GAIA-X - Update - podcast episode cover

GAIA-X - Update

Sep 14, 202438 minEp. 195
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Da war doch mal so ein europäisches Souveränitätsprojekt namens GAIA-X. Wie hat sich das entwickelt und wie geht es weiter? Darüber habe ich mit Ralf Hustadt von Luxinnovation gesprochen.

Kommentare  unter: https://egovernment-podcast.com/egov195-gaia-x/


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Transcript

Torsten

Ja, hallo und herzlich willkommen zur 195. Ausgabe des E-Government Podcast. Ich bin Thorsten Frenzel und ich begrüße heute wieder einen Gast mal aus einem Land, was ich noch gar nicht dabei hatte, Luxemburg. Hallo Ralf, ich grüße dich.

Ralf

Ja, schönen guten Abend. Vielen, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, dass ich heute hier dabei sein kann und ein bisschen was zu GAIA-X erzählen kann.

Torsten

Ja, schön, dass du da bist und wieder den Titel direkt in der Vorstellung gespoilert. Aber das sind meine Hörerinnen und Hörer inzwischen gewohnt. Aber vielleicht erzählst du erstmal ein bisschen was zu dir.

Ralf

Ja, mein Name ist Ralf Hustert. Wie du schon gesagt hast, ich komme aus Luxemburg. Der fehlende Luxemburger Akzent liegt höchstwahrscheinlich daran, dass ich erst seit 20 Jahren hier bin und eigentlich auch aus Deutschland komme. Ich bin hauptberuflich bei Lux Innovation. Das ist die nationale Innovationsagentur in Luxemburg. Wir sind so ein bisschen halbstaatlich und kümmern uns also darum, hier Innovation in allen Dimensionen und allen Farben irgendwo so ein bisschen

anzuschieben. Ich bin so im Bereich Digitales unterwegs und habe da so eine Doppelrolle. Zum einen irgendwie als Hub-Koordinator für Gaia-X, also als nationaler Koordinator in Luxemburg. Und zum anderen kümmere ich mich auch noch um das Nationale Kompetenzzenter für Supercomputing. Also irgendjemand dachte, das wäre eine super Kombo, beides so Cloud und was mit HPC in einen Topf zu werfen. Und ja, da bin ich halt heute so ein bisschen unterwegs.

Torsten

Ja, aber sehr schön, dass du da bist und weil du dich so ein bisschen mit Cloud und Computern und sowas auskennst, wollen wir heute über Gaia-X sprechen und die Stammhörerinnen und Stammhörer werden sagen, ja Gaia-X, das hast du schon mal gehabt. Ja, aber das war 2021 und inzwischen ist einiges passiert und... Darüber wollen wir jetzt mal heute sprechen.

Ralf

Ja, gerne. Ja, wie du schon richtig gesagt hast, drei Jahre sind inzwischen ins Land gegangen. Die Zeit fliegt und ist auch an GAIA-X nicht spurlos vorübergegangen. Vielen, vielen Unkenrufen zum Trotz erfreut sich GAIA-X eigentlich bester Gesundheit, im Gegensatz zu dem, was häufig irgendwo propagiert wird. Ach, braucht man das noch und dieses nicht und jenes nicht. Und es ist eigentlich nicht doch irgendwo auf einem verlorenen Posten irgendwo.

Also, wir sind ja 2021 eigentlich alle mal losgezogen unter dem großen Versprechen oder unter der großen Ansage, Gaia-X ist offen und wir wollen europäische Werte im Grunde propagieren, Transparenz, Offenheit, Souveränität, insbesondere digitale Souveränität, weil man halt gesagt hat, naja, wenn man das nur den großen Superplayern und den großen Cloud-Providern irgendwo überlässt, dann haben wir hier irgendwann ein Problem.

Außerdem, was wir ja zum Beispiel auch ganz klar sehen, also die Europäische Kommission, die hat einen Datenschutzbeauftragten und der hat irgendwann gesagt, so wie ihr da jetzt zum Beispiel bestimmte Produkte einsetzt, ist das nicht okay. Resultat, die Kommissionschefin fand das nicht so witzig und geht gegen ihren eigenen Datenbeauftragten vor, weil er ihr gerade vorwirft, dass das nicht konform nach europäischen Maßstäben irgendwo genutzt und abgewickelt wird. das haben.

Torsten

Aber vielleicht, bevor wir voll einsteigen, vielleicht gibst du nochmal ein ganz kurzes Update, was denn GAI-X überhaupt ist.

Ralf

Ja, ich versuche es mal. Es hängt natürlich davon ab, wie man fragt. Es ist ein komplexes Thema. Ich fange mal mit der offiziellen Definition an. Also wie gesagt, GAIA-X steht offen, europäische Werte, Transparenz, Offenheit. Und wir wollen im Grunde so ein bisschen halt digitale Souveränität in Europa fördern. Und das Ziel ist dabei, halt Ökosysteme aufzubauen, bei denen man Daten irgendwo teilen kann und in einem, ich sag mal, vertrauensvollen, in einer vertrauensvollen Umgebung.

Wenn man so guckt, ja, was sind denn da die eigentlichen Schlüsselwörter, dann ist natürlich Föderation ein ganz, ganz wichtiges Punkt, weil man halt diese Silos, die im Grunde dann am Ende des Tages doch irgendwo wieder auf einer bestimmten Technologie von irgendeinem Provider irgendwo beruhen versucht, irgendwo auszuhebeln. Und dann stellt sich natürlich direkt irgendwie im Anschluss die Frage,

ja, wie soll das gehen? Wollt ihr jetzt irgendwie den nächsten Hyperscaler irgendwo aus dem Boden stampfen? Und genau das ist eigentlich im Grunde nicht der Fall, sondern Föderation ist das Schlüsselwort. Und dazu braucht man natürlich im Grunde quasi Standards. Ich lasse das jetzt mal offen, was ein wirklicher Standard ist. Sonst steigen mir sofort wieder sämtliche Institute dieser Welt irgendwo aufs Dach.

