Dirk: Ich könnte jetzt schon sagen: Mach mir bitte ein Bewerbungsanschreiben auf diese Stelle. Bitte liste die guten Passungen zuerst auf und erkläre die nicht so guten Passung als Lernziel oder großes Interesse, wollte ich schon immer hin.
Johannes: Herzlich willkommen bei COACHGEFLÜSTER, dem Podcast des INQUA-Instituts für Coaching. Mein Name ist Johannes Junker und ich spreche hier mit Expert:innen zu Themen rund um berufliche Neuorientierung. Heute geht es um das Thema Künstliche Intelligenz und vor allem ChatGPT in der Bewerbungsphase. Heute ist bei mir Dirk Aßmann-Staudt, INQUA Karriere-Coach aus Bensheim. Mit seiner großen Neugier und Begeisterung für das Thema KI und seinem Fachhintergrund in Informatik ist Dirk für mich heute der ideale Gesprächspartner für alle Fragen rund um das Thema ChatGPT in der Bewerbungsphase. Ich freue mich sehr auf den Austausch. Lasst uns loslegen! Lieber Dirk, herzlich willkommen bei COACHGEFLÜSTER.
Dirk: Vielen Dank für die Einladung, Johannes. Johannes: Wofür hast du denn die KI das letzte Mal benutzt, selbst? Dirk: Tatsächlich habe ich heute Morgen … Ich habe so ein Hobby, das ist Romanschreiben. Und dazu benutze ich die KI als Lektorin. Ja, und zwar dauernd. Es ist sehr, sehr hilfreich. Johannes: Ist schon was erschienen, dass wir in den Shownotes verlinken können?
Dirk: Ne, der erste Roman kommt Anfang Dezember, und das ist jetzt schon der zweite, den ich schreibe. Den drücke ich dann nach 2025.
Johannes: Okay, alles klar. Wir werden es, wenn möglich, nachreichen. Viel Erfolg dafür. Da geht’s ja auch um Text. Und darum soll es heute auch gehen in unserer Folge, nämlich um das Thema Texte erstellen mit ChatGPT, und zwar für die Bewerbungsphase. Das ist ja ein Thema, das viele unserer Zuhörer:innen sehr stark beschäftigt. Die sind in der Bewerbungsphase und möchten gerne gut verfasste Anschreiben und Lebensläufe haben.
Johannes: Und damit wollen wir uns heute beschäftigen. Du beschäftigst dich super intensiv mit dem Thema, wie ich weiß und deswegen mal die Frage an dich: Wenn Leute zu dir kommen ins Coaching, wie viele von denen sind denn mit dem Thema überhaupt schon vertraut? Wie viele nutzen das denn? Dirk: Also ich würde, wenn ich eine nicht-empirische Aussage treffen möchte, dann würde ich sagen: ein bis zwei Prozent. Johannes: Wow, das ist aber sehr wenig. Das hätte ich jetzt nicht erwartet.
Dirk: Ja, wenn ich jetzt sage „nutzen“, heißt das, es gibt natürlich eine Reihe von Personen, die zu mir kommen und sagen: Ja, ich habe schon mal was damit gemacht, aber das hat so recht nicht funktioniert. Und dann frage ich weiter. Und dann stelle ich fest: Na ja, der hat halt eine Frage gestellt, dann kam eine unbefriedigende Antwort und dann hat er gesagt: Das is ja doof. Und dann hörte die Fragerei auf. Und das ist leider der ganz falsche Ansatz.
Johannes: Okay, den richtigen Ansatz, den gucken wir uns ja heute an, ne! Also das ist so der Hauptgrund, warum Leute es nicht nutzen, dass sie vielleicht eine erste Erfahrung machen und merken: So, wie ich mir das vorgestellt habe, funktioniert es nicht. Bevor wir da reingehen, wie es richtig geht, was würdest du denn sagen? Was sind die größten Argumente dafür, das überhaupt zu nutzen?
Dirk: Also gerade im Karriere-Coaching, also wenn ich versuche, neue Stellen zu finden, haben wir momentan eine Bewegung, die vor allem von den Unternehmen ausgeht, dass in deren Bewerbungs-Management-Systemen KI zum Einsatz kommt. Also die Anbieter von Software, wie zum Beispiel diesen ATS, wie die fachlich heißen – Applicant Tracking Systems –, setzen KI mit ein. Das heißt, auf der einen Seite habe ich eine KI, die bei der Stellenausschreibung mitarbeitet, und zum anderen ist die KI auch mit an Bord, wenn sie meine Bewerbung bewertet. Und da müssen wir plötzlich ganz andere Verhaltensmaßregeln ansetzen, wenn wir eine gute Bewerbung losschicken wollen. Das verändert die gesamte Strategie in den Bewerbungen.
Johannes: Also jetzt sprechen wir natürlich über ausgeschriebene Stellen. Das ist ja ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Also diese Systeme, die werden ja auch vor allem von, ich würde mal sagen, KMUs und größeren Unternehmen eingesetzt. Also weil die können sich das ja auch überhaupt leisten oder integrieren das überhaupt in ihre Prozesse. Das ist, glaube ich, für die Leute, die sich in diesem Feld bewegen, super, super wichtig zu beachten.
Johannes: Das ist ein sehr gutes Argument, das zu benutzen. Was sind noch so andere Pro-Faktoren? Was ist denn der größte Nutzen eigentlich davon über diese Notwendigkeit hinaus? Dirk: Also wer schon mal sich beworben hat, und ich komme noch aus der Zeit, wo Bewerbungsmappen mit eingeklemmten Fotografien noch up to date waren. Johannes: Habe ich auch noch gemacht.
Dirk: Ja, die Zeit ist rum. Der weiß, was für eine unglaubliche Arbeit es ist, solch ein Anschreiben zu machen. Sei es, wenn ich eine Initiativbewerbung mache, sei es, wenn ich ein sogenanntes Motivationsschreiben erstelle, da brechen sich viele Menschen wirklich die Finger ab. Und da ist die KI außerordentlich hilfreich. Also, da muss ich einfach sagen, manche brauchen einen halben, dreiviertel Tag, um auf eine Stelle sich zu bewerben. Mit der KI dauert das zwei Minuten. Also Geschwindigkeit.
