CIH Bw - podcast episode cover

CIH Bw

Mar 02, 202542 minEp. 212
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Episode description

Der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr ist der „Change Agent“ unserer Streitkräfte. Mit einem diversen Team aus Soldat:innen, Reservedienstleistenden und zivilen Angestellten schlägt es Brücken zwischen der Bundeswehr und der Startup-Welt. Die Vision:„Empowering Innovation in Defence“.

Darüber spreche ich mit Patrick Jeschke.

Kommentare  unter: https://egovernment-podcast.com/egov212-cihbw/


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Transcript

Torsten

Ja, hallo und herzlich willkommen zur 212. Ausgabe des e-Government-Podcast. Ich bin Thorsten Frenzel und ich habe wieder einen Gast bei mir. Hallo Patrick, grüß dich.

Patrick

Hallo Thorsten.

Torsten

Patrick, vielleicht magst du dich ganz kurz vorstellen.

Patrick

Sehr gerne. Ja, danke für die Einladung hierzu. Ja, Patrick Eschke ist mein Name. Ich bin 39 Jahre alt, jung, wie man möchte. Aktuell als Leiter der Bereiche Innovation und Entrepreneurship im Cyber Innovation Hub der Bundeswehr tätig. Ich bin dort hingekommen, unter anderem wahrscheinlich auch aufgrund meiner militärischen Laufbahn, die ich absolviert habe.

Ich war selbst 13 Jahre als technischer Offizier in der Luftwaffe unterwegs, dort im Bereich Lufttransport und durfte dort sozusagen die Bundeswehr eine ganze Zeit lang von innen erleben und erfahren und zumindest in kleinen Teilen auch mitgestalten.

Und bin dann über ein paar andere berufliche Stationen letztlich wieder näher zur Bundeswehr gekommen, nämlich eben zum Cyber Innovation Hub der Bundeswehr und darf in der Funktion und auch aus dieser Organisation seitdem eben jetzt so ein bisschen von außen die Bundeswehr zumindest zu kleinen Teilen mitgestalten, mit verbessern, mit digitalisieren und freue mich, dass ich jetzt heute dir ein bisschen was genau dazu berichten darf.

Torsten

Genau und diesmal ging die Vorstellung natürlich nicht ohne Spoilern, Cyber Innovation Hub, wenn du dort arbeitest. Es geht natürlich heute um den Cyber Innovation Hub und du wirst ein bisschen was erzählen, was der Cyber Innovation Hub ist, was ihr so macht und dann wird vielleicht auch klarer, warum ich jetzt mir jemanden aus der Bundeswehr einlade.

Patrick

Ja, sehr gerne. Das mache ich.

Torsten

Genau. Dann fangen wir doch einfach mit der allereinfachsten Frage an. Was ist das Cyber Innovation Hub?

Patrick

Der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr ist im Grunde genommen die erste digitale Innovationseinheit, die ein deutsches Bundesministerium überhaupt gegründet hat, nämlich schon im März 2017. Und wir sind am Ende des Tages, ja, so bildlich gesprochen, das schnelle Beiboot für die Bundeswehr, um als kleine und agile Organisation letztlich getreu unserem Motto Empowering Innovation in Defense, die Bundeswehr ein Stückchen innovativer zu machen.

Das ist im Grunde genommen unser Auftrag. Das heißt, ganz allgemein gesprochen, irgendwie so den Kulturwandel in der Bundeswehr zu befördern und die Bundeswehr an einigen kleinen Stellen innovativer, schlagkräftiger, moderner zu machen.

Torsten

Also wenn jetzt jemand an Bundeswehr und Innovation denkt, denkt man immer gleich als allererstes an das Naheliegendste an Waffen. Mit Waffenschmiede habt ihr aber nichts zu tun wirklich, oder?

Patrick

Nein, also Waffen und auch Munition sind zumindest bislang nicht in unserem Scope. Was wir machen, ist ganz klar ausgerichtet auf das, was die Bundeswehr das sogenannte Teilportfolio Cyber-IT nennt. Das heißt, digitale Lösungen, alles, was eben im Bereich Cyber, Informationstechnologie etc.