Die sagen, nein, wenn einer einen Standard irgendwo etabliert, Dann sind wir das von der ISO oder von Nadine oder von irgendeinem anderen Institut. Ich sage mal quasi Standards. Also das ist eigentlich so das eigentlich Wichtige. Und die Idee dahinter ist, ich möchte mit irgendwie, ich habe ein Konzept, ich habe vielleicht Daten, ich habe vielleicht Software, ich habe vielleicht den Bedarf an Daten und Software.

Wäre, wenn ich jetzt auf irgendwie einen singulären Zug aufspringe, dann habe ich zwar einen wundervollen Garten mit ganz vielen Blumen da drin, aber irgendwo komme ich da nur ganz, ganz schwer raus, um mit anderen zu kooperieren zu können.

Und wenn ich jetzt aber im Grunde sage, naja, wir einigen uns auf irgendwelche Quasi-Standards und mir ist eigentlich egal, wo du deine Daten hast oder wo vielleicht irgendwie ein Dritter irgendwo seine Tools hat, solange wir eigentlich alle auf einem gemeinsamen Nenner sind, können wir das eigentlich wunderbar nutzen. Also ich ziehe mir was von links, von rechts und dann funktioniert das.

Torsten

Steht GAIX auch für Portabilität? Also das heißt, ich bin in einem Rechenzentrum mit meinem, keine Ahnung, Kubernetes-Cluster und einfach umziehen in ein anderes Rechenzentrum.

Ralf

Ja, implizieren im Grunde Standards. Also natürlich heißt das nicht nur irgendwie, dass die Interoperabilität gegeben ist, sondern die Portabilität ist natürlich auch ein entscheidender Faktor dabei. Die Nicht-Portabilität, die heute quasi durch irgendwelche großen Monokulturen im Cloud-Umfeld gegeben ist, die verhindern ja das. Die verhindern zum einen die Interoperabilität. Ich kann nicht mit jedem XY

zusammenspielen, weil halt die Interfaces nicht passen. Ich kann aber auch zum Beispiel nicht einfach sagen, so, weißt du was, das ist jetzt die dritte Preiserhöhung in X Monaten. Jetzt packe ich meine Klamotten, geh weg. Oder vielleicht sagt auch der Regulator irgendwo, hatten wir jetzt auch schon mal Schrems 1, Schrems 2 haben wir auch schon gesehen. Vielleicht sehen wir auch noch demnächst ganz schnell wahrscheinlich ein Schrems 3.

Was mache ich denn jetzt? Wo kriege ich denn jetzt meine Daten von rechts nach links irgendwo umgezogen, wenn ich aufgrund anderer Umstände dazu gezwungen werde? Erde.

Torsten

Vor drei Jahren, kann ich mich noch erinnern, haben wir tatsächlich auch darüber gesprochen, dass auch die großen, die großen Hyperscaler, Cloud-Provider und so weiter, alle bei Gaia-X mitspielen. Also auch die amerikanischen und sogar die chinesischen, wenn ich mich richtig erinnere, haben hier sich auch quasi verschrieben, Gaia-X-konform zu sein. Ist das immer noch der Fall?

Ralf

Ja, bis zu einem bestimmten Prozentsatz spielen die natürlich auch noch mit. Vielleicht ein bisschen mehr in der Rolle irgendwo eines Beobachters oder vielleicht ein bisschen mehr in der Rolle von, mal gucken, wie viel ich eines Lobbyisten, mal gucken, wie viel ich von meinen eigenen Sachen irgendwo durchpushen kann.

Aber das ist am Ende eigentlich gar nicht wirklich relevant, weil zum einen hat GAIA-X ja ganz klar gesagt, wir wollen irgendwie komplett offen sein und das beinhaltet auch, dass man im Grunde vielleicht Leute mitspielen lässt, die, oder zumindest zugucken lässt und mitspielen lässt, die im Zweifelsfall nicht 100%, compliant sind. Also das ist Teil der.

Philosophie hinter dem Ganzen. Wenn man sich das Ganze mal anhand eines praktischen Beispiels irgendwo zugute führt, sagen wir mal, es gibt ja in Deutschland als sehr, sehr großes Projekt CatenaX im Automotive-Umfeld. Und da ist ganz klar, die versuchen halt, echte Probleme zu lösen. Nämlich zum Beispiel das Problem Supply Chain Management und alles, was in dem Dunstkreis dessen da irgendwo noch rumschwirrt.

Also zum Beispiel auch durchaus so Sachen wie Tracking von irgendwie, wie grün ist mein Produkt und sonstige Sachen. Da gibt es ja inzwischen im Bereich Sustainability auch noch diverse Anforderungen. So, jetzt kann ich natürlich hingehen, wenn ich einer von den großen Automobilern bin oder einer von den großen Zulieferern, dann können wir uns auf irgendeinen europäischen Standard einigen und sagen, weißt du was, wir spielen nur auf einer europäischen Cloud.

Aber am Ende des Tages werde ich immer irgendeinen chinesischen Plastikteilhersteller haben, der sagt, sorry Jungs, ich bin auf Alibaba oder vielleicht lässt mich meine Regierung oder vielleicht lässt mich meine Firma auch gar nicht auf irgendeiner anderen Cloud in Europa mitspielen. Die sagen einfach, ich muss meine Daten hier haben, genauso wie ihr eure Daten vielleicht in Europa vorhalten wollt.

Und da muss man natürlich überlegen, wie kriege ich die Enden denn dann auch im Sinne von Interoperabilität, nicht im Sinne von Portabilität, zusammengeknotet. Ganz klar. Gilt auf der anderen Seite auch für amerikanische Provider in ähnlicher Form. Das heißt, man hat ja durchaus ein Interesse daran, dass man irgendwie eine gewisse Kompatibilität erreichen kann. an.

