Sozialstaat - Die Gründung des Müttergenesungswerks - podcast episode cover

Sozialstaat - Die Gründung des Müttergenesungswerks

Jan 31, 202540 min
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Summary

Die Folge feiert das 75-jährige Bestehen des Müttergenesungswerks und beleuchtet seine Gründung im zerstörten Nachkriegsdeutschland von 1950, als Mütter eine vaterlose Gesellschaft aufbauen mussten. Sie stellt die Pionierinnen Antonie Nopitsch und Elly Heuss-Knapp vor, die diese wichtige Einrichtung ins Leben riefen. Weiterhin werden die Entwicklung der Kuren bis heute, die aktuellen Herausforderungen für Familien, und die fortwährende Bedeutung des Werks als Teil des Sozialstaates diskutiert.

Episode description

1945 ist Deutschland zerstört, nach dem Krieg muss alles neu aufgebaut werden. Frauen sind auf sich gestellt, weil Männer gefallen oder in Gefangenschaft sind. Wie Antonie Nopitsch und Elly Heuss-Knapp mit der Gründung des Müttergenesungswerks helfen.

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Ihr hört in dieser "Eine Stunde History":

00:10:30 - Müttergenesungswerk

00:20:38 - Rebekka Rupprecht

00:31:07 - Melcher Franck

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Mehr zum Thema bei Deutschlandfunk Nova:

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Den Artikel zum Stück findet ihr hier.

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In dieser Folge mit:

Moderation: Steffi Orbach

Transcript

Intro / Opening

Deutschlandfunknova. Deine Podcast. I know Mit Steffi. Wir springen zurück ins Jahr 1945. Der Krieg ist vorbei. Deutschland liegt in Schutt und Asche. Es müssen ganze Städte und Strukturen wieder aufgebaut werden. Das Land hat Arbeit ohne Ende, aber nicht mehr viele Männer. Die sind im Krieg gefallen oder sie sind in Kriegsgefangenschaft.

Deutschland ist eine vaterlose Gesellschaft geworden. Es bleiben die Frauen, viele von ihnen Mütter, die sich nicht nur um die Kinder kümmern müssen, sondern um alles andere auch, noch wirklich um alles. Kein Wunder, dass viele von Ihnen das einfach nicht schaffen und krank werden. 1950, fünf Jahre nach Kriegsende, also, wird das Müttergenesungswerk gegründet. Eine Stiftung mit dem Ziel, Mütter in ihrer Gesundheit zu verändern.

Zu stärken. Wie kam es dazu? Was macht das Müttergenesungswerk eigentlich ganz genau und warum ist es bis heute wichtig? Darum geht es in dieser Folge von Eine Stunde History. Aus den prall gefüllten Schatzkammern der Menschheitsgeschichte. Euer Deutschlandvog Nova-Historiker Dr. Matthias von Helfeld. Selbst auch Vater. Hallo Matthias. Hallo. Bevor wir über das Müttergenesungswerk sprechen, wollen wir kurz auf Veranstaltungen hinweisen, die wir machen in diesem Jahr.

Wir kommen nämlich am 7. März nach Essen in die Zeche Zollverein. Da wird es gehen um das Thema Ruhkampf 1920. Und wenn ihr dabei sein möchtet, könnt ihr euch anmelden unter dlfnova.de. Und rund einen Monat später, da freuen wir uns wirklich alle schon sehr drauf, sind wir im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien. Dort werden wir uns um 19 Uhr mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges beschäftigen und anmelden könnt ihr euch auch wieder unter deutschlandfunknova.de.

So kommen wir zum Müttergenesungswerk, 1950 gegründet. Es wird in diesem Jahr 75 Jahre alt. Warum für Mütter und warum gerade zu diesem Zeitpunkt? Also ich glaube, es gab wirklich keinen besseren Zeitpunkt als genau den, der dann gewählt wurde, neunzehnhundertfünfzig. Der Krieg hast du eben gesagt, war gerade mal fünf Jahre vorbei.

Viele Frauen waren allein, weil ihre Männer im Krieg gestorben sind oder in Kriegsgefangenschaft geraten. Sie letzten kamen erst neunzehnhundert fünfundfünfzig zurück. Die Frauen hatten die beruflichen Positionen der Männer eingenommen und sie mussten ihre Kinder ganz alleine großziehen. Das waren Doppelbelastungen ohne Ende. Und viele Frauen wären dem ohne Hilfe sicher nicht gewachsen gewesen. Gucken wir mal ins Land rein. Wie sah denn Westdeutschland 1950 aus?

Also die allergröbsten Aufräumarbeiten waren erledigt. Viele von uns haben schon mal Fotos gesehen aus dem Jahr 1950. Da waren Schuttberge rechts und links von Straßen. Aber die Straßen waren wieder frei. Die Regierung unter Konrad Adenauer hatte den Wiederaufbau der Infrastruktur und vor allem des Wohnungsmarktes ganz oben auf die Prioritätenliste gesetzt, aber von Normalität.

Kann keine Rede sein. Es herrschte an vielen Stellen die blanke Not. Es kam dazu noch sehr viele Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und aus den von Deutschland ehemals besetzten Ländern. Und wie kam es denn dann zur Gründung des Müttergenesungswerks? Da muss man am Anfang mindestens zwei Namen nennen. Die eine war Antonie Nopic und die andere Elli Heuss-Knapp. Antonio Nopic hatte Nationalökonomie studiert, war bis 1933 Dozentin einer Fachschule für Frauen.

