#027 Virus ohne Name - podcast episode cover

#027 Virus ohne Name

Jun 01, 202654 minEp. 27
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In dieser Folge: Achtung Spoiler! Ein rätselhafter Tod im Südwesten der USA. Dann noch einer. Junge, sportliche Menschen brechen innerhalb kürzester Zeit an einem schweren Lungenödem zusammen, ohne dass man versteht, warum. Die Spur führt in die Four-Corners-Region, in die Navajo Nation, zu Hirschmäusen, El Niño und einem bis dahin kaum bekannten Erreger: dem Sin-Nombre-Virus. In dieser Folge geht es um den Hantavirus-Ausbruch von 1993, um medizinische Detektivarbeit unter Zeitdruck und um die Frage, wie schnell aus einem rätselhaften Cluster eine neue Diagnose entsteht. Aber das ist nicht alles: Wir rekapitulieren auch den Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius 2026. Was haben die beiden Ausbrüche gemeinsam - was nicht?

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Transcript

Anfang April habe ich nach einem neuen Thema gesucht und bin auf eine Krankheit gestoßen, die in den USA für Aufsehen gesorgt hat. Ich habe recherchiert, die Folge aufgenommen – vollkommen ahnungslos! dass genau oder fast genau diese Krankheit gerade an einem anderen Ort der Welt ausgebrochen ist und nur wenige Tage später die Berichterstattung in den Medien bestimmen sollte.

Ich habe also quasi aus Versehen ein hochaktuelles Thema bearbeitet, zu einer Zeit als niemand auf der Welt bestimmte Entwicklungen voraus ahnen konnte. Also hatte ich eine tolle Geschichte der Medizin fertig so etwa vierzig Minuten lang, alles prima und habe dann zwar nicht von vorne angefangen aber die neue Entwicklung noch in diese Folge aufgenommen. Und es gibt noch ein Aber!

Es handelt sich zwar um dieselbe Krankheit allerdings um eine Errieger-Variante und diese Unterscheidung ist hier enorm wichtig. also kann ich nur empfehlen bis zum Schluss dran zu bleiben Und hochaktuell. Der neunzehnjährige Marathonläufer ist eigentlich topfit und gesund, aber an einem Tag im Mai, nineteenhundertdreiundneinzig bekommt er Fieber und seine Gliederschmerzen so. Er sucht eine Ambulanz auf und wird mit Kopfschmerz- und Fiebermedikamenten versorgt – ein Gripalerinfekt! Was sonst?

Zwei Tage später erscheint er wieder. Die Beschwerden sind nicht verschwunden. Nun klagt er zusätzlich über Erbrechen und Durchfälle. Die Ärzte schicken ihn wieder nach Hause Und nach einigen Tagen geht es ihm auch gut genug, um eine kurze Autoreise durch die Four Corners Region anzutreten. Aber was er nicht weiß? Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Allerdings ist die Reise für ihn enorm wichtig aber schon während der Fahrt bekommt er plötzlich keine Luft mehr.

Seine Familie beobachtet mit zunehmendem Entsetzen, wie er um jeden Atem zugringt. Sie fahren eine Tankstelle an und rufen Hilfe. Als die Ambulanz eintrifft kann der junge Mann nicht mehr sprechen. Er wird in die Notaufnahme des Gallup Indian Medical Center gebracht. Dort stellt man fest dass seine Lunge mit Wasser voll gelaufen ist. Daher kann er nicht mehr atmen. Die Mediziner versuchen alles Aber der Mann stirbt ihn quasi unter den Händen weg.

Er war ein Indigener, aber das hat doch nichts zu sagen oder? Reisen wir fünfunddreißig Jahre weiter in die Zukunft! Zwei tausendfünfundzwanzig machen Wartungs- und Sicherheitsmitarbeiter im Haus des zweimaligen Oscarpreisgewinners Jean Heckmann eine furchtbare Entdeckung. Sie finden ihn und seine Frau tot auf. Sie liegen in unterschiedlichen Räumen ihres Hauses, in Santa Fe, in New Mexico.

Die Welt steht vor einem Rätsel Und hier in unserem Podcast stellt sich nun die Frage was die beiden Fälle der des jungen Mannes in three hundred ninety-three und die Todesfälle in santa fe gemeinsam haben. Willkommen zu Geschichten der Medizin dem Podcast über medizinische Schicksale, historische Wendepunkte und spektakuläre Fälle. Ich bin Kerstin, Ärztin und Erzählerin.

Lasst uns gemeinsam auf eine Reise gehen durch solchen Entdeckungen- und dramatische Diagnosen mal weltbewegend, mal ganz persönlich immer medizinisch, immer spannend. Virus Man ist verwirrt. Wie ist es möglich, dass ein extrem fitter so junger Athlet so schnell an einem Lungen ödem also an einer Wasseransammlung in den Lungen verstirbt? In New Mexico ist jeder ungeklärte Verdächtige oder anderweitig unregelmäßige Tod per Gesetz meldepflichtig. Also wird der Medical Investigator informiert.

Ein Medical Investigator ist kein klassischer Gerichtsmediziner, sondern ein speziell geschulter Todesermittler der zu unklaren Todesfällen fährt, Informationen sammelt und den Fall für die Gerichts- mediziner vorbereitet. So etwas haben wir in Deutschland gar nicht – bei uns ist die Polizei zuständig! Aber zurück nach New Mexico ins Jahr oder genauer gesagt in die Four Corners Region. Ich nehme mal an, dass euch das genauso wenig sagt wie mir!