Torsten

Und wie weit ist denn dieser Quasi-Standard in GAIA-X und die Quasi-Standards in GAIA-X inzwischen? Also vor drei Jahren war viel im Anfangsstadium, ein paar Sachen waren schon beschlossen. Wie sieht es denn aktuell aus?

Ralf

Gut, also dazu muss man sagen, das ganze Ding ist natürlich am Ende des Tages ist der Teufel immer irgendwo im Detail und man stellt dann irgendwo fest, was braucht man denn eigentlich alles dafür? Also erstmal muss man ja irgendwo festhalten, erstmal muss man eine gemeinsame Sprache finden. Das heißt zum Beispiel, als wir vor drei Jahren durchgestartet sind, sind viele auf den der Zug aufgesprungen und die hatten alle irgendwie ein anderes Verständnis von dem ganzen Thema.

Also ich habe in einer von den Präsentationen, das kann ich jetzt leider hier irgendwo über Audio nicht zeigen, hatte ich immer das Bild mit dem Elefanten und den blinden Leuten, die jeder irgendwo ein anderes Körperteil von dem Elefant haben. Und da habe ich gesagt, naja, und eigentlich ist es auch ähnlich damals, als wir gestartet sind, für Gaia-X gewesen.

Also wenn man zum Beispiel zu den Infrastruktur-Providern gesprochen hat, dann haben die gesagt, ja, ganz klar, Also GAIA-X ist definitiv Hardware, Cloud und Standards, was das Ganze angeht. Die Softwareleute haben gesagt, nein, nein, nein, nein, das ist ganz, ganz anders. Und der eine hat halt den Schwanz vom Elefanten und der andere hat Stoßzahn und der dritte hat irgendwie ein Bein und der vierte hat irgendwie ein Ohr in der Hand.

Und die Softwareleute haben dann zum Beispiel gesagt, Moment, also da müssen wir jetzt erstmal über so Sachen wie Clearinghouse sprechen, weil wenn wir ja wie eine automatisierte Interoperabilität haben wollen, dann können wir ja jetzt nicht irgendwo hingehen und sagen, wir machen, kugeln dann wieder irgendwas über Personen aus, weil dann können wir uns den ganzen Krempel auch sparen und hinterher irgendwie manuell irgendwelche Software-Schnittstellen schnitzen.

Das heißt, an der Stelle war es ganz wichtig zu sagen... Wir brauchen da auch sogenannte Clearing House. Das ist, was die Softwareleute gesagt haben. Wenn man mit den Researchern gesprochen hat, die anfangs halt gesagt haben, das ist total cool, auf den Zug springen wir auch auf. Da ist ganz viel Open Source im Spiel, da ist ganz viel Transparenz im Spiel.

International ist auch super. Also da sind quasi alle Boxen, die man so abhaken kann, die sind da im Grunde drin und die betrachten das, haben das am Anfang irgendwie als gigantischen Spielplatz für akademische Daten betrachtet. Insofern, alles davon ist irgendwo richtig. Und da gab es auch noch so ein paar Leute, die ein bisschen hardcore unterwegs waren, die haben es aber wahrscheinlich falsch verstanden, die gesagt haben, nein, nein, wir bauen einen Hyperscaler.

Und das war definitiv weder der Plan, noch ist das der Plan, noch wird das in irgendeiner Form passieren. Sondern es geht ja halt darum, irgendwie Ökosysteme zu bauen.

Torsten

Ich weiß nicht, wie weit du involviert bist oder gehört hast, in Deutschland wird jetzt gerade die deutsche Verwaltungs-Cloud gebaut. Also es gibt die deutsche Verwaltungs-Cloud-Strategie. Die liest sich für mich auch so ein bisschen wie GAIA-X. Und es wird jetzt die deutsche Verwaltungs-Cloud gebaut, die eigentlich nur aus Standards und Absprachen miteinander besteht.

Ralf

Ja, da gibt es ja anscheinend, soweit ich das von meiner Seite der Grenze hier irgendwo beurteilen kann, mit dem großen Fernglas bis Berlin, unterschiedliche Akteure und auch unterschiedliche Aspiranten bei dem ganzen Thema. Also SAP spielt ja im Grunde damit, Microsoft spielt damit, dann gibt es zum Beispiel Seconet, die im Grunde irgendwie ganz klar auf standardisierte Sachen setzen wollen.

Wir haben hier in Luxemburg so ein ähnliches Projekt, nennt sich auch Souveräne Cloud, nennt sich Clarence von Clarity und Transparenz, ist im Grunde ähnlich wie das, was ich jetzt gesehen habe, sprich von einem US-Provider nimmt man die Hard- und Software und sagt, ja, aber die installieren ja das nicht und deswegen, das läuft ja alles nur durch Hände von lokalem Personal. Im Fall der Luxemburger Cloud ist es halt GCP, also Google-Technologie.

Und insofern ist das alles halt total souverän, weil da halt irgendwo keiner mit so einem löchrigen Vertrag irgendwo seine Finger darauf legen kann.

Das mag vielleicht im Sinne aus legalen Aspekten irgendwo korrekt sein, inwieweit man denn so Themen bewertet wenn ich mich denn dann trotzdem von bestimmten Playern in irgendeiner Form abhängig mache steht auf dem ganzen anderen Blatt drauf Also es gibt zum Beispiel, was die deutsche Cloud angeht, hat jemand irgendwo ganz klar gesagt, sorry, in dem Augenblick in dem ich Proprietäre habe, wer von einem einzigen Provider nimmt, wenn der Provider nicht mehr liefert, dann haben wir ein Problem,

und damit sind wir im Grunde nicht mehr souverän. Also zu dem Thema kann man ja gerne mal irgendwo ein paar russische Akteure fragen, wie die denn zum Beispiel dazu stehen, inwieweit denn Microsoft eine russisch souveräne Cloud unterstützen würde.

