¶ Intro / Opening
Wir lernen ein bisschen Geschichte, wir werden es sehen, der Reporter wieder sich...
¶ Podcast Intro und Rückblick
Hallo und herzlich willkommen bei Geschichten aus der Geschichte. Mein Name ist Daniel. Und mein Name ist Richard. Ja, und wir sind zwei Historiker, die sich Woche für Woche eine Geschichte aus der Geschichte erzählen, immer abwechselnd und immer so, dass der eine nie weiß, was der andere ihm erzählen wird. Genau so ist es. Ja und wir sind angelangt bei Folge 371. Korrekt.
Dreihunderteinundsiebzig folgen Geschichten aus der Geschichte. Das heißt, wir haben letzte Woche auch über Geschichte gesprochen, Richard. Dreiundsiebzig, weißt du noch, worum es ging? Ja, natürlich. Du hast eine Geschichte eines Kodex erzählt von Archimedes, der auf wundersame Art und Weise die Jahrtausende überlebt hat. Zuerst versteckt.
Und dann plötzlich wieder zum Vorschein zu kommen, wenn man so will. Genau. Obwohl alles dafür getan wurde, dass man ihn eigentlich nicht mehr hätte lesen können. Richtig. Zu verdanken der Akribie. Diverser Menschen, genau, dass wir ihn heute tatsächlich haben. Gab auch einiges an Feedback dazu. Also ist natürlich auch so faszinierend, wenn man sich einfach vorstellt, wie.
wie wenig Wissen uns tatsächlich so erreicht hat aus der Antike und wie diese Texte so überliefert sind. Und das ist ein schönes Beispiel, weil man damit wirklich so über die Jahrhunderte so ein bisschen erzählen kann, wie so die Texte langsam oder das Wissen langsam verloren gegangen ist aus der Antike. Ja, ich habe es sehr faszinierend gefunden. Es ist wirklich, ihr habt es im Ankündigungstweet auch so beschrieben, es wäre Detektivgeschichte durch die Jahrhunderte. Genau. Außergewöhnlich.
Ja, Richard, also das Feedback würde ich dann in die nächste Feedgag-Folge packen und es würde jetzt weitergehen im Programm. Im Programm, ja.
¶ Ravenna: Neue Kaiserstadt Roms
Du erwartest, dass ihr Geschichte vorbereitet hab, gell? Das erwarte ich mal. Du kannst mir auch erzählen, keine Ahnung, was du gestern Abend auf Netflix geguckt hast, aber das Interessanter wäre schon eine Geschichte. Ja, gut. Warum kriegst deine Geschichte? Daniel. Machst du schon mal den Ravenna? Nee, es ist in der Toskana.
Nein. Ravenna ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt in der Region Emilia Romagna. Es ist dagegen, die nebenbei einige der köstlichsten italienischen Delikatessen hervorgebracht hat. Parmaschinken aus Parma oder Cetto Balsamico aus Modena. Ist auch Sitz von Ferrari, Lamborghini oder Maserati, ja. Aber darum geht es heute nicht.
¶ Galla Placidia: Eine Einführung
Ravenna, lang bevor Ferraris berühmt wurden, sogar lang bevor Parma und Accetto Balsamico berühmt wurden, war nämlich vor allem auch eines. Hauptsitz der weströmischen Kaiser zu Beginn des 5. Jahrhunderts, nach der Zeitenwende. Und darum ist es auch nicht verwunderlich, dass er aus jener Zeit
In Ravenna noch ein Mausoleum steht. Ein Mausoleum, das heute vor allem für seine Wandmosaiken und seine Kuppel berühmt ist. Eine Kuppel, die so konstruiert ist, als ob man in ein Himmelszelt voller schimmernder Sterne blicken würde.
Dieses Mausoleum allerdings, das wurde nicht für einen Kaiser gebaut. Tatsächlich wurde dieses Mausoleum für eine Frau gebaut. Eine Frau, die im Laufe ihres Lebens, und ich zitiere hier jetzt einen ihrer Biografen, Kenneth Atkinson, Eine Frau, die unzählige Morde mit ansehen musste, mehrere Belagerungen durchlebte, zahlreiche Schlachten überlebte, dreimal beinahe auf See starb und außerdem mehrere Male knapp dem Hungertod entging.
Ich werde im Laufe dieser Folge über das Leben der Galer Placidia erzählen, die nicht nur Enkelin, Tochter, Schwester, Tante und Mutter von Kaisern war,
Sondern schließlich selbst auch Kaiserin und Regentin im weströmischen Kaiserreich wurde und quasi noch so als Zuckerl obendrauf zeitweise sogar Königin der Visigoten war. Hm. Fantastisch, also ich muss sagen, du schließt hier wahrscheinlich einige Wissenslücken, weil ich habe weder ihren Namen vorher gehört, noch war mir bewusst, dass die weströmischen Könige und Kaiser irgendwann nicht mehr in Rom waren, sondern in Ravenna.
¶ Theodosius der Große und die Goten
Sehr gut, dann werde ich einige Wissenslücken hier schließen. Ich schließe auch gleich woan. Und zwar schließe ich an an eine Geschichte, die ich vor einigen Monaten gemacht habe. Ah, Schach. Und zwar die Scha. Bitte? Schach. Nein. Die Schlacht von Adrianopel. Ah, okay. Du erinnerst dich? Im Jahr 378 werden die römischen Streitkräfte. Mittlerweile ist das Kaisertum ja geteilt. Ein Kaiser im Osten, ein Kaiser im Westen.
Im Jahr 378 werden eben diese römischen Streitkräfte von den Tervingen bei der Schlacht von Adrianopel geschlagen. Und Kaiser Valenz, zu jener Zeit der Kaiser des östlichen Roms, der stirbt. Und nach dem circa zwei Drittel des zur Verfügung stehenden Bewegungsheers, also nicht beinahe das gesamte Bewegungsheer dabei, aber ungefähr zwei Drittel davon sterben ebenso Vivalens bei dieser Schlacht.
Das heißt, das Reich an sich ist jetzt ziemlich geschwächt, ja, zumindest die Streitkräfte, die sie haben. Mhm. Ich habe ja gesagt, Valens herrscht über den Osten des Reiches. Allerdings hatte Valens so die Ambitionen, dass er wieder über das gesamte Reich herrschen wollte. Deswegen auch sein Versuch, selbst die Terwingen bei Adrianopel zu schlagen.
Der westliche Teil des Reichs wird nämlich von seinen beiden Neffen beherrscht, Gratian und Valentinian II. Nachdem der Bruder von Valenz Valentinian I. verstorben war. Mhm. Und Gratian, der sich jetzt mit noch mehr Barbaren konfrontiert sieht, nachdem die Goten ja bei der Schlacht von Adrianopel gewonnen hatten, der benötigt jetzt einen neuen fähigen Heermeister.
Jemand, der dafür sorgt, dass diese Gefahr, die jetzt noch größer worden ist, gebannt wird. Und seine Wahl fällt auf einen gewissen Theodosius. Ebenfalls ein Heerführer, der sich mittlerweile aber schon auf sein Gut in Spanien zurückgezogen hatte. Und man würde auch meinen, es ist eine etwas kuriose Wahl, denn Theodosius hatte einen Vater. Und dieser Vater war 3undsieb, also nur einige Jahre zuvor. Von Valentinan I., also dem Vater des Gratian, zum Tode verurteilt worden.
Und Gratian selbst war der, der offenbar auch diese Todesstrafe vollzogen hatte. Das heißt, dieser gleiche Kaiser fragt jetzt den Sohn des Mannes, den er hinrichten hat lassen. Höchstwahrscheinlich fälschlicherweise, er wurde jetzt verratsbezichtigt. Er fragt jetzt ihn, ob er sein neuer Heerführer werden will und nicht nur sein neuer Heerführer, sondern ob er gleich Kaiser des östlichen Teils Roms werden will. Mhm.
Und Theodosius, wie man es halt so macht, wenn einem angeboten wird, dass man Kaiser werden kann, der sagt natürlich zu. Er ist jetzt Augustus, ja. Die Augustuswürde wird ihm verliehen. Und damit beginnt die Theodosianische Dynastie, eine der langlebigsten Kaiserdynastien des Spätrömischen Reichs. Mhm.
Und Theodosos Aufgabe ist jetzt relativ klar umrissen, ja. Seine Aufgabe ist, die Goten, die jetzt weiterhin ein großes Problem, sowohl für West als auch für Ostrom darstellen, in den Griff zu kriegen. Aus strategischen Gründen sucht er sich als ersten Sitz zuerst einmal Thessaloniki aus und er beginnt.
