript

In Österreich ist wieder einmal eine Debatte über die Teilzeitarbeit entbrannt. Letzte Woche hat Wirtschaftsminister Wolfgang Hatmann-Storfer von der ÖVP höhere Sozialversicherungsbeiträge für bestimmte Teilzeitarbeitende in den Raum gestellt. Seiner Meinung nach sollen alle mehr einzahlen, die freiwillig nicht Vollzeit arbeiten, also Menschen, die jetzt keine belegbaren Betreuungspflichten oder Pflegetätigkeiten erfüllen.

"Ich habe überhaupt kein Verständnis, wenn es null Betreuungsverpflichtungen gibt, weil man gesund ist, dass man Teilzeit arbeitet, weil das ist auch eine Frage der Verantwortung gegenüber der gesamten Gesellschaft." Letztes Wochenende hat Niederösterreichslandeshauptfrau Johanna Mikkel Leitner ebenfalls von der ÖVP dann nachgelegt und über Lifestyle-Teilzeitarbeitende geschimpft. Insgesamt arbeiten rund 1,5 Millionen Menschen in Österreich Teilzeit.

Bei erwerbstätigen Frauen sind es mehr als 50%, bei Männern knapp über 13%. Damit sind wir europaweit unter den Spitzenreitern, nur in den Niederlanden arbeiten noch mehr Menschen in Teilzeit. Kritikerinnen fürchten, dass die hohe Teilzeitquote Österreichs ohnehin schon angeschlagene Wirtschaftsleistung dämpfen und die Lehrenstaatskassen weiter belasten dürfte. Andere sagen, Menschen dürfen selbst entscheiden, wie viel sie arbeiten wollen.

Statt Strafen für freiwillige Teilzeitarbeitende braucht es bessere Betreuungs- und Pflegeangebote für all diejenigen, die eigentlich lieber Vollzeit arbeiten würden, aber es nicht können, weil sie eben Kehrarbeit leisten müssen.

Ich bin Antonia Raut vom Standard und in dieser Folge von Insight Austria wollen wir wissen, wie teuer Teilzeitarbeit Österreich eigentlich wirklich kommt, warum ausgerechnet bei uns so viele Menschen keine Vollzeitstellen annehmen und ob und wie Staat und Unternehmen daran etwas ändern könnten. Dafür sind heute zwei Expertinnen auf dem Gebiet zu Gast bei mir im Studio. Im ersten Teil spreche ich mit Carmen Tremel vom Wirtschaftsliberalen Think Tank Agenda Austria.

Sie forscht zu Bildung und Arbeitsmarkt. Mit ihr spreche ich darüber, wie groß das Teilzeitproblem denn eigentlich wirklich ist. Und anschließend ist Eva Eberhardtinger von der Wirtschaftsuniversität Wien bei uns zu Gast. Sie ist Expertin auf dem Gebiet der Steuerpolitik und sie frage ich, ob Österreich nicht statt Strafen für Arbeitnehmer*innen zu überlegen, besser seine Steuerpolitik überdenken sollte.

Frau Tremel, Sie haben gerade eine neue Untersuchung zur Teilzeitarbeit in Österreich veröffentlicht. Was genau haben Sie sich denn da angesehen und was kam heraus? Also wir haben diverse Auswertungen zu dieser ganzen Teilzeitdebatte gemacht, auch schon der Vergangenheit, aber natürlich ausgegeben Anlass auch aktuell wieder.

Und in der angesprochenen Auswertung haben wir uns vor allem angesehen, wie hoch die Teilzeitquote eigentlich bei den Frauen wirklich ist, weil gerade die Teilzeitquote der Frauen steht ja immer wieder in Debatte und die sind bekanntlich in Österreich auch sehr, sehr hoch, also die zweithöchste im EU-Vergleich und da haben wir uns eben nicht nur per se die Teilzeitquote angesehen, sondern auch angesehen, wie viele der Frauen insgesamt sind dann eigentlich

nur in Vollzeit beschäftigt und da ist eben herausgekommen, dass ca. 34,7% der Frauen insgesamt, also jetzt ungeachtet von denen, die auch im Erwerbsleben generell stehen, nur Vollzeit tätig sind. Das heißt, wir haben ca. eine Dreiteilung, ein Drittel ist in Vollzeit, ein Drittel in Teilzeit, ein Drittel ist gar nicht erwerbstätig und dieses also runtergebrochen dann auf die

Erwerbsquote zum Beispiel haben wir eben ca. 70% die erwerbstätig sind, was sehr hoch ist im internationalen Vergleich, davon aber eben nur mehr als 50% nur in Teilzeit. Und warum haben sie sich da speziell die Arbeitszeiten, die Arbeitsvolumen von Frauen angesehen?

Weil natürlich gerade dieser Teilzeitquote der Frauen eben so hoch ist, auch immer wieder in Diskussion steht und natürlich das schon problematisch ist, dass eben die Teilzeitquote so so hoch ist im internationalen Vergleich und anders auf dessen auch natürlich immer wieder diskutiert wird und interessant ist. Da mal die Nachfrage, warum ist es überhaupt ein Problem, wenn besonders viele Menschen in Teilzeit arbeiten?

Ein Problem haben wir eben dahingehend, dass Österreich eine sehr, sehr hohe Beschäftigungskurte grundsätzlich hat, auch bei den Frauen. Die Beschäftigung auch stetig steigt, bei den Älteren steigt auch, aber eben nur mehr über die Teilzeit. Also wir sehen seit Jahren einen konstanten Anstieg der Beschäftigungskurte, aber die Zahl der Vollzeitkräfte oder auch der Erwerbssätigkeit in Vollzeit eben stagniert, während die Teilzeit eben konstant zunimmt.

Und das ist vor allem langfristig ein Problem, weil es sich auch auf den Wohlstand Österreichs auswirkt. Also wir sehen einfach, dass die Produktivität stagniert, beziehungsweise ganz, ganz leicht wächst. Also wenn man es auf den Erwerbssättigen runterbricht oder in Relation zu den Erwerbssättigen setzt, ist es sogar leicht rückläufig seit Corona die Produktivität.

Also wir sehen da schon, dass wir ein Problem haben, einfach dass wir unser Arbeitsvolumen nach dem entsprechenden Erfühlen, weil wir so ein hohes Teilzeit Ausmaß haben. Da jetzt vielleicht hier ein bisschen naive Nachfrage, aber warum macht es denn einen Unterschied, ob jetzt besonders viele Menschen Teilzeit arbeiten oder halt insgesamt nicht so viele Menschen in Vollzeit arbeiten zum Beispiel? Also es sind zwei verschiedene Sachen, die man sich da anziehen muss.

