Guten Abend, herzlich willkommen. Wir freuen uns sehr, heute hier zu sein bei der langen Nacht des Journalismus im Wiener Volksgarten und toll, dass noch so viele Leute da sind zur späteren Stunde und bei den Temperaturen nicht im Biergarten oder am Wasser, sondern uns heute zu hören. Wir können aber, glaube ich, versprechen, dass es relativ spannend wird. Wir sprechen heute nämlich über die Geschichte eines Mannes, die uns tief hineinführt in eine Welt aus Banden, Kriegen,
Terror, Anschlägen und die sogar einen Bankraub beinhaltet. Es geht in einen Milieu, in dem die Gewalt der Straße und fanatische Islamismus regieren und aufeinandertreffen. Ich bin Lucia Heisterkamp vom Spiegel und ich bin Antonia Erraut vom Standard. Und wir haben uns heute zwei Gäste eingeladen, die ganz tief drinstecken in dieser Recherche, weil sie da zusammen schon lange ein Mann begleiten, über den wir heute sprechen wollen. Das ist einmal unser Gast Magdalena Punz, Chefreporterin von
PULS24 und zum ersten Mal heute bei uns im Podcast. Schön, dass du da bist. Danke für die Einladung. Wir und unseren zweiten Gast kennen Inside Austria Fans schon. Jan-Michel Machert, erst immer dann bei uns zu Gast, wenn es um Crime-Geschichten geht. Schön, dass du da bist. Danke. Vielleicht als erste Frage an euch beides. Kommt ja nicht so häufig vor, dass Redakteure von unterschiedlichen Medien zusammen eine Geschichte recherchieren. Wie kam es denn dazu?
Das hat mit dem 2. November 2020 zu tun, also auch mit dem Prozess danach, nach dem Terroranschlag in Wien, bei dem vier Menschen gestorben sind und etliche weitere verletzt wurden. Wir haben uns damals kennengelernt, eigentlich immer nebeneinander sitzen, weil es ist oft bei Prozessen so, dass speziell zu Beginn sind immer alle da, dann bei den Prozessdagen dazwischen wird es immer
weniger und immer dünner. Und wir haben eigentlich, das waren ganz viele Prozessdage, diese Prozessdage durchgehalten und sind dann darauf gekommen, dass wir eigentlich an dasselbe Nordtum teilen, also quasi so für Jihadismus, Terrorismus und konnten eigentlich schon am Ende den Akt mitsprechen und antizipieren, sozusagen, was der Richter als nächstes fragen wird. Und das hat sich dann sozusagen über die nächsten Jahre und Monate so gehalten, kann man sagen.
Heute soll es aber nicht um den Fall des 2. November gehen, sondern um einen ganz anderen Menschen, eine ganz andere Geschichte. Und zwar sprechen wir eben über Abu Bakr D. Es ist ein mittlerweile 25-jähriger Mann, um den ihr jetzt sehr, sehr lang und intensiv recherchiert habt und der derzeit in Wien im Gefängnis in Untersuchungshaft sitzt. Bevor wir näher auf seine Geschichte eingehen und warum uns die heute so interessiert, fangen wir mal damit an, wo kommt dieser
Abu Bakr D. eigentlich her? Also vielleicht gleich zu Beginn einmal vor Weggeschicht. Das war in dieser Recherche, wo wir wirklich sehr viel herausgefunden haben, einer der schwierigsten Punkte,
nämlich etwas über seine Familiengeschichte zu erfahren. Wir haben mit sehr vielen Weggefährten, Gefährtinnen gesprochen, mit Personen, die ihm auch im Gefängnis betreuen und die haben alle gesagt, er ist einer, der viel gerne erzählt und da auch sehr offen ist, aber nicht, wenn es um seine Familiengeschichte geht, wenn es darum geht, wo er genau herkommt, was mit seiner Familie passiert
ist, wie er aufgewachsen ist. Aber ein bisschen, was haben wir dann doch erfahren? Also man kann sagen, Abu Bakr ist Kriegskind gekommen, quasi über die zweite Fluchtbewegung während des Zweiten Tschetschenien Krieges. Er ist geboren im Jahr 2000. Er ist gekommen gemeinsam mit seiner Mutter, mit der Großmutter und dem Onkel. Der Vater ist im Krieg gefallen. Die Mutter hat dann jemanden Neues kennengelernt. In Österreich, in Wien, sind sie 2004 aufgeschlagen, konkret in
Favoriten. Und aus dieser Ehe sind dann mehrere Halbgeschwister entstanden, rund um Abu Bakr, einerseits, also es waren fünf Halbschwestern, ein Halbbruder und zu diesem Teil der Familie hat er dann den Kontakt abgebrochen und dann haben wir auch probiert, sehr viel zu erfahren, warum das eigentlich passiert ist. Das erzählt ja eigentlich niemandem. Also ich glaube, es ging auch das Gerücht um, oder auch in der Community hat er das offenbar erzählt, dass, oder hält
sie das Gerücht, dass seine Mutter angeblich gestorben sei, das stimmt aber nicht. Vielleicht für ihn gestorben. Für ihn gestorben, vermutlich. Und aufgewachsen sind dann so richtig bei der Großmutter in einer kleinen Wohnung in Favoriten, in einem relativ maroden Gemeindebau und sozusagen auch mit dem Onkel, aber die Großmutter, aber sozusagen die eigentliche Bezugsperson über alle
Jahre. Wir haben hier also einen Flüchtlingsjungen, der in Wien aufwächst und dann als Jugendlicher, das habt ihr auch herausgefunden, an die falschen Leute gerät und plötzlich in der islamistischen Szene in Wien auftaucht. Wie landet er dort? Also wie sich das rekonstruieren lässt, ist es, dass er 2018 das erste Mal verhaftet wurde und zwar ging es da darum, dass er in einer Chatgruppe sehr aktiv war, wo er versucht hat, mit Propaganda vom islamischen Staat andere junge Menschen zu
rekrutieren. Also so eine Telegram-Gruppe, so kann man sich das vorstellen? Genau, so eine Chatgruppe genau mit vielen jungen, anderen jungen Personen und hier wirklich auch ziemlich einschlägige Propaganda vom islamischen Staat geteilt hat und auch reingestellt hat selbst und dafür ist
er schließlich auch verurteilt worden und im Gefängnis gelandet. Das heißt, bevor ihr überhaupt das erste Mal auf Abu Bakr-D trefft, ist er schon im Gefängnis gesessen und man muss sagen, dieser erste Gefängnisaufenthalt sagt ja auch schon viel über ihn aus, erzählt viel, was ist in diesen ersten