Jetzt was ganz Interessantes. Er beginnt jetzt nämlich mehr und mehr Goten ins römische Heer aufzunehmen. Also, das ist ja das Interessante. Das römische Heer ist aufgrund der Goten geschwächt, aber. Es gibt ja schon eine gewisse Tradition, dass andere Völker, die nach Rom kommen, als Föderati aufgenommen werden ins Heer. Also das heißt, Was er jetzt macht, ist, er gibt ihnen das, was sie ursprünglich ja auch haben wollten und was im Grund auch zur Schlacht von Adrianopel.
Geführt hat. Er gibt ihnen Grund und Boden, er gibt ihnen Titel und er gibt ihnen Nahrung vor allem. Weil die wollen ja eigentlich nichts anderes, als sich irgendwo niederlassen können und dort leben. Also die wollten eigentlich nur ihre Ruhe haben. Ja, so wie die meisten Leute eigentlich einfach nur ihre Ruhe haben wollten.
Aber wir dürfen ja nicht vergessen, die sind ja selbst geflüchtet vor den Hundern, haben hier die römische Reichsgrenze übertreten auf der Suche nach Land, wo sie sich niederlassen können, mit ihren Familien. Theodosius selbst hat auch Familie. Mit seiner ersten Frau hat er zwei Söhne. Und nachdem diese Frau gestorben war, nimmt er sich eine weitere Frau. Eine Frau, die heißt Galla. Und Galla ist die Tochter des verstorbenen Kaisers Valentinian I. Das heißt, Theodosius heiratet jetzt in.
ein anderes Kaisergeschlecht ein. Und gemeinsam mit dieser zweiten Frau bekommt er ein weiteres Kind. Es wird geboren in Thessaloniki, wahrscheinlich im Jahr 388, und es ist diesmal kein Sohn.
¶ Galla Placidias Kindheit am Hof
Sondern es ist eine Tochter, Galla Placidia, jene Dame, über die wir in dieser Folge sprechen werden. Sehr gut. Sag mal, wie alt war denn der Theodosos, als er dann Kaiser wurde? Er war Anfang dreißig. Okay. Weil du gesagt hast, er hat sich schon so zurückgezogen. Das heißt, er war nicht sein altes Sitz, sondern er war schon noch jung. Okay. Ja, er war noch recht jung. Galle Placidia, zu dem Zeitpunkt, als sie auf die Welt kommt, ist sie also schon einmal Tochter und Enkelin eines Kaisers.
Wir wissen relativ wenig direkt über Galle Placidias Kindheit und Jugend. Sie wächst am Hof in Konstantinopel auf, das unter der Herrschaft ihres Vaters Theodosius dann schlussendlich. Zum Sitz. Der oströmischen Kaiser wurde. Vorher waren es auch andere Städte, die gern verwendet wurden. Jetzt ist aber Konstantinopel
Dieser fixe Sitz, und es muss ein Leben in wahnsinnigem Luxus gewesen sein. Also prächtige Paläste, Sklaven und Eunuchen, die ja jeden Wunsch von den Lippen ablesen, all solche Dinge. Und obwohl sie eine Frau ist, wird sie schon früh von ihrem Vater in den Rang einer sogenannten Nobilissima Poella gehoben. Also der hoch ehrwürdigsten Tochter, wenn man so will. was sie beinahe auf dieselbe Stufe mit ihren Brüdern hebt. Es ist nämlich so.
Theodosius setzt von Anfang an, also seit Beginn der Begründung seiner Dynastie, wenn man so will. Setze alles daran, diese Dynastie als etwas Gottgegebenes darzustellen. Das zeigt sich auch darin, dass er zum Beispiel seinen ersten Sohn. mit vier Jahren zum Augustus ernannt. Und das ist ja Zeit.
In der vor allem jene Männer Kaiser wurden, also die Augustus Würde bekamen, wenn sie sich kriegerisch ausgezeichnet hatten. Und was Theodosius hier macht, ist eine ganz bewusste Sache. Er zeigt hier Meine Söhne sind Kaiser, weil das der Wille Gottes ist.
Und wenn wir jetzt hier von Gott sprechen, dann sprechen wir natürlich schon von einem christlichen Gott. Theodosius ist nämlich derjenige Kaiser, der das Christentum zur Staatsreligion macht. Ja. Ja. Jedenfalls, diese Söhne werden schon früh in diese Würde erhoben.
¶ Unruhige Zeiten nach Theodosius
Und diese Positionierung wird wichtig sein, wie sich in den nächsten Jahren zeigen wird. Denn ein Jahr nach der Geburt der Galia Placidia stirbt ihre Mutter, und als Gala Placidia fünf Jahre alt ist, stirbt auch Theodosius. Und jetzt ist es so, nochmal so ein bisschen zur Einordnung. Die Jahre nach der Schlacht von Adrianopel
Es ist eine recht wilde Zeit, ja. Also Goten und Vandalen und andere Völker, die über die Grenzen des Römischen Reichs kamen, die wollen sich jetzt alle Stück für Stück Teile dieses Römischen Reichs nehmen und wollen sich dort niederlassen. Sie werden immer wieder unterstützt von Rom, indem sie aufgenommen werden ins Heer und dann teilweise auch Orte Kriegen, wo sie leben können. Dann werden sie wieder bekämpft, wenn diese Verträge wieder gebrochen werden.
Auch Kaiser sind sehr selten Langkaiser und oft werden diese Kaiser auch so ein bisschen dominiert von ihren Feldherren, von denen, die ihr ihr Heer befehligen. Das sind oft die, die die tatsächliche Macht haben. Außerdem, ich habe vorhin schon einen angesprochen, Usurpatoren, also solche, die sich einfach auf den Thron setzen lassen oder zum Kaiser krönern lassen, die sind an der Tagesordnung.
Das heißt, es ist ein reges Kommen und Gehen der diversen Kaiser, dieses geteilten Kaisertums, sodass zum Zeitpunkt des Todes des Theodosius dieser effektiv schon wieder mehr oder weniger über das gesamte Reich herrscht. Es gibt so viel hin und her, dass er versucht, den einen und Usurpator loszuwerden und gegen den anderen Herführer kämpft. Sodass schlussendlich, als er stirbt, er beide seine Söhne als die jeweiligen Kaiser eingesetzt hat. Also sein Sohn Honorius.
Der wird zum Kaiser über Westrom ernannt, beziehungsweise der wird zum westlichen Kaiser und sein Sohn Arkadius wird zum östlichen Kaiser. Ich sage das deswegen so, weil es wird ja oft gesagt, es gab Ostrom und Westrom, aber tatsächlich gab es nur ein geteiltes Kaisertum. Es war trotzdem noch das gesamte Reich, aber dieses gesamte Reich war quasi.
Auf die beiden Kaiser aufgeteilt. Das ist wie bei den Bittelsbachern. Die haben mit den Hausverträgen einfach bestimmt, es gibt ein gesamtes Reich und das wird einfach aufgeteilt zwischen den einzelnen Familien. Genau so ist es.
¶ Stilicho, Alarich und die Hunnen
Gallo Placidia, die jetzt ja eine Weisin ist, die wird jetzt von Stilicho. Der ebenfalls ein mächtiger Heerführer war und dessen Frau Serena aufgezogen. Über das Silichio werden wir nachher noch ein bisschen mehr hören. Vor aber noch ein bisschen was darüber, wie volatil diese Zeit tatsächlich ist. Du musst dir vorstellen, vom Osten her nähert sich jetzt nämlich etwas, was ja auch schon die Goten dazu gebracht hat.
ins Römische Reich zu flüchten. Die Hunden. Richtig. Die Hunden, angeführt von wem? Von welchem berühmt-berüchtigten Hunankönig? Ah, warte mal hier, Cingis Khan. Cingis Khan ist kein Huneküd. Attila. Attila, okay, Attila. Magst du es nochmal sagen? Oder? Okay, Attila, natürlich. Richtig, Attila. Und im Reich selbst haben sie auch ein weiteres Problem. Es ist jetzt so, also Theodosius stirbt 395 und ab den 390er Jahren.
