ITV.SH - podcast episode cover

ITV.SH

Aug 17, 202425 minEp. 191
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Episode description

Der ITV.SH begleitet die Kommunen in Schleswig-Holstein bei der Digitalisierung. Als verlässlicher Partner macht er die Kommunen im Land fit für die digitale Transformation. Er treibt kommunale Digitalisierungsprojekte voran und macht sie für die kommunale Gemeinschaft nutzbar.

Kommentare  unter: https://egovernment-podcast.com/egov191-itvsh/


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Transcript

Torsten

Ja, hallo und herzlich willkommen zur 191. Ausgabe des E-Government-Podcasts. Ich bin Thorsten Frenzel und heute habe ich den Philipp bei mir zu Gast. Hallo Philipp, ich grüße dich.

Philipp

Moin Thorsten, grüße dich.

Torsten

Ja, moin. Das klingt so richtig schön norddeutsch. Philipp, vielleicht stellst du dich mal kurz vor.

Philipp

Ja, sehr gerne. Ja, ich bin Philipp Willer. Ich bin Geschäftsführer vom IT-Verbund Schleswig-Holstein, mache den Job mittlerweile seit fünf Jahren und freue mich, die Kommunen in Schleswig-Holstein digital zu finden.

Torsten

Ja, und darüber wollen wir heute sprechen, weil du bist ja auch der Geschäftsführer, wie du gerade gesagt hast, vom ITVSH. Vielleicht löst du nochmal ganz kurz das Kürzel auf, was ITVSH heißt.

Philipp

Ja, sehr gerne. Das ist IT-Verbund Schleswig-Holstein, anstatt öffentlichen Rechts, gegründet 2019. Wir sind also mittlerweile seit fünf Jahren am Markt und unser Auftrag ist es, die Kommunen in Schleswig-Holstein zu digitalisieren und das machen wir auch ganz fleißig.

Torsten

Also ich bin erstaunt, hatte ich schon mit einem Vorgespräch gesagt, fünf Jahre. Ich habe euch eigentlich schon viel länger auf der Uhr. Ich hätte gedacht, euch gibt es schon viel länger.

Philipp

Ja, das liegt wahrscheinlich daran, weil wir schon so viele tolle Produkte und Services auf den Markt gebracht haben. Aber tatsächlich gibt es uns erst seit fünf Jahren, seit 2019. Und ja, wir haben jetzt gerade fünfjährige Geburtstagsfeier von unseren ITVs Haro. Wir feiern mit einer großen, großen Geburtstagstorte.

Torsten

Ja, sehr cool. Aber da kommen wir später drauf. Und wir fangen jetzt vielleicht erst mal an, so ein bisschen Organisatorisches. Wie ist denn der ITVSH aufgebaut? Du hast vorhin gerade gesagt, das ist eine ARR, also eine Anstalt öffentlichen Rechts. Wie ist denn so das Konstrukt überhaupt aufgebaut?

Philipp

Ja, sehr gerne. Also wir sind eine Landesanstalt, gegründet per Landesgesetz, die sich aber in kommunaler Trägerschaft befindet. Also alle Kommunen in Schleswig-Holstein, alle 1.106 sind unsere Träger und wir verstehen uns auch tatsächlich als kommunale Institutionen, die unsere Kommunen, unsere Kommunalverwaltung, es gibt ungefähr 156 aktive Kommunalverwaltungen in Schleswig-Holstein, sag ich mal, auf dem Weg der digitalen Transformation zu begleiten und zu unterstützen.

Das ist unser gesetzlicher Auftrag.

Torsten

Okay, das ist so ähnlich wie in Bayern im Digitalgesetz, wo die BayKommunen da quasi gegründet wurden.

Philipp

Genau, die BayKommunen ist ein ganz, ganz ähnliches Konstrukt wie das unsere. Wir arbeiten auch sehr, sehr eng zusammen und tauschen teilweise auch unsere Produkte und Dienstleistungen untereinander aus.

Torsten

Dann kommen wir doch vielleicht gleich mal dazu. In Schleswig-Holstein und auch anderen norddeutschen Ländern gibt es ja noch die Dataport. Wie unterscheidet ihr euch denn zu denen?