Wurde dort aber entlassen, weil sie wohl seem unconventional, and she bought darauf an institute with buildings angeboten for frozen off, and that was the Bayerische Mutterdienst. 1933, da war es ja noch ein paar Jahre bis zur Gründung des Müttergeneswerks, aber es gab doch wahrscheinlich auch Versuche durch die NSDRP.

Den Mütterdienst irgendwie in ihre Parteiorganisation zu integrieren, oder? Ja, es gab jede Menge Versuche, aber Antonio Nopic ließ sich nicht vereinnahmen. Sie blieb standhaft, sie wollte sich nicht instrumentalisieren lassen. And she betoned the christlich aspect of your art, and she had tatsächlich geschafft, the Nazis aus ihrem Werk weitgehend herauszuhalten. So, die andere Frau, die du erwähnt hast, war Ellie Heust knapp. Wer war sie?

Naja, also zum Zeitpunkt der Gründung des Müttergeneswerkes war sie die Ehefrau des Bundespräsidenten Theodor Heuss. Davor hatte sie eine sogenannte Fortschrittschule für Mädchen in Straßburg gegründet, wo sie im Übrigen auch geboren worden war. Dann studierte sie noch Volkswirtschaft. Sie hielt Vorträge zu politischen Themen. Wir werden sie ja gleich noch ein bisschen näher kennen, aber so viel vielleicht wirklich vorweg. Sie war eine sehr politische Frau.

Sie engagierte sich in der Liberalen Demokratischen Volkspartei, später in der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei und dann natürlich in der FDP. Ja, über Elli Heus Knapp sprechen wir gleich noch intensiv. Jetzt springen wir nochmal ins Jahr 1950. Wollen uns die Gründung des Müttergenesungswerks

Nochmal genauer ansehen und wie so eine Müttergenesungskur ablief, damals in den Gründerjahren. Das erzählt uns Luisa Philipp jetzt aus der Sicht einer Heimmutter, also einer der Frauen, die für die Betreuung der Mütter zuständig war. Heute sind die neuen Mütter angekommen. Es sind zunächst nur dreiundzwanzig.

Woran mag das Kommen der vier übrigen gescheitert sein? Sind ihre Kinder krank geworden? Wollte der Mann nicht, dass sie kommen? Oder gab es Einsprüche der Schwiegermutter? Lag es vielleicht auch an ihrer eigenen Kraftlosigkeit? Nun liegen die, die gekommen sind, bei uns in den Betten, äußerlich geborgen, aber noch mit viel Unruhe im Herzen. Jedes Mal, wenn die Mütter zum ersten Mal in unseren Betten liegen, überfällt mich diese eine Frage.

Welche Hilfe sind wir ihnen denn eigentlich unter dem Schleier von Sattessen, Ausschlafen, guter Luft und Fröhlichkeit, schuldig? Heute standen die erste ärztliche Untersuchung und das Wiegen an. Untergewicht, Kraftlosigkeit, schlechte Nerven, Herz- und Kreislaufstörungen sind bei den jungen Müttern fast die Regel. Es fehlt ihnen einfach alles zum rechten Gedeihen Geld und Raum, Licht und Wärme, Freude, Fürsorge, Liebe, ja, Liebe vor allem.

Ich habe die Verordnungen für jede einzelne Mutter bekommen, aber am Ende sagte mir der erfahrene Arzt, dass es vor allem an uns liegt, den Frauen wieder zum Leben zu verhelfen. Beim Kaffeetrinken nach der Untersuchung habe ich den Müttern bei einem lebhaften Tischgespräch zugehört. Es ging um die Frage, warum sie hierher geschickt wurden. Als Frau M. gefragt wurde, antwortete sie, ja, sie hätte schon lange vor Zollen und immer nicht wollen, und jetzt?

Naja, ihr sechsjähriges Mädchen habe gesagt, mach fort, Mutter, mit dir wird man ja verrückt. Und da habe sie gedacht, es wird besser sein, wenn sie gehe. hat das Herz wie beim Zuhören. Der dritte und vierte Tag sind meist die Krisentage. Da haben sie der Energie, mit der sie sich täglich aufrechterhielten, den Aufpass gegeben. Soll ich den Arzt holen? habe ich mich gefragt, seine Verordnung geht mir nicht aus dem Kopf, zum Leben verhelfen.

Jetzt sind sie gerade so weit, dass sie nimmer leben wollen. Am Abend beim Gutenachtsagen, wo mich viele Tränen nasse Gesichter ansahen, Habe ich deshalb versprochen, morgen ist Verwöhnung. Den ganzen Tag lang werden wir euch verwöhnen, mit allem, das wir nur können. Von mir aus gibt es auf jeden Fall zum Frühstück ein Ei, auf jeden Teller eine Postkarte und eine Blume zum Anstecken. Das Verwöhnungsfest war ein voller Erfolg.

Die schwarze Wolke scheint gebannt. Je länger sie da sind, desto besser lernen wir uns kennen. Wenn sie von ihren Ehen erzählen, kommt zuerst meist nur Kummer und Anklage zutage. Doch als ich bei einer Mutter nachbohrte, ob es auch gute Zeiten gab, sagte sie, dass früher, vor dem Krieg, alles besser gewesen sei. Finden von wo ihr Leben verwirrte, ist schon viel gewonnen.

Zweite Untersuchung. Der Arzt hat sie noch in Erinnerung mit den müden Gesichtern, der Mutlosigkeit und den vielen Leiden. Heute sah es anders aus. Er fragte Frau G., ob sie noch brav ihre Schonkost esse. Doch die lachte daraufhin und meinte, sie vertrage fast alles, sogar Schlagsahne. Langsam erwacht bei den Frauen die Freude auf daheim. Herrliche Pläne werden geschmiedet. Die Zeit bei uns ist nun auch.