Haftstrafen passiert? Also es hat uns sehr überrascht, wir kennen uns sehr, sehr gut aus mittlerweile im schedistischen Milieu und haben dann doch schon, sagen wir mal, etliche Ermittlungsakten und Ermittlungsvorläufe erlebt, aber es hat uns dann überrascht, dass Abu Bakr damals mit dem Attentäter, also späteren Attentäter vom 2. November in derselben Zelle lag, der ja auch schon wegen einschlägigen Delikten eingesessen ist. Genau, zwei Terroristen haben sich hier eine Zelle
gezahlt. Und genau, und da sieht man auch wieder, wie gefährlich auch das Gefängnis sein kann für, sagen wir mal, potenziell radikalisierte Personen, weil Abu Bakr ja damals eben wegen dieser Chatgruppe in Haft war und späterer Attentäter ja auch eigentlich in Haft war, weil er nach Syrien wollte
und auch schon in der Türkei war. Das heißt, auch ein anderer Insass hat die beiden beobachtet und hat ausgesagt dann nach dem Attentat in Wien, dass die zwei eigentlich mehr oder wieder exekuo radikal waren, also sprich, wenn man sie von außen betrachtet hat, eigentlich auf dem selben
Level der Radikalisierung waren. Okay, also Abu Bakr pflegt Kontakte zu Islamisten, zu Islamisten, die sie später noch weiter radikalisieren und ihr werdet aber in einem ganz anderen Kontext zum ersten Mal auf ihn aufmerksam, und zwar im Frühjahr 2024, also etwas mehr als vor einem Jahr.
Wie kommt's dazu? Ja, da war es wieder so, dass Jan und ich gemeinsam in einem Gerichtsprozess gesessen sind und angeklagt war in einer Gruppe von jungen Männern und denen wurde vorgeworfen, Schutzgeld erpresst zu haben und zwar im Fokus stand hier ein Handyshop in Wien-Meidling und diesen haben sie insofern bedroht, dass sie dem zum Beispiel Schreiben reingeschickt haben oder vor die Tür
gelegt haben mit einer Pistolenhülse und Lösegeld gefordert haben. Sie haben Molotow Cocktails gegen sein Geschäft geworfen und die mussten sich eben für all diese Angriffe dort verantworten und dann ist eben auch vonseiten des Staatsanwalts an einem dieser Prozesttage, das war mehrtägig, der Name Abobakar, die gefallen und die Frage in Richtung der Angeklagten, was macht denn dieser Mann hier in diesem Prozess und geben auch wieder von jungen Personen? Also Abobakar hat da zugeschaut,
ist das im Zuschauerraum oder wie ist er da aufgetaucht? Genau, es ist im Zuschauerraum mit Anhang und wie wir da auch später erfahren haben, war er ja auch wieder sehr, sehr nah dran, also man konnte ihm dann sozusagen keine Tatbeteiligung nachweisen, aber er war auf jeden Fall wieder in einer Telegram-Gruppe, also in der diese Anschläge damals geplant wurden, war er auch nachweislich mit dabei und es kam
dann auch raus durch ganz, ganz viele Nachrichten von den Jugendlichen, wo es immer wieder ist okay, wenn wir das und das geschafft haben, diesen Anschlag, das können wir doch dem Abobakar melden oder damit können wir uns brüsten sozusagen vor ihm und wie gesagt, er war in dieser Gruppe dabei, er hat das gesehen, aber er war damals kein Angeklagter, aber er war auf jeden Fall da wieder
mittendrin. Bleiben wir noch mal an diesem Tage im Gerichtssaal, ihr hört diesen Namen so zum ersten Mal, seid auch irgendwie ein bisschen irritiert, dass da jetzt der Staatsanwalt auf jemanden in den Zuschauer-Rängen eingeht, wie seid ihr dann mit ihm ins Gespräch gekommen und wie
hat er an diesem ersten Treffen, an diesem ersten Tag auf euch gewirkt? Ja, es war eine Pause und er saß da wieder umgeben eben von jungen Burschen und einer dieser jungen Burschen war einer der Angeklagten, der auf freiem Fuß war, also schon einmal wieder eine Kombination, was macht dieser Mann mit einem
der Angeklagten. Ich habe ihn daraufhin angesprochen, ein bisschen mit ihm geplaudert, was er hier macht und dann hat er so gemeint, naja, er hat in der Vergangenheit auch schon Blödsinn gemacht, er war im Gefängnis, unter anderem auch wegen Terrorismus und er ist hier um den jungen Leuten den richtigen Weg zu weisen, um die ein bisschen unter die Fittigkeit zu nehmen, damit die quasi einen guten Weg einschlagen und welchen Einfluss er damals schon auf diese jungen Leute hat,
der hat sich insofern auch gezeigt, weil ich für Puls 24 ein Interview mit diesem Angeklagten machen wollte, der hier auf freiem Fuß war und als eben Abu Bakr dann sein Okay gegeben hat, hat er dann auch das Interview gegeben, also offenbar hat man sich das hier auch noch absegnen lassen, was man hier sozusagen auch im Interview sagen darf. Also du hast schon gemerkt, dass dieser Hobby Street Worker,
der da dabei ist, irgendwie mehr Einfluss hat, also der jetzt vielleicht zugeben will. Also Hobby Street Worker trifft es tatsächlich auch sehr gut, wir haben viel über ihn gehört, unter anderem Tour Guide, Eheberater, Deradikalisierer, es gibt viele Begriffe, wie auch für die er bekannt ist und ja, wird sagen, das passt auch alles ganz gut zu ihm. Wie kann man sich den äußerlich so vorstellen,
was ist das so ein Typ, was trägt er für Kleidung, wie wirkt er so? Eigentlich hat er meistens immer eine Brille getragen, einen klassischen Salafistenbad, mal länger, mal kürzer, die Hose hochgestreckt, also das ist ja auch immer wieder ein Erkennungszeichen, weil alles, was unter dem Knöchsel ist im Höhlenfeuerschmord,
sozusagen, also dieses einmal-eins Salafismus. Das kannte er auch sehr, sehr gut. Das kannte er gut, aber jetzt ohne theologisch wahnsinnig tief in der Materie zu sein, aber das äußere Scheinungsbild hat ganz gut dazu gepasst. Das heißt, ihr seid dann eben an diesem Gerichtstag zum ersten Mal mit ihm zusammengekommen, wie ging es danach weiter? Also habt ihr dann den irgendwie für
euch am Schirm behalten oder? Ja, also wir haben ihn dann auch tatsächlich wieder getroffen, auch mit ihm Kontakt gehabt und vor allem dann immer, wenn in Wien was passiert ist, war er eigentlich ein sehr guter Kontakt. Stichwort auch die Bandenkriege, die auf Wien Straßen stattgefunden haben, denn da hat er auch eine Rolle geschoben. Genau, das sind wir jetzt beim Stichwort die Bandenkriege in Wien.