Zu tun hat. Dazu gehört an der einen oder anderen Stelle natürlich immer auch irgendwie die Hardware, das heißt eine Plattform wie eben eine Drohne oder ein Server oder ganz schlicht und ergreifend auch irgendwie Rechner oder Handys. Die sind aber immer nur Mittel zum Zweck und im Grunde geht es um neue Fähigkeiten, neue Dinge, die uns Software liefern kann.

Torsten

Ja, gleich eine organisatorische Frage. Gehört die dann auch zu dieser Teileinheit Cyber- und Informationsraum?

Patrick

Wir gehören nicht dazu, aber wir sind natürlich eng verbandelt. Das heißt, organisatorisch sind wir Teil der BWI GmbH, das heißt des IT-Dienstleisters der Bundeswehr. Dementsprechend auch eine bundeseigene GmbH. Das heißt, wir sind auch Angestellte eben dieser Organisation und dürfen dementsprechend so ein bisschen als externe Einheit, wenn man so will, gemeinsam mit der Bundeswehr gestalten.

Die Teilstreitkraft ist es mittlerweile, Cyber- und Informationsraum ist aber natürlich für uns ein enger Verbündeter, da es genau dort letztlich dann die Aufgabe ist, das, was wir als zeitlich und auch im Umfang begrenzten Innovationsprojekten machen, dann auch dauerhaft in die Bundeswehr zu bringen.

Torsten

Und da haben wir schon direkt den Zirkelschluss geschafft, warum ich jetzt mit jemandem von der Bundeswehr spreche, weil ihr hängt am BWI dran. BWI ist sowas ähnliches wie der IT-Dienstleister von der Bundeswehr, also so ähnlich wie die verschiedenen IT-Dienstleister für die öffentliche Verwaltung, mit denen ich schon gesprochen habe. Und ihr seid die Innovationseinheit von denen.

Patrick

Ganz genau, richtig. Also wir bezeichnen uns super gerne immer als, also wir sind Teil der BWI, ja, aber als eben Innovationseinheit der Bundeswehr, so wie wir das auch im Namen tragen, weil es uns eben ganz wichtig ist, kommen wir vielleicht im späteren Verlauf ja auch noch dazu, dass wir eben auch gar nicht uns als Dienstleister für irgendwen verstehen, sondern tatsächlich als Partner, indem wir unsere Projekte eben nicht nur gemeinsam

entwickeln, sondern auch dann ja gemeinsam durchreiten sozusagen. Also dementsprechend, ja, aus der Truppe, mit der Truppe, für die Truppe und eben nicht von außen irgendwie als jemanden, der was über den Zaun reicht.

Torsten

Und bevor wir über eure Projekte sprechen, würde ich gerne mal wissen, wie funktioniert das überhaupt bei euch? Also kann ich jetzt als Soldat hingehen und sagen, Mensch, ich habe da mal so eine Idee oder von welcher Ecke werdet ihr getrieben oder angetrieben? Wie kriegt ihr Innovation in die Bundeswehr?

Patrick

Also Ausgangspunkt für alle unsere Projekte ist tatsächlich... Der Nutzer, die Nutzerin und das heißt in dem Fall tatsächlich Soldatinnen, Soldaten oder natürlich auch die zivilen Angestellten der Bundeswehr. Das heißt, wir sind nicht nur nutzerzentriert, sondern sprechen auch ganz gerne davon, nutzergetrieben zu agieren.

Das heißt, es ist entweder vielleicht einfach nur auch ein Problem, was so im Dienstalltag oder auch in der Einsatzrealität in der Bundeswehr auftaucht, was dann für uns ein Gangspunkt ist oder vielleicht tatsächlich auch schon eine konkrete Lösungsidee. Und die kommen zu uns auf allen möglichen Wegen.

Also tatsächlich entweder über unsere Homepage, wo es so ein kleines Formular gibt, über einen Telefonanruf oder eine E-Mail, da viele von uns, so wie ich eben auch, einen Bundeswehrhintergrund haben oder vielleicht sogar auch schon noch aktive Soldaten sind. Das heißt einfach da so informelle Netzwerke bestehen.

