#96 Bin gleich da: Übertreiben wir’s mit der Pünktlichkeit? - podcast episode cover

#96 Bin gleich da: Übertreiben wir’s mit der Pünktlichkeit?

Apr 15, 202552 min
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Summary

Die Episode untersucht, warum wir pünktlich sind und wie wir Wartezeiten besser nutzen können, anstatt uns zu ärgern. Ein Zeitforscher erklärt kulturelle Unterschiede und psychologische Ursachen für Unpünktlichkeit, während ein Filmemacher über sein Experiment berichtet, eine Woche ohne Uhr zu leben. Der Podcast regt zum Nachdenken über den gesellschaftlichen Wert von Zeit und Gelassenheit im Alltag an.

Episode description

Es sollte für Anne ein einstündiger Red Carpet Moment werden. Für Anne und alle, die es ähnlich streng mit der Pünktlichkeit halten. Am Ende ist es dann doch eine harte Prüfung geworden, und die Aufforderung, diesen Pünktlichkeitsfetisch vielleicht mal zu hinterfragen: Wenn man sich auf euer Zeitmanagement super verlassen kann und ihr nie zu spät zum Date kommt, dann zeichnet euch das sicher aus. Ihr verpasst nicht den Bus, der Bus verpasst euch – geil! Aber wer immer genau in time ist, der fährt sich nicht selten unangemessen hoch, wenn er warten muss. Und wie sehr kann man eigentlich den Augenblick genießen, wenn man gedanklich schon beim nächsten Termin ist? Der Zeitforscher und Autor Jonas Geissler unterstützt Menschen, die das Optimum aus ihrem Stundenplan rausholen wollen. Menschen, die ständig zu spät kommen, sind laut Jonas Geissler nicht per se respektlos oder verplant. Eine große Gruppe verspätet sich regelmäßig, weil sie sehr im Hier und Jetzt lebt und die kommenden Termine nicht auf der Uhr hat. Und ja, es gibt auch die Arschlöcher, die einen warten lassen, um sich wichtig zu machen, Denn wer wenig Zeit hat, gilt als erfolgreich. Wer auch mal ne halbe Stunde rumgammelt, als verzichtbar. Der Autor und Filmemacher Joseph Bolz geht in seinem YouTube-Format Joseph DeChangeman ans Limit. Da lebt er eine Woche ausschließlich von rohem Gemüse oder ohne Licht. Joseph arbeitet einen Monat lang 100 Stunden die Woche, bringt 14 Tage nicht den Müll raus oder lebt eine Woche ohne Zeit. Für sieben Tage hat Joseph die Armbanduhr abgelegt, die Batterien aus dem Wecker genommen, die Backofenuhr zugeklebt und WhatsApp vom Handy genommen. Termine hat er nur nach Gefühl wahrgenommen und viel Zeit im Wartezimmer verbracht. Trotzdem wurde Josephs Laune zum Ende hin immer besser. Euer Feedback immer gerne über flexikon@ndr.de Das empfehlen wir euch: Liebt Euch! Der UNSERDING Dating Podcast: https://www.ardaudiothek.de/sendung/liebt-euch-der-unserding-dating-podcast/95618460/ Und hier gibt’s Hörspiele von Joseph Bolz in der ARD Audiothek: https://www.ardaudiothek.de/episode/knallhart-die-ard-thriller-hoerspiele/running-backwards-gestern-ist-heute/ard/13745457/ https://www.ardaudiothek.de/episode/knallhart-die-ard-thriller-hoerspiele/ich-hoerte-vom-ende-der-welt-paranoia-fuehrt-zu-mystery-horror/ard/12828591/ https://www.ardaudiothek.de/episode/knallhart-die-ard-thriller-hoerspiele/who-lives-there-tinder-date-wird-zum-albtraum/ard/94590280/

Transcript

Annes Pünktlichkeitsfrust

260 Stunden, Steffi. Das ist so lange, wurde ich in meinem Leben grob überschlagen, schon warten gelassen. Wer da nicht warnt, der hat kein Herz. Und das ist so eine Zahl, die du so einfach griffbereit auf Tasche hast. Das rät sehr, sehr, sehr sympathisch. Das ist eine Zahl. die ich anlässlich der heutigen Aufzeichnung mit einer komplizierten Formel mir errechnet habe. Ich beziehe mich hierbei auf die vergangenen 20 Jahre. Jedes Jahr hat etwa 52 Wochen, das weiß man. Das sind 1040 Wochen.

Und davon ausgehend, dass ich pro Woche etwa 15 Minuten, und das habe ich liebevoll abgerundet, 15 Minuten auf Menschen warte, kommen wir auf 260 Stunden. Lieber Gott, lass mich den Rechenweg nicht falsch gegangen sein. Einmal im Leben. Jetzt ist auf jeden Fall für euch der richtige Zeitpunkt, sich von Anne zu entfreunden. Ihr könnt dann bei mir andocken. Ich bin die mit der Nachsicht und Anne ist die mit der Stoppuhr und dem Notizblock, die sich eure Verspätung merkt. Notiert.

Nö, merke ich mir nicht, notiere ich mir. Na gut, aber Verständnis hin oder her. Jeder hat wahlweise schon mal darüber abgekotzt, dass er oder sie warten gelassen wurde oder hat sich geärgert. weil er oder sie durch zu spät kommen irgendwas elementar Wichtiges verpasst hat. Zum Beispiel ein Kinodate mit Anne oder fast genauso schlimm, richtig schlimm, ein Flugzeug. Fast so schlimm wie ein Kinodate. Und deshalb gehen wir heute der Frage auf den Grund, wieso.

kommen wir eigentlich zu spät und schaffen wir es vielleicht irgendwann mal im Leben pünktlich zu sein. Das wäre doch eine schöne Sache. Außerdem gibt es eine Menge kluge Sachen rund ums Thema Zeit, die euch vielleicht zukünftig ein bisschen milder stimmen. Wenn ihr mit einem bereits erkalteten Räuber steht, go auf die RE1 nach Recklinghausen.

Münster-Westfalen wartet oder sowas. Und dass ihr da ein bisschen ruhig bleibt und euch die Zeit gut gestaltet. Das versprechen wir euch. Nach dieser Folge seid ihr soweit. Abgemacht. Das ist das Sprungbrett, durch das ihr zum Verständnis kommt. Mit Steffi Bonowski und Anna Radatz. Das Flexikon ist ein Podcast von Enjoy vom NDR und das findet ihr. Na Steffi, wo finden die? Da, wo man gerne wartet.

Da wartet man wirklich. Da warte sogar ich gerne. Ein Laber-Podcast mit Bildungsauftrag für wichtige, unbequeme, viel zu selten gestellte und manchmal auch peinliche Fragen des Lebens. Die wollen wir beantworten mithilfe von Leuten, die es wissen müssen. Ist hier die Frage. Bin gleich da, übertreiben wir es mit der Pünktlichkeit. Das ist doch eine gute Frage. Wenn ich bin gleich da schon höre, spielt mir schon der Kampf. Hörst du so Nachrichten öfter mal?

Kulturelle Zeitwahrnehmung

Ja, ich weiß aber auch bei Leuten, wenn das steht, dann gleich da sind die noch nicht mal los. Ich habe ja meine Position zum Thema eingangs, ich habe die vielleicht ein wenig überzeichnet, Steffi, aber es ist schon so, dass ich sehr... pünktlich bin. Ich bin tendenziell sogar eher zu früh als zu spät, darauf wurde in meiner Erziehung auch außerordentlich viel Wert gelegt und ich finde, dass Pünktlichkeit eine Form der Höflichkeit ist, weil man respektvoll mit der Zeit

anderer Menschen umgeht. Es ist nicht so, dass ich ein... einen veritablen Wutanfall kriege, wenn ich die erste im Restaurant bin, die anderen kommen um drei nach. Aber wenn man so 20, 30 Minuten warten gelassen wird, dann gebe ich das Messer in der Tasche auf, wie unsere Kollegin Svenja immer sagt. Ich kenne dein Gesicht, wenn du warten musst. Das ist immer so bemüht. freundlich auf jeden Fall. Ich bin eigentlich auch eine Mischung aus Milde und Hass.

Mit Hass gewartet. Ich bin ein wirklicher Mensch. Ich habe immer die Zeit im Blick, aber ich komme dann am Ende dann doch immer so ein bisschen spitz auf Knopf. Ich habe auch schon mal überlegt, woran das liegt. Vielleicht peitscht mich dieser Zeitdruck so angenehm auf. Das tut mir gut, wenn ich mich...

ein bisschen unter Druck, das kann möglich sein. Wobei es für ein langes, schönes Leben wahrscheinlich besser wäre, das nicht zu tun. Das wäre wahrscheinlich gesünder, aber ich mache deutlich ungesündere Sachen. Das wird mein Leben nicht verkürzt. Ich dachte, du kommst mit der Erklärung. und die hätte ich total gelten lassen, dass du Mutter bist, weil das möchte ich einmal dazu sagen, dass es mir...

Wirklich wichtig. Ich weiß, dass man es als kinderlose Person wie ich deutlich leichter hat mit der Pünktlichkeit und dass es deutlich schwieriger wird mit jedem Kind, das man gebärt, weil man ja nicht alleine über seinen Zeitplan mehr verfügt. Da möchte ich mich einfach vor einem Elterlichen schätzen.

