Hallo und herzlich willkommen zur 181. Episode des E-Government-Podcasts. Ich bin Thorsten Frenzel und heute habe ich einen Gast, der schon mal da war und zu einem Spezialthema GuffTech gesprochen hat. Hallo Nils, ich grüße dich.
Hi Thorsten, ich freue mich wieder dabei zu sein.
Ja, vielleicht sagst du noch mal ganz kurz, wer du bist und dann legen wir direkt los.
Gerne. Ich bin Nils Hoffmann, ich bin der Geschäftsführer von Possible. Das ehemals Public Deutschland ist eine Beratungsboutique, würde ich sagen, die sich eben mit dem Thema GavTech beschäftigt, also immer an dieser Schnittstelle arbeitet zwischen Verwaltung, Politik und Tech.
Ich selber habe einen Hintergrund in Finanzwirtschaft, habe mal in der Verwaltung eine Zeit lang gearbeitet, da ein Innovationslabor aufgebaut in Nordrhein-Westfalen, das GavTech-Armsberg und ja, in den letzten fünf Jahren jetzt schon fast, Erst arbeite ich eben in Deutschland daran, dass man Startups, Tech-Unternehmen und Verwaltungen mehr zusammendenkt.
Ja, wir haben ja auch beruflich das eine oder andere Mal zu tun, aber du hast jetzt gerade gesagt Beratungsboutique. Aber fangen wir nochmal von vorne an. Du machst jetzt Possible. Was ist passiert, dass aus Public Deutschland Possible wird?
Ja, kann ich gerne klären. Und zwar gab es die Gelegenheit, sich strategisch nochmal neu aufzustellen. Ich habe mir gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen viel Gedanken im letzten Jahr gemacht. Wo wollen wir denn eigentlich hin mit Public? Was muss jetzt eigentlich passieren? Wie können wir auch im deutschen Markt besser werden und auch mehr Impact generieren?
Und da gehörte zur Wahrheit auch dazu, dass ich vorher sozusagen eine Tochtergesellschaft einer britischen Gruppe war, der Public Group, und da ergab sich eben die Gelegenheit, dass wir uns neu aufstellen konnten.
Das heißt, ich habe gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen, drei Stück an der Zahl, die Mehrheit an der deutschen Gesellschaft übernommen und konnte PwC als Investor gewinnen und als strategischen Partner, die uns jetzt bei ganz vielen Themen unterstützen, wo es dann für eine kleine Firma schwieriger wird, gerade so im Rechtsbereich oder großen Projekten. Genau, und haben so ein neues Setup gefunden. Das bedeutet dann aber auch, dass man den alten Namen ablegen musste.
Und in dem Zuge haben wir eben auch uns nochmal ganz intensiv Gedanken gemacht, wo wollen wir eigentlich hin, was wollen wir eigentlich tun, wie wollen wir unseren Beitrag zur Digitalisierung Deutschlands leisten. Und dabei kam dann Impossible raus.
Das heißt, ihr habt euren Fokus ein bisschen verändert, beziehungsweise den Weg, wie ihr durch den ihr geht. Vielen Dank. Jetzt muss ich doch nochmal auf das ganze Thema Beratungsboutique zukommen. Vielleicht kannst du das mit erklären, während du erzählst, was ihr konkret so macht.
Klar, klar, kann ich gerne machen. Ich meine, wir sind ja mal gestartet, oder ich bin gestartet vor einigen Jahren eigentlich so ein bisschen mit der Mission, okay, wir wollen Startups und Verwaltung besser zusammenbringen. Wir haben Akzeleratorprogramme gemacht, haben viele Projekte direkt mit den Firmen gemacht und eher in Programmen gedacht als Public.
Und in den letzten Jahren kam dann aber immer mehr Verwaltung auf uns zu, aber auch größere Tech-Firmen haben gesagt, Mensch, es ist ja total spannend, was ihr macht und ihr versteht, was sozusagen in der Gründerszene passiert und Verwaltung versteht ihr auch noch. Doch, so jemanden wie euch brauchen wir. Könnt ihr uns bei meinem Projekt helfen?
Und da haben wir eben immer mehr projektbasiert gearbeitet, haben unsere Expertise eben mit Landesverwaltung, in Landesverwaltung zum Beispiel eingebracht. Genau, dann irgendwann auch mit der EU gearbeitet und so hat sich eben Stück für Stück so ganz organisch irgendwie ein Beratungsteam eben aufgebaut, was heute eben den Großteil unserer Arbeit tatsächlich ausmacht.
Weil eben Verwaltungen gerne sehr direkt mit uns zusammenarbeiten wollen und das ist eben ein guter Modus, den wir da gefunden haben und wir haben auch festgestellt. Es reicht nicht nur, nur mit den Startups zusammenzuarbeiten und cooles Angebot zu schaffen und viele Gründerinnen und Gründer zu haben, die Verwaltung spannend finden und irgendwie coole Ideen umsetzen wollen, Produkte anbieten wollen, sondern auch auf der Auftraggeberseite gab es noch ganz, ganz viel Arbeit zu tun.
Was zum Beispiel Beschaffung angeht. Das ist ein großes Thema, was uns umtreibt. Aber auch solche Dinge wie Kulturwandel, Change, die uns immer wieder umtreiben. Und daher kommt auch so ein bisschen der Name Possible, weil ich halt glaube, man muss dieser ganzen Digitaldiskussion im öffentlichen Sektor einen positiven Spin geben, mehr zeigen, was geht, was schon da ist, was für coole Sachen am Markt sind, was die Verwaltung aber auch selber kann.
Und genau, so sind wir so ein bisschen zu unserer neuen Ausrichtung gekommen.
Ihr habt ja auch ein Motto, was ich ziemlich cool finde. und Glauben an erfolgreiche Digitalisierung zurückbringen.
Ja, genau. Kann ich so ein bisschen erzählen, wo das herkommt. Es war auch so ein kleiner Prozess, den wir da durchlaufen sind. Irgendwann saß ich mal auf einer Veranstaltung, beziehungsweise dessen Ende auch schon. Und das kennst du vielleicht auch. Wenn dann mal die ganzen Panels vorbei sind, dann wird dann doch beim Bier beim zweiten, dritten, vierten dann gerne mal gesagt, ob das alles nochmal was wird.
Und ich weiß ja nicht und so. und dann wird man ja auch schnell mal zynisch und ich habe irgendwann gesagt, das kann doch nicht angehen, also so schlecht sind wir doch nicht.
Also da geht doch einfach mehr. Wir haben super viele Dinge, Talente in Deutschland, in der Verwaltung, außerhalb der Verwaltung und am Ende sagt ja auch jeder, egal ob er jetzt Dienstleister ist oder Produkte macht oder eben in der Verwaltung sitzt, am Ende sagen ja alle, die an dem Thema arbeiten, ja irgendwie will ich da doch was bewegen. Darum mache ich den ganzen Plan ja auch.