Torsten

Weil du gerade sagst, Hardware, ist Hardware auch ein Thema bei GAIA-X?

Ralf

Nicht wirklich. Also Hardware taucht eigentlich nicht auf. Das ist einfach nur die Infrastruktur unten drunter, die ändert sich ja sowieso zusehend. Also wo es eine Rolle spielt, wir haben jetzt zum Beispiel in Luxemburg einen Supercomputer, jetzt hätten wir ja auch kein NCC hier, mit Meluxina und die Firma, die das Ding betreibt, LuxProVide, die sind jetzt auch gerade auf dem Weg, Mitglied zu werden.

Und da geht es natürlich darum, im Grunde, ich sag mal, HPC als Service zur Verfügung zu stellen. Und das ist natürlich relativ hardware-nah, weil ein HPC ist schon ein sehr, sehr spezielles Biest.

Torsten

Vielleicht sagst du mal ganz kurz, was HPC heißt.

Ralf

Ja, also High-Performance-Computing oder Supercomputer, in welcher Form man das auch immer irgendwo beschreiben möchte. Also in Deutschland gibt es zum Beispiel Jülich, relativ großen, der wird demnächst noch größer gemacht. In Stuttgart gibt es zum Beispiel was, Hamburg hat auch was, dann natürlich noch diverse andere Organisationen.

Die ganz, ganz großen Dinger stehen zum Beispiel aktuell in Europa in Barcelona, in Italien steht noch einer rum, Mare Nostrum und Lumi natürlich in Finnland und wir haben hier in Luxemburg einen etwas kleineren, mit dem man halt AI-spezifische Sachen irgendwo und natürlich Simulationen auch irgendwo machen kann.

Aber was ich sagen wollte, da wird natürlich eine spezielle Hardware benutzt mit ganz vielen Grafikkarten drin, mit ganz viel GPU-Rechenkapazität und wenn ich die in irgendeiner Form zur Verfügung stellen will, Da muss ich das natürlich auch über ein geeignetes Protokoll in irgendeiner Form machen. Und insofern spielt Hardware da keine wichtige Rolle, aber hängt irgendwo in dem ganzen Ökosystem schon mit drin.

Torsten

Vielleicht hast du ein bisschen Überblick, was hat sich denn in den letzten drei Jahren bei GAIA-X so verändert oder getan? Also ist es jetzt inzwischen so weit, dass es ein anerkannter Standard ist oder ist es immer noch in dem Stadium, wo alle so sagen, naja, wir machen da mal mit und gucken, dass da was vorangeht, aber so wirklich eins zu wollen muss nicht?

Ralf

Also ein de facto Industriestandard, von dem man sprechen könnte, wie zum Beispiel bei, keine Ahnung, CDs oder Wi-Fi oder bei allen anderen Sachen, die wir irgendwo so haben. DIN A4 ist ja auch zum Beispiel nur ein Standard. Woher der kommt, wissen die meisten auch nicht, ist denen auch nicht so richtig klar, aber da gab es ja auch mal irgendwelche Ideen dazu und Ausschreibung. Also soweit, dass man das Ding, dass es ein echter etablierter Standard ist,

an dem sich ganz viele Leute halten. Soweit sind wir definitiv noch nicht. Wir sind aber durchaus soweit, dass man das im produktiven Einsatz auch durchaus nutzen kann. Also dazu gehört eine ganze Menge Arbeit, die sieht man eigentlich so nicht.

Also man braucht funktionierende Clearing Houses. Also wenn wir beide einen digitalen Vertrag machen wollen und wir wollen das quasi automatisiert machen, dann müssen wir irgendwo irgendwelche Credentials hinterlegen und das passiert bei unterschiedlichen Clearing Häusern. Und die sind untereinander vernetzt und dann können wir halt sagen, ja, wir tauschen jetzt irgendwie Datentools oder sonst irgendwas aus, aber basierend darauf können wir

einen elektronischen Vertrag zum Beispiel machen. Ganz wichtiges Thema. Sehr, sehr komplex, funktioniert aber auch. Die Clearinghäuser gibt es auch. Was hat sich noch geändert? Community ist definitiv gewachsen. Also wir sind inzwischen 330 Mitglieder, glaube ich. Also echte Mitglieder. Man muss ja nicht unbedingt Mitglied sein, um bei dem ganzen Thema mitzuspielen.

Allerdings kann man halt auch, wenn man kein Mitglied ist, zum Beispiel bei der zentralen Organisation, bei der AISBL, halt auch nicht irgendwo in den Gremien mitarbeiten. Aber muss man ja auch nicht. Das ist ja jedem selbst überlassen.

Was sich auch noch ganz stark geändert hat, es gibt ja eigentlich, GAIA-X ist ja eigentlich eine Bottom-up-Initiative, wo sich ja so ein paar Leute in der Industrie zusammengetan haben und gesagt haben, ja, da müssen wir jetzt was machen und wir warten jetzt nicht darauf, bis es irgendwann wieder top-down von Brüssel irgendwo über irgendeinen Digital-Call irgendwo in die einzelnen Länder tröpfelt und dann da weitergeht.

Und das hat halt dazu geführt, dass man sich halt selbst um viele Sachen kümmern musste. Dazu gibt es dann halt zum Beispiel innerhalb der IESBL, da gibt es diverse Gremien, die sich etabliert haben. Spannend ist das Setup. Es gibt also sowohl große als auch kleine Player dabei.