Ja, ach Quatsch. Aber das stimmt, man kann ja trotzdem sich bemühen, pünktlich zu sein. Ich glaube, auch da trennt sich die Spreu vom Weizen nachher. Also da merkt man schon, wer ist unpünktlich und schiebt da die Bedürfnisse seiner Kinder vor. Ich habe relativ viel mit sehr späten Menschen auch zu tun.

Pathologisch. Aber, das ist mir aufgefallen in Vorbereitung auf die Sendung, das sind immer sehr herzliche Menschen. Das sind keine Menschen, die mich am langen Abend verhungern lassen. Die sind sehr freundlich, die sind sehr lieb. Mit denen kann man eine gute Zeit haben. Ich habe auch eine Freundin, die kam dann einmal eine Stunde zu spät, aber dann mit der Fahrradrekscher. Weil ihr nichts mehr anderes eingefallen ist. Hast Mitra? Nein. Das war in Köln.

Ich habe was gelesen in der Recherche. Unterbrich mich bitte umgehend, wenn dein Flexperte darauf vielleicht auch noch zu sprechen kommt. Ich will es nicht vorwegnehmen, aber sequenzielles und synchrones Zeitempfinden. Ich warte immer auf deine...

Leider Recherchen der Siegfried und Joy Universität aus Merzahn. Es ist keine Studie, die ich mitgebracht habe, aber es gibt Kulturforschende, die sagen, in manchen Ländern gäbe es ein überwiegend sequenzielles Zeitempfinden und in anderen ein eher synchrones.

Deutschland gehört eher zu den Kulturen mit sequenziell im Zeitverständnis, da wird die verfügbare Zeit so stramm durchgetaktet und sie zu verschwenden ist was Schlechtes, aber in Kulturen, die ein synchrones Zeit, ich hoffe, ich bring's nicht durcheinander, aber ihr werdet's googeln und mir sagen.

im Leben noch nie genutzt. Aber ich werde das natürlich ganz oft benutzen. Genau, und die Kulturen, die ein synchrones Zeitempfinden haben, da sind so zwischenmenschliche Beziehungen wichtiger und das hier und jetzt, das ist wichtiger als Termine und Verabredung. Und ich...

Ich glaube, ich muss mich jetzt nicht nochmal einordnen. Mein Punkt ist angekommen. Ich will nur sagen, wie man mit Zeit umgeht, das hat auch was mit dem kulturellen Hintergrund zu tun, aber sicher auch mit tausend anderen Dingen.

Und mit welchen genau darauf wird es ja jetzt im Folgenden wahrscheinlich noch gehen. Das wird nicht das Einzige sein, weshalb ihr nach dieser Folge wahrscheinlich mehr Nachsicht mit zu spät kommenden Menschen habt. Vielleicht werdet ihr sogar euer Zeiteisen entsorgen. Ich kann nichts versprechen, aber es wäre ja schön.

Kannst du mir aber versprechen, dass das Wort Zeiteisen nicht so oft benutzt in der Folge? Warum denn nicht? Das habe ich vom Mittelalter mal mitgebracht. Okay. Was fängt eigentlich an? Ich fange an und da kannst du mir erzählen.

Vorstellung der Zeitexperten

wen du mitgebracht hast. Ich habe Josef mitgebracht. Josef Bolz, der ist Filmemacher und Hörspielautor, aber darum soll es nicht gehen. Aber diese Jobs macht er sehr gut. Aber der hat ein YouTube-Format. Warum guckst du denn so? Macht er sehr gut. Ich will nur sagen, dass der Josef nicht nur Lebensexperimente macht, sondern auch andere Dinge. Und er hat aber ein YouTube-Format, das heißt, ich weiß nicht, ob ich es richtig ausspreche, Josef the Changeman.

Würde ich sagen. Joseph. The Changeman. Und da probiert er so unterschiedliche... Dinge aus, für die wir alle zu faul oder zu schissig sind. Und unter anderem, und deshalb ist er vielleicht Experte in der heutigen Folge, hat er eine Woche ohne Zeit gelebt. Ohne Uhr, ohne Uhrzeit. Und wie ihm das so... willkommen ist und welche Schlüssel er da so draus gezogen hat. Und ob er das empfiehlt oder nicht, da kommen wir dann im späteren Verlauf dieser Sendung. Würdest du als Soldatenkind

Eher eine Woche ohne Zeitmessende Geräte. Oder die am lebendigen Leibe die Haut abziehen. Oder ins Dschungelcamp ziehen. Ja, das wird schön auf jeden Fall. Aber da gibt es auch keine Uhr. Aber da ist es auch relativ egal. Weil egal mit wem du dich verabredest, du wirst ihn irgendwann oder sie... Es wird auch kein Bus wegfahren ohne dich. Aus dem Dschungelcamp. So, nun fängst du an. Jonas Geißler, der ist Zeitforscher, der ist der Sohn von Karl-Heinz Geißler.

Er ist ebenfalls Zeitforscher gewesen. Die beiden haben zusammen Bücher geschrieben, zuletzt auch zusammen mit Harald Lesch, den kennt man. Der ist Wissenschaftsjournalist und der sitzt auch häufiger mal in Talkshows. Und Jonas Geisler weiß ganz viel über die Zeit, sowohl wie... man sich ganz praktisch alles so ein bisschen besser einteilt.

dass man vielleicht auch immer pünktlich kommt, aber er beschäftigt sich natürlich auch mit dem großen Ganzen. Also man hat ja nur ein beschränktes Kontingent an Zeit und da kann man ja nicht ins Dispo gehen, leider. Und deshalb sind wir und bist du.

Gelassenheit im Wartefall

Annemarie auch relativ schnell fuchsig, wenn dir jemand deine Zeit stiehlt. Insofern gucken wir nachher auch mal aufs Große und Ganze, warum das so ist, warum wir einfach so sauer sind, wenn wir versetzt werden. Du willst sagen, was mit mir nicht stimmt? Auch. Die Frage ist ja, wie geht ein Profi damit um?

Also, gesetzt den Fall. Herr Geisler, ich wäre jetzt zehn Minuten zu spät zum Interview gekommen. Hätte ich ihm die Zeit gestohlen? Nein, weil ich mittlerweile so weit bin, dass man mir die Zeit... fast nicht mehr stehlen kann. Ich lasse sie mir einfach nicht stehlen. Da ist die Frage, sind sie für mich verloren oder bewerte ich sie als verlorene Zeit oder nicht? Und das versuche ich eben nicht zu tun, sondern überall da, wo ich bin.

Und meine Zeit nicht selber gestalten kann, kennen wir ja alle. Am Bahnhof, in der Warteschlange. Versuche mich daran zu üben, diese Zeit zu genießen. Ist nicht immer leicht, gelingt mir auch nicht immer, aber ich probiere es. Weil sie ist ja ein Teil... meines Lebens. Und Leben findet immer nur jetzt statt. Und das Jetzt ist halt dann in der Warteschlange an der Supermarktkasse. Und ich versuche dann, mich nicht zu grämen, weil es ändert ja überhaupt nichts an der Situation.

sondern zu versuchen, entweder in mich zu kehren, das ist so das eine, und mal zu checken, wie geht es mir eigentlich gerade, wie fühle ich mich? Oder mich zu öffnen nach außen hin und ein Schmunzeln aufzusetzen. Nein. Beides hilft mir in der Situation. Ich höre dich schon schwer atmen an, das sind ja alles nur Angebote. Du kannst auch weiterhin bei deinem Konzept bleiben, dich einfach hochzufahren eine Viertelstunde und schreien, machen Sie Kasse 3 auf, machen Sie Kasse 3 auf.

Gesellschaftlicher Wert der Zeit

Ich stehe im Halteverbot. Weißt du, mein Problem ist, glaube ich, dass ich ja total durchgeplant habe. Ich bin ja nicht so richtig spontan. Und wenn ich dann eine Viertelstunde in der Drogerie warte, an der Kasse...

dann habe ich ja keinen Plan, was ich dann mache. Ja, aber dass du dir da mal zwei, drei Ideen zurechtlegst. Sag mir Sachen. Wie nutzt du, wie genießt du denn deine Zeit, wenn du beim Drogeriemarkt mal zehn Minuten warten musst? Tatsächlich ist es so, dass ich, wenn ich zum Zahnarzt gehe, dann... weiß ich ja, ich bin komplett, ach übrigens zum Zahnarzt gehen. Ich wollte nur einmal kurz, hat jetzt gar nichts mit dem Thema zu tun. Du hast zwei neue Zahne. Pass auf, ich war beim Zahnarzt und

Ich wurde zweimal darauf angesprochen, ob ich mich habe kosmetisch verjungen lassen. Und da habe ich die ganze Zeit überlegt, woran kann das nicht? Ich habe eine dicke Backe. Ja, ich hatte so ein pralles Gesicht. Ich habe eine dicke Backe, guck mal. Aber das sieht so aus, da kommen so deine Kieferknochen richtig hübsch zur Geltung. Sieht sie ganz süß aus. Ich lasse mir links auch noch. Kann ich versorgen.

