Susanne Günther: "Und dann kann das ja durchaus positiv sein, diese Zuspitzung, dass man erst mal einen Cut macht und das natürlich erst mal als Krise erlebt. Und dass man dann aber die Zeit hat, auch wirklich etwas zu verändern."
Johannes Junker: "Hallo und herzlich willkommen bei COACHGEFLÜSTER, dem Podcast des INQUA-Instituts für Coaching. Mein Name ist Johannes Junker und ich spreche in diesem Podcast mit Expert:innen zu Themen rund um Karriere-Coaching und berufliche Neuorientierung. Heute ist bei mir Susanne Günther, Karriere-Coach aus Berlin. Susanne ist außerdem Supervisorin, Diplom-Sozialpädagogin und Expertin für Krisen. Und um dieses Thema geht es heute in COACHGEFLÜSTER."
Johannes Junker: "Welche Arten von Krisen gibt es? Ist Arbeitslosigkeit eine Krise? Wie kannst du mit einer Krise gut umgehen, wenn du dich gerade in einer befindest? Und wie können Krisen manchmal auch Chancen sein? Darüber sprechen wir heute. Und bevor ihr die Krise kriegt, legen wir los. Susanne, herzlich willkommen bei COACHGEFLÜSTER." Susanne Günther: "Hallo Johannes."
Johannes Junker: "Du hast schon so viele Menschen in Krisensituationen erlebt und begleitet. Und es gibt ja ganz verschiedene Formen von Krisen, um unsere Zuhörenden mal abzuholen. Vielleicht gibst du uns einen kurzen Einblick in deine Arbeit. In welchen Kontexten hast du denn üblicherweise mit Krisen zu tun?"
Susanne Günther: "Ja, genau. Also Krisen ist ja ein inflationärer Begriff, gerade gesellschaftliche Krisen, Klimakrisen. Und so weiter. Ich habe mit psychosozialen Krisen zu tun, in verschiedenen Kontexten. Also ich habe sehr lange im Krisendienst gearbeitet in Berlin. Deswegen hat mich Johannes hier auch als Expertin angekündigt, über 13 Jahre fast, und habe da viele Menschen in unterschiedlichen Krisen begleitet. Und ich habe aber auch mit Krisensituationen zu tun."
Susanne Günther: "Als Supervisorin in Teamkrisen oder bei schwierigen Fällen, wo die Berater:innen in Krisen sind, weil die Fälle schwierig sind. Oder die Klient:innen selber sind in der Krise und natürlich auch im Zusammenhang mit Coaching. Eine Arbeitslosigkeit kann eine Krise auslösen oder auch die ehemaligen Jobs im Rückblick, wo Dinge für die Klient:innen nicht so gut gelaufen sind. All das kann ja Krisen auslösen."
Johannes Junker: "Okay. Und das ist auch so der Fokus, den wir heute darauf richten. Also wir werden vor allem drüber sprechen. Erst mal ganz allgemein: Was sind eigentlich Krisen? Mir hilft es ja immer mehr über ein Thema zu wissen und diese Dynamiken so besser zu verstehen. Also ein Basiswissen zu haben, da möchte ich gerne ein bisschen Input von dir. Und dann möchten wir auch ganz konkret über Arbeitslosigkeit als Krise sprechen, weil das ist, glaube ich, gerade für unsere Zuhörenden besonders interessant."
Johannes Junker: "Einige davon sind ja vielleicht gerade auch arbeitslos, arbeitssuchend gemeldet und auf dem Weg, sich neu zu orientieren. Manche sind da in einer ganz positiven Stimmung, aber nicht alle, denn für viele ist es auch eine empfundene Krise. Und da wollen wir ein bisschen tiefer eintauchen. Du hast ja schon gesagt, es gibt Klimakrisen und es gibt diese Krise. Über was sprechen wir denn jetzt?"
Johannes Junker: "So mal per Definition, wenn wir von einer Krise sprechen in deiner Wahrnehmung einer psychosozialen Krise?"
Susanne Günther: "Ja, also psychosoziale Krisen, also direkt jetzt auf die Menschen, auf die Person bezogen. Da geht es immer, egal, was jetzt im Background ist, weshalb die Krise ausgelöst wurde, um ein Seelisches, also um Verlust des Gleichgewichts. Also dass man sich vor überforderten Lebensumständen sieht, die man nicht mehr bewältigen kann in dem Moment. Also es spitzt sich etwas zu. Die bisherigen Problemlösungsstrategien greifen dann bei dem Menschen nicht mehr."
Susanne Günther: "Das kann ganz kurzzeitig sein. Und das Gute ist aber an der Krise, dass es meistens begrenzt ist. Also es gibt jetzt nicht so einen Dauer-Peak, wo es mir dauerhaft schlecht geht, in der Regel also den Menschen, sondern das ist meistens wie so eine Kurve und der Zustand verbessert, also verändert sich auf jeden Fall dann wieder. Und was auch wichtig ist: Krise ist jetzt nicht mit einer Krankheit zu verwechseln."
Susanne Günther: "Also das kann jeden treffen. Ich glaube auch jeder Zuhörer zu hören. Ihr kennt Krisen und es geht heute denke ich auch eher darum, wie kann man Krisen selbst gut bewältigen? Wie kommt man da wieder raus aus diesem zugespitzten Zustand, der eine Krise ausmacht?"