Also lasst uns ein bisschen in die Geografie einsteigen. Stellt euch einen Quadrat vor und in diesem Quadrat wiederum vier Quadrate. Dann treffen sie sich ja in der Mitte – und zwar so, dass vier Ecken entstehen. Genauso liegen die vier Bundesstaaten Colorado, New Mexico, Arizona und Utah im Südwesten der USA. Und genau am Schnittpunkt dieser vier Staaten liegt ein Gebiet das Navajo Nation genannt wird – das selbst verwaltete Stammesgebiet der Navajo.

Die Gegend ist aber auch für ihre atemberaubende Naturlandschaften bekannt, etwa den Grand Canyon die Painted Desert und den Zion National Park. Und genau dort ist der junge Mann unterwegs gewesen in der Navajo Nation mit rund siebzigtausend Quadratmetern so groß wie Bayern. Der diensthabende Ermittler ist ein junger Mann namens Richard Malone. Als er in der Klinik über die Umstände informiert wird, erinnert er sich an einen ähnlichen Fall nur wenige Wochen vorher.

Damals ist eine dreißigjährige Frau in derselben Kliniek verstorben – ebenfalls an einem Lungen-Ädem und auch sie war ein Navau-Stammesmitglied! Malone greift zum Telefon. Er ruft die Pathologin der Universitätsklinik New Mexico, Patricia McFeely an, an die er den Fall der Frau damals weitergeleitet hat. Die bestätigt, dass bei der Obduktion die Lungen der Frau doppelt so schwer wie üblich gewesen sein – weil sie voller Flüssigkeit gewesen seien!

Sie hätten keine Ahnung was die Wasseransammlung in der Lunge verursacht haben könnte…. Das Herz sei es auf jeden Fall nicht gewesen, denn es sei organisch gesund gewesen. Man habe auch keine Viren nachweisen können! Und sie erwähnt nebenbei das die Frau eine sportliche Läuferin gewesen sei und einen Navajo – zwei junge, sportliche Menschen beide Navajo ohne Vorerkrankungen, beide mit eigentlich gesunden Herzen Und beide innerhalb kürzester Zeit verstorben an einem Lungenüdeem?

Malone wird hellhörig. Er will der Sache auf den Grund gehen, also sucht er die Familie des jungen Mannes auf! Er will versuchen sie zu einer Obduktion zu überreden – allerdings in der Annahme das die Navajos nicht zustimmen, weil dadurch die Totenruhe gestört werde. Was er dann zu hören bekommt… soll jedoch alles Erwartete übertreffen.

Der junge Navajo sei am vierzehnten Mai auf dem Weg zur Beerdigung seiner Ehefrau gewesen, die Beerdigung sollte genau gegenüber von dem Krankenhaus stattfinden indem er schließlich gestorben sei. Dem Gallop Indian Medical Center Die einundzwanzigjährige ebenfalls eine sportliche Läuferin habe fünf Tage vor ihm über Kopf- und Liederschmerzen geklagt, und verstarb, bevor man sie an eine Spezialklinik habe verlegen können.

Dieser Fall sei den Ermittlern von New Mexico jedoch nicht gemeldet worden, da er sich im Navarroreservat abgespielt haben. Dort müsse man medizinische Fälle nicht übermitteln. Nun sind es also schon drei Fälle! Malone kann die Familie der Verlobten überzeugen einer Obduktion zuzustimmen, vor allem um das überlebende Kleinkind der beiden Navajo zu schützen.

Und während beide Verlobten für den Transport nach Albuquerque zur Obduktion vorbereitet werden spricht Melon mit dem ärztlichen Direktor des Medical Centers, der sich an zwei weitere Fälle erinnert – Beide mit tödlichem Ausgang! Die Obduktion des Paares ergibt derweil ein jeweils unerklärliches Lunge dem. Währenddessen werden weitere Fälle bekannt, sowohl in New Mexico aber auch in den angrenzenden Bundesstaaten und es sind fast immer indigene Patienten.

Als das in der Bevölkerung bekannt wird kommt es zu Panikreaktionen. Navajos und andere Indigene werden gemieden und von öffentlichen Veranstaltungen ausgeladen, obwohl sie nicht die einzigen Betroffenen sind. Bevor wir jetzt mit der medizinischen Geschichte fortfahren, möchte ich euch die Navajos ein bisschen näher bringen – da sie zwar nicht die Einzigen aber doch die Hauptbetroffenen sind!

Die Navajo, die sich selbst die Näh nennen, gehören zu den großen indigenen Völkern des amerikanischen Südwestens. Sie leben seit über tausend Jahren in einer Landschaft aus rotem Sandstein, Tafelbergen und Hochebenen. Zum Bild der Region gehören noch immer runde oder vieläckige Hogens – also schlichte erdverbundene Häuser, dazu Schafherden, gewebte Decken, silberner Schmuck mit Turkisen und weite Wege durch ein trockenes Land!

Die Navajo übernahmen im Lauf der Zeit vieles von ihren Nachbarn und passten es an. Sie lernten Ackerbau- und Weberreihe von Pueblogruppen, später kamen durch die Spanier Schafe Ziegen, Rinder und Pferde hinzu. Gerade die Schafe wurden prägend weil aus ihrer Wolle jene Textilien entstanden für die die Navajo bis heute berühmt sind.

Traditionell trug Navajo-Frauen ein gewebtes Kleid aus dunkler Wolle, später durch Tauschhandel häufig Samtblusen, weite Röcke, Schultertycher und Silberschmuck mit Turkisen. Männer trugen Mokassins, Leggings oder Hosen, Hemden, Gürtel und Becken oder Umhänge. Auffällig ist auch die Haartracht. Bekannt ist der traditionelle Navajo-H-Knoten, ein hinten gebundener Knoten oder Dutt, der bis heute als kulturelles Zeichen sichtbar isst.