Einerseits die Personenzahl, die generell in Erwerbssätigkeit steht, dass natürlich in erster Linie immer sehr, sehr wichtig, dass die Leute im Arbeitsprozess sind und dann aber schon auch in einem zweiten Schritt, wir müssen einfach schaffen, dass wieder mehr auch in Vollzeit arbeiten, weil es natürlich für den Gesamtstaat sich nicht ausgehen kann, wenn alle nur 20 Stunden, weil das noch weniger arbeiten oder eben nicht eine Vollzeittätigkeit

nachgehen, gerade die, die eben durchaus in der Lage dazu wären. Wenn nun eben also Österreich so eine unter Anführungszeichen Teilzeit-Nation ist, warum ist das eigentlich so? Also warum ist Vollzeitarbeit offenbar in Ländern wie Litauen so viel attraktiver als in Österreich? Wir haben da einfach ein ganz, ganz großes steuerliches Grundproblem.

Also Arbeit ist in Österreich sehr, sehr hochsteuerlich belastet, ist auch in anderen Neoländern mit unter der am stärksten steuerlich belastete Faktor, aber eben in Österreich noch einmal viel mehr als in anderen Staaten. Und das ist einfach ein Grundproblem, das man auch aktiv angehen könnte.

Also ist ja auch so, dass dann heißt ja, teilt sich diese individuelle Entscheidung, das sind Sachen, die die Politik nicht beeinflussen kann, das stimmt zum gewissen Teil, aber gerade diesen steuerlichen Aspekt ist einfach etwas, was auch öffentlich getrieben ist und was durchaus auch beeinflussbar wäre und mit unter der größte Demotivator ist, wenn man so will, von Vollzeitarbeit. So viele setzen diese Entscheidung.

Ich will nicht Vollzeitarbeiten, weil sie sich einfach auch nicht auszahlt, ganz, ganz bewusst.

Wenn nun die Politik zuletzt eben zum Beispiel die niederösterreichische ÖVP-Landeshauptfrau Johanna Mikkel Leitner von Lifestyle Teilzeit sprechen und da Teilzeitarbeitende doch auch ziemlich stark kritisieren, wird dann nicht darauf vergessen, dass ja doch die aller, aller meisten Menschen in Österreich vor allem Frauen in Teilzeit arbeiten, weil sie eben Kehrarbeit, Kinderbetreuung, Pflegetätigkeiten leisten?

Also natürlich, vor allem bei Frauen haben wir tatsächlich einige, die einfach auch aufgrund der Betreuungspflichten, aufgrund von Kehrtätigkeiten nicht Vollzeit arbeiten können. Wir sehen aber schon noch, dass mehr als ein Viertel der Befragten angibt, bewusst ich will nicht Vollzeit arbeiten. Also dieses Phänomen auch ist wirklich teilweise einfach eine Lifestyle-Erscheinung, ein Wohlstandsphänomen.

Dieser kleine Teil dieses aufgrund der Betreuungspflichten und so nicht können, da kommen wir noch mit einer ganz anderen Thematik, weil es ist de facto so, dass die Kinderbetreuung viel viel besser ausgestaltet sein müsste, dass das eben kein Grund mehr ist, dass man nicht Vollzeit arbeiten kann.

Aber wir haben eben auch einen großen Teil in der Bevölkerung, die einfach ganz bewusst nicht mehr arbeiten wollen, gerade aufgrund der steuerlichen Aspekte oder eben auch weil sie sehen, es geht sich eh aus und deshalb eben nicht Vollzeit arbeiten wollen.

Aber es gibt ja auch Berufe, denken wir zum Beispiel an den Sozialbereich, an den Bildungsbereich, die einfach ein sehr hohes Belastungsniveau aufweisen und wo manche Menschen vielleicht nicht nur sagen, ich will nicht mehr als Teilzeit arbeiten, sondern ich könnte es gar nicht bei der Belastung im Beruf.

Also zuerst muss man mal sagen, dass natürlich der Beruf oder auch die Berufswahl immer noch eine individuelle Entscheidung ist und dass es natürlich auch branchenabhängig ist, wie viel Arbeit auch zumutbar ist, welches Belastungsniveau auch zumutbar ist. Es ist keine Frage oder steht nicht im Raum, dass manche Berufe nicht, wir sind es ganz hohe Alter ausgeübt werden können, dass manche Berufe körperlich oder auch psychisch anspruchsvoll sind als andere.

Keine Frage, aber da haben wir einfach in Österreich auch noch viel aufzuholen, was Weiterbildung während der Werbskayo auch andere Tätigkeiten neben eben solchen hochkörperlich oder psychisch belastbaren Tätigkeiten angeht und auch, dass man das vielleicht ein bisschen breiter streut, dass man vielleicht auch Optionen hat, dass man im Alter sagt, okay, ich bin jetzt nicht mehr am Gerüst, aber ich mache halt Planungstätigkeiten und habe das immer

wieder schon einmal gemacht, deshalb ist es jetzt nicht mehr so eine große Umstellung für mich.

Das sind einfach Sachen, da hat Österreich noch viel aufzuholen und so ist es auch bei die Pflegeberufe, zum Beispiel natürlich die sind körperlich und auch psychisch viel viel herausfordernd, da muss man flexiblere Modelle schaffen, ist auch der Arbeitgeber gefragt, dass man da einfach irgendwie das Ganze ein bisschen aufbricht, aber das ist dann auch vor allem eine Frage des Arbeitgebers und auch wieder dieser Aspekt, okay, es muss

ich dann eben auch auszahlen, es muss ich dann vor allem auch auszahlen, zum Beispiel wenn ich sage, okay, ich bin noch jung, ich bin fit. Ich möchte das auch ganz bewusst machen, ich möchte am Pflegeberuf ausüben auch in Vollzeit, dass sie das dann auch entsprechend rentiert. Es braucht also sehr wohl auch strukturelle Änderungen, höre ich heraus.

Nun hätte aber ÖVP-Minister Wolfgang Hatmann-Storfer einen eher individuellen Weg gewählt und hat vorgeschlagen, dass Menschen, die quasi ohne Not in Teilzeit arbeiten, höhere Abgaben zahlen sollen, weil sie ja quasi nur Teilzeit arbeiten, aber die volle Leistung aus dem Sozialsystem beziehen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Also ich glaube, es ist grundsätzlich schon mal die falsche Herangehensweise, dass man so angeht, wen soll man mehr bestrafen oder wer soll noch mehr Abgaben zahlen, weil die Abgaben einfach schon nicht mehr entziehen.