Die sind im Sommer 2024 das Thema und Avuba.kd wird dann eben so einer Schlüsselfigur, wie sich für euch nach und nach rauskristallisiert. Wie habt ihr ihn dann da erlebt? Also das waren ja damals quasi Streitigkeiten zwischen unterschiedlichen Gangs, rivalisierenden Clans. Vielleicht
wollt ihr uns das noch mal ein bisschen erklären, wie ihr das erlebt habt. Genau, das waren damals Revierkämpfe, muss man sagen, zwischen Chichenen gemischt auch mit ein paar Zögten gegen eine syrische Familiengruppe mit der Bezeichnung 505 und die haben sich in Wien ziemlicher Straßenkämpfe
geliefert. Also da ging es dann darum, wem gehört der Handelskeh in Wien, als der Chichenenkeh wurde mir gesagt und die Syrer, also die 505er hätten da sozusagen nichts zu suchen und das waren zum Teil wirklich ziemlich brutale Kriege, die haben sich ausgestattet mit Teleskopstangen, Schlagringen, mit Waffen und sind wirklich brutal aufeinander losgegangen und nicht nur im realen
Leben, sondern auch im Internet. Genau, also wir kommen dann wieder zu Telegram und das ist mittlerweile was, was in der Geschichte immer öfter vorkommt und so bin ich auf ihn gestoßen, wieder in diesem Bezug, weil wir damals diese Telegram Gruppen genau angeschaut haben, wo wahnsinnig emotionalisiert worden ist, wo diese ganzen Schlägereien damals auch festgehalten wurden und wie soll man sagen, es waren so, es waren fast schon Schmähvideos, die Chichenen
teilweise über Syrer veröffentlicht haben und umgekehrt und so bin ich eigentlich über die Kommentarfunktion, sowohl auf TikTok als auch in dieser Gruppe, damals wieder auf Aberbacke gestoßen, weil er damals auf seinem Instagram-Kanal auch einer dieser Telegram Gruppen verlinkt gehabt hat und da hab ich ihn gefragt, hey, können wir uns mal zusammensetzen, weißt du mehr drüber?
Und natürlich, das kommt dann auch noch in der Geschichte öfter vor, als ein relativ sage mal Nähe suchen oder Öffentlichkeit suchen der Mensch gewählt, ist ja noch immer, aber momentan in Haft, aber damals haben wir uns relativ schnell getroffen, paar Tage nach den Kämpfen in Meitling, ich glaube die werden einigen noch was sagen, wo, sagen wir mal, irtümlich aus Sicht der Chichenen damals auf Garnen niedergeknüppelt worden sind, sehr brutal und haben uns ein
drei Tage später getroffen und er konnte mir sehr, sehr viel darüber sagen, also wenn man sich heute die Ermittlungen anschaut, hat mir fast mehr oder weniger die Ermittlungsvorlage, die es heute gibt, mehr oder weniger vorgelesen damals oder mich damit eingeweiht und konnte auch sehr
genau erklären, wie diese Gruppen funktioniert haben. Und ich hab damals schon das Gefühl, der weiß was und was auch einen Dietz war, er hat damals einen 15-jährigen Burschen, das kommt auch wieder immer öfter vor, also immer wieder einen jungen Burschen mit, den er damals als Stellvertreter bezeichnet hat, auch ein Chichene mit Wolfsring und so weiter, den er immer als einen Stellvertreter vorgestellt hat und den ich später in Bezug auf die Banden kriege, nachher auf Polizei,
Verhandlungsfotos wieder erkannt hab. Ja, dazu muss man auch sagen, es gibt noch keine Anklage und um diesen Fall, wie in Meidlingen, das heißt, es gilt natürlich die Unschuldsvermutung, das muss man immer dazusagen, aber wenn man sich den Akt so anschaut, dann kommt er halt schon sehr präsent vor. Aber das heißt, Abu Bakr war für euch am Anfang erst mal ein Insider vor allem, der euch auch so ein bisschen so ein Schlüssel zu dieser Welt der Banden kriege, der euch diese Welt eröffnet hat.