Johannes Junker: "Okay, bei mir ist jetzt so das Bild entstanden. Ich gehe so durchs Leben und irgendwann werde ich mit einer Situation konfrontiert, weil du gesagt hast die bisherigen Problemlösungsstrategien greifen nicht mehr, wo ich mich überfordert fühle, dass das Gefühl, ich bin überfordert. Ich weiß nicht und deswegen hast du wahrscheinlich auch gerade im Krisendienst mit vielen Leuten gesprochen."
Johannes Junker: "Die rufen an dort und sagen: Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll, ich weiß nicht ein oder aus. Wo setzt du an in so einem Gespräch? Wo fängst du da überhaupt an zu ermitteln? Was ist die Ursache für so eine Krise?"
Susanne Günther: "Genau. Also du hast es vorhin auch schon angedeutet. Es gibt ja verschiedene Krisen-Arten und da gibt es auch verschiedene Interventionsmöglichkeiten. Also zum Beispiel so typische Veränderungskrisen: ich verliere meinen Job. Das wäre zum Beispiel auch im Coaching oder ich kündige meinen Job, weil ich mich da nicht wohlgefühlt habe, ich vielleicht gemobbt wurde. Das könnte eine Veränderungskrise sein oder eine auslösen."
Susanne Günther: "Veränderungskrisen können aber auch manchmal positive Ereignisse sein wie Hochzeiten, Kind geboren, weil das oder ein Umzug, weil das erst mal auch für eine große Veränderung darstellt, mit der nicht jeder oder nicht jeder gut umgehen kann. Und da gilt es gut zu explorieren, auf die Ressourcen zu gucken. Da kommen wir gleich noch mal näher darauf zu sprechen. Es gibt aber zum Beispiel traumatische Krisen."
Susanne Günther: "Auch da würde ich dann wieder anders mit umgehen. Zum Beispiel Ich mache jetzt mal fest: Verlust einer Person oder eine schwere Erkrankung oder auch Menschen, die aus Kriegsgebieten kommen, die Traumatisches erlebt haben. Und da geht es erst mal eher um Entlastung, um sicheren Raum geben. Also das ist eine ganz andere Form dann auch teilweise von Interventionen. Und dann gibt es so zugespitzte Krisen, das haben auch schon Coaches bei uns erlebt, wo es möglicherweise um starke Depressionen, Suizidalität geht, Suizidgedanken, wo man dann auch mitunter schnell handeln muss."
Susanne Günther: "Das sind sogenannte zugespitzte Krisen, wo die Person dann schnelle Hilfe braucht. Das kann auch vorkommen. Deswegen gibt es ganz unterschiedliche Interventionen von den Betroffenen, von den Hilfesuchenden. Und manchmal finden die auch selber schnell eine Lösung. Aber da kommen wir noch zu. Manche Krisen lösen sich relativ schnell oder es gibt relativ schnell Entwicklungen und manche brauchen auch viel Zeit, wie zum Beispiel bei den traumatischen Krisen."
Johannes Junker: "Genau an der Stelle vielleicht auch noch mal, weil du diese verschiedenen Dimensionen von Krisen jetzt noch mal so skizziert hast. Auch noch mal der kurze Verweis auf diese Angebote, die es durchaus gibt da draußen. Also wenn ihr jetzt gerade zuhört und ihr befindet euch in einer ganz tiefen Krise oder in einer Depression oder ihr wisst gar nicht, was ihr machen sollt."
Johannes Junker: "Es gibt diese Hotlines, wie zum Beispiel in Berlin haben wir den Berliner Krisendienst, der telefonisch rund um die Uhr da ist und die ganz tolle Arbeit leisten. An die kann man sich wenden. Und es gibt auch überall anders in Deutschland regionale gute Anlaufstellen für das Thema. Also es ist uns beiden auch noch mal ein Herzensanliegen, das zu betonen, nicht alleine zu bleiben, sondern sich in professionelle Unterstützung zu holen."
Johannes Junker: "Wir fokussieren uns ja jetzt hier eher auf das Thema Arbeitslosigkeit als Krise. Also wie hast du es genannt? Das war das erste Beispiel." Susanne Günther: "Veränderungskrise."
Johannes Junker: "Krise, Veränderungskrise. Und das kann ja ganz unterschiedlich sein. Das kann ja eine Arbeitslosigkeit oder eine Arbeitssuche kommt ja aus unterschiedlichen Gründen zustande. Also entweder weil ich gekündigt habe oder weil ich, weil der Vertrag ausgelaufen ist oder weil ich gekündigt wurde. Ist es unabhängig von den Gründen, wie so eine Krise empfunden wird oder ist es immer gleich? Oder wie würdest du sagen, diese Erfahrung?"
Susanne Günther: "Na ja, auch im Coaching gibt es ganz verschiedene Facetten. Also manche haben halt, sind in einer krisenhaften Situation, weil sie plötzlich mit der Arbeitslosigkeit nicht umgehen können, egal was der Hintergrund ist, weil die Struktur fehlt, weil die Teilhabe an der Gesellschaft fehlt. Und da hängt das wieder sehr ab. Da ist auch unsere Arbeit ganz interessant. Was bringe ich denn so mit an Vorstellungen, Leistungsbereitschaft? Darf ich mir mal erlauben, auch mal arbeitslos zu sein und mir mal Zeit für so ein Coaching zu nehmen?"
Susanne Günther: "Es ist ja auch ganz unterschiedlich. Manche empfinden das auch erst mal als Befreiung, als Zeit für sich und man Ruhe zu gucken, wie soll es beruflich weitergehen? Aber es gibt durchaus Personen, die empfinden das als Krise, diese Arbeitslosigkeit. Es hängt dann auch sehr davon ab, wie sind sie teilweise, wie sind sie in die Arbeitslosigkeit gekommen? Gab es zum Beispiel mehrfach auch schlechte Erfahrungen mit den Arbeitsstellen, die sie davor hatten?"