Wir machen fast jedes Jahr eine Innovation Challenge, in der wir unter einem bestimmten Thema oder fokussiert auf bestimmte Nutzergruppen entsprechend Ideen großflächig auch aus der Bundeswehr einsammeln. Wir finden statt auf vielen Konferenzen und Messen etc., wo wir dann auch mit Soldatinnen und Soldaten ins Gespräch kommen. Also ganz, ganz viele Wege irgendwie, zu denen zu uns neue Ideen kommen. Am Ende des Tages für uns immer so niedrigschwellig wie möglich.

Das heißt völlig bundeswehr- und verwaltungsuntypisch, ohne Antragsformulare, ohne Netz und doppelten Boden, ohne Unterschrift von irgendwelchen Vorgesetzten, sondern gerne auf direktem Wege aus der Truppe in den Cyber Innovation Hub.

Torsten

Aber so lustige Abkürzungen wie beim Rest der Bundeswehr habt ihr bestimmt auch, oder?

Patrick

Natürlich, die gehören dazu, um auch natürlich da ein bisschen Akzeptanz zu finden. Nee, Spaß beiseite. Also natürlich gibt es sie auch und das ist uns so gesehen jetzt auch wichtig. Also es ist uns nicht wichtig, viele Abkürzungen zu haben, aber es ist uns natürlich wichtig, irgendwie auch da verstanden zu werden und die gleiche Sprache zu sprechen, wie es auch die Bundeswehr tut.

Das heißt also, natürlich sind für uns auch alles, was die Bundeswehr an Abkürzungen hat, auch irgendwie tagtägliches Geschäft und gehören auch dazu, was wir so machen. Und sicherlich haben wir die eine oder andere Abkürzung auch selbst ganz gerne erfunden.

Torsten

Wenn ich mir so überlege... In welchen Bereichen findet ihr überhaupt statt? In welchen Bereichen gibt es Innovationen oder schafft ihr neue Lösungen?

Patrick

Also die Bereiche sind letztlich irgendwie recht vielfältig. Ich glaube, wenn wir in die Geschichte des CHBW gucken, also Geschichte klingt jetzt so, aber eben von 2017 bis heute. Sind in den Anfangsjahren eigentlich völlig erratisch, nenne ich es jetzt mal, Innovationsprojekte entstanden.

Also sind es von einem Fahrsimulator, der zum Beispiel umgebaut wurde, zu einem Segelflugsimulator, irgendwie ein recht hardwarelastiges Projekt entstanden, sind irgendwann mal die technischen Ursprünge für eine App entstanden, die sich dann BWChat-Beta-Bundeswehr-Messenger und heutzutage Bundesmessenger nennt. Also dort sind praktisch die ersten Gehversuche auch im Cyber Innovation Hub der Bundeswehr passiert.

Wir haben mittlerweile seit jetzt gut zwei Jahren für uns als Fokus tatsächlich etwas genannt, was wir scharfes Ende nennen. Also das heißt tatsächlich irgendwie, was die Einsatzrealität und mittlerweile eben auch das Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung, was ja leider irgendwie wieder in den Fokus der Bundeswehr gerückt ist, was so Zielrichtung unseres Schaffens sein soll. Was will ich also damit sagen?

Es ist bunt gefächert. Es ist irgendwie von der App bis zu einer tatsächlich sehr hardwarelastigen Lösung bis heutzutage eben ja im Fokus Projekte mit unbemannten Systemen, um das mal so zu nennen, mit KI-Agenten, die in verschiedenen Szenarien zum Einsatz kommen, irgendwie alles so mit dabei. Und, wie gesagt, aber heute sehr, sehr fokussiert. Und da sind wir auch tatsächlich für uns sehr streng, sag ich jetzt mal, was eben auch tatsächlich in dem aktuellen.

Sicherheitsverteidigungspolitischen Umfeld auch wirklich von Relevanz ist für die Bundeswehr und keine, naja, nice to have Lösung, will ich es jetzt mal nennen.