Versen und Zeichnungen, lassen sie ihre gemeinsamen Ein Vers sagt davon, dass sie in der kleinen Welt, die ihnen anvertrauen, Die wieder die gute, liebevolle Herrschaft antreten wollen. Ihre Zuversicht trüstet. Nicht nur mir war heute das Herz schwer. Unsere Haustöchter, die Wackerkoffer schleppten, sagten seufzend: man darf gar nicht mehr. Wohin sie zurückkehren. haben sie es dann wieder so schwer. Heute waren die Mütter tapferer als wir.

Luisa Philipp hat uns erzählt, wie in den Fünfziger Jahren so eine Müttergenesungskur ablief, und wir haben es eben schon kurz angesprochen. Eine der Gründerinnen des Müttergeneswerks ist Elli Heus-Knapp gewesen. Und diese Frau, die wollen wir uns jetzt mal genauer ansehen, mit Ulrike Strehrad-Bolz. Sie hat eine Biografie geschrieben über Elli Heus-Knapp. Hallo Frau Strehrat-Bolz.

Müttergenesungswerk

Hallo, grüß Sie. Elisabeth, Eleonore, Anna, Justine, kurz, Elli heus knapp. Was war das für ein Mensch? Tatsächlich hat man sie immer nur Elli genannt. Ja. Dieser Riesenname ist nie von ihr und auch von ihrer Familie benutzt worden. Zumindest für ihre Zeit, aber ich glaube eigentlich auch darüber hinaus.

ein ganz ungewöhnlicher Mensch und sowieso schon mal auch eine ganz ungewöhnliche Frau. Inwiefern? Ich fange vielleicht damit an, Ihnen zu erzählen, wer mal so richtig voll daneben gegriffen hat, als er sie beschrieben hat. Das war nämlich Konrad Adenauer und er hat es nicht mal böse gemeint. Er hat sie, als sie gestorben war, hat er einen Nachruf im Rundfunk gehalten und da hat er sie Ja, als so die Politikerfrau der fünfziger Jahre beschrieben, verstehend, helfend und mittätig.

Und mit Verzicht auf Privatleben und Familienleben. And er hat sogar den Begriff politische Frau benutzt, aber es war deutlich hörbar, es gibt diese Aufzeichnung noch, dass er das in Anführungszeichen setzt. Und das alles ist. Mit Verlaub gesagt verlierer Blödsinn. Sie war nicht mittätig, sondern sie war tätig, und zwar von früher Jugend an. Sie hat mit sechzehn Jahren eine Schule gegründet, eine kleine Privatschule.

Sie war Lehrerin, sie war Schriftstellerin, sie war Sozialarbeiterin, sie war Sozialpolitikerin, sie war eine begehrte Vortragsrednerin und sie war über viele Jahre hin Inhaberin einer Werbeagentur. Sie war jedenfalls nicht die klassische Politikerfrau. Also die Anführungszeichen bei politisch, wie Konrad Adenauer das benutzt hat, die kann man

Getrost wegmachen und lassen. Elli Heusknapp war eine politische Frau. Eine hochpolitische Frau. Eine hochpolitische Frau und hat sich politisch engagiert. Wie kam das denn, dass sie so wurde? Ihr Aufwachsen hat dazu sich ja die Basis gelegt. Sie ist ja in Straßburg aufgewachsen, als Tochter eines Professors für Nationalökonomie. Im Wesentlichen ohne Mutter. Ihre Mutter ist psychisch erkrankt, kurz nach ihrer Geburt und hat den Rest ihres Lebens in Sanatorien verbracht.

Und sie hat sich in einem Kreis bewegt, in dem sie auch als Mädchen intensivst gefördert wurde. Aktiviert wurde dieses ganze Potenzial dann, als sie für ein Studiensemester nach Berlin ging, das war neunzehnhundert. Sie war dort, muss man fast sagen, natürlich nur Gasthörerin, denn sie hatte kein Abitur. Zu der Zeit war das noch gar nicht möglich.

Und dort ist sie dann in Kontakt gekommen zur Frauenbewegung, zu Gewerkschaften und hat vor allen Dingen mitgearbeitet an einer großen sozialpolitischen Ausstellung zum Thema Heimarbeit. Und Heimarbeit war natürlich an Frauen Thema. Und für sie war das Ein Sprungbrett zu einer ganz ungewöhnlichen Karriere. Sie hat dann eben angefangen als Vortragsrednerin zu arbeiten und hat das getan bis 1933, als man es ihr dann verboten hat.

Sie haben gerade die psychische Erkrankung von Elli Häusknapp Mutter erwähnt. War das möglicherweise auch der Grund, warum sich Elli Häus Knapp später so fürs Müttergenesungswerk stark gemacht hat? Ich glaube schon, dass die eigene Erfahrung, dass sie ohne Mutter aufgewachsen ist und dass sie Yeah, so Mutter Hunger had this role had. I think it was tatsu in your all kinds of social political engagement.

Das hat begonnen mit dieser Heimarbeiterinnen-Geschichte. Sie hat später in Heilbronn im Ersten Weltkrieg mit Frauen gearbeitet. Und sie hatte natürlich auch eigene Erfahrungen. Mit dem, was wir bis heute Doppelbelastung nennen, als Mutter eines Kindes, als Frau eines sehr aktiven Politikers und mit einem sehr fordernden eigenen Beruf. Es heißt, dass sie diesen Begriff Doppelbelastung selber geprägt hat. Und sie hatte eine ausgeprägte mütterliche Ader.