Und deswegen habe ich gedacht, dann geben wir uns mal genau dieses positive Motto, um dem mal so ein bisschen entgegenzuwirken, dem Deutschen, der immer schon gerne meckert und schnell sagt, was ans Falsch läuft. Wir wollen ihm eher einen positiven Spin geben.
Ja, das trifft immer genau das, was ich im Podcast immer sage. Wir haben schon sehr, sehr viel. Wir tun schon sehr, sehr viel. Es sieht nur noch keiner, weil wir ganz, ganz viele Hausaufgaben haben, die wir in den letzten Jahren vergessen haben zu machen. Und das ist wie in der Schule, wenn man sich seine Hausaufgaben vergisst, kriegt man schlechte Noten.
So ist das dann. Kann man nicht erwarten, dass es dann direkt die frei wird. Dauert es auch vielleicht ein bisschen länger. Das stimmt.
Du bist immer noch unterwegs in dem Bereich des Gavtech. Also du hast ja auch mal in der letzten Sendung, die wir zusammen gemacht haben, das ganze Thema Gavtech erklärt. Was ist denn gerade los im Gavtech-Sektor?
Viel, Professionalisierung, würde ich mal sagen. Ich glaube, als wir das letzte Mal gesprochen haben, da war Gavtech echt noch so ein bisschen fast noch in den Kinderschuhen. Man hatte so ein, zwei Firmen, die irgendwie vielleicht mal eine Finanzierungsrunde bekommen haben. Dann gab es so erste Verwaltungen, die gesagt haben, oh, das ist aber ein spannendes Thema, da wollen wir mal mit einem Startup zusammenarbeiten.
Aber so richtig sich, Also strategisch oder ganzheitlich hat sich da eigentlich keiner rangewagt, ja. Und da ist eben, sozusagen, ganz, ganz viel auf allen drei Ebenen passiert. Sozusagen die erste Ebene sind irgendwie die Verwaltung, die zweite Ebene sind die Firmen, also die Gafftech-Anbieter und die dritte sind, glaube ich, so Investoren, ja. Ich kann mal kurz skizzieren, was da so passiert ist.
Ich glaube, bei den Auftraggebern, also den Verwaltungen, ist unglaublich viel Professionalisierung in der Beauftragung passiert. Also du hast sowas wie Hamburg zum Beispiel, die als erstes Land eine Venture-Client-Unit aufgebaut haben mit dem Paolo. Super spannend, hochprofessionell. Also die sagen wirklich, wir wollen uns organisatorisch mit Startups auseinandersetzen.
Oder du hast so jemanden wie die Dataport zum Beispiel, die in Ökosystemen anfängt zu denken, was auch so ein bisschen aus diesem Gavtech-Bereich eben getrieben worden ist. Oder du hast in Bayern, in München, an der TUM ganz, ganz viel Bewegung, die auch immer mehr mit bayerischen Kommunen, aber auch zum Beispiel der Landeshauptstadt München, die da sehr, sehr weit sind, zusammenarbeiten. Leben auch mehr mit Startups machen wollen. Also da ist einfach viel Professionalisierung passiert.
Früher sind die Gründer sozusagen zu mir gekommen und haben gefragt, mit wem muss ich immer sprechen? Ja, und dann kannte man so die drei, vier Leute, die dann irgendwo in der Verwaltung saßen, die irgendwie Lust auf das Thema haben und jetzt ist es eben sehr viel studierter. Also das kann man schon so festhalten. Und bei den Startups sieht man auch deutlich. Ernsthaftere, größere Firmen, die da wachsen. Die wachsen schneller.
Also man sieht schon, dass Startups sehr viel schneller Klienten gewinnen. Ich habe heute zum Beispiel gesprochen mit SumAI. Das ist ja ein KI-Startup, was leichte Sprachen macht, um mal so ein Beispiel zu nennen, die wir in unserem letzten Accelerator hatten und die sind halt deutlich schneller, haben die die 50-Kunden-Marke durchbrochen als alle Startups davor.
Also da ist einfach sehr, sehr viel mehr Bewegung drin, weil die auch besser verstehen, wie Verwaltung tickt und es gibt mehr Erfahrung, man taucht sich mehr aus. Also da ist auch ganz.
Ganz viel Hat ihr nicht auch alle Freiberge bei euch mit drin?
Ja, genau.
Das ist ja ein Vorzeigestartup inzwischen geworden.
Absolut, ja. Und ein super Beispiel nämlich für den dritten Punkt, Investoren. Die Investoren schrecken auch nicht mehr zurück vor Verwaltungsstartups. Also wenn ich vor vier Jahren mit Venture Capitalists, also das sind so die Leute, die Startups finanzieren, gesprochen habe, da hat man mir immer gesagt, oh nee, Startups und Verwaltung, Das dauert alles zu lang und das lohnt sich nicht so richtig. Und das ist ja so eine Nische.
Also da Geld reininvestieren lohnt sich für uns nicht. Wir machen lieber irgendwie das nächste Zalando ungefähr. Und das hat sich spätestens seit Aleph Alpha wahnsinnig gedreht.
Ja, also wo wirklich Jonas ja auch sagt, der CEO von Aleph Alpha, Verwaltung ist mir wichtig, da wollen wir reingehen, das ist für uns ein relevantes Umfeld und der Erfolg, ja, in Baden-Württemberg, aber auch in anderen Projekten, ihm ja total recht, ja, und das zeigt eben super, dass eben auf allen wichtigen Ebenen für so ein Ökosystem viel passiert ist. Sowohl bei den Geldgebern als auch bei den Anbietern, als auch bei den Abnehmern. Da hat sich der gesamte Sektor schon super weiterentwickelt.
Das sind ja jetzt alles zwei KI-Unternehmen gewesen. Gibt es noch andere Themen bei den Startups, die aktuell ziehen? Weil KI, das ist wie vor drei Jahren noch Blockchain, da finde ich sofort Investoren.
Ja, also es ist natürlich das vorherrschende Thema. Auf jeden Fall, aber das auch nicht seit sozusagen OpenAI rausgekommen ist. Das geht schon einige Jahre so, dass eigentlich Gründer sich da sehr mit auseinandersetzen. AI spielt immer eine Rolle. Was ich viel spannender finde, ist, glaube ich, so die Use Cases, die gerade eine Rolle spielen. Also mit welchen Teilen der Verwaltung beschäftigen sich eigentlich die Startups?
Und da ist das Interessante, dass viele ja fast schon so ein bisschen am Rand stehen. Also die suchen sich dann so Bereiche wie zum Beispiel Energie und Stadtwerke. Das ist ein großes Feld, in dem viel passiert. Da gibt es zum Beispiel sehr erfolgreich Startup Live.io, wo die mit Satellitendaten große Leitungen zum Beispiel monitoren und damit Stadtwerken eben helfen, ihre vielen Bauten.
Also so ein Stadtwerk hat ja normalerweise sehr, sehr große Gebäude, Leitungen, Areale, die sie überwachen und das wird eben mit Satellitendaten gemacht. Also da in dem Bereich ist sehr viel passiert. Mobilität spielt eine große Rolle, spätestens seit die vielen Sharing-Dienste gekommen sind. Also auch da gibt es viele Bewegungen. Wie gehe ich da mit den Daten um?