Wenn man sich mal dieses Board, also das Directorboard anguckt, dann sind da größtenteils schon alle möglichen Firmen und Organisationen mit Rang und Namen unterwegs, aber das hat ein bisschen damit was zu tun, dass wenn ich irgendwie als Startup von der Hand in den Mund lebe, dass ich dann nicht irgendwie ein Schwergewicht in den Ring werfen kann, was da pro bono irgendwo, sich in diversen Gremien irgendwo Das heißt, da sehen wir schon irgendwo einen

ganz klar deutlichen Überhang von großen Firmen wie Airbus oder Proximus, also irgendwelche Incumbents, die da unterwegs sind. Deutsche Telekom spielt da mit. BMW natürlich auch mit dem ganzen Catena-Bereich. Also das läuft schon. Eine andere Sache, die sich stark geändert hat, das sehen wir auch durchaus irgendwo im Reifegrad und im Erwachsenwerden des Ganzen.

Es gibt ja, Gaia-X ist ja nicht die erste und einzige Initiative in dem ganzen Bereich, was so Data-Sharing, Data-Economy und ähnliches angeht. Das heißt, da gibt es die Big Data Value Association, da gibt es ITSA, da gibt es FIWARE.

Und die haben sich jetzt im Grunde alle zusammengetan. Das wird dann übrigens wieder von der EU ein bisschen subventioniert, weil die gesagt haben, passt mal auf, bevor ihr da irgendwie vier konkurrierende Standards entwickelt, tut euch mal alle zusammen, wir geben euch ein bisschen Geld dafür. Das ist so ein Data Space Business Alliance, nennt sich das Ganze.

Das heißt, da haben sich die vier größeren Organisationen, Organisationen, die in dem Bereich unterwegs sind, alle mit einem anderen Scope, alle mit einem anderen Funding vielleicht auch und haben sich zusammengefunden und kooperieren und sprechen sich halt auch gegenseitig ab, damit nicht irgendwas doppelt und dreifach erfunden wird.

Torsten

Ja, also für mich klingt das super interessant. Kennst du das Projekt Sovereign Cloud Stack?

Ralf

Ja, hab mir allerdings das aus technischer Sicht noch nicht irgendwie großartig angeguckt.

Torsten

Das ist ja tatsächlich mal gestartet worden wegen Gaia-X, um hier in Deutschland da auch was bauen zu können. Das ist ein komplett Open Source basierter, also ein kompletter Open Source Stack von ganz unten bis ganz oben. Da ist nur Open Source Software und Module drin. und letztendlich das, was die da spezifiziert haben, ist sehr, sehr ähnlich der deutschen Verwaltungs-Cloud.

Ralf

Naja, also so ein klassischer Cloud-Stack beschäftigt sich ja eigentlich nicht mit irgendwelchen Data-Spaces und Ecosystems, sondern so ein klassischer Cloud-Stack ist einfach nur, eine vertikale Integration, wo ich sage, ich bin ein Cloud-Provider, ich suche mir jetzt irgendwas aus, um meine Cloud entsprechend zu managen und entsprechend halt aufzubauen.

Was da dabei ja im Grunde fehlt, und das ist eigentlich nicht der viel, ich will nicht sagen, wichtigere Teil, weil das brauche ich natürlich auch im Grunde, aber die gibt es halt schon, sondern was da fehlt, ist der komplementäre Teil dazu, nämlich im Grunde so diese ganzen Thema Clearinghouse, digitale Verträge und, und, und, und, und, damit ich, wenn ich einen souveränen Stack habe, du hast einen souveränen Stack und irgendeiner will und dann haben

wir beide irgendwo Kunden da drauf und die wollen halt irgendwie in irgendeiner Form miteinander kooperieren, wie kriegt man die dann automatisiert zusammengeknotet? Ja, und das ist eigentlich nicht der Teil, der im Augenblick relativ stark im Fokus steht und auch halt bei der Entwicklung irgendwo vorangetrieben wird.

Torsten

Das ist ein gutes Stichwort. Wie geht es denn weiter mit GAIA-X? Was sind da die nächsten Schritte, die da passieren?

Ralf

Naja, also ich glaube, wir haben inzwischen so viel Aufmerksamkeit erregt, das war also durchaus auch irgendwo von öffentlichen Stellen halt Unterstützung gekommen. Dann haben wir natürlich im Grunde immer noch die Membership-Fees, die irgendwo bei der AESBL irgendwo mit reinfließen. By the way, wir kriegen kein Geld dafür, im Gegenteil, wir sind selbst auch Member, müssen auch noch Geld dafür zahlen, aber mag sich auch nochmal ändern.

Weil wir auch zum Beispiel, was die Hub-Aktivitäten angeht, auch durchaus einen weitaus höheren Reifegrad jetzt sehen. Also wir sehen auch da inzwischen, dass wir zum Beispiel sagen, es gibt ein Hub-Handbook und ähnliches, sozusagen fängt man gerade erst an. Also es reicht nicht aus, dass inzwischen jeder irgendwo hin kann, nicht mehr jeder hingehen und sagen, ich hebe die Hand hoch und sage, ich mache jetzt ein Hub auf. Wir hatten zum Beispiel in der Vergangenheit,

hat es irgendwie drei Hubs in Amerika gegeben, offiziell. Die standen auf irgendeiner List drauf. Ich habe, abgesehen von den Stadtnamen, nichts von denen in irgendeiner Form gesehen. Wir haben also nichts irgendwie großartig gemacht.

Torsten

Was sind denn die Hubs?

Ralf

Die Hubs, ich sag mal im Grunde, wir sind ein bisschen so als zentrale Anlaufstelle in den einzelnen Ländern unterwegs. Also aktuell ist es so.

Torsten

Dass die… Ach so, also so Vereinsstruktur-mäßig.

Ralf

Ja, ich sag mal, freischaffende Evangelisten.

Torsten

Okay, okay, gut.

Ralf

Also wie gesagt, wir sind halt monetär nicht an die ISBL gekoppelt, sondern da gab es dann halt in den meisten Ländern irgendwo von der Regierung aus, hat irgendjemand gesagt, hört sich gut an, lass uns dann mal ein bisschen Geld irgendwo reinstecken und wir machen hier einen Hub auf als zentrale Anlaufstelle, um halt einfach das Thema ein bisschen zu verbreiten, um, Akteure auch miteinander zu verbinden.