Das muss man noch dazu sagen, vielleicht. Sie hat sehr darunter gelitten, dass es bei dem einen Kind einem Sohn blieb. Sie hätte gerne einen ganzen Stall voll Kinder gehabt. Die Gründung des Müttergeneswerks. Was war das denn Ihre eigene Idee eigentlich? Jein. Sie selber hat ihren Beitrag eher klein geredet. Das war sicher falsche Bescheidenheit.

Aber der Anstoß kam tatsächlich nicht von ihr, sondern der kam von Antonin Nopic, einer großen Pionierin der Diakonie in Bayern. Sie war 20 Jahre jünger als Ellie. Und leitete den Bayerischen Mütterdienst, eine Einrichtung der Evangelischen Kirche. Und diese Organisation hatte nach dem Krieg, wie auch ähnliche Organisationen in anderen Bundesländern, Angefangen, Erholungsmöglichkeiten für erschöpfte Mütter zu schaffen. Und diese Arbeit war finanziell auf

Sehr, sehr schlecht gestellt. Und als die beiden sich 1949 trafen, hat Antoni Nopic Elihous knapp von diesen Sorgen erzählt. Und am nächsten Morgen beim Frühstück hat Eli Häus Knapp ihr dann erklärt, sie habe jetzt die ganze Nacht darüber nachgedacht und sie habe jetzt eine Idee. Und diese Idee war, eine Stiftung zu gründen, die alle Träger, die diese Art von Arbeit machten, unter einem einzigen Dach zusammenzufassen.

Und das ist ihr dann tatsächlich gelungen. Und daraus ist dann das Müttergenesungswerk im Grunde entstanden. By the way, einem ganz, also das war im Juli 1949 und sie hat damals zu Anton Janovic gesagt, Das schenke ich dem Theodor zum Geburtstag. Und dieser Geburtstag, der 66., der war am 31. Januar 1950. Ah, das heißt, das hat die Kinder. Okay, ich verstehe. War das denn für Sie eine leicht umzusetzende Idee oder ist Sie da auf Widerstände gestoßen? Erstaunlicherweise war das ganz leicht.

Und wenn man dann eben bedenkt, deswegen erwähnte ich das gerade, dass ihr von der ersten Idee bis zum Gründungstag genau ein halbes Jahr blieb, dann ist es eigentlich noch erstaunlicher. Sie hat kurz nach der Gründung dann einer Freundin ganz lapidar geschrieben, es läuft gut an, und das ist sehr übertrieben. Es ist ihr fast mühelos gelungen, diese ganz unterschiedlichen Trägerorganisationen, kirchliche, Parteigebundene, den paritätischen Wohlfahrtsverband.

Unter diesem Dach zusammenzuführen, wobei da sicherlich mitgeholfen hat, dass sie eben inzwischen First Lady war. Mm. Aber sie hat selber höchstpersönlich für das Startkapital gesorgt und hat da sehr viel Arbeit reingesteckt. Aber es war letzten Endes ganz, ganz einfach, kann man fast nicht anden. Hat sie sich denn eigentlich später dann auch weiter um das Müttergenesungswerk gekümmert? Ihr blieb nicht mehr viel Zeit. Sie ist ja neunzehnhundertzweiundfünfzig im Juli gestorben.

Das heißt, es blieben ihr eigentlich nur noch zweieinhalb Jahre und das letzte halbe Jahr war sie sehr, sehr schwer krank. Aber sie hat soweit ihre Kräfte reichten. Sich ganz intensiv darum gekümmert, vor allen Dingen auch um das Erscheinungsbild des, auf Plakaten und so weiter, auf ihre Idee. Gehen die Straßensammlungen zurück mit den Ansteckblümchen. Sie hat Pressekonferenzen abgehalten für Unterstützung geworben. Und sie hat den Kultusministern der Länder damals.

Die Zusage abgerungen, dass Schulkinder bei der Straßensammlung mitmachen durften, die ja immer so um den Muttertag herum stattfand. Aber tatsächlich blieb ihr nicht mehr viel Zeit. Sie hatte eine Große, eine, eine ganz dramatische Herzschwäche. Und damit war sie eigentlich ab Anfang 1952. nicht mehr in der Lage, sehr viel zu arbeiten. Und hat dann im Mai ihr Vermächtnis an das Müttergenesungswerk geschrieben. Danach hat sie sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Ulrike Strehrat-Bolz war das. Sie hat eine Biografie geschrieben über Ellie Heuss-Knapp, die Mitgründerin des Müttergenesungswerks. Vielen Dank fürs Gespräch. Danke für die Einladung. Matthias, das Müttergenesungswerk wurde ja in den Jahren nach neunzehnhundertfünfzig Teil der deutschen Sozialpolitik. Wie sah die Politik in dieser Zeit grundsätzlich aus?

Naja, ich habe mal so ein paar Zahlen rausgesucht. Von zehn Kom6 Millionen Wohnungen waren 4,6 Millionen entweder völlig zerstört, also gar nicht mehr vorhanden, oder schwer beschädigt. Vierzehn Millionen Menschen galten als Kriegsversehrte, waren also traumatisiert oder schwer verwundet.

Und bis neunzehnhundertfünfzig mussten circa acht Millionen Vertriebene in die Bundesrepublik integriert werden. Und dementsprechend gab es natürlich sozialpolitische Programme. Wohnungsbau, Heimkehrer und Versorgungsgesetz sind zu nennen. Finanziert durch einen erstaunlich rasanten wirtschaftlichen Aufschwung. Hätte denn der Sozialstaat damals ohne diesen wirtschaftlichen Aufschwung, also das Wirtschaftswunder, nicht funktioniert?