Johannes: Ja, wenn ich‘s gut mache, dauert‘s zwei Minuten. Wozu wir gleich kommen. Also das ist, denke ich, ein mega Faktor: die Zeitersparnis. Das kann ich absolut bestätigen. So sehe ich das auch.
Johannes: Was ist denn mit dem Thema – das ist ein Thema, das müssen wir auf jeden Fall mal adressieren, weil ich glaube, es ist auch eine Hürde für viele Leute, überhaupt damit in Kontakt zu gehen – ist das Thema persönliche Daten und Datenschutz. Was gibt es dazu zu sagen? Also wenn du jetzt Leute hast, die den eigenen ChatGPT-Account haben und sagen: Ja, ich möchte das gerne nutzen, aber ich habe Bedenken bezüglich Datenschutz. Was sagst du denen?
Dirk: Also ich würde keine Informationen in die KI reingeben, wo persönliche Adressen, Namen und Ähnliches von mir wenigstens drin ist. Das ist das Minimum, was ich weglassen würde. Ab dann wird die Sache so ein bisschen kniffelig, denn wenn ich meinem CV nehme und auch die Firmen, bei denen ich gearbeitet habe, weglasse oder die Rollen, die ich dort habe, dann hat die KI immer weniger Informationen, um darauf einzugehen. Und das ist dann wieder so ein bisschen knifflig. Aber Namen, Adressen, persönliche Vorlieben, alles weglassen, bitte.
Johannes: Okay, ich denke, das ist schon mal als Disclaimer vielleicht ganz hilfreich für die Leute, die zuhören. Am Ende ist es eine Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Also auch noch mal von uns die Ermutigung: Beschäftigt euch wirklich damit, auch noch in anderen Quellen. Schaut, was sich für euch gut anfühlt und trefft einfach eine bewusste Entscheidung damit, wie ihr welches Programm nutzen möchtet.
Johannes: Und dann steigen wir direkt mal ein. Also wie geht‘s denn gut? Also wie muss ich es denn nutzen, dass es klappt? Ich denk mal, wir haben zwei wesentliche Dokumente, um die es heute geht, nämlich den Lebenslauf und das Anschreiben. Mit welchem willst du gern starten, was macht mehr Sinn?
Dirk: Ich würde mal das Anschreiben nehmen, weil wir einfach da einen großen Textblock erzeugen müssen. Und das ist glaube ich das, wovor die meisten Leute auch Angst haben. Viele haben ja gesagt: Das ist mein Lebenslauf, der ist faktisch aufgebaut. Das funktioniert auch meistens schon mal. Und jetzt gibt‘s da Präferenzen, wie man das vielleicht anders machen mag. Aber das Anschreiben oder wenigstens eine Executive Summary, also wie auch immer eine persönliche Selbstdarstellung, da tun sich Leute ganz, ganz schwer. Und das ist sicherlich das Wichtigste.
Johannes: Verständlicherweise. Weil es ist ja auch wirklich, das muss man ja mal sagen, selbst für einen Muttersprachler, der mit Sprache ganz gut umgehen kann, ist ein Anschreiben eine ziemliche Herausforderung. Also von daher vor allem auch Menschen, die vielleicht nicht deutsche Muttersprachler sind und sich hier bewerben wollen, was Aussagekräftiges an Text zu produzieren, ist unglaublich anspruchsvoll. Von daher kann die KI uns natürlich hier super weiterhelfen.
Johannes: Kleiner Verweis an der Stelle: Es gibt einen ZDF-Beitrag aus dem Morgenmagazin, wo INQUA zu Gast war zum Thema „Wie erstelle ich denn ein Anschreiben mit der KI und wie leicht lässt sich das erkennen?“ Verlinken wir gerne mal in die Shownotes. Und da ging es vor allem auch um die Frage, wie ich ein authentisches Anschreiben erzeuge, also etwas, das wirklich auch ich bin und nicht sofort erkennbar ist als ein KI-generierter Text.
Johannes: Und die Frage würde ich einfach mal zu dir rüber spielen: Also, wenn ich jetzt … ein Anschreiben soll ja mich zeigen, gibt mir die Möglichkeit, zu sagen, wer ich bin als Persönlichkeit. Wie kann ich das denn schaffen, obwohl die KI da mitspielt?
Dirk: Also, zunächst mal muss man wissen, dass die KI ja per se erst mal nichts über mich weiß, und dadurch kann sie nicht wie ein Freund oder meine Lebensgefährtin oder sonst wie darauf reagieren: So bist du doch, schreib doch das! Das kann die KI per se erst mal nicht, weil sie keine Informationen über mich hat. Daraus folgen eigentlich zwei Dinge erst mal: Ich muss der KI irgendeine Information über mich geben oder wenigstens über den Lebenslauf, dass die eine Grundlage hat, mit mir zu arbeiten.
Dirk: Also ich kann nicht einfach sagen: Schreib mal ein schönes Bewerbungsanschreiben. Ja, da kommt was raus, aber es ist kontextlos. Und das ist das Erste, was ich mache. Und das zweite, was viele Menschen, mit denen ich arbeite – ich bringe meinen Coachees ja auch das Arbeiten mit der KI bei und ich halte Webinare darüber – ist: Leg die Angst ab! Es ist keine Software, die an und ausgeschaltet wird, sondern unterhalte dich mit dem Ding wie mit einem Menschen.
Dirk: Das ist ganz irritierend für die meisten, weil sie nämlich gewohnt sind, einem Computer, der vor mir ist, einen Befehl zu erteilen. Und wir hatten es ja kurz vor der Aufnahme, dass wir gesagt haben: Ja, wenn ich das jetzt so und so mache, dann kommt immer was anderes bei raus. Ja, das ist beim Menschen genauso. Das heißt, wenn du mir sagst: Dirk, erzähl mal was, wie man ein gutes Bewerbungsanschreiben macht, dann werde ich dir was erzählen.
Dirk: Fragst du mich in 20 Minuten noch mal, da werde ich dir auch was erzählen. Das wird aber anders sein. Und so reagiert die KI eben auch. Und das mal vorausgeschickt, kann ich sagen: Dann sag der KI doch: Bitte mach den Text etwas persönlicher. Sag es genau so! Und nicht: Versuch dir irgendeinen Befehl zu überlegen, wie man dem das jetzt beibiegen mag. Das ist eine ganz große Hürde bei vielen Menschen.