Also mein Vorgänger hat mal irgendwann gesagt, wir sind sowas wie das Tinder für Gaia-X-Projekte. Also wenn jetzt zum Beispiel jemand ankommt und sagt, oh, ich hab da gehört, da gibt's irgendwo keine Ahnung, ein Automotive-Projekt. Mit wem muss ich denn da sprechen? Dann könnte ich jetzt sagen, ja, Moment, weiß ich nicht genau. Ich weiß, da gibt es ein Projekt in Deutschland. Dann lass mich mal ganz kurz mit meinem deutschen Counterpart sprechen und dann

frage ich den, wer ist denn der richtige Ansprechpartner? Dann wird er mir sagen, das ist der Oliver von BMW. Dann bringt man halt die Leute zusammen, damit die halt irgendwo Projekte aus dem Boden stampfen. Dann ist es zum Beispiel so, in meinem Fall, da wir auch halt als, also mein Arbeitgeber halt auch im Bereich Funding Support unterwegs ist und Und unsere Regierung, die hat also im Vierjahresplan mal 20 Millionen allokiert.

Hat gesagt, gut, die stellen wir einfach mal für das Projekt zur Verfügung. Wenn einer eine gute Idee hat, kann er die quasi als Staatshilfe irgendwo abrufen. Dann kommen die Leute zu uns, sagen, wir haben eine tolle Idee. Dann sagt er mal, was ist denn deine tolle Idee? Ja, das und das und das und das bauen. Und dann hilft man denen ein bisschen und mit ein bisschen Glück kommt dann irgendwie ein Antrag durch. Also bei uns ist es zum Beispiel, wir sind relativ stark im Bereich Health unterwegs.

Unterwegs, weil wir irgendwo so als multilinguales Land in der Mitte zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz und Belgien und allen anderen irgendwo unterwegs sind. Und in der Regel ist es, oder nicht in der Regel, aber häufig ist es so, wenn Deutschland und Frankreich irgendwie Armdrücken machen, wer denn den Lead in irgendeinem Bereich hat, dann früher oder später sagen sie, einigen wir uns auf Unentschieden und geben es dem kleinen Land, das ist keine Konkurrenz.

Und die sprechen Deutsch und Französisch, ist doch eigentlich nicht auch fair. Und deswegen sind wir zum Beispiel jetzt im Bereich Health unheimlich stark irgendwo unterwegs. Da gibt's Funding aus dem Staatstopf und die bauen jetzt gerade zum Beispiel da ein größeres Projekt. Das wiederum...

Torsten

Hast du ein Beispiel, was das für Projekte sind?

Ralf

Ja, also das ist der Data Space for Health in unserem Fall. Die haben also gesagt, naja, häufig ist es so, also Health ist ja so aus aus Regulierungssicht ein echt großkalibriges Thema. Also GDPR ist ja im Bereich Health eigentlich fast noch schlimmer als im Bereich Finance. Und wenn man das Problem gelöst hat, dann kann man eigentlich auch alles, was mit Maschinen-Daten oder anderen Sachen irgendwo zu tun hat, relativ einfach lösen. So, jetzt gab's.

Torsten

Ich finde ja GDPR gar nicht so schlimm.

Ralf

Ja, das kommt drauf an. Also aus Nutzersicht finde ich das total toll. Ich sag mal jetzt, in meiner Rolle, was HPC angeht, muss ich sagen, finde ich zwar auch gut, aber ich glaube zum Beispiel, dass ein Land wie China, was Zugriff auf Daten von 1,5 Milliarden Leuten hat, wesentlich weiter, wesentlich schneller im Bereich AI kommt, weil die einfach Daten haben, mit denen sie spielen können, die wir uns selbst eigentlich hier vorenthalten.

Das heißt nicht, dass ich das jetzt ändern wollen würde, aber das ist eine Realität, die einfach ein Seiteneffekt von GDPR ist.

Torsten

Okay, GDPR, auch von der Seite siehst du, okay, das sehe ich natürlich auch etwas komplizierter, aber von der Implementierungsseite finde ich GDPR gar nicht so schlimm.

Ralf

Ja, aber um auf das Projekt zurückzukommen, also die sagen, es gibt immer wieder Akteure im Bereich Health, die haben eine Idee, die wollen halt irgendwas untersuchen. Seltene Krankheiten oder sowas oder die Effekte von geopolitischen Umgebungen auf Gesundheit oder keine Ahnung, alles, was man halt im Bereich Health machen kann.

So, dann gehen die hin, suchen sich irgendwo die Daten aus, dann müssen sie sich eine Pipeline zurecht basteln und dann quasi auf den Weg bis die, also da hinkommen, wo sie eigentlich forschen wollen, sind sie meistens schon irgendwo verdurstet, verhungert oder haben kein Budget und keine Zeit mehr übrig. ich.

Und in diesem Bereich Data Space for Health geht es im Grunde quasi darum, ich formuliere das immer lax, der Projektleiter wird wahrscheinlich die Hände vom Kopf zusammenschlagen, ich formuliere das immer so, das ist so ein bisschen so eine so ein Küchenstudio mit. Eingebauter Vorratsdatenkammer. Das heißt, da kann jemand ankommen und sagt, ich möchte gerne das und das machen. Was habt ihr denn eigentlich alles als Daten schon bereits angeflanscht in eurer Vorratskammer? Ja, das, das, das.

Ja, das ist gut. gut, was willst du denn damit machen? Ja, ich möchte das und das und das und das machen. Ja, wunderbar, da haben wir hier einen Mixer und vielleicht noch einen Ofen und vielleicht noch das Gerät. Im Bereich auf Daten wäre das dann vielleicht irgendwie ein AI-Tool oder vielleicht irgendwo BigQuery und ähnliches Gerät. Und die sind doch alle GDPR-compliant, weil wir ja eine saubere Küche haben, ja, und dann kannst du sofort loslegen.