Naja, also wenn man das ganz knapp sagen will, dann stimmt das wohl, aber über allem stand die soziale Marktwirtschaft, die eine Kombination aus freiem wirtschaftlichen Handeln. Mit maximalen Gewinnmöglichkeiten und einer möglichst geringen staatlichen Intervention auf der einen Seite wahr und auf der anderen Seite einer vom Staat vorgenommenen Verteilung des wirtschaftlichen Wachstums oder eben auch des Reichtums. von denen, die viel haben, zu denen, die etwas wenig

Also jetzt haben wir erfahren, wie es in den Fünfzigern politisch aussah in Westdeutschland, in der Zeit, in der das Müttergenesungswerk gegründet wurde. Und da setzen wir jetzt nochmal an mit der Geschäftsführerin des Müttergeneswerks, Rebecca Rupprecht. Hallo, Frau Rupprecht. Hallo, guten Tag. Lassen Sie uns mal zurückspringen ins Jahr 1950. Was waren denn da so die dringlichsten Bedürfnisse der Mütter nach dem Ende des Krieges?

Rebekka Rupprecht

Ja, nach dem Ende des Krieges muss man ja wirklich sagen, und das ist allgemein auch jedem bekannt, war natürlich die Nachkriegszeit. eine Situation, in der es an vielen gemangelt hat. Also auch Stichwort Trümmerfrauen waren eben Frauen oftmals alleine zu Hause oder dann eben mit schwer verletzten oder auch psychisch belasteten Männern und Vätern, die aus dem Krieg zurückkamen. Das heißt, sie waren oftmals auch Alleinverdienerinnen.

weil die Männer schlicht ja nicht konnten oder auch gar nicht erst zurückgekehrt sind aus dem Krieg. und natürlich es auch an allem gemangelt hat, ja. Also auch was Ernährung angeht und so weiter, also die Belastungssituation und Erschöpfung da auch nochmal für Frauen ganz, ganz besonders war und dann auch für Mütter. Also kam die Idee zum Müttergenesungswerk gerade zur rechten Zeit.

Das kann man sozusagen sagen. Es ist auch nicht aus dem Nichts entsprungen, sondern Eli Horst Knapp wurde die Gründerin des Müttergeneswerks. wurde neunzehn neunundviern im Juli eingeladen vom Bayerischen Mütterdienst. auf eine Fürsorgerinnentagung. Und dort hat sie in Stein, also dem späteren Gründungsort dann auch, der Eli Heus-Knapp-Stiftung Deutsches Müttergenesungswerk,

Hat sie die Arbeit des Bayerischen Mütterdienstes kennengelernt, die eben schon so einen damals noch Müttergenesungsheim hatten und genau diese Arbeit gemacht haben. Und sie hat Antonin Nopic. Kennengelernt, die beim Bayerischen Mütterdienst war. Und beide Frauen, sehr engagierte und auch sehr tatkräftige Frauen. Haben sich lange ausgetauscht zu dem Thema. Also, Eddie Heusknapp hat dort dann auch nachts noch Akten, die er Antonin Nopic zur Verfügung gestellt hat.

Gelesen, um eben sich dieser Situation sozusagen damit auch auseinanderzusetzen. Und sie war zum einen, ja, das ist auch entzückt, tatsächlich, ja, von der Arbeit von Antoni Nupitsch, also von der sie schwer beeindruckt war, und gleichzeitig hat sie dort eben auch dann in den Heimen, in den Müttergenesheimen. die große Not der Mütter gesehen auf der einen Seite und eben wie sinnvoll und wirklich hilfreich, unterstützend und in gewisser Weise auch wirklich weltbewegend.

Diese Kuren dann gewirkt haben auf die Frauen. Was genau wurde denn in diesen Kuren in den Anfangsjahren des Müttergenesungswerks eigentlich gemacht? Ja, und es war natürlich ein bisschen einfacher, als wir das heute kennen, ja, mit sagen wir mal ausdifferenzierten Qualitätsstandards und ja heute sind es ja, nennen wir es stationäre medizinische Vorsorge und Reha-Maßnahmen. Also da erkennt man, dass sich vieles entwickelt hat.

Aber was ganz wichtig war natürlich in dieser Nachkriegszeit, war, dass Mütter, und damals waren es nur Mütterkurnen, also auch die Kinder kamen nicht mit, so ganz anders als heute, wo das den Großteil der Kuren ausmacht. Mütter hatten das erste Mal, oftmals das erste Mal in ihrem Leben oder zumindest nach der Geburt des Kindes oder der Kinder.

Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen und auch teilweise einfach ernährt zu werden. Also Nahrung spielte auch eine große Rolle, dass wirklich die Mütter gut versorgt wurden. Sie wurden in der Regel ausgestattet,

Mit so einem Art Trainingsanzug und einer Würzelburste, ja, also dass man auch sozusagen sich selbst oder gegenseitig dann die Frauen in der Kurmaßnahme mit einfachen Mitteln, weil es gab ja auch nicht so viel und man konnte jetzt auch nicht davon ausgehen, dass die Mütter nach Hause gehen.

und sich so wie heute ja vielleicht einen Spartag gönnen. Also man hat wirklich versucht, sehr an der Lebenssituation der Mütter versucht, und das ist auch etwas, was sich bis heute im Müttergenießungswerk gehalten hat, auch wenn sich die Lebensrealitäten verändert haben. Aber an der Lebenssituation der Sorgearbeiten leisten sich auszurichten.

und zu gucken, ja, wie leben denn Mütter, Väter und pflegende Angehörige in Deutschland? Ja, was brauchen sie, damit sie gesund durch ihren Alltag und durch ihre Herausforderungen, die eben heute eine Mehrfachbelastung meistens auch bedeuten, Ja, mit Familie, mit Beruf, mit Pflege und so weiter. Jetzt sind Sie selber schon so ein bisschen ins Heute gesprungen, dann bleiben wir doch einfach auch mal direkt dabei. Wie viele Heime betreibt denn das Müttergenesungswerk heute so?