Johannes: Das finde ich einen super hilfreichen Tipp, weil ich glaube, das ist genau das, was ja auch viel herumgeht: die perfekten Prompts zu finden und so, aber das, was du jetzt gerade beschreibst, ist eigentlich eine sehr gute Haltung, dass ich mir wirklich überlege: Ich hab’s hier mit einem Menschen zu tun – theoretisch, also in der Vorstellung – ist, glaube ich, eine super Eselsbrücke, um auch weiterzukommen, um auf persönlichere Dinge hinzuarbeiten.
Dirk: Ich benutze immer ein Bild, was, glaube ich, viele sehr schnell verstehen. Wenn ich jetzt irgendwo bin und ich bekomme jetzt eine Assistentin oder nen Assistenten frisch von der Universität zu meiner Seite gestellt. Und jetzt ist dieser junge Mensch neben mir, und ich bin schon seit 40 Jahren im Geschäft, ich weiß, was ich will. Und jetzt sage ich der Person: Mach mal eine Powerpoint-Präsentation zu diesem Thema. Und dann sagt die: Super, mache ich, rennt weg, kommt wieder.
Dirk: Nur 50 % von dem, was ich möchte, ist da drin. Und dann stelle ich immer dem Menschen vor mir eine Frage: Würdest du den jetzt rausschmeißen oder würdest du dem erklären, wie es besser geht? Ja, natürlich würde ich dem erklären, wie es besser geht. Ja, dann erkläre doch bitte auch der KI, wie‘s besser geht. Sage ihr wirklich persönlich: Ich mag es lieber in diesem Tonfall. Oder: Ich mag es mit diesen Formulierungen.
Dirk: Du kannst ja der KI auch sagen: Bitte nimm den dritten Satz aus dem zweiten Absatz dieses Anschreibens und verändere den in eine etwas persönlichere Form. Die weiß, wo das ist. Und dann geht der Assistent halt weg und kommt mit 75 % wieder. Dann erklär ich es nochmal, dann kommt er mit 95 % wieder, und irgendwann sag ich: Okay, prima, super, weitermachen! Und das passiert mit der KI auch.
Johannes: Also die KI lernt über uns und wird immer besser. Was du jetzt beschreibst, ist ja das Thema der Personalisierung sozusagen. Also ChatGPT – wir reden jetzt eigentlich wirklich mal, kann man sagen, über ChatGPT. Es gibt natürlich noch andere KIs, aber lass uns mal darauf beschränken, weil das ist das, was die meisten Leute auch benutzen. Es gibt ja da verschiedene Funktionen, und das ist vielleicht noch mal wichtig auch für die Zuhörenden, zu wissen, welche Optionen überhaupt es gibt.
Johannes: Weil ChatGPT hat ja in der Basisversion – wir haben heute zum Tag der Aufnahme, das muss man ja dazu sagen, weil das ändert sich ja ganz schnell, verschiedene Versionen verfügbar. Und es gibt eine kostenpflichtige Version, die eben diese Personalisierungs-Funktion noch mal ganz anders nutzen kann. Kannst du vielleicht dazu noch mal ganz kurz was sagen? Wie sinnvoll ist es?
Johannes: Lohnt sich so eine Pro-Version für mich, wenn ich jetzt gerade in der Bewerbungsphase bin, um diese Personalisierung zu nutzen? Ich glaube, die kostet im Moment 20 € im Monat. Ist ja auch ein kleines Investment, das ich mir gut überlegen muss. Vielleicht auch gerade, wenn ich arbeitssuchend bin und vielleicht die Mittel gerade nicht so einfach zur Verfügung habe. Wie siehst du das?
Dirk: Also ja, also einerseits die Veränderung. Also manchmal mache ich morgens auf und dann ist wieder irgendwas anders und es kommen irgendwelche sensationellen Features plötzlich zum Vorschein, da sag ich: Huch! Das wird gar nicht mehr groß angekündigt, es passiert einfach. Und eine Sache, die vor drei Wochen rausgekommen ist und vor drei Monaten schon außerhalb der EU schon stattgefunden hat, ist, dass ChatGPT von innerhalb der Chats lernt.
Dirk: Das heißt, wir reden ja von Chats, das sind so Abläufe, in denen ich mich unterhalte, und da kann ich dann mehrere haben. Und jetzt ist es so, dass die KI lernt, von dem, was ich in einem anderen Chat gemacht habe, und nutzt dieses Wissen, um im nächsten Gespräch – sagen wir mal Gespräch – daraus zu lernen und besser zu werden. Und das bedeutet – und ich habe vorher immer alle Chats weggelöscht, weil ich ja mit Coachees arbeite und ich kann das gar nicht mehr zuordnen.
Dirk: Jetzt lasse ich alles stehen. Da sind jetzt 50, 70, 100 Chats voll mit Informationen da. Die lasse ich stehen, weil die KI daraus lernt. Und das ist ganz wichtig, die wird halt immer besser. Und zwar wird sie dann besser, wenn ich eben Feedback gebe. Da könnten wir jetzt über Wertschätzung und Ähnliches reden, das passt ja fantastisch dazu. Ich sag meiner KI: „Danke, das ist sehr gut. So würde ich es gerne später wieder haben.“ Das schreibe ich rein und das merkt die sich.
Johannes: Aha, okay. Dirk: Und dadurch wird eine textuelle Struktur oder irgendeine Idee, die ich mal so gut formuliert fand, die holt der sich dann wieder. Oder die, ich weiß gar, ist ja geschlechtslos, das Ding. Ist ja ein Es. Johannes: Ja, das ChatGPT. Dirk: DAS ChatGPT, ja.
Johannes: Also das ChatGPT lernt mich immer besser kennen und das wiederum ist ja auch wiederum eine riesige Zeitersparnis in der Konsequenz und eine Qualitätsverbesserung. Also die zwei wesentlichen Pro-Punkte, die werden einfach dadurch noch mal weiter verstärkt.