Susanne Günther: "Mehrfach Mobbing-Erfahrung, cholerische Chefin. Also es gibt ja so die ganze Bandbreite, weil wir auch viel Rückblick halten, wo dann so krisenhafte, zum Teil auch dramatische Situationen zum Vorschein kommen. Natürlich nicht bei allen Klient:innen, aber das spielt auch mit eine Rolle. Genau."
Johannes Junker: "Wenn du so die Genogrammarbeit ansprichst, dann denke ich natürlich stark an Werte und daran, dass vielleicht so die eigenen Werte nicht ausgelebt werden können. Also wenn nun zum Beispiel ein typischer Wert wäre, ja, Leistungsbereitschaft und die kann ich ja dann in dem Moment nicht so mehr ausleben, wie es mir vorher möglich war. Im Job, wo ich eine klare Aufgabe hatte, wo ich jeden Tag hingegangen bin und wo ich wusste, hier kann ich jetzt dieses Bedürfnis ausleben."
Johannes Junker: "Der leichte Weg könnte ja jetzt einfach sein. Dann bringt auch deine Leistungsbereitschaft in die Arbeitssuche, dieses Coaching ein." Susanne Günther: "Ja."
Johannes Junker: "Aber das ist ja leichter gesagt als getan. Deswegen wäre jetzt meine Frage so: Wie gehst du darauf zu? Oder wie würdest du jetzt in so einer, in so einer Krise, in so einer Veränderungskrise? Jemand kommt zum Beispiel mit diesem Szenario, also arbeitslos zu sein ist für mich gar nicht vorstellbar. Ich muss ganz schnell wieder einen Job finden und ich bin jetzt hier im Druck und das ganz viel Druck." Johannes Junker: "Wie würdest du darauf zugehen?"
Susanne Günther: "Also ich finde unsere Tools auch sehr gut, dass wir erst mal so einen Rückblick halten und gucken, was war denn überhaupt los? Die letzten Arbeitssituationen, die letzten Arbeitsstellen erstellen? Die meisten haben ja schon mehrere Jobs gemacht, die kommen jetzt nicht aus einem Job. Die meisten haben studiert und hatten Studentenjobs und bringen schon ein ganzes Paket von Erfahrungen mit."
Susanne Günther: "Und ich arbeite sehr, wir alle ja auch als Coaches sehr ressourcenorientiert. Und da erst mal zu gucken, was ist denn da auch gut gelaufen, obwohl es vielleicht Mobbing gab oder die letzten beiden Stellen wurden gekündigt, was ja so ein bisschen zu so einer Hoffnungslosigkeit führt. Und das ist ja genau das, was die Krise ausmacht. Diese eingeengte Sichtweise, die Hoffnungslosigkeit, was manche mitbringen im Coaching, und das gemeinsam, das zu begleiten, das aufzulösen, zum Beispiel durch eben diese Ressourcenorientierung, dann zu gucken, Mensch, aber gucken Sie mal, da ist es doch ganz gut gelaufen."
Susanne Günther: "Da kann man doch anknüpfen, oder zu gucken, der eine oder die andere braucht vielleicht noch eine Fortbildung, da zu gucken, mich mit der Fortbildung, das könnte doch zum Erfolg führen. Zum Beispiel dass sie sich im nächsten Job sicherer fühlen und nicht wieder in diese Situation geraten. Und was auch oft ein Thema ist, was auch denke ich die meisten Zuhörer:innen kennen, ist dass die Rahmenbedingungen ja total wichtig sind in der Arbeit."
Susanne Günther: "Also nicht nur der Inhalt. Ich habe das studiert und inhaltlich super, aber wo und wie möchte ich arbeiten, in welchem Umfeld? Die Werte, und das wollen wir, Das hatte ich mehrfach jetzt auch gerade der Vergangenheit im Coaching, dass man mal sich genau ein zugucken, dann wird man dann an der zukünftigen Arbeitsstelle glücklicher wird, dass man auch nach seinen Werten arbeitet und eben nicht mit dem cholerischen Chef, der nicht wertschätzend ist." Susanne Günther: "Chefin."
Johannes Junker: "Genau. Und das ist glaube ich so ein ganz ganz entscheidender Punkt. Und ich finde es schön, dass du sagst, zugespitzt, Na dann ist mein Blick so verengt. Ich habe so richtig Scheuklappen auf. Nein, ich sehe eigentlich die Möglichkeiten und die Welt gar nicht mehr. Und das versuchen wir ja im Coaching, über den Fokus auf das Positive auch, was durchaus da ist. Es ist ja nicht verschwunden, auch wieder so Gestaltungsspielräume zu öffnen und dann vielleicht eher die Frage zu stellen, Wie möchtest du denn morgen arbeiten? Wie soll es denn aussehen? Und dann in so einen Gestaltungsmodus zu wechseln? Übrigens für die Leute, die jetzt zuhören und über Begriffe stolpern wie High Profiling oder Genogrammarbeit und keine Ahnung haben, was das ist."
Johannes Junker: "Wir haben dazu natürlich ganz viel Informationsmaterial, Videos und andere Podcasts, verlinken wir gerne in den Shownotes, da könnt ihr richtig tief einsteigen. Das ist also die Methodik, die einsetzt im Coaching, wo wir sehr Biographie orientiert arbeiten. Und das ist uns eben sehr sehr wichtig, ressourcenorientiert und biografisch orientiert zu arbeiten. Wieder zurück zum Thema Krisen. Jetzt haben wir gesagt okay, wir konzentrieren uns auf die Stärken und auf die Ressourcen, auf das was da ist."
