Didi Drobna, Autorin - podcast episode cover

Didi Drobna, Autorin

Oct 09, 202553 min
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Summary

Didi Drobna teilt persönliche Einblicke in ihre Migrationsgeschichte und die Entstehung ihres vierten Romans "Ostblockherz", der autobiografisch ihre Erfahrungen als "älteste Einwanderertochter" schildert. Sie thematisiert die Abwertung von Eltern in der Migration, die Herausforderungen des Spracherwerbs und die Suche nach Identität zwischen zwei Kulturen. Das Gespräch beleuchtet auch familiäre Dynamiken, die Rolle des Vaters und die einzigartigen Stärken, die durch solche Erfahrungen entstehen.

Episode description

„Ostblockherz“ – so heisst das jüngste Buch der aus Bratislava stammenden österreichischen Schriftstellerin Didi Drobna. Sie wurde 1988 in Bratislava geboren, seit 1993 die Hauptstadt und größte Stadt der Slowakischen Republik und nur 80 km von Wien entfernt. Zwischen diesen 80 km lagen bis 1989/90 Welten. Und diese Welten wollten Didi Drobnas Eltern überwinden. Sie eine Absolventin und Lehrerin an der Wirtschaftsuniversität, er ein Flugzeug-Ingenieur. Sie verliessen ihre Heimat, um in Wien, in Österreich eine bessere Zukunft zu finden. Auch wenn der Vater kaum Arbeit fand und die Mutter sich durchkämpfen musste. Didi war drei als sie nach Österreich kam – ohne deutsche Sprache, ohne Großeltern, Cousinen und Cousins. Sie lernte schnell Deutsch und fing im Alter von Sieben Jahren an zu schreiben. Ostblockherz ist ihr vierter Roman und der erste über sich und ihre Integrationsgeschichte. Eine Eigenproduktion des ORF, gesendet auf Ö1 am 9.10.2025.

Transcript

Vorstellung der Autorin Didi Drobna

ORF Sound Im Gespräch Eine Sendereihe von Renata Schmidkunz Der ich, Nina Strehlein, heute meine Stimme leie, weil ihre Stimme seit einer Woche versagt. Ostblockherz – so heißt das jüngste Buch der aus Bratislava stammenden österreichischen Schriftstellerin Didi Drobner. Didi Trobner wurde 1988 in Bratislava geboren, einer Stadt, die einst zum Habsburger Reich gehörte und damals Pressburg hieß.

Bratislava ist seit 1993 die Hauptstadt und größte Stadt der Slowakischen Republik und die viertgrößte aller Städte an der Donau. Und sie ist nur 80 Kilometer von Wien entfernt. Zwischen diesen 80 Kilometern lagen bis 1989-90 Welten. Und diese Welten wollten die die Drobners Eltern überwinden. Sie, eine Absolventin und Lehrerin an der Wirtschaftsuniversität, er, ein Flugzeugingenieur. Sie verließen ihre Heimat, um in Wien, in Österreich, eine bessere Zukunft zu finden.

Auch wenn der Vater kaum Arbeit fand und die Mutter sich durchkämpfen musste. Didi war drei, als sie nach Österreich kam, ohne deutsche Sprache, ohne Großeltern, Cousinen oder Cousins. Sie lernte schnell Deutsch und fing im Alter von sieben Jahren an zu schreiben. Kleine Geschichten, Fantasiegeschichten, so wie sie es in Wien in der Schule lernte und wie es in ihrer Geburtsheimat nicht üblich war.

Didi Drogner studierte Kommunikationswissenschaft und Germanistik an der Universität Wien und Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst. Sie arbeitet als Öffentlichkeitsmanagerin in der IT-Branche. Das ist die eine Erfolgsgeschichte.

Und die andere Erfolgsgeschichte sind die drei Romane, die seit 2014 erschienen sind. Der erste Roman Zwischen Schaumstoff erschien in der Edition Exil bei der großartigen Christa Stippinger, die viele Literaten mit sogenanntem migrantischen Hintergrund publizierte. Die zwei folgenden schon bei Pieper in München, so auch der Neue. Anders als in den anderen Romanen schreibt Didi Drobner nun von sich und der Integrationsgeschichte ihrer Familie.

Sie stellt sich Fragen wie, was an mir bin ich und was an mir ist das Ergebnis meiner Migration? Didi ist eine von den vielen Eldest Immigrant Daughters, diesen erstgeborenen Töchtern. die alles schaffen müssen. Hören Sie nun Renata Schmidkunz im Gespräch mit der slowakisch-österreichischen Schriftstellerin Didi Drobner. Didi Drobner, herzlich willkommen im Ö1-Haus hier auf dem Königlberg in Wien im ORF-Zentrum. Bevor wir jetzt in Medias Res gehen, möchte ich Sie fragen.

Autobiografischer Roman Ostblockherz

Welchen Namen kürzen Sie mit Didi ab oder ist das ein Geheimnis, das unter Verschluss bleibt? Didi Tropner ist die Schriftstellerin und unter dem anderen Vornamen lebe ich mein normales Leben.

Es ist ja immer wichtig, klarzustellen, dass es eben diese Trennung gibt zwischen der Schriftstellerin und den Protagonistinnen. Und das Interessante ist, dass in ihrem neuen Roman, der hier vor mir liegt, Ostblockherz natürlich auch diese Grenze zwischen der Schriftstellerin und der Protagonistin ist, auch wenn vieles, frage ich Sie jetzt, in der Protagonistin, die Didi enthält.

Ja, dieser Roman ist komplett autobiografisch. Also das bin wirklich ich. Das ist natürlich literarisch ein bisschen verknappt oder beschleunigt oder ein bisschen eleganter beschrieben. Aber im Grunde ist das alles genauso passiert. Das ist eine wahre Geschichte. Dieser Roman, es ist ihr vierter, heißt also Ostblock Herz. Und ich muss gestehen, dass mich dieser Titel sehr berührt hat, weil ja im Block und im Herzen und im Osten auch viele...

negative Konnotationen drin sind und auch etwas Verschlossenes und eine Grenze und etwas Unbewegliches. Und dann habe ich beim Pipa Verlag angerufen, Frau Truppner. Tatsächlich, okay. Ich habe gesagt, schicken Sie mir doch bitte dieses Buch. Und als es dann ankam und ich das auspackte, da war ich schon wieder total berührt. Und Sie wissen wahrscheinlich, warum. Nein, warum? Wegen dem Foto vorne drauf.

Das Cover zieht das Foto eines kleinen Mädchens mit einer lustigen Haarfrisur. Da ist so ein Dutt da oben rauf gesteckt, in einem blau gestreiften, kurzarmigen Poloshirt. Die Arme sind vor dem Oberkörper verschränkt. Und die Augen sind kampflustig auf die Zuschauerin oder die Anschauerin, besser gesagt, gerichtet. Dieses kleine Mädchen beeindruckt mich in ihrer Stärke und in ihrer Überforderung, die ich auch spüre. Und jetzt meine Frage an Sie.

Haben Sie sich denn in Ihrer Kindheit so gefühlt mit dieser Stärke und der gleichzeitigen Verletzlichkeit und Bedürftigkeit, die aber irgendwie hinter der starken kleinen Person in den Hintergrund tritt? Ja, das ist eigentlich eine gute Analyse dieses Fotos. Ich bin ganz beeindruckt, was Sie hier ablesen an dieser einfachen Aufnahme aus meiner Kindheit. Das bin tatsächlich ich. Ja, doch, ich würde sagen...

Ich habe mich als Kind oft sehr stark gefühlt, weil mir das von meinen Eltern so mitgegeben wurde. Sie haben das sehr in mir gefördert, dass ich selbstbewusst bin, dass ich... den Zug aufs Tor immer im Blick habe. Gleichzeitig waren natürlich aber auch die vielen Erlebnisse, die ich im Zuge unserer Migration erlebt habe, natürlich auch sehr überfordernd. Und auch dieses Wandern in den Westen, das Auswandern.

eine neue Kultur und das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen, das war natürlich auch ein großer Balanceakt, der mich oft mit vielen Fragen und auch Überforderung zurückgelassen hat. Aber können wir auch über die Stärke sprechen? Diese Fotoaufnahme ist so eine ganz klassische Szene aus meiner Kindheit gewesen. Deswegen habe ich das Foto auch ausgewählt. Ich mag es sehr gerne.