Findet sich ein neuer gotischer Machthaber im Römischen Reich, der jetzt den Kaisern des Lebens recht schwer macht, nämlich Allerich. Von Allerich hast du schon mal gehört. Von dem hast du bestimmt schon mal erzählt. Bin mir nicht sicher, ob ich schon mal von ihm erzählt habe. Auf jeden Fall, Allerich ist bekannt und wir werden nachher auch sehen, warum er so bekannt ist, ja. Allerich wird gern als König der Wiesigoten bzw. der Westgoten dargestellt. Ich muss ja auch dazu sagen,
Westgoten und Visigoten. Im deutschsprachigen Raum wird gern von den Westgoten gesprochen, was aber nicht ganz richtig ist. Im Rest der Welt spricht man von den Visigoten und ich spreche hier jetzt auch in erster Linie von den Visigoten. Jedenfalls, Allerich ist mitsamt seiner Macht so ein bisschen das Ergebnis der Fehler der römischen Politik.
Eigentlich ist er nämlich zeitweise auch Verbündeter des Theodosius. Er wendet sich dann aber nach einer Schlacht gegen Theodosius, und zwar einer Schlacht beim Fluss Frigidus. Wo Theodosius mit wie sie gotischen Hilfstruppen kämpft, aber er verwendet sie so, dass er sie quasi, wenn ich das jetzt so ein bisschen anachronistisch ausdrücken darf, er verwendet sie als Kanonenfutter. Mhm.
Und sie müssen herbe Verluste einfahren und das wendet die Visigoten gegen Theodosius und auch gegen das oströmische Kaisertum.
¶ Stilichos Sturz und Ravenna als Hauptsitz
Was jetzt nach dem Tod von Theodosus kommt, sind vor allem Auseinandersetzungen zwischen Alerich und dem vorhin erwähnten Stilicho. Alarich wird immer mächtiger, Stilichow bekämpft ihn, teilweise bekämpft er ihn, ohne dass es ihm erlaubt wurde vom oströmischen Kaiser. Es ist eine komplizierte Struktur hier, weil.
Stilicho verfügt über Streitkräfte sowohl des oströmischen als auch des weströmischen Kaisertums und er ist tatsächlich einer der mächtigsten Männer im ganzen Land und das wird im Schluss endlich aber dann auch zum Verhängnis. Sieh dich auch übrigens selber halber Vandale und das zeigt doch schon so ein bisschen, in was für einer Zeit wir uns jetzt hier schon befinden. Also es gibt keine eindeutig römischen Heerführer oder auch Machthaber mehr. Das Ganze ist jetzt schon.
Sehr verwoben mit den ganzen unterschiedlichen Völkern, die hier schon seit Jahrzehnten nach Rom kommen. Und Silicho überspannt den Bogen und er wird tatsächlich dann angeklagt des Verrats und er wird zum Tode verurteilt.
Wir wissen nicht genau, was er tatsächlich gemacht hat. Wir wissen nur, er wird dann hingerichtet. Was wir allerdings wissen, ist, dass Gallo Placidia, die eigentlich unsere Protagonistin hier ist, dass sie ums Jahr 408 herum nicht mehr am Hof in Konstantinopel ist, sondern in Rom.
Und Rom ist im Jahr 408 gerade nicht mehr der Hauptsitz des weströmischen Kaisers, weil der Bruder von Galaplacidia Honorius, der ja, wie wir wissen, jetzt der Kaiser über den Westen Roms ist, Der bezieht ab dem Jahr 402 Ravenna. Warum Ravenna? Ravenne in der Forschung wird gerne mal so als
Symbol des Niedergangs des Römischen Reichs dargestellt. Einerseits wird behauptet, dass Ravenna verwendet wurde, weil es von Sümpfen umgeben ist und deswegen schwerer einzunehmen ist, auch dass es am Wasser ist, was sinnvoll ist. Es gibt einen Historiker namens Andrew Gillett.
Der widerspricht dem allerdings in einem Artikel aus dem Jahr 2001, glaube ich, wo er meint, dass Rom eigentlich ganz gut befestigt war. Die große Stadtmauer war kurz vorher eigentlich wieder, wie soll ich sagen, renoviert worden. Und er sieht den wahren Grund eher darin, dass es ein Stützpunkt der Armee war, die also so für Sicherheit gesorgt hat.
Außerdem weist er darauf hin, dass Ravenner zwar ab 402 Sitz der Kaiser war, aber dass es gegen Ende des tatsächlichen Weströmischen Reichs schon wieder Rom war. Das heißt, Ravenner nur zeitweise.
¶ Alarichs Erste Belagerung Roms
Sitz der weströmischen Kaiser. Jedenfalls, es ist jetzt das Jahr 408. Und Stilicho, der zumindest zeitweise Alerich in Schach halten konnte, der ist jetzt tot. Und es fehlt jetzt wieder jemand, der gegen die Visigoten vorgehen kann, die jetzt schon tief ins Kernland des Römischen Reichs eingefallen sind. Also das, was wir heute als Italien kennen. Und so kommt, was kommen muss. Allerich umzingelt Rom. Erwartend, dass er.
vom Kaiser gewisse Zugeständnisse kriegt. Weil das ist ja Druckmittel, die Belagerung einer solchen Stadt, er ist jetzt dort mit seinen 30.000 Soldaten und ihren gesamten Familien, weil wir erinnern uns ja auch, falls du dich an die Geschichte der Schlacht von Adrianopel erinnerst,
Quasi die Krieger sind ja nicht nur unterwegs gewesen, sondern ihre ganzen Familien, weil es war ja im Grunde ein gesamtes Volk, das auf der Suche nach Land war, wo sie sich niederlassen können. Sie sind jetzt also im Jahr 408 vor Rom, und das ist die erste Belagerung Roms durch Allerich. Und Honorius, der Kaiser, macht alles falsch.
Die Art und Weise, wie er darauf reagiert, vermittelt ein bisschen so den Eindruck, dass es ihm eigentlich egal ist, was mit Rom passiert. Er ist in Ravenna, ist sicher dort, also wird es in Kauf nehmen, dass Allerich Rom einnimmt.
Die erste Belagerung Roms durch Allerich wird eigentlich durch den Abzug Allerich selbst beendet, aber nicht bevor massive Mengen an Gold, Silber, Pelz und auch Pfeffer erhält. Vom Senat allerdings und nicht vom Kaiser und auch nicht von den reichen, von den reichen Bürgerinnen und Bürgern Roms, weil die großteils entweder fliehen Oder ihre Schätze einfach so gut verstecken, dass sie nicht verwendet werden können als, wie soll ich sagen, Lösegeldzahlung. Mhm.
¶ Plünderung Roms und Gallas Entführung
Also Allerich zieht ab, vor allem um jetzt persönlich mit Honorius zu verhandeln. Verhandlungen, in die dann auch der Papst eingebunden ist, Innozenz der Erste. Diese Verhandlungen sind nicht nur erfolglos, was hier auch auffällig ist. Ist dass weder der Papst noch Honorius Anstalten machen, Galer Placide aus Rom rauszukriegen. Oder zumindest
Die Goten für ihre Sicherheit garantieren lassen. Also du musst dir vorstellen, hier ist die Schwester des Kaisers in dieser Stadt und kein einziges Mal wird davon gesprochen, hey, was machen wir eigentlich, um sie in Sicherheit zu bringen? Und so belagert Allerich Rom im Jahr 409 wieder. Und er bringt jetzt auch den Senat sogar dazu,
einen neuen Kaiser zu ernennen, wieder so ein Usurpator, quasi einen Puppet Emperor, also so ein Marionettenkaiser. Und dieser Kaiser, der eigentlich Präfekt von Rom ist, ein gewisser Atterlust Der lässt sich als Kaiser aufstellen und er bekämpft dann sogar die Truppen des Honorios. Er versucht auch gemeinsam mit Allerich Ravenna einzunehmen, scheitert daran. Nicht dass ich dann gegen Kaiser. Er nennt sich gar nicht Gegenkaiser, sondern nennt sich einfach nur Kaiser.
Ist es nicht so wie bei den Päpsten, dass die dann am Ende dann zum Gegenpäpsten ernannt werden? Müsste er eigentlich zum Gegenkaiser ernannt werden oder ernannt worden sein bitte? Er wird halt einfach zum Kaiser ernannt, also der Naht sagt. Du bist jetzt der Kaiser, ja, du hast jetzt die Augustus Würde. Es geht halt einfach darum, ja, wenn er es schafft, Honorius zu besiegen, dann ist das faktisch.