Ihre Geschichte ist jedoch auch von Gewalt geprägt – im neunzehnten Jahrhundert zerstörten US-Truppenfelder, Herden und Siedlungen der Navajo. Tausende Menschen wurden aus dem Berüchtigten Long Walk gezwungen und nach Vorzammner deportiert. Erst in der Hälfte von Vizepräsidenten durften sie in Teile ihrer Heimat zurückkehren, und dort neu siedeln. Diese Erfahrung von Vertreibung und Rückkehr gehört bis heute zum historischen Gedächtnis der Dynie.

Weltweit bekannt wurden Navajo-Sprecher im Zweiten Weltkrieg als Coat Talkers, deren Sprache für militärische Funkcoats verwendet wurde. Heute zutage leben viele die Nähe noch immer in der Navajo Nation im Südwesten der USA. Manche Familien wohnen in kleinen Orten, andere weit abgelegen oft über staubige Straßen und mit großen Entfernungen zum nächsten Supermarkt zur Schule oder zum Arzt.

nicht jedes Haus hat zuverlässig fließendes Wasser oder Strom Und vieles spielt sich im Auto ab weil die Wege so weit sind. Vor manchen Häusern stehen Pick-ups, Wassertanks oder Anhänger auf den Weiden Schafe und Pferde. Frauen weben, Männer arbeiten auf Baustellen in Minen bei Behörden oder Pendeln stundenlang. Kinder wachsen mit Englisch auf – manche auch mit Navajo. Handys, Fast Food, Rodeos, Schulbusse und traditionelle Zeremonien existieren nebeneinander.

Wer von außen nur auf die spektakuläre Landschaft blickt, übersieht leicht dass dieses Leben zugleich von Stolz und von Mangel geprägt ist. Von enger Familienbindung aber auch von Armut, Arbeitslosigkeit und schlechter medizinischer Versorgung. Genau in dieser Welt trifft der Ausbruch von und mit sehr konkreten Alltagsproblemen.

Am XXIII. Mai, also zwei Wochen nach dem Tod des Marathonläufers informiert das Gesundheitsamt von New Mexico schließlich die Centers for Disease Control und Prevention CDC – und bittet offiziell um Hilfe! Die CDC ist die US-Seuchenschutzbehörde vergleichbar am ehesten mit dem Robert Koch-Institut in Deutschland. Daraufhin macht sich innerhalb von Stunden ein Untersuchungsteam unter der Leitung des erfahrenen Epidemiologen Jay Butler auf den Weg in die Vierländerregion.

Sie evaluieren alle seit dem ersten Januar aufgetretenen ungeklärten Lungen-Ödemfälle. Dabei werden sogar Verdachtsdiagnosen wie Pest, Milzbrand und andere exotische Krankheiten einbezogen. Nach einem langen Wochenende sind die Experten der Sache aber nicht wirklich auf die Spur gekommen. Sie haben drei Hypothesen, erstens eine neue besonders aggressive Grippeform, zweitens ein Umweltgift und drittens einen unbekannter krankmachender Stoff – das klingt nicht wirklich überzeugend!

Höchstwahrscheinlich hätte jeder von uns sagen können dass ja wohl irgendetwas krankmachendes dahinter steckt. Was mir hier vollkommen fehlt, ist der Bezug zur Patientengruppe – es muss doch irgendwie aufgefallen sein das überproportional viele Indigene betroffen waren. wie dem auch sei! Es werden die Häuser, Wohnungen und Arbeitsumgebung der Patienten inspiziert. Es werden Gewebeproben von Verdachtsfällen in einem örtlichen Labor untersucht Alle negativ.

Glücklicherweise bleiben die Experten der CDC jedoch hartnäckig und fliegen die Gewebeproben in die CDC-Zentrale in Atlanta, um sie dort in ihren eigenen Laboren untersuchen zu lassen. Und am vierten Juni findet man dann endlich etwas – und zwar Antikörper gegen etwas das es in den USA gar nicht gibt! Bei neun Patienten reagieren Antikörper gegen sogenannte Hunterviren. Nur, diese Huntervieren treten in Europa und Asien auf – nicht in Nordamerika!

Sie verursachen ein hemorragisches Fieber mit Nierenbeteiligung also Blutung- und Nierenversagen. Kein Lungenedem aber es gibt eine Gemeinsamkeit Sowohl bei der bekannten Erkrankung in Europa und Asien als auch bei den US-Fällen kommt es zu einer Eindickung des Blutes, einer sogenannten Hämokonzentration. Das passiert unter anderem wenn die flüssigen Bestandteile des Blutes durch die Gefäßwände verloren gehen – und genau das passiert bei dem hemorragischen Fieber in Europa.

Dort kommt es über Leckagen zu einem enormen Flüssigkeitsverlust in der Blutbahn. Die Flüssigkeit läuft hinter die Bauchhöhle, bei den Patienten im Navajo-Gebiet kommt es zudem selben Phänomen – nur nicht in der Niere, sondern in der Lunge! Die kleinen Blutgefäße verlieren in der Lunge Flüssigkeiten. Diese Flüssighkeit gelangt dadurch in die Lungenbläschen die eigentlich mit Sauerstoff- oder Kohlendioxid gefüllt sein sollten. Die Lunge läuft voll, ein Lungenidem entsteht.