Torsten

Du hattest jetzt schon den Bundesmessenger genannt, die Zuhörerinnen und Zuhörer des eGovand-Podcasts kennt den natürlich, weil der auch in der restlichen Verwaltung um die Bundeswehr rum ziemlich Aufmerksamkeit erregt hat, weil er zum Beispiel für VSNFD befähigt ist, beziehungsweise zugelassen ist. Deswegen wollen wir auf den Bundesmessenger erstmal gar nicht eingehen. Aber ihr habt ja mit Sicherheit noch andere Projekte, die ähnlich angesiedelt sind.

Patrick

Genau, also wir haben, um vielleicht nochmal auch ein älteres Beispiel, was wahrscheinlich zumindest in Bundeswehrkreisen sehr, sehr bekannt ist, aufzugreifen, ist die eToken-App. Die behaupte ich jetzt mal, fast jede Soldatin, jeder Soldat irgendwie auf seinem privaten Smartphone hat, mit dem es eben möglich ist, seitdem kostenlose Bahnfahren in Uniformen ja auch eingeführt wurde, sich damit sozusagen elektronisch E-Tokens zu erzeugen, um dann halt die Bahntickets buchen zu können.

Es ist noch auch eine relativ antiquierte, aber ich nenne es, glaube ich, immer noch recht präsente Anwendung. Innovation, die bei uns entstanden ist.

Torsten

Kannst du da kurz nochmal drauf eingehen, was sind die E-Tokens, wozu brauche ich die? Also du hast schon Bahnfahren gesagt, aber ist das äquivalent zu Geld oder wie funktioniert das?

Patrick

Genau, also ein E-Token ist am Ende des Tages ein Gutscheincode, den man auf der Seite oder eben auf der App der Deutschen Bahn einlösen kann. Und die sind eben zugänglich für alle Fahrten, die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr eben zu dienstlichen Zwecken und in Uniform tätigen. Das heißt, es ist ja jetzt vor einiger Zeit dann entsprechend dieses kostenlose Bahnfahren in Uniform eingeführt worden.

Und die Frage, die sich dann ja relativ schnell gestellt hat, ist, okay, wie setzt man das Ganze denn jetzt um? Anders als es ja bei Polizeibehörden der Fall ist, dürfen Soldatinnen und Soldaten nicht einfach in Uniform einsteigen und haben damit automatisch das Recht, sozusagen dort kostenlos zu fahren, sondern müssen sich trotzdem noch Tickets buchen, die aber eben, ja, 0 Euro kosten mit genau diesen E-Tokens.

Und das ist eben die Lösung. Und das war eine ganz klassische Herangehensweise, dass man eben Listen, die tatsächlich händisch in Geschäftszimmern noch geführt wurden und irgendwie 18-stellige, zufällige E-Token-Codes ausgegeben wurden, die man sich dann gleich irgendwo abgetippt oder abfotografiert hat oder so, ersetzt durch eine digitale Lösung, die am Ende des Tages technologisch weit weg davon ist, in der Raketenwissenschaft zu sein, aber einfach den Dienstalltag

an der Stelle viel, viel einfacher und komfortabler gemacht hat. Und das ganze Verfahren so ein bisschen ins 21. Jahrhundert natürlich auch gebracht hat.

Torsten

Ja, okay, wenn ich an meine Bundeswehrzeit zurückdenke, wir hatten noch diese gelben Tickets, diese gelben Fahrscheine, das war auch einfach.

Patrick

Genau, es war einfach, es wird halt dann, glaube ich, kompliziert in dem Moment, in dem wir 180.000 Soldatinnen und Soldaten, das ist ja so, um und bei die aktuelle Anzahl genau das irgendwie ermöglichen möchte, dann sind Papierlisten vielleicht heutzutage irgendwie immer die allerbeste Idee.

Torsten

Ach, okay, du warst nach mir bei der Bundeswehr sozusagen, du kennst das nicht mehr.

Patrick

Ja, ich war zum Grundwehrdienst 2005 tatsächlich da.

Torsten

Nach mir.

Patrick

Ja, okay.

Torsten

Das waren so gelbe Fahrscheine, die wurden einmal ausgestellt, da wurde dein Heimatbahnhof reingeschrieben und dann konntest du dann kostenlos Zug fahren.

Patrick

Ah, okay, genau.