Wir haben aktuell zweiundsiebzig Kliniken. Wir sind darüber hinaus in unserem Müttergenesungswerk im Verbund neunhundert Beratungsstellen. die eben sozusagen auch vor und nach der Kurmaßnahme begleiten. Also ist ein ganz wichtiger Faktor auch, dass wir gerade was ja die Auswahl der richtigen Klinik, was die Aufklärung darüber, wie funktioniert denn überhaupt ja so eine Beantragung auch nach Kur. Für manche ist das ja auch sozusagen etwas völlig Neues.

Da begleiten unsere Beratungsstellen durch den Prozess. und wählen dann auch die richtige Klinik aus. Ja, also weil natürlich die Belastungssituation oder Gesundheitsprobleme ja unterschiedlich gelagert sind oder auch das, was die Patientinnen, es gibt ja eine Wahlfreiheit bei der Klinikauswahl für Patientinnen. Da natürlich auch gucken, wo möchten Sie gerne hin, was sind die Schwerpunkte und die größten Belastungen und Gesundheitsprobleme, auf die Klinik dann Rücksicht nimmt.

Und wir haben ganz viele tolle Kliniken. die eben auch dann spezifische Spezialisierungen und Schwerpunkte haben, ja also Was wird denn eigentlich in den Heimen heute angeboten? Sie hatten ja eben so ein bisschen anschaulich erzählt, früher gab es einen Trainingsanzug und eine Wurzelbürste und was Gutes zu essen. Wie hat sich das denn weiterentwickelt? Also was bekomme ich denn heute, wenn ich eine Kur mache im Müttergenesungswerk?

Also schon immer, und das ist auch sozusagen dieses ganzheitliche und früher nennte man das so körperliche und seelische Leib, ja, dass man auf beides guckt, ist auch heute sozusagen der ganzheitliche Ansatz ein gendersensibler Ansatz, das heißt Für die Kurteilnehmerin wird ein individueller Therapieplan ausgearbeitet, wo man ganz genau guckt, was brauchen die einzelnen Kurteilnehmerinnen. Ja, und dann wird geguckt. Wir haben also ein Angebot was aus.

Gesprächstherapien, Einzeltherapien, Bewegungsangeboten, Ernährungskurse, Vorträge. Kinderbetreuung, schulbegleitender Unterricht, also dass auch Kinder, die mitgehen auf die Kur, was eben der größte Teil ist, mit gut versorgt sind. Was immer wichtig ist bei den Mütter und Väterkurnen, dass die eben den Fokus zunächst erstmal ja wirklich auf die Zielgruppe der Sorgearbeit leistenden haben, ja.

Das heißt, es werden zwar Kinder, wenn sie auch behandlungsbedürftig sind, mitbehandelt, aber wir sind keine Kinderrehrer, sondern haben eben da den Fokus auf die

Auf die Mütter und Väter, genau. Zu den Vätern kommen wir gleich. Ich wollte aber noch fragen: Also, muss ich eigentlich tatsächlich Mutter bzw. Eltern sein? Denn es gibt ja durchaus auch Frauen oder Männer, die aus anderen Gründen bedürftig sind, also die zu viel Arbeit haben, die mit der Pflege der Eltern vielleicht an ihre Grenze kommen, sind sie für die auch da oder muss man wirklich Eltern sein, um ihre Kuren in Anspruch nehmen?

Also nein, weil wir wie gesagt wir sind mittlerweile durch die Gründung der Zustiftung zwei tausend dreizehn können wir eben auch Kurmaßnahmen für alle Sorgearbeit leisten. Ist sozusagen der Fokus, das heißt Mütter, Väter, aber eben auch pflegende Angehörige. So, also nach dem Gesetz im SGB V sind wir ja verankert, da besteht der Anspruch. für Mütter, Väter und Pflegende auf eine Kurmaßnahme ist eben für Mütter und Väter festgesetzt, dass man in Erziehungsverantwortung ist.

Also weil sich das Gesundheitsproblem sich sozusagen aus diesem Kontext ergibt. Frau Ruppe, Sie nehmen Mütter, Sie nehmen Väter und Sie nehmen pflegende Angehörige, haben Sie jetzt gesagt. Wäre es nicht mal Zeit, das Müttergenesungswerk umzubenennen? Wir sind ja eine Stiftung, die sozusagen immer wieder auch guckt, innovativ zu bleiben und mit dem am Nabel der Zeit zu bleiben und natürlich ist auch unser Name etwas, mit dem wir uns durchaus auseinandersetzen.

Die Prüfung hat aber immer wieder ergeben, dass der Verlust des Namens größer ist als der Gewinn durch die Umbenennung, den wir haben. Und es ist natürlich auch sozusagen, wir sind ja eine Stiftung, ja, es hat also sozusagen auch einen geschichtlichen Hintergrund, dass dieser Name immer noch trägt. Darüber freuen wir uns als Geschäftspodcast natürlich sehr.