Ganz oft wird ein Lungenedem von einer Herzschwäche ausgelöst – aber nicht nineteenhundertneinzig im vierländer Vieräck! Alle Patienten hatten organisch gesunde Herzen. Handelt es sich also um eine bisher unentdeckte Spezies des Hunterviruses? Die CDC schickt ein Team von Nagetierjägern nach New Mexiko. Es fängt etwa ein tausendsebenhundert Tiere, vor allem Hirschmäuse – sowohl im unmittelbaren Lebensumfeld der Patienten als auch bei gesunden Kontrollpersonen.

Übrigens die Hirschmäuse sehen sehr niedlich aus — hellbraunes Fell, weiß am Bauch fast wie ein Hamster! Und dann endlich…. Am sechzehnten Juni, vier Wochen nach dem Tod des Langstreckenläufers können die CDC-MittelsPCR – Polymerase Kettenreaktion ein neuartiges Huntervirus identifizieren und nennen es Muerto Canyon Virus. Nach einem betroffenen Gebiet im Navajo Reservat. Dieser Name stößt bei den Indigenen verständlicherweise auf Widerstand weil die Krankheit so mit den Navajos assoziiert wird.

Sie fürchten eine Stigmatisierung, stammes Älteste intervenieren und schließlich wird das Virus umbenannt. Ab sofort heißt es virus with no name. Parallel laufen die klinischen Untersuchungen. Die meisten Patienten sind jung. sie entwickeln Fieber Atemnot Blutdruckabfall und das Lungenidem.

Bei der ersten Krankheitswelle sterben seventy-fünf Prozent der Patienten, bestimmte Blutbildveränderung liegen bei fast allen Betroffenen vor – aber es bleibt die Frage, warum ist das Virus im vierländereck ausgebrochen? Und warum im Frühjahr nineteenhundertdreiundneunzig? Nun kommen Biologen ins Spiel! Die Hirschmauspopulation war in deiner Hälfte von drei Jahren im Jahr. Aber warum? Die Antwort ist global!

El Nino El Ninho ist eine außergewöhnliche Erwärmung des tropischen Ostpazifiks durch veränderte Wind- und Meeresströmungen. Das führt zu mehr Vegetation und Samen, damit mehr Nahrung für Hirschmäuse. Dann gibt es mehr Hirschmäuse – und damit auch mehr Kontakt zwischen Mäusen- und Menschen bzw. mehr virustragende Mäuse! Und genau das passierte in den letzten Jahren.

Der feuchte Winter sorgte im Vierländereck üppige Frühjahrsvegetation, die den Hirschmäusen ein kulinarisches Schlaraffenland bescherte und dadurch für mehr Kontakte zwischen Mensch- und Tier sorgte. Es werden dreiunddreißig Fälle bekannt – siebzehnt davon Lethal also eine Fallsterblichkeit von sechsundfünfzig Prozent. Die Reaktion auf den Ausbruch läuft auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

In der Navajo Nation treffen sich fünfzig traditionelle Heiler in Window Rock, um über die rätselhafte Krankheit zu beraten. Sie warnen die Bevölkerung vor Hirschmäusen und Prairiehunden. Ältere Navajo kennen die Gefahr von Mäusekot- und Mäuserurin bereits – und raten dazu, kontaminierte Kleidung zu verbrennen und Lebensmittel konsequent vor Nagern zu schützen. Gleichzeitig führen Medizinmänner Segnungen und Reinigungsrituale an Orten durch, die mit den Erkrankungen in Verbindung stehen.

Auch die Regierung der Navajo Nation reagiert schnell – sie ruft den Gesundheitsnotstand aus, richtet Krisengremien ein und startet Programme zur Nagerbekämpfung und Aufklärung. Bewohner erhalten Fallen und Informationen darüber wie man das Risiko einer Ansteckung senken kann. Auf staatlicher Ebene wird am dritten Juni eine kostenlose Hotline eingerichtet, dort bekommen Menschen aktuelle Informationen über die ungeklärte Atemwegserkrankung und können Verdachtsfälle melden.

Gesundheitsbehörden empfehlen Nagetiere konsequent aus Häusern fernzuhalten keine offenen Nahrungsquellen liegen zu lassen und Mäuse nur mit Schutzausrüstung zu entsorgen. Mäusekot und Urin sollen zunächst mit Chlorbleiche durchtränkt, und dann in doppelten Plastiksäcken beseitigt werden. Besonders gewarnt wird davor, in belasteten Räumen Staub aufzuwirbeln – weil dabei virushaltige Partikel eingeatmet werden können!

Von Giftködern rät man eher ab, weil vergiftete Tiere an unzugänglichen Orten verenden könnten…. Die medizinische Behandlung besteht vor allem aus intensiver Unterstützung der Patienten. Viele Erkrankte müssen beatmet werden, oft unter Sedierung. Ärzte in ländlichen Regionen versuchen zunächst die Betroffenen zu stabilisieren und sie dann in besser ausgestattete Kliniken zu verlegen – v.a. in das Universitätsklinikum von New Mexico in Albuquerque.

Dort liegen die Überlebenschancen höher weil Erfahrung und Technik leichter verfügbar sind. Zusätzlich wird ab dem vierten Juni das antivirale Medikament Ribavirin als experimentelle Therapie eingesetzt. Es hat sich bei schweren Infektionen mit einem anderen Hunter-Virus als hilfreich erwiesen, wenn es früh gegeben wurde. Die Hoffnungen bestätigen sich aber nicht. Die CDC erweckt zwar zwischenzeitlich Hirschmäuse großflächig zu fangen oder zu vergiften, bewirft diesen Plan aber wieder.