Johannes Junker: "Was kann unterstützend wirken und gucken in die Zukunft. Das ist ja aber deswegen jetzt nicht so, dass das Problem deswegen verschwindet. Also wie nimmst du das wahr? Ist es dann so, dass sich die Krise so durch das ganze Coaching durchzieht? Oder gibt es auch Möglichkeiten, diese Krise als ein, ja, keine Ahnung, als einen Katalysator für einen positiven Change auch zu nutzen?"
Johannes Junker: "Lässt sich daraus was lernen oder ist es einfach nur so eine schwarze Wand, die dabeisteht?"
Susanne Günther: "Ja, das ist natürlich ganz unterschiedlich. Wie sehr ich die Klient:innen da mitnehmen kann. Ja, manche haben ja auch vielleicht eine längere Arbeitslosigkeit schon hinter sich stecken, da länger fest. Dann ist es ein bisschen schwieriger. Die brauchen vielleicht noch mehr Support. Also zum Beispiel auch, wenn sie jetzt schon an der Depression leiden wegen langer Arbeitslosigkeit und Mobbing."
Susanne Günther: "Aber das kommt jetzt nicht allzu oft vor. In der Regel klappt es ganz gut, die Menschen mitzunehmen. Und da finde ich die Biografiearbeit auch ganz gut. Also noch mal genauer zu gucken, was du sagst. Genug ist eben auch diese Biografiearbeit zu gucken. Warum lasse ich mich denn von den zwei letzten Jobs, wo es nicht so gut lief, so runterziehen?"
Susanne Günther: "Warum habe ich da so wenig Selbstwertgefühl? Und dann auch noch mal in die Familie zu gucken, woher kommt das? Was brauche ich da vielleicht auch nicht mehr? Wie kann ich mein Selbstbewusstsein stärken? Da noch mal zu gucken, da gibt es natürlich jetzt keine Zauberformel. Aber da noch mal mehr in die Ressourcen zu gucken und auch den Fokus darauf zu legen, wo liegt denn gut, also da und da ist es gut gelaufen."
Susanne Günther: "Und welche Krisen, das ist auch mal spannend, welche Krisen habe ich schon mal gut durchlebt? Also dann gab es zum Beispiel auch kürzlich einen Fall, da hat eine Klientin ja auch selber schon Jobs gekündigt, hat aber auch schlechte Erfahrungen gemacht. Da haben sie ja selber gekündigt, weil sie da unzufrieden waren und sind in den nächsten Job gegangen. Sie können ja die Krisen auch selbst in die Hand nehmen."
Susanne Günther: "Also sozusagen, ich bin da unzufrieden, ich geh raus. Und dass man nicht nur ausgeliefert ist, einer Arbeitsstelle, in der man sich nicht wohlfühlt, sondern diese Selbstermächtigung auch sozusagen noch mal zu stärken bei den Klient:innen, das klappt in der Regel ganz gut, weil das muss ich ja auch nicht erfinden, es ist ja, all die Ressourcen sind ja in den Klient:innen, die zu uns kommen, und die kann man ja auch eben ganz gut aufdecken mit unseren Methoden und Kompetenz, also die Kompetenzorientierung auch die wir hier haben."
Johannes Junker: "Okay, ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wir das Wort Ressourcen vielleicht noch mal kurz erklären, weil wir reden jetzt so viel darüber und weil es so ein typischer Coaching-Begriff ist. Und es gibt auch eine ausführliche Folge. Übrigens mit der Übung 'Ressourcen bauen', die kann ich mal machen, wenn ich jetzt mal so reinfühlen will, was eigentlich gemeint ist."
Johannes Junker: "Aber ich würde es gern kurz zusammenfassen. Also Ressourcen ist alles, was mir so zur Verfügung steht, um eben positiv in Gestaltung zu kommen. Und das können Sachen sein, alles was mir Halt gibt und auch Freude gibt, das können Hobbies sein, das können meine Werte sein, die mir Kraft geben und Orientierung. Das könnten Leidenschaften sein, das können Freunde, Partner:innen, Familie, auch berufliche Erfolge sein, auf die ich mich also alles, woraus ich schöpfen kann, um so eine positive Veränderung zu machen."
Johannes Junker: "Das wollte ich jetzt nur mal kurz erklären, damit ihr wisst, worüber wir sprechen, und die mal aufzuschreiben und sich bewusst zu machen, dass es auch einfach gut für die Seele in so einer Situation. Kurze Info von mir, jetzt zurück: Ich habe gerade das Gefühl, es geht so, wie du es beschrieben hast, eigentlich so ein bisschen das Gefühl von Kontrolle wiederzuerlangen, also so eine Selbststeuerung wieder zu kommen."
Johannes Junker: "Weil du sagtest ja auch, es ist so eine Machtlosigkeit." Susanne Günther: "Genau, das macht eine Krise aus." Johannes Junker: "Macht eine Krise aus." Susanne Günther: "Dass man wie gelähmt ist. Ja, für eine Zeit. Ja."
Johannes Junker: "Ja, kann ich bestätigen. Aus den Krisen, die ich so erlebt habe, da ist genau das, das Gefühl. Und ich erinnere mich gerade auch an eine Krise, in der ich mal war, wo ich so das Gefühl, ich muss jetzt unbedingt was machen. Und dann meinte eine sehr gute Freundin zu mir so bei einem Spaziergang: 'Du musst überhaupt nichts.' Und das hat mich total entlastet."