Also wir müssen generell schauen, dass diese extreme Belastung auf den Faktor Arbeit herunter kommt, dass wir von diesem extremen Steuerkeil auf die Arbeit herunterkommen, gerade bei die mittleren Einkommen, damit es sich eben auch wieder auszahlt, arbeiten zu gehen und vor allem auch mehr arbeiten zu gehen, also mehr Leistung muss einfach mehr Netto bedeuten. Was derzeit schon der Fall ist, aber einfach in Relation, sich oft dann nicht auszahlt im Endeffekt.

Und was man schon andenken könnte, ist, dass Menschen, die einfach keinerlei Betreuungspflichten haben, die einfach durchaus Vollzeit arbeiten gehen könnten und das einfach als bewusste Entscheidung setzen, dass man da sagt, ja, vielleicht, dass man bei der Sozialleistung irgendwo ansetzt, wie man das dann genau ausgestaltet, ist eine sehr, sehr schwierige Frage und auch eine Herausforderung und wie gesagt schon nicht der erste Schritt, den

man setzen sollte, aber es ist durchaus überlegen, dass man sagt, ja, okay, dann muss man da halt vielleicht teilweise kürzen oder es muss einfach immer attraktiver sein, auch sein volles Erwerbsausmaß, wenn man in der Lage dazu ist, einzubringen. Sie haben es mit den Steuern auf Arbeit schon angesprochen, braucht es da auch noch andere Maßnahmen, um quasi Vollzeitarbeit wieder attraktiver zu machen?

Also ich denke da an mehr Flexibilität, was Arbeitszeiten angeht oder vor allem auch bessere Kinderbetreuungsangebote. Also dieser störliche Aspekt ist der erste Faktor, wo man ansetzen sollte, wie schon angesprochen, aber natürlich muss es zum Beispiel eine Grundvoraussetzung sein, dass die Kinderbetreuung so ausgestaltet ist, dass eine Vollzeittätigkeit grundsätzlich möglich ist.

Also wir sehen, auch in Wien ist das nicht die Lösung aller Probleme, weil in Wien ist die Kinderbetreuung gefaktor so ausgestaltet, dass eine Vollzeittätigkeit daneben möglich wäre. Also da haben wir ungefähr 9 von 10 Kinder, die so betreut werden können, zumindest dass es möglich wäre. Gerade im Land haben wir da auch noch extremen Aufholbedarf.

Also wie gesagt, das ist jetzt nicht das Wundermittel, das wird nicht die Probleme lösen, aber es ist eine Grundvoraussetzung, die geschaffen sein muss und auch, wie Sie angesprochen haben, diese Flexibilität des Arbeitgebers oder diese flexibleren Arbeitszeitmodelle, das ist auch etwas, wo man durchaus noch etwas aufzuholen hat, gerade vor allem im Bereich der Frauen oder auch, dass man gestaltet das Erwerbsleben einfach und die Erwerbskehre

durchaus attraktiver, dass man gerade auch das Arbeiten im Alter oder das längere Arbeiten auch attraktiver macht. Also da haben wir schon noch großes Potenzial. Es zeigt zum Beispiel auch eine neue OECD-Studie, dass Österreich bei dieser Beschäftigung der älteren oder wie man die älteren Arbeitsmarkt einkliedert, auch über die ganze Karriere in Weg schon mit unterm meisten Wachstumspotenzial hat.

Aber weil Sie jetzt gesagt haben, dass in Wien ja quasi die Kinderbetreuung nicht das Problem sein sollte, ist nicht insgesamt die ganze Arbeitswelt und doch noch extrem familienfeindlich.

Also denken wir nur mal daran, wie viele Schulferien es gibt, die sich eigentlich mit normalen Urlaubszeiten gar nicht abdecken lassen, an Pflegeurlaube, die Eltern regelmäßig zur Verzweiflung treiben, weil das Verständnis der Arbeitgeber*innen dann oft doch nicht so groß ist oder auch nur die Schwierigkeiten von denen manche Menschen eben bei erweiterten Querenzzeiten oder sowas berichten.

Also natürlich ist Familienfeindlich ein sehr, sehr hartes Wort, aber es in gewisser Weise ist Österreich einfach ein extrem konservatives Land.

Es hat sich da in den letzten Jahren schon ein bisschen was getan, ein bisschen sind die Rollmuster aufgebrochen worden, aber wir sehen ja immer noch, es sind 98% der Personen in Elterngrenzen Frauen, die Person die meistens zu Hause bleibt bei den Kindern ist die Frau, vor allem am Land, die Frau geht einkaufen, die Frau putzt, die Frau macht den Haushalt und so weiter.

Also wir haben da schon noch großes Potenzial nach oben vor allem auch, was die Einbindung in den Familienalltag der Feder angeht, weil ein Kind ist trotzdem eine Entscheidung der Eltern, ist eine gemeinsame Entscheidung und darf eben nicht nur an die Frauen hängen bleiben. Und deshalb haben wir auch in Österreich so ein Riesenproblem dann, dass die Armutsquote der Frauen höher ist, vor allem im Alter dann, dass die Abhängigkeiten teilweise so hoch sind und so weiter.

Also da haben wir schon noch ein großes auch gesellschaftliches Problem von die Rollenbilder. Und reingesamtwirtschaftlich betrachtet sind so stark rückleifige Geburtenquoten, wie man sie in Österreich sieht, ja auch bedenklich, oder? Ja, durchaus. Also wir sehen einfach mit diesem ganzen demografischen Prozess stehen wir vor Herausforderungen, denen wir einfach nicht gewachsen sind.

Also wir haben immer längere Ausbildungsdauern, haben immer längere Pensionsdauern, diese längeren Ausbildungszeiten zum Beispiel sind ja etwas durchaus Positives, aber man muss dementsprechend dann auch reagieren, man muss sich einfach bewusst sein, wir haben immer kleinere Gruppe, die auch gerade aktiv arbeitet und da muss man Sachen andenken, wie längeres arbeiten durch höhere Pensionsantrittsalter, wir müssen Sachen andenken, wie bin die

Ältere, die noch wollen, aktiv auch in den Arbeitsmarkt ein, wie schaff ich da attraktive Modelle, wie schaff ich das Mütter auch gerne wieder mehr arbeiten, dass sie überhaupt wieder arbeiten nach Anakarenz und eben nicht dann steuerlich so stark belastet werden, dann vielleicht noch Kosten durch zusätzliche Kinderbetreuung haben und dann eben sagen, ja, warum soll ich arbeiten gehen, wenn es mir eigentlich teurer kommt, dann ist irgendwie

logisch, dass die Entscheidung darauf fällt, dass man eben zu Hause bleibt, sie womöglich abhängiger von Partner macht und trifft da nicht auch Unternehmen eine größere Verantwortung, Vollzeitarbeit attraktiver zu machen?