Das betroffene Gebiet ist so gross und die Tiere gelten außerdem als wichtiger Teil des Ökosystems. Neben der medizinischen Krise entsteht sehr schnell noch ein zweites Problem – eine massive Welle aus Stigmatisierung, Sensationslust und offenem Rassismus. Viele nationale Medien gehen damals äußerst rücksichtslos vor.

Sie missachten die traditionelle viertägige Trauerzeit der Navajo, fotografieren Beerdigungen für öffentlichen Namen von Verstorbenen und versuchen Angehörige unmittelbar nach Todesfällen zu interviewn. Teilweise versuchen sie die Navajo bezüglich ihrer Absichten zu täuschen und geben falsche Namen an. Gleichzeitig bekommt die Krankheit in der Öffentlichkeit Bezeichnungen wie Navarro Flu oder Navarrow Illness.

Dadurch verfestigt sich der Eindruck, sie gehöre irgendwie zur NavarRO-Bevölkerung oder zur Four Corners Region – die Folgen sind erheblich! Noch bevor klar ist, wie die Krankigkeit überhaupt übertragen wird Breitet sich große Angst aus. Viele Menschen halten sie veransteckend von Mensch zu Mensch, das führt zur offener Diskriminierung. Manche Restaurants bedienen Navajo gar nicht mehr andere nur noch mit Handschuhen oder werfen benutztes Geschirr sofort weg.

in der gesamten Region brechen Kinobesuche, Restaurantumsätze und touristische Einnahmen ein. selbst Traditionsreiche Veranstaltungen leiden unter der Panik. Der Präsident der Navajo Nation, Patterson Saar kritisiert die Berichterstattung scharf. Er sieht darin ein Beispiel dafür wie schnell alte Vorurteile wieder aufbrechen wenn Außenstehende ohne Verständnis für Kultur und Trauerrituale in eine Krise hineinplatzen.

Während die Medien bald zum nächsten Thema weiterziehen, bleibt die Navajo Nation mit dem entstandenen Schaden zurück. Mit Angst, mit Vorurteilen und einem Stigma das nicht so schnell verschwindet. Hinzu kommt dass das Misstrauen auch die Ermittlungen erschwert. Manche Bewohner wollen aus Ärger über die Medien- und Behörden nicht mehr kooperieren breiten sich schnell Schwoblereien aus. Das kennen wir ja!

So suchen manche nach ganz anderen Erklärungen für den Ausbruch, etwa Terroristen, Militäranlagen, giftige Abfälle oder Radioaktivität – aber auch die Navajos selbst haben überlieferte Vorstellungen über die Entstehungsgeschichte der Krankheit. In der traditionellen Vorstellung der Navajo hat alles seinen Platz Mäuse gehören in die Nacht und nach draußen. Der Mensch gehört an den Tag und ins Haus.

Beides soll sich nicht vermischen, wenn diese Ordnung gestört wird kann das Folgen haben – nicht nur im symbolischen Sinn sondern ganz konkret. Krankheit, Unglück, Tod. Wenn Mäuser in ein Hauseindringen und dort Unordnung vorfinden etwa offen liegende Lebensmittel oder Müll, dann gilt das nicht einfach als lästig. In ihrer Sichtweise stört der Mensch selbst die Harmonie.

Die Maus wird zu einem Wesen dass auf diese Störung reagiert und treffen kann es so heißt es oft gerade die jungen und gesunden. solche Vorstellungen entstehen nicht im luftleeren Raum. In der mündlichen Überlieferung der Navajo leben Erinnerungen an frühere Krankheitswellen fort, an Ausbrüche in den Jahren, und auch damals bringt man das Geschehen mit einem Übermaß in Verbindung. Mit einem zu viel – mit einer aus dem Gleichgewicht geratenen Welt! Auffällig ist.

In all diesen Jahren fallen besonders viel Regen und Schnee. Die Landschaft trägt mehr Nahrung für Nagetiere, ihre Zahl steigt – und damit wächst auch die Zahl der Begegnungen zwischen Mensch-und Maus. Was in der Tradition als gestörte Harmonie beschrieben wird, lässt sich aus heutiger Sicht ökologisch lesen. Zwei verschiedene Erklärungssysteme münden also in derselben Schlussfolgerung.

Demnach fallen Krankheiten nicht zufällig in die Welt oder vom Himmel, sondern sind mit unserer Umwelt verknüpft. Und jetzt eine Diagnoseinfo! Hantaviren sind Einzelstrang RNA-Viern. Es gibt viele verschiedene Gattungen. Ihr Reservoirs sind asymptomatische Nagetiere – oft Mäuse aber auch Ratten. Besonders im Frühling und Sommer treten sie in den Vordergrund, weil es dann mehr Mäuse gibt. Jede Nagetierspezius hat eine spezielle Huntervirus-Gattung.

Weil Hunterviren eine Hülle besitzen, lassen Sie sich gut durch Detagenz hien, Seife des Infektionsmittel und Bleiche zerstören. Die Übertragung erfolgt über Urin, Kot und Speichel von Nagetieren. Die höchste Wehrenlast besteht im Nagetier drei bis acht Wochen nach der Infektion. Grundsätzlich können die Tiere des Virus aber lebenslang ausscheiden. Eine Ansteckung ist durch Schmierinfektionen, orale Aufnahme und Bisse möglich.