Also das ist so ein bisschen so der Gedanke dahinter, dass man also quasi relativ zügig damit loslegen kann. Das Spannende daran ist, bei uns hier. Das passiert eigentlich, das sind so die Ripple-Effekte von Corona, weil zu Corona-Zeiten hat man gesagt, wir müssen ganz schnell irgendwo ein großes, Testlabor irgendwo aufbauen und wir hatten ja in Luxemburg, haben wir ein Large-Scale-Testing gemacht, um Cluster zu identifizieren.

Da ist also jeder mindestens vier, fünf Mal irgendwo getestet worden und weil man das Ding in kürzester Zeit aus dem Boden stampfen musste, hat man im Grunde dazu auf auf proprietäre Hyperscaler-Technologie zurückgegriffen. Dann haben wir gesagt, ja, das wollen wir aber in Zukunft eigentlich nicht, oder? Nee, wollen wir eigentlich nicht. Ja, dann lass uns doch mal so ein bisschen ein Data Space for Health aufbauen.

Und da ist zum Beispiel hier maßgeblich, sind diverse Akteure, also Krankenhäuser sind da dran beteiligt, dann ist es so, dass das Luxemburg Institute of Health ist beteiligt. Dann haben wir zusätzlich auch noch einen nationalen Player dabei, und zwar haben wir so eine Art Kurator für Public Data, nennt sich Laxenburgisch National Data Service.

Die sind zum Beispiel noch beteiligt. Und witzigerweise ist es ein großer ICT-Laden, und zwar japanischer, das ist Entity Data, die halt damals auch bei der Corona irgendwas gemacht haben, die hier quasi sehr, sehr viel von den Innovationen für die Japaner in Europa machen.

Torsten

Okay. Und diesen Data Space, den baut ihr auch durchaus auf als Blaubhaus für den Rest Europas? Oder ist das einfach Projekt?

Ralf

Nee, nee, nee. Also der ist jetzt eigentlich schon international. Also der geht jetzt schon über die Grenzen hinaus. Es gab also ein Vorläuferprojekt, das läuft immer noch, aber das war halt im Grunde so ein bisschen auch, hat auch irgendwo Anstoß damit gegeben. Da wollte man halt seltene Krankheiten irgendwo untersuchen. Und seltene Krankheiten ist natürlich blöd, wenn man irgendwo eine Bevölkerung hat, die irgendwie nur 650.000 Einwohner hat.

Das heißt, da hat man an der Stelle direkt irgendwo über die Grenzen geguckt und fragt, wer von euch möchte denn da eigentlich noch mitarbeiten. Das heißt, da gab es schon bereits bestehende internationale Kooperationen mit Deutschland, mit Frankreich. Ich glaube, die Schweiz ist auch schon irgendwo mit drin. Und da hat man gesagt, na ja, gut, dann können wir das ja eigentlich auf das Vehikel dann irgendwann auch noch mit draufhiefen.

Torsten

Okay, jetzt sind wir ganz schön abgeschweift.

Ralf

Abgeschwiffen, abgeschweift.

Torsten

Abgeschwiffen oder abgeschwopft, wie manche Podcaster auch sagen. Kommen wir zurück zu Gaia-X. Was wünschst du dir denn für das Projekt für die Zukunft?

Ralf

Also ich würde mir wünschen, dass mehr Firmen, die es eigentlich wirklich betrifft, also insbesondere zum Beispiel auch ICT-Player oder sowas, dass die aktiv irgendwo sich daran beteiligen würden und einfach ein bisschen mehr, vielleicht nicht unbedingt experimentieren, aber ein bisschen innovativer sind. Aber was wir häufig sehen ist, ja, es gibt ein paar Firmen, aber das ist immer... Kopfabhängig. Also Innovation findet nicht in Unternehmen statt.

Ich kann in einem Unternehmen Innovation fördern, aber die Innovation wird meistens getrieben durch einzelne Personen. Da ist dann irgendjemand, der sagt, das müssen wir jetzt machen. Und dann haut der mit der Faust auf den Tisch und weil er Käppchenträger ist, kann er es durchboxen und dann wird das im Grunde auch gemacht. Und da würde ich mir wünschen, dass irgendwie mehr Firmen nicht sagen, naja, warten wir mal einfach ab, was denn da passiert.

Und wenn es gut ist, nehmen wir es. Sondern, dass die sagen, naja, nirgends andersrum wird ein Schuh raus. Wenn ihr euch nicht auch mit einbringt oder sowas, dann dauert das alles viel, viel länger. Und im Zweifelsfall geht es irgendwann in die Hose, weil, keine Ahnung, wir haben dann auf einmal ein Schrems 3 und dann haben wir den Salat. Dann haben wir genau die Situation, die ich eingangs beschrieben habe, wo dann jemand sagt, wie, unser DPO hat gesagt, wir können diese Tools nicht

benutzen. Das finde ich jetzt aber nicht gut.

Torsten

Was mich immer so ein bisschen erstaunt zurücklässt, ich habe schon vor Jahren, da war Docker noch in der Null-Punkt-Version, da habe ich auf einem Video von einer Konferenz gesehen, wie die ein komplettes, Rechenzentrum, was auf Docker basiert ist, im vollen Betrieb umgezogen haben, die haben das gezeigt da haben sie so einen Shooter gespielt, zu zweit gegeneinander und während die gespielt haben, die an unterschiedlichen

Stellen auf der Welt saßen das Rechenzentrum ist einmal um die ganze Welt gezogen, Und das hat noch nicht mal geruckelt und das ging damals schon und deswegen wundere ich mich, dass wir immer noch nicht weiter sind, dass wir da nicht entsprechende Standards, Schnittstellen und sonstiges etabliert haben.