Philipp

Ja, wir haben so ein ganz anderes Geschäftskonstrukt beziehungsweise Geschäftsmodell. Also die Dataport ist tatsächlich ein richtiger IT-Dienstleister mit einem eigenen Rechenzentrum, die eben wirklich IT-Services und IT-Produkte an ihre Kunden ausgeben.

Und wir verstehen uns eher als so eine Art Koordinations-Projektmanagement-Funktion, der eben dafür sorgt, dass unsere Kommunen in Schleswig-Holstein die richtigen IT-Services und die richtigen IT-Produkte von der Dataport bekommen, die sie brauchen, um eben die Digitalisierung in ihren Verwaltungen voranzutreiben. Also da haben wir so eine ganz andere Funktion als Dataport, sind aber Träger der Dataport und nehmen dann IT-Services für unsere Kommunen.

Torsten

Ah okay, da seid ihr quasi die Auftrag, oder einer der Auftraggeber für Dataport und bündelt die Anforderungen aus den einzelnen Kommunen. Genau.

Philipp

In manchen Konstellationen ist das tatsächlich so. Ansonsten ist es auch sehr häufig der Fall, dass das Land Auftraggeber für gewisse IT-Services und Produkte sind und wir vertreten da sozusagen die kommunale Seite, kippen da die kommunalen Anforderungen rein und organisieren dann auch den Rollout von solchen IT-Services in unsere Kommunen rein.

Torsten

Jetzt hast du ja schon ganz kurz ein paar Themen angesprochen, was die Aufgaben sind vom ITVSH. Vielleicht kannst du nochmal ein bisschen konkreter machen, was habt ihr denn für Produkte, was macht ihr konkret für die Kommunen?

Philipp

Also wir haben tatsächlich so glaube ich Mitte 2022 endlich den Pfad der PowerPoint-Folien und der Strategie-Papiere verlassen dürfen und haben einen Shop bei uns aufgebaut zusammen mit dem Land und mit Dataport, in dem unsere Kommunen Produkte und Services dann bestellen konnten. Das sind entweder Online-Services oder Basiskomponenten, also zum Beispiel ein Bürgerportal, die OZG Cloud, das ist so eine Art Middleware, wie man Daten von Online-Services in die kommunale IT reinbekommt.

Payment, ein Chatbot etc. etc. und eben auch einiges an Online-Services. Mittlerweile sind es, glaube ich, so um die 60, die da bestellt werden können und die dann eben unsere Kommunen nachnutzen können, beziehungsweise wo wir dann tatsächlich auch so einen Roll-out-Prozess mit unseren Kommunen zusammen organisieren, wie wir dann diese Basiskomponenten in den Kommunen zum Laufen kriegen.

Torsten

Wie kann ich mir den Shop zum Beispiel vorstellen? Es ist wie Amazon, da gehe ich als Verwaltung rein und klicke mir die Sachen, die ich brauche Genau.

Philipp

Das ist tatsächlich so ein ganz normaler Webshop, wie wir sie alle kennen Es muss vorher von unseren Kommunen eine Beitrittserklärung unterschrieben werden Das geht lustigerweise tatsächlich noch komplett analog Das ging rechtlich leider nicht anders Und dann sind die berechtigt, Leistungen aus diesem Shop zu bestellen Das tun sie dann auch fleißig und sobald diese Bestellung durchgeführt wurde, bekommen sie dann die ganzen notwendigen Unterlagen, die sie brauchen,

um einen Online-Dienst oder eine Basiskomponente nachzunutzen. Oder wir organisieren mit denen zusammen einen Roll-out-Prozess bei den komplizierteren Sachen, wo wir sie dann begleiten, meistens mit Dataport zusammen, dass sie die Sachen dann bei sich in den Kommunen.

Torsten

Und wie bezahlen die das Ganze? Ausschreiben müssen sie wahrscheinlich deswegen nicht, aber irgendwie muss das bezahlt werden.

Philipp

Genau, und die Leistungen sind tatsächlich umsonst. Die werden vom Land vorfinanziert und die Kommunen können diese Sachen dann umsonst bei uns nachnutzen. Das ist tatsächlich eine Funktion in unserem Webshop, die wir bis heute nicht rausgekriegt haben. Bei jeder Leistung steht immer noch 0,0 Euro.

Torsten

Das ist aber in Ordnung. Ihr habt 60 Online-Services, sind das alles selbstgebaute Online-Services von Schleswig-Holstein oder sind da auch schon EVA-Leistungen dabei, die bundesweit oder vielleicht die Fokus-Leistungen, die bundesweit schon im Einsatz sind?