Mir ist übrigens aufgefallen, dass Menschen den Wert der Zeit tatsächlich ganz unterschiedlich bewerten. Den einen ist die Zeit heilig. Den anderen ist die Zeit scheißegal. Es gibt aber auch Menschen, die haben viel zu viel Zeit, die ja aus welchem Grund auch immer zum Beispiel keinem Job nachgehen können. Oder diejenigen, die einsam sind zum Beispiel, die haben ja auch zu viel Zeit.

Das ist alles extrem kontextabhängig und in unserer Gesellschaft, die quasi auf Wachstum angewiesen ist, dort definieren wir Zugehörigkeit viel über Arbeit und Beschäftigtsein. Und das hat wieder eine Lichtseite und eine Schattenseite. Die Lichtseite ist, dass ich im besten Fall wirksam sein kann und Sinn empfinde dadurch, dass ich tätig bin und einer Gruppe zugehörig bin. Und der Nachteil ist...

dass ich quasi auf keinen Fall Zeit haben darf, weil wenn ich Zeit habe, gehöre ich nicht mehr dazu. Weil anerkannt und zugehörig sind die Vielbeschäftigten, die Gestressten, die Gefragten, um rauszufinden, wie wirksam... Dieser Mechanismus ist, kann man einfach mal, wenn man einen Bürojob hat, 30 Minuten die Füße auf den Schreibtisch legen innerhalb der Arbeitszeit und dösen. Um ein gutes Mitglied des Unternehmens zu sein, sollte ich natürlich keine Zeit haben.

Was dazu führt, dass es ganz viele Mechanismen gibt, die nach außen hin suggerieren, ich hätte keine Zeit. Im schlimmsten Fall nennt man das dann Fake Work. Das Schlimme ist ja, ich habe ja Zeit. Das ist ja gar nicht so, dass ich da wirklich stehe und denke, Mann, was habe ich alles noch auf dem Tacho? Kann man dir nicht vorwerfen. Ich habe ja eigentlich Zeit. Ich könnte ja viel geduldiger sein.

Unpünktlichkeit als Machtspiel

Der Punkt ist ja, jemand, der nicht pünktlich ist, verschwendet meine Zeit. Und andersrum, jemand, der nicht pünktlich ist, suggeriert auch, dass er so viele andere Termine hat, dass er gar nicht pünktlich sein kann. Weil bei dem ist die Zeit ja so wahnsinnig knapp. Ja, das ist doch wie früher.

wie bei Partys, ist ja nicht nur früher so gewesen, ist ja wahrscheinlich heute auch noch so, dass man cooler ist, je später man kommt, wenn die Party irgendwie um 23 Uhr losgeht. Aber das kann man dir nicht vorwerfen. Nee. Du bist pünktlich auf Partys. Ja. Ja, das stimmt. Ich bin da. Die Tür geht auf. Ich bin die erste, die durchgeht. Also uncool, ne? Ach, egal. Weißt du, das ist der einzige mediale Auftritt meiner Familie bis zu mir war.

dass meine Oma mal gefilmt wurde, wie sie die erste war, die so beim Winterschlussverkauf am Fenster geklebt hat. Das hätte ich sein können. Und damit kommen wir zu den Slackern, zu den Halodris und den Liegenbleibern, die an der Radarzt 260 Stunden gekostet haben.

Ursachen fürs Zuspätkommen

Deshalb die Frage an Jonas Geisler, warum kommen Leute überhaupt zu spät? Es gibt ganz unterschiedliche Gründe. Es gibt einmal kulturelle Gründe. Wenn man auf die Welt blickt, auf die Kulturen der Welt, sind wir die Ausnahme mit unserer Pünktlichkeitsmoral. In den meisten Teilen dieser Welt ist Pünktlichkeit nicht so wichtig wie bei uns und wird auch nicht so als Tugend angesehen, beziehungsweise als Untugend, wenn man es eben nicht ist.

In ganz Südamerika ist das eher der Fall. Auf dem afrikanischen Kontinent, in Teilen Asiens und so weiter, ist Pünktlichkeit nicht so... aufgeladen wie bei uns. Ja, das hat man jetzt schon. Und jetzt bin ich ja bar jeder Wirtschaftskompetenz. Ich habe gar keine Ahnung von Wirtschaft. Aber ich frage mich ja schon, wie kann man denn, wenn man nicht weiß, wann die Belegschaft antanzt, wo das Container...

zum Beispiel erst ablegen kann, wenn die ganze Ladung drauf ist. Aber man weiß nur über den Daumen gepeilt, wann es soweit ist, weil jeder kommt, wann er meint. Wie kann denn dann sowas wie Wirtschaft überhaupt stattfinden? Oder um es nur mal kleiner zu machen, wie soll denn dann überhaupt... Bus fahren. Also es gibt Länder, da fährt der Bus, wenn er voll ist oder wenn er fährt. Schon Alexander von Humboldt

gibt es Aufzeichnungen, wie der, als der nach Südamerika kam, sich tierisch, also mit seiner preußischen Pünktlichkeitsmoral darüber aufgeregt hat, dass hier überhaupt keiner pünktlich ist. Das liegt daran, wir haben 500 Jahre Urzeiterziehung in den Knochen.

Und das Militär, die Schulen und die Betriebe haben hier viel Pünktlichkeitserziehung gemacht und die protestantische Ethik hat ihren Beitrag auch dazu geleistet. Und in anderen Kulturen, wenn man zum Beispiel an Wiedergeburt glaubt, ist es ja fast schon einleuchtend, dass es nicht so wichtig ist, pünktlich zu sein, weil ich sage es mir jetzt mal ganz platt.

Wenn ich es in dieser Runde nicht mache, dann halt in der nächsten, so nach dem Motto. Das ist jetzt ein bisschen arg vereinfacht, aber das ist eine andere zirkuläre Kreisvorstellung und wir haben halt eine lineare Zeitvorstellung. Pünktlichkeit ist ja nicht der einzige Faktor, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Ich finde, das mit der Wiedergeburt ist ein super Gedanke. Das nimmt einem richtig viel Druck vom Kessel. Welchen Schauspieler findest du richtig hot?

Joaquin Phoenix. Stell dir vor, du würdest dir jetzt ein Date mit Joaquin Phoenix erträumen, was ja vermutlich jetzt eher nichts wird, aber dann könnte man sagen, okay, in diesem Leben nicht, aber dann im nächsten. Kommt natürlich ein bisschen darauf an, als was man wiedergeboren wird, wenn er jetzt als Brokkoli und was.

Bimsstein oder so, dann würde er vermutlich auch nicht zusammenfinden. Ich denke, unsere Liebe wäre grenzenlos. In meiner Vorstellung kann man ja haben. Das ist eigentlich eine ganz schöne Vorstellung. Ja, aber ich habe mich auch jetzt gerade zwei Minuten durchgängig so pünktlichkeits...

Geschämt. Überhaupt nicht für mich bist du die Alexander von Humboldt der Neuzeit. Gut, wir machen mal weiter in Zentraleuropa. Gehen mal weg vom Wiedergeborenwerden. Ich glaube, das kriegen wir hier nicht mehr unter, die Vorstellung. Nicht so schnell.

Leben im Hier und Jetzt

Grund fürs Zuspätkommen hatten wir jetzt Nummer eins Kultur. Herr Geisler, was gibt es denn noch? Diejenigen, die eher Zuspätkommer sind, leben eher die Ereigniszeit, leben eher im Jetzt. Also diese Pünktlichkeit führt dazu, dass wir ganz häufig den Moment opfern, um zu einem späteren Zeitpunkt pünktlich zu kommen. Denkt da einfach häufiger dran. Und die, die eher in der Zeit aufgehen, den Moment leben und genießen und das Ereignis, was gerade präsent ist, die tendieren dazu...

eher unpünktlich zu sein. Das sind natürlich Stereotypen, das sind Persönlichkeitstendenzen. Bei manchen ist es stärker ausgeprägt, bei anderen weniger. Man muss immer ein bisschen aufpassen, wenn man die Leute in so Schubladen packt. Unpünktliche, pünktliche. Aber wir wollen ja so ein bisschen...

quasi Ursachen oder Tendenzen davon feststellen. Und dann gibt es noch eine andere Ursache für Unpünktlichkeit. Machen wir gleich. Wir wollen erst streiten. Anne, du lebst nicht im Hier und Jetzt. Kannst du es so unterschreiben.

Ich will ganz ehrlich sein, für mich entwickelt sich die Folge insgesamt in Richtung, mit der ich nicht gerechnet hätte. Weil ich dachte ja, falls du dich an das Ende der letzten Folge erinnerst. Du wärst im Recht, aber leider. Naja, ich hatte ja gesagt, das was für dich die Schlaffolge war, weil du ja wirklich richtig super gute Schläferin bist.

bist, man legt dich ab, du schläfst ein und das ist deine Kernkompetenz. Man hält mich auch ab und ich mach. So, genau. Und dann dachte ich so, nächste Woche, da trumpfe ich auf. Jetzt habe ich das Gefühl, als wäre das der größte Charakterfehler, den ich an den Tag lege. Das kommt noch.

Außerdem kann ich mich mit dir gemein machen. Ich lebe auch nicht in meinem Hier und Jetzt. Wir haben einen langen Weg vor uns, das sehe ich. In deinen Augen, in deinen toten Augen. Aber wir haben ja auch einen Zeitmanager an unserer Seite. Der soll uns ja auch gefährlichst praktische Tipps an die Hand geben.