Wie kann ich als Verwaltung überhaupt das Ganze regulieren und auch sozusagen sicherstellen, dass sowas wie No-Parking-Zonen funktionieren? Da gibt es einige Gründungen, die sich mit den Themen beschäftigen, aber auch Infrastrukturaufbau. Also was machen wir denn jetzt mit unseren vielen kaputten Straßen, Brücken? Wie priorisieren wir? Wie können wir nachhaltig das Ganze auch managen? Also da gibt es auch einiges, was dort passiert, um mal so einen Randbereich dazu nehmen.
Interessanterweise, ich finde interessant, wo gibt es sozusagen nicht so viel Bewegung, das ist tatsächlich so Kernverwaltung, also an so das nächste Standesamt-Fachverfahren oder Genau.
Das wollte ich gerade fragen, wie es da ausschaut.
Genau, oder die E-Akte, da gibt es bisher nicht so viel Bewegung Ja gut.
Das ist natürlich auch ein gigantischer Invest, den man da leisten muss, um da voranzukommen, Wobei, ich bin immer noch der Meinung, dass die meisten dass die meisten Fachverfahren auch nur Ticketsysteme sind, weil da kommt ein Antrag rein, der wird verarbeitet und am Ende kommt ein Ergebnis raus.
Und ich höre jetzt schon, wie sich manche an den Kopf hauen und mich würgen wollen, aber es ist einfach das, was ich in den letzten Jahren oder Jahrzehnten gesehen habe, wie Fachverfahren hauptsächlich funktionieren. Und die restlichen 20%, das sind halt wirklich tief integrierte mit Datenbanken, wo man noch verschiedene Sachen nachhalten muss und noch Gesetzesänderungen von vor 20 Jahren berücksichtigen muss. Also das ist natürlich schon ein gigantischer Investor reinzugehen.
Ja, total. Und ich würde sogar beipflichten, es sind viel Workflow-Systeme, viel Entscheidungssysteme am Ende des Tages, da ist schon viel ähnlich. Ich glaube, da gibt es auch die ersten Verwaltungen, die das auch merken. Und auch die ersten Länder, die sagen, okay, vielleicht müssen wir da mal ran, wie können wir Workflows besser poolen, sag ich mal, und wirklich mehr in Plattformen denken. Ich finde, ein super Bereich, ich weiß nicht, wie dir das so geht, ist so Fachverfahren für Förderung.
Weil da ist ja ganz, ganz viel standardisiert und relativ gleichförmig, aber passiert relativ wenig und es gibt viele Fachverfahren.
Aber da kommt tatsächlich was aus Bayern. Das Land Bayern hat hier mit der Byte, zusammen eine Förderplattform gebaut, wo sie zumindest anfangen, in Bayern diese ganzen Förderverfahren zu vereinheitlichen.
Ja, total sinnvoll, ne?
Ja, mit Plattformen und einheitliche Beantragungswege und so weiter. Also auch nicht mehr so kompliziert. Da ist ja oftmals vergisst man, ein, zwei Kreuzchen zu setzen oder ein Kreuzchen zu setzen, schon kriegt man keine Förderung. Und das ist da alles mit dabei mit Plausi-Checks und so weiter.
Die Beide sind übrigens ein mega gutes Stichwort. Die, finde ich, ist auch so ein super Beispiel, was dass wir eigentlich mehr durch Deutschland tragen sollten. Weil da hat man mal wirklich sich super Gedanken gemacht, wie kriegen wir denn so Tech-Talent auch in die Verwaltung rein. Also bisher bin ich da echt irgendwie großer Fan. Und auch bei der Geschäftsführung, dass man da sich auch noch einen richtigen Tech-Manager reingeholt hat, ist wirklich Chapeau.
Also ich finde, das hat man wirklich sehr gut gemacht. Da kann man sich, glaube ich, bundesweit auch noch mal so ein bisschen was abschauen.
Ja, die haben ein schönes Duo, Führungsduo. Also die Antonia aus der Verwaltung, also direkt aus dem Ministerium und der Tino kommt aus der Wirtschaft. Also die ergänzen sich hervorragend. Ja.
Und das ist ja übrigens auch interessant, wenn du mal so drüber nachdenkst, dann hast du sowas in Bayern und dann hast du zum Beispiel den Christian Fromm in Hamburg, wo man ja auch sagen würde, Hamburg schon sehr erfolgreich, auch im Bundesländervergleich. Also haben ja schon ordentlich Zug drauf, würde ich sagen. Kommt ja auch eigentlich aus der Wirtschaft. Also da gibt es, glaube ich, schon interessante Überschneidungen.
Und ich glaube, genau wie du sagst, in so Tandems kann das, glaube ich, super funktionieren. Da mal so die Leute zusammenzubringen, also der ein oder andere Staatssekretär, der jetzt zuhört, da kann man sich vielleicht ein Beispiel rannehmen.
Genau, also die Byte ist recht erfolgreich in Bayern. Also ich glaube, die hat auch tatsächlich viel über die Grenzen Bayern hinaus von sich reden gemacht mit ihrem Open Data Portal. Das ist ja im Prinzip jetzt die Blaupause für andere Open Data Portale. Und das basiert auf einem schönen Open Source Stack und ja, das kann einfach nachgemacht werden.
Ja, total. Und auch gerade, wo du Open Data ansprichst, auch da gab es, glaube ich, super Entwicklungen, Weil auch da sehe ich immer mehr Tech-Gründer, die sich das mal genauer anschauen. Und das war ja auch immer die Hoffnung eigentlich bei Open Data. Können wir was bereitstellen und da kann man irgendwie was draus machen, entweder unternehmerisch, das ist jetzt immer eher meine Brille, oder aus der Zivilgesellschaft heraus oder aus der Verwaltung selber heraus.
Ich glaube, auch da ist jetzt wieder deutlich mehr Bewegung drin.
Aber wir sprechen gerade über Open Data. Hast du coole Anwendungsfälle, was so Startups mit offenen Daten gemacht haben?
Zumindest nicht in Deutschland, weil in Deutschland häufig das Problem ist, dass die Länder halt ganz unterschiedliche Portale haben, im föderalen System die Daten alle auf unterschiedlichen Ebenen liegen. Wäre da super, oder wo der Blick total hinlohnt, ist Frankreich. Aber die haben dann natürlich noch einen Schritt weitergegangen.
Die haben gesagt, wir machen ein API-Portal, also wirklich REST-APIs, die man direkt anbinden kann an seine Software, wenn man halt bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Und da gibt es super interessante Anwendungsfälle rund um Mobilität. Ja, also die haben zum Beispiel so Straßen, Stadtplanung. Da gibt es ganz viel verfügbare Daten, Geodaten. Da gibt es super Use Cases, die da drauf gebaut werden.
Interessantesten fand ich zum Beispiel in Frankreich, wo ein Startup angefangen hat, sich die Daten zu Bebauungsplänen sozusagen zu ziehen, ja, und das dann Investoren zur Verfügung stellt.