Ja, es funktioniert aber nicht. Ravenna ist nicht einnehmbar und Alrich, der eigentlich große Hoffnungen gesetzt hat in diesen Usurpator. der hofft, dass er ihm alles geben kann, was er will, nämlich Landtitel und Nahrung für seine Visigotten. der geht dann tatsächlich geheime Verhandlungen mit Honorius ein.
Weil er davon ausgeht, gut, Galaplacidia ist in der Stadt, er hat sie mehr oder weniger als Geißel, ist ein guter Faustpfand, wenn man so will. Und das sieht auch tatsächlich kurz so aus, als ob das funktionieren könnte. Aber dann gibt es einen Anschlag auf Alrich, durchgeführt von einem gotischen General aus dem Heer des Honorios.
Und Allerich ist jetzt überzeugt, To Neus spielte ein falsches Spiel und es kann keinen Frieden geben. Deswegen belagert er schließlich Rom nochmal im Jahr 410 und jetzt ist er erfolgreich.
Wir wissen über die Einzelheiten nicht ganz genau Bescheid, wie er es schafft, aber er schafft es in die Stadt einzudringen. Wir wissen, dass er am vierundzwanzigten August des Jahres vier hundertzehn über die Porta Salaria, die Teil der Aurelianischen Mauer ist, also jener großen Stadtmauer Roms, und er drinkt ein, und das ist der Beginn einer dreitägigen Plünderung Rom.
Also drei Tage lang plündern die Goten die Stadt, eine Stadt, die, muss man sich vorstellen, ohnehin schon am Boden war. Also drei Jahre lang wurde diese Stadt mehr oder weniger belagert. Es gibt Geschichten von Leichen, die in den Straßen der Stadt lagen, weil die Gotens den Bewohnern und Bewohnerinnen nicht erlaubt haben, ihre Toten auf den Friedhöfen außerhalb der Stadt zu begraben.
Widerstand gab so gut wie keinen. Also musst du dir vorstellen, hier dringen jetzt ungefähr 40.000 gotische Krieger in diese Stadt ein, stoßen auf ausgehungerte Bevölkerung, geschwächt und nehmen alles mit, was sie dran können. Interessanterweise nicht so viel. Also Allerich lässt zwar viele Monumente und große Gebäude zerstören. Interessanterweise, weil die Goten vorwiegend Christen waren, werden einige der größeren Kirchen verschont.
Zum Beispiel die Willen der reichen Bürgerinnen und Bürger werden niedergebrannt und der Bevölkerung ergeht es natürlich auch nicht besser. Also viele werden getötet, viele werden auch verschleppt. Und das ist etwas, was Honorius, der in seinem sicheren Ravenna sitzt, eine, wie soll ich sagen, mit einem Schulterzucken hinnimmt. Was er wahrscheinlich ebenso mit einem Schulterzucken hing Norman hat.
¶ Alarichs Tod und Gotische Wanderung
dass Alarich jetzt Galla Placidia mitnimmt. Wohl mit der Absicht, sie gegen ein Lösegate wieder zurück nach Ravenna zu schicken, Dass Galaplacida stattdessen aber dann jahrelang ihre Geißel sein wird und schließlich sogar zu ihrer Königin wird, das erwartet zu diesem Zeitpunkt noch. Verstehe. Weil du jetzt ja gesagt, das mitnimmt, also er hat sie entführt. Er hat sie entführt, natürlich, geraubt.
Wie geht das Ganze vonstatten? Also Alerich verlässt Rom relativ rasch wieder, ja, nach drei Tagen. Höchstwahrscheinlich, weil er genau das, was er eigentlich gesucht hat, dort gar nicht gefunden hat, nämlich Nahrung. Er hatte hier dieses große Heer und eigentlich brauchte in erster Linie Nahrung. Sie haben jetzt zwar ihre Wägen, die voll gefüllt sind mit Gold und Edelsteinen und allen möglichen Dingen,
Aber Nahrung brauchen sie trotzdem und deswegen ziehen sie weiter. Diese große Armee und Gallo Placida ist auch mit. geplant ist, die Straße von Messina entlang zu marschieren und dann nach Sizilien und eventuell nach Afrika zu schiffen. Und Afrika galt ja quasi als die Kornkammer. Also sie gehen davon aus, dass sie dort dann Land und auch Nahrung finden. Allerdings scheitern sie schon dabei, nach Sizilien überzusetzen. Sie wollen es von Regium aus machen. Es ist heute Regio di Calabria.
Und wahrscheinlich scheitern sie aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse. Gallo Placida ist da auch dabei, und ich habe ja ganz am Anfang davon gesprochen, dass sie beinahe auf See. zu Tode kommt und das ist eines der Male, wo sie beinahe auf See zu Tode kommt. Sie überlebt es aber und anstatt dann weiter südlich eben in Richtung Afrika zu ziehen, ziehen sie weiter Richtung Norden.
Dann tritt allerdings noch im Jahr 410 die Katastrophe ein. Also zumindest Katastrophe für die Goten. Allerich stirbt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er an Malaria gestorben ist, weil sie durch ziemliches Sumpfgebiet hier auch gezogen sind. Mhm. Angeblich wird für sein Grab der Fluss Busento gestaut.
Das heißt, sie stauen diesen Fluss, um ihn dann im Flussbett zu begraben und dann den Fluss wieder drüber fließen zu lassen, damit die Römer sein Grab nicht plündern. Ah, interessant. Ist aber nicht belegt, es basiert auf. einer Chronik, die hundert Jahre später geschrieben worden ist.
¶ Galla Placidia und Athaulfs Ehe
Jedenfalls werden die Gurten jetzt angeführt von Alarichs Bruder Athaul. Und sie ziehen weiter. Zuerst nach Spanien und dann queren sie die Alpen und landen schließlich in Gallien. Gleichzeitig verhandeln sie jetzt aber auch mit Honorius bzw. dessen mächtigen Heeresmeister Flavius Constantius. Nochmal zur Erinnerung, die Kaiser dieser theodosianischen Linie zeichnen sich selbst nicht durch ihre Kriegskunst aus und haben deswegen immer so ihre eigenen mächtigen Heermeister, die für sie quasi die
The Dirty Work gemacht haben und das bringt natürlich auch seine eigenen Probleme mit sich. Jedenfalls Art Hulf verhandelt und bekämpft im Jahr 413 sogar einen Kontrahenten des Kaisers, der ihm im Gegenzug verspricht, Dass er das bekommt, was er unbedingt will, nämlich Getreide, Nahrung. Warum das Ganze schließlich nicht funktioniert, ist nicht ganz klar. Es endet aber dann darin, dass Adolf, statt dass er Galaplacida zurückgibt,
Quasi als Tausch für Land und Nahrung. Stattdessen plündert er den Süden Galliens und nimmt mehrere Städte ein. Eine dieser Städte, Narbonne, wird dann schließlich im Jahr 414 zu dem Ort eines außergewöhnlichen Spektakels. Dort ehelicht Ad Taulf, nämlich Gallaplacidia. Was jetzt an sich bedeutet Kann ich vielleicht vermitteln, wenn ich so ein bisschen die Unterschiede zwischen Athalf und Gallo Placida rausstreiche? Also Galaplacida musst du vorstellen.
Aufgewachsen in einen Palast in Konstantinopel, wie ich vorhin gesagt habe. Es gab keinen Luxus, der ihr fremd war. Alle Wünsche wurden ihr von den Lippen abgelesen. Sie hat wahrscheinlich in ihrem Leben bis zu jener Zeit, als sie geraubt wurde, und mit
den Goten mitzuziehen, keinen Finger rühren müssen. Ja. Und Atalf hingegen ist ein Wiesigother, der zeit seines Lebens nichts anderes getan hat, als von einem Ort zum nächsten zu marschieren mit seinem gesamten Volk auf der Suche nach einem Ort, wo sie sich niederlassen können. Der im Gegensatz zu ihr keine feine Seide getragen hat. Höchstwahrscheinlich nicht gewöhnt waren, die exquisitesten Speisen, so wie sie, sondern wahrscheinlich.
Fälle getragen hat und oftmals einfach nur Gerütze zu sich genommen, um es jetzt ein bisschen plakativ zu sagen. Galaplacidia war streng katholisch und wohl auch sehr gläubig, und Atulf war traditionellerweise war zwar auch ein Christ, aber Arianer. Wir haben das, glaube ich, hin und wieder schon mal besprochen: diese Unterschiede zwischen Katholizismus und
Ariana ist es vor allem im frühen Mittelalter immer ein großes Problem. In diesem Fall hat es keinen Hinderungsgrund bedeutet, dass sie beiden heiraten. Galo Placidia, die ist jetzt nicht nur Tochter, Enkelin und Schwester römischer Kaiser, sie selbst ist jetzt auch Königin der Visigoten.