Was habt ihr denn noch darüber rausgefunden, welche Rolle er da tatsächlich spielt, also war er einfach nur jemand, der die Szene sehr gut kennt oder inwieweit, du hast schon die Chatgruppen
erwähnt, war er da selber dann auch involviert? Ich meine, wie soll man sagen, auch das zieht sich hier ein bisschen durch sein Leben, er geht dann sehr öffentlich mit diesen Dingen um und es war ja vor dieser Knipelei damals in Meidlingen, hat er zu einer Konferenz eingeladen, wie man fünf nur fünf, also diese syrische Gruppe beseitigen könne, das stand auch damals so auf Instagram und hat dann so dann Leute zu dieser Konferenz eingeladen und dann geblich, so heißt es irgendwie,
dann haben sich in Floritzdorf gesammelt und dann später getroffen und dann fand am Abend diese Knipelei statt und was halt dann auch recht spannend ist, aber Abu Bakr macht hier die Hände, ist jetzt mutmaßlich gesprochen, gibt keine Anklage, aber selten selbstschmutzig, sondern stand, wie diese Knipelei war, nur in der Nähe und hat zugeschaut, schwarz angezogen mit schwarzer Haube und wurde auch von der Polizei angehalten, aber damals hab ich noch gedacht, eigentlich hat
der Nächste mit zu tun, der ist einfach zufällig da. Seine genaue Rolle wird da ja wahrscheinlich
auch vor Gericht noch verhandelt werden, wenn es zu einer Anklage kommt. Wir müssen mit diesen Banden kriegen jetzt eher einen relativ erboten Stop machen, so wie das auch damals in der Berichterstattung tatsächlich war, weil das war das große Thema im Sommer 2024, dann plötzlich eben was passiert, dass das Ganze nochmal komplett überschattet und aufs Erste eigentlich nach was komplett anderen wirkt, nämlich wir erinnern uns alle, es wären die Konzerte der Eras Tour von Taylor Swift in
Wien angestanden, es waren schon von weltweit Fans angereist und die Stadt war schon total im Eras Tour Sommer Modus und dann ist plötzlich bekannt geworden, dass ein Attentat geplant gewesen
sein soll und die Konzerte abgesagt werden. Ihr kommt später darauf, dass auch Abu Bakr D in diese Causa involviert ist, bevor wir darauf zurückgekommen und weil diesen Podcast hoffentlich dann auch noch sehr viele deutsche Zuhörerinnen und Zuhörer anhören werden, wollt ihr doch mal zusammenfassen, was genau ist da passiert mit diesen Anschlagsplänen und diesen riesigen,
leider abgesagten Konzerten? Das war natürlich für alle Fans unglaublich traurig, das sind aus der ganzen Welt angereist, das du schon richtig gesagt hast, aber man hat das dann aus Sicherheitsgründen abgesagt und zwar ging es darum, dass im Fokus ein junger Niederösterreicher aus Ternitz steht, der schon angefangen hat eine Bombe zu bauen, ihm seinem Garten, der eine Marchete zuhause hatte und hier eben mutmaßlich, auch hier gibt es noch keine Anklage geplant hat, einen Anschlag auf
der Taylor Swift Konzert zu machen, er hat hier auch schon eine Art Probefahrt mit einem Auto und einem falschen Blaulicht gemacht und nicht nur das sondern und da kommen wir jetzt auch wieder auf Abu Bakar zu sprechen und sein Netzwerk, es waren auch schon aus dem Umfeld des mutmaßlichen Anschlagsplaners aus Ternitz Personen im Stadion, die dort beim Bühnenaufbau geholfen haben und da sind wir wieder bei Abu Bakar D. Jan, du verbindest ja diese Anschlagspläne auf eine ganz
besondere Art und Weise mit Abu Bakar, denn bevor das alles öffentlich wurde, dass da eben noch Leute von diesem Bühnenaufbau mutmaßlich beteiligt waren, an den Tag als überhaupt öffentlich wurde, dass es diese Anschlagspläne gibt und bevor man viel wusste, da saß du ja mit Abu Bakar in einem Park, hast ihn getroffen, einfach als Informant, um wieder über die Bandenkriege zu sprechen, an denen ihr ja noch dran wart und erzähl doch mal, was ist dann passiert?
Genau, also wir haben uns getroffen, weil er mir einen Kontakt legen konnte zu einer chigenischen Quelle, die auch an den Bandenkriegen beteiligt war. Wir haben uns in einem Meidlinger Park getroffen und es war eigentlich anfangs noch relativ normal, muss man sagen, also wir haben einfach über dies und das geredet, also unter anderem, dass ich seinen Freund auf Fahndungsfotos er wieder erkannt
habe. Und du hättest Klimtzüge machen sollen, oder? Die Klimtzüge machen sollen, also eigentlich völlig normal, wie das immer war mit ihm und dann habe ich aber irgendwie gemerkt, während des Gesprächs, der wird immer nervöser und telefoniert die ganze Zeit und ist irgendwie so permanent absetzt gestanden und dann waren die Telefonate immer mal vorbei und ich den noch nie so erlebt, weil so war er immer
sehr überheblich ruhig, man hat ihm eigentlich nie wirklich so Emotionen angesehen, in dem Moment da war er eigentlich schon und dann entfährt sie ihm so, so, hey Freunde von mir sind festgenommen worden, hat permanent von seiner Firma geredet, seiner Firma geredet und hat das irgendwie nicht so ganz verstanden, auf was er da hinaus will, dann hat er auch Namen genannt, er hat damals auch gesagt
Partnerstadion, Bühnenaufbau, ich vermute damals auch Taylor Swift und das kann ich mir nicht mehr genau erinnern, ob er das so gesagt hat, aber auf jeden Fall war klar, festnahmen in diesem Milieu so und ich habe das damals für nicht wahnsinnig wichtig gehalten, nämlich noch und da kommt dann eigentlich die Magdalena wieder ins Spiel, weil die Magdalena war intern jetzt, wo der mutmaschliche Attentäter festgenommen wurde, genau, und Magdalena war intern jetzt und wir haben telefoniert,
nachdem das Treffen ihm vorbei war und die Magdalena sagt so, hey, ja, an Banden kriege, ist schon alles alt irgendwie, es kommt ja auch auf uns zu, am völlig falschen Platz. Haben wir noch
nicht gewusst, wie eng das eigentlich alles zusammenhängt? Genau und dann bin ich in die Redaktion zurück und dann war eben die erste Pressekonferenz auch im Innenministerium glaube ich damals und dann war klar okay, es geht ums Bratterstadion, es geht irgendwie um Taylor Swift, es geht um das Konzert, es geht um festnahmen, also festnahmen dann intern jetzt und dann kommt die Redaktion zurück und bei der ersten Konferenz, die wir damals gehabt haben, so ganz schräg,
Manager Jenen sind komplett nervös, es geht irgendwie um Bühnenaufbau, es geht irgendwie ums Bratterstadion und eigentlich durch einen völligen Zufall beim Dann haben wir dann so ein paar Stunden weiter voraus, weil auch bei der nächsten Pressekonferenz am nächsten Tag, wo wir die Fragen gestellt haben, hey, Bühnenaufbau, Bandenkrieg gibt sie vielleicht auch in der Querverbindung zu dem Ganzen.