Also wo ändert sich eigentlich was in den Bebauungsplänen? Das ist dann auch als Open Data, kann man irgendwie, sozusagen sich reinholen und dann direkt die Planungsdaten an Investoren und Projektentwickler liefert, ja, die dann wieder abgleichen können, hey, das, was ich so bei mir im Portfolio habe, was ich eigentlich machen will, da gibt es irgendwie gerade ein Plätzchen in Frankreich für. Und wo ist das eigentlich?
Also da gibt es ganz coole Beispiele. In Deutschland ist es bisher nicht mehr entwickelt.
Ja, also ich bin ein großer Fan von Open Data und ein großer Befürworter. Ich suche immer nach coolen Anwendungsfällen für die Startups. Und oft habe ich mit Startups, wenn ich mit denen spreche, sagen die, ja, da gibt es tolle Daten, gibt es tolle Datensätze, aber was nützt mir das, wenn ich das von einer Stadt habe? Genau. Oder von einem kleinen Dorf, das nützt mir gar nichts, da kann ich kein skalierendes Geschäft drauf aufbauen.
Ich brauche da einfach mehr, ich brauche das einfach standardisiert, mindestens von einem Bundesland.
Genau, genau. Und das ist echt ein Thema, was wir haben, aber das zieht sich ja durch ganz viele Themen, über die wir so sprechen. Ich glaube, das ist ein Thema. Und das andere, was mir auch häufig gesagt wird, die sozusagen in der Maturität sind die offenen Daten noch nicht weit genug. Es gibt ja diese schöne Fünf-Sterne-Bewertung von, ich glaube, ein Stern kriegst du, wenn du irgendwie ein PDF hochlädst.
Und fünf ist dann sozusagen die REST-API, wo ich dann wirklich nahtlos Live-Daten abgreifen kann. Und die meisten Datensätze sind noch nicht so weit. Das gehört, glaube ich, auch zur Wahrheit.
Ich glaube, was ähnliches macht die ByteGrad mit ihrem Portal. Aber gehen wir mal zurück zu Startups. Du hast von Hamburg erzählt, du hast von der TUM erzählt, die hier sich um Startups kümmern. Wie siehst du, haben wir das Problem aufgelöst, dass Startups in einem anderen Takt arbeiten wie die öffentliche Verwaltung? Oder gibt es inzwischen da Annäherungen? Also nicht, dass die Startups langsamer werden.
Das wäre schlecht, glaube ich. Das wollen wir eigentlich alle nicht. Dass die Verwaltung schneller wird? Ja, das sehe ich schon. Also da gibt es schon Bewegung. Sehr wichtig, glaube ich, ist aktuell das ganze Thema Vergabe. Also wie gehe ich eigentlich mit vergabetechnischen Fragen um?
Weil häufig komme ich schon schnell dazu, dass irgendwie im Rahmen von der Markterkundung eine Verwaltung sagt, ja, ich weiß jetzt ungefähr, wo es hingehen soll, aber dann muss man das durch ganz dünn besetzte Vergabestellen bringen, aufwendig Leistungsbeschreibung schreiben etc. Verfahren sind dann doch sehr groß und aufwendig, selbst wenn wir im Unterschwellenbereich sind. Und da hat jetzt auch Hamburg einen super Vorstoß gemacht. Da haben die sich übrigens auch aus Frankreich abgeguckt.
Und zwar haben die gesagt, wir machen jetzt einfach eine Experimentierklausel. Also immer, wenn wir sagen, wir wollen uns mit neuen Technologien beschäftigen und irgendwie neue Dinge ausprobieren, dann haben wir deutlich größere Wertgrenzen, an denen wir uns orientieren können, wo wir dann einfach mal vergeben können.
Ja, und das sind jetzt in Hamburg 100.000 Euro, gilt auch nicht nur für Startups, das können Mittelständler sein, das können aber auch Großkonzerne sein, das ist sozusagen dann total egal, ja, aber immer wenn sie sagen, wir wollen uns mit neuen Dingen beschäftigen, dann wird denen das viel leichter gemacht, den Ämtern in Hamburg, dann auch einfach zu sagen, na gut, dann gehen wir jetzt auch mal sozusagen ein bisschen da ins Risiko, um das zu machen, aber immer noch nicht im Rahmen,
ich sag mal, wenn man sich jetzt mal den Gesamthaushalt anguckt in Hamburg, dann ergeben wir da immer noch sozusagen von jetzt nicht weltbewegenden Summen. Ja, aber auf der anderen Seite ist es eben genug, um halt mit einer kleinen Firma oder mit einem kleinen Projekt auch mal wirklich was zeigen zu können und auch wirklich mal zu gucken, taugt das was oder eben nicht. Und ich glaube, das ist ein ganz, ganz gutes Beispiel, wo sich viel getan hat.
Ich weiß, dass viele andere Bundesländer sich das auch anschauen. In Baden-Württemberg gibt es die Diskussion schon etwas länger. Ich weiß, dass noch ein paar andere westdeutsche Bundesländer sich das Ganze angucken. Also da ist schon nochmal ein bisschen Bewegung an der Front.
Und ich glaube, die nächste große Frage wird sein, wenn jetzt auch mal diese Thematik Cloud strukturierter angegangen wird, gerade von den IT-Dienstleistern, die ja häufig auch eine Rolle bei den Technologieprojekten spielen, kann das auch nochmal deutlich leichter werden. Also wenn man über Implementierung spricht und wie eigentlich Dinge dann live, zum Beispiel in ein Landesnetz reinkommen oder in ein kommunales Netz.
Daher hoffe ich mir schon jetzt dadurch, dass beim Thema Cloud jetzt deutlich Fahrt reingekommen ist, dass das auch dann den Startups leichter, das Leben leichter macht. Weil am Ende, die beste Cloud nützt dir nichts, wenn du nicht coole Software obendrauf hast, die dann wirklich am Ende genutzt wird.
Ich möchte nochmal kurz zurück zu der Experimentierklausel. Das hatten wir in Bayern im E-Government-Gesetz. Und ich wünsche mir das tatsächlich auch für das OZG. Das OZG, Online-Zugangsgesetz, das neue, was jetzt ja, wir haben jetzt nochmal eine Chance, das ist jetzt im Vermittlungsausschuss. da könntest du doch gleich die Chance nutzen und so eine Experimentierklausel mit reinbringen. Weil in dem ganzen OZG-Umsetzungsprozess ist mir kein Startup aufgefallen.
Exakt.
Es sind mir ein paar kleine Mittelständler aufgefallen, die mitgespielt haben, aber kein Startup. Und das ist eigentlich das, was OZG gemeint hat und was OZG wollte, das ist eigentlich Brot-und-Butter-Geschäft von den Startups. Das können die total easy.
Ja, weiß ich gar nicht. würde ich dir vielleicht teilweise widersprechen. Also genau, es gab total wenig Startups. Die großen Tech-Konzerne haben da eher eine Rolle gespielt oder auch die großen Integratoren und Entwicklungshäuser. Aber man muss auch ehrlich sagen, viel von dem, was das OZG ja machen will, Da haben wir gerade bei Workflows auch drüber gesprochen, ist so ein bisschen Brot und Butter Digitalisierung.