Das Müttergenesungswerk ist fünfundsiebzig Jahre alt geworden und es wird seinen Namen behalten. Ich habe gesprochen mit der Geschäftsführerin Rebecca Rupprecht. Vielen Dank fürs Gespräch, Frau Rupprecht. Ja, ich danke auch. Vielen Dank. Matthias, wir sind angekommen im Jahr 2025. Das Müttergenesungswerk hat Geburtstag dieses Jahr. Es wird 75 Jahre alt. Und eigentlich müsste es ja jetzt Elterngenesungswerk heißen, denn es können ja jetzt auch Väter ins Müttergenesungswerk. Wie kann das denn?

Weil sich, das vermute ich jedenfalls, die Belastungen und die Anforderungen und die Probleme bei der Erziehung von Kindern drastisch verändert haben, die Echo kann man des Internets, in denen falsche Freunde, selbsternannte Influenza oder extreme Rhetoriker versuchen.

Kinder und Jugendliche für sich und ihre Ziele zu instrumentalisieren. Und gleichzeitig verlangt die reale Welt von den Kindern und Jugendlichen sehr viel, nämlich soziale Kompetenz, Lernfähigkeit, Engagement in Schule, Ausbildung oder an den Universitäten und so weiter und so fort.

Und von den vielen Verlockungen der Unterhaltungsindustrie will ich jetzt nicht reden. All das ist in dieser Häufung neu und bringt viele Probleme für Eltern und natürlich auch für Kinder mit sich. Insofern finde ich es nicht verwunderlich. wenn viele Eltern und Kinder Erholungs- und Ruheräume brauchen, in denen sie wenigstens ein wenig wieder zu sich selbst finden können.

Ja, und wie wichtig das ist, darüber will ich jetzt reden mit Melchior Frank. Er ist Geschäftsführer der Kur und ReH GmbH des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Baden-Württemberg. Hallo, Herr Frank. Ich grüße Sie, Frau Ohrbach.

Melcher Franck

Herr Frank, wir leben jetzt zwar nicht mehr im Nachkriegsdeutschland wie zur Gründung des Müttergeneswerks, aber dennoch leben wir ja in einer sehr anspruchsvollen Zeit. Wir haben eine Pandemie hinter uns gebracht. Wir müssen mit der Klimakrise klarkommen. An vielen Orten der Welt ist Krieg. Wie hat sich das Müttergenesungswerk auf diese anspruchsvollen Zeiten eingestellt?

Ja, es sind tatsächlich auch für die Kliniken im Metagenesungswerk sehr anspruchsvolle Zeiten, nicht zuletzt deshalb, weil der Bedarf an Unterstützung für Familien seit der Pandemie so groß ist wie viele Jahre zuvor nicht. Das bedeutet, die Krankenkassen bekommen unglaublich viele Anträge. Es gibt viele Familien, die nach wie vor unter den Herausforderungen der Pandemie und sicher auch nicht mehr so gut haben.

Under the Herausford, you anges, Klimakrise and Krieg in the Welt leiden. And by denen deswing the Eltern an den Rand kommen, sage ich erst mal pauschal. Konkreter kann man aber auch sagen, psychisch krank werden und dringend therapeutische Unterstützung brauchen, die Können Sie denn alle unterbringen, die Anträge stellen? Also die Realität ist im Moment, dass die Wartezeit nach der Bewilligung durch die Krankenkasse in der Regel mindestens vier bis sechs Monate beträgt.

Was sind denn die größten Probleme, die von der Corona-Pandemie sozusagen übrig geblieben sind, was die Eltern angeht? Herr Präsident. Familien waren in der Pandemie dadurch sehr belastet, dass wir ja in Deutschland die ganzen Betreuungssysteme für Kinder geschlossen haben, Schulen geschlossen haben. und Eltern, die ja grundsätzlich mit Mehrfachbelastungen umgehen mussten und müssen.

Dann vor der Herausforderung standen die eigene Umstellung auf Homeoffice, die eigene Auseinandersetzung mit der Pandemie. auch noch damit zu verbinden that they um their kids kümmern müssen that these by them zu hause are they in home office durchs Bild hüpfen um it's just mal auf so art and we're to say Und natürlich hat die Enge in den Familien auch Konflikte darauf beschworen, die vielleicht vorher noch nicht so da waren.

Aber es ist ja mittlerweile, also wir sind ja jetzt auch schon wieder eine ganze Zeit nach der Pandemie, die Kindergärten, die Kitas haben wieder auf, die Tagesmütter dürfen wieder betreuen. Hat sich das Ihrer Ansicht nach noch nicht wieder reguliert? Ist das Müttergenählungswerk jetzt immer noch so wichtig? Von Regulation kann man tatsächlich aus meiner Sicht noch nicht strecken. Es ist so, dass

viele Familien in dieser Zeit nicht die Unterstützung bekommen haben, die sie gebraucht haben. Wir hatten deswegen auch aus der Pandemie heraus natürlich einen gewissen Stau, sage ich jetzt mal, an Unterstützung. Und auf der anderen Seite ist es häufig so, das kennen Sie vielleicht auch, wenn eine Anspannung nachlässt, dann kommen manchmal die Herausforderungen, die diese Zeit hinterlassen hat, erst so richtig zum Vorschein.

Und das heißt, Familien brauchen im Moment, und da sprechen die Antrags- und auch die Bewilligungszahlen der Krankenversicherung eindeutig dafür mehr Unterstützung denn je. Würden Sie grundsätzlich sagen, dass die Aufgaben von Eltern heute komplizierter sind als früher im Insgesamten gesehen? Ach Ich gehören nicht zu denjenigen, die es so leicht dann beklagen, dass es immer alles schwieriger wird. Auch heute ist es immer noch wunderbar.