Weiß nicht, ob sie das freiwillig macht oder ist das gegen ihren. Es ist, weißt du, es ist schwer zu sagen, ob sie es freiwillig hat. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sie es freiwillig gemacht hat, beziehungsweise dass sie nicht so ein großes Problem damit gehabt hat, weil sie natürlich jetzt auch ihre eigene Macht hat, über die sie verfügen kann.
Es ist ja so, Artaulf wollte vielleicht mit dieser Ehe auch zeigen, dass er nicht einfach das Römische Reich zerstören will oder einnehmen will, sondern dass er mit seinen Gurten Teil davon werden will. Es ist auch so die Hochzeit. Die in der Villa des Ingenios stattgefunden hat, eines prominenten Bürgers von Nabon. Diese Hochzeit war eine rein römische Affäre. Also Galla gekleidet in kaiserliche römische Roben und A Tauf. Gekleidet wie ein römischer Soldat.
Sie bekommt dann auch bald einen Sohn und sie nennt ihn Theodosius nach ihrem Vater. Leider, aber natürlich auch nicht ungewöhnlich für diese Zeit, stirbt Theodosius bald nach der Geburt.
¶ Athaulfs Ermordung und Gallas Rückkehr
Damit aber nicht genug. Ihr Mann Athalf stirbt im Jahr 416, nur zwei Jahre nach dieser Eheschließung. Und er wird ermordet von einem Goten namens Siegerig. Und du erinnerst dich, ich habe davon gesprochen, dass Allerich. Als er vor Rom ist, dass es einen Anschlag auf ihn gibt von jemandem aus dem Heer des Honorios. Das war ein gewisser Sarus und der war der Bruder dieses Siegerig. Und das sieht man jetzt wieder mal, diese Verstrickungen hier.
Es ist nämlich so, dass dieser Siegerig höchstwahrscheinlich angestiftet wurde von dem Konstantius, also dem Heermeister von Honorius. Dieser Sigorik, der versucht dann, sich selbst als König aufzustellen, also ist ein weiterer Usurpator, nur diesmal eben bei den Goten wird aber sieben Tage danach selbst getötet. Und ein, ja, werden alle getötet. Aber ein Mann namens Walia wird dann von den Goten zu ihrem neuen König gewählt.
Und dieser Valia, der schließt jetzt tatsächlich einen Frieden mit Honorius. Also Galaplacidia wird gegen jede Menge Getreide zurück nach Ravenna gebracht und Valia in weiterer Folge. Erhält auch die kaiserliche Erlaubnis, gegen die Vandalen in Spanien vorzugehen, was sie dann die nächsten zwei Jahre auch machen werden. Und sie erhalten dann schließlich auch genau das, was sie eigentlich schon immer wollten. Sie erhalten Land.
Sie werden auch Föderati, also das heißt, sie kämpfen dann auch für die römischen Kaiser und sie bekommen dann auch Land in Gallien. Mit Toulouse als ihr Zentrum und sie werden dann auch dort die nächsten drei Jahrhunderte eine wichtige Präsenz bleiben. Also vor allem in Frankreich und dann auch in Spanien.
¶ Ehe mit Constantius und Kaiserinwürde
Galaplacida is also zurück in Ravenna, am Hof ihres Bruders. And obwohl sie natürlich nicht annähernd die Macht hat, die die männlichen Mitglieder ihrer Familie haben, ist sie jetzt a ganz andere Person als jene, die Honorius wahrscheinlich sieben Jahre vorher zum letzten Mal gesehen hat.
Sie ist jetzt 28 Jahre alt, sie ist Witwe, sie verfügte aber über ihr eigenes Geld, vor allem nämlich jenes, das sie von Athalf als Hochzeitsgeschenk erhalten hat. Und sowohl nach römischem Recht als auch nach gotischer Tradition steht ihr das weiterhin zu. Kann ihr niemand wegnehmen. Außerdem hat sie jetzt Verbündete in Form der Visigoten.
Und sie hat auch ihr eigenes Kontingent an Visigoten, das sie mitgebracht hat, nachher Wenna. Die leben jetzt in Baracken, ganz in der Nähe ihres Palasts und sind im Grunde ihre eigene Wache, ihre eigene Garde. Privatarmee dabei. Richtig. Außerdem ist sie eine ehemalige Königin, die es mittlerweile auch gewohnt ist, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und sie auch durchzusetzen.
Es muss für sie deshalb zusätzlich bedrückend gewesen sein, erkennen zu müssen, dass sie trotzdem weiterhin eine Figur in einem Spiel ist, das in erster Linie von Männern gespielt wird. Und allen voran Honorios. Und natürlich auch der vorhin schon erwähnte Constantius. Es ist nämlich so Honorius, der wahrscheinlich als eher Galaplaci, der freigekauft hat, das auch schon vorgehabt hat. der gibt seine Schwester jetzt diesem Heerführer als Frau.
Die Quellen schreiben, dass sie dagegen Einspruch erhoben hat. Kann man sich gut vorstellen. Sie hat nicht viel übrig gehabt für Constantius, vor allem auch, weil er höchstwahrscheinlich auch schuld dran war, dass ihr wie sie gotischer Mann ermordet wurde.
Die Quellen schreiben, dass sie sich so sehr geweigert hat, dass der Kaiser wütend wurde und dann ihre Hand einfach bei dieser Zeremonie im Jahr 417 genommen hat und in die Hand des Konstantius gelegt hat und damit das Ganze offiziell gemacht hat. Wenige Monate nach der Hochzeit ist sie bereits schwanger und wahrscheinlich Anfang 418 gebiert sie eine Tochter, Justa Grata Honoria. Und im Jahr 419 gebiert sie dann schließlich einen Sohn und sie nennt ihn Flavius Placidus Valentinianus.
So wie ihren ersten Sohn gibt sie ihm mit dem Namen Valentinianus ebenfalls einen kaiserlichen Namen. Höchstwahrscheinlich, weil sie davon ausgeht, dass er herrschen wird.
¶ Konstantius' Tod und Gallas Exil
So wird es dann auch sein, aber ein bisschen dauert es noch. Es ist nämlich so Konstantius, der jetzt eine noble Frau hat. Der ist nicht ganz so zufrieden mit seinem Leben. Es ist nicht so wundervoll, wie er sich erhofft hat. Er ist eigentlich ein Soldat und verfügt über keine großartigen Ländereien, keinen Reichtum aus einer wohlhabenden Familie. Er war zwar Konsul,
Wird im Jahr vierhundertzwanzig auch zum dritten Mal zu einem Konsul gewählt. Allerdings war das mehr mit Prestige und weniger mit Reichtum verbunden. Und Honorius merkt jetzt auch, dass er ihnen mit was anderem zufriedenstellen muss. Und er tut es schließlich am 8. Februar 421. Indem man ihm die Augustuswürde verleiht. Wir haben einen neuen Kaiser, beziehungsweise einen Korregenten. Und jetzt gibt es einen Korregenten des Weströmischen Reichs. Kurz darauf wird auch Galla Placidia zu Augusta.
Sie ist jetzt auch Kaiserin. Also, das wird sie nicht automatisch. Nein, muss auch in diese Würde. Sie wird von Constantius und Thonorius Wird ihr diese Würde verliehen? Was auch bedeutet, dass sie jetzt auf Münzen zum Beispiel zu sehen ist. Was ganz gut ist, weil das sind die einzigen bildlichen Darstellungen, die wir von ihr haben. Ah, ja, cool.
Für Galaplacida ist das Leben jetzt eigentlich ganz gut. Sie ist jetzt mit einem Kaiser verheiratet, ihr Kind ist der Thronfolger, weil Honorius selbst hat keine Erben hat, also keine Kinder. Außerdem kann sie sich auf das konzentrieren, was wie wichtig ist, und das ist vor allem der Glaube, ja.
In ihrer Zeit in Rabenna beginnt sie, sich sehr mit auch kirchlichen Themen zu beschäftigen, ist involviert, was Bischofswahlen angeht, beginnt Kirchen zu bauen. Und über eine dieser Kirchen werde ich am Schluss noch sprechen. Aber es wäre nicht die Spätantike, wenn hier nicht nochmal alles neu gewürfelt wird. Im Jahr 421, Galaplacida ist jetzt 33 Jahre alt, stirbt Konstantius, nur sieben Monate nachdem er die Kaiserwürde erhalten hatte.