Es symbolisiert für mich recht viel, was mich als Mensch, glaube ich, ausmacht. Die Aufnahme wurde in Bratislava in der Slowakei gemacht, im Park hinter dem Präsidentenpalast. Das ist ein öffentlich zugänglicher Park. der in den frühen 90ern relativ naturbelassen und wild war. Es gab viele große alte Bäume, auf denen ständig zig Kinder herumgeklettert sind. Mein Vater hat mich dort oft hinbegleitet, damit ich in Ruhe spielen kann.

Und hat auch oft seine Fotokamera mitgenommen. Das war ja damals der neueste Schrei, dass alle Männer sich diese großen Canon-Kameras gekauft haben und sich als Fotografen profiliert haben. Und mein Vater hat mich dann irgendwann auf eine Wiese gestellt, die Kamera auf mich gerichtet und hat gesagt, lächle schön.

Schaulieb. Das war so ein klassischer Spruch, den viele junge Mädchen in dieser Zeit gehört haben. Ich glaube, vor allem die zuhörenden Frauen werden das nachvollziehen können. Und ich habe das auf meine Art gelöst. Ich habe zwar getan, was er gesagt hat.

aber äußerst widerwillig mit den verschränkten Armen. Ich habe zwar irgendwie gelächelt, aber gleichzeitig dieser renitente, widerspenstige Blick und das hat er eben auf Bild eingefangen und ich fand das sehr passend für diesen Text. Und haben Sie dieses Bild... als Cover ausgewählt, als Sie mit dem Romanschreiben begannen? Ja, das war für mich von Anfang an klar, dass ich dieses Foto draufhaben möchte. Und ich war da auch beim Verlag.

bereit, auf die Barrikaden zu steigen. Also sonst ist die Cover-Auswahl ja auch immer ein Dialog. Was möchte der Autor, die Autorin? Was möchte der Verlag? Aber hier war mir klar, das muss und das wird. Und so war es dann auch. Und wenn man so möchte, ist dieses...

Cover mit diesem Foto natürlich auch ein roter Faden, der durch das Buch geht. Und ich gestehe, dass die Entscheidung, sie einzuladen mit ihrem Buch, aufgrund dieses Fotos passiert ist. Weil ich mir gedacht habe, ein Kind, das so guckt, das hat auch was zu erzählen. Ich nehme es als Kompliment, danke. Ostblockherz, ich habe schon gesagt, ist Ihr vierter Roman.

Ich sage mal 2014 zwischen Schaumstoff, übrigens von Christa Stippinger, Edition Exil herausgegeben, die viele, viele, viele junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller gefördert hat. Und es sei an dieser Stelle mal ganz laut gesagt, danke Christa Stippinger. 2018, als die Kirche den Fluss überquerte, auch eine Familiengeschichte, die, wenn man nun Ostblockherz gelesen hat, sich auch verständlich macht einem.

Und 2021, interessant für mich, was uns bleibt, ein Roman, eine literarische Verarbeitung der Arbeit von Freiwilligen und Zwangsarbeiterinnen in einem Außenlager von Mauthausen. Wie lange?

Der Weg zum autobiografischen Schreiben

Frau Drupner, mussten Sie sich eigentlich bis zu Ihrer eigenen Geschichte durchschreiben? Ja, Sie erwischen mich hier eiskalt. Ich hätte nicht gedacht, dass das hier so eine intensive Therapiestunde wird. Aber ja, ich musste drei Romane schreiben, bis ich so weit war, dass ich mir dachte, okay, jetzt bin ich bereit. Ich wollte das nie. Ich wollte mich nie mit meiner Vergangenheit auseinandersetzen.

Das ist, glaube ich, auch so ein ganz klassisches Symptom von Menschen mit Migrationshintergrund. Wenn man in ein neues Land kommt und vielleicht sogar ein Land, das einen nicht gleich willkommen heißt, sage ich einmal. dann bekommt man sehr schnell mit, dass es möglichst gut ist, wenn man alles ablegt, mit dem man gekommen ist. Dass man sich anpasst, dass man aufgeht in der neuen Kultur, in der neuen Sprache und sich eine neue Identität findet. Und das habe ich auch gemacht.

Und ich bin auch froh drum und das ist auch wunderbar, aber gleichzeitig habe ich auch recht viele Teile von mir selber, glaube ich, in eine dunkle Ecke gestellt und habe dann nicht mehr genau hinschauen wollen. Und wie man sich wohl denken kann, arbeitet das dann irgendwann sehr, sehr lange in einem.

Alles muss irgendwann raus und alles muss irgendwann hoch. Und mit Mitte 30 habe ich mir dann auch gedacht, ich glaube, ich bin jetzt auch handwerklich als Schriftstellerin, aber auch menschlich, emotional so weit, dass ich diese beiden Dinge... gewinnbringend zusammenbringen kann. Und ich wollte meine Geschichte auf eine Art niederschreiben, die berührend, aber auch lustig ist und die sehr nahbar ist. Und dem habe ich mich auch wirklich erst jetzt gewachsen gefühlt.

Es ist die Geschichte ihrer eigenen Kindheit und Jugend zwischen 1991, da kamen sie als dreijähriges Kind nach Österreich und mehr oder weniger heute. Und für mich ist es eine Geschichte, die auf so vielen Ebenen... ganz schnell etwas anzeigt, was so ein Leben ausmacht. Also es ist eine innerfamiliäre Geschichte, der patriarchale Vater, unterschätzte Bildungsbiografie der Eltern und so weiter. Und es ist aber auch eine allgemeine Geschichte.

Geschichte über innereuropäischen Rassismus, Ausbeuten der Arbeitsmärkte, den Verlust von Ideologie, Bildungsprinzipien hier und dort, Sprache, Zugehörigkeit etc. fangen wir mit diesen innerfamiliären Aspekten an.

Familiendynamik und Migrationseinfluss

Wie viel von dem, was in der Familie passiert, ist geschuldet dem Charakter der Menschen, die in dieser Familie zusammenkommen? Und wie viel ist der Migrationsgeschichte geschuldet? Ja, das ist eine spannende Frage.

Ich fange mal vielleicht bei meinem Vater an. In dem Roman geht es ganz viel um meinen Vater und meine Beziehung zu ihm. Meine Erfahrung jetzt bei Lesungen auch und auch nach der Veröffentlichung des Buches und in den Gesprächen mit den Lesern und Leserinnen ist, Diese Figur des Vaters irrsinnig resoniert in den Menschen.

und ganz ein breites Publikum anspricht. In welcher Form? Resoniert? Positiv, negativ? Sehr positiv. Also ich kriege unfassbar viele Zuschriften. Damit habe ich gar nicht gerechnet. Also die Menschen sind so angefasst und so berührt davon. Wir alle haben Väter. Wir alle kennen diese eng verschnürten Männer, die sich schwer tun, mit ihren eigenen Emotionen und oftmals auch mit ihrer eigenen Familie in Kontakt zu kommen. Das ist jetzt gar kein Migrationsthema. Das ist, glaube ich, auch ein Thema.

einer bestimmten Zeit, einer bestimmten Generation, einer bestimmten Sozialisierung, vielleicht auch Geschlechterrollen, Geschlechterstereotype. Und da haben sich sehr, sehr viele Menschen wiedergefunden in diesen zwei Figuren des Kindes und des Vaters, vor allem dieses Kindes, das immer

zum Vater drängt, den Kontakt sucht, die Verbindung sucht und es herrscht aber irgendeine unüberbrückbare Sprachlosigkeit. Ich glaube, das ist eine sehr universelle Erfahrung, die sehr viele Menschen von uns gemacht haben. Und bei mir, in meiner Familie, spielte dann obendrauf noch...

diese Migration mit, die in den Topf dann noch einmal ganz viele andere Variablen reingeschmissen hat, die das, ich würde sagen, ein bisschen komplizierter ausfallen ließ. Wobei man muss sagen, dass der Vater einerseits so zugeschlossen ist, aber auf der anderen Seite sich auch herausfordern lässt von dem kleinen Mädchen und dann später größeren Mädchen und junger Frau, die ihn auch wirklich so angeht und sagt, sag was, tu was, red mit mir.