Dirk: Ja, das heißt, wenn ich wieder ein Bewerbungsanschreiben mache – und wir haben es ja, du hast es ja am Anfang gesagt, also dass wir eigentlich in ne Zeit kommen, wo jede Stelle eine eigene Bewerbung hat, nicht nur in dem Motivationsschreiben, sondern vielleicht auch im konkreten Lebenslauf, dass wir da Texte verändern. Je besser sie meine Tonalität kennt, so wie ich mich ausdrücken würde, desto einfacher wird der nächste Schritt.
Dirk: Deswegen sollte man auch eine Version für sich selbst haben. Und ich rate, wenn es denn leistbar ist, natürlich 20 Euro sind 20 Euro, das muss man auch wollen. Aber zumindest in der Bewerbungsphase, zwei, drei Monate, so lange es dauert, bis ich wieder eine neue Arbeit finde, die Pro-Version zu kaufen. Die ist ja monatlich kündbar, also insofern, ja.
Johannes: Ja. Da kommt mir jetzt noch eine ganz andere Frage, ein ganz anderes Thema kurz in den Kopf, weil ein ganz großer Teil – ist meine Wahrnehmung – geht für mich eigentlich bei der Arbeit mit ChatGPT … eigentlich sehe ich das wie so ein Sandwich: Also es kommt erst mal Hirn, dann kommt KI und dann kommt noch mal mein Hirn, nämlich einmal beim Prompten, dann kommt die KI, macht ihren Job, und dann muss ich mein Hirn ja noch mal richtig anstrengen, weil dann muss ich das Ganze bewerten, und am Ende geht es ja durch mich in die Welt hinaus, wenn es hinausgeht in die Welt, ne?
Johannes: Und diesen letzten Part, den mache ich mir natürlich viel leichter, wenn ich das gut personalisiert habe. Das ist auch noch mal ein Bild, das ich gern reingeben möchte, um Leuten zu erklären: Warum macht es Sinn, das zu nutzen.
Dirk: Das ist genau eben dieses Bewerten. Das ist etwas, wenn ich Vorträge halte zu dem Thema, und dann sage ich: Ja, guck mal, das ist so die World Economic Forum und wer auch immer da jetzt Studien entwickelt hat, die den Impact von künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt untersucht, und man sagt ja, also, es wird massiv sein. Man redet von 30 bis 40 Prozent in allen Wissensberufen und über die Robotik dann auch in alle Handwerksberufe rein.
Dirk: Also das ist nicht zu stoppen, das wird passieren. Und die Idee dahinter ist: Lerne das Ding so gut wie möglich kennen und nutze die Fähigkeiten. Aber du musst immer entscheiden, ob das Ergebnis richtig ist. Also, es heißt jetzt so, dass alle Informatiker jetzt auf die Straße gehen, weil die Maschine lernt zu codieren, also Programme zu schreiben. Ja, aber wer entscheidet, ob der Code korrekt ist oder so wie ich es will?
Dirk: Oder das Ziel … das muss jemand sein, der versteht zu codieren. Also muss es ein erfahrener Informatiker sein oder Codierer, wie auch immer. Und das gilt für alle Berufe: Ich muss bewerten.
Johannes: Super Hinweis. Also das greift vielleicht schon ein bisschen vor, da werden wir vielleicht auch noch mal drüber sprechen über das Thema: Was bringt es für die Arbeitswelt für Veränderungen mit? Das wird gleich notiert für eine weitere Folge. Und gilt aber auch schon hier, weil mich bewerben ist ja auch ein Job, ist ja auch ein eigener Job, und der hat sich ja schon auf diese Weise so verändert.
Johannes: Also ich muss es bewerten können, das Ergebnis. Und dabei helfen wir natürlich im Karriere-Coaching. Ich denke, das ist dann auch so ein sehr, sehr guter Punkt, noch mal dieses Thema einzubinden: Also wie würde es dann sein, wenn jemand kommt mit einem Anschreiben, ist das ein gutes Anschreiben? Das kann natürlich ein Karriere-Coach noch mal ganz anders einschätzen. Schauen wir mal, jetzt haben wir so den Rahmen gesteckt für das Anschreiben.
Johannes: Wie würdest du denn jetzt konkret vorgehen? Also mal angenommen, jetzt kommt jemand und sagt: „Hey, lieber Dirk, lieber mein Coach Dirk, ich möchte jetzt ein Anschreiben entwickeln, wie machen wir das?“
Dirk: Also ich habe ja schon am Anfang so hingewiesen, dass die KI mit guten Daten gute Ergebnisse liefert. Also ich muss irgendwelche Daten hineintun. Und das, was ich fast immer zuerst mache, den bestehenden Lebenslauf – egal wie er nun ist und ob das jetzt, wo ich als Coach denke, oh, das kann man noch schöner machen, egal – den anonymisiere ich, das heißt, ich nehme den komplett, mache den leer, um alle persönlichen Daten, Adressen, Mailadressen, Telefonnummern
Dirk: und so weiter. Und speicher den separat als Word-Dokument oder was auch immer ab, als reines Text-Dokument ohne Formatierung. Der muss nicht aussehen, er muss Content haben. Was ich auch im Coaching erarbeite, ist so was wie eine Wünsch-dir-was-Liste. So nenne ich das immer. Wie möchte ich am liebsten arbeiten und das ist ein ganz klar individuelles Gespräch mit jeder Person.
Dirk: Das machen wir, das schreibe ich auf. Und dann gibt es auch noch Dokumente wie vorherige Bewerbungstexte, die schon mal da waren. Auch das gibt es, die würde ich auch anonymisieren. Das heißt, ich habe plötzlich mindestens den Lebenslauf, womöglich die Wünsch-dir-was-Liste, dieses nette Dokument, was über meine Wünsche etwas aussagt, und ein Anschreiben – alle anonymisiert, und die gebe ich in die KI rein.
Dirk: Und dann sage ich in diesen Chat: Hier hast du diese Daten. Auf Basis dieser Daten möchte ich mit dir jetzt weiterarbeiten. Und dann geht's los. Johannes: Und dann muss ich aber – das ist vielleicht ganz wichtig für die, die nicht so erfahren sind – in diesem Chat wirklich weiterarbeiten. Dirk: Ja, ja. Johannes: Also das gilt jetzt für alles, was wir sagen. Es geht um eine Art, wie könnte man sagen, eine Prompt-Folge.