Umgang mit Wartezeit: Geschenkte Zeit

Wie kann ich so einen Moment, an dem ich ja erstmal nichts groß verändern kann, anders gestalten, als mich aufzuregen? Weil ich fülle die Zeit ja eh. Und mit was ist die Frage? Und ich kann sie mit Ärger füllen und mit Wut und mit Schuldige suchen und Verantwortung woanders suchen, mich als Opfer definieren und so weiter. Das ist nicht schwer, das kriegen wir wahrscheinlich relativ einfach hin.

Oder ich kann sie halt mit was anderem füllen, was irgendwie mir eher ein gutes Gefühl beschert. Oder zumindest es versuchen. Es gibt so ein schönes kleines Comic. wo eben an einem Provinzbahnhof so zwei Manager mit ihrem Aktenkörperchen stehen und der Bahnhofsvorsteher, den es damals noch gab, kommt zu den beiden Herren und sagt, meine Herren, wie ich soeben erfahre, hat der Zug 20 Minuten Verspätung.

Ich bin gespannt, was Sie mit diesem Geschenk anfangen werden. Vielleicht hilft ein Schmunzeln dabei. Vielleicht hilft, sich nach außen zu öffnen und mal zu gucken, wer da so ist. Vielleicht komme ich mit jemandem ins Gespräch. Eine Person, mit der ich sonst niemals in Kontakt kommen könnte. Vielleicht übe ich mich im Nichtstun. Alles Möglichkeiten. Ich will da nicht normativ vorgehen oder irgendwie jemand sagen, was er oder sie zu tun oder lassen hat. Das funktioniert in der Regel.

Dieses kleine Comic hat Anne Radars wahnsinnig wütend gemacht. Ich sage nichts mehr. Darf ich eine Sache einmal zwischendrin sagen? Ich meine das wirklich richtig ernst, was ich jetzt sage. Ich habe wirklich gedacht.

Ich habe gedacht, in der Vorbereitung auf die Folge und auch als wir so überlegt haben, dass man mal was zum Thema Pünktlichkeit machen könnte. Hier machen wir was für dich. Ich will gar nicht sagen, wir machen was für mich. Aber ich habe gedacht, die Schlagrichtung der Folge ist, wie können Menschen, die...

unpünktlich sind, lernen pünktlicher zu sein. Habe ich auch gedacht. Ich war auch überrascht. Ich war auch überrascht. Ich bin jetzt aber erst überrascht, weil ich jetzt erst merke, es geht gar nicht darum. Ich bin hier das Problem im System. Und es geht jetzt darum, dass ich mal lerne, ja, beruhig dich doch mal. Täterumkehr. Opferumkehr. Tut mir ein bisschen leid, aber wir kommen gleich auch noch dazu.

Unpünktlichkeit als Machtdemonstration

Das ist wirklich richtig ernst. Ich merke wirklich gerade... Wir blasen jetzt ein bisschen Wind in deine Segel, okay? Jonas Geisler hat ja nach den dritten... Typ des Zuspätkommens erwähnt. Und das ist der Typ, der uns richtig auf den Sarg geht, der uns von oben behandelt. Der Fachbegriff in der Sozialwissenschaft ist ein Riesenarschloch. Jemanden warten lassen hat immer auch etwas mit Macht zu tun. Das kennen wir so aus der Politik, wo irgendwie ein Politiker den anderen warten lässt.

Das ist quasi eine Machtdemonstration oder wo man im Vorzimmer eines Vorstandsvorsitzenden eine Dreiviertelstunde wartet. Macht ist immer Herrschaft über Raum und Zeit. Das sieht man zum Beispiel auch, wenn man jetzt zum Beispiel China als Land anschaut. Dann gibt es die Raumgrenzen, da ist eine große Mauer gebaut, die größte der Welt. Und es gibt Zeitgrenzen, obwohl China auf fünf Zeitzonen liegt, haben sie eine Uhrzeit. Was eigentlich sehr unpraktisch ist, weil wenn im...

Osten die Sonne aufgeht, ist es am westlichsten Teil des Landes noch fünf Stunden lang dunkel. Aber es ist die gleiche Uhrzeit. Und das hat immer was mit Macht zu tun. Wenn jetzt die Uhren umgestellt werden... dann regen sich ja auch viele darüber auf, weil es auch eine Machtdemonstration ist. Das EU-Parlament entscheidet es oder die Bundesmessanstalt in Braunschweig in Deutschland sendet das entsprechende Signal.

Wir können uns ja nicht dagegen entscheiden. Das finde ich so witzig. Ich frage mich nämlich zweimal im Jahr, warum die Leute sich so aufregen über diese Mini-Zeitumstelle. Weil es ist mir wahnsinnig egal. Es ist fast so schlimm, wie wenn im September... im Supermarkt liegen, auf der Aktionsfläche. Noch mal runtergebrochen auf Verabredungen, wo Leute dann verspätet kommen, ist das so nach dem Motto...

Ich entscheide, wann das Treffen losgeht und wenn ich will, also da unterstellt man natürlich auch schon sehr viel Bisswilligkeit, manche Leute verpassen auch einfach einen Bus, aber...

Wenn ich es nicht früher schaffe, dann hast du halt 10 Minuten. Genau, ich verfüge über deine Zeit. Jetzt ist das Schicksal aber ja nicht immer frei gewählt. Du hast schon gesagt, manche Leute verpassen auch einfach nur ständig den Bus, da kommen mit der Rikscha. Das kann natürlich auch richtig belastend sein. Der schlägt ihn ja nicht auf Dauer.

Wege zu mehr Pünktlichkeit

ständig wahnsinnig viel Verständnis und bedingungslose Freundlichkeit entgegen. Das belastet ja Beziehungen und Freundschaften. Deshalb, Herr Geister, kann man denn da was gegen tun oder was? Ja, also da gibt es so quasi auf Verhaltensebene. relativ platte Tipps, mit denen die Uhr ein bisschen vorstellen, sodass ich dann pünktlich bin, sich einen Wecker stellen, den Tag so planen, dass ich wirklich diese Transferzeiten für mich richtig einschätze.

sich jemand an die Seite stellen, der oder die einem da quasi dabei hilft und so weiter. Das sind so diese Ebene der Lifehacks. Die haben die Menschen, die dauerhaft und wirklich sind meistens alle schon ausprobiert und sie haben nicht geholfen. Also bei manchen helfen die auch. Die haben ja auch ihre Berechtigung. Aber dann müsste man eine Ebene tiefer gehen. Was...

Ist es denn? Ist es eher eine Machtdemonstration? Sind mir die anderen egal? Will ich quasi meine Jetzt-Zeit und Eigenzeit, Ereigniszeit wirklich leben und die nicht aufgeben? Und wie stark ist der Wille, das wirklich zu verändern?

Man kann auch daran arbeiten, aber wenn man da wirklich tiefer eintauchen will, dann ist das eher ein Coaching. Und ich arbeite da zum Beispiel häufig mit den Methoden des Zürcher Ressourcenmodells. Das würde jetzt etwas hier den Rahmen sprengen, aber das ist ein Methodenset. mit dem man eben solche Dinge, die einen harten Willen brauchen, von Rauchentwöhnung bis hin zu Prokrastination aufgeben, bis eben zu hin pünktlicher sein, mit dem man dahin tauchen kann.

Aber das ist kein Schalter. Ich wollte nur kurz erzählen, dass ich mich manchmal, oder ich habe schon mal versucht, mich selbst damit zu überlisten bei einer Person, die sehr konsequent zu spät kommt. Auch selber zu spät zu kommen? Nee, weil er gerade sagt, dass die Person, die sich verspätet, die Uhr...

umstellen soll. Deshalb kam ich drauf, dass ich angefangen habe zu sagen, keine Ahnung, wenn ich mich um drei treffen wollte mit der Person, habe ich gesagt, wir treffen uns um halb drei. Aber es hat nichts gebracht, weil dann kam die Person vielleicht um drei, aber ich war ja trotzdem wütend, weil ich ja wusste,

Ich hatte ja halb drei gesagt und sie ist ja trotzdem noch zu spät. Weißt du, was ich meine? Verstehe ich. Aber ich mache das auch bei dieser einen Person, die ich manchmal besuche, dass ich sage, mein Zug kommt um halb drei, aber ich weiß, er kommt erst um Viertel nach drei, wenn überhaupt.

Guck mal, wir arbeiten jetzt doch an uns und nicht an den unpünktlichen Personen. Ja, ich weiß nicht, ob das richtig ist. Was handfest ist, kennst du das eigentlich, als ich gerade hierher gefahren bin? Kennst du das, wenn du so eine Hose angezogen hast und du hast auf der Mitte des Weges das Gefühl, du hättest noch die Unterricht? Hose von gestern, die würde gerade das Bein runterrutschen und unten raus. Die wäre so aus Versehen in der Hose hängen geblieben. Hattest du das? Mhm.

Aber war gar nicht. Hast du nur das Gefühl oder ist es passiert? Wenn ihr auf dem Weg von Altona nach Hamburg-Rotenbaum eine Unterhose findet, dann war es von mir. Dann war es von Steffi.