Du hast irgendwie am Anfang gesagt, die Hausaufgaben müssen gemacht werden und da ist dann manchmal vielleicht auch sozusagen der Großkonzern oder ein großer Mittelständler dann doch geeigneter, auch in dem Volumen das ganze Zeug umzusetzen. Also das würde ich mal so als These in den Raum stellen, aber klar ist, in Kombination mit einem Startup wäre das natürlich super.
Also wenn man da auch nochmal direkt mitdenkt, okay, was ist denn jetzt der Schritt über, sage ich mal, die normale Workflow-Digitalisierung heraus oder über das normale Portal, was ich da baue, hinaus, was ich irgendwie von einem kleinen Unternehmen dann doch noch besser beziehen kann.
Na, ich glaube, das stimmt nicht. Also da bin ich tatsächlich nicht bei dir. Also das, was wir im OZG gemacht haben bundesweit, das sind Online-Anträge digitalisieren.
Und wenn ein Online-Antrag von einem Formularservice oder einem Formularmanager oder was weiß ich was umgesetzt werden kann, kann ein innovatives Startup mit einer Lösung, mit einer leichtgewichtigen Lösung, die vielleicht noch ein bisschen flexibler ist als so ein Formularservice hier wunderbar in die Umsetzung einsteigen, weil das Einzige, was sie zusätzlich brauchen zu dem Know-how, wie man eine Webseite baut, ist das Prozess-Know-how.
Und dann können die noch einen Schritt weiter denken und sagen, ich mache mir den Online-Dienst und ich baue gleich die Sachbearbeitung mit dazu. Und das ist bei diesen meisten Dingen, die jetzt im OZG umgesetzt sind, das ist immer wieder beim Workflow. Und man hätte... Ganz easy Ende zu Ende bauen können. Und so haben wir jetzt dreieinhalb Milliarden verpulvert.
Ja, also ich verstehe dein Argument. Ich frage mich, kriegt es dann so ein Startup auf Ad-Scale, also wirklich in Groß hin mit zig Leistungen, zig Bundesländern, dem Bund und da, also weiß ich nicht. Also ich würde glaube ich schon meine Meinung, aber wir leben ja davon.
Die IT-Dienstleister, die kochen auch noch mit Wasser. Also die IT-Dienstleister, was machen die denn? Also die bauen das, die haben halt ganz viel Fach-Know-how und die bauen das und dann müssen, haben die genau das gleiche Rollout-Problem, das ist genau das gleiche Rollout-Thema. Und wie machen das denn die kleinen Mittelständler? Die machen das doch genauso. Und ein Startup ist auch ein kleiner Mittelständler.
Genau, aber ich glaube, der hat halt nochmal eine steilere Lernkurve zu gehen, was sozusagen den Klienten angeht.
Das stimmt natürlich.
Aber wie gesagt, also ich verstehe sozusagen deinen Standpunkt, aber ich finde es jetzt auch nicht schlimm, dass wir da vielleicht unterschiedlicher der Meinung sind. Ich finde es aber eigentlich ganz lustig, dass ich mal den Standpunkt vertrete, dass es die Großen sind.
Startups können das nicht.
Ja, ja, ja.
Challenge accepted. Sollte jetzt da draußen jemand schreien. So ist es. Wir haben uns ja im Vorfeld ein bisschen vorbereitet und ich glaube, wir wollten uns auch ein bisschen über Lösungswege unterhalten. Wie kommen wir voran mit der Verwaltungstransformation? Verwaltungstransformation ist ja gleich ein Riesending. Ding. Da ist ja nicht nur Digitalisierung dran, sondern da geht es auch darum, wie ich meine Prozesse anpasse auf die moderne Zeit.
Und ich soll dir jetzt die Lösung auf dem Silberblatt sammieren?
Natürlich. Ich dachte, du hast jetzt sofort die Lösung komplett ausgearbeitet und kannst damit loslegen.
Ja, das wäre schön. Aber ich glaube, das übersteigt dann auch meine Fähigkeiten. Aber ich glaube, ich denke da auch. Viel natürlich drüber nach, da habe ich ja auch gerade gesagt, am Ende uns alle treibt ja um, wie bringen wir denn jetzt alles mal so ein Stück nach vorne her und machen es für den Bürger und die Bürgerinnen schneller und besser und, war ja jetzt schon krass in den letzten Monaten, wie stark so Bürokratielast auch in den Medien präsent war, da gab es ja jetzt durchaus noch mal.
Nicht wenig Druck auf Politik und Verwaltung und ich glaube, was, wir haben über Hausaufgaben gesprochen und ich würde das nochmal hochholen. Also aus meiner Perspektive ein Thema, was man unbedingt stärken müsste, ist sozusagen zu messen, was will ich denn eigentlich erreichen? Und mal klare Ziele sozusagen vorzugeben, wo ich denn eigentlich hin will. Da sind wir in Deutschland nicht besonders gut drin. Das haben andere Länder früher besser gemacht.
Ich glaube, ganz vorne sind so ein bisschen die Briten. Ja, aber ist jetzt auch ein bisschen naturgemäß. Anglo-amerikanischer Raum. Aber die haben New Public Management. Also die atmen das. Wenn du da mit jemandem in der Verwaltung sprichst, der weiß genau, das sind meine Ziele dieses Jahr. Da will ich hin von Bearbeitungszeiten her. Das sind die Ressourcen, die ich irgendwie einsparen muss, neu hinzubekommen und so. Das ist natürlich jetzt eine sehr andere Welt.
Aber ich finde, in Deutschland haben wir das halt fast gar nicht mehr. Und ich würde mir wünschen, vielleicht landen wir da irgendwo so in der Mitte des Ganzen. Und ich glaube, das könnte nochmal deutlich dabei helfen, alle nochmal zusammenzubringen und sich zu fokussieren.
Ja, bei Bearbeitungszeiten, da klingelt es bei mir sofort, weil ich habe in meinem beruflichen Leben mit genau diesem Thema schon ein Problem gehabt. Und zwar ging es hier um die Einführung eines Buchungssystems für Sachbearbeiter. Also da konnte man quasi einen Slot buchen für Ausweisbeantragung oder Sonstiges. ist. Und da musste natürlich die Bearbeitungszeit gemessen werden. Und die Bearbeitungszeit zu messen, da kommt man sofort mit dem Personalrat in Konflikt, weil der will das nicht.
Vor allen Dingen will der nicht, dass das vielleicht transparent wird, dass der Heinz 20 Minuten braucht und die Annegret, die braucht bloß 15. Und das will der auf gar keinen Fall, dass das public wird. Und um dann einen Durchschnitt rauszumachen aus 17 Minuten, da ist der Heinz ist auch unglücklich.
Total. Aber das ist ein großes Problem, findest du nicht? Also wenn wir noch nicht mal in der Lage sind...
Ich finde das ein Riesenproblem.