Philipp

Das ist tatsächlich eine ganz wilde Mixtur. Wir haben EFA-Dienste da mit drin, wir haben unsere eigenen AFM-Dienste da mit drin, die wir schon hatten. Jetzt sind tatsächlich auch die ersten Form-Solutions-Dienste mit drin, die von unseren Kommunen da mit reingestellt werden. Also das ist tatsächlich so ein richtig schöner, bunter Marktplatz von ganz unterschiedlichen Leistungen, die unsere Kommunen brauchen, um sich zu digitalisieren. Wir setzen da auf mehrere Pferde.

Torsten

Du hast vorhin gerade OZG Cloud als eines eurer Produkte genannt. Kannst du das vielleicht noch ein bisschen näher ausführen, was das ist? Das ist mir jetzt schon ein paar Mal untergekommen, OZG Cloud. Was ist das und ist das mehr als nur eine Datenbrechscheibe?

Philipp

Ja, die OZG-Cloud ist eigentlich unsere digitale Brücke von den Online-Diensten in die kommunale IT rein. Also als wir unsere ersten Online-Dienste ausgerollt haben, zum Beispiel Wohngeld, haben wir eben relativ schnell erkannt, dass ein Online-Dienst alleine, der bringt es noch nicht so richtig, sondern wir brauchen eine digitale Brücke, um die Daten dann von den Online-Diensten in die kommunale IT, also in die Fachverfahren reinzukriegen.

Und deswegen haben wir dann mit ein paar Kommunen die OZG-Cloud entwickelt als digitale Brücke, die dann netterweise vom Land und von Datapod weiterentwickelt wurde, die jetzt auch schon sehr, sehr weit verbreitet ist in Schleswig-Holstein und die uns eben dazu befähigt, tatsächlich komplett digitale, medienbruchfreie Prozesse zu etablieren über die OZG-Cloud, sodass niemand mehr irgendwelche Anträge ausdrücken und händisch in Fachverfahren übertragen muss.

Und das ist da, eigentlich ist es im Prinzip die tiefen Digitalisierung, die jetzt ja auch schon im OZG 2.0 drin steht.

Torsten

Ah, das ist dann quasi so ein multifunktionales Fachverfahren, der hier OZG Cloud.

Philipp

Ja, also es ist tatsächlich ein einfaches Fachverfahren, also einfache Dienste, einfache Anträge können damit bearbeitet werden. Aber es ist eben darüber hinaus auch, wie du sagst, so eine Art Datendrehscheibe, die A, die Anträge an die richtige Stelle leitet.

Also wir haben da so eine Art Zuständigkeit drin innerhalb der Verwaltung, wo Anträge dann an die richtige Sachbearbeitung weitergeleitet werden und darüber hinaus eben auch Schnittstellen zu den richtigen Fachverfahren oder zu irgendwelchen anderen Fakten. Postfächer in ETC, sodass man wirklich diese gesamte digitale Bearbeitung von seinen Online-Anträgen innerhalb seiner Verwaltung organisieren kann. Das geht über die OZG-Cloud.

Torsten

Schleswig-Holstein hat ja eine sehr beachtete Open-Source-Strategie. Ist die OZG-Cloud auch Open-Source und wenn ja, wo kriege ich die?

Philipp

Genau, die OZG-Cloud ist tatsächlich auch Open Source. Die kriegst du über das schleswig-holsteinische GitHub. Da kannst du den Code runterladen und verwenden. Und genau, so funktioniert das Ganze und das ist frei verfügbar.

Torsten

Dann werde ich direkt mal das schleswig-holsteinische GitLab verlinken. Oder liegt das im GitHub?

Philipp

Im GitHub liegt es, aber ich schicke mal die Adresse.

Torsten

Ja, ich weiß schon, ihr habt ja so einen Open Schleswig-Holstein.

Philipp

Ja, genau, da liegt es drin.

Torsten

So ähnlich wie Open Code.

Philipp

Genau, da liegt der Code drin und da kannst du ihn verwenden.