Damals alle Behörden, also eigentlich Samtminister bis zum Stadtschutzchef, wenn ich alle noch gesagt habe, na gar nicht, da gibt es keine Verbindung und Bühnenaufbau, ah man, und ich gehört. Einige Stunden später, weil er hat sich das dann genau als das herausgestellt. Und er hat es uns ja auch eigentlich erzählt, weil er hat gesagt, wie wir mit ihm telefoniert haben.
Ja, das ist jetzt ganz blöd, aber mindestens zwei von denen, die jetzt festgenommen wurden, habe ich doch meine Firma da reingebracht. Weil, um das zu erklären, eben meine Firma, was er immer als meine Firma bezeichnet hat, das haben wir auch erst später erfahren.
Da geht es dann eben um diese sogenannte, am Anfang hat es kein Securityfirma, eigentlich war es eine Facilityfirma, die gehört eigentlich auch nicht ihm, da hat er nur, wie wir dann auch später erfahren haben, Leute rein rekordiert und wenn man sich dann diese Leute anschaut und diese Liste an Leuten anschaut, da kennen alle ein Bier, glaube ich, sieben Leute von Zähnen. Einstellig vorbestraft, eben genau wegen Terrorismus und schweren Gefallkarten. Genau.
Wo man dann halt eben auch dazusagen muss, also dass das Konzert oder die Konzertrehe abgesagt wurde, wenn man sich die Liste anschaut, war klar, weil man auch nicht wusste, wie breit dieses Netzwerk halt nur weiter ausstrahlt außerhalb des Stadions.
Also um das nochmal zusammenzufassen, Abobakar nutzt sein Netzwerk aus der Straße von Chichen, die zum Teil auch gewaltbereit sind, zum Teil aus der islamistischen Szene rekrutiert, die, wenn man es so nennen will, für diese Bühnaufbaufirma und mehrere dieser Personen sind dann mutmaßlich entwickelt in die Anschlagspläne. Was habt ihr denn darüber? Nicht nur Chichen. Nicht nur Chichen, schuldig, aber unter anderem auch Chichen. Es ist ja gut vernetzt da, genau, in diesem Bandenmilieu.
Was habt ihr denn darüber rausgefunden, wusste er was davon, dass dieser Anschlag geplant war, also steckte er da auch mit drin oder war das mehr oder weniger dann sein Pech, dass die nicht nur gewaltbereit waren, sondern tatsächlich soweit gegangen sind, einen Anschlag verüben zu wollen?
Das ist ein bisschen schwer zu sagen, weil wie gesagt der Hauptverdächtige aus Ternitz, das gibt es noch keine Anklage, da wird es nach wie vor weiter ermittelt, aber wir wissen bei einem Prozess, der jetzt bald in Wiener Neustadt stattfinden wird, das ist der engste Vertraute des mutmaßlichen Hauptplaners rund um diesen Teleswift-Anschlag, dass die beiden, so Abo Backer und eben dieser enge Vertraute sich sehr gut kannten, beim Bandenkrieg sehr
viel miteinander zu tun hat und das auch einer ist, dem er eben da diesen Job verschafft hat, aber inwiefern er da wirklich eine Rolle spielt, das ist nicht klar, in dieser ersten Anklage, die es gibt, kommt da glaube ich namentlich schon vor, war nur als einer der zu diesem Netzwerk zählt, aber es war weder als Zeuge, soweit ich weiß, geladen und es gibt da auch sonst keine Verdächtigungen in die Richtung.
Wie war das denn für euch, ihr hattet ja diesen Typen, von dem ihr dachtet, der ist einfach ein guter Insider, wie war das für euch, als ihr gemerkt habt, hey der steckt da vielleicht in diesen Anschlagsplänen drin?
Schon schräg, also wir haben uns immer gedacht, ich mein, dass der irgendwo drinnen hängt, war klar und das eine, wie man es in den Kriminellenergie hat, war auch klar, aber dass der so tief in gewissen Dingen, also vor allem in den Dingen drinnen steckt, die wir uns eigentlich permanent anschauen, nett unbedingt würde ich sagen.
Man muss ja echt sagen, wenn man sich den Sommer 2024 und auch das Frühjahr davor nochmal anschaut, wir hatten da eben den Prozess um die Meidlinger Schutzgeld Gang, wo ihr ihn kennengelernt habt, das war ein riesen Thema, dann gab es die Bandenkriege, wo er auch mittendrin war und dann eben diese Attentatspläne, also er war da an den großen Stories des Sommer so nah dran, dass wahrscheinlich manche Kolleginnen und Kollegen neidisch würden, dann ist aber
trotzdem noch nicht vorbei, es ist alles noch im Unklaren rundum die Anschlagspläne im August und auf einmal erreist euer Kontakt zu Abak-Baka aber ab.
Das ist so ein bisschen das, was uns hin und wieder passiert, wenn man in der kriminalistischen Szene so ein bisschen vernetzt ist, dass man dann halt plötzlich keine Antwort mehr bekommt und die Nachrichten nicht mehr durchgehen, das liegt dann meistens daran, dass die Personen gerade im Gefängnis sitzen, also das passiert zu mir zumindest relativ oft und im Fall vom Abak-Baka wissen wir, dass er untergetaucht war, dann kurzfristig mal und da kurzfristig auch nicht erreichbar war.
Also sehr erst hat er dann einen Tipp gegeben, ein paar Tage danach, nachdem wir auch mit ihm telefoniert haben, hat er dann wieder auf Instagram gepostet, so quasi 30 Festnahmen, mittlerweile die Polizeidrehtur löscht es all eurer Handys. Also er ist wahnsinnig nervös geworden auch so dem Zeitpunkt. Da ist er dann noch Rechtsberater geworden, so seinen Rollen dazu.
Genau. Er empfiehlt immer Handys zu löschen regelmäßig und hat das dann auch selbst getan, also das war dann eine Zeit lang weg, eine Zeit lang nicht erreicht, bis dann halt am 29. September, er mir geschrieben hat von einer Nummer, die bis dato nicht kannte, aber völlig förmlich als wenn nix gewesen, so Hallo, wie geht es Ihnen, weil immer sehr förmlich gewesen, bis zum Schluss bei Sie. Können Sie Klimtzüge für mich machen? Ja, quasi.