Ja, genau. Und genau das sage ich ja. Also wenn wir noch nicht mal in der Lage sind, sozusagen die grundlegendsten Dinge von Verwaltungsfunktionen mal zu messen und drüber nachzudenken, was das eigentlich heißt, dann ist es echt schwer. Und ich verstehe die Personalwerte da auch ein Stück weit nicht, weil der Druck, der wird ja nur noch mehr. Also da baut man ja nur noch eine Blase auf, Die wird ja immer größer und immer größer und keiner guckt da so richtig rein und so.
Und irgendwann ist es so dysfunktional, dann geht gar nichts mehr. Und haben wir auch schon in manchen Bereichen erlebt, ja, in der Vergangenheit, würde ich schon sagen. Aber es ist halt eine gute Frage, ne. Vielleicht sind sozusagen auch die Personalräte auch nochmal ein großes Thema, ja, was man da eigentlich mit angehen muss, ne.
Weil du hast schon recht, so manche Behördenleitungen sind dann vielleicht eher konfrontativ und wollen bestimmte Dinge dann durchdrücken, ja, am Personalrat vorbei, das geht aber schwierig, zeugt dann irgendwie auch so Abwehrhaltung, aber auf der anderen Seite, wir können auch nicht ewig warten, ja. Also interessantes Thema, ja, und spielt auch immer erst so spät irgendwie eine Rolle in so Diskussionen, ja. Das kommt irgendwie so ganz zuletzt.
Ja, es ist eine gute Frage, wie man das so ein bisschen auflöst, ne. Ich weiß nicht, ob der Personaldruck da irgendwie was macht, weil die Leute kommen einfach nicht mehr und am Ende geht es nicht mehr anders, als mit Technik Produktivität zu erhöhen, um nichts anderes zu erkennen. Wir wollen ja Produktivität erhöhen, weil nicht mehr so viele Leute da sind und ich irgendwie mehr Leistungen für Bürgerinnen und Unternehmen und Zivilgesellschaft erbringen will. Große Herausforderung.
Ich rufe jetzt gleich mal hier die PersonalrätInnen in Deutschland auf, die PersonalrätInnen der öffentlichen Verwaltung. Meldet euch bei mir bei dem E-Government-Podcast. Ich möchte mit euch darüber sprechen, wie wir die Verwaltung mit den Personalräten moderner kriegen.
Voll, würde ich sofort suchen.
Ich hoffe, du hörst öfter zu.
Sicher, aber da ganz besonders. Vielleicht gucken wir mal, oder so Deutscher Beamtenbund oder sowas wäre doch vielleicht auch mal interessant. Die können wir einfach auch mal dazu.
Genau. Also hier Aufruf, meldet euch bei mir, kontakt at igafport.de, einfach anschreiben und ich nehme dann Kontakt zu euch auf. Aber wir gehen nochmal wieder ein Stück zurück. Wir hatten ja über das ganze Messen und Besserwerden gesprochen. KPIs ist ein großes Thema in der Wirtschaft, das ist ganz normal. Mal. Jeder Berater weiß ganz genau, wie viele Beratertage er im Jahr machen muss. Jede Kassiererin an der Alti-Kasse weiß ganz genau, wie viele Minuten sie für ein halbes Band brauchen darf.
Und da werden die auch regelmäßig gemessen und bewertet. Nur bei uns in der öffentlichen Verwaltung findet das viel zu wenig statt. Also wir sind auch Dienstleister und die Dienstleistung muss sich messen lassen, weil ich muss eine Dienstleistung auch finanziell messbar machen. Und das nützt nichts, wenn ich immer nur mit FTEs rechne, also Full-Time Equivalence, sondern ich muss auch eine Dienstleistung pro Stück ordentlich bepreisen können.
Glaube ich auch. Würde ich dir total zustimmen. Und da haben wir, aber ich weiß gar nicht, ich meine, Thorsten, du bist schon länger mit dabei. Hat man das irgendwie verpasst? Also, weil das war ja schon mal eine, gab ja schon mal so eine Welle irgendwie, wo man das versucht hat. So vor 15 Jahren, würde ich sagen, oder so. Weiß ich nicht. Also ist das da, hast du da eine Idee, warum das nix geworden ist?
Also meine These ist ja immer, es liegt immer an einer einzelnen Person. Immer. Es ist nie die ganze Organisation, die irgendwas nicht möchte. Es ist immer eine einzelne Person, die vielleicht in drei Jahren Rente geht und nichts mehr machen will. Und das gilt für die Digitalisierung, für die Einführung von neuen Prozessen genauso. Also das ist einfach, das ist unser Thema in der Verwaltung. Weil oftmals ist das die Person, die mittendrin sitzt im Prozess,
die man nicht einfach umgehen kann mit Workarounds. uns.
Ja, glaube ich auch. Und ich glaube, um sozusagen mal weiterzugehen, also von messen und evaluieren, auch das ganze Thema Finanzen, was da ja auch damit dranhängt, ja, wo wir dann auch ganz schwer uns tun in der deutschen Verwaltung. Was machst du denn mal mit Dingen, die über mehrere Jahre finanziert werden? Kannst du mal so abbilden, ja, was sparen wir denn eigentlich über so einen Produktlebenszyklus oder sowas? Da tun wir uns also gerade bei Kameralistik halt super, super schwer.
In der Doppik ist es ein bisschen einfacher. Aber es ist auch ein großes Thema und das haben wir jetzt beim OZG ja gesehen. Ich glaube, de facto, und das haben ja auch viele der Interviews dann gezeigt, de facto ist es halt gescheitert an ungeklärten Finanzierungsfragen zwischen Bund und Ländern.
Und ja, ich glaube auch da, wenn wir besser messen und zeigen könnten, was bringt das eigentlich alles, dann könnte man auch diese Finanzdiskussion auf einer ganz anderen Ebene führen und da auch sozusagen die Haushälter und Haushaltspolitiker deutlich besser abholen, als man es vielleicht heute macht.
Ich finde, es ist ein schönes Gespräch mit dir, aber wir schweifen immer wieder ab, weil es gibt so viel zu erzählen, was irgendwie auch mit dem Thema Gavtech zu tun hat. Wir hatten vorhin mal gesprochen, wo der Gavtech-Sektor aktuell steht. Wir hatten darüber gesprochen, dass es tatsächlich auch einige Einheiten gibt, die den Gavtech-Sektor beziehungsweise hier auch die Startups fördert. Was würdest du dir wünschen, was wir in Deutschland noch mehr machen mit den Gavtech-Startups?
Also ich würde mir wünschen, dass wir drei Dinge eigentlich tun. Das erste ist, wir müssen ganz dringend daran arbeiten, dass wir diese Experimentier-Klauseln und Phasen und Ansprechpunkte, die wir so vereinzelt jetzt haben, flächendeckt haben. Also was ich mir wünschen würde, jedes Bundesland hat eine Venture-Client-Unit, so wie Hamburg. Und jedes Bundesland hat irgendwie einen Modus gefunden, innovative kleine Projekte durchführen zu können und auszuprobieren.