Ich sehe den Vater genauer als die Mutter und das geht Ihnen auch so, das wollten Sie so zeigen? Genau, das war beabsichtigt. Der Fokus lag hier auf der Vater-Tochter-Beziehung. Ein Vater, der mit seiner Bildungsbiografie in Österreich nicht... anschließen konnte. Wie viele aus dem europäischen Osten gut ausgebildet? Flugzeugmechaniker, ist ja nicht nix. Maschinenbauer. Maschinenbauer. Diplomingenieur.

Meine Mama hat Wirtschaft studiert und hat in der Tschechoslowakei und dann in der Slowakei an der Wirtschaftsuniversität unterrichtet. Hier haben sie beide ganz andere Dinge gemacht, ganz andere Arbeiten verrichtet. Also wenn man das heranwachsend weiß, dass die Eltern eigentlich hochqualifiziert sind und diese Erfahrungen machen ja viele Flüchtlingskinder. Ich denke jetzt mal an die vielen Menschen, die aus dem Nahen Osten zum Beispiel nach Europa kamen, die Syrer und auch Afrikaner.

Menschen, die ihre Eltern in guten Positionen gesehen haben und vielleicht auch sogar Geld hatten, die kommen jetzt hierher und werden abgewertet.

Abwertung und Widerstandsfähigkeit der Eltern

Wie ist denn das Kind und Sie auch aus der heutigen Sicht, Frau Drobner, mit dieser Abwertung der Eltern umgegangen? Ja, das ist natürlich sehr schmerzhaft, das zu sehen. um zu erleben. Was die Bildung angeht, haben meine Eltern einen unfassbaren Furor gehabt, mir auch aus ihrer eigenen Biografie und ihren eigenen Erfahrungen mitzugeben, dass Bildung irrsinnig wichtig ist. Aber sie wussten gleichzeitig, dass eine Bildung

bestimmte Bildung aus einem bestimmten Land besonders wichtig ist, weil sie eben erfahren haben und erlebt haben, dass ihre eigene Bildung aus dem ehemaligen Ostblock hier nichts wert war. Und das war ja das Paradoxe. Und wenn man auch heute die Nachrichten aufschlägt oder in den Fernseher schaut.

Es vergeht keine Woche, wo nicht irgendein Politiker, eine Politikerin händerringend nach qualifiziertem Zuzug fleht, bittet und dann kommen diese Leute und sie werden jahrzehntelang übersehen. Also diese Probleme, die meine Familie, meine Eltern erlebt haben.

die bestehen ja auch noch heute auf eine bestimmte Art und das ist irrsinnig schade. Es ist schade um die Arbeitskraft, aber es ist auch schade um die Menschen dahinter, die hier sehr abgewertet werden und die in der Abwertung dann auch irgendwie in Deckung gehen. Meine Mutter war sehr resilient, wie viele Frauen oft. Und sie hat sich eine neue Karriere gefunden und aufgebaut. Aber sie musste wieder bei null anfangen. Und mein Vater...

Den hat er sehr zerrüttet. Wie viele Männer hat er natürlich sich stark identifiziert über diese ökonomische Versorgerrolle, über seine Arbeitskraft und auch seine körperliche Kraft. Er hat dann nicht so viele andere Rollen für sich gesehen. Er hat dann in unserer Familie aber sehr rasch die Sorgearbeit übernommen. Also er hat sich dann sehr viel mehr um mich und meinen Bruder gekümmert. Meine Mama war dann eben die Versorgerin im wirtschaftlichen Sinne. Die die Brötchen nach Hause brachte.

Und mein Vater hat diese Versorgerrolle in der Familie übernommen und hat das auch gut gemacht im Rahmen seiner Möglichkeiten, aber letztendlich zufrieden war damit nicht. Also er ist da eher reingerutscht. Ich habe auch noch sehr, sehr viele Erinnerungen an meine Kindergartenzeit und Schulzeit, immer wenn er mich abgeholt hat oder hingebracht hat.

Auf ganz weiten Flur war er der einzige Mann. Und auf ganz weiten Flur war er der einzige migrantische Vater. Also das muss man sich auch vor Augen erhalten, dass er da wirklich komplett alleine war und nirgends sozial andocken konnte. Und dass für ihn auch sicher einer...

sinnige Einsamkeit bedeutet hat. Jetzt ist aber die Frage, die empfinde ich das als Kind als positiv und bin stolz auf meinen Vater, dass er der einzige Vater ist, der mich in den Kindergarten bringt oder übernehme ich die vielleicht Selbstabwertung des Vaters in diesem Akt und schäme mich dafür.

Kindliche Wahrnehmung und Schreibprozess

Beschämt würde ich nicht sagen, aber ich habe sehr stark mitbekommen, wie die Umwelt darauf reagiert. Und die Umwelt hat das damals nicht als besonders positiv wahrgenommen. Auch die anderen Mütter, auch die Lehrerinnen. Das war einfach ein Ausreißer und das wurde nicht unbedingt gut geheißen. Deswegen war das für mich als Kind auch ein Irritationsmoment, aber diese ganzen Nuancen konnte ich natürlich als Kind nicht begreifen.

Ich wollte dazugehören. Die Eltern haben mir auch den Auftrag gegeben, streng dich an, so viel du kannst, damit du so rasch wie möglich dazugehörst. Und dementsprechend habe ich immer alles dafür getan, so rasch wie möglich dazuzugehören. und habe über andere Dinge gar nicht so viel nachdenken können. Da war gar keine Zeit dafür. Ich zitiere nur mal ganz, ganz schnell zwei Sätze aus ihrem Roman. Deswegen hat man jetzt meine Papierchen hier.

Ein Satz ist, im Westen zu sein, war anstrengend. Und der zweite Satz, ganz wichtig, wollte ich erst später bringen, aber passt jetzt auch. Kulturen und Sprachen werden unterschiedlich bewertet. Das habe ich sehr früh gelernt. Ja, absolut. Also da habe ich Erinnerungen an ganz frühe Kindergartentage. Ich bin in Wien-Währing in einen Kindergarten gegangen und habe sehr positive Erinnerungen daran. Also das war schon eine sehr schöne Zeit. Ich habe das genossen und wurde dort auch sehr gefördert.

Ich habe... da auch aus nächster Nähe mitbekommen, dass es natürlich die guten Ausländer gab und die schlechten Ausländer. Und das war entlang eines Koordinatensystems, das über Europa oder über die Welt gelegt wurde. Und alles aus dem Osten und dem Süden war schlecht. schlechter und alles aus dem Norden und dem Westen war gut. Im Roman erwähne ich da zum Beispiel die französischen Diplomatinnen-Töchter mit den schönen blonden Zöpfen, die

in unfassbar dicken Akzent gesprochen haben, aber es haben alle nur entzückt die Hände darüber zusammengeschlagen, mal wie lieb und toll und schön und Französisch, so eine schöne Sprache. Aber in meiner Kindergartenklasse war ein Junge aus Ägypten.

der auch einen Akzent hatte, der sich auch bemüht hat. Und da war aber niemand entzückt. Er wurde ständig kritisiert und hat von Anfang an auch spüren müssen, dass ihm da auch Stereotype und Vorurteile zugeschrieben wurden. Und bei mir war das auch so.

früh mitbekommen, dass das, was ich mache, nicht gleich viel wert ist, wie das, was andere machen. Und als Kind kann man das nicht verstehen, begreift aber, irgendwas stimmt hier nicht und dann legt man es leider auf sich selber um und denkt, irgendwas stimmt mit mir nicht. Das ist das Interessante an Ihrem Buch, dass Sie das schaffen in einer sehr interessanten Art und Weise, die einen nicht an der Schulter krallt, wissen Sie? Diese Frage, was ist meine Identität?