Torsten

Einfach analoge Lösung.

Patrick

Ja, den kenne ich tatsächlich nicht mehr. Ja, genau. Aber um vielleicht daran jetzt auch nochmal anzuknüpfen. Das heißt, das ist noch etwas, ich nenne es jetzt mal irgendwie eine recht verwaltungsnahe Lösung sozusagen, die aus eben den ersten Monaten und Jahren des CHBW noch stammt. Und mittlerweile, wie ich es eben schon sagte, sind wir sehr auf eben dieses scharfe Ende sozusagen bedacht.

Das heißt, wir haben jetzt eben Innovationsvorhaben, die in der tatsächlich Einsatzrealität der Bundeswehr oder der Bundeswehrangehörigen eben stattfinden. Also um da vielleicht auch mal auf ein ganz konkretes Beispiel irgendwie einzugehen, haben wir jetzt vor einem Jahr begonnen mit einem Innovationsfahnen, was wir Minesweeper nennen. Also coole Namen gehören natürlich auch immer zu den Projekten dazu, das ist ja ganz klar.

Das heißt, da geht es im Grunde genommen darum, die Aufklärung von Minenfeldern im Gefecht zu revolutionieren. Also um das ganz bildlich einmal darzustellen, war die bisherige Lösung, wie eben abgesetzte Kräfte so Minenfelder erkundet haben, ist, dass sie wie was, man muss sich das vorstellen, wie eine lange Stricknadel in der Hand hatten und dann tatsächlich nach bestimmten Mustern im Boden rumgestochert haben, um tatsächlich Minen zu finden.

Jetzt kann man sich vorstellen, dass das Ganze natürlich nicht nur zeitintensiv ist, sondern auch unglaublich gefährlich und insbesondere in einem Szenario, in dem er eben keine Zeit hat und im Zweifelsfall sogar noch irgendwie mit feindlichem Kontakt rechnen muss, das Ganze natürlich super, super gefährlich ist.

Das heißt, was dort zum Einsatz kommt, ist als Plattform ganz praktisch eine Drohne, die als Sensor so einen Magnetometer trägt, also das heißt ein Teil, was eben metallische Gegenstände entdecken kann, die man eben auch im Zweifelsfall nicht sieht, weil sie vergraben sind.

Das Ganze eben dann einmal überfliegt, aufnimmt und die wahre Magie dann eben in der Software passiert, dass eben diese Daten aufbereitet werden und dann auf Zentimetergenauigkeit diese Minenfelder sozusagen auf einmal sichtbar werden mithilfe der Aufklärungsergebnisse. Und nicht nur sichtbar werden, sondern gleichzeitig auch noch verschiedene Routen vorgeschlagen werden, wie man denn eben genau durch dieses Minenfeld durchlaufen kann.

Was natürlich erstmal nicht nur eine Zeiterspartnis ist, sondern auch am Ende des Tages natürlich Leben retten kann. In einem Einsatzszenario, in einem Gefecht, natürlich aber auch weit, weit danach.

Also was wir jetzt ja leider sehen irgendwie ist, dass das Thema Minen ja auch im aktuellen Kriegsgeschehen irgendwie noch ein Thema ist und dementsprechend natürlich auch dann weiterhin ein Thema bleibt, wenn die eigentlichen Kampfhandlungen auch wieder vorbei sind und auch genau dafür ist sowas natürlich irgendwie einsetzbar. Also das heißt, da kommt genau das irgendwie zum Vorschein oder spielt das natürlich auch noch seine Vorteile aus.

Das heißt also da auch tatsächlich ja Minenerkundung, 21. Jahrhundert, alte Technologien und manuelle Verfahren irgendwie abzulösen, ist jetzt ein recht konkretes Beispiel, was wir haben, was wir jetzt sogar auch noch in einem Anschlussprojekt irgendwie fortsetzen werden.

Aber glaube ich, ganz gut widerspiegelt, wie wir von irgendwie ersten Bastellösungen über, ich nenne es jetzt mal irgendwie Verwaltungslösungen hin zu tatsächlich irgendwie, ja, scharfem Ende uns so ein bisschen entwickelt haben.