Dirk: Ja, oder ein Gespräch. Wir müssen uns einfach vorstellen, ich rede jetzt mit dir, und dann habe ich mit Judith geredet. Das sind unterschiedliche Gespräche, oder mit irgendjemandem. Und diese unterschiedlichen Gespräche, die da sind, die sind auch in ChatGPT unterschiedlich. Das sind dann eigene Reiter.
Johannes: Für alle, die jetzt nicht wissen, wer Judith ist, falls ihr es nicht wisst, ist natürlich undenkbar. Judith, unsere Producerin, die natürlich jede Aufnahme genaustens überwacht, die auch hier leise dabei ist. Dirk: Ja, danke schön, danke schön. Johannes: Ohne die COACHGEFLÜSTER nicht möglich wäre. Dirk: Super Arbeit.
Johannes: Genau, und jetzt sind wir in diesem Gespräch gerade drin und führen das Gespräch. Du hast jetzt gesagt, dass wäre der erste Schritt. So, was ist jetzt der nächste Schritt?
Dirk: Und jetzt ist es das große Thema Prompting. Wer schon ein bisschen über die KI gelesen hat oder gehört hat, weiß, dass das Prompting, also was für einen Befehl gebe ich der KI, das als Nächstes passieren soll? Das ist durchaus sensibel. Sensibel im Sinne von: Da muss ich schon mal ein bissel überlegen, weil es gibt da gewisse Bedingungen, wie Mindset, Kontext, quality of data, um das englisch zu sagen, also die Qualität des Inputs, die alle in einem Prompt eingesetzt werden können, damit die KI weiß, wo ich eigentlich hin will.
Dirk: Das heißt, ich sage meiner KI immer, wenn ich die Daten hineintue, sage ich: Hier gebe ich dir einen Lebenslauf und ein Bewerbungsanschreiben und die Wünsch-dir -was-Liste einer Kandidatin im Alter von 45 Jahren, die sich auf eine Stelle als bewirbt. Und das ist der Vortext. Und dann sage ich: Bitte – und das kommt als Nächstes – nutze diese Daten, lies sie durch und nutze diese Daten, um alle weiteren Ergebnisse zu generieren.
Dirk: Das scheint erst mal sehr offensichtlich, weil ja genau das will ich tun. Aber der Kontext, da wir ja die persönlichen Daten rausgenommen haben: Die KI weiß das Geschlecht nicht, sie weiß das Alter nicht, weiß die Richtung nicht, weiß die Herkunft nicht. Also ich muss das anonymisiert vielleicht auch wieder reinbringen und dann kann die loslegen, erst dann. Und dann sage ich ihr: So, ich möchte gern ein Bewerbungsanschreiben machen. Und das ist jetzt der zweite Trick: Ich hole mir dann die Stellenanzeige rein. Und das ist das Nächste.
Johannes: Okay, also ich nehme die Stellenanzeige und die kann ich ja wahrscheinlich einfach copy pasten. Das ist die Stellenanzeige, das ist da gefragt und da wird ja eigentlich unglaublich viel Information noch dazugegeben, ne? Also was wird fachlich erwartet? Wie ist die Unternehmenskultur möglicherweise, was wird da angeboten? Wie sind die Rahmenbedingungen? Dirk: Ja, richtig.
Johannes: So, dann habe ich das beides jetzt da drin. Und dann? Wie stark kann ChatGPT mir jetzt helfen, das zu matchen?
Dirk: Also, tatsächlich gehe ich da schrittweise vor, weil jeden Schritt, den ich einzeln mache, erzeugt wieder Information und die kann ich im Chat weiter benutzen. Und das Erste, was ich mache, ist eine Passung. Also das, was man eigentlich normalerweise sehr intuitiv macht: Man geht auf eine Stellenausschreibung, liest durch: Oh, das kann ich, das kann ich nicht, mmh, da bewerbe ich mich.
Dirk: Das ist die Emotion. Und das kann ich aber auch der KI überlassen. Das heißt, ich habe oben die persönlichen Daten, haben wir ja schon gesagt: der CV, alles, was wir da so haben. Dann kommt die Stellenausschreibung dazu und dann habe ich einen Prompt entwickelt, den habe ich mir ausgedacht und ausprobiert: Bitte nutze den CV und vergleiche ihn mit der Stellenanzeige.
Dirk: Liste zunächst alle Positionen auf, auf die ich gut passe, und erkläre sie mit nicht mehr als 25 Worten – okay, jetzt bin ich bissl spezifisch, aber damit so ein bisschen auch klar wird, wie ich das formuliere – und danach liste die Positionen auf, wo ich nicht so gut drauf passe, und gib am Schluss eine Prozentzahl aus, wie gut ich auf die Stelle insgesamt passe. Johannes: Okay.
Dirk: Und das ist ein Prompt, das kann man sich mal formulieren. Und dann rappelt die los und dann passieren eine ganze Menge wunderbare Sachen. Zum einen bekomme ich ein gutes Gefühl dafür: Aha, da passe ich gut rein und warum ich da gut reinpasse. Die Informationen hat die KI aus meinem CV und allen Daten. Und vor allem kriege ich mit, wo ich nicht so gut passe.
Dirk: Und dann kann ich das durchlesen und dann kann ich mich drauf einstellen. Und manchmal, das passiert durchaus immer wieder, stelle ich fest: Oh, das habe ich aber doch gemacht, das habe ich nur nicht im CV. Und schon tweake ich in den CV an einer bestimmten Stelle diese Information dazu und dann lassen wir’s gerade noch mal durchlaufen. Und das ist das Schöne: Das ist ja dann nur noch Copy-Paste, lass es laufen.
Dirk: Und wenn ich zum Bewerbungsgespräch eingeladen bin, habe ich ne sofort super Formulierung schon, die die KI mir liefert: Ah, da muss ich mich argumentativ drauf vorbereiten.