Torsten

Ach, sehr gut, dann will ich mir das mal ein bisschen näher anschauen. Aber gehen wir mal weiter. Vielleicht kannst du ein bisschen was dazu erzählen. Euch gibt es jetzt seit fünf Jahren, ihr seid immer noch in der Start-up-Phase, weil Start-up, Start-up spricht man ja die ersten zehn Jahre. Wie sind denn die Erfahrungen in den letzten fünf Jahren? Wie seid ihr angenommen worden von den Kommunen? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht bei der Digitalisierung der Kommunen?

Philipp

Also in Schleswig-Holstein ist es tatsächlich so, dass wir sehr, sehr gut angenommen worden sind von den schleswig-holsteinischen Kommunen. Und zumindest für Schleswig-Holstein kann ich sagen, dass unsere Kommunen auch richtig Bock auf Digitalisierung haben. Also das merken wir immer wieder bei unseren Projekten, bei unseren Schulungen, die wir machen, bei unseren Veranstaltungen. Wir hatten jetzt gerade wieder unser Forum.

Kommunen in Schleswig-Holstein haben wirklich richtig, richtig Bock auf Digitalisierung. Und die wollen auch, dass das vorangeht. Und ich finde auch tatsächlich, dass es auch in Schleswig-Holstein vorangeht. Man kann ja manchmal, wenn man in der Presse lauscht, so ein bisschen den Eindruck gewinnen, dass dem nicht so der Fall ist. Aber ich finde tatsächlich, da kommt Digitalisierung manchmal auch zu schlecht weg.

Und was jetzt, glaube ich, wichtig ist, ist, dass man jetzt, sage ich mal, diesen Schub, diese Energie, diese Dynamik mitnimmt, dass man das weiterverfolgt und dass man jetzt diesen Weg nicht verlässt, sondern ihn konsequent weitergeht, um dann immer weiter, immer besser, immer digitaler zu werden. Der Weg der Digitalisierung wird aus meiner Sicht niemals zu Ende sein. Das wird immer weitergehen.

Torsten

Und seid ihr auch dafür da, dass die Kommunen voneinander lernen und miteinander digitalisieren oder macht in Schleswig-Holstein jeder seins?

Philipp

Nee, das ist, glaube ich, einer der großen Vorteile der kommunalen Familie in Schleswig-Holstein, dass wir das Ganze zusammengestalten. Also ich hatte ja vorhin zum Beispiel gesagt, dass wir Formsolutions-Dienste bei uns Shop haben. Die kommen tatsächlich nicht von uns, sondern die kommen von unseren Kommunen.

Und unsere Kommunen nutzen dafür den Shop als eine Austauschplattform, wo sie dann Dienste miteinander teilen, wo sie dann vielleicht auch irgendwann mal Prozesse miteinander teilen, wenn es nicht nur über die Dienste hinausgeht. Und da arbeiten wir wirklich sehr, sehr eng zusammen. Es bilden sich Communities.

Und die OZG-Cloud war genau so ein Community-Projekt. Das ist aus so einer Community entstanden, wo sich fünf Kommunen zusammengesetzt haben mit uns und überlegt haben, okay, wir haben die und die Herausforderung, wie können wir die lösen? Und da ist dann die OZG-Cloud bei herausgekommen.

Torsten

Ich weiß von der Baikommun, da gibt es ja dieses Baikonet als Austauschplattform, als Kommunikationsplattform zwischen den Kommunen. Habt ihr sowas auch, sowas in der Richtung?

Philipp

Genau, wir haben sowas auch, das nennt sich bei uns WeChange, das ist auch so eine Open-Source-Kollaborationsplattform. Ich glaube, ganz ähnlich wie das, was die Baikommun auch nutzt. Aber da steuern wir tatsächlich auch alle unsere Projekte drüber, unsere Austauschformate. Da werden so Communities gebildet zu bestimmten Themen wie E-Akte oder E-Payment. Wo sich die Kommunen dann austauschen und wo dann Informationen drüber reingesteuert werden. Das funktioniert eigentlich ganz gut.

Torsten

Und hast du vielleicht noch ein paar Sachen, die in den letzten fünf Jahren gut gelaufen sind? Also die, wo du sagen musst, Mensch, da können sich auch andere Bundesländer was abschauen?