Geißlers Philosophie der Zeit

Wenn man das nochmal so den ganz großen Oberbau sieht, einfach nochmal Herrn Geisler fragt, weil es ist ja sein täglich Brot, wie er seine Gelassenheit erarbeitet hat und was er so für tägliche Lifehacks hat, um seine Zeit gut einzuteilen. Hören wir ihn doch einmal noch. Bisschen zu. Also ich versuche, mein Leben nicht als letzte Gelegenheit zu konzeptionalisieren. Und ich versuche nicht, zwei Leben in einem reinzustopfen, weil dann ist die Gefahr, dass ich beide verpasse, sehr groß.

Dafür beschäftige ich mich zum Beispiel auch mit dem Ende meines Lebens. Nicht die ganze Zeit, aber ab und zu. Und es gibt ja solche Time-Tracker, wo quasi die Lebenszeit rückwärts läuft und so weiter. Damit kann ich persönlich überhaupt nichts anfangen. sondern es geht eher darum, die eigenen Limitierungen zu akzeptieren. Also Akzeptanz der eigenen Begrenztheit in mehrererlei Hinsicht auf die Lebenszeit gesehen, aber auch...

Ja, natürlich werde ich nicht fertig werden mit allem und dem potenziellen Berg an zu Erledigendem. Es geht darum, die eigenen Limitierungen zu akzeptieren. Sich in Genügsamkeit Was immer das heißt, aber ich erlebe mich eh als sehr reiche Person, aber vor allem reich an Zeiten für Freundschaft beispielsweise. Man kann sich auch mal überlegen...

die Menschen, die an ihrem Lebensende stehen, was die bereuen, wenn sie zurück auf ihr Leben blicken. Und da kommt halt vor allem, ich wäre gern mutiger gewesen, ich wäre gern mehr ich selbst gewesen, ich hätte gern mehr Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie verbracht. Und das versuche ich. umzusetzen im Leben und nicht kurz vor dem Ende. Da kannst du mal drüber nachdenken, wenn du das nächste Mal an der geschlossenen Kasse stehst.

Ich wollte nur sagen, ich hätte ja mehr Zeit für meine Familie und meine Freunde gehabt, wenn ich nicht so lange am Altonaer Bahnhof auf Leute gewartet hätte, die 20 Minuten später kommen. Vielen Dank, Jonas Geißler.

Zeitforscher und Autor aus München, der wahrscheinlich seine Zeit auch lieber auf der stehenden Welle im Englischen Garten verbracht hat. Aber er hat sich die Zeit für uns genommen. Der stehenden Welle, wie kommst du da denn drauf? Kennst du das nicht? Doch, aber ist er so? Nein, aber das ist das Einzige, was mir zu München einfällt. was man da Schönes machen kann. Da waren ja so viele philosophische Denkansätze. Das war richtig lanz und prächtig, die letzten...

Zehn Minuten. Ich habe versucht, dir den Stöpsel des Hasses zu ziehen, aber du hast zugemacht. Soll ich dir das erklären? Ich kann ja gar nicht so viele Sachen. Ich habe immer gedacht, eine meiner Stärken, eine Sache, die ich richtig gut kann, die gut an mir ist, ist, dass ich so ein pünktlicher, zuverlässiger Mensch bin. Und ich habe das Gefühl, ich lerne gerade zum ersten Mal, dass das offensichtlich...

ein Charakterfehler ist und ganz viele Leute das scheißen. Nein, nein, nein. In unserer Freundschaft hat das hohen Wert. Ich freue mich immer beim Perspektivwechsel.

Josephs Zeit-Experiment

Den haben wir jetzt hier gehabt. So Anne, jetzt aber du. Deine Expertise. Jetzt tauchen wir mal in deine Lebenswelt ein. Josef Bolz hat ein YouTube-Format. Das heißt Josef the Changeman. Und er probiert Dinge aus. Er hat zum Beispiel mal eine Woche lang ohne Licht gelebt. Eine Woche lang hat er nur rohes Gemüse gegessen. Das finde ich mutig. Das wird auch für sein direktes Umfeld, glaube ich.

auch eine Challenge gewesen sein. Du meinst, weil im Magen-Darm-Bereich einiges los ist oder weil du das nicht magst? Nee, ich esse gerne rohes Gemüse, aber man weiß ja schon, dass man das nach 18 Uhr gar nicht mehr so doll machen soll. Da habe ich gar nicht drüber nachgedacht, aber du hast natürlich recht. Das finde ich richtig mutig. Eine Woche lang leben ohne Zeit. Das hat er gemacht. Ohne Uhr, ohne Zeitansage, ohne Zeiteisen, wie Steffi. Also nur noch...

Nachgefühl. Und das macht ihn natürlich zum absoluten Premium-Gesprächspartner für diese Folge. Denn wenn der es vielleicht geschafft hat, ohne Smartphone oder ohne Armband urpünktlich zu sein, dann ist es ja vielleicht auch uns zuzutrauen. Und bevor wir auf seine Urlose Woche nochmal kurz zu seinem YouTube-Format, das gar nicht so uneigennützig ist, weil Josef sagt, dass er sich aus seinen Versuchen tatsächlich auch eine Menge für den Privatgebrauch zieht.

Definitiv. Ich würde nie wieder 100 Stunden pro Woche arbeiten. Das habe ich einen Monat lang gemacht. Also 400 Stunden im Monat gearbeitet. Das würde ich nie mehr wiederholen. Das ist natürlich auch ein Luxus, sich das überhaupt aussuchen zu können. Und was ich... immer wieder machen würde, ist auf jeden Fall Yoga. Also das mache ich jeden Tag.

Das interessiert mich, aber weißt du, wie viel 100 Stunden pro Woche dann in Stunden am Tag ist? Hast du das ausgerechnet? Ja, aber du rechnest das, glaube ich, gerade, oder? Ja. Du schreibst private Nachrichten während wir im Podcast aufzeigen. 14,2. 8, 5, 7, keine Ahnung. Also 14,5 Stunden am Tag. Das hat er eine Woche durchgezogen. Jetzt ist er auch Outdoor und stopf nicht Gurken bei Essig.

Ich darf nicht so viele Markennamen sagen. Aber meinst du, die Leute laufen jetzt los und sagen, Mensch, jetzt will ich auch so Gurken fressen? Die müssen ja schmecken. Wir piepen das einfach. Ihr könnt ja mal raten, welche Gurken Steffi gemeint hat. Schreibt uns eine Mail an flexikon.ndrd. Erinnere mich nachher dran, dass ich unsere Hörer nochmal...

bitten möchte, dass sie uns folgen und bewerten und so. Könnte ich auch jetzt machen. Und ich auch gerade mittendrin die Unterhosengeschichte erzählt habe, weil ich dachte, ich hole dich mal raus aus deiner... Aber das macht uns ja auch so liebenswert, dass wir immer mal...

Bei Yoga gehe ich mit, aber 100 Stunden Woche wäre ich auch raus, auf jeden Fall. Also der Mann hat schon ein paar Sachen durch, unter anderem besagte Woche ohne Uhrzeiten und da stelle ich mir allein den Versuchsaufbau relativ kompliziert.

Herausforderungen ohne Uhrzeit

vor, weil die Uhrzeit ja quasi überall draufsteht. Uhren, Handy, Anzeigetafel, Rechner, Laptop. Also die Vorbereitung auf die Woche war gar nicht mal so einfach und sah so aus. Also ich habe erst mal meine Wohnung komplett zugeklebt mit allem, was ich da hatte. Also jeden Backofen, Mikrowelle. Mein Handy hat einen Sticker draufbekommen. Es war wirklich ...

Schwierig. Ich konnte in der Zeit zum Beispiel kein WhatsApp benutzen. Benutze ich jetzt gar nicht mehr, aber damals habe ich es noch benutzt, weil da ja auch bei jeder Nachricht die Uhrzeit steht. Das heißt, es hat einfach meine gesamte Kommunikation auch ein bisschen verändert. Und ansonsten musste ich mir wirklich hardcore angewöhnen, draußen auf der Straße, wenn ich auch nur irgendwo Zahlen sehe, auf dem Boden zu gucken.

Generell viel auf den Boden geguckt. Mach was für die Sonnenuhr, zähl die Heitere. Zum Beispiel. Jetzt ist Josef keiner, der so ab 11 Uhr vormittags mit so Kissenabdruck im Gesicht herrlich verballert, den Tag startet, irgendwie so reinlebt. Der Mann ist ja auch selbstständig. entsprechend verdient er mit so einem gewissen Maß an Pünktlichkeit natürlich auch sein Geld. Vor allem beruflich finde ich es wichtig, pünktlich zu sein. Aber auch privat, wenn nicht später als irgendwie 15 Minuten.

dann sage ich Bescheid, weil ich das einfach selber respektlos finde und auch keinen Bock habe, auf jemanden zu warten, der nicht Bescheid sagt. Ich musste mein Umfeld informieren, aber es gab natürlich auch bestimmte Bereiche, da konnte ich nicht einfach sagen, ey, lieber Zahnarzt, ich komme irgendwann zwischen 9 und 12 Uhr, weil ich gerade keine Uhr benutze. Da muss dieses Risiko dann eingehen.