Johannes Junker: "Manchmal ist es halt auch wichtig, so Also einerseits wollte ich handeln, wusste aber überhaupt nicht, was ich jetzt damit machen soll mit dieser Situation. Und manchmal ist es dann auch gut, einen Schritt zurückzutreten. Aber das hat mir ein Gefühl von Kontrolle auch wieder gegeben, zu sagen: 'Hey, ich habe ganz viele Optionen. Ich bin jetzt nicht nur hier in diesem Entweder–Oder–Tunnel, kann du da, kannst du mit dem Gedanken was anfangen?"
Susanne Günther: "Genau, das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt im Coaching. Das hast du auch noch mal schön mit dem Thema 'Was sind überhaupt Ressourcen?' Die Ressource kann natürlich auch das Umfeld sein, Freunde, das soziale Netz, ehemalige Arbeitskollegen. Und ich bin auch sehr dafür. Manche verfallen in einer Krise in so einen Aktionismus, also in keine Lähmung, sondern auch genau das Gegenteil von Aktionismus."
Susanne Günther: "Und das ist manchmal auch nicht so hilfreich, wie du es beschreibst. Und das hängt natürlich sehr von der Persönlichkeit und von dem Hintergrund ab, was gerade ratsam wäre. Wenn jetzt jemand so eine Schockstarre hat und gar nicht mehr sich mit beruflichen Dingen beschäftigt, dann ist natürlich ein bisschen mehr Aktionismus gut, die Menschen auch wieder anzustoßen. Aber in deinem Fall, was dir deine Freundin geraten hat, war sicherlich sehr hilfreich, weil Aktionismus ist eben manchmal auch nicht gut und da auch ganz individuell im Coaching ranzugehen, zum Beispiel die manchmal das Tempo rausnimmt, sich Zeit nimmt, noch mal genau auf die Fähigkeiten aus der Vergangenheit guckt, auf die Rahmenbedingungen und auch auf die Netzwerke."
Susanne Günther: "Wen könnte man noch aktivieren? Was wäre noch hilfreich? Also da manchmal auch eher das Tempo rauszunehmen, kann so eine Berufskrise auch verringern oder dass man da wieder rauskommt."
Johannes Junker: Ja, genau. Also ich denke, Tempo und Aktionsgrad sind vielleicht auch ein ganz wichtiger Hebel. Manchmal ist es auch gut, einfach mal mit dem Flow zu gehen und zu schauen, was sich so entwickelt. Und manchmal ist es auch wichtig, Entscheidungen zu treffen, die nicht aufzuschieben sind. Und ich glaube, da und das vielleicht auch als einen Impuls, ganz direkt darüber zu reden, ist super wichtig.
Johannes Junker: Einfach das nicht nur im Kopf zu behalten, sei es jetzt erst mal mit einer guten Freundin. Das ist etwas, das mir schon total geholfen hat, bei einem Spaziergang, oder wenn es eben vielleicht eine noch verschärfte Krise ist, beim Krisendienst anzurufen. Wir werden übrigens Telefonnummern und Links in die Shownotes packen oder eben im professionellen Kontext mit einem Coaching. Wenn es eine ausgewachsene Depression ist, dann ist das ja auch nicht mehr das richtige Setting.
Johannes Junker: Dann wäre eine Therapie der richtige Ort dafür. Also darüber zu reden ist schon mal ein ganz wichtiger Hinweis, und es nicht mit sich selbst auszumachen, sondern Unterstützung zu suchen.
Susanne Günther: Genau, da würde ich gerne mal kurz einhaken. Das Drüber-Reden ist wirklich ein sehr wichtiger Aspekt, weil viele Menschen, das habe ich im Coaching erlebt und auch in diesen Diensten oder in der Supervision, diesen Rahmen schaffen, sich zu sortieren. Also viele befinden sich gerade in einer Krise, einer zugespitzten Situation, und das Erzählen bringt einen dazu, sich selbst zu sortieren.
Susanne Günther: Also bestenfalls muss ich als Beraterin gar nicht so viel machen, sondern bin eine gute Plattform des Zuhörens. Und das ist ganz wichtig, auch gerade bei Krisen.
Johannes Junker: Was ja schon unglaublich viel ist. Also, überhaupt den Raum zu geben, dass jemand 90 Minuten über das Thema sprechen kann, und einfach das im Sprechen auch mal sortiert und durch manche Fragen auch noch mal in eine andere Richtung schauen darf, braucht es auf jeden Fall. Schauen wir mal noch mal stärker Richtung Lösung. Wir sprechen ja gerade schon fast so ein bisschen darüber, was positive Aspekte einer Krise sind.
Johannes Junker: Also Krise hat ja immer was mit Veränderung zu tun, und jede Veränderung kostet Kraft. Und oft ist es ja so, da gibt es ja auch so Kalendersprüche und so zu, Krise als Chance, und ich gehe gestärkt aus einer Krise hervor. Tatsächlich erlebe ich das oft so, also es ist tatsächlich was dran, dass Leute immer wieder dann doch sagen, es hat mich irgendwie doch weitergebracht, auch wenn es eine blöde Zeit war.
Johannes Junker: Aber irgendwie bin ich gewachsen daran. Kannst du uns da mal so deine Erlebnisse mit reinholen? Wie siehst du das? Wie erlebst du das?