Philipp

Ja, ich glaube schon dieses Gemeinsame. Also dieses gemeinsame Zusammenspiel aus Land, aus Kommunen, aus IT-Dienstleistern wie Dataport, Institutionen wie uns. Das hat, glaube ich, echt gut funktioniert, auch wenn es natürlich an der einen oder anderen Stelle immer Reibereien gab oder Projekte dann doch nicht so funktioniert haben, wie sie sollten. Aber dieses Gemeinsame, das hat echt gut funktioniert und ich glaube, das ist auch das Einzige, wie Digitalisierung funktionieren kann.

Also wenn da jeder sein eigenes Süppchen kocht, das klappt einfach nicht.

Torsten

Und siehst du auch noch, sagen wir mal, Room for Improvement, also Verbesserungspotenzial?

Philipp

Ja, ich glaube, man muss schon realistisch sein. Ich glaube, dass wir noch nicht die Hälfte der Strecke erreicht haben. Also wir haben, glaube ich, schon noch einen sehr, sehr langen Weg vor uns, bis wir wirklich irgendwann mal komplett digital Arbeit in der Kommunalverwaltung haben und da haben wir,

Ist schon noch ein langer Weg, den wir gehen müssen. Aber wir sind auf dem Weg, wir sind gut unterwegs und ich bin überzeugt davon, dass wir auch irgendwann ans Ziel kommen oder ans Zwischenziel kommen. Das Ziel werden wir, glaube ich, nie so richtig erreichen dafür. Das fällt noch zu groß.

Torsten

Jetzt seid ihr ja ganz, ganz nah an den Kommunen dran. Wo liegen denn tatsächlich die Wehwehchen oder die primären Themen der Kommunen aktuell? Es wird ja wahrscheinlich nicht KI sein, was gerade in unsere Bubble überall durch die Gegend geschoben wird. Wo liegen da die Wehwehchen aktuell bei den Kommunen bei der Digitalisierung?

Philipp

Wir haben schon nach wie vor immer das Thema Fachkräftemangel. Also Kommunen sind ja alle unglaublich heterogen, setzen alle unterschiedliche Fachverfahren ein, alle sehr, sehr viele Fachverfahren. Es gibt noch nicht so ein richtiges Enterprise Architecture Management oder so eine richtige IT-Strategie. und da braucht man einfach gute IT-Fachkräfte für und die sind schwer zu bekommen.

Und das ist, glaube ich, im Moment gerade deren wesentliches Problem, auch bei der Digitalisierung, die richtig voranzutreiben.

Torsten

Also ich hätte jetzt gedacht, du sagst irgendwas mit Schnittstellen und die Fachverfahren arbeiten nicht miteinander und die Online-Dienste. Das scheint ihr dann gelöst zu haben.

Philipp

Nee, das haben wir nicht gelöst. Das ist natürlich auch das Nächste.

Torsten

Ich hatte gehofft, dass ihr das gelöst habt.

Philipp

Nee, tut mir leid.

Torsten

Aber gemeinsam werden wir es.

Philipp

Auf jeden Fall lösen.

Torsten

Genau Ich habe noch von was ziemlich coolen gehört Was ihr beim ITVSH Oder sagen wir so in Schleswig-Holstein gemacht habt Ihr habt ein Hackathon gemacht Für die Verwaltung Und ja, vielleicht kannst du noch ein bisschen was dazu erzählen Ja.

Philipp

Das war wirklich ein cooles Event Das war letztes Jahr im September, Da muss man so ein bisschen die Vorgeschichte zu erzählen. Den ersten Hackathon in Schleswig-Holstein hat nämlich die Landeshauptstadt Kiel gemacht, ein Jahr davor, also im Jahr 22. Und die haben zusammen mit ihrer Verwaltung, also natürlich nicht die gesamte Verwaltung, sondern ein paar Leuten, vier Tage sich eingeschlossen und haben Online-Dienste entwickelt.

Mit FormSolutions, da sind dann ungefähr so 47 Online-Dienste nach vier Tagen bei rausgekommen, die sie dann so sukzessive live gesetzt haben.

Und da haben wir eben gesagt, zusammen mit der Staatskanzlei, hey, das ist ja ein echt cooles Format, das wollen wir auch machen und haben dann ein Jahr später auch einen Hackathon gemacht, auch über vier Tage, über Gesamt-Schleswig-Holstein und haben dann aber gesagt, okay, wir wollen jetzt einen Schritt weiter gehen und wir wollen jetzt nicht nur Online-Dienste entwickeln, sondern tatsächlich gesamte Prozesse.