Ja, durchaus, also die Arbeitgeber, auf die kommt da eine sehr große Herausforderung zu, denen muss man auch einfach mehr Aufmerksamkeit schenken oder die müssen auch bereit dazu sein, individuell auf die Arbeitnehmer einzugehen, vor allem weil die Frauen einfach flexibere Modelle zu schaffen und schon auch einfach diese ganze Arbeitsattraktivität hängt sehr stark am Arbeitgeber, wo er nicht wirklich eingreifen kann oder wo er auch eben abhängig

ist vom Staat ist dieser steuerliche Aspekt, also da kann eine Arbeitgeber auch wenig machen und den trifft es ja genauso, aber gerade bei diese individuellen Aspekte, bei dem eingehen von die Arbeitsmodelle und so weiter, da kommt den Unternehmen durchaus eine sehr große und bedeutende Rolle zu.

Sie haben es jetzt vorher schon mal angesprochen, dass es quasi etwas mehr als ein Viertel ist, die ohne gleichersichtliche Gründe Teilzeit arbeitet, aber wie viele Menschen arbeiten denn wirklich freiwillig Teilzeit und nicht vielleicht auch, weil sie gar keine Vollzeitstelle bekommen würden oder weil sie eben in sehr belastenden Berufsgruppen arbeiten?

Also es gibt durchaus Zahlen, also in dieser großen österreichweiten Befragung von der Statistik Ausbreite Mikro Sensors wird es durchaus erfragt, was der Hauptgrund ist für Teilzeit.

Wir haben da aber schon ein Problem von der Datenlage auch, also auch dieses Viertel, das sind einfach Zahlen, die man durchaus so stehen lassen kann, aber gerade wenn man es dann runterbrechen will auf die Altersgruppen, wenn man dann vielleicht Alter uns geschlecht anziehen will, was ja gerade die interessanten Punkte wären, dann wird es einfach von den Daten auch statistisch sehr schwer interpretierbar, deshalb ist das mit den Gründen für die

Teilzeit auch immer etwas mit Vorsicht zu betrachten. Auch dieses Viertel, ja man kann ihm schon mal sagen, ja circa ein Viertel will einfach nicht mehr Vollzeit arbeiten, da sind eben diverse andere Gründe ausgeschlossen, aber wir haben eben auch fast circa wieder ein Viertel bis ein Drittel, die irgendwelche Gründe angeben, die nicht wirklich zuordnbar sind. Also da haben wir einfach auch einen sehr, sehr großen Teil, wo wir es gar nicht so sagen können.

Genauso auch mit den Betreuungspflichten, da werden zum Beispiel Kinderbetreuungspflichten und Kehrarbeiten von Älteren werden in einen Topf geworfen, also das können wir auch wieder nicht klarer differenzieren und deshalb ist es da sehr, sehr schwierig und auch immer etwas mit Vorsicht zu genießen.

Das heißt, in Österreich gibt es Ihnen offenbar schon diesen unter Anführungszeichen "Lifestyle", Teilzeitanteil an der Bevölkerung, aber es ist gar nicht so leicht zu sagen, wie groß der wirklich ist. Nun gibt es ja auch in Deutschland eine Debatte darüber, dass die Bevölkerung unter Anführungszeichen immer weniger arbeiten will.

Die neue Bundesregierung dort, vor allem der konservative Anteil, hat dann nun auch schon angekündigt, dass man eben Maßnahmen setzen will, aber erkennt man daran zum Beispiel, dass eben dieser Wunsch nach geringerer Arbeitszeit, nach mehr Work-Life-Balance, etwas ist, dass sich gerade eben sehr, sehr vielen Industrienationen abzeichnet.

Ja, also das ist durchaus nicht nur ein österreichisches Phänomen von dieser Teilsrepublik Österreich, also wir haben dieses Problem oder auch diese Entwicklung können wir eigentlich in ganz Europa beobachten oder eben auch in die Industrienationen beobachten, wie sie angesprochen haben.

Also das ist schon ein Problem oder einfach ein Phänomen, was sie flächendeckend eigentlich beobachten lässt und das ist ein bisschen wie mit der Alterung, das ist einfach was, was auf alle zurollt, was alle auf Herausforderungen sehen müssen und auch dieser Steuerlehrerspekt ist ja etwas, was in Österreich noch mehr viel stärker ausgeprägt ist, aber wo auch andere Länder einfach zu kämpfen haben, dass der Faktor Arbeit oft so belastet ist und das

ist deshalb auch nicht Austall, also zum Beispiel auch einen Punkt noch zu dieser Lifestyle-Entscheidung. Ja, es wird durchaus viele geben, die sagen, ich will einfach nicht mehr, ich will meine Work-Life-Balance.

Das geht sie eh aus für mich, dann ist es auch oft etwas, was man vielleicht mit keinem Faktor der Welt oder auch mit keinem Anreiz der Welt beeinflussen kann, aber man kann ja da auch auch wieder nicht differenzieren, wie viele machen das, weil sie einfach irgendwie schauen, wie sehr zahlt es eigentlich aus und einfach rechnen können, blöd gesagt, und wie viele es sind, die das einfach als Lifestyle-Entscheidung treffen, also da kann man ja auch wieder

schwer differenzieren oder eigentlich nicht differenzieren, weil man einfach die Daten nicht hat, die Fraganquellen fehlen. Wenn Politiker*innen das Bild von diesen Lifestyle-Teilzeitarbeitenden zeichnen, dann meinen die ja oft auch speziell junge Menschen, die halt vielleicht sagen, ich bin jetzt Mitte 20, ich kann es mir leisten, nur 25 Stunden arbeiten zu gehen und komme damit trotzdem gut über die Runden und kann halt auch meine Freizeit noch genießen.

Ist es denn kasseverwerflich, also steht es mir nicht auch irgendwie frei, nur so viel arbeiten zu gehen, wie ich halt arbeiten muss. Ist es nicht irgendwie auch ein Teil meiner Wahlfreiheit als Mensch in Österreich? Natürlich ist die Arbeit generell und auch das Arbeitsausmaß dann eine sehr individuelle Entscheidung, sollte auch jedem weiterhin frei stehen.