Josef hatte in der Woche nämlich einen frühen Impftermin und einen Zahnarzttermin. Ich finde, das sind beides schon so keine Freizeitaktivitäten, die ein Versprechen auf Zerstreuung abgeben, aber ohne Uhr. Das ist das Schlimmste, wenn du dich beim Zahnarzt auch noch unbeliebt machst. Der hat die komplette Kontrolle über dich und dann bist du noch eine halbe Stunde zu spät gekommen.

Glaubst du, die sind dann so, dann spritzen die mit Absicht mal auf und treffen die mal. Hoppla, Nerv getroffen. Kofferdamm am Arisch machen die dann. Oh, der Kofferdamm. Gerne googeln, falls ihr das nicht kennt, für die späteren Einsteiger ins Flexikon. Der Kofferdamm war schon oft beliebtes Thema. Also wir fangen mal ganz am Anfang an, am Anfang des Tages nämlich mit dem Aufstehen.

Bei mir gab es natürlich keinen Wecker mehr morgens beim Aufstehen. Das heißt, ich bin aufgestanden, wenn ich wach geworden bin. Oder wenn die Sonne dann so stark durchs Fenster kam, dass ich wach wurde. Das heißt, da hat sich definitiv mein Tages- und Schlafrhythmus mit der Zeit dann auch in diesen sieben Tagen nur verschoben. Ich bin früher aufgewacht und ich bin auch früher ins Bett gegangen, nach hinten raus.

Also es ist, glaube ich, ein bisschen variiert. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, weil das Ganze ist jetzt auch schon wieder sechs Jahre her. Aber ich meine, am Anfang wäre ich... später ins Bett gegangen und später immer früher und bin auch immer früher aufgestanden. Also ich habe irgendwann, ich glaube, irgendwann bin ich um 5.30 Uhr oder so.

Standardmäßig aufgewacht gegen Ende. Klingt das nicht wie eine Fortsetzung von E-Pre-Love? Sich von der Sonne so wachkitzeln lassen? Ich habe eher gedacht, dass es so das Leben eines Kleinkinds ist. Aber that's my daily business, ne? Also wenn ich bin, aber ich bin mir da durchaus... Nachbarn, dann auch die Polizei. Wenn ich irgendwo auf einer Parkbank sitze, 40 Minuten.

Ich finde, das ist so die Schattenseite an Pünktlichkeit, weil ich bin ja nicht pünktlich, ich bin wirklich auch oft zu früh. Das heißt, wenn ich dann warte, bin ich selber schuld. Das ist dann mein Problem und da ärgere ich mich auch über mich selbst. Und ich versuche auch ganz oft. Ich habe so ein Ding mit Zeit. Wenn ich dann irgendwo sein muss und ich fahre so mit Bus und Bahn, dann gucke ich so, welchen Bus muss ich nehmen, um... Ich bin um vier verabredet, um...

15.55 Uhr. Ja, das mache ich auch. Sogar 45. Und dann zwinge ich mich immer dazu, nee, guck mal, wann du mit dem nächsten Bus da wärst. Und dann sehe ich 16.03 Uhr und denke schon, nein, das kann ich nicht. Ich kann es nicht. Das würde ich genauso machen. Okay. Wahrscheinlich, wenn man sagt, die anderen Leute, also die Arschlöcher, die üben Macht über dein Leben aus, weil sie ihr Leben für wichtiger halten als deins, dann ist das vielleicht, was du hast, genau andersrum, dass du...

denkst, wenn du zu spät bist, dann mag der dich nicht mehr, weil du ihm was geklaut hast. Ja, na klar. Das ist mein einziger... Es ist also mangelndes Selbstbewusstsein, dass du denkst, niemand würde auf mich warten. Wie kann man denn alles so schlecht drehen, was mit Pünktlichkeit zu tun hat? Ich komme dir doch nur entgegen. Ich bin dabei, dich verbal auf den Schoß zu nehmen und dich zu drücken. Wo waren wir denn? Dass man...

selber schuld ist, wenn man zu früh kommt. Aber es fühlt sich halt anders an, weil dann man halt selber schuld ist und nicht der andere, wenn er 21 Minuten warten ist. Josef hat das allerdings gar nicht so stramm angenervt tatsächlich. Also ich weiß bei dem Zahnarzt nicht mehr genau. Ich glaube, da fand ich es richtig... richtig nervig, wenn ich mich recht erinnere. Ich weiß, dass bei dem zweiten Termin, als ich auf die beiden Freunde gewartet habe, ich das überhaupt nicht unangenehm fand.

Da habe ich einfach draußen gewartet. Ich meine, es hat auch nicht geregnet. Wäre wahrscheinlich anders, hätte es geregnet. Aber ich saß da einfach im Sommer draußen vor der Tür und habe Leute angeguckt. Das fand ich jetzt nicht unangenehm.

Josef hat übrigens auch mal versehentlich schon am frühen Nachmittag Feierabend gemacht, weil er dachte, es ist schon abends. Das war ja ultra witzig. Aber er sagt, er hat alles geschafft. Also er war jetzt nicht unproduktiv. Wie war denn eigentlich die Laune in der Woche ohne Zeit? Also schlechter, besser?

Das Fazit des Zeit-Experiments

Ich glaube, die Laune wurde nach hinten hin immer besser. Ich glaube, weil ich mich wirklich sehr frei gefühlt habe. Also es hatte so ein Urlaubs-Vibe auf einmal, trotz der Termine, die es da gab. Aber ich habe mich so ein bisschen diesem ganzen ... dieser neuen Regelung unterworfen und fand es überhaupt nicht schlecht. Wenn man so ganz ohne Uhr lebt, dann glaube ich, stelle ich mir vor, bekommt man ja vielleicht so ...

Neues Zeitgefühl durch andere Faktoren. Wie fällt der Schatten? Wie steht die Sonne? Wie gut ist die Auslage beim Bäcker noch bestückt? Wie voll ist die Bahn? Daran kann man sich ja auch orientieren. Woran hat Josef sich orientiert?

Ich glaube, hätte ich das Experiment im Winter gemacht, wäre das viel leichter gewesen, sich mit der Sonne irgendwie zu engagieren. Oder wenn ich es über 30 Tage gemacht hätte, hätte ich vielleicht auch ein bisschen besser gelernt, wann genau welche Uhrzeit ist. Aber so war es halt so. Klar, ich habe morgens und dann ... wenn es Abend wurde, erkannt, aber dazwischen, wo genau die Sonne stand, da hätte ich mich auch noch mehr mit informieren können.

Habe ich aber nicht gemacht. Es gab auf jeden Fall das Problem der Kirchenglocken, weshalb ich dauernd mit Noise-Canceling Kopfhörern und Musik rumlaufen musste, damit ich die nicht höre. Weil mein Gehirn, mir war klar, wenn ich eine Kirchenglocke höre, fange ich automatisch an, im Kopf mitzuzählen.

Das lässt sich ja gar nicht vermeiden. Deswegen da, immer wenn ich das mitbekommen habe, irgendwo so Glocken, die kommen ja auch ein bisschen durchs Noise-Canceling. Musik laut und weg aus der Straße. Josef wohnt in Köln und du hast mal den klugen Satz gesagt, in Köln kommt auf jeden praktizierenden Katholiken eine Kirche. So ist es bei uns. Kommen wir mal zu Josefs Fazit. Hat sich eine Art Gewöhnungseffekt?

Also kann er jetzt am Stand der Sonne sehen, wann der Tatort läuft oder das Mittagsmagazin? Oder war er am Ende eigentlich erleichtert, dass er wieder auf eine Uhr gucken kann? Also ich glaube, was mich erleichtert hat, ist gerade einfach als Selbstständiger...

Dass ich meine beruflichen Termine wieder sicher einhalten konnte, dass es keine Gefahr für meine berufliche Zukunft gibt, wenn ich einfach nicht mehr auftauche und unzuverlässig wirke. Das hat mich entspannt. Und mir ist auf jeden Fall aufgefallen, dass ich... seitdem viel, viel weniger auf die Uhr gucke und das bis heute. Also das würde ich sagen, ist auf jeden Fall ein Langzeiteffekt. Ich habe in der Woche ...

bevor ich das gemacht habe, gezählt, wie oft ich auf die Uhr geguckt habe. Ich weiß die Zahlen nicht mehr. Ich weiß, ich habe ständig auf die Uhr geguckt und ich hatte auch Uhren auf meinem Schreibtisch. Auf meinem Schreibtisch steht keine einzige Uhr. Ich habe die Uhr am Computer ausgeblendet. Das gibt es alles nicht mehr. Ich trage zwar nur am Handgelenk.

Aber da gucke ich dann halt ab und zu mal drauf, wenn ich wirklich gerade wissen muss, was los ist. Du trägst auch keine Armanduhr, das fällt mir gerade. Ach doch. Du trägst, du hast dich mit mir verwechselt. Du trägst gerade keine Armanduhr. Ich dachte, du auch nicht. Dann wollte ich schon sagen, das ist ja Geburtstag. Aber er hat jetzt relativ viele Schnittmengen mit meinem Flexperten.