Und dann, was ich gesagt habe, das ist eine neue Nummer als wenn nix gewesen und dann kommt es eben zum besagten Banküberfall in Linz. Genau. Spoiler. Also er taucht plötzlich wieder auf, er ist wieder da mit einer neuen Nummer und ein Tag später passiert dann wieder etwas, das auf den ersten Blick überhaupt nichts mit Abobaka und unserer Geschichte zu tun hat, nämlich in der Stadt Linz in Oberösterreich passiert ein Banküberfall.
Da stürmen zwei Männer, vermute Männer eine Sparkasse und nehmen 78.000 Euro mit. Später kommt ihr drauf, auch da hängt Abobaka wieder mit drin, wo ist der denn in dem Moment während des Banküberfalls? Vielleicht erzählst du eine Geschichte darüber über den Banküberfall und ich erzähle dann die Geschichte, wie ich den mittäter.
Also im Grunde ging das ganz schnell, also Banküberfall hat die, wie gesagt, Hände hoch, das ist ein Überfall, dann mit einer Scheigschusspistole drin gestanden, zwei junge Buben, natürlich auch schon maskiert und mit Handschuhen und so weiter, ganz schnell diese 78.000 Euro in einen Rucksack gesteckt, dann weiter in eine Sporttasche und wie es dazu so will, wartet ein gewisser Abobaker im Bank, nahe dieser Bank, dem übergeben sie dann den Rucksack
und das geben bis dato auch alle zu, also die zwei sind mittlerweile verurteilt, Abobaker noch nicht in dieser Kauser und Abobaker führt dieses Geld nach Wien, die anderen beiden flüchten dabei auf gestohlenen Rädern in ein Waldstück, man kann sie vorstellen, Linz war dann tatsächlich die Hölle los, also man hat den mit Helikoptern gesucht, also die zwei Burschen, man hat Spürhunde eingesetzt, man hat quasi auch die Bevölkerung gefragt,
ob es Hinweise gibt, man hat diese beiden Burschen dann innerhalb von zwei Stunden auch gefunden, man hat die dann einkassiert, die waren dann seitdem in Haft, nur der Abobaker ist nach Wien gefahren mit dem Geld, das gibt er auch zu und hat dann angeblich, man hat dem ZS gesagt, das soll die Tasche nicht aufmachen angeblich, da war dann aber neugierig und hat sie dann zu Hause, wie es dazu so will, aufgemacht und ist draufgekommen, da ist
das Geld drin und hat gesagt, das soll der Scheiß angeblich und wie soll man sagen, dann sind halt einige Dinge passiert?
Er hat dann natürlich versucht, da irgendwie dieses Geld auch irgendwie loszuwerden, hat dann Kontakt gesucht mit der Mutter von einem Bankräuber, nämlich einem aus Linz und das hat dann aber nicht funktioniert, das hat nicht geklappt, das Geld ist dann bei ihm geblieben und dann ist er mir irgendwie so eingefallen, na ja, vielleicht könnte ich das Geld ja irgendwie investieren in ein Grundstück in Ungarn oder mir einen Mercedes kaufen, aber gebraucht?
Gebraucht und er hatte auch keinen Führerschein gehabt, aber vielleicht war er einfach ein Auto, na wer weiß das schon und dann gab es auch dubiose Zahlungen auf Konten der Ehrfrau, aber auch bei der Oma, wurde Geld gefunden, also.
Und er selber sagt, er hat damit überhaupt nichts zu tun, also das war alles natürlich einer Zufall und die, die eigentlich nicht wirklich zum Gehalten hat jetzt beim Gerichtsprozess, war dann die Ex-Frau, die das Geld beim Zusammenräumen gefunden hat und dann einmal durchgezählt hat er auch. Mit der Linz, Bank Linz, Schleife noch über den Geldpaketen.
Weil das war der nächste große Fehler bei der Haustür Suchung, waren noch die Bandarole drauf von der Bank, aber auf jeden Fall hat die Freundin auch ausgesagt vor Gericht oder die Ex-Freunden ausgesagt, als ich ihn gefragt habe, woher das Geld ist, hat er gesagt aus Linz, er bestätete es. Ihr begleitet diesen Prozess jetzt ja auch wieder, der seit einigen Wochen läuft und ohne jetzt die große juristische Expertise mitzubringen, ich glaube allzu gut schaut es nicht aus für ihn, oder?
Naja, wenn wir uns jetzt anschauen wie die bereits verurteilt in Oberösterreich dazustehen, dann stehen die nach wie vor ganz, ganz stark hinter den Abo-Bagger, vielleicht eine kleine Geschichte kurz vor dem Prozess, habe ich einen Anruf bekommen und zwar genau von jenem jungen Mann, der eben für diesen Bankraub verurteilt wurde, muss man vielleicht auch noch ein bisschen die Geschichte davor zählen, während dieser Bandenkriege habe ich nämlich
in Wien Reportagen für Puls 24 gemacht und bin dazufällig im zehnten Bezirk eben auch wieder auf Abo-Bagger gestoßen, der wieder einen jungen Mann mit dabei hatte, hat gesagt er hat den nämlich bei Behörden wegen ein bisschen unter meiner Fittiche, damit der auch auf den richtigen Weg kommt und komischerweise war genau dieser jungen Mann, der mit ihm da unterwegs war, dann der Bankräuber aus Linz, der verurteilt wurde und der hat mich
dann kurz vor dem Prozess, weil wir hatten auch Kontakt angerufen, kam dann so, es hat geläutet mein Handy und dann war so eine Ansage, eine Aufgenommenheit, das ist jetzt ein Anruf aus einer staatlichen Institution, es wird aufgezeichnet und das ist, muss ich auch sagen, für mich ein bisschen ungewöhnlich, so was aber ich habe es schon fast vermutet, ja hallo, hier ist XY, wir kennen uns ja, ich sitze ja in Haft und ich wollte nur sagen,
der Abo-Bagger hat gar nichts gemacht, der ist unschuldig, wir haben ihn reingelegt und wir finden das ein Wahnsinn, dass der sich hier jetzt vor Gericht verantworten muss. Man hat tatsächlich noch versucht, auch über uns Journalistinnen Einfluss zu nehmen, um den Abo-Bagger, also den großen Mentor auch hier nochmal in Schutz zu nehmen. Und meinst du, das liegt daran, hatten die einfach Angst vor ihm oder war da wirklich so eine Respektsperson, woran liegt das?