Und dass sich da jemand wirklich verantwortlich für fühlt. Ich glaube, das wäre für mich ein großer Punkt. Der zweite Punkt ist...
Das ganze Thema frühphasige Finanzierung, da gibt es jetzt die Ersten, die daran arbeiten, das ist vielleicht auch nichts, was jetzt unbedingt aus der Verwaltung rauskommen muss, aber vielleicht auch aus der Investoren-Szene, ja, also die werden jetzt heute vielleicht weniger zuhören, aber wir haben ja auch viele Family Offices in Deutschland und Banken und Finanziers, da durchaus auch mutig zu sein und zu sagen, ich investiere jetzt auch mal so ein bisschen in mein Land und vielleicht dann
eben auch durch Startups, ja, die dann coole Sachen entwickeln. Ich glaube, das ist so der zweite Punkt. Da geht noch einiges. Und das dritte ist flexible, marktgerechte Infrastrukturen. Aber das tut die Verwaltung gerade schon dadurch, dass sie eben an der Cloud so stark dran ist und da jetzt auch mehr tun will.
Ich glaube, das wird nochmal einen richtigen Boost geben. Ja, wenn wir irgendwann mal sagen, es gibt wirklich mehrere, aber klare Architekturen und klare Cloud-Aufbauten, wo dann auch jeder Gründer weiß, aha, alles klar, wenn ich in Bayern ein Produkt an den Start bringen will, dann muss das darauf laufen und so in Kubernetes funktionieren. Und das ist aber auch ungefähr ähnlich, wie es überall anders läuft. Ich glaube, das ist dann nochmal der große Game-Changer.
Aber das ist mein Gefühl, zumindest jetzt der letzten Monate, da ist jetzt deutlich Bewegung draufgekommen.
Wäre da sowas wie der Gavtech Campus ein Modell, was man bundesweit quasi ausrollen könnte, wo Verwaltung und die Gavtech Startups sich treffen?
Ja, voll. Also ich glaube, der ist schon ein zentraler Ort geworden, wo das passiert. Und viele Länder sind ja auch Mitglied. Fast alle Bundesministerien sind Mitglied. Definitiv. Also ich glaube, der ist ein wichtiger Nukleus, um die auch nochmal zusammenzubringen, um auch die Verwaltung zusammenzubringen, damit die sich zu dem Thema austauschen können. Da ist schon sehr, sehr viel passiert. Ich bin jetzt gespannt, wie es sozusagen weitergeht, also ob der sozusagen auch,
als Plattform dann irgendwann funktioniert. Aber ich glaube, das wird jetzt sozusagen die Zeit zeigen. Die haben ja schon viel Weichenstellung jetzt auch getrieben, auch in den letzten Monaten und auch in der letzten Mitgliederversammlung, dass ja einiges passiert. Von daher kann ich mir schon vorstellen, dass die da sich nochmal deutlich besser positionieren werden.
Aber ich glaube, es ist immer noch nicht so einfach für ein Startup, sich da mit einer Verwaltung zu treffen quasi. Oder siehst du das anders?
Es gibt halt viele große Technologie-Mitglieder, also größere Firmen gerade, Aber auch da, es gab ja, glaube ich, da jetzt auch nochmal die Entscheidung, neue Mitgliedsmöglichkeiten für Startups zu schaffen. Also auch da der Aufruf, wenn hier Gründerinnen und Gründer zuhören, ruhig mal beim Gavtech Campus melden. Ich glaube, die haben auch relativ niedrigschwellige Angebote, dass man sich da andocken kann.
Genau, das hat man jetzt aber, glaube ich, auch in den letzten Monaten verstärkt in die Wege geleitet.
Genau, da gab es erst neulich eine Änderung von der Satzung.
Genau.
Was ein bisschen was einfacher macht. Genau.
Vielleicht auch so zur Transparenz. Mit Public Deutschland waren wir eins der Gründungsmitglieder vom Gavtech Campus. Und wie du schon sagst, es gab jetzt ja nochmal eine Satzungsänderung, dass eben die privaten, ordentlichen Mitglieder sozusagen ausgeschieden sind und dann nur noch Fördermitglieder geworden sind, um da eben die Zusammenarbeit mit den Behörden zu vereinfachen, auch eine Inhouse-Fähigkeit herzustellen.
Genau. Was aber super ist. Also ich glaube, das gibt dem ganzen Verein einfach nochmal viel, viel mehr Handlungsspielraum als vorher, wo es eben diesen Mix gab zwischen privaten und öffentlichen Mitgliedern.
Aber ist jetzt die Inhouse-Fähigkeit da? Also ich habe es nicht so richtig verstanden, muss ich zugeben. Vielleicht liegt es auch an meinem Intellekt.
Also ich kann auch nur sagen, was ich sozusagen verfolgt habe in der Presse, wo das ja genau das Ziel war. Ich war jetzt aber auch nicht mehr nah genug dran, um irgendwie zu sehen, ob jetzt schon die ersten dass daraus Projekte umgesetzt worden sind. Aber das ist ja vielleicht eine Frage an den Gavtech Campus, die mit dir mal eine Folge machen.
Genau, die sind auch mal wieder fällig. Mit denen habe ich auch schon lange nicht mehr gesprochen, im Gavtech Campus. Du hast vorhin Frankreich und Großbritannien erwähnt. Hast du noch andere Länder, von denen wir was lernen können, gerade im Zusammenhang mit Gavtech und vor allem auch im Umgang mit Startups?
Auf jeden Fall. Also ich glaube, ich würde die beiden aber nochmal hervorheben. Die haben wirklich viel richtig gemacht in den letzten Jahren und sich da wirklich tolle Unternehmen auch sozusagen entwickelt, die den Start da unter die Arme greifen. Vielleicht ein Markt, der uns viel ähnlicher ist, als man immer denkt. Die USA, die machen auch sehr viel richtig.
Ist ja auch total föderal organisiert. Also man denkt ja jetzt auch bei den USA immer an Silicon Valley und Hyperscaler, aber ich sag mal, deine Regionalverwaltung in Montana, die ist jetzt auch nicht unbedingt die allerdigitalste.
Aber da hat man eben auch sehr, sehr viel, vom Bund her wichtig gemacht, auch da sozusagen Vergaben zu vereinfachen, Zusammenarbeit zu vereinfachen, man hat dafür gefördert auch also in den USA hat man als föderales, großes Land doch einiges auch richtig gemacht wenn man, ein bisschen gesamtstrategisch guckt und vielleicht auch in Europa nochmal so ein bisschen schaut, würde ich sagen, dass Polen sehr viel richtig macht da hat man,
irgendwann dann mal sozusagen zentrale GavTech-Ansprechpartner auch direkt in der Bundesverwaltung installiert, was auch sehr gut funktioniert hat. Ja, also da hat man es auch geschafft. Polen hatte da einen sehr großen Schub in den letzten Jahren, haben ja auch viele Tech-Unternehmen nochmal hervorgebracht, viel junges Tech-Talent auch. Das hat man ganz gut geschafft, das hinzubekommen.