Annes Hadern mit der Pünktlichkeit

Töne dich das sehr ab? Macht dich das sehr wütend? Oder kommst du damit gerade ganz gut klar? Nee, ich habe mir ja jetzt eh schon abgeschminkt, dass ich aus dieser Folge als Heldin rausgehe. Ich denke, dir werden die Herzen zufliegen. viele Menschen

wenn die Welt gerecht ist, eine gerechte ist, die sich gerne mal mit dir pünktlich verabreden wollen. Und vielleicht kann man das ja auch so takten, dass du da alle zehn Minuten dich mit jemandem sehr pünktlich triffst zum Beispiel. Das macht mich richtig ein bisschen geil.

Eine Sache noch. Es wird einem ja, und das kam ja bei deinem Gespräch auch schon auf, in so Wandtattoos und auf Instagram und auf so einem Coaching-Retreat im Schwarzwald. Du kannst doch bitte meinen Flexberten nicht mit einem Wandtattoo-Autorin oder einem Glückskeks-Autor.

vergleichen. Ich beleidige mich, es geht nur um das Wording im Hier und Jetzt Leben. Das wird einem respektlos. Nein, das wird einem ja aber wirklich auf Instagram gesucht. Choose happiness und lebe im Hier und Jetzt. Und ich wollte nur von Josef noch wissen, ob er denn... ohne Zeiteisen, ob er mehr im Hier und Jetzt gelebt hat. Würde ich sofort mit Ja beantworten. Weil ich nicht auf die Uhr gucke, also bei mir ist es zumindest so, bin ich bei meinem nächsten Termin schon.

im Kopf. Dann denke ich nicht, jetzt habe ich noch eine halbe Stunde dafür, sondern ich denke, ich habe eine halbe Stunde dafür, weil dann kommt das. Und dann bin ich ja schon nicht mehr im Moment. Anne, ich würde dich als Entschädigung für diese Folge gleich mal, ganz im Anschluss, ganz massiv und liebevoll würde ich dich am Damm massieren. Einfach...

Opfer ist es ja jetzt nicht, aber einfach so, dass du weißt. Du liest mir die Wünsche von Lippen ab. Wir müssen mich richtig entschuldigen für diese Folge. Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen. Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen.

Aber vielleicht geht euch das ja ähnlich. Also nicht, dass ihr ein schlechtes Gewissen habt, sondern dass ihr denkt, Mensch, das war nicht das, was ich bestellt habe. Ich muss mich dafür gar nicht in Staub werfen, weil wir haben hier nur Flexperten ausgegraben, was sie uns letztendlich sagen. Also wir haben da ja nicht...

Für mich ist das auch richtig problematisch. Ich will mich einmal ganz kurz bedanken bei Josef. Josef the Changeman heißt ja YouTube-Kanal. Falls ihr mal wissen wollt, ob das Experiment mit dem rohen Gemüse so schön war zum Beispiel, könnt ihr euch da alles angucken.

ist doch dieses Yoga-Format. Genau. Und das liebt er. Also da hat er ja schon, glaube ich, an Tag drei gemerkt, das will er auf jeden Fall durchziehen. Aber vielleicht reden wir mit ihm nochmal bei Yoga, dann würdest du mich ordentlich in die Scheiße halten. Okay, cool. Nein, ich wollte nur sagen, dass...

Meine Freundin Lotta ist halt der, sorry Lotta, aber du weißt es auch noch wirklich selber, der unpünktlichste Mensch der Welt. Und die hat die letzte Folge gehört, als wir am Ende ja schon so einen Ausblick gegeben haben, nächstes Mal geht es um Pünktlichkeiten, da hatte sie schon in der Sprachnachricht gesagt, naja, da wird es ja wohl auch um mich gehen. Und ich war so ein bisschen...

Jetzt nicht gehässig, aber habe mir so ein bisschen die Hände gerieben und dachte, ja, mein liebes Freude, dir geht es jetzt an Kragen. Und das ist für mich halt wirklich hart scheiße, dass sie jetzt einfach...

sehr viele Argumente an der Hand hat, um mir zu sagen, ja, ich mache alles richtig, du bist das Problem, Radatz. Und das ist für mich... Oder vielleicht können wir die Folge nochmal für sie aufnehmen. Ja. Und ein eigenes Spotify und eine eigene ARD-Audiothek und ein eigenes Apple-Podcasts gründen, damit für Sie da nur die Folge läuft. Und das ist das Fazit. Du musst ja nicht zuhören. Aber jetzt mach mich nicht mehr anti, als ich bin.

Ja, gut. Dann spitz die Ohren. Und hey, verlass dich drauf, Steffi. Zur nächsten Aufzeichnung komme ich gerne eine Stunde zu spät, wenn du dich da so drüber freust. Kein Problem.

Letzte Gedanken zur Pünktlichkeit

Das Leben findet ausschließlich im Hier und Jetzt statt. Ärgert euch also nicht, wenn ihr Wartezeit habt, sondern genießt. Ich weiß, wenn ihr die Folge gerade in Uelzen am 100-Wasser-Bahnhof hört. Triebwagen defekt oder so und Bordbistro alle, dann fällt das mit dem Genießen jetzt nicht ganz so leicht, aber bemüht euch doch ein bisschen. Deutschland schönster Bahnhof. Sind ja hier auch alles Fernzieher, das muss ja nicht alles direkt, muss ja nicht immer alles direkt umsetzbar sein.

Wer keine Zeit hat, gilt ja als produktiv, als fleißig, als erfolgreich. Wer zeigt, dass er auch mal Lehrstellen in der Tagesplanung ausweisen kann, der gilt eher als für die Gesellschaft nicht besonders wertvoll. So als so ein Pinökel, den man so mitschleift. Das ist eigentlich gar nicht... So cool, dieses Bild, das wir da haben. Nicht jeder zu spät kommende oder...

Die de zu spät kommende ist ein Arschloch. Die gibt es auch. Denn wer über eure Zeit bestimmen darf, der hat auch Macht über euch. Aber manche Leute, die kommen auch eher zu spät, weil sie Punkt 1 vorleben, nämlich im Hier und Jetzt leben. Und das ist ja auch ein bisschen beneidenswert. Und außerdem herrscht ja in den meisten Kulturen eine großzügige Gleitzeit.

Da ist pünktlich schon zu früh und da muss man auch gar nicht in die Ferne schweifen zu abgelegenen Naturvölkern. Das ist auch in Großbritannien schon so, dass wenn man da pünktlich kommt, dass sie einen angucken, was machen sie denn hier. Wenn ihr eure Pünktlichkeit trainieren wollt, dann gibt es so ein paar praktische Kniffe.

Uhr vorstellen, Wecker stellen, sowas. Härtere Fälle, die müssen dann auch an die Ursachen ran und da ist der Weg zur Pünktlichkeit ähnlich steinig, wie wenn man sich das Rauchen abgewöhnen will. Insgesamt kann es aber schon mal helfen, sich klarzumachen, dass das eigene Zeitkonto natürlich stark limitiert ist. Es ist also irgendwie...

Doch ratsam, sich während so einer ungeplanten Warteepisode lieber kein Magengeschwür anzuärgern, sondern die Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Good luck. Du bist dran, Anne. Mein Fazit ist pünktlich sein, ist immer noch cool.

Experimente für Zuhause & Ausblick

Nein, mein Fazit ist anders. Also mein Fazit kann ich eigentlich so als Tipp zusammenfassen, inspiriert von Josef Bolz. Wenn ihr ein Ding... Mit Pünktlichkeit habt. Also entweder wie ich ein bisschen übertreibt oder zu genau nehmt oder wenn ihr ständig unpünktlich seid, dann macht doch auch mal so eine Woche ein Zeitexperiment und lebt ohne Uhr. Wenn euer Leben das zulässt, man kann das ja vielleicht auch mal im Urlaub ausprobieren oder so. Weil Josef sagt, es...

entschleunigt, es entstresst, man fängt an so den Leerlauf ein bisschen entspannter zu genießen, man nimmt ein bisschen Druck raus. Also vielleicht lernen wir ja einen gesünderen Umgang mit der Zeit, in welche Richtung auch immer, wenn wir die Backofenuhr mal abkleben.

Und die Armbanduhr mal abnehmen. Ich finde aber, das gilt alles nicht, wenn man zum Beispiel mit Gruppen verabredet ist. Na, das ist ja schön, immerhin. Wenn ein Flugzeug warten muss, weil der Koffer schon drin ist, finde ich auch richtig asi. Mich macht es schon wütend, wenn Leute zu langsam über den Zebrastreifen gehen. Wirklich? Ja. Wirklich? Ja.

Aber du musst dich doch nicht hinten anstellen. Du kannst ihn doch überholen. Nein, wenn ich im Auto sozusagen warte, dass ich dann denke, geh doch zu. Ich bin zum Beispiel jemand, der immer stramm schritt ist. Darf man mit mehreren Leuten über einen Zebrastreifen gehen? Nein, wenn ich im Auto sitze, dann denke ich immer, Alter, geh zu. Weil ich bin jemand, wenn ich zu Fuß über eine grüne Fußgängerampel gehe oder über einen Zebrastreifen, dann mache ich das hodigen Schenkels.

ich weiß, ich habe das Recht, darüber zu gehen, das Auto muss warten, aber ich denke so, ich kann einen Schritt schneller gehen. Aber rufst du dann auch so gehbehinderte Damen an? Nein. Und wenn doch, würde ich es ja hier nicht zugeben. Nein, würde ich auch nicht machen. Aber merkt euch immer einzeln. Zebrastreifen, das ist wichtig. Einer nach dem anderen.