Ich meine, das ist etwas, man kann ja keinen zur Arbeit zwingen, aber man muss schon auch sagen, dass das Arbeitsausmaß oder diese Entscheidung, ich will arbeiten gehen und ich will auch Vollzeitarbeiten gehen, schon auch gewissermaßen ein Aspekt ist von, wieviel will ich zur Gesellschaft beitragen und ich glaube, wir leben alle gerne in Österreich, Österreich ist das sehr wohlhabender Staat immer noch, hoffentlich auch noch länger, aber wir sehen eben schon, wenn da immer weniger

gearbeitet wird, wenn die Menschen immer mehr sagen, ja, es geht sie halt jetzt aus und die Arbeit nur mehr 25 Stunden, 30 Stunden, dass sie das gesellschaftlich eben langfristig nicht ausgehen kann und dass schon auch die Bereitschaft wieder steigen muss oder dieser Gedanke daran, okay, ich arbeite nicht nur für mich, ich arbeite nicht nur für meinen eigenen Lifestyle, dass es jetzt ausgeht, sondern ich arbeite eben auch gewissermaßen für

den Gesamtstaat, ich muss auch schauen, okay, wenn ich später meine Leistungen beziehen will, wenn ich eine Ausbildung nebenbei oder so machen will, ich muss meinen Beitrag einfach so leisten, wie es mir möglich ist. Also, ja, es ist eine individuelle Entscheidung, es soll auch jedem irgendwo freisten, es soll auch von der Belastung so ausgestaltet sein, dass es für Antragbar ist, aber man muss eben schon diesen gesamtgesellschaftlichen

Aspekt genauso mit betrachten. Ist da die Strategie der ÖVP-Minister in den Landeshauptfrauen nicht vielleicht die falsche, weil ich erkenne das bei Menschen, die Teilzeit arbeiten, dass sie sich dann irgendwie so ins Eck gestellt fühlen und gerade erst recht nicht überdenken, ob sich Vollzeit nicht vielleicht ja auch für sie selbst mit Pensionsalter und allem drum und dran mehr lohnen würde, braucht es da vielleicht mehr Dialog als drohenden

Finger? Ja, es braucht da definitiv auch auch, wie ich noch angesprochen habe, andere herangehensweise, also weniger so, dass wenn so eine noch mehr bestrafen, der soll noch mehr zahlen, sondern viel mehr Arbeit muss sie auszahlen, Arbeit erhält unseren Wohlstand und deshalb auch von der Regierung irgendwo klar der Auftrag.

Es kann jetzt sein, dass die Arbeit so stark belastet wird, so stark auch generell schon mal bestraft wird, weil es muss einfach auch den Politikern bewusst sein, die gesellschaft erhält den Staat und nur durch eine gewisse Arbeitsmotivation auch werden wir das ganze System am Laufen halten und gerade deshalb ist es auch der eine Faktor natürlich, wir Wir müssen diese Störse...

Das System ist ja, per se jetzt kein schlechtes, auch der Sozialstaat grundsätzlich wie ausgestaltet ist, ist ja was sehr, sehr Gutes in Österreich und etwas, auf das wir durchaus stolz sein können. Aber einfach auch, dass da die Motivation erhalten bleibt und weg von diesem WM-Bestrafi noch mehr, wo kann ich noch mehr Steuern einheben, sondern vielmehr mal schauen, wie kommen wir endlich runter von dem und wie kann ich auch die Motivation da durchaus oder die Anreize wieder steigern.

Frau Trimmel, vielen Dank für den Besuch im Studio. Danke für die Einladung. Wir haben jetzt schon immer wieder über die steuerlichen Faktoren rund um die Teilzeitarbeit gesprochen. Aber wie kommt es denn eigentlich wirklich zustande, dass anscheinend Teilzeitarbeit eben steuerlich begünstigt ist in Österreich und stimmt es überhaupt? Darüber haben wir mit Eva Eberhardinger von der Wirtschaftsuniversität Wien gesprochen. Sie ist Expertin für Steuerpolitik.

Frau Eberhardinger, können Sie uns noch mal ganz einfach erklären, wie denn eigentlich die steuerliche Situation rund um Teilzeitarbeit in Österreich aussieht? Die Steuer, die Einkommensteuer bei uns ist, wie jede Steuerbemessungsgrundlage mal Tarif, also Einkommen mal Steuersatz und besteuert wird nach der Leistungsfähigkeit.

Das heißt, diejenigen, die mehr verdienen, die mehr Einkommen haben, zahlen auch mehr Steuer und das passiert schon alleine durch einen proportionalen Tarif, also wenn alle gleichmäßig zum Beispiel, weiß ich nicht, 30 Prozent zahlen würden.

Bei uns aber und in den meisten, fast allen anderen Ländern, ist es so, dass der Tarif progressiv gestaltet ist, das heißt, wenn man mehr verdient, hat man auch einen höheren Steuersatz, der anwendbar ist, das ist die Steuerprogression und diese Steuerprogression wird oder wird steuerteoretisch gerechtfertigt dadurch, dass man sich zur Umverteilung bekennt.

Das heißt ausgedanklich, es schrechenerisch geht es sich nicht immer ganz aus, aber gedanklich wird mit diesem Mehrsteueraufkommen von den besser verdienten, werden Sozialtransfers für die weniger gut verdienten bezahlt. Das heißt, wer mehr arbeitet, zahlt mehr Steuern und das kann dazu führen, dass es sich eher rechnet, weniger zu arbeiten, weil man nicht unbedingt viel weniger verdient dadurch.

Genau, wer mehr arbeitet, zahlt nicht nur absolut, sondern auch relativ mehr Steuern, also einen höheren Prozentsatz, und daher, wenn man weniger arbeitet und überlegt aufzustocken, mehr zu arbeiten, dann wird ein höherer Prozentsatz von diesem zusätzlichen Einkommen an Steuern abgeführt, das heißt, der Grenzsteuersatz, dieser zusätzliche Steuersatz auf das zusätzliche Einkommen, der kann relativ hoch sein, und da gibt es eine sehr schöne Studie von der

OECD, die das für die OECD-Mittelstaaten ausgerechnet hat, und die kommen zu dem Ergebnis, dass in Österreich der Durchschnittsteuersatz für Teilzeitbeschäftigte bei 12% liegt, das ist sehr, sehr niedrig, ist wenig, und der Durchschnittsteuersatz für Vollzeitbeschäftigte deutliche Höhe ist so, dass der Grenzsteuersatz, also die zusätzliche Steuersatz auf ein zusätzliches Einkommen, wenn man aufstockt, bei 42% liegt.