Ralf

Ja, aber nochmal, das sind alles innerbetriebliche Abläufe, die da optimiert sind. Das ist eine Docker-Instanz, die ich irgendwo bei mir umgezogen habe. Und bei einer Docker-Instanz, am Ende des Tages ist es einfach nur irgendwo mehr oder weniger so ein Schmalspur-Server oder sowas, der auf einem standardisierten Unterbau läuft. Das hat ja nichts damit zu tun, dass ich irgendwo ein Data-Sharing-Ökosystem irgendwo aufbaue, über unterschiedliche Provider, über unterschiedliche Länder hinweg.

Wo ich insbesondere dann auch noch legale Aspekte und irgendwie automatisierte Verträge und Ähnliches irgendwo berücksichtigen muss. Dann wird es nämlich haarig. Okay.

Torsten

Ich sehe das wahrscheinlich nur zu sehr aus der Techniker-Seite und noch gar nicht von dieser Legal-Seite.

Ralf

Ja, ja. Aber zum Beispiel, ich meine, Cloud-Business ist relativ sticky. Das ist, ja, wie soll ich sagen? Wenn ich meinen Mobilfunk und meinen DSL und meinen Fernsehen und noch ein paar andere Sachen alle bei dem gleichen Provider habe und dann umziehen will, dann funktioniert das manchmal nicht ganz so einfach. Und eigentlich haben wir ja die gleiche Situation irgendwo im Cloud-Business.

Das heißt, ich suche mir irgendeinen Hyperscaler auf und der hat echt supergeile Tools, wir arbeiten alle gern damit und dann ziehe ich da ein und dann wird das größer und irgendwann habe ich ganz viele Daten und wir wissen, die Datenhaltung kostet nichts, aber Daten in Transit, werden echt teuer und wenn ich auf den falschen einen Knopf drücke und irgendwie ganz viel Prozess hier, obwohl ich das eigentlich nicht mehr machen würde, könnte es auch teuer werden.

Und wehe, wehe, wehe, ich will mit meiner ganzen Büchersammlung oder mit meiner ganzen Datensammlung in dem Fall irgendwann mal ausziehen. Dann ist die Rechnung aber direkt wo richtig, richtig dicke.

Torsten

Das ist die klassische Startup-Falle. Die nutzen alle diese coolen Cloud- und Multi-Provider und sonstiges, Hyperscaler und nutzen die ganzen Tools, die sie anbieten. Das ist ja alles cool, das funktioniert alles super klasse, aber wenn die dann mal eine gewisse Größe erreicht haben, wird es richtig teuer und dann kommen sie dort nicht mehr weg, weil sie genau die proprietären Tools benutzen und nicht die gleichstatisierten.

Ralf

Am Ende des Tages geht es eigentlich genau darum, dass ich eben sage, ich habe hier einen technischen Standard, ob der ob da unten drunter jetzt irgendwie, Kubernetes in einer bestimmten Version oder nicht läuft, ist eigentlich egal sogar. Wichtig ist eigentlich ja nur, dass ich meine Sachen irgendwie transportieren und umziehen kann in irgendeiner Form. Und das setzt halt irgendwo Standards voraus. Kein Mensch fragt heute, was ist denn das für ein Access Point?

Ich muss mal gucken, ob der mit dem Wi-Fi von meinem Laptop irgendwo zusammen funktioniert. Ich bin so alt, ich kann mich noch dran erinnern, da war Wi-Fi noch irgendwie PC, MCA, mit einer zigarettengroßen Schachtel als Antenne oben auf den Laptop geklebt. Da, ja, Moment mal, du hast ja auch den falschen, das ist ja, der läuft aber nicht mit unserem Access Point, ja.

Torsten

Jetzt sind wir schon ganz schön weit durch, durch unsere ganzen Fragen, die wir uns mal ausgesucht haben. Was haben wir denn noch vergessen, was du unbedingt noch loswerden willst?

Ralf

Ja, ich überlege gerade, also was wir hatten, ist im Grunde Evolution, also ich glaube, der, der, nee, falsch. Die Ansprüche, die sich GAIA-X mal gesetzt sind, die sind eigentlich nicht nach wie vor valider, wenn nicht noch wichtiger und noch valider, als sie irgendwie vor drei Jahren irgendwo waren.

Wir haben im Grunde die ganze Evolution Gaia-X innerhalb Backstage, was wir alles haben, sprich die Hubs, die sich selbst jetzt irgendwie quasi ein eigenes Handbuch mitgestrickt haben, die ihre eigenen Qualitätsanforderungen haben, weil sie sagen, nein, wir wollen nicht, dass irgendeiner einen Hub aufmacht oder sowas, wenn er das nicht ernst meint.

Memberships haben wir auch, wir haben im Grunde auch so ein bisschen den Call for Action, dass wir sagen, ja, wir wollen schon ganz gern an irgendwo, dass eigentlich mehr Leute irgendwo mitmachen. Vielleicht auch aus Bereichen, die sagen, ich weiß ja gar nicht, ob das was für mich ist. Und ich glaube, das ist vielleicht noch ein wichtiger Punkt.

Also nur um bei GaiaX mitzuspielen, muss man nicht unbedingt irgendwo Hardcore-Admin der alten Schule sein, sondern es reicht eigentlich, wenn man einen guten Use-Case hat. Also es ist vielleicht nochmal ein Aufruf auch so ein bisschen nicht nur an die ICT-Provider-Seite, sondern auch so ein bisschen an die Leute sagen, ich habe da eine Idee, da brauche ich aber Daten von denen und Daten von denen und brauche ich noch ein Tool?

Gibt es da was? Im Zweifelsfall nicht von Razzia Farmen und wer kann mir denn eigentlich dabei helfen?

Torsten

Ja, okay. Vielen Dank, Ralf.

Ralf

Gerne, war mir eine Freude.

Torsten

Danke, dass du bei mir warst. Vielen Dank, liebe Hörerinnen und Hörer, fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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