Bin ich die von außen Beobachtete und Bewertete oder bin ich die von innen Bewertete? Und dieses Inneren war aber auch schwierig. Wie bei vielen Familien, auch das ist ja nichts Außergewöhnliches. Die Sprache, die sie finden, um das auszudrücken, das finde ich bewundernswert. Die ist sehr ziseliert, sehr genau und unpathetisch auch.

Ja, danke. Ich habe mir recht viel Mühe gegeben, diese Sprache zu finden. Es war aber auch für mich beim Schreiben nicht immer leicht, muss ich sagen. Es war ein langer Prozess und ich war auch erstaunt, wie viel... bei mir selber dann auch hochkam. Also es war mir bewusst, einen autobiografischen Roman zu schreiben, ist anders herausfordernd. Ich habe das früher immer sehr belächelt und dachte mir, ja, mein Gott, wenn mir nichts mehr einfällt, dann schreibe ich eben über mich selber.

Aber ich nehme alles zurück. Es ist wirklich sehr herausfordernd, auch handwerklich, muss ich sagen. Und es ist nicht immer angenehm, in der eigenen Vergangenheit zu graben und in den eigenen Wunden zu stöbern, was sich da finden lässt, sondern es kam schon recht viel hoch bei mir. Und das, was hier vorliegt, ist natürlich die schöne, schöne, saubere, geputzte Letztfassung. klarerweise. Aber es war auch bei mir ein Prozess zu dieser Sprache und dieser Reflexion vorzufinden.

Die Rolle der ältesten Einwanderertochter

Didi Drobna ist heute mein Gast. Sie hat das Buch Ostblock Herz geschrieben, im Pipa Verlag erschienen. Eine Geschichte einer familiären Migration von der Slowakei nach Österreich, nach Wien. Es ist auch die Geschichte einer Erstgeborenen. Und auch Erstgeborene haben ihre eigenen Problematiken. Es gibt dazu auch mittlerweile den soziologischen Begriff eldest immigrant daughters. Das ist wirklich der Terminus.

und den erwähnen sie auch in ihrem Roman. Und sie schreiben dann, ich war neun Jahre alt, als ich Mutter Nummer zwei und Elternteil Nummer drei wurde. Die Erstgeborene, die den Eltern helfen muss und die dem kleinen Bruder, der geboren wurde, als sie eben neun Jahre alt waren, mitversorgen musste. Was war für Sie der Vorteil an dieser Position und was war für Sie der Nachteil an dieser Position?

Der Vorteil ist, es hat mich irrsinnig gefordert und ich glaube, ich bin heute die beste Krisenmanagerin, die es gibt. Hätte ich ein Problem, Egal welche Natur, ich würde eine andere älteste Immigrant-Daughter um Hilfe fragen, weil ich wüsste, die ist mit allen Wassern gewaschen, die hat alles überlebt und durchgestanden und die wird sich zu helfen wissen.

Und das ist eine unfassbar gute Fähigkeit für alle Lebensbereiche und da bin ich auch sehr stolz drauf. Aber es kommt natürlich mit einem Preis. Also ich muss schon sagen, dass diese spezielle Rolle... die die ältesten Tochter in Migrationsfamilien übernehmen müssen, dass diese fordernd sind. Die sind auch sehr belastend. Man arbeitet als Übersetzerin.

als Vermittlerin, als Elternteil oft, ist sowieso Hoffnungsträgerin. Also es wird irrsinnig viel Hoffnung reingesteckt in diese erstgeborenen Töchter. Sie müssen es schaffen, sie müssen einen Aufstieg schaffen, nicht nur für sich, auch für alle.

nachkommenden Geschwister, weil der Erfolg dann auch daran gemessen wird. Also es reicht dann nicht, dass man sich gut um sich selbst kümmert und für sich selbst eine soziale Mobilität nach oben schafft, sondern man muss das auch den Geschwistern ermöglichen. Und das ist sehr, sehr viel und das verlangt einem irrsinnig viel ab. Und gleichzeitig ist man aber als Kind ja gar nicht fähig, darüber zu reflektieren, wie arg und wie heftig das alles ist.

Diese Rollenumkehr von Eltern, Kind, das ist ja auch ein psychologischer Vorgang, der nennt sich Parentifizierung, wo eben die Rollen ein bisschen getauscht werden, weil die Eltern auch selber so belastet sind in diesem existenziellen Überlebenskampf.

dass sie natürlich unweigerlich, vielleicht wollen sie das auch gar nicht, auf das Kind oder auch die weiteren Kinder zurückgreifen und sich versuchen, auf sie zu stützen. Und warum passiert das? Man darf ja nicht vergessen, dass bei einer Migration... Dieses berühmte Dorf, das es braucht, um ein Kind großzuziehen, das wird ja in der Heimat zurückgelassen.

Wir sind nach Österreich gekommen und kannten überhaupt niemanden. Es gab kein Internet, man konnte sich mit niemandem vernetzen. Es gab keine Handys, man konnte nicht einfach super kurzfristig und toll die Oma anrufen. Hallo, wie geht's dir? Tröste mich ein bisschen, ich fühle mich... einsam, das gab es alles nicht. Und ich habe immer so ein Bild vor Augen gehabt, dass meine Eltern und ich, wir waren so drei kleine, einsame Mäuse in Wien und haben unser Bestes gegeben, uns da durchzuschlagen.

Einsamkeit und das Fehlen von Selbstverständlichkeiten

Und das Paradoxe ist, wenn man dann aber mal zurückkommt in die Heimat, dann ist ja trotzdem auch da eine Distanz. zu den Verwandten, zu den Freundinnen, weil die glauben, man hat es ja jetzt in den Westen geschafft und dort fliegen einem die gebackenen Tauben in den Mund und man hat den Reichtum und man hat den Wohlstand und man hat die soziale Sicherheit.

Im besten Fall hat man das geschafft oder im besten Fall hat man es ein bisschen geschafft, aber so ist es natürlich nicht. Dieser Preis, den die Migration und ein Neuanfang... der wird halt oft nicht gesehen, weder zu Hause noch in dem neuen Land, wo man sich befindet und am Ende bleibt, dass man so einsam herumgeistert und das ist irrsinnig schwer und anstrengend und darüber spricht irgendwie niemand.

Ganz berührend in Ihrem Buch eine Szene. Sie wurden als kleines Mädchen schon immer wieder an den Wochenenden auch nach Bratislava gebracht, um dort auch in die Schule zu gehen, damit Sie ihr Slowakisch nicht vergessen. Und da lernen Sie sehr schnell. dass sie nirgendwo dazugehören, nicht dort und nicht da. Aber sie lernen auch, dass die Bildung so unterschiedlich ist und dass sie, selbst wenn sie noch alles ganz gut machen, es nie so einfach haben werden.

wie die Kinder im Westen. Also dass sozusagen auch ihre Anstrengung in dem neuen Land, und das passiert ja vielen migrantischen Menschen hier, auch die Anstrengung, die kann noch so hoch sein, in gewissen Schichten oder zu gewissen Sachen kommt man nicht dahin. Und das haben sie früh gelernt. Ja, absolut. Ich glaube, ein wesentlicher Punkt ist da auch die Selbstverständlichkeit, dass einem Wege offen stehen.

In der Bildung, aber auch im Leben. Und diese Selbstverständlichkeit hat man in einer Familie mit Migrationsgeschichte einfach nicht. Das ist nämlich das Allererste, was man mitbekommt von den Eltern. Nichts ist selbstverständlich. Man muss sich alles erarbeiten und alles hängt nur... nur an dieser Leistungskraft. Das ist auch fatal, weil man sich daran komplett zugrunde richten kann. Und das ist ja auch oft ein Problem in migrantischen Communities, chronische Krankheiten.