Das ist jetzt mal so die Start-up-Sicht. Und ich glaube, zur anderen Wahrheit gehört auch, und da haben wir uns im Vorgespräch auch drüber unterhalten, was ist denn eigentlich mit den Talenten in der Verwaltung auch? Auch, ja, und da würde ich auch ganz stark nochmal, USA, Frankreich, Singapur vielleicht mal hervorheben, die nennt man jetzt öfter am Ende.
Was die halt super geschafft haben, ist, du kannst auf Zeit als Tech-Manager, mal eine Zeit lang in die Regierung gehen, was Gutes für dein Land tun, deinen Beitrag leisten und dann gehst du halt wieder zurück in die Wirtschaft. Also diese Wechselfähigkeit ist, glaube ich, auch noch was, was man sich aus anderen Ländern abschauen könnte.
Ich finde ja, andersrum wäre es auch ganz gut in Deutschland, wenn ich als Sachbearbeiter auch mal einfach so wechseln könnte in die Wirtschaft und mir das da von der anderen Seite anschauen kann.
Ja, total. Das wäre super wertvoll. Und ich glaube, das wird einfach auf allen Ebenen viel viel bringen und viel Austausch, Know-how schaffen. Und wir reden ja jetzt nicht unbedingt sozusagen von den Top-Positionen, wo du irgendwie Risiken hast, was Informations Weitergabe und sowas angeht. Aber so das ein bisschen in die Fläche zu bringen, das wäre glaube ich klasse. Wer das super gemacht hat, ist das britische Verteidigungsministerium.
Seit Jahren schicken die schon Offiziere auch so Minipraktika. Also die gehen dann so in die Tech-Branche, machen da zwei, drei Monate ein Projekt, stellen das dann, pitchen das auch, stellen das vor und dann gehen die wieder zurück in den regulären Dienst. Und das klappt super. Also da sieht man jetzt seit nach einigen Jahren, wie die jetzt auch zu entscheiden werden, kommen an die richtigen Positionen. Das hat einen super Einfluss auf die ganze Organisation, die dadurch viel offener wird.
Ich kenne es in Bayern nur aus der Schule, also aus der Bildung. Da gibt es ein Programm, das heißt Lehrer in der Wirtschaft. Die werden dann für ein, zwei Jahre abgestellt in die Wirtschaft. Hat aber leider eine negative Auswirkung auf die, Ausbildung oder auf die Lehre, weil viele Lehrer bleiben dann in der Wirtschaft, weil der Job da entsprechend anders ist und besser bezahlt. Das ist leider schade.
Das stimmt, aber ich glaube, dem Wettbewerb muss man sich ja eh stellen als Verwaltung. Und man kann nicht nur einfach sagen, das ist jetzt meine persönliche Meinung, aber ich glaube, der Staat tut es sich zu leicht, einfach über sozusagen das Systembeamtentum die Leute versuchen an sich zu, binden. Das wird, glaube ich, auf Dauer auch nicht funktionieren.
Jetzt haben wir in diesem Jahr EU-Wahlen, also gar nicht mehr so lange hin, noch zwei Monate. Ja. Und im nächsten Jahr, also ich denke im Herbst geht bei uns dann schon wieder Wahlkampf los, weil im nächsten Jahr sind ordentlich wieder Wahlen in Deutschland, unter anderem Bundestagswahlen. Was sollten wir der Regierung oder überhaupt den Parteien auf den Zettel schreiben, was umgesetzt werden soll?
Ich glaube, was sollte man mitgeben? Ich glaube, man muss das ganze Themenkomplex Gavtag, Verwaltungsdigitalisierung echt zur Chefsache machen. Also ich glaube, wir haben es gesehen. OZG ist ein Beispiel. Ich nenne mal ein anderes Beispiel. Die gleiche oder die standardisierte URL für Verwaltung war ja so ein anderes schönes Thema. Ich glaube, mit mehr Aufmerksamkeit von den Ministern wird das deutlich besser gehen.
Ja, und da würde man deutlich schneller zu Entscheidungen kommen und auch zu gemeinsamen Kompromissen und einer gemeinsamen Stoßrichtung. Ich glaube, das würde ich wirklich mitgehen. Also gerne, sagen wir auch immer, da die nächste Regierung stellt, zumindest in Deutschland, dass man da das im Kabinett so aufstellt, dass es wirklich den Bein hat und da wirklich der Druck auch dann ausgeübt wird, damit das passend funktioniert. Das würde ich mal schon so mitgeben.
Und ich glaube, auf EU-Ebene, was kann man da mitgeben? Dem würde ich gerne mitgeben, es leichter machen und fördern, dass innerhalb der EU mehr Lösungen auch ausgetauscht werden. Also es ist immer noch sehr, ich bin ein deutsches Gavtech-Startup, dann habe ich meine Kunden vor allem in Deutschland, für die ist es sehr schwer, in andere Länder zu kommen. Und genauso für französische oder polnische oder österreichische, dann nach Deutschland zu kommen.
Vielleicht kann man sich da auf EU-Ebene nochmal Gedanken machen, wie man das leichter macht.
Da habe ich tatsächlich eine kleine Anekdote. Ich betreue unter anderem IPBL. Das ist ein Produkt, das ist das Payment Bund Länder. Da hatte ich eine Anfrage aus Österreich, ob ich Ihnen das mal zeigen kann. Hab mir das gezeigt, die waren begeistert, super, das wollen wir nehmen, das ist cool, das nehmen wir. Dann habe ich denen einen Testzugang gegeben und dann haben sie sich das genauer angeschaut. Und die haben gesagt, das funktioniert nicht bei uns.
Das ist so stark auf die deutsche Verwaltung ausgelegt, dass wir das nicht nach Österreich portiert bekommen, ohne einen großen Aufwand und ohne eine Österreich-Version draus bauen zu müssen. Also vielleicht muss man da auch auf EU-Ebene nochmal schauen, dass man ein paar Dinge auch vereinheitlicht.
Voll. Ich glaube, so die ersten Gedanken haben die ja, was so Identitäten ja zum Beispiel angeht. Da soll ja viel standardisiert werden. Und wer weiß, ich glaube, da hört es auch nicht auf. Da wird es vielleicht dann noch weitere Bausteine geben. Aber das wäre schon cool. Ja.
Ich habe eine Idee, vor den Wahlen, also jetzt im Herbst oder Anfang des Jahres, jede Partei einzeln auf den GavTech Campus einladen und eine Infoveranstaltung für die Parteien machen, um hier zu zeigen, was GavTech kann und was GavTech braucht.
Ja, siehst du. Ich glaube, das können wir doch da mal dem Vorstand mitgeben. Finde ich keine schlechte Idee.
Genau. Nils, vielen Dank, dass du wieder mal bei mir warst. Ich habe sehr viel Spaß gehabt, mich mit dir zu unterhalten und Und ich denke, wir sehen uns demnächst wieder.
Ganz sicher.
Und euch, liebe Hörerinnen und Hörer, danke fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal.
Danke dir, Thorsten. Bis dann.