Johannes: Aha, das ist also sozusagen auch noch ein zusätzlicher Nutzen, dass wenn ich es auf diesem Weg mache, dass ich ja auch in dem gleichen Chat fragen könnte, dann anschließend: Hey, ich bin eingeladen worden zum Bewerbungsgespräch. Was erwartet mich da möglicherweise? Wie sollte ich darauf einsteigen? Kann ich direkt weitermachen. Und dann weiß ChatGPT schon unglaublich viel und kann mir auch gezielte Ratschläge geben.
Dirk: Also, das ist ja erst die Grundlage, dann weiß ich plötzlich, wo ich gut passe und wo es nicht so gut passe. Den Schritt habe ich jetzt getan. Und jetzt gibt es noch verschiedene andere Möglichkeiten, wie man machen ... aber ich könnte jetzt schon sagen: Mach mir bitte ein Bewerbungsanschreiben auf diese Stelle. Bitte liste die guten Passungen zuerst auf und erkläre die nicht so guten Passung als Lernziel oder großes Interesse, wollte ich schon immer hin.
Dirk: Und dann kommt ein Text bei raus, der von der Formulierung her schon passt. Jetzt macht die KI immer so seltsame erste Sätze, das hast du in deinem Fernsehbeitrag ja auch gesagt, dieser erste Standardsatz. Aber da kann ich jetzt dran arbeiten.
Johannes: Ja, und einen solchen Text zu überarbeiten, wo ich vielleicht noch zwei, drei Sätze umformuliere, um meinen eigenen persönlichen Twist reinzubringen – was ich übrigens empfehlen würde, also eigene Sprache reinzubringen, und daraus wiederum kann die KI ja auch lernen, eben meinen Stil weiter zu übernehmen – ist oft absolut sinnvoll, weil das zeigt ja auch noch mal wirklich eine intensive Beschäftigung und auch eine Authentizität.
Johannes: Also gerade den Einstiegssatz, den würde ich wirklich empfehlen, mir da noch ein bisschen Inspiration zu holen. Dirk: Und das ist letztlich dann auch … also nicht rauskopieren, den Text in Word, und dann anfangen, selber wieder was einfallen zu lassen, weil ja gerade des Gesprächsanfang ist ja immer das, wo die meisten Leute sich so schwertun, und ich mir auch tatsächlich. Das „Wie mache ich es denn, dass es interessant klingt?“ Kann ich aber auch die KI benutzen.
Dirk: Ich sage dann einfach: Bitte nimm den ersten Satz im ersten Absatz und mach da etwas Fantasievolleres draus. Das ist mein Prompt. Ich sage das genau in diesen Worten und dann, okay, sagt die dann, und rappelt los. Zwei Sekunden später habe ich neuen Text.
Johannes: Finde ich total super und ich glaube, gerade das würde ich auch noch mal unterstreichen wollen. Wir haben das auch mal ausprobiert. Wir beschäftigen uns natürlich am INQUA-Institut mit allen unseren Coaches mit dem Thema, weil unsere Kunden die Fragen dazu haben. Und da gab es auch mal ein Anschreiben und das war viel zu … es war von der ganzen Tonalität viel zu abgehoben für die Person, die sich bewerben wollte.
Johannes: Und die hat gemeint: Ich bin eigentlich so eine Geradeheraus-Person, ich bin so ganz direkt. Und hat dann gepromptet: Schreib das Anschreiben doch noch mal so ganz direkt und eher hemdsärmelig. Und da kam ein total interessantes Ergebnis raus, das wirklich ganz anders war als der erste Entwurf, wo die Person schon mal … Vorher konnte sie sich 50 % identifizieren, dann konnte sie sich auf einmal 90 % identifizieren – und dann ist es natürlich viel weniger Arbeit, die letzten 10 % hinzukriegen.
Dirk: Ja, das ist auch etwas, was man einfach nicht versteht erst mal, wenn man zum ersten Mal mit KI arbeitet, dass die wie ein Mensch mitdenkt, obwohl das eigentlich nur eine Simulation ist. ChatGPT 4.0 ist kein denkendes Ding. Das ist ein unglaublich breit aufgestelltes Reaktionssystem. Es ist keine Intelligenz in dem menschlichen Sinne, aber sie ist so unglaublich gut da drin, weil sie eben unsäglich viel Wissen geschluckt hat, dass sie unwahrscheinlich clever auf Ideen und Anfragen reagiert.
Dirk: Und man kann auch sagen: Bitte – es gibt … wie heißt der berühmte Fußballtrainer da, der jetzt ausgestiegen ist von England, wie heißt er noch mal? Johannes: Jürgen Klopp. Dirk: Jürgen Klopp! Ich kann also der KI sagen: Bitte schreibe dieses Bewerbungsanschreiben im Tonfall von Jürgen Klopp. Johannes: Das mache ich nachher mal. Dirk: Das probier mal aus. Großer Spaß. Johannes: Cool, gute Übung.
Dirk: Alle großen Persönlichkeiten können genommen werden. Du kannst auch ein Sonett von Goethe draus machen.
Johannes: Ah, okay, alles klar. Gut, also für alle Kreativen unter euch, die ihr auch angefixt seid, das könnt ihr ja nachher mal alle ausprobieren. So, gehen wir mal zum Lebenslauf, weil jetzt wissen ja unsere Zuhörenden schon einiges darüber, wie ich gut ganz allgemein mit der KI umgehen sollte. Jetzt ist ein Phänomen, das mir immer wieder passiert: Im Karriere-Coaching kommen Leute und die sagen: Ja, ich habe den gleichen Lebenslauf an 20 verschiedene Stellen geschickt.
Johannes: Das ist ja schon eigentlich immer im Karriere-Coaching – egal ob KI oder nicht – keine gute Idee, aber hier ist es ja umso besser, dass ich das verändern kann. Wie ist denn dein Ansatz, genau wie wir es übers Anschreiben gesagt haben, auf den Lebenslauf dann zuzugehen? Also ich habe jetzt das Anschreiben, wie kann ich denn den Lebenslauf jetzt anpassen auf die Stelle?
Dirk: Also zunächst einmal: Das, was wir eigentlich alle erst mal instinktiv machen, ist, wir gucken, was in der Stellenausschreibung steht, und dann sagen wir: Naja, wir müssen ja denen sagen, was sie hören wollen, wir müssen ja irgendwie drauf reagieren. Diese Individualisierung ist arbeitsaufwendig und textuell. Und da hätten wir schon quasi die zwei Grundprämissen, die uns dazu unterstützen, das müsste die KI doch können.