Also das sind Leute, die wirklich jahrzehntehart arbeiten und in dem Moment, wo sie aufhören können zu arbeiten, oft an ihren Krankheiten zugrunde gehen, weil der Abfall von dieser existenziellen Verantwortung... Ohne den können Sie dann gar nicht mehr. Die migrantische Familie, Frau Drobner, ist auch eine Familie, die niemand fragt, wer sie ist. Niemand fragt, was denkst du. Niemand fragt, was hast du gelernt. Niemand fragt, was sind deine Werte. Niemand fragt, wovon träumst du.

Ja, das stimmt, ja.

Historischer Kontext: Der Prager Frühling

Da würde ich doch mal sagen, Sie bezeichnen das ja auch in Ihrem Roman so, dass Sie, obwohl das nur 30 Kilometer sind nach Bratislava oder 50, dass es doch eine ganz andere Kulturwelt ist. Das stimmt und das stimmt zugleich auch nicht. Also Bratislava und Wien sind ja die...

auch geografisch am nächsten gelegenen Hauptstädte weltweit und die kulturhistorische Geschichte Diese beiden Länder oder sagen wir mal diese beiden Städte, um es zu vereinfachen, ist ja sehr bunt und sehr eng und nur ein Beispiel dafür, wie eng man früher war. Also Habsburger Zeit ist schon ein Zeiterl her. Die Post wurde fünfmal am Tag zugestellt zwischen Wien und Bratislava. Und das zeigt diese Enge und diese Verbundenheit. Und dann irgendwann wurde diese unsichtbare Grenze, also symbolisch,

Natur, aber auch tatsächlich der eiserne Vorhang hochgezogen und Europa wurde in zwei Hälften getrennt, sage ich jetzt sehr vereinfachend. Da haben die beiden europäischen Hälften dann sehr unterschiedliche Entwicklungen durchgemacht. Vor allem auch, was das Wirtschaftliche und Politische angeht. Also im Westen gab es wirtschaftliches Wachstum, den Aufschwung, die Euphorie und im Osten.

Hinter dem eisernen Vorhang herrscht Resignation und das hat Europa bis heute geprägt. Also ich denke auch oft darüber nach, was zum Beispiel passiert wäre. Wenn der Prager Frühling nicht niedergeschlagen worden wäre, ist auch ein Kapitel im Buch, ist eine Erinnerung meines Vaters, als er selber jung war und wie er das erlebt hat. Und übrigens sehr interessant, weil da ihr Vater nun plötzlich mal in Saft geht und von sich erzählt.

Richtig, da kommt er selber zu Wort. Ganz lebendig. Da war er circa 16 oder 17 Jahre alt, hat gerade seine Ausbildung zum Flugzeugmechaniker gemacht. und wachte eines Morgens auf, weil das ganze Haus gebebt hat, sah aus dem Fenster und er blickte auf der Straße einem Panzer nach dem nächsten und marschierende Soldaten und hat nicht mehr gewusst, was los ist. Das waren die Sowjets, die einmarschiert sind, die eben den Prager Frühling...

niederschlagen wollten. Der Prager Frühling war ein, ich würde sagen, ein Freiheitsbegehren der Tschechoslowakei damals, 1968. Das war sehr aus einer studentischen Bewegung geprägt. Es ging wirklich darum, dass die Tschechoslowakei aus diesem ehemaligen Ostblock ausscheren wollte. Und sie wollte sich zum Westen hin orientieren. Und das wurde einfach eiskalt niedergeschlagen. Der Westen sah da relativ tatenlos zu.

Die Sowjets kamen, haben das Land innerhalb von 24 Stunden übernommen. Also da war auch keine Chance. Und die Tschechoslowakei wurde zurück in den Ostblock gezerrt. Und dann kam die große Normalisierung. Und das ist ja ein politischer Begriff. Es wurden Reformen zurückgerollt. Zensur wurde eingeführt, Pressefreiheit wurde beschränkt und die Russen haben das Land 20 Jahre lang besetzt. Das muss man sich ja auch vor Augen führen. Und es wurde einfach alles niedergeknüppelt. Und auch das...

war der Hintergrund, vor dem mein Vater aufgewachsen ist. Und ich muss sagen, ich bin zutiefst beeindruckt, dass er unter diesen Gegebenheiten geschafft hat, sich eine progressive, liberale Einstellung zu bewahren. Das war ja ein unfassbar autoritäres Regime, das dann alles niedergeknüppelt hat, was vom Mainstream abgewichen ist. Und ich bewundere ihn sehr, dass er zumindest im Geiste freigeblieben ist.

Die Motivation der Eltern zur Migration

Bevor wir über den Spracherwerb, den ich auch interessant finde, sprechen, möchte ich Sie nochmal nach dem genauen Grund der Migration Ihrer Eltern fragen, weil das haben wir noch gar nicht besprochen. Das war eher ein Gefühl. Nämlich das Gefühl von meiner Mama. Sie hatte eine Vision, sie hatte eine Idee für unsere Familie und sie hat irgendwie gespürt, obwohl sie nichts anderes kannte, sie ist ja auch in der Tschechoslowakei groß geworden, aber sie hat irgendwie...

dass es da draußen noch mehr geben muss. So hatte sie mir immer beschrieben. Und sie hatte den festen Willen, dass sie in den Westen möchte. Und als der eiserne Vorhang fiel und das dann auch endlich möglich war, ist sie wirklich... Tage darauf aufgebrochen, sie allein als Erster. Mein Papa und ich, wir blieben noch eine Zeit lang zurück und er hat sich um mich gekümmert und wir haben natürlich Dinge konsolidieren müssen.

haben gewartet, bis meine Mama Fuß fasst, bis sie natürlich irgendeine Art von Arbeit findet, irgendeine Art von Unterkunft. Und dann sind wir nachgekommen. Und es gibt auch diese Szene im Buch, wo... Ich ein Gespräch mit meiner Mama nacherzähle, das auch wirklich so passiert ist, da habe ich sie unlängst gefragt, woher sie das gewusst hat, woher sie dieses Vertrauen hatte, dass das klappen wird.

dass sie das einfach bringen kann, als junge Frau ohne Connections in den Westen einfach mal aufzubrechen und das durchzuziehen. Und sie hat relativ einfach und lapidar gesagt, ja, sie wusste es nicht, aber sie hat es gespürt. Sie hat gespürt, dass es da draußen noch mehr geben muss und dem ist sie gefolgt. Und dann hat sie auch noch einen Satz gesagt, dass der Papa...

zwar nicht unbedingt davon überzeugt war, sie aber gelassen hat. Und das war ein wesentlicher Beitrag von einem Ehemann für die damalige Zeit. Also es hätten ja noch viel mehr Frauen aufbrechen wollen, aber ihre Ehemänner haben sie nicht gelassen. Ich habe ein Zitat vorbereitet, das jetzt ganz, ganz gut dazu passt. Das schreiben Sie, ich lernte früh.

Dass Männer wüten und Frauen und Kinder in Sicherheit bringen, dass Väter grimmig und gefährlich sind und von ihrem eigenen Nachwuchs und ihren Ehefrauen wenig halten. Auf wen hat sich das bezogen? Auf Ihren Vater? Auch, ja. Würde ich schon sagen. Weil sie gesagt haben, er hat die Mutter gelassen. Ja, ich glaube, trotz der Differenzen, die sie natürlich auch hatten, wie es alle Eheleute eben haben.

hat er schon immer verstanden, dass sie die treibende Kraft ist hinter diesem Projekt. Also ihn selber hat es nicht so ins Ausland gezogen, aber er hat mitgemacht bei diesem Abenteuer, bei diesem Weg. Das spricht eigentlich auch dafür, dass er relativ progressiv eingestellt war im Vergleich zu anderen Männern seiner Zeit. Also man muss das natürlich auch im Kontext der Zeit und der Generationen betrachten. Heute erscheint das alles absurd, aber...