Entgegen der Annahme, wenn man sich so einer Geschichte anhört, stirbt er aber eines natürlichen Todes, und zwar an etwas, was man Pleuritis nennt, so eine Rippenfellentzündung. Fragen wir nicht, woher wir das wissen, ich vertraue hier der Literatur.
Wie sie das rausgefunden haben. Aber es ist insofern ja kein Problem, weil es gibt ja schon den Sohn, der übernimmt einfach die Nachfolge und gut ist. Ich meine, er ist halt tot, ja. Also für ihn nicht so gut, aber grundsätzlich fürs dynastische Denken natürlich.
Was danach passiert, darüber streiten sich so ein bisschen die Quellen. Galaplacidia hat höchstwahrscheinlich nicht viel für einen gerade verstorbenen Ehemann übrig gehabt. Trotzdem entsteht wieder so ein Machtvakuum. Kennen wir ja schon von der Zeit, als Stilicho umgebracht wird.
Das Heer braucht einen starken Mann und dieser starke Mann ist nicht Honorius. Das ist kein Kaiser, der kämpft. Und es entsteht auch so eine politische Instabilität in der nächsten Zeit, die nicht zuletzt dadurch verstärkt wird. Dass Galla, Placide und Honorius jetzt auch ein incestuöses Verhältnis angedichtet. Also die Quellen sind hier nicht eindeutig. Es wird davon gesprochen, dass sie sich angeblich sehr viel geküsst hätten.
Es ist relativ unwahrscheinlich und ich glaube, es könnte gar nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Es ist nämlich so, dass Straßenkämpfe ausbrechen zwischen Unterstützern der Galia Placidia und Unterstützern des Honorios. Ja. Also die bekämpfen sich in den Straßen von Ravenna und natürlich sind es nur so kleine Scharmützel und keine, die irgendwie einen tatsächlichen Machtwechsel hervorrufen oder verhindern können.
Und Galaplacidia muss einsehen, dass sie jetzt in Ravenna gegen die Macht ihres Bruders keine Chance hat. Und sie wird tatsächlich dann ins Exil geschickt. Im Frühling des Jahres 423 packt sie ihre zwei Kinder zusammen, packt so viele Habseligkeiten und Geld zusammen wie möglich. Also, so viel ihre Gefolgschaft halt tragen kann. Und mitsamt ihrer wisigotischen Garde flieht sie ins Exil nach Konstantinopel, Konstantinopel. Den östlichen Teil des Reichs. Und wer ist dort auf dem Thron?
Theodosius II. ihr Neffe. Hm. Sie lässt sich dort mitsamt ihrer wisigotischen Garde und ihrem Geld in einen Palast nieder, der damals von ihrem Vater schon für sie gebaut worden war. Ihr Verhältnis zu dem Neffen ist grundsätzlich kein gutes. Niemand hat ein wahnsinnig gutes Verhältnis miteinander, weil jeder eben Angst hat, dass man wegnimmt, was er hat und macht. Nicht zuletzt auch Wegen ihres verstorbenen Ehemanns Constantius, weil Constantius zum Zeitpunkt seines Todes war er kurz davor.
Gegen die Truppen des Theodosius zu reiten, weil Theodosius II. ein Problem damit gehabt hat, dass Konstantius zum Korrigenten ein Antwort. Ja, natürlich. Ich meine, kannst du dir vorstellen. Zuerst gibt es zwei und dann macht er das ist so wie, wenn du weißt, dass ich meine, wie problematisch das ist, wenn du ein Reich hast und dann plötzlich
Wird jemand anderem die gleiche Macht gegeben wie dir, obwohl du da auf überhaupt keinen Einfluss hast? Ja, ich kenne das. Ich kenne das sehr gut. So ist es ja. Man kennt's. Ja, es ist so, ich mache einen Podcast und teile einfach die Macht 50-50 mit einem anderen. Das ist schwer. Gale Placida tut daher das einzig Sinnvolle. Sie ist vorsichtig. Sie beschließt die Sache einfach einmal auszusitzen. Kennst du den Spruch?
Good things come to those who wait. Meine Taktik. Richtig. Genauso passiert es auch im Fall der Gallier Placide. Weil am 27. August des Jahres 423, also nur ein knappes halbes Jahr, nachdem sie ins Exil nach Konstantinopel gegangen war, Stirbt ihr Bruder Honorius an einem Ödem, beziehungsweise der Wassersucht?
¶ Regentin des Weströmischen Reiches
Ich gehe jetzt nicht auf die Einzelheiten ein, aber es gibt jetzt wieder alle möglichen Verstrickungen und Versuche, den eigentlichen Thronfolger, nämlich den Sohn Galaplacidias, Nicht zum weströmischen Kaiser zu machen. Der Senat er nennt wieder mal einen eigenen Kaiser, einen gewissen Johannes und Theodosius. der wahrscheinlich
Kurzzeitig damit geliebäugelt hat, einfach wieder über das gesamte Reich zu herrschen. Er unterstützt aber dann schließlich seine Tante Galaplacide und ihren Sohn, indem er sie. offiziell als Augusta bestätigt und ihren Sohn als den Nobilissimus. Und um das Ganze noch zu bekräftigen, wird der junge Valentinian mit der noch jüngeren Tochter des Theodosius, einer gewissen Eudoxia, vermählt.
Ja, also das heißt, sie heiraten nicht gleich, aber wenn sie ins heiratsfähige Alter kämen, würden sie verheiratet und würden damit dann auch wieder beide Teile des Reiches vereinen. Mhm. Weil Valentinian allerdings noch so jung ist, er ist gerade einmal fünf Jahre alt, als sein Onkel Honorius stirbt, wird seine Mutter Galla Placida effektiv zur Regentin des Weströmischen Reichs.
Nach der offiziellen Ernennung Valentinians zu Valentinian dem III. In Rom kehren sie nach Ravenna zurück und Galia Placidia wird jetzt tatsächlich bis zur Volljährigkeit ihres Sohns die Zügel in der Hand halten. Aber auch nicht wirklich. Und das ist im Grunde die Tragik des westlichen Teils des Römischen Reichs, beziehungsweise des Römischen Reichs an sich zu jener Zeit. Obwohl Herrscher auf dem Papier waren diese Kaiser und in diesem Fall auch die Regentin in Form der Galaplacidia.
Schon lange nicht mehr die alleinigen Machthaber. Ich habe das ja vorhin einige Male erwähnt. Die starken Leute in diesem Reich sind vor allem die Heerführer. Und auch im Fall der Regentschaft von Valentinern III. gibt es mehrere Heerführer, die sich gegenseitig streiten, hier die starken Männer in diesem Reich sein zu können. Wer dort siegreich hervorgeht im Fall der Regentschaft des Valentinian des Dritten, ist ein gewisser Flavius Aetius.
der wird im Grund mehr oder weniger die Geschicke des Weströmischen Reichs bis in die 450er Jahre bestimmen. Nachdem die Hochzeit zwischen Valentinern III. und Eudoxia, der Tochter des Theodosus II. schließlich dann im Jahr 4unddreißig vollzogen wird, Verliert Galia Placidia auch immer mehr an Einfluss. Also, so wie ihr Sohn Valentinian verbringt sie jetzt auch mehr Zeit in Rom.
Tatsächlich wird Rom ab der späteren Regentschaft von Valentinian III. wieder bis zum Ende des Weströmischen Reichs Sitz der Kaiser werden. Also das kleine Zwischenspiel durch Ravenna ist hier mit mehr oder weniger beendet. Galla Placidia stirbt schließlich im Jahr 450 mit 62 Jahren in Rom, wohl auch eines natürlichen Todes.
Es gibt noch eine ganz interessante Geschichte um ihre Tochter Justa Grata Honoria, die ich vorhin ja kurz erwähnt habe, und zwar in Verbindung mit Attila dem Hundenkönig, die sich auch im Jahr 450 zugetragen haben soll.
¶ Galla Placidias Mausoleum und Erbe
Das, lieber Daniel, ist aber eine ganz eigene Geschichte. Die Fortsetzung dazu. Sehr gut. Genau. Aber du bist eingestiegen mit einem Mausoleum in Ravenna. Das heißt, sie ist zwar in rumgestorben, aber sie kommt dann irgendwie doch noch nach Ravenna. Eben nicht. Es ist nämlich ganz lustig. Ihr habt ja gesprochen, sie baut Kirchen in Ravenne. Und eine Kirche, die sie gebaut hat, diese große Kirche, und diese Kirche, die hat unter anderem ein Gebäude.