Dirk: Und siehe da, ja, da ist sie ideal für. Und das, was ich auch als Nächstes immer mache, ist, dass ich die Stellenausschreibung nehme und sage: Bitte analysiere diese Stellenausschreibungen – das ist mein Prompt –, bitte analysiere diese Stellenausschreibung und hol mir die wichtigsten Keywords aus der Stellenausschreibung heraus und liste sie mir auf. Das ist mein Prompt. Und dann guckt er sich das an, das ist ja im Chat drin.
Dirk: Bitte nicht vergessen, das ist ja oben noch. Und wenn ich sage, die ist weiter oben, dann versteht das die KI. Und dann holt sie Keywords raus und dann fange ich an darüber nachzudenken: Bitte vergleiche meinen CV mit den Keywords, ob die da drin enthalten sind, und wenn nein, schlage Punkte vor, wo die Keywords gut passen. Und dann versenkt der quasi textuell in meinen CV diese Keywords.
Johannes: Okay, da waren jetzt ganz viele Aspekte in den zwei Sätzen, die du gesagt hast. Ne, ist super wichtig, aber es sind glaube ich wirklich super wichtig zu verstehen. Also erst mal nochmal eine Nachfrage zum Verständnis für mich: Sind wir im gleichen Chatverlauf immer noch drin? Ja? Okay, gut, das ist schon mal wichtig. Und dann hast du jetzt gesagt: Schlage mir etwas vor.
Johannes: Finde ich einen super wichtigen Hinweis, weil ein Fehler, den viele ja auch machen, ist es, direkt anpassen zu lassen manchmal. Es ist sehr wichtig in meiner Erfahrung, sich erst mal einen Vorschlag machen zu lassen, weil vielleicht überarbeitet es sonst meinen Lebenslauf mit Inhalten, die gar nicht zutreffend sind möglicherweise. Dirk: Genau, passiert schnell, ja.
Johannes: Und das ist schnell passiert und da muss ich ein bisschen aufpassen. Deswegen würde ich mir erst mal ein paar Vorschläge machen lassen und sagen: Ja, das kannst du übernehmen und das nicht oder so. Ganz wichtiger Punkt. Sorry fürs Unterbrechen, gerne fahr fort.
Dirk: Alles gut, und du hast ja auch genau den Finger in die Wunde gelegt. Jetzt muss ich ein bisschen meinen Kopf anschalten, ich muss halt durchlesen. Denn die KI, das hat man ja auch vielleicht schon mal mitgekriegt, manchmal erzählt die Quatsch. Und auch das, diese Grenzen von den Fähigkeiten der KI sind außerordentlich wichtig kennenzulernen und ein gesundes Misstrauen gegenüber den Ergebnissen zu erzeugen.
Dirk: Also da rate ich immer dazu: Lies das durch und wenn das nach Quatsch klingt, ist es wahrscheinlich Quatsch. Also die KI ist kein Per-se-Garant für tolle textuelle Dinge, sondern die kann wirklich Unsinn machen. Und das gilt eben auch … – ich hatte einen Fall und dann haben wir auch ähnlich, wir haben dann gesagt: Bitte mach mir eine Summary, meine persönliche Zusammenfassung über diesen Menschen, und da hat die KI behauptet: Die hat Informatik studiert. Und da habe ich meinen Coachee angeguckt, die Dame: Du hast doch nie Informatik studiert? Und dann sage ich: Okay, liebe KI, die Person hat nie Informatik studiert.
Dirk: Sagt die KI: Oh, sorry, Entschuldigung, hier hast du den neuen Text. Und da behauptet sie immer noch, dass sie Informatik studiert hat. Und dann habe ich es noch mal korrigiert und dann hat die ein drittes Mal darauf bestanden, dass die Dame Informatik studiert hat.
Johannes: Ja, also die KI ist frech und, um das Bild noch mal aufzugreifen, das fand ich sehr schön: Du hast ja am Anfang von diesem Assistenten gesprochen, der gerade frisch von der Uni kommt. Das ist ja ein hochbegabter Assistent. Das muss man vielleicht auch noch dazu sagen, der wirklich unglaublich Potenzial hat und dann aber auch so ein kleines Münchhausen-Anteil hat und manchmal ein bisschen ins Blaue hinein fantasiert.
Johannes: Und da müssen wir eben so als letzte Instanz stehen. Und ich denke, das ist ein ganz wichtiger Punkt, den du ansprichst, also die Grenzen auch zu verstehen. Das heißt, eine Grenze, die du jetzt gerade beschrieben hast, ist dieses Wahrheitsthema, also dass ich wirklich am Ende filtern muss: Was stimmt jetzt hier wirklich? Gibt‘s denn noch andere Grenzen, die dir einfallen, wo du denkst, wo man noch drauf achten könnte?
Dirk: Natürlich würde ich persönlich drauf achten: Ich kann ja nicht einfach die Keywords aus einer Stellenausschreibung oder aus der Analyse der Website herausnehmen und in meinem CV versenken, irgendwo. Und dann passiert folgender Effekt, der ist auch eigentlich außerordentlich unglücklich: Das bekommt eine aufzählerische Note, die so dramatisch sichtbar ist, dass man sie nicht benutzen kann. Also man schreibt dann Texte, wo nur noch Keywords aneinandergereiht werden durch Kommasätze.
Dirk: Und das ist so offensichtlich, was ich da tue, dass es nicht mehr … und dann sagt jeder: Hach, hättste dir nicht ein bissl Mühe geben können, anstatt einfach nur die Worte aufzulisten. Also die Formulierung muss ich nachbearbeiten. Dann muss ich natürlich gucken: Stimmt das für mich, denn wenn ich da was behaupte – also lügen geht gar nicht im CV oder in Bewerbungsgesprächen, also No-Go. Wenn das gemerkt wird, ist man sofort raus. Also muss ich gucken, ob das zu mir passt.
Johannes: Hm, okay. Dirk: Immer vorsichtig sein, wach sein, aber dadurch bin ich immer noch viel, viel schneller als vorher.