Damals gab es relativ strenge Hierarchien, auch in heterosexuellen Partnerschaften, in Familien und ganz oben stand natürlich immer der Mann, der Vater, der die Entscheidungen für die Familie getroffen hat. Das war so, ja.

Migration, Sprache und männliches Selbstwertgefühl

Wissen Sie, da habe ich mir gedacht, ist diese Erfahrung, die Sie da beschreiben mit dem grimmigen Vater, hat das vielleicht damit zu tun, dass das Selbstwertgefühl der Väter in der Migration so klein ist, dass sie dann grimmig werden. schon erwähnt und ich erwähne es nochmal, Frauen schaffen das leichter. Frauen packen einfach an. Ich kann mich erinnern an eine palästinensische Familie, die ich mal begleitet habe, eine Zeit lang, die bei der Diakonie untergebracht war.

Palästinenserin, er war Kuwaiter und war ein ganz berühmter Schriftsteller in seiner Heimat und kommt ohne Sprache nach Österreich. Er hat angefangen zu trinken. Die Eltern haben sich scheiden lassen. Die Frau hat ein Catering-Projekt aufgemacht und hat es geschafft. Also das kleine Selbstwertgefühl.

migrantischen Mannes. Das habe ich eigentlich aus diesem Satz, den ich jetzt zitiert habe, rausgelesen. Das heißt aber auch, dass Sie schon auf einer Reflexionsebene den geschrieben haben. Ich würde aber sagen, das kleine Selbstwert des Mannes. Also ich glaube... Wenn man die Männer in eine Situation der Migration setzt, hätten auch westliche Männer stark zu kämpfen.

Diese Erfahrungen, die mein Vater gemacht hat, die sind natürlich schwer zu schlucken. Also wenn man da so entwertet wird, da tut sich jeder schwer. Das ist ganz nachvollziehbar. Aber der wesentliche Unterschied zwischen den Geschlechtern ist in meiner Wahrnehmung, dass Frauen... von Haus aus sehr viel breiter aufgestellt sind und dadurch sind sie resilienter. Frauen haben viel mehr Rollen.

Und Frauen definieren ihren Wert nicht nur über die Arbeitskraft und die körperliche Stärke, Männer aber schon. Und das macht meinen Vater aber auch nicht alleine aus. Also das geht ja grundsätzlich vielen Männern so. Und gerade in der Migration zeigt sich dann, wie...

sehr klein bemessender Platz für Selbstwert ist. Also wenn diese Arbeitskraftidentifikation dann wegfällt, dann bleibt ihnen nicht mehr so viel und dann tun sich sehr, sehr viele schwer. Ich hatte angekündigt, dass wir über den Spracherwerb sprechen wollen. Kinder lernen wahnsinnig schnell. Trotzdem ist der Prozess dieses Gleichzeitigen, des Slowakischen, das zu Hause gesprochen wurde, und des Deutschen, das sie draußen gesprochen haben, nicht so einfach. Wie haben Sie es denn erlebt?

Ich habe es als irrsinnig anstrengend und herausfordernd erlebt. Ich kam ja in den Kindergarten ohne ein Wort Deutsch sprechen zu können, habe mich dann natürlich relativ allein gefühlt, war sehr überfordert, aber gleichzeitig sind Kinder auch sehr resilient und ich habe... Relativ rasch.

einen guten Grundstock an Deutsch gehabt. Das hat ganz gut geklappt. Womit ich noch ein paar Jahre zu kämpfen hatte, war mein Akzent, der mich als Kind irrsinnig gestört hat, weil daran konnte man immer raushören, dass ich dann doch Ausländerin bin.

Und der ist dann mit der Zeit aber auch verschwunden. Und ab da an war ich sehr zufrieden, weil dann konnte man mir meine Migration nicht einmal mehr anhören. Weder ansehen noch anhören. Und dann war ich in Sicherheit. Dann war ich quasi im Leo. Und die andere Seite. ist natürlich die, dass ich meine Muttersprache ja bewahren wollte. Und das war meinen Eltern ja auch wichtig, dass wir zumindest zu Hause unsere Sprache sprechen. Und sie haben aber mitbekommen, dass ich

hier ins Stolpern gekommen bin, weil ich natürlich fokussiert war, Deutsch zu lernen, klarerweise, und mich den ganzen Tag mit Deutsch beschäftigt habe, im Kindergarten, dann später in der Volksschule, Hausaufgaben auf Deutsch, Schularbeiten auf Deutsch. Und es hat meine Eltern dann, glaube ich, schon auch sehr... dass sie mir dabei zusehen mussten, wie ich meine Muttersprache ein bisschen verlerne. Und das ist, glaube ich, auch so sehr symptomatisch für das, was bei einer Migration passiert.

Man muss die neue Sprache lernen, man möchte sie lernen, aber gleichzeitig entfernt man sich von seiner Identität und einfach der Sprache der Heimat. Und beides passiert, aber es ist auch mit Schmerzen und Wehmut verbunden. Es wird ja dann später noch komplexer.

Werte, Kultur und Bildungssysteme

wir noch dazu, nachdem sie den Bruch, den sie mit ihrem Vater erlebt haben, den wir gleich besprechen werden, überwunden haben, weil sie ihm helfen mussten, stellten sie dann fest, dass sie gar nicht mehr richtig perfekt slowakisch können. Das ist dann die nächste Erkenntnis, die einen vielleicht auch traurig macht.

Ich habe vorhin gesagt, dass migrantische Familien nie gefragt werden, was sie denken und was sie fühlen und was sie gelernt haben und was ihnen wichtig ist. Könnten Sie mal so zwei, drei Werte, mit denen Sie sozusagen in dieser slowakischen Sprache, in dieser slowakischen Familie und vielleicht auch slowakischen Kultur,

aufgewachsen sind, aufzählen, die Sie unterscheiden von österreichischen Kindern? Das ist eine sehr gute Frage. Da habe ich noch nie drüber nachgedacht. Also ich kann jetzt gar nicht sagen, was Werte... meiner Herkunftskultur sind und was Werte meiner Eltern sind. Was ihnen aber sehr, sehr wichtig war und was sie mir und meinem Bruder mitgegeben haben, war immer Fleiß. Man ist sich für nichts zu schade.

Wenn man eine Arbeit macht, dann macht man sie gut und dann macht man sie richtig. Und das andere war Anstand. Das war ihnen sehr wichtig, vor allem meinem Vater. Ich bin jetzt fast ein bisschen überfordert mit dieser Frage, muss ich gestehen, weil ich glaube, dass meine Eltern uns Kindern vor allem versucht haben, Dinge mitzugeben, die in ihren Augen diese Migration vereinfachen.

dass sie schon von sich aus Dinge weggelassen haben oder abgekürzt haben oder nicht mitgegeben haben in der Vorstellung, dass sie uns damit einen Gefallen tun. Und gleichzeitig war das für sie aber auch Ein großer Frustrationspunkt und ein schmerzhafter Punkt, weil sie gesehen haben, dass wir bestimmte Dinge, die für sie selbstverständlich sind, gar nicht mehr leben. Die Sprache gehört auch dazu natürlich ganz klar. Es muss ja für sie auch wirklich...

irritierend und entsetzlich gewesen sein mitzubekommen, dass wir Kinder also wirklich objektiv schlechter Slowakisch sprechen. Mein Bruder ist sogar noch ein Stückchen schlechter als ich. Das sind auch regelmäßig Grundlagen für Reibereien zwischen uns und den Eltern. Also vor allem der Papa, der ist da dann sehr oberlehrerhaft und sagt, naja, aber das hast du jetzt falsch gesagt und da war der Fall nicht richtig oder die Grammatik.

passt hier nicht. Und ich glaube, dass dadurch, dass sie mir das Leben leichter machen wollten, weil sie auf die Mitgabe von bestimmten kulturellen Werten verzichtet haben, haben sie es sich aber als Eltern schwerer gemacht, weil die Distanz zwischen uns auch immer größer geworden ist. Also auf der einen Seite haben sie mir auch diesen Auftrag gegeben, schreite mutig voran ins neue Land. Wir wollen das, wir zählen auf dich.