Das heute bekannt ist als das Mausoleum der Gallia Placidia. Es ist allerdings fraglich, ob dieses Gebäude erstens überhaupt als Mausoleum gebaut wurde, und es ist ziemlich sicher, dass sie nicht in diesem Mausoleum liegt. Beziehungsweise nicht einmal liegt. In diesem Mausoleum gibt es so einen Thron aus Stein. Und es hieß, dass sie das gebaut hat, weil sie sitzend begraben werden will.
Aber das ist sehr unwahrscheinlich. Also, sie hat höchstwahrscheinlich nie die Fertigstellung dieses Mausoleums selber gesehen. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie irgendwo in Rom begraben wurde. Man weiß es aber auch nicht ganz sicher wo. Das Mausoleum an sich, Ist aber tatsächlich heute noch vorhanden. Also es wurde ursprünglich als Teil einer Kirche gebaut zu Ehren des Heiligen Laurentius von Rom.
Im Laufe der Jahrtausende wurde dann diese Kirche beinahe vollständig abgebaut, umgebaut, also der Großteil zerstört, sodass schlussendlich heutzutage nur noch dieses sogenannte Mausoleum der Gale Placidia steht. Und es ist aber trotzdem heute das eindrücklichste Andenken an eine Frau, die mittendrin war, als das Weströmische Reich seinem Niedergang entgegenblickte und die Antike. So langsam ins frühe Mittelalter überging. Auströpfelt. Richtig.
Und dann ja irgendwann die Wer nimmt dann die Kaiserwürde zunächst mal die Merowinger? Oder wer sind es dann? Oh, das sind's erst die Karolingerinnen, die die Kaiserwürde übernehmen. Karl dem Großen. Naja, Kaiser gibt es unter den Merowingen keine, dann gibt es Könige. Dann wird es erst wieder Karl der Große. Ich meine, wir sind hier noch nicht am Ende des Weströmischen Reichs. Also 450
sind wir noch ein bisschen drin. Es dauert ja dann, bis schlussendlich wieder quasi mit dem Einfall in Rom das Weströmische Reich beendet wird. Es gibt ja nicht einmal eindeutige Jahreszahlen oder etwas, an denen man tatsächlich festmacht, wann das Ganze tatsächlich beendet ist. Was ich natürlich auch immer mitgenommen habe im Rahmen meines Studiums, ist, dass Es so ja den Fall Roms auf die Art und Weise gar nicht gibt. Und wir sehen das hier jetzt auch schon anhand dieser Geschichte.
Es vermengen sich dann die römischen Strukturen mit den Strukturen der diversen Völker, also Goten und Vandalen und was auch immer so ins römische Reich kommt. Und das heißt, es ist kein Niedergang eigentlich des Römischen Reichs, sondern es ist eine Veränderung.
Also es ist einfach eine Entwicklung, die natürlich dann von vielen später bezeichnet wurde als Beginn der Dark Ages. Und interessanterweise ist es so, dass ich auf Galaplacida gestoßen bin, weil ich angefangen habe, ein Buch zu lesen, das vor kurzem rausgekommen ist, das heißt, The bright ages.
Wo dagegen argumentiert wird, dass das Mittelalter im Grund, dass das die Dark Ages waren und dass da wahnsinnig viel passiert ist und da wird am Anfang eben auch gesprochen über dieses Mausoleum der Galli-Placida in Ravenna und so überhaupt draufgestoßen. Ah ja, interessant. Und wie lange dauert es dann eigentlich noch danach, bis die Kaiser wieder von Ravenna nach Rom ziehen? Also Valentinian...
Der dritte, also der Sohn von Galaplacida, der ist schon derjenige, der wieder nach rumzieht. Ah, okay. Das heißt, es war ein Zeitraum, also ungefähr 402, da zieht der erste nachher, wenn er und dann
Es ist ja auch nie so, dass immer nur diese eine Stadt ist. Also die wechseln dann ja auch hin und wieder die Städte, aber es ist ja auch so, dass vorher zum Beispiel die weströmischen Kaiser auch nicht ständig in Rom waren, sondern teilweise in Mailand oder auch in Trier, weil vor allem in der Spätantike war es so, dass viele Kaiser vor allem in der Nähe der Grenzen sein wollten. Weil es war eben wichtig, diese Grenzen zu schützen und da ist viel passiert, ja.
Also vor allem Probleme in Britannien, ja, da hat es zu jener Zeit immer wieder Probleme gegeben, wo man dann Truppen hinschicken hat müssen. Und deswegen war es für viele eigentlich wichtiger, dass sie eher in der Nähe der Grenzen sind als in so einer Stadt wie Rom, dass er dann doch sehr südlich war und weit entfernt von den eigentlichen Problemgebieten des Reichs. Und wahrscheinlich als Stadt auch gar nicht mehr so attraktiv war.
Es ist schon eine mächtige Stadt gewesen, noch zu jener Zeit. Also, ich meine, es war ungefähr eine Million Einwohner gehabt. Es ist nicht nix gewesen. Es ist schon die größte Stadt gewesen, aber es war auch noch Sitz der Senatoren und all diese Dinge. Aber. Es war als Machtzentrum der Kaiser eben nicht mehr so eindeutig, wie es die Jahrhunderte davor war. Und A Ravenna ist also dann das Avignon der Spätantike. Richtig. Yeah.
Und ja, viele, viele Gebäude wurden gebaut dann von den Kaisern, die dort waren und eben auch von Gallo Placida, aber weniger hat überlebt. Das Mausoleum ist eben eines der wenigen Bauwerke, das tatsächlich überlebt hat. Auch sehr überraschend, dass es tatsächlich überlebt hat. Also was damit passiert ist alles, ja. Es ist ja zum Beispiel auch drei Meter abgesunken in den Boden. Und erst so, ich glaube, im 19. Jahrhundert wird das tatsächlich in Angriff genommen, weil dieses Gebäude war.
dann zu jener Zeit halt ziemlich heruntergekommen und überwachsen und so weiter. Und von außen sieht es eben sehr unscheinbar aus. Man muss eigentlich reingehen, um die wahre Wirkung falten zu lassen, die dieses Mausoleum hat. Bevor du fragst, ich war noch nie dort.
¶ Warum Galla Placidia Unbekannt Blieb
Jetzt dachte ich mir fast. Gut, vielleicht, nachdem ich jetzt mehr oder weniger schon erklärt habe, wie drauf gestoßen bin ich. Achso, bist du schon fertig mit deiner Geschichte, Richard? Ja, ich bin fertig. Achso, okay. Wir sind schon im Real Talk. Richtig. Okay. Eine Sache, die du jetzt so verwoben hast in diese Geschichte, ist ja, also zum einen natürlich diese Komplexität der unterschiedlichen Machthaber, die da immer reinkommt, aber der Rote Faden ist ja die Biografie der Galla Placidia.
Ist sie eigentlich, weil ich habe von ihr noch nie gehört. Also ist sie warum? Also Es ist ganz kurios irgendwie, weil sie in der Wissenschaft nicht so unbekannt ist. Also, ich habe allein jetzt Für diese Vorbereitung habe ich, es gibt drei Monografien über sie, die alle mehr oder weniger so anfangen, also die erste ist glaube ich so um 2010 rauskommen, dann ein paar Jahre später noch eine und ich glaube die letzte 2020.
In der Literatur, also im akademischen Umfeld, ist sie bekannt und ist auch viel geschrieben worden über sie. in der öffentlichen Wahrnehmung ganz wenig eigentlich und ich kann es mir nicht ganz genau erklären warum. Weil es natürlich auch spektakulär ist. Ich meine, sie war im Ostrom, sie war in Westrom, sie war ja auch zeitweise dann verheiratet mit einem Visigoten. Also ich meine, das ist ja sie waren an allen an allen Ecken beteiligt, die irgendwie spannend oder halt. Yeah, cut it on.
Ich meine, ich kann mir vorstellen, und das ist grundsätzlich auch natürlich das Problem, wenn man sich solche Figuren anschaut. Es gibt wenig von ihr, das sie so ein bisschen greifbar macht. Ja. Weißt du, was ich meine? Also es ist viel über sie geschrieben worden, aber dass sie. Irgendwie so als Person so richtig. Wir wissen natürlich, ja, sie war Gläubig und so weiter und hat sich sehr engagiert für die Kirche und das Christentum und all solche Dinge, aber.