Also ich kann mal gut vorstellen, dass man auch Angst haben kann, vielleicht nicht nur so vor ihm, aber vor seinen Kontakten und ich meine er ist im Gefängnis, vor ihm muss man jetzt aktuell keine Angst haben, aber der kennt bestimmt Leute wie es mehr, den großes Netzwerk, vielleicht waren die eingeschüchtert und haben deswegen versucht, hier auch noch ein bisschen zu intervenieren bei Gericht und werden wir schauen, wie das gewirkt hat.
Und vielleicht war es auch diplomatisch gesagt dankbarkeit, weil die Person, der Bankräuber war auch auf der Liste von dieser Facility Firma damals im Stadion und hat auch dort gearbeitet, hat jetzt auch dort hinvermittelt worden, ist ein, kann man sagen, Komvertit, ein radikaler, auch ein Zufall. Also vielleicht war es auch eine Handwäsch, die andere, man hält bis zum Schluss zueinander. Wie wirkt der den Abo-Bagger für euch im Gerichtssaal als Angeklagter?
Eigentlich genauso, wie wir man kennengelernt haben, also er gibt halt bis zum Schluss nicht auf, was er nicht kann ist, alles, was er möglicherweise angestellt hat. Verantwortung zu übernehmen. Das kann er nicht. Es war ein bisschen das Gorilla-Prozess, weil er irgendwann einmal begonnen hat, sich selbst zu vertreten, also wollte dann eigentlich seinen Anwalt nicht mehr an seiner Seite haben.
Also dann nehmen wir mal seinem Anwalt das Wort "verboten" mehr oder weniger und er hat dann gesagt, kann ich selber die Fragen stellen und war dann auch mit seiner Freundin plötzlich per sie und hat dann mit ihr quasi drüber deportiert, wie viel, das muss ich uns alle zusagen, Schwarzgeld verdient hat, weil er keine Arbeitserlaubnis hatte aufgrund der ersten Verurteilung. Und um den Zercher?
Genau, und da hat er da wahnsinnig intensiv argumentiert, naja, ich habe so wahnsinnig viel Geld verdient, über Schwarzarbeit eigentlich und dann hat er mit seiner Freundin drüber gestritten, wie viel er eigentlich in dieses Gemeinschaftskonto, das sie gemeinsam gehabt haben, eingezahlt hat und eigentlich fähig ist, auch ohne Bankraubgeld zu verdienen, das war im Wahnsinnig wichtig.
Und ansonsten kann man sagen, was insofern skurril, weil er einfach die Situation hat versteht, er greift dann die Staatsanwaltschaft an, er greift dann die Polizei an, er greift halt alle umstehenden Personen, die irgendwie, weiß ich nicht, vielleicht noch eine Rutsche legen könnten, die nutzen das eigentlich nicht wirklich, sondern schlägt mehr oder weniger um sich sozusagen und hat eher so das Gefühl, dass sie überall mehr haben und
kann sich da quasi selber verteidigen und man hat einfach gemerkt, okay, das, was auf der Straße funktioniert, funktioniert beim Richter dann einfach nicht mehr mehr. Und was wir auch erfahren haben, dass er im Gefängnis eben auch genau diese Rolle mittlerweile wieder einnimmt, dass er sich junge Häftlinge hernimmt und sagt, na, gibt man mal deinen Strafantrag, schauen wir das durch, ich kann dich da juristisch beraten, ich habe viel Erfahrung.
Also auch da nimmt er wieder die Rolle des Beraters in dem Fall an. Also seinem Selbstbewusster hat nicht gelitten auch nach diesem Prozess? War nicht.
Und er hat ja auch gar nicht so unrecht, also er hat ja wirklich viel Erfahrung, wenn man bedenkt, dass er mit 25 wirklich in unfassbar vielen Fällen und Strängen der vergangenen chronikalen Geschichte drinnen gesteckt ist, da stellt sich ja auch ein bisschen die Frage, haben wir überhaupt schon begriffen, wie groß sein Einfluss ist, ist das vielleicht immer noch nur die Spitze des Eisbergs, habt ihr manchmal das Gefühl, dass seine Rolle vielleicht
noch immer unterschätzt wird oder wie schätzt ihr das ein?
Es ist natürlich schwer zu sagen, was da noch sein könnte, aber ganz klar ist, dass er rund um vor allem junge Männer einen Einfluss hat, dass er schad diese radikalen Kriminellen tatsächlich um sich, also da geht es sehr viel auch um Jihadismus, Islamismus, Kriminalität, Kriminalität, die man legitimiert eben durch die vermeintliche Religion, nämlich wenn ich quasi einen Menschen in Österreich überfalle, da mache ich halt einen Jihad-Tier quasi
im Land, aber das ist eh okay, weil das ist ja ein Gefahr, das ist ein Unglaubiger, das darf ich. Also diese Szene, die er um sich schad, das ist schon eine einschlägige Szene, wie gefährlich sie ist zum Teil wahrscheinlich, aber er hat jedenfalls einen Eindruck bei diesen jungen Leuten hinterlassen, bislang.
Wenn man sich jetzt aber seine Biografie nochmal mit ein bisschen Abstand anschaut, dann sieht man ja auch einen jungen Mann, der eigentlich von Geburt an wahnsinnig viel Gewalt erlebt hat, eine Fluchterfahrung hat in Österreich wirklich einen sehr schwierigen Start mit zerrütteten Familienverhältnissen und eigentlich auch wirklich wenig Perspektive, ist er da auch ein bisschen ein Opfer seiner Umstände, dass er jetzt eben auf dieser schiefen Bahn gelandet ist?