Meist erfolgt die Infektions jedoch durch das Einatmen von Staub, Förster oder Menschen auf Campingplätzen. Ein typisches Risiko ist etwa das Ausfägen einer im Winter ungenutzten Hütte, oder eines Schuppens. In Asien sind unter anderem Reisbauern betroffen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde erst in Südamerika beschrieben. Die Inkubationszeit beträgt ein bis vier Wochen maximal bis zu sieben Wochen.

In Europa und Asien kommt es zu einem hemorragischen Fieber mit Nierensyndrom, das ist eine fieberhafte Erkrankung mit Trombocytopenie also einer verminderten Zahl von Blutplättchen – und damit einer gewissen Blutungsneigung. Hinzu kommt eine Nierenschädigung bis hin zu einem meistreversiblen Nierenversagen. Auch ein Glaucomanfall, also ein akuter grüner Starr und eine Beteiligung des zentralen Nervensystems können vorkommen.

Das klingt zunächst dramatischer als es meist ist – typisch sind vor allem Kopfschmerzen, Fieber, Gliederschmerzen Blutdruckabfall und Seestörungen. Die Letalität liegt dabei unter ein Prozent! Ganz anders sieht es jedoch in Nord-, Mittel- und Südamerika aus. Hier sind zehn Prozent der Hirschmäusepopulation Vienträger, und hier stehen Herz- und Lungensymptome im Vordergrund –. verantwortlich ist das schon erwähnte SNV, das Sinnombrevirus oder Sinnomrevirus.

Insgesamt ist die Erkrankung aber selten! Es wurden unter achthundert Fälle in den letzten fünfzwanzig Jahren gezählt. Anfangs treten starke Kopf- und Nackenschmerzen, hohes Fieber, Gliederschmerzen allgemeines Krankheitsgefühl Bauchschmerzen Übelkeit Erbrechen Und manchmal Durchfall auf. Das heimtückische ist dass diese unspezifischen Symptome man nennt sie auch Potromal Stadium oft nicht mit einer Hunter-Virus-Infektion in Verbindung gebracht werden.

Es könnte jede Art von Gripalminfekt dahinterstehen. Nach drei bis fünf Tagen entwickelt sich jedoch, von jetzt auf gleich die cardiopulmonale Phase. Es kommt zu einer schweren Lungenentzündung – mit Lungenüdem und Kleurerüdem, also Wasseransammlung in Lunge zwischen Lunge und Brustfell, weil durch eine immunologische Reaktion die Gefäßwände in der Lunge durchlässig werden. Das macht sich zunächst durch Atemnot- und Husten bemerkbar – die rasch in einem akuten Lungenversagen münden.

Aber das ist noch nicht alles! Weil so viel Flüssigkeit aus dem Blutkreislauf in die Lunge übertritt, fehlt diese Flüssigkeiten des Plasma als Volumen im Blut. Wenn dem Herzen aber zu wenig Blut zum Pumpen zur Verfügung steht, dann tritt ein Pumpversagen ein. Zusätzlich kommt es auch noch zu einer immunologisch bedingten direkten Schädigung der Herzmuskelzellen und deshalb verläuft die Krankheit auch so futrujant!

Ohne Behandlung ist sie in vierzig Prozent innerhalb der ersten Vierundzwanzig bis Achtundvierzig Stunden letal, meist durch einen raschen Blutdruckabfall. Das Herz geht buchstäblich in die Grätsche! In seltenen Fällen fällt die cardiopulmonale Phase aus. Wenn diese Phase überlebt wird kann über Monate oder sogar Jahre eine geminderte kardiopulminale Belastbarkeit resultieren. Mit anderen Worten, jede Treppe ist zu anstrengend. Es gibt einen Antikörpernachweis – aber kein Schnelltest!

Der Antikörpernachweiß ist so ninety-fünf bis hundert Prozent sensitiv und spezifisch, aber erst wenn die Krankheit symptomatisch ist? Es macht also überhaupt keinen Sinn während der Inkubationszeit schon mal ein Test zu machen. Der schlägt noch nicht an…. Und jetzt mal wieder ein bisschen Angeberwissen für euch als Serviceleistung sozusagen. Unter Sensitivität versteht man Folgendes, wenn jemand krank ist dann ist auch der Test positiv.

Wenn die Sensitivity also bei hundert Prozent liegt Dann finden wir jeden Kranken. Aber was? Wenn ein Test auch bei jedem gesunden Anschlägt Dann nützt die ganze Sensitivität ja gar nichts. Deshalb braucht man auch die Spezif... Brrr! Das lasse ich jetzt einfach mal drin. Deshalb braucht man auch Die Spezificität, die bedeutet Wenn jemand nicht krank ist dann soll der Test auch negativ ausfallen. Erst wenn beides gegeben ist, dann bringt so ein Test etwas.

Nur dann fischt man nämlich die Kranken heraus und kann die gesunden ausschließen. Und es gibt noch andere Hinweise, nämlich typische Laborveränderungen – erstens eine Trombozytopinie, die bei mehr als ninety-fünf Prozent der Betroffenen auftritt also zu wenige Blutblättchen aber auch eine sogenannte Leukozytose mit vielen unreifen Vorstufen von weißen Blutzellen im Blut.

Der Körper versucht, so viele Abwehrzellen wie möglich aus dem Knochenmark in das Glut abzugeben und übertreibt dabei – weil er auch noch nicht fertig ausgereifte AbwehrZellen freisetzt! Für Eingeweite die typische Linksverschiebung. Dasselbe geschieht auch bei den Lymphozyten einer anderen Art von Abwehrzellen.