Dieses zusätzliche Einkommen wird daher vergleichsweise sehr hoch besteuert, wird viel weggesteuert, und das ist ein Anreiz eben nicht mehr zu arbeiten, einerseits, andererseits muss man aber auch sagen, das ist einfach Effekt der Steuerprogression, die wir haben, so ist das System gestaltet, und damit sind eigentlich alle zufrieden, das entspricht dem, was im Großen und Ganzen als fair bezeichnet wird, dass die, die mehr verdienen, auch

nicht nur absolut, sondern auch relativ mehr zahlen, die die weniger verdienen, weniger, und wenn man daher jetzt sagt, das ist ein steuerlicher Fehleranreiz, dann stellt man in Wahrheit die Progression, die Steuerprogression in Frage, und das muss man sich gut überlegen, ob man das möchte.

Das kann man schon wollen, in Ungarn zum Beispiel, sind Arbeitseinkünfte proportional, flach mit 15%, egal wie hoch, egal wie viel man verdient, besteuert, da ist dann egal, ob ich weniger oder mehr arbeite, sind immer 15%, aber meine Vermutung ist, dass das politisch in Österreich nicht gewollt ist, und das kann ich auch verstehen.

Bevor wir darüber sprechen, wie man diese steuerlichen Anreize oder vielleicht auch Fehlanreize lösen könnte, wie ist die Situation denn für Unternehmen, kommen die Teilzeitkräfte unterm Strich teurer, oder sind die vielleicht sogar günstigere Beschäftigte? Für die Unternehmen gibt es zwei Antworten.

Erstens, für die Unternehmen ist es grundsätzlich egal, weil die Kosten für die Arbeitnehmer und auch alle Lohnnebenkosten sind grundsätzlich steuerlich abzugsfähig, und ob das jetzt Teilzeitbeschäftigte sind oder Vollzeitbeschäftigte macht keinen Unterschied.

Zweiter Teil der Antwort, Vollzeitbeschäftigte, die mehr verdienen als die Höchstbemessungsgrundlage für die Sozialversicherung, also die ein bisschen besser verdienen, die kommen letztlich sogar billiger, weil dann die Lohnnebenkosten, also die Sozialversicherungsbeiträge relativ immer günstiger oder weniger prozent hat es aufs gesamte Einkommen gerechnet, ausmachen. Also für ein Unternehmen ist es einerseits egal, andererseits vielleicht sogar die Vollzeitbeschäftigte günstiger.

Wie erklären Sie sich dann, dass es doch immer mehr Unternehmen gibt, die auch dezidiert Teilzeitbeschäftigte suchen? Ich glaube, das ist jetzt meine persönliche Meinung, dass das keine steuerlichen Gründe hat, sondern das ist einfach der Arbeitsmarkt.

Wir sind mitten in einer Änderung des Arbeitsumfeldes der Art und Weise, wie Personen arbeiten möchten, möchten flexibler arbeiten, möchten auch Homeoffice haben, möchten vielleicht eben auch nicht 40 Stunden oder 60 Stunden oder 70 Stunden arbeiten und die Unternehmen kommen dem entgegen, die haben gar keine andere Wahl.

Also das wäre jetzt meine persönliche Erklärung dafür und das deckt sich auch mit Beobachtungen oder Gesprächen, wenn man mit Unternehmen spricht, die Hände, Ringen, Leute suchen und sagen aber die wollen nur 30 und die anderen wollen ganz flexibel und die Dritten wollen nur von zu Hause. Und das wird dann auch angeboten, weil die Unternehmen brauchen die Leute. Wie schaut denn eigentlich der Staat bei diesem ganzen Deal raus?

Also Wirtschaftsminister Hartmann-Storfer hat ja kritisiert, dass eben zu viele Menschen Teilzeit arbeiten würden. Was ist das Problem für den Staat Österreich? Für den Staat Österreich gibt es wohl das eine, kann durchaus gravieren sein, das eine gravierende Problem, dass Personen, die Teilzeit haben, zahlen halt eben einfach weniger Steuer und auch weniger Sozialversicherungsbeiträge.

Wenn sie wenig verdienen, kommen sie auch in Genuss von Sozialleistungen, Transfers, Negativsteuer und so weiter und tragen daher weniger bei, als sie würden, wenn sie Vollzeit arbeiten würden. Ob es aber wirklich Aufgabe des Staates ist, ein sozial erwünschtes Arbeitsausmaß festzulegen oder ob man sagt, das ist die private Entscheidung jeder und jedes Einzelnen, das ist eine Frage der politischen Wertungen.

Jetzt hat es ja anfangs so geklungen, als wäre Teilzeit ein ziemlich guter Deal für Beschäftigte, weil man eben mit unterdeutlich weniger Steuern zahlt. Es gibt aber auch Probleme, die viele Menschen mitunter nicht so am Schirm haben, denken wir an die Pensionen. Was ist da vielleicht, sagen wir mal, das versteckte Manko an der Teilzeit? Das versteckte Manko ist tatsächlich insbesondere das Pensionssystem.

Im Hinblick auf die Krankenversicherung ist man in gleicher Weise versichert und hat die gleichen Ansprüche auf Gesundheitsleistungen, ob man jetzt Teilzeit oder Vollzeit arbeitet. Bei der Pensionsversicherung ist das anders. Je weniger ich in die Pensionsversicherung einzahle, umso weniger bekomme ich am Ende auch heraus.

Das heißt, das ist der Nachteil, was die eigenen Ansprüche dann später einmal betrifft und ich kann mir gut vorstellen, da war auch ich nicht anders, dass man mit 25, dass die Pensionsleistungen noch nicht so sehr im Kopf hat.

Einerseits, andererseits, wir haben das Umlageverfahren, die Pensionsbeiträge, die die Arbeitnehmer jetzt zahlen, kommen ja in Wahrheit den jetzigen Pensionisten zugute und wenn das auch immer weniger wird, dann wird der Budgetbeitrag des Staates immer höher, der jetzt ja auch schon sehr hoch ist.

Wir haben vorher darüber gesprochen, dass es vermutlich mehr bringen würde, wenn der Staat da eben steuerpolitisch etwas ändert, als wenn man die Route ins Fenster stellt und sagt, wir lassen euch mehr zahlen. Welche Stellschrauben gibt es denn tatsächlich, Teilzeitarbeit oder sagen wir vielleicht mal Vollzeitarbeit attraktiver zu machen, ohne die Progression über den Haufen zu werfen?

Ich glaube schon, dass es sinnvoll wäre, sich die Progression und dem Progressionsverlauf noch einmal genauer anzusehen. Wir haben aktuell eine stufenweise Progression. Das heißt, wenn man eine bestimmte Einkommensgrenze erreicht, dann springt man automatisch für den nächsten zusätzlichen Euro, den man verdient, in eine höhere Klasse.