Es ist sicherlich eine Mischung, also ich glaube, das war auch der Grund, warum wir diese Geschichte gemacht haben letztlich, weil es ja sehr viel erzählt über das, was wir momentan diskutieren, wenn wir über Jugendkriminalität reden.
Ich meine natürlich, ich habe mir sehr viel Gedanken drüber gemacht, zum Beispiel über diese nicht existente Arbeitserlaubnis aufgrund einer natürlich, braucht man es dann, Pagatelisieren zu einem Terrordelikt, aber ich glaube, wir müssen vielleicht auch ein bisschen darüber reden, wann bei uns in Österreich Terror beginnt und wo er aufhört, weil im Moment ist es halt wirklich so, wenn man Terrorpropaganda begeht, man relativ schnell in Österreich
und dann hat man einfach zu 78 sofort eigentlich im Strafverkister stehen, ist es wie gesagt nicht Pagatelisierend, aber ich glaube schon, dass sie das für ihn oder für ihn einfach schwieriger war, in Österreich Fuß zu fassen, nach diesen ganzen Straftaten natürlich, man braucht uns auch nichts Schönreden, aber wenn ich keine Arbeitserlaubnis habe, wird es einfach wahnsinnig schwierig, dann verbleibe ich einfach natürlich in der Schwarzarbeit,
verbleibe ich sage mal auch sehr dubiosen, man muss sie vielleicht einmal genauer anschauen, sehr dubiosen Security-Kreisen, wo man auch immer wieder Leute trifft, die sehr leicht am Waffen kommen, die wie wir auch gesehen haben, wenn man sich die Listen anschaut, einfach eine gewisse Radikalität mit sich bringen, also von dem her, das wird sicherlich auch eine Rolle gespielt haben, würde ich sagen.
Hat er vielleicht versucht sich auf der Straße den Respekt zu verschaffen, den er sonst in der Gesellschaft nicht bekommt, könnte man es vielleicht auch so ein bisschen sehen? Stimmt.
Und was wir auch so ein bisschen vermuten, ist auch die fehlende Vaterfigur, die sich ja auch eine zentrale Rolle spielt, er wollte, das haben wir am Anfang schon gesagt, immer sehr wenig über seine Familienverhältnisse, er erzählte mir so das Gefühl gehabt, dass es immer ein bisschen unangenehm ist, dass er bei der Großmutter lebt, keinen Vater hat, der Mutter keinen Kontakt hat, und er hat ja in gewisser Weise auch so ein bisschen
diese väterliche Rolle eingenommen, indem er eben immer jüngere Burschen um sich geschadet und auch immer geglaubt hat, glaube ich.
Vielleicht hat er es auch wirklich geglaubt, dass er denen was Gutes tut, wenn er die ein bisschen anleitet, sie ein bisschen unterstützt, aber er hat dann offenbar diese kriminelle Energie dann doch eben so eingesetzt, wie man sie, ja, also kriminelle Energie ist nie gut, aber das, was er vielleicht positiv machen wollte, das hat er irgendwie nicht umsetzen können.
Was ja an dieser Geschichte besonders spannend ist, ist, dass da so vieles zusammenkommt in dieser Person von Abu Bakr, also erst am Anfang lernt ihr ihn kennen, als jemand, der in diese Bandenkriege verwickelt ist, die zum Teil auch irgendwie anführt, der ist in der islamistischen Szene aktiv und dann ist er auch noch ein mutmaßlicher Bankräuber. Was habt ihr aus seiner Geschichte über diese Szene gelernt?
Eigentlich, was die Magdalena schon ein bisschen so angeschnitten hat mit dem, wie wir sie nennen, radikal kriminellen, ich glaube, das sehen wir einfach sehr, sehr häufig, also auch wenn wir uns die Meitlinger Schutzgeldbande zum Beispiel anschauen, auch da ging es schon sehr stark darum, dass sie Milieu mischt, also dass man teilweise einfach Leute hat, die wollen einfach Geld verdienen, einfach ganz, ganz klipp und klar, sie sind einfach kriminelle
oder in einem kriminellen Milieu und dann gibt es halt einfach Leute, die das religiös legitimieren zum Beispiel, wo man dann, nämlich nicht nur, wenn es um Österreicher geht, wo man sagt, okay, da ist da ein Buch legitim, weil wir leben in einem Land des Unglaubens, sondern wo man es auch zum Beispiel gegen Muslime und Muslime genau so legitimiert, wo man sagt, okay, du bist ein Götzendiener, bei dir geht das.
Und wo diese Sachen, sowohl beim Bandenkrieger als auch bei der Meitlinger Schutzgeldbande immer wieder eine Rolle, dass das religiös legitimiert wird zum Teil und ansonsten muss man sagen, eben, dass wir genau über diese Themen reden sollten, also dass eigentlich Sozialarbeit, in der gerade diesen Milieus wahrscheinlich breiter zu sehen ist, welche Vergangenheit, welche Sozialisationen Leute haben und ich glaube, das wird es ja oft
vergessen bei diesen Geschichten, darum haben wir es auch so betonen, dass es jetzt kein Freiprif ist, aber schon auch eine Rolle spielen. Jeder Fall erzählt auf jeden Fall viel über eine Szene, in der mitunter auch unbemerkt wirklich sehr viel zusammenkommt und die Grenzen zwischen Extremismus und Straßenkriminalität viel fließender sind als das auf den ersten Blick irgendwie so scheint.
Ich habe das Gefühl, ihr habt es geschafft, über diesen Fall ganz, ganz viel eben so vom Kleinen ins Große zu erzählen. Aber wenn es was weiter gibt, dann bleibt ihr bestimmt dran und wir werden auch im Podcast weiter berichten, wenn ihr da was rausfindet. Uns bleibt jetzt nur noch Danke zu sagen, vielen Dank euch beiden, dass ihr da wart, Jan and Magdalena. Danke, dass ihr euch uns mitgenommen habt in eure Recherche, die wirklich sehr, sehr spannend ist.
Ja, und danke auch ihnen, dass sie trotz Hitze so lange mit hier ausgehört haben und bis jetzt erträglicher geworden ist zum Glück. Vielen Dank. Ja, uns bleibt nur noch zu sagen, tschüss und papa. [Musik] [Musik]