Man findet über zehn Prozent Vorgängerstufen im Blut und dann ist da noch die Hämokonzentration, ich hatte ja schon erklärt dass so viel Flüssigkeit aus dem Blut verloren geht und dadurch kommt es zu einer relativen Eindigung des Blutes oft mit fatalem Verlauf. Das klingt alles schlimm Und das ist es auch und wirft natürlich die Frage nach Therapiemöglichkeiten auf, um es kurz zu machen. Es gibt kein Mittel gegen das Virus – und es gibt keine Impfung. Die Therapie ist also rein symptomatisch!

Man gibt Sauerstoff- und Kreislaufunterstützende Medikamente wie Adrenalin. Wenn möglich ist eine sofortige Verlegung in einer Klinik mit ECMO angezeigt. ECMO, also eine extrakorporale membrane Oxygenation kennen wir von der Covid-Pandemie. Sie ist am ehesten vergleichbar mit einer Herzlungenmaschine auf Zeit. Es handelt sich um eine Art künstliche Lunge außerhalb des Körpers. Das Blut wird aus dem Patienten herausgeleitet Mit Sauerstoff angereichert Von Kohlendioxid befreit und zurückgepumpt.

In extremen Notfällen kann das Leben retten, weil Lunge oder Herz für kurze Zeit entlastet werden! Und wie sieht es in Deutschland aus? Das Hunter-Virus ist in Deutschland meldepflichtig – die Infektion kann ernst sein. vor allem wegen möglicher Nierenprobleme bleibt hier zu lange aber meist selten. Im Frühjahr zwanzig sechsundzwanzig reist ein niederländisches Ehepaar durch Südamerika.

Unter anderem auch durch Argentinien, von wo aus es am ersten April auf dem niederländischen Polarexpeditionskreuzfahrtschiff MV Hondius eincheckt. Und zwar in Ushuaia – einem Urlaubsort im Feuerland an der südlichsten Spitze Südamerikas! Man nennt diese Region auch das Ende der Welt. Mit hundert vierzehn Passagieren und einundsechzig Crewmitgliedern aus dreiundzwanzig Nationen an Bord legt die Hondius also zu einer Expeditionskreuzfahrt unter dem Namen Atlantic Odyssey ab.

Es soll treizehntausend Kilometer quer durch den Südatlantik per Inselhopping bis nach Cap Verde, also zu den kapverdischen Inseln westlich von Afrika gute tausend Kilometer südlich von Tenerife gehen. Die überwiegend älteren Passagiere möchten die Zwischenstops auf den Inseln zur Natur- und Vogelbeobachtung nutzen, und so steuert die Hondius als erstes die Antarktishalbinsel – und eine Insel namens Südgeorgien, die übrigens nichts mit dem Land Georgien zu tun hat … an!

Die rauhe Insel Südgeorgien ist ein Ort der absoluten Superlative und eines der unberührtesten Naturparadiese unserer Erde. Dort besichtigen die Passagiere Königspinguin-Kolonien mit unglaublichen Hunderttausenden von Tieren, dazu leben tonnenschwere Seeelefanten und Pelzroppen auf der Insel. In der Luft kreisen Wanderalbertrosse mit ihren gewaltigen Flügelspannen über den steilen Klippen.

Diese lebendige Tierwelt trifft auf eine Landschaft von monumentaler Schönheit, fast dreitausend Meter hohe vergletscherte Berge ragen direkt aus dem Südatlantik-Empor. Fjorde schneiden tief in das Land ein und bieten eine Kulisse die per Schlauchboot erkundet wird, während mächtige Eiswände kalben und ins Meer stürzen. Die nächste Station der Reise ist Tristan-Dakuna – eine fast dreitausend Kilometer weiter nordöstlich gelegene Insel im Atlantik.

Aber ein Passagier soll diese Insel nicht lebend erreichen! Es ist der Ehemann des eben erwähnten niederländischen Ehepaares. Der Siebzigjährige verstirbt am elften April ein schweren Atemwegssymptom, nachdem er fünf Tage vorher auf hoher See das erste Mal über Fieber, Kopfschmerzen und leichten Durchwall geklagt hat. Ein Schiffsarzt ist zwar an Bord – aber seien wir mal ehrlich! Bei diesen unspezifischen Symptomen ist es halt enorm schwer eine Diagnose zu stellen….

Drei Tage später, am vierzehnten April legt das Schiff in Tristan-Dakuna an. Sie gehört zum britischen Überseegebiet und gilt als entlegenste bewohnte Insel der Welt. Rund zweihundertdreißig Menschen leben hier. Einer der Passagiere, Bewohner von Tristan Dakuna steigt aus – auch er wird später erkranken! Auf dieser winzigen Insel gibt es nicht die Infrastruktur um einen ungeklärten Todesfall zu managen.

Daher wird der Leichnam des Niederländers gekühlt und reist auf dem Schiff weiter Richtung St Helena, eine Insel mitten im Südatlantik aber schon ein bisschen näher an Afrika als an Amerika. St Helena ist eine britische Vulkaninsel mit rund viertausend Einwohnern. Hier wird der Tote am vierentzwanzigsten April von Bord gebracht. Seine neunundsechzigjährige Frau verlässt ebenfalls das Schiff und klagt über Magendarmbeschwerden.

Ein Brite meldet sich beim Schiffsarzt, dreißig weitere Passagiere verlassen das Schifff und setzten ihrer Reise auf anderem Wege fort. Einen Tag später fliegt die inzwischen schwer erkrankte Ehepfrau nach Johannesburg. Während der Reise verschlechtert sich ihr Zustand dramatisch. Sie stirbt am nächsten Tag! Das Kreuzfahrtschiff ist unterdessen an der kleinen Insel Ascensionen angekommen, der erkrankte Brite wird evakuiert und ebenfalls nach Johannesburg ausgeflogen.