In Deutschland gibt es einen anderen Progressionsverlauf, einen linearen Progressionstarif, auch Progression aber halt verläuft ein bisschen glatter, nicht mit diesen Stufensprüngen. Ich glaube, das wäre eine relativ einfache Möglichkeit, den Progressionsverlauf zu glätten und das Überspringen einer Stufe zu vermeiden, dass dann besonders schmerzhaft ist.

Eine andere Möglichkeit, wenn man das nicht möchte und den Stufentarif beibehalten möchte, wäre, es gibt in Österreich eine 48-Prozent-Stufe, die nächste ist dann eine 50-Prozent-Stufe, dass man die 48-Prozent-Stufe einfach streicht, dann hätte man eine sehr breite Stufe, die mit 30 Prozent besteuert wird, da hätte man in dem Bereich, in dem sehr viele Einkommen tatsächlich auch fallen, eine flache Besteuerung, also keine starke Progressionswirkung, vielleicht ist das sinnvoll.

Muss man aber auch dazu sagen, dass das Budgetee gerade in Zeiten wie diesen schwer zu verkraften ist für den Staat. Also die politische Machbarkeit würde ich ein bisschen mit einem Fragezeichen versehen aktuell. Ist das vielleicht der Grund, warum da die Politik eher auf die individuelle Verantwortung zeigen will, als tatsächlich im Steuersystem etwas ändern, dass es eben auch Einschnitte in der Staatskasse bedeuten könnte, wenn man da eben die Besteuerung ändert?

Das halte ich für möglich, das sind politische Überlegungen. Eine andere Diskussion, die jetzt geführt wird, ist die Frage Besteuerung des Stundenlohns. Was ist damit gemeint, aktuell wird ja Besteuert anhand des Jahreseinkommens und Personen, die im Jahr 2025 viel verdienen, zahlen mehr Steuer und die anderen weniger.

Und wenn man das umstellt auf Besteuerung nach dem Stundentrifftan, steht dahinter der Gedanke, dass jemand, der weniger verdient, weil er oder sie Teilzeit arbeitet, aber an sich gut verdient, also mit einem hohen Stundenlohn bezahlt wird, dass diese Person dann mit einem Steuersatz besteuert wird, den sie sonst hätte, wenn sie voll arbeiten würde. Und das ist eine Idee, die halte ich für schwierig, für problematisch, aus mehreren Gründen.

Da gibt es mal ganz praktische Gründe, nämlich Abgrenzungsfragen, also welche Personengruppe, umfasst mir jetzt genau. Man will wohl die treffen, wobei ich mir ganz schwer tue, das auch auszusprechen und gar zu definieren, die halt irgendwie weniger arbeiten, weil sie gerne mehr Freizeit haben oder Kaffee Latte trinken gehen.

Die zu identifizieren ist gar nicht so leicht, weil Personen mit Betreuungspflichten sind da nicht mit gemeint, aber was ist eine Betreuungspflicht im Gegensatz zum Betreuungswunsch, wann endet die Pflicht, wann beginnt der Wunsch und möchte der Staat dann wirklich sorgen bis zum Betreuungspflichten von Kindern, bis zum Alter von so und so viel ist es Pflicht und danach ist es Wunsch.

Also das ist ganz, ganz schwierig, was ist mit Personen, die eh mehr arbeiten möchten, aber nicht aufstocken können, weil das im Betrieb gerade nicht möglich ist, was ist mit Personen, die All-in-Verträge haben, also die auch keine Stundenaufzeichnungen führen, die auch Überstunden nicht extra abgegolten bekommen. Was ist bei Personen, die eine ungleiche Arbeitsbelastung während des Jahres haben, Saisonarbeiter, Gastro, wichtige Branche, gerade im Bereich Teilzeitarbeit.

Und jetzt kann man natürlich sagen, all diese Fragen, die ich aufgeworfen habe, das kann der Gesetzgeber definieren, ist schwierig, aber kann man machen, aber damit ist dann sehr viel Bürokratie wiederum für die Unternehmen verbunden, sehr viel Recherchearbeit und hinter Fragen von Motivation, warum, arbeitet er jetzt wirklich Teilzeit und fällt das in Anführungsstrich als gute Teilzeit oder Anführungsstrich als schlechte Teilzeit.

Und außerdem hat man hier ein bisschen ein Bild vor Augen von Arbeitnehmern wie vor 50 Jahren, die halt 40 Stunden ins Büro kommen, da sitzen und nach 40 Stunden gehen es dann wieder. Und dass sich die Arbeitswelten gerade jetzt aber sehr ändern, wird da gar nicht mit abgebildet.

Was ist zum Beispiel mit sehr vielen Selbstständigen, die entweder auch weniger arbeiten möchten und daher den einen oder anderen Auftrag nicht annehmen oder andere Selbstständige, die 60, 80 Stunden die Woche arbeiten. Also dieses Festhalten an Arbeitnehmern, uns nicht Selbstständigen Arbeitnehmern, kann zu Verwerfungen und tatsächlich auch Gerechtigkeits- fernes Problemen gegenüber Personen führen, die auch arbeiten, auch verdienen, aber nicht Arbeitnehmer im eigentlichen Sinne sind.

Was glauben Sie denn, wie groß ist der steuerpolitische Faktor als Einfluss darauf, ob jemanden nun Teilzeit arbeitet oder nicht tatsächlich? Wir haben es vorher schon mal gehört, vor allem Frauen arbeiten sehr oft in Teilzeit, das spielen dann oft Kehrtätigkeiten, Kinderbetreuung, Pflegeangehöriger hinein.

Ist da nicht die allererste Überlegung, es könnt ihr niemand anderes sonst machen oder ich muss das ja machen, bevor man sich überhaupt denkt, ja wie viele Steuern zahl ich, aber wenn ich jetzt aufstocken würde.

Das ist durchaus möglich, das ist eine empirische Frage, gibt es sicher Untersuchungen dazu von Arbeitsmarktexpertinnen, ich kann mir aber schon auch vorstellen, dass die Überlegung ich arbeite jetzt 20 Stunden und wenn ich auf 30 Stunden aufstocke, dann bleibt man eigentlich gar nicht so viel übrig, kann mir schon vorstellen, dass das schon auch ein Thema ist. Aber wie gesagt, die Ursache ist Progression und die Progression ist schon ein wichtiges Element unseres Steuersystems.