Susanne Günther: Ja, ich kann das nur bestätigen. Manche stecken ja auch fest in was? Also die verändern sich zum Beispiel nicht. Da ist die Krise so feststecken. Und da muss sich erst etwas zuspitzen, damit sie sich verändern. Das ist ja auch manchmal so bei Krisen, und manche sind so im Laufrad. Ich bleibe auch mal bei dem Coaching-Beispiel. Die sind ja so im Laufrad im Beruflichen, dass sie da schwer also das sich zuspitzen muss, zum Beispiel durch eine Kündigung oder dass sie ein Burn-out haben und selber kündigen, weil sie es nicht mehr aushalten.
Susanne Günther: Und dann kann das ja durchaus positiv sein, diese Zuspitzung, dass man erst mal einen Cut macht und das natürlich erst mal als Krise oft erlebt und dass man dann aber die Zeit hat, auch wirklich etwas zu verändern, und dann im Nachhinein ganz froh ist, dass man diesen Cut gemacht hat oder der gemacht wurde, ja auch manchmal auch, und das trotzdem auch als Chance zu nehmen, wenn ich jetzt bei Kündigung bleibe, und dass man im Nachhinein merkt: Mensch, das war jetzt doch ganz gut. Das war zwar ganz schön krisenhaft für mich, ich habe erst gedacht: Whoa, jetzt schwimmen mir alle Felle weg. Jetzt bin ich arbeitslos, oder ich muss ja auch meine Familie ernähren oder was sagt meine alte Mutter? Ich kann jetzt nicht arbeitslos sein, die kann das gar nicht verstehen. Solche Sachen kommen ja als Gedanken auf. Aber dass das dann durchaus als positiv erlebt wird, weil man sich die Zeit nimmt und guckt, wie kann es jetzt wirklich beruflich weitergehen?
Susanne Günther: Das ist zum Beispiel ein Beispiel aus dem Coaching.
Johannes Junker: Ja, total. Es ist ja auch so, wenn wir so Biografiearbeit machen und auf die Krisen gucken, die früher waren, dass das meistens die Momente waren, wo richtig sich die Kompetenzen zeigen. Also da zeigen sich dann eigentlich, was habe ich denn getan, um diese andere Krise zu bewältigen? Damals im Studium zum Beispiel, als ich nicht aus dem Bett gekommen war, meine Abschlussarbeit, wie habe ich das dann geschafft, am Ende das trotzdem durchzuziehen?
Johannes Junker: Und da zeigt sich dann auch, okay, und was habe ich denn eigentlich zur Verfügung, um dann nach vorne zu kommen?
Susanne Günther: Genau, das sind auch gute Fragen, um im Coaching anzuknüpfen, weil alle, die zu uns kommen, haben schon mal irgendeine Art von Krise erlebt. Und es muss jetzt nicht immer beruflich sein, sondern gucken, ja, aber Sie haben das so schon mal geschafft. Wenn Sie dann ein Beispiel nennen. Und wie haben Sie das denn geschafft? Genau, dann erinnern Sie sich auch leichter an Ihre an Ihre Kompetenzen und Stärken.
Johannes Junker: Genau. Und das ist auch vielleicht eine kleine Anleitung für alle, die zuhören, sich diese Frage auch mal zu stellen. Was habe ich denn alles schon für Herausforderungen gemeistert? Worauf bin ich stolz? Denn das denke ich immer im Coaching, wenn Menschen so über ihre Biografie und ihre Erlebnisse berichten, der ich so, Wow, was für Fähigkeiten, wie viele soziale und fachliche Kompetenzen, diese Menschen alle schon gezeigt haben.
Johannes Junker: Und leider vergessen wir das ja oft. Das nehmen wir selbstverständlich. Aber es ist ja gar nicht selbstverständlich, so gut durchs Leben zu gehen und ein Studium abzuschließen, einen Beruf zu erlernen, das abzuschließen, das zu praktizieren und diese ganzen Fachkenntnisse mit der Welt zu teilen. Und deswegen ist es immer ganz wichtig, das auch ernst zu nehmen und darauf aufzubauen, auf dem, was schon da ist.
Johannes Junker: Ein anderer Aspekt, den wir, denke ich, aus Krisen ziemlich gut lernen können, ist das Thema Grenzen setzen, Abgrenzung und auch die eigenen Bedürfnisse noch mal ganz deutlich wahrzunehmen. Weil meistens würde ich jetzt einfach mal behaupten, eine Krise hat auch immer was mit unerfüllten Bedürfnissen zu tun. Susanne Günther: Ja, na ja, ja klar. Also im Job-Kontext würde ich das auf jeden Fall unterstreichen. Ja, das stimmt.
Johannes Junker: Also zum Beispiel, was hast du gesagt vorhin? Die cholerische Chefin. Susanne Günther: Ja. Johannes Junker: Da ist ja ein unerfülltes Bedürfnis nach Frieden vielleicht. Oder nach Wertschätzung. Oder nach Begegnung auf Augenhöhe.
Susanne Günther: Ja, und welchen Aspekt ich auch noch wichtig finde, genau mit den eigenen Bedürfnissen auf jeden Fall. Also die auch erst mal zu erkennen, weil das können auch nicht alle gleichermaßen gut. Was sind überhaupt meine Bedürfnisse? Was ist mir wichtig? Also diese Werte-Arbeit, was habe ich für Werte, das noch mal anzuschauen? Auch ein ganz wichtiges Tool im Coaching oder überhaupt in der Beratung, finde ich.
Susanne Günther: Die eigenen Werte, aber auch die eigenen Schwächen anzuerkennen, ist auch ganz wichtig, weil die haben wir alle, und da auch so Selbstmitgefühl, ist ja auch so ein Modewort, aber das finde ich auch wichtig zu sagen, Selbstakzeptanz vielleicht, dass die Schwächen, ja auch dazugehören, die vermeintlichen Schwächen, und sagen, Mensch, ja, da bin ich vielleicht nicht so gut, aber dafür kann ich das und das und das und das.