Johannes: Genau. Also das, was du jetzt beschrieben hast, sage ich mal, selbst wenn ich das zum ersten Mal mache, also dieses ganze Prozedere, was wir jetzt besprochen haben, Anschreiben und Lebenslauf, wenn ich das sorgfältig mache, mit Prüfen und so weiter, dann brauche ich ja dafür trotzdem nur, keine Ahnung, ein, zwei Stunden im Vergleich zu sechs Stunden, die ich vorher dafür gebraucht hätte, wenn ich es richtig gut machen will.
Dirk: Zumal wenn ich das das erste Mal habe, dann habe ich ja so ein Word-Dokument, da ist mein CV drin, da ist alles drin als Grundlage. Das kopiere ich dann einfach nur noch rüber, wenn ich’s einmal hab. Also wenn ich so ein Webinar halte und eben diese Kette einfach mal zeige, die man so durchlaufen kann, und dann sage ich am Schluss immer zu meinen Zuhörern: So, und das Ganze hätte ich jetzt auch in zwei Minuten machen können statt in anderthalb Stunden. Ich kopier einfach rein und dann läuft das Ding durch.
Johannes: Ich gucke gerade so ein bisschen auf die Zeit und wir sind schon ziemlich tief in der Folge. Aber ich würde trotzdem – es ist mir so eine Herzensangelegenheit – noch mal zwei Worte zu sagen zum Thema Initiativbewerbung. Weil wir haben jetzt eigentlich vor allem über den offenen Arbeitsmarkt gesprochen mit ausgeschriebenen Stellen. Es gibt aber natürlich sehr viele Leute auch, die sich initiativ bewerben und auf den verdeckten Arbeitsmarkt sich bewerben wollen vielleicht.
Johannes: Kannst du noch mal vielleicht einen Satz, zwei Sätze sagen zum Thema Initiativbewerbung, gerade wenn‘s ums Anschreiben geht, weil ich denke, da ist es besonders relevant.
Dirk: Auch hier benutze ich die KI, natürlich. Und zwar, wenn ich die Bezahl-Version habe, kann ich ins Internet gehen. Das heißt etwas, was ich tue, wenn ich ein Unternehmen identifiziert habe, wo ich sage: Oh, das finde ich spannend, da will ich hin, da möchte ich mich bewerben, aber die haben keine Stelle gerade, dann lasse ich die KI die Website analysieren und daraus Keywords holen zum Beispiel.
Dirk: Und während Motivationsschreiben mal nicht mehr so oft gerne gesehen werden, manchmal werden sie gar nicht mehr gefordert, ist bei einer Initiativbewerbung ein Anschreiben dringend notwendig. Genauso wie bei einem Quereinstieg. Ich muss argumentieren, warum ich ausm Nichts heraus unbedingt bei diesem Unternehmen arbeiten will, und das ist eine ganz andere Motivation. Und in meinem Gefühl ist es eher so: Das kann ich vorbereiten.
Dirk: Und wenn ich meine eigenen Ziele mal formuliere, also das ist Teil unserer Coaching-Arbeit, dass ich aufschreibe: Was willst du eigentlich, was ist das Ziel? Das kann man die KI nicht fragen. Das machen wir als Coaches mit unseren Coachees. Und dann formulieren wir das, was wir vorher erarbeitet haben, und sagen: Okay, ich möchte mich auf dieses Unternehmen bewerben. Nimm meinen CV, vergleiche es mit diesem Unternehmen und hol mal raus, wo ich super gut in das Unternehmen passe. Und dann versenke in diesen Text meine Wünsche und formuliere daraus einen Text.
Dirk: Auch das kann man einfach gut vorbereiten. Das ist, wenn man es einmal hat, wie gesagt, dieses „Das sind meine Ziele“, dann kann ich das immer wieder benutzen. Und dann: super Text, ja.
Johannes: Ja, finde ich super. Ich würde noch ergänzen, womit ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe, ist das Thema Werte auch noch mal aufzugreifen, also was sind die Werte des Unternehmens und was sind meine Werte und wo findest du da ein Match? Bitte beschreib das möglichst klar. Das ist ja ein riesen Motivationsfaktor, also wenn ich das Gefühl habe, die haben eine Mission, wo ich dabei sein will und wo ich mich mit identifiziere, das ist ja ein ganz starkes Argument für eine Initiativbewerbung.
Dirk: Absolut. Johannes: Als kleine Ergänzung. Dirk, vielen, vielen Dank. Ich finde, das war super gehaltvoll und sehr konkret auch tatsächlich. Gibt es noch irgendwas, was du gerne zu dem Thema Bewerben mit ChatGPT hinzufügen möchtest, was offen geblieben ist? Dirk: Ich spreche immer den Mut zu: Probiert‘s aus, spielt damit, spielt damit, probiert es aus! Je mehr ihr das Ding benutzt, desto mehr gute Ergebnisse bekommt ihr. Das kann ich nur raten. Machen!
Johannes: Okay, ich glaube, das ist rübergekommen heute über die ganze Folge. Dirk, ich danke dir ganz herzlich für deine Expertise, für all die guten Tipps, die du uns gegeben hast, und dass du dieses ja wirklich komplexe Thema so konstruktiv und positiv eingeordnet hast für uns. Vielen, vielen Dank! Dirk: Vielen Dank für die Einladung.
Johannes: Dir hat diese Folge gefallen? Du bewirbst sich gerade mit KI oder brauchst dabei Unterstützung? Du kennst andere Leute, die vielleicht davon profitieren würden, mehr über das Thema ChatGPT in der Bewerbung zu wissen? Dann empfiehl die Folge gerne weiter, teil sie auf Social Media. Du findest COACHGEFLÜSTER auf allen bekannten Podcast-Plattformen. Dort kannst du uns auch eine Rezension schreiben oder uns bewerten.
Johannes: Vielen Dank dafür. Du findest uns natürlich auch auf LinkedIn, Instagram, Facebook und natürlich auf inqua-institut.de/podcast. COACHGEFLÜSTER ist eine Produktion des INQUA-Instituts für Coaching in Zusammenarbeit mit Studio News'n'Arts. Produktion und Redaktion: Judith Jensen und Johannes Junker. Musik: Jonathan Boyle.