Ein Punkt, der in dem Zusammenhang vielleicht auch wichtig ist, dass wenn es so eine Stundenbesteuerung nenne man so, wenn es so eine Stundenbesteuerung gibt oder die eingeführt würde, dann kannst durchaus unintended Konsequenzen, es nicht bei absichtigte Folgen geben, das sollte man sich wirklich gut überlegen, weil dann möglicherweise gerade gut ausgebildete Frauen, die einen höheren Lohn auf die Stunde oder ein höheres Gehalt auf die Stunde gerechnet verdienen,

die sich dann vielleicht überlegen, dann arbeite ich aber lieber gar nicht und bleib zu Hause. Und dann wäre all das, was die letzten 20 Jahre gepredigt wurde, nämlich bitte Frauen, arbeitet es wenigstens Teilzeit, verschwindet nicht vom Arbeitsmarkt, sonst kommt es hier nie wieder rein.

Und das stimmt ja, all das löst sich auf einmal in Schall und Rauch auf, weil die Frauen sagen, wenn man nicht einmal was übrig bleibt und ich habe Stress noch dazu, dann gehe ich lieber nicht arbeiten, das muss man und gerade gut ausgebildete Frauen, die in Österreich ihre Ausbildung ja auch letztlich vom Steuerbezahler finanziert bekommen.

Das heißt, die Progression überdenken, wer eine Möglichkeit, die Sie sehen, diese Stundenlohnbesteuerung, sehen Sie eher kritisch, fallen Ihnen noch andere Stellschrauben ein, wo man in diesem Bereich eingreifen könnte?

Es gibt noch ein paar punktuelle Maßnahmen, die man machen kann in Deutschland wird diskutiert oder wurde diskutiert, eine Teilzeit-Aufstockungsprämie, eine Prämie, die den Unternehmen und dann letztlich den Arbeitnehmern zugute kommt und den Steuernachteil aus einer Aufstockung der Teilzeit kompensieren soll.

Das ist auch relativ verwaltungsaufwendig und hat vor allem, so wie das da diskutiert wird, so Lock-in-Effekt, weil man sagt, es muss doch zumindest dann 24 Monate die Person Vollzeit arbeiten und das verhindert wieder Flexibilisierung fürs Unternehmen, aber auch für die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen.

Andere Möglichkeit ist eine Art Vollzeitbonus, das heißt, dass Arbeitnehmer, Arbeitnehmerinnen bei der Arbeitnehmerveranlagung an zusätzlichen Absätzen betragt bekommen, wenn sie Vollzeit arbeiten. Das würde auch ein Teil der zusätzlichen Steuerbelastung wieder zurücknehmen, ist vielleicht dann auch wieder ein bisschen ungerecht gegenüber all jenen, die nicht Arbeitnehmer sind, sondern die selbstständige arbeiten.

Die Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten, die steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten hatten wir eine Zeit lang bis 2019. Dann nicht mehr, wurde dann durch den Familienbonus Plus abgelöst, aber das ist vielleicht auch etwas, den Steuervorteil aus der Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten habe ich ja nur, wenn ich auch verdiene und daher auch Einkommen habe, von dem ich diesen Betrag absetzen kann.

Und ist daher vielleicht auch ein Anreiz zu arbeiten oder auch mehr zu arbeiten. Und dann sollte man sich wahrscheinlich schon einmal überlegen, wir haben doch auch Anreize bei uns im System, die es verlockend machen, nicht zu arbeiten oder sehr, sehr wenig zu arbeiten. Das ist recht von der Negativsteuer. Personen, die sehr wenig verdienen, bekommen dann einen Teil, einen Betrag von der Finanzverwaltung zurück überwiesen. Und wenn sie mehr arbeiten, dann kriegen sie das nicht mehr.

Also auch das ist ein Anreiz, nicht mehr zu arbeiten und etwas, was politisch wahrscheinlich im Besonderen heißt, ist die Abschaffung, dass alle Einverdiener Absetzbetrag ist, weil auch das ist ein Anreiz, das eben nur einer im Haushalt verdient. Ein bisserl stellt sich ja auch die Frage, wie sehr sollte der Staat generell darauf einwirken, dass Menschen jetzt Vollzeit arbeiten oder nicht?

Also ist die Wahl der eigenen Arbeitszeit nicht einfach auch viel in der Selbstverantwortung, weil es einen ja sowieso auch irgendwann betrifft, je nachdem, wie viel man eben zum Beispiel Pensionen rausbekommt? Also da kann ich nur meine ganz persönliche Meinung als Bücherin dieses Landes Ihnen sagen. Ich bin durchaus ein liberal geprägter Mensch und ich finde, der Staat sollte sich da nicht einmischen.

Das ist tatsächlich eine höchstpersönliche Frage, wie viel ich arbeiten will, wie viel ich verdienen will. Wie viel Geldungstrang ich habe, wie sehr ich mich verwirklichen möchte oder ob ich dann doch lieber mehr in die Berge gehen möchte. Also ich persönlich glaube, das ist tatsächlich eine persönliche Entscheidung und nicht Entscheidung des Staates. Und am Ende bleibt ja auch die Frage, übrigens immer mehr Menschen arbeiten heute Teilzeit.

Gleichzeitig gab es ja auch schon seit vielen Jahrzehnten keine Arbeitszeitreduktion mehr. Also müsste man vielleicht die Wochenarbeitsstunden das, was als Vollzeit zählt, reduzieren? Das würde ich nicht vorschlagen zu tun, die Produktivität sinkt und es wäre ein falsches Signal. Weil dann insgesamt die Leute einfach noch weniger arbeiten.

Und am Strich, wenn jetzt der österreichische Staat wirklich sich zum Ziel gesetzt hat, wir wollen die Teilzeitquote reduzieren, was hielten Sie für die effektivste Maßnahme steuerpolitisch?

Steuerpolitisch würde ich die Progression verflachen oder zumindest diese Progressionsstufe 48% streichen, vielleicht dafür andere Progressionsstufen anheben, um auch das Budgetär verkraftbar zu machen oder zumindest umstellen auf eine lineare Progression, also weggehen von der Stufenprogression hin zu einer linearen Progression. Und gibt es noch was, das man in Bezug auf Unternehmen und jetzt nicht auf die einzelnen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer machen könnte?

Aus steuerlicher Sicht fällt mir da nichts ein. In dem Fall haben wir schon sehr viele Vorschläge geliefert und von Ihnen bekommen. Vielen Dank für den Besuch im Studio, Frau Eberhardtinger. Ich danke fürs Gespräch. Wir sagen auch Danke an Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, dass Sie wieder eingeschaltet haben zu dieser Interviewfolge von Inside Austria. Inside Austria hören Sie auf allengängigen Podcast-Plattformen auf der Standard.at und auf spiegel.de.

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Ich bin Antonia Raut und sage Tschüss und Baba.

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