Am zweiten Mai erreicht das Schiff das Ziel der Kreuzfahrt, die kapvertischen Inseln etwa siebenhundert Kilometer westlich der Westafrikanischen Küste auf Höhe des Senigals. Da das Einlaufen in den Hafen von den Behörden untersagt wird, muss die Hondius auf offener See vor der Hafenstadt Praia ankern Eine seit einigen Tagen erkrankte deutsche Passagierin stirbt an Bord des Schiffes. Gleichzeitig wird in Johannesburg bei dem evakuierten Briten ein Hunter-Virus nachgewiesen.

Der Fall wird publik, die WHO beginnt mit der Suche nach Kontaktpersonen der Passagiere, die inzwischen das Schiff verlassen haben – insbesondere Kontaktpersoner der inzwischen verstorbenen Niederländerinnen bei der nun auch das Hunter-Virus nachgewiesen wird. Am fünften Mai wird einer der Passagiere, die das Schiff in St. Helena verlassen haben, in der Schweiz positiv getestet.

Am sechsten Mai bilanziert DWHO – es gibt insgesamt Siebenfälle mit Fieber-, Atembeschwerden und Magendarm-Beschwerden -, vier davon Fudruyanta, Lungenentzündung mit akutem Lungenversagen und Schock. Drei Menschen sind daran verstorben! An diesem Tag erkranken auch der Reiseleiter und des Schiffsarzt – und gehen von Bord.

Danach zieht man den Anker ein und nimmt auf Anweisung der WHO-Kurs auf Tenerifahe circa ´thausendsechshundert Kilometer nordöstlich, wo das Schiff vier Tage später am zehnten Mai ankommt. Nun dürfen die Passagiere endlich das Schiff verlassen, sollen sich jedoch wegen der langen Inkubationszeit bis zum einundzwanzigsten Juni in ihren Heimatländern in Quarantäne begeben – und das ist keine Anordnung sondern eine Empfehlung!

Stand am dreizehnten mai, zwetausendzechsundzwansich elf Erkrankte und drei Tote. Hoffentlich bleibt es dabei. Nun werdet ihr euch fragen, aber das passt doch gar nicht zu dem was Kerstin uns erzählt hat! Wie konnten denn so viele erkranken? Waren etwa Mäuse auf dem Schiff?! Ihr habt sicher gehört dass man inzwischen davon ausgeht Dass sich das niederländische Ehepaar wohl auf ihrer Rundreise durch Südamerika infiziert hat. Aber das Sin-Normbrevirus Wandert doch gar nicht von Mensch zu Mensch.

Stimmt, tut es nicht! Aber das Andes-Virus – eine andere Huntervirus-Variante, deren wird auch nicht die niedliche Hirschmaus sondern die Langschwanz Buschratte ist. Das Andes Virus ist auch nicht in Nordamerika sondern in Südamerika verbreitet und es gibt diesen wirklich wichtigen Unterschied im Übertragungsweg. Während das Sinombrevirus nur vom Tier zum Menschen übertragen wird, ist bei dem Andesvirus eine Mensch-zu-Menschübertragung bei engem Kontakt durchaus möglich.

Müssen wir uns nun Sorgen machen? Steht etwa die nächste Pandemie in den Starklöchern! Nein, und zwar aus folgenden Gründen. Das Virus ist in Südamerika schon lange endemisch – es kommt also wellenförmig immer wieder zu Krankheitsfällen! Nur enger Kontakt führt zur Ansteckung. In der Regel sind auch nur symptomatische Patienten ansteckend. Das gilt natürlich nicht für Einzelfälle aber weil dadurch unbemergte Ansteckungen unwahrscheinlicher sind.

Und leider, nach Krankheitsausbruch sterben ohne Behandlung bis zu hundert Prozent der Patienten selbst mit moderner Intensivmedizin bis zu vierzig Prozent. Diese Menschen fallen dann als weitere Infektionsquelle aus – das klingt alles ganz furchtbar! und das ist es für die Betroffenen natürlich auch, aber all diese Charakteristika sprechen gegen eine pandemische Ausbreitung.

Und nun bleibt noch eine letzte Frage zu klären – was haben Hunter Viren mit den zwei Toten von zweitausendfünfundzwanzig zu tun, von denen ich am Anfang der Podcastfolge berichtete? Die Polizei und die Gerichtsmediziner stellten relativ schnell fest dass das Ehepaar nicht zum selben Zeitpunkt gestorben war. Betsy Arakawa, die Ehefrau des weltberühmten Schauspielers Jean Heckman, starb wohl rund eine Woche vor ihrem Mann!

Und traurigerweise geht man heute davon aus, daß der fünfundneunzigjährige schwer-demenzkranke Mann dann sich selbst überlassen war und wohlverdurstete. Betsy Arakawa war aber viel jünger als er, siebenundsechzig Jahre alt. Woran starb Sie? Letztendlich stellte sich heraus dass sie an einer Xenormbre Virusinfektion gestorben war und wir wissen ja nun wie unglaublich schnell das gehen kann. Ihr hilfloser Ehemann blieb allein zurück.

Das war Geschichten der Medizin wo Vergangenheit Forschung und menschliche Schicksale aufeinandertreffen, ob weltbewegend oder ganz persönlich. Die nächste Geschichte wartet schon – bis dahin bleibt gesund!

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