Susanne Günther: Und das ist ja auch nicht so schlimm. Na dann, auch das sich auch anzuschauen und da das Drama rauszunehmen auch aus den Schwächen, die ja auch im Coaching besprochen werden. Hypothesen. Also, wo kann ich mich noch weiterentwickeln?
Johannes Junker: Ja, total. Ich denke, Selbstmitgefühl ist ein ganz wichtiges Wort, weil das ist gerade so ein Modewort und es gibt ja zunehmend mehr Forschung und Literatur dazu. Und ich glaube, gerade in Zeiten wie heute, wo wir alle unglaublich hohe Erwartungen an uns haben, ist es super wichtig, Selbstmitgefühl zu praktizieren und auch ein bisschen humorvoll mit sich selber zu sein.
Johannes Junker: Also natürlich sind wir alle nicht perfekt, und da freundlich mit sich zu sein, also so eine freundschaftliche Haltung in so einer Phase mit sich selbst zu sein und dann nicht noch draufzuhauen, wenn es ohnehin schon schwierig ist, ist glaube ich ganz ganz entscheidend. Ja, wir kommen jetzt so langsam Richtung Ende unserer Zeit. Also wir haben noch ein bisschen Zeit, aber ich würde gerne noch mal so ein bisschen griffige Tipps formulieren.
Johannes Junker: Also so, wir haben ja eigentlich schon ganz schön viele Tipps jetzt genau auf die Ressourcen konzentrieren, das Tempo schauen, in welchem Tempo will ich jetzt eigentlich voranschreiten? Also bei Aktionismus aufpassen und so. Wenn du jetzt jemandem kurz und knackig sagen würdest, okay, du bist jetzt gerade in der Krise, berufliche Krise, du weißt nicht so richtig, wo du anfangen sollst.
Johannes Junker: Wie würdest du das kurz und knackig zusammenfassen? Also, was sind so die wesentlichen Punkte, auf die man achten sollte?
Susanne Günther: Also, kurz und knackig, das ist gar nicht so einfach. Auf jeden Fall erst mal den Druck rausnehmen, sich Zeit lassen, das in Ruhe anzuschauen. Was ist da überhaupt los? Warum ist die Person in der Krise? Das kann ja schon mal den Stress reduzieren und dann natürlich die Kompetenzen und Stärken gut herausarbeiten. Also mit der Person. Ja, und dann zu gucken, wo kann es hingehen.
Susanne Günther: Aber auf jeden Fall finde ich, erst mal wichtig, je nachdem wie die Krise gelagert ist, den Druck rauszunehmen und sich Zeit zu nehmen und sich zu sortieren, damit man aus dieser zugespitzten Sichtweise rauskommt. Also das kann man eigentlich immer bei allen Krisen sagen, also vor allem bei diesen beruflichen Krisen jetzt.
Johannes Junker: Also, das ist eigentlich so das Ziel in der Krise, das man so ausgeben könnte, es zu sagen, Druck rausnehmen und versuchen, aus dieser eingeengten Sicht mal rauszukommen und eher wieder offener in die Welt rein.
Susanne Günther: Genau, genau. Und dann ist es ja ganz unterschiedlich, was da bei den Einzelnen sich bewegt. Manchmal reicht da schon eine halbe Stunde, mal drüber zu sprechen. Dann bewegt sich schon was. Manche brauchen da ein bisschen länger für. Und was auch wichtig ist, der Aspekt, dass sie es nicht alleine machen müssen, je nach Krise. Wer kann Sie jetzt unterstützen? Welchen Freund können Sie noch mal fragen? Es muss ja nicht immer eine professionelle Hilfe sein, es kann ja auch im Umfeld sein.
Susanne Günther: Wer ist denn da gerade ein guter Begleiter? Mit wem können Sie noch mal darüber sprechen? Und dann aufs Berufliche bezogen, welche alten Kolleginnen können Sie aktivieren oder wer kann sie da noch mal unterstützen? Also das Umfeld ist auch immer wichtig bei einer Krise.
Johannes Junker: Super. Also das sind schon mal jetzt sehr konkrete gute Hinweise. Ich würde noch eine Sache vielleicht hinzufügen, was ich oft wahrnehme, ist dass Menschen, wenn sie in der Krise sind, sehr dazu neigen, sich super stark auf dieses Problem zu fokussieren. Also da ist es dann super omnipräsent, und ich glaube, es ist sehr, sehr wichtig, da in der Zeit einen Ausgleich zu schaffen.
Johannes Junker: Sei das jetzt ein Sport, den ich mache, sei es Bewegung sowieso. Ganz grundsätzlich ist super wichtig. Susanne Günther: Ja.
Johannes Junker: Also wirklich so, diesen Alltag überhaupt mal positiv zu gestalten, mit Bewegung, sich was Schönes zu gönnen, auch was in anderen Bereichen des Lebens stattfindet. Schönen Hobbys nachzugehen, sich mit Freunden zu treffen, andere Sachen auch zu machen, finde ich, ist sehr, sehr wichtig, damit auch noch mal so erlebt wird, dass es eben nicht nur aus diesem Problem besteht. Das nehme ich auch wahr, dass es sehr hilfreich oft ist.
Susanne Günther: Genau, was ja manchmal bei sehr zugespitzten Krisen passiert, ist, dass man so in Gedanken-Schleifen kommt. Ja, und da rauszukommen und auch wieder gut zu schlafen, da kann man natürlich auch die Menschen unterstützen. Da gibt es ja ganz viele Ideen und Tipps, was du schon gesagt hast. Wie komme ich wieder zu mehr Schlaf? Wie kann ich Gedanken unterbrechen?