Und wir haben uns dann unterschiedliche Low-Code, No-Code Hersteller eingeladen und haben dann uns zehn Prozesse ausgesucht, die wir gerne digitalisieren möchten, haben dann zehn Teams gebildet und haben tatsächlich innerhalb von vier Tagen zehn Prozesse durchdigitalisiert. Das hat tatsächlich auch funktioniert. Also jedes Team hatte am Ende von den vier Tagen ihren Prozess komplett durchdigitalisiert und jetzt sind wir auch gerade dabei, diese Prozesse live zu setzen.

Zwei davon sind schon live und schauen, dass wir die anderen jetzt auch sukzessive live setzen.

Torsten

Also wenn ihr mit verschiedenen Low-Code und No-Code-Anbietern da zusammengearbeitet habt, ergibt es ja wieder keine Einheimlichkeit im Land oder habt ihr euch dann letztendlich für einen entschieden? Genau.

Philipp

Wir haben uns am letzten Ende für einen entschieden, nämlich Modul F von Dataport. Das ist ja eine EV-Infrastrukturleistung, die vom Land Schleswig-Holstein lizenziert wurde. Die werden wir jetzt als Low-Code, No-Code-Plattform bei uns in Schleswig-Holstein einsetzen. Und am Ende des Tages ist es, glaube ich, relativ wurscht, welche Technologie du da drunter setzt.

Entscheidend ist, dass der Content stimmt, also dass der Prozess stimmt und dass das Ganze funktioniert und gut nachgenutzt und gut ausgerollt werden kann. Darauf kommt es, glaube ich, am Ende des Tages an. Welche Technologie das dann ist, ist, glaube ich, relativ egal.

Torsten

Wie habt ihr es geschafft, dass ihr die VerwaltungsmitarbeiterInnen hier so motiviert habt, da mitzumachen?

Philipp

Ja.

Torsten

Vier Tage ist schon echt eine Nummer, vier Tage.

Philipp

Ja, das stimmt. Aber die fanden das wirklich total super, weil sie gesagt haben, wir sind mal vier Tage lang komplett aus unserem operativen Geschäft raus gewesen. Wir konnten uns vier Tage nur auf diesen einen Prozess im Team konzentrieren und dann kommt eben auch am Ende des Tages was voraus.

Also wenn man wirklich vier Tage konzentriert an so einem Prozess arbeitet, dann hat man auch am Ende des Tages ein Ergebnis und deswegen fanden die das wirklich super und waren auch gerne bereit, da diese vier Tage rein zu investieren.

Torsten

Und hattet ihr da Zulauf und musstet welchen absagen oder war gerade so, habt ihr jeden genommen, der mitmachen wollte?

Philipp

Ne, wir hatten tatsächlich Zulauf. Also war jetzt nicht, dass wir, keine Ahnung, hunderten von Mitarbeitenden absagen mussten. Also das ist schon gut aufgegangen. Wir haben es natürlich auch so ein bisschen so gesteuert, dass wir da alle gut bedienen konnten, sowohl die Unternehmen als auch die Verwaltung. Ne, das hat am Ende des Tages gut funktioniert.

Torsten

Ja, ich glaube, ich denke, da müssen wir nochmal ins Gespräch führen. Außerhalb des Podcasts zum Thema.

Philipp

Ja, gerne. Wieder Zeit.

Torsten

Ja, ich komme nochmal zurück. Fünf Jahre. Wenn du da die fünf Jahre zurückblickst, was habt ihr geschafft und was liegt noch vor euch?

Philipp

Genau, also ich glaube, was wir geschafft haben, ist, dass zumindest die Digitalisierung in den Kommunen wirklich Fahrt aufgenommen hat und gut vorangeht. Wie gesagt, wir haben jetzt einfach diese Phase der PowerPoint-Fodien, der Konzepte verlassen. Wir sind jetzt wirklich operativen Rollout, im operativen Betrieb mit allen Vor- und Nachteilen. Jetzt kommen natürlich diese ganzen operativen Kinkerlitzchen,

die sich einfach erst im operativen Betrieb zeigen. Da muss man ein Stück weit mit umgehen, aber das ist auch gut so, weil so gehört sich das. Und jetzt ist es eben wichtig, jetzt müssen wir dranbleiben, jetzt müssen wir immer mehr Online-Dienste zur Verfügung stellen, mehr Basiskomponenten.