Du musst es für dich schaffen, aber du musst es auch für uns, für die Familie schaffen. Und mit jedem Schritt, den ich gemacht habe, habe ich mich ja auch weiter von ihnen entfernt. Das war für sie sicher auch zwiespältig. Einerseits habe ich ihren Auftrag erfüllt und habe das gut gemacht und ihre Opfer haben sich ausgezahlt, weil ich natürlich ein anderes, besseres Leben führen konnte. Aber ja, ich habe mich auch von ihnen fortbewegt. Das ist natürlich auch ein Schmerz für Eltern. Ja.

Es gibt eine lustige Episode auch in Ihrem Buch, Frau Trobner. Es gibt viele verschiedene natürlich auch lustige und traurige Szenen, aber eine lustige möchte ich gerne herausstellen. Und zwar fahren Sie also mit Ihren Eltern immer wieder auch in die Slowakei und dann erzählen.

sie dort, wie in Österreich unterrichtet wird. Und die Nachbarn schütteln nur den Kopf und verstehen gar nicht, wie das möglich ist, dass man Kinder so erziehen kann. Und da musste ich doch manchmal lachen, weil ja... sowohl das Kopfschütteln und Nichtverstehen etwas Emanzipatorisches hat, weil man den Wert der Bildung ja auch darin offensichtlich sieht, dass die Kinder dann auch eine Bildung haben.

Aber natürlich auch die andere Seite, die sagt, wir wollen Kinder in Freiheit und mit Fantasie erziehen. Und das fand ich lustig. Ja, das ist eine tatsächlich sehr witzige Szene, an die ich mich erst sehr, sehr viele Jahre später erinnert habe. Und erst in der Reflexion ist mir bewusst geworden,

dass sie sehr symptomatisch für viele Dinge stand, wie sich der Westen vom Osten unterscheidet, wie sich die Bildungssysteme unterscheiden, wie sich das Erziehen von Kindern unterscheidet, wie sich die geistige Entwicklung unterscheidet. In der Szene konkret, ich beschreibe das Ganze. kurz, damit die Zuhörerinnen sich da finden können. In der Szene geht es darum, dass die kleine Didi, die geht gerade in die Volksschule und sie ist zu Besuch bei ihrer Großmutter und die Nachbarn schneien rein.

Und die kleine Didi erzählt, was sie so in der Schule in Wien macht, was für Hausaufgaben es da gibt. Und sie sagt, ja, sie musste da eine Bildgeschichte schreiben. Und für die kleine Didi ist das selbstverständlich. Sie kennt das ja nicht anders aus der Schule, aus Wien, aber alle Erwachsenen sind fassungslos und sprachlos. Und dann legt der Vater noch eins drauf und sagt, ja Didi, sag, was du letztens schreiben musstest, sag das. Und dann sagt die Didi.

Eine Fantasiegeschichte. Und die Erwachsenen sind wirklich komplett aus dem Häuschen und backen es gar nicht, weil sie nicht verstehen können, dass es in einem schulischen Kontext so viel Freiheit und Kreativität gibt. Und das ist ja das Tragische, das zurückspiegelt auf die Zeit und auf die Leben meiner Eltern und der Großmutter und der Nachbarn, die da in der Szene vorkommen.

dass sie in einem System groß geworden sind, das diese Werte nicht fördert. Man muss sogar eins drauflegen, Frau Drobner. Der Prager Frühling begann, weil die Schriftstellerinnen und Schriftsteller in der Tschechoslowakei gesagt haben, wir wollen Kafka lesen können. Wir wollen nicht diesen sowjetischen Realismus immer vor uns haben, sondern die Literatur, die unsere Fantasie nähert.

Da musste ich lachen. Genau an das hat es mich erinnert. Das hat mich an die Schriftsteller und das Manifest der Tausend Worte erinnert, die damals im Frühen... Prager Frühling, der da mit angefangen hat, mit dem Literatenkongress in Prag. Und Sie haben als kleines Kind sozusagen das in einer verkleinerten Fassung. In einer Ableger-Variante. Ja, absolut. Und das hat meinen Vater vor allem immer irrsinnig fasziniert.

Diese kleinen kreativen Geschichten. Also ich konnte das als Kind ja gar nicht begreifen, was er da jetzt so spannend dran findet. Für mich waren das einfach Hausaufgaben. Und wie gesagt, erst viele Jahre, Jahrzehnte später. kam die Erinnerung in mir hoch und ich habe das mal reflektiert und festgestellt, dass das eigentlich auch ein bisschen eine tragische Erinnerung ist, die für sehr viel symptomatisch steht.

Versöhnung durch eine Schottlandreise

Es gab einen großen Bruch in ihrer Familie. Frau Trupner, der Vater, ging eines Tages weg. haben auch sie eine sehr große Wunde in ihrer Seele gegenüber ihrem Vater gehabt. Und dann kam er irgendwann wieder zurück. Er war krank. Sie mussten ihm helfen. Sie mussten ihn begleiten in den Wiener Krankenhäusern. Sie haben wahnsinnig viel Rassismus.

in der Art, wie man mit ihnen zwischen den Zeilen gesprochen hat, sich nicht so gekümmert hat um den Vater, wie man sich hätte kümmern können. Und wir erleben mit, wie also die kleine Didi sich mit ihrem Vater... wieder in Verbindung bringt und er sich mit ihr. In dem Fall war es dann schon die große Didi. Die große Didi, genau. Richtig. Und der Vater wird wieder gesund, aber er will stehen bleiben.

Da macht jetzt die eldest immigrant daughter einen Schritt, der sie selber befreit und die ganze Familie irgendwie in einer Art befreit. Sie denkt sich mit ihrem neun Jahre jüngeren Bruder eine Reise nach Edinburgh aus. Das ist die Auflösung einer ganz langen, verqueren, anstrengenden, spannungsgeladenen Familiengeschichte. Wo hat diese Reise denn den gordischen Knoten geöffnet? Wodurch?

Also nach dieser schweren Erkrankung meines Vaters ist mir bewusst geworden, dass die Zeit, die wir haben, sehr beschränkt ist und man sie doch sinnvoll nutzen könnte. Und ich habe auch bei ihm gesehen, wie er in seiner Sprachlosigkeit und in seiner Ohnmacht ein bisschen verharrt. Er hat sich unfassbar zurückgezogen, was mir irrsinnig leidtut. Er traut sich nicht mehr viel zu.

Auch wegen körperlichen, medizinischen Aspekten, aber grundsätzlich als Mensch hat er sich zurückgezogen und das schmerzt mich wirklich in meiner Seele ganz tief drin. Und diese Reise nach Schottland war so ein bisschen der Versuch, ihn aufzurütteln und ihn ein bisschen in Bewegung zu zwingen, ob er möchte oder nicht.

Warum Schottland? Schottland ist mein persönliches Herzensland. Ich bin ganz oft dort. Auch jetzt im Herbst werde ich wieder dort sein für eine mehrtägige Wanderreise auf den Orkney Islands. Und nach der Erkrankung meines Vaters und als er dann wieder auf den Beinen war, habe ich plötzlich dieses tiefe Gefühl gehabt, wir müssen als Familie jetzt etwas zusammen machen. Ich möchte etwas mit meiner Familie gemeinsam machen.

Ich zwinge sie jetzt ein bisschen dazu, weil von sich aus würden meine Eltern nicht auf solche Ideen kommen, glaube ich. Und mein Bruder und ich, wir haben dann diese Reise geplant und haben das den Eltern geschenkt und sind dann auch tatsächlich gemeinsam hingeflogen und haben da eine Woche verbracht.