Susanne Günther: Also zum Beispiel beim Thema Trauer kann man gut sagen, Mensch, dann versuchen Sie zwei Stunden am Tag zu trauern, und den Rest legen Sie sich ab, zum Beispiel nach Hause oder bei Liebeskummer. Es gibt ja alle möglichen Krisen, wo man so in Gedanken-Schleifen ist. Das kann auch bei Job-Krisen genauso sein. Und das ist ein wichtiger Aspekt, den du sagst, dass man vielleicht auch den einen oder anderen was an die Hand gibt, wenn die nicht selbst draufkommen.
Susanne Günther: Wie können sie sich entlasten? Wie können sie für Entspannung sorgen und nicht nur mit dem Thema beschäftigt sein? Zum Beispiel so kleine Tipps wie, Schreiben Sie sich doch mal jeden Tag ein gutes Erlebnis auf, abends? Also es kann was ganz Kleines sein, nette Bäckersfrau oder schöner Spaziergang. Es muss jetzt kein großes Ding sein. Und dann lernt unser Gehirn wieder, den Fokus auf was Positives zu lenken.
Susanne Günther: Und dann entspannen wir uns auch wieder leichter in Krisensituationen. Johannes Junker: Noch eine letzte Frage, die ich ganz hilfreich vielleicht noch finde für die, die zuhören. Vielleicht habt ihr selber gar keine Krise, die jetzt zu hören. Aber ihr kennt jemanden, der in der Krise sich befindet? Was wäre denn so ein guter Tipp, noch zu sagen, ich kenne jemanden, der könnte sich in der Krise befinden, und wie kann ich diese Person denn gut unterstützen, wenn ich das möchte?
Susanne Günther: Ja, das ist eine gute Frage. Also ich würde die Person fragen, was denn hilfreich wäre. Das ist immer ganz gut, weil das ist ja auch bei jedem anders, und Ratschläge sind ja manchmal nicht so gut. Also da bin ich. Dann hängt natürlich, das haben wir ja jetzt auch sehr ausführlich besprochen, von der Art der Krise ab. Manchmal, wenn man eben so eine Stresssituation hat, man sitzt im Job mit einem stressigen Chef oder alten Kollegen Konflikt.
Susanne Günther: Da hilft es ja manchmal einfach nur zuzuhören. Das hatten wir auch schon hier erzählt. Ja also ich würde die Person fragen, was hilfreich ist, und wo ich unterstützen könnte in dem Moment. Und dann kommt vielleicht was, und dann kann man weiterfragen, wäre vielleicht das gut oder das gut? Johannes Junker: Ja, okay. Sehr guter, sehr guter Tipp. Weil das ist ja oft nicht das, was die Leute erleben, sondern die erleben dann eher auch Aktionismus. Auf der anderen Seite.
Susanne Günther: Genau. Johannes Junker: Ich habe schon mal auch erlebt, dass jemand meinte, im Coaching kommen Leute hin, um Rat zu suchen. Eigentlich kriegen keinen Rat, sondern kriegen nur Fragen gestellt. Und von den Freunden kriegen sie Rat, obwohl sie da eigentlich gefragt werden wollen. Also noch mal, liebe Leute da draußen, wenn eure Freunde, Partner:innen in Krisen sind, stellt viele Fragen, hört viel zu, und guckt, was die Leute eigentlich brauchen.
Johannes Junker: Holt euch das gut ab. Susanne Günther: Genau. Johannes Junker: Susanne, dir gebührt das letzte Wort. Ist noch irgendeine Frage, die ich vergessen habe zu stellen, oder noch so ein Statement, das dir wichtig ist, im Kontext Krisen, was du noch gerne loswerden möchtest?
Susanne Günther: Wir haben, glaube ich, alles gesagt, was so wichtig ist. Kurz zusammengefasst, was ich vielleicht noch so zum Schluss sagen würde, ist: Holt euch Hilfe, wenn ihr in der Krise seid, vom Umfeld. Also, Krisen muss man nicht alleine bewältigen. Ich glaube, das ist ganz wichtig. Es müssen keine professionellen Helfer immer sein, aber Hilfe holen, Unterstützung ist gut. Man muss das nicht alleine schaffen.
Johannes Junker: Super! Vielen, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, heute mit mir über dieses sehr, sehr wichtige Thema zu sprechen. Wir haben es lange vorgehabt, und jetzt hat es endlich geklappt. Vielen Dank, Susanne. Und bis zum nächsten Mal bei COACHGEFLÜSTER. Susanne Günther: Ja, sehr gerne.
Johannes Junker: Danke, dass dir diese Folge gefallen hat. Dann würde ich mich sehr freuen, wenn du dir die Zeit nimmst, COACHGEFLÜSTER auf der Podcast-Plattform deiner Wahl zu bewerten und weiterzuempfehlen. Wenn du deine Podcasts auf Apple Podcasts hörst, kannst du sogar eine Rezension schreiben. Das hilft uns, mehr Menschen zu erreichen. Ganz herzlichen Dank dafür. Du findest uns auf Instagram, Facebook, und natürlich auf inqua-institut.de/podcast. COACHGEFLÜSTER ist eine Produktion des INQUA-Instituts für Coaching in Zusammenarbeit mit Studio News'n'Arts. Produktion und Redaktion: Judith Jensen und Johannes Junker.
Johannes Junker: Musik: Jonathan Boyle.