Wenn Eltern Kinder haben und Familien miteinander leben, natürlich leben auch Familien in einer komplexer werdenden Welt. Und ich glaube schon, dass sie spezifische Belastungen auch für Familien vergrößert haben. Wir haben in unserer Gesellschaft festgelegt, dass Frauen berufstätig sein sollen und auch mehr Vorsorge für ihre eigene Rente dadurch. tun. Das heißt, wir haben einfach viel, viel mehr Familien, in denen es Doppelberufstätigkeit gibt als vor zwanzig Jahren.

Dadurch steigt auch der ganz konkrete Alltagsbelastungsdruck in Familien, der sicher dann mit dazu beiträgt aus meiner Sicht, dass auch Überforderungssituationen entstehen und die Belastung in Familien manchmal nicht mehr getragen werden kann. Also würden Sie sagen, dass der gesellschaftliche Druck auf Familien enorm gewachsen ist, wenn ich das richtig verstanden habe?

Ja, zumal mit diesen zusätzlichen Herausforderungen die Unterstützung noch nicht gleichermaßen gewachsen ist. Wir haben eben noch keine Strukturen. wo Ganztagsbetreuung in allen Altersklassen selbstverständlich ist in unserer Gesellschaft. Kitas haben immer noch die Herausforderung, dass sie oft nicht genug Personal haben, keine verlässliche Unterstützung anbieten können. Und auch das sind natürlich Konstellationen, die für Familien in ihrem Alltag eine ständige Herausforderung bedeuten.

Was raten Sie denn Eltern, Müttern und Vätern, wenn Sie im Müttergenesungswerk nach Erholung suchen? Ich rate Ihnen einerseits, diese Erholung und Unterstützung und spreche selber da am liebsten auch von Behandlungen frühzeitig zu suchen. Wir haben mit den Vorsorge- und Reha-Angeboten in den Kliniken gute Möglichkeiten, Weichen in eine positive Richtung zu einem Zeitpunkt zu stellen, wo eine chronische Erkrankung auch noch vermieden werden kann.

Das zweite, was ich Familien raten würde, wäre trotzdem mit der Maßnahme so lange zu warten, bis die Kinder gut betreut werden können. Das heißt, bis sie vielleicht auch an anderer Stelle schon die Erfahrung in Kitas und anderen Einrichtungen gemacht haben, dass es Spaß machen kann, Zeit mit Erzieherinnen und Erziehern zu verbringen. weil das die Eltern sehr entlastet, dann ihr eigenes Therapieangebot in den Kliniken auch in Anspruch nehmen zu können.

Endet das Angebot des Müttergeneswerks eigentlich nach der Kur oder gibt es bei Ihnen auch noch eine Form von Nachbetreuung? Es gibt einzelne Projekte, auch zum Thema Nachbetreuung. Selbstverständlich ist es für die Kliniken im Müttergenesungswerk auch Nachsorgeangebote. anzubieten. Also nicht unmittelbar an die Kliniken gekoppelt, aber wir wollen, dass es den Müttern und Vätern dann auch zu Hause wieder gut geht. Kann eigentlich jeder oder jede eine Kur im Müttergenesungswerk beantragen?

Voraussetzung für einen Klinikaufenthalt in einer der Kliniken des Müttergeneswerks ist es, dass eine Erkrankung meist im Bereich der psychischen Störung entweder schon vorhanden ist oder zumindest droht und deswegen eine Vorsorgemaßnahme erforderlich ist. Dafür braucht man ein ärztliches Attest. Und am einfachsten werden die Kosten von der gesetzlichen Krankenversicherung oder auch von der Beihilfe übernommen. In der privaten Krankenversicherung ist das sehr vom individuellen Vertrag abhängig.

Melchior Frank war das erst Geschäftsführer der Kur und Reha GmbH des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Baden-Württemberg. Vielen Dank fürs Gespräch, Herr Frank. Ich danke Ihnen auch. Matthias, 75 Jahre alt, aber immer noch notwendig, das Müttergenesungswerk, haben wir gehört. Es hat ja einen etwas sperrigen Namen, der aber bleibt. Das haben wir auch schon gehört. Es ist aktuell wie eh und je und es ist auch immer noch Teil des Sozialstaates, ne?

Zweifellos. Und die Kuren und die anderen medizinischen Maßnahmen werden ja von den Krankenkassen bezahlt, aber das Die Arbeit der mehr als 70 Kliniken, die im Verband dieses Müttergenesungswerkes zusammenarbeiten, eben nicht ganz ab. Zum Beispiel braucht es Zuschüsse bei Kuren, Beratungs- und Nachsorgearbeit und natürlich für Aufklärungsprogramme.

Das Müttergenesungswerk ist an der Nahtstelle zwischen der staatlichen Fürsorge und privat finanzierter Unterstützung von sozial benachteiligten oder finanziell schlechter gestellten Menschen. Und damit ist es tatsächlich. Ein ganz, ganz wichtiger Teil unseres Gemeinwesens. Das war eine Stunde History über die Gründung des Müttergenesungswerks vor 75 Jahren. In der nächsten Folge mit Markus Dichmann.

Da geht es um etwas ganz anderes, nämlich die Geschichte des Wahhabismus, einer sehr strengen Form des Islam. Danke fürs Zuhören heute. Bis bald. Deutschland von Knova. Eine Stunde History. Jeden Freitag In der Deutschland.

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