Torsten

Da möchte ich gerne nochmal ein bisschen tiefer reingehen. Innovation beginnt immer mit irgendeiner Idee oder mit irgendeinem Problem, was gelöst werden muss. Dann fange ich normalerweise an und bastel und baue irgendein Prototypen, den erprobe ich dann, bis ich dann irgendwann einen MVP mache. Aus dem MVP wird es weiterentwickelt und so weiter und so weiter und so weiter.

Wie funktioniert das bei euch? Und vor allen Dingen, wie verstetigt ihr das am Ende so, dass es auch in der Truppe genutzt werden kann?

Patrick

Ja, also Ausgangspunkt ist am Ende, eigentlich könnte ich ganz schlicht sagen, genauso wie du es gesagt hast.

Torsten

Okay.

Patrick

Aber ja, also es beginnt immer, wie wir es vorhin eben schon hatten, mit entweder einem Problem, was jemand sieht, oder einer konkreten Lösungsidee, die schon da ist und mit der wir uns erstmal ausgiebig beschäftigen. Damit beschäftigen heißt für uns, uns erstmal in dieses Problem wirklich reinzuarbeiten. Also wirklich zu verstehen, was ist jetzt das Problem, worum geht es hier tatsächlich, was ist die Herausforderung, die es im Rahmen des Projektes irgendwie auch zu lösen gilt.

Also tatsächlich einfach ins Problem verlieben und das Problem erstmal so verstehen, dass wir das dann am Ende des Tages irgendwie so zuspitzen können, dass wir eine sehr, sehr klare Problemumschreibung haben und dann darauf basierend entsprechend auch eine Lösungsidee entwickeln können.

Diese Lösungsidee ist bei uns auch immer so klein geschnitten oder so klein gedacht, dass wir sie in einem Projekt, so wie wir es heute letztlich avisieren, innerhalb von zwölf Monaten auch zum Leben erwecken können. Das heißt, unser Anspruch ist es, von der Idee bis zu einem abgeschlossenen Experiment an Festhalten, Dokumentieren der kompletten Testergebnisse und dann einem Abschlussbericht, was praktisch so unser Endprodukt ist, im Rahmen dieser Innovationsvorhaben von zwölf Monaten zu kommen.

Jetzt ist die Realität natürlich auch, wir sind da nicht immer innerhalb der zwölf Monate, das dauert in der Regel auch länger. Insbesondere deshalb, weil wir uns natürlich irgendwie auch gerne Zeit lassen, diese Nutzer-Tests vor allem dann halt auch ausgiebiger irgendwie zu machen, um daraus auch genügend Erkenntnisse zu ziehen und zu lernen. So, das heißt aber, in diesem ganzen Prozess ist unser Innovation-Funnel, der relativ strukturiert und ich glaube auch überschaubar irgendwie aufgesetzt

ist. Das heißt, Problem, Lösungsidee. Diese Lösungsidee stellen dann bei uns intern unsere Projektleiter vor. Von einem kleinen Gremium wird das gepitcht. Wir haben dann Idea Review, nennen wir das Ganze. Und in diesem Idea Review machen wir aus der Idee dann ein Projekt. Und ab dann läuft sozusagen, tickt die Uhr zwölf Monate dann runter.

Und dann wird das Problem entsprechend oder dann schon die Lösungsidee entsprechend einmal in eine Leistungsbeschreibung gegossen, die auch wir zu großen Teilen brauchen, um dann entsprechend das Ganze beauftragen, einkaufen zu können. Auch noch ein wichtiger Punkt, wir entwickeln nichts selbst, sondern letztlich suchen wir uns immer Partner aus dem Startup-Ökosystem letztlich, um dort Lösungen zu bekommen.

Das Ganze wird dann beauftragt und so genau umrissen, dann hoffentlich auch schnellstmöglich geliefert, sodass wir das dann gemeinsam mit der Bundeswehr, mit Nutzerinnen und Nutzern aus der Truppe, testen, erproben können. Das ist eben auch ein ganz wesentlicher Kernpunkt unserer Arbeit, dass wir die Innovationen nirgendwo am Schreibtisch machen, sondern tatsächlich dort, wo die Nutzerinnen und Nutzer auch unterwegs sind.