Und was ich ja total spannend finde, ist, wenn wir jetzt wirklich mal digitale Prozesse haben, von Anfang bis Ende, können wir dann ja auch diese ganzen mystischen Dinge wie KI, wie Automatisierung, wie Robotik, etc., etc., auf die Prozesse anwenden und da, glaube ich, am Ende des Tages wirklich Nutzen für unsere Verwaltung generieren, weil wir da wirklich Zeit sparen, weil wir da wirklich Kosten sparen, weil wir da wirklich Ressourcen einsparen können, wo Prozesse schneller gehen.

Torsten

Okay, und geht ihr auch tatsächlich so weit, dass ihr auch mit den Fachverfahrensherstellern da zusammenarbeitet? Also das sind ja die größten Flaschenhälse immer, die großen Fachverfahren, die in den Kommunen laufen.

Philipp

Ja, das ist schon richtig. Wir haben eigentlich ganz gute Erfahrungen gemacht mit der Zusammenarbeit mit den Fachverfahrensherstellern. Die sehen, glaube ich, auch, dass man das Spiel ja nur zusammen gewinnen kann und dass, wenn wir, und darum geht es, glaube ich, am Ende des Tages, gemeinsam gute Prozesse, gute IT-Services an unsere Verwaltung geben, dass wir dann auch gemeinsam das Spiel gewinnen können und auch gemeinsam gewinnen müssen.

Also, lange Rede, kurzer Sinn, wir arbeiten da ganz gut zusammen mit den Fachverfahrensherstellern und ziehen da eigentlich alle immer an einem Strang.

Torsten

Sehr gut. Ich glaube, ich habe einen ziemlich guten Überblick, was der ITVSH ist, was er macht und wie er dasteht innerhalb von Schleswig-Holstein und letztendlich auch innerhalb von Deutschland. Haben wir noch größere Sachen oder überhaupt noch was vergessen, was dir noch auf den Nägeln brennt, was du gerne noch zum ITVSH sagen möchtest?

Philipp

Nee, ich glaube, wir haben soweit alle wichtigen Dinge angesprochen. Eine wichtige Sache ist natürlich, was mich sehr, sehr freut, dass es ja mittlerweile ganz, ganz viele ITVSHs gibt über gesamt Deutschland verteilt. Und mit denen wir jetzt auch so die ersten Netzwerke geknüpft haben, mit denen wir gemeinsam an Themen arbeiten, weil am Ende des Tages haben wir alle dieselben Herausforderungen und arbeiten alle an denselben Themen.

Und ich glaube, dass tatsächlich dieser eine für alle, alle für einen Ansatz nicht nur für Schleswig-Holstein gilt, sondern am Ende des Tages auch für Gesamtdeutschland. Und da so eine starke kommunale Initiative zu haben, die dann gemeinsam Themen voranbringt und kommunale Interessen vertritt. Das ist, glaube ich, eine gute und wichtige Sache, die auch notwendig ist, weil bei den Kommunen wird es am Ende des Tages gemacht.

Torsten

Ihr habt ja auch so eine Arbeitsgruppe gegründet, oder?

Philipp

Genau, die nennt sich CODO, Kommunale Digitalisierungsorganisation. Da haben wir uns mit ein paar ähnlichen Institutionen im letzten Jahr mal in Bayern in Nürnberg getroffen und haben da überlegt, wie wir gemeinsam Themen voranbringen können. Das hat auch gut funktioniert und das wollen wir jetzt weiter treiben. Wir treffen uns dieses Jahr in Kiel und wollen dann schauen, wie wir das gemeinsam deutschlandweit weiter vorantreiben können.

Torsten

Ich freue mich drauf, weil ich bin mit Sicherheit dabei.

Philipp

Ja, wir uns auch tauschen, sehr schön.

Torsten

Philipp, also, vielen, vielen Dank, dass du den ITVSH hier im E-Government Podcast vorgestellt hast.

Philipp

Ich danke dir.

Torsten

Und ich gehe davon aus, dass wir zukünftig viel voneinander hören werden. Und dann bedanke ich mich noch bei den Zuhörerinnen und Zuhörern und wünsche euch allen einen schönen Tag und bis zum nächsten Mal.

Philipp

Danke.

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