Sie war einfach weniger. Wir wissen tatsächlich zum Beispiel auch nicht, wie sie sich gefühlt hat, als sie mit dem wie sie gotischen Athal verheiratet wurde. Und ich glaube, das sind vor allem Dinge, die dafür sorgen, dass auch in der öffentlichen Wahrnehmung historische Persönlichkeiten irgendwie bekannter sind oder mehr rezipiert werden, als jetzt in der Forschung zum Beispiel. Aber
Vollständig kann es das auch nicht erklären, glaube ich, warum sie so unbekannt ist. Dafür, dass sie ja tatsächlich auch wirklich eine der mächtigsten Personen dann in der Spätantike war. Was vielleicht auch so ein bisschen Erklärung ist, weil Spätantike ist für viele, die sich jetzt nicht wissenschaftlich damit beschäftigen, nicht wahnsinnig interessant. Also dieser Übergang von Antike.
Zum frühen Mittelalter, das wird gerne mal irgendwie so ein bisschen übersprungen. Erstens, weil es diese Sehr volatile Zeit ist, die ich jetzt beschrieben habe, die teilweise halt auch sehr verwirrend ist und du hast viele unterschiedliche Namen und Usurpatoren und du hast nicht wirklich so eindeutige Machtverhältnisse und das macht es wahrscheinlich als. Als Narrativ, den man gern folgen will, für viele ein bisschen zu komplex. Dann werden natürlich auch so Menschen wie Galaplaci, der
In der öffentlichen Wahrnehmung auch nicht so bekannt, wie sie eigentlich sein sollten, basierend auf dieser Biografie. Es ist ja so, ich habe von der Darstellung gesprochen, ja. Es gibt nur eine Darstellung und das ist die auf den Münzen. Es gibt mehrere Artikel und so weiter, die gerne mal geschrieben werden über Galaplacida, die dann bebildert werden.
Selbst die Biografie, die ich gelesen habe, die werden bebildet mit Bildern, die sie gar nicht darstellen, wo aber dann immer behauptet wird, dass sie dargestellt wird. Also es gibt einen Artikel, werden tatsächlich alle Bilder herangezogen, die zwar Frauen zu jener Zeit und ich glaube eines sogar.
Die Frau des Stilicho mit ihrem Sohn, aber eben nicht Galaplacida. Also, wenn du irgendwo Bebilderung siehst und es ist keine Münze und es steht dort, das ist Gala Placida, dann weißt du, es ist falsch.
¶ Komplexität der Spätantike und Macht
Verstehe, sehr gut. Aber weil du das jetzt auch gerade angesprochen hast, die Komplexität der Spätantike, was vielleicht auch so ein bisschen daran liegt, dass diese Zeit insgesamt auch weniger bekannt ist. Ich glaube, an sich wären ja Übergänge auch total spannend, weil man da halt super Sachen erzählen kann, weil man da zum Beispiel auch
Diese Veränderungen hat, diese Usurpatoren, die an die Macht kommen und so. Also, da gäbe es ja auch Geschichten, die man, glaube ich, gut erzählen kann. Einerseits, andererseits aber ist es halt zu komplex, weil es ist immer so, dass Das hat man jetzt auch bei dir gemerkt, so jemand kommt in die Macht, aber das bringt gar nichts, weil spätestens zwei Jahre später ändert sich die Situation wieder komplett.
Ich glaube, es ist allerdings auch so eine gute Zeit, um sich auch grundsätzlich so die Frage zu stellen: Was bedeutet Macht eigentlich? Was bedeutet Macht auch zu jener Zeit? Und du kommst dann halt drauf. Du kannst es gar nicht eindeutig sagen, ja. Bedeutet macht, dass du den Oberbefehl über dein Heer hast, dann
haben die diversen theodosianischen Kaiser nicht wahnsinnig viel Macht gehabt, weil die Macht eigentlich bei dir Heerführern lag. Also es ist schon eine sehr interessante Zeit, um sich auch diese grundsätzlichen Fragen zu stellen, denke ich. Ja.
Und es ist nämlich auch interessant, ähm, wenn man sich anschaut, wie dann doch manche Reiche ja auch dann länger Bestand hatten. Also ich meine, dass Ostrom in Konstantinopel einfach dann über die Antike hinweg Bestand hatte, dann auch ja sich das Papsttum auch halten konnte.
Mit dem Kirchenstaat und so über sehr viele Jahrhunderte. Das finde ich auch sehr spannend. Und dann ja, gleichzeitig ja im Krone genommen im Die neuen Königreiche entstanden sind, also dann irgendwie Merowinger, Karolinger und so. Yeah. Nein, persönlich finde ich es eine sehr spannende Zeit, deswegen habe ich auch meine
Eine große akademische Arbeit ja auch über das Meerwingereich geschrieben, das ja dann eineinhalb Jahrhunderte später kommt, ja. Also das hängt ja jetzt dann alles schon sehr miteinander zusammen, ja. Was ich noch fragen wollte oder sagen wollte, was ist mit den Visigoten los? Die wollten eigentlich nach Afrika und landen dann in Gallien?
Naja, weil es halt nicht funktioniert hat nach Afrika und dann haben sie. Es gibt auch so ein bisschen, wie in diesen unterschiedlichen Biografien in einer zum Beispiel wird So gemutmaß, dass eventuell die Gala platzierte Artalf auch auch davon überzeugt hat, zuerst einmal nach Spanien zu gehen, weil ihre Familie eigentlich in Spanien gelebt hat. Also sie selber hat nie in Spanien gelebt, aber ihr Vater und hat wohl auch gehört, wie schön dort sei, etc. und hat wahrscheinlich auch
Also es wird so gemutmaßt, dass sie ihn vielleicht auch dahingehend beeinflusst hat. Was ganz unwahrscheinlich ist, weil es war zum Beispiel bei Wiese Gotten nicht so ungewöhnlich, dass sie auch Frauen. gefragt haben um Rat bei solchen Dingen.
Also man muss sich das nicht so vorstellen, dass Frauen jetzt überhaupt keine Rolle gehabt hätten, die über das Kinderkriegen rauskriegen, sondern bei den Wisigoten war das auch durchaus üblich, dass hier... solche Sachen besprochen worden sind und ich meine, ich kann mir auch vorstellen, Sie war ja eine römische Prinzessin und einen gewissen Wert haben sie wahrscheinlich schon auf die Dinge gelegt, die sie gesagt hat. Also es kann auch gut sein, dass sie eben aufbetreiben.
Beziehungsweise auf Anraten der Galaplazi, die ja dann auch nach Spanien gegangen sind. Ja, ich meine, große Seefahrnation waren sie ja auch nicht, ne? Also wahrscheinlich Nein, gab es da wenig Tradition. Wobei, der Weg ist ja auch nicht so weit dann von Sizilien bis Afrika. Ja, aber es ist gefährlich, wie es sich gezeigt hat. Es ist nicht wahnsinnig lang, aber es ist gefährlich.
Also vor allem, um auch einmal nach Sizilien zu kommen. Ja, klar. Mit ja 40.000 oder wie viel hast du gesagt? Mindestens. Ja, ungefähr. 40.000 Kriegern und ihren Familien. Ja, Richard, sehr spannende Geschichte. Also, wie du merkst, wir könnten da jetzt noch länger drüber reden, weil es einfach auch sehr komplex ist. Also ich danke dir sehr, dass du dich da durchgewühlt hast und uns und mir das näher gebracht hast. Also
Eine große Wissenslücke gefüllt. Ich kenne jetzt die Kalia Placidia, ich weiß, warum sie in Ravenna waren und ich weiß mehr oder wie sie gut. Sehr gut. Wenn du das mitgekriegt hast, dann ist ja das Wichtigste. Man muss sich ja nicht alles merken, aber zumindest ein paar Eckpunkte. Sehr gut. Und Allerich und Plünderung Roms, das glaube ich auch noch so. Eine Highlights der Speckantike. Genau, die Highlights der Speckantike. Sehr gut. Dann würde ich sagen,
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Tja, dann würde ich sagen, Richard, mach mal das, was wir immer machen, und geben dem einen das letzte Wort, das immer hat. Nämlich Bruno Kreisky. Aber also kannst du auch weitermachen, ich weiß nicht wie laut. Wir möchten nicht, dass das im Hintergrund ist. Warte, schalte mal da raus. Was da los ist. Warum? Aber das sind Bedingungen, die sind eigentlich inakzeptabel.