Steffi, weißt du, was für mich das Allerschönste an meiner bewegten Dating-Vergangeheit war? Na, aber ich weiß, was für mich das Allerschönste an deiner bewegten Dating-Vergangeheit war. Aber sagst du zuerst. Das Schönste war, dir danach immer davon erzählen. Das war für mich auch das Schönste. Es gab Momente.

auf Dates, da hätte ich meinem Date am liebsten gesagt, behalte dein Wort, aber das muss ich ganz kurz notieren. Das, was hier passiert, muss ich notieren, aber das muss ich nachher stellen. Ich bedauere noch heute, dass du nicht einfach mitgefilmt hast. Heute wäre man da einfach rigorosa, würde man sagen. Komm, wir machen eine Story.

Ich habe mir ja natürlich in erster Linie für dich auch immer gewünscht, dass du die Liebe findest. Jetzt ganz ehrlich von Herzen. Aber nun gut, du hast auf dem Weg dein Klamydien gefunden. Die hatte ich vorher noch gar nicht übrigens. Jetzt weiß mein Handy sogar, wie man es schreibt. Ich habe euch gerne vorgestellt.

Ich weiß auch noch, wie du fast angepingelt... Das wissen ja alle, wie du fast angepingelt wurdest. Wie du mit dem weißen Sportwagen nach Hause gebracht wurdest, das weiß nur ich. Da habe ich wirklich gedacht, lieber Gott, hol mich zu dir. Aber das weiten wir jetzt nicht nochmal aus. Das setze ich an anderer Stelle gerne. Das war wunderbar. Das hat mich gut unterhalten durch die 2000... See you next time.

Inzwischen hat es sich ja hier also beidseitig ausgedatet bei Steffi und mir und wir müssen uns den guten Stoff aus der Podcast-Welt holen und das könnt ihr auch und zwar bei Liebt euch von den Kollegen und Kolleginnen von Unser Ding. Da startet jetzt nämlich eine neue Staffel, ein Podcast. ausschließlich über erste Dates. Und wir alle wissen, Steffi, dieses Thema ist wirklich ein steter Quell der Freude. Ich möchte hier aber mal kurz innehalten, weil es ist ja schön, dass deine Dating...

Storys, Auserzählte. Datest du wieder? Nein, aber ich will mir das jetzt nicht sagen. Ja, du hast ja damals gesagt, du datest nie wieder. Und irgendwann sage ich so, ich fange wieder an. Das steht dir immer frei. Das Ding ist ja auch, wenn ich anfange würde zu daten, dann wäre es so, als würde Oma anfangen zu daten, weil als ich das letzte Mal, naja, ich habe mich fünfmal mit jemandem getroffen und das war nicht so gut.

Also Dating, ich kann gar nicht sagen, dass ich Datingerfahrung habe. Aber damals, da gab es ja noch nicht mal so, online gab es ja noch nicht. Da ist man zu einer Fischsuch-Fahrrad-Party gegangen und hat sich dann die Nummer zu... Mit einer Schiffrinne? Ja, sowas.

Ja, auf Papyrus hat man sich das damals auch zugestimmt. Aber da machen wir aber nochmal eine Sonderfolge zu. Ja, das muss nicht unbedingt sein. Deshalb ist ja, liebt euch, für mich so eine Art halbstündiger Bildungsurlaub. Da arbeite ich mich nochmal rein ins Thema.

Die letzte Folge, die mir aus der letzten Staffel gut in Erinnerung geblieben ist, ist die, wo die Hosts Julia und Marlene sich darüber ausgetauscht haben, dass das Weglassen einer gründlichen Intimrasur der beste Weg ist, sich vor Fehlentscheidungen am ersten Date zu stellen. Stimmt. Ja, was auch geht, ist so Unterwäsche von einer großen Kaffeehauskette tragen, die auch Bananenschneider im Angebot hat.

Oder ungepflegte Füße. Das wäre für mich auch so ein Grund, wo ich sagen würde, nee. Aber meistens sind die Hormone... Manchmal auch der zweite Schnaps, die machen dann, hat man es dann doch leider vergessen. Ach, erste Dates. Ich komme ins Träumen. Die neue Staffel Liebt euch mit allem, was erste Dates so zu bieten haben, kriegt ihr da, wo die Dates natürlich am allerschönsten sind. Und wo unrasierte Beine keinen stören in der ARD Audiothek. Das ist aber schön.

Ein extrem geheimnisvoller Mystery-Teaser auf die nächste Folge. In der nächsten Folge fassen wir ein Thema an, das immer mal wieder eine Steilvorlage für einen starken Witz ist. Für die Leute, die es betrifft, allerdings die absolute Hölle. Es geht um Hypochondrie. Ja, die Älteren unter uns erinnern sich an den...

An den Klassikerwitz, wie der Hypochonder auf Zimmer 16 ist gestorben, jetzt übertreibt er aber. Ist ein Hit der 90er, muss man dabei gewesen sein. Ist schlecht gealtert, naja. Aber als jemand, der mal eine Zeit lang mit einem Hypochonder...

Zeit verbracht hat. Muss ich sagen, Witze sind die eine Möglichkeit, damit umzugehen, aber nicht alles. Ja, ich bin ja auch tatsächlich nicht ganz frei davon. Also ich fahre jetzt nicht von Hypochondrien. Ich fahre jetzt nicht mit einem... eingerissenen Fingernagel in die Notaufnahme, aber ich google schon...

besorgniserregend regelmäßig so tödlich verlaufende Krankheiten und dann gleiche ich die Symptome ab mit meinem Arschgebrechen. Also wie gesagt, noch im Rahmen, aber ich kann auf jeden Fall diese Angst verstehen. Ich kann total verstehen, wie man sich in diese...

Spirale der Panik so reindrehen kann, bis es dann am Ende im schlimmsten Fall eine ernsthafte psychische Erkrankung wird. Die werden wir mit der nächsten Plexikon-Folge definitiv nicht heilen können. Da können wir euch leider direkt enttäuschen. Aber wir versuchen mal so ein bisschen die... Ursachen zu gründen, wo kommt das her? Vielleicht lässt sich da ja schon...

Weiß ich nicht, vor den ersten Symptomen eingreifen und für diejenigen, die nicht betroffen sind, aber Hypochonder im näheren Umfeld haben oder hatten, so wie du Steffi, wie geht man damit um? Wie ernst sollte man das alles nehmen? Wo sollte man den ganzen Bums vielleicht auch mal ein bisschen runter?

Unterkochen, wie macht man das? Da haben wir die Position schon wieder klar. Bist du zufrieden, nachdem du in dieser Folge schon dich so unwohl gefühlt hast? Bist du denn zufrieden, dass du jetzt als die... Naja, die leichte Prochondrische, aber auch mit viel Verständnis für Menschen mit dem gleichen Problem. Was ist denn deine Rolle dann, sag mal Emma?

Also ich wäre immer so, alle, die mal bei den Fakten bleiben und sagen, reiß dich mal zusammen, Junge. Ja, nö, dann bin ich okay mit meiner Rolle, weil dann hast du ja nächstes Mal die unsympathische. Ja, aber das hatten wir uns ja für diese Folge ja auch so vorgenommen. Ich hatte mir was ganz anderes vorgenommen für diese Folge, aber das müssen wir jetzt nicht nochmal ausdiskutieren. Na gut.

Also, was hast du dir vorgenommen für die nächste Folge? Das wirst du nochmal manifestieren, dann bleibt's auch. Ich möchte in der nächsten Folge mit Liebe, Verständnis und Geduld auftreten, während du quasi die strenge Mutter mimst, die gegen die Kinderzimmertür staubsaugt, wenn unsere HörerInnen noch sonntags im Bett liegen. wenn ich mal Herrenbesuch hatte.

Jetzt kommt nämlich doch die Dating-Geschichte. Dating kann man das nicht nennen, ist auch egal. Also klebt euch ein ABC-Pflaster auf, den Jan legt das Blutdruck-Messgerät. Ist das jetzt auch wieder Werbung? Hast du schon wieder Werbung gemacht, was wir passieren müssen? Wie heißt das denn sonst? Wärmepflaster. Oh, alles müssen wir zentrieren. Sie ja an unsere arme Redakteure. Legt euch das Blutdruck-Messgerät. Blutdruck ist jetzt nicht ein Brand. Das ist ja kein Tempo.

Ach, wir kümmern uns in der nächsten Folge um euch, auch wenn ihr kerngesund seid. Weißt du, was ich jetzt mache nach dieser Folge feierlich? Einfach mal 5 Grad sein. Meine Vorbereitung, wo ich mich vorbereitet hatte auf die Folge, in der ich mal richtig glänzen kann mit meiner Tugend der Pünktlichkeit. Jetzt habt ihr neues Wissen gewonnen. Fascht die Dinge, die ihr sonst nicht gut geschissen bekommt. Und im besten Fall habt ihr euch was weggenommen. Bis zum nächsten Mal beim Flexikon.

Sarah Weichselgartner Sounddesign Dennis Terray Rap und Stimme Zabi Pilgrim

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