Und es war ganz spannend, meinem Vater bei diesem Erlebnis zuzuschauen. Also wirklich so sehr bewusst ihm dabei zuzuschauen, wie er aus seinem Schneckenhäuschen hinaus wieder in der großen weiten Welt ist, wie er... seine Mannerismen nicht ablegen kann. Also er hat dann auch diesen unfassbar, also ich finde es mittlerweile unfassbar lustig, er hat seinen sehr trockenen Humor, wo er dann immer so Einzeiler raushaut, dass ich wirren könnte.

Es ist nicht immer angebracht und regt meine Mama und meinen Bruder auch manchmal auf, aber er hat wirklich einen guten Humor. Auf dieser Reise sind wir noch einmal ganz anders zusammengerückt. Und da haben sich viele Dinge für mich... neu sortiert. Nicht unbedingt für ihn, weil ich auch besser verstanden habe, er ist, wie er ist. Das hat seine Gründe. Er hat viel von sich aufgegeben, viel von sich verloren.

auf dieser langen Reise in den Westen, die für ihn viele Jahrzehnte gedauert hat, weil er nie angekommen ist. Ich würde sogar sagen, er ist bis heute nicht endgültig angekommen. Und das ist auch ein Prozess des Reifens, der bei mir selber als Tochter passieren musste, dass ich wirklich vollumfänglich verstanden habe, dass meine Eltern auch nur große Kinder sind.

die ihr Bestes getan haben, die vieles geschafft haben, wofür ich ihnen wirklich auch sehr dankbar bin. Vieles lief wunderbar, aber nicht alles war gut. Und dass ich auch das meinem Vater zugestehen muss, dass er als Person so ist, wie er ist und daran ist einfach auch nicht mehr zu rütteln.

weil er in einem bestimmten fortgeschrittenen Alter ist. Und es war aber trotzdem schön und es war für mich sehr bewegend, dass er diese Reise auf sich genommen hat, weil ich dann dort verstanden habe, er hat die Reise wirklich für mich gemacht, für mich und meinen Bruder, weil wir das wollten.

Das war wieder sehr symbolisch für die Art und Weise, wie er seine Rolle als Vater angelegt hat. Also kein Mann großer Worte, auch nicht unbedingt großer Gesten, aber wenn wir Kinderin gebraucht haben, war er wirklich immer da.

Für mich war es halt diese letzte Geschichte, die ich in dem Roman noch gar nicht so richtig einordnen konnte, weil sie einfach offen bleibt. Dann habe ich gedacht, jetzt... ist diese Migrationsgeschichte nochmal angeschoben worden, weil jemand migriert in ein Land, versteinert dort in einer gewissen Weise und muss nochmal.

durch die Tochter und den Sohn mehr oder weniger zwungen, eine Migration machen, um aus dieser Versteinerung wieder rauszukommen. Ob Sie das so gemeint haben in Ihrem Buch, weiß ich nicht, aber ich habe es so gelesen. Ja, das ist eine schöne Interpretation.

Vielleicht habe ich das so gemeint. Ich kann es Ihnen gar nicht sagen. Also die letzten Kapitel, die habe ich auch in Echtzeit geschrieben. Also da haben mich die Ereignisse des Buches dann auch eingeholt und ich habe sie so niedergeschrieben, wie ich sie empfunden und erlebt habe. Und für mich selber als Person, als Tochter, war das nicht unbedingt alles.

fassbar und greifbar und erst jetzt im Nachklapp, im Reflektieren und auch im Gespräch mit Ihnen merke ich eigentlich, dass da viele Metaphern auch drin sind, die ich vielleicht, weil ich super genial bin, unterbewusst eingebaut habe, aber die vielleicht einfach Nur sich ergeben. Sich ergeben. Sich ergeben aus dem Leben.

Aktuelle Identität, Erbe und Zukunftspläne

Frau Drobner, wie ist denn heute Ihr Verhältnis zur Slowakei und wie ist das Verhältnis Ihrer Eltern zur Slowakei? Da passieren viele Dinge, da ist vieles in Bewegung in jederlei Hinsicht zum Guten und zum Bösen. Und wo sind Sie denn heute alle miteinander? Ja, ich beobachte vor allem die politischen Entwicklungen in der Slowakei mit großer Sorge.

Auch meine Eltern ist alles in eine Richtung abgebogen, die uns nicht gefällt. Also wieder diese Russlandorientierung finde ich sehr beängstigend und auch hinderlich für das Land. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, woher das kommt. Und wo sind wir als Familie? Wir sind zu viert in Wien. Ich wohne in der Nähe meiner Eltern sogar. Was meinen Eltern sehr gefällt, würde ich mal sagen.

Ich fühle mich in Wien sehr heimisch. Also wenn man mich fragen würde, wie ich mich sehe, als was ich mich betrachten würde, dann würde ich natürlich Wienerin sagen. Wenn es dann um die Nationalitäten geht, wird es schon ein bisschen schwieriger. Ich sehe mich am ehesten noch als Europäerin.

Das fände ich sehr schön. Also wenn ich meinen Pass abgeben könnte, um einen europäischen Pass zu haben, das fände ich wirklich ganz, ganz toll. Aber ja, ist im Moment noch nicht möglich. Das heißt, dabei habe ich noch einen slowakischen Pass. Ich habe mir das immer mal wieder für mich überlegt, die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Ich hätte das schon längst machen können. Ich bin lang genug hier, zahle meine Steuern, habe hier die Schule gemacht, pipapo etc.

Ich muss Ihnen ehrlich sagen, das ganze Verfahren ist so hochbürokratisch und so langwierig und umständlich. Und das finde ich auch ein bisschen, sagen wir, entwürdigend. Und als EU-Bürgerin... bin ich gleichgestellt und das ist für mich so in Ordnung und das passt für jetzt. In Ihrem 2021 erschienenen Roman, Was bei uns bleibt, haben Sie sich mit der österreichischen Zeitgeschichte auseinandergesetzt. Ist es denn für Sie interessant?

sich auch mal mit der slowakischen Zeitgeschichte auseinanderzusetzen, nachdem Sie sich jetzt schon zu Ihrer eigenen Geschichte und Identität vorgerobbt haben mit dem neuen Roman Ostblockherz. Ja, definitiv. Ich kann noch nicht sagen, wann, aber es wird kommen. Ich möchte da hinschauen. Das interessiert mich. Es interessiert mich auch, wie es meiner Familie ergangen ist, noch weiter zurückliegend. Ich finde das auch von dem her spannend.

Dass diese Familiengeschichten natürlich auch Ländergeschichten sind. Da geht es auch um die Vergangenheit Europas entlang der Bruchlinien. Und da ist, glaube ich, sehr viel zu holen. Dem möchte ich mich auch mal widmen in der Zukunft. Und was hat Ihnen dieses migrantische Leben an Schätzen gebracht? Mein migrantisches Leben hat mir bestimmt viel gebracht. Es hat meine Perspektive geöffnet für verschiedene Lebensentwürfe.

verschiedene Möglichkeiten. Und ich glaube, letztendlich macht einen eine Migrationserfahrung sehr resilient, weil man muss schwimmen oder man geht unter. Und das ist hart, aber wenn man das durchsteht, dann ist man wirklich fürs Leben gewappnet. Da bin ich mir sicher. Sie hörten Renata Schmidkunz im Gespräch mit der slowakisch-österreichischen Schriftstellerin Didi Drobner. Mitarbeit Sandra Knopp.

Das in der Sendung besprochene Buch Ostblockherz ist 2025 im Pipa-Verlag erschienen. Folgende Bücher von Didi Drobner sind bereits erschienen. Was uns bleibt. Roman. Pipa 2021. als die Kirche den Fluss überquerte. Roman, Pieper 2018. Zwischenschaumstoff. Roman, 2014, Edition Exil. Sie können die Sendung im Gespräch auf sound.org als Podcast abonnieren und ein halbes Jahr lang nachhören.

Morgen am Freitag, den 10. Oktober, hören Sie Renata Schmidt-Kunz im Gespräch mit dem Jesuitenpater Georg Sparschel. Im Gespräch, jeden Donnerstag um 21 Uhr und jeden Freitag um 16.05 Uhr in Ihrem Kultursender Österreich 1.

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