Also das heißt, unsere Projektleiter sind auch eine sehr relevante Anzahl an Tagen pro Jahr auf Brückenübungsplätzen, Standortübungsplätzen und Kasernen irgendwie unterwegs, um das dann auch vor Ort live zu testen. Das heißt, festes Schuhwerk und eine regenfeste Jacke gehören auch zur Pflichtausstattung bei uns. Genau. Und dann wird am Ende des Tages alle das irgendwie festgehalten, dokumentiert, was haben wir dort eingekauft, was haben wir getestet, was sind die Testergebnisse.

Ein sehr, sehr großer Anteil davon ist dann natürlich auch das Nutzerfeedback. Also wie konnten die Soldatinnen und Soldaten damit umgehen? Was sind die Erkenntnisse, die Mehrwert, die sie rausgezogen haben?

Und das ist dann am Grunde genommen der Zeitpunkt, an dem das Ganze dann auch formal von uns übergeben wird in Richtung, was du vorhin schon genannt hast, nämlich der Teilschreitkraft Cyber-Informationsraum, Dort genau das Zentrum für Digitalisierung der Bundeswehr, die dann letztlich unsere Dokumente, unsere Erkenntnisse aufnehmen und sich dann natürlich auch selbst ein Bild machen, aber in der Regel das Ganze dann eben nehmen, um es dann im Bundeswehrdeutsch zu verstetigen.

Das heißt dann tatsächlich auch dauerhaft in die Truppe zu bekommen. Das heißt, wir denken dieses Thema Verstetigung und was kann dann danach passieren, natürlich von Anfang an in den Projekten mit und lassen dann natürlich auch diejenigen, die es nachher in den Beschaffungsprojekten irgendwie begleiten sollen, von Anfang an frühestmöglich dort mitleben. Formal geht es eben nach Abschluss dieses Experimentes dann über, sodass dann irgendwie eine Beschaffung stattfindet.

Und um diesen Zeitraum, der unbestritten da ist, nach Abschluss des Experimentes bis zur Einführung dann zu überbrücken, sind es am Ende des Tages tatsächlich Einzelfalllösungen, also Individualbetrachtungen.

In der Regel haben wir aber dann dort die Möglichkeit, das, was wir im Rahmen dieses Innovationsprojektes erschaffen haben als Prototypen, letztlich irgendwie einfach auch weiter zu betreiben, aufrecht zu erhalten, dass es zumindest irgendwie für eine zeitliche Überbrückung dann noch diese Lösung gibt, die jetzt sicherlich noch keine Goldrandlösung ist und auch sicherlich noch nicht für alle Nutzer, die das gebrauchen könnten, zur Verfügung steht.

Aber es ist was da. Es sind Mehrwerte, greifbare Mehrwerte geschaffen, die dann eben über das eigentliche Innovationsvorhaben, über das eigentliche Experiment hinaus, noch weiter existieren.

Torsten

Also für mich als Verwaltungsmitarbeiter klingt das nach einer hohen Geschwindigkeit.

Patrick

Ja, ist es auch. Also das ist tatsächlich auch unser Anspruch und eine unserer Grundannahmen ist eben, dass das Thema Innovation auch Geschwindigkeit braucht. Also ich glaube, wir erleben ja irgendwie so auch in unserem Umfeld und in allem, was wir so tun, wie schnell eben neue Dinge entstehen und irgendwie neue Sachen aus dem Boden sprießen.

Wir müssen jetzt ja mit großartigen Statistiken um uns werfen, aber irgendwie, wenn man sieht, dass JetGPT im Jahr 2022 fünf Tage gebraucht hat, um eine Million Nutzer zu erreichen, ist das natürlich irgendwie eine wahnsinnig hohe Geschwindigkeit, die dahinter hängt und sicherlich auch ein zentraler Faktor dafür war, dass es heute so weit verbreitet und auch so hoch angesehen ist.

Wenn sich das Ganze irgendwie über vier Jahre gezogen hätte, hätte man wahrscheinlich irgendwann dann auch gesagt, ja, ist jetzt nett, aber so richtig haben wir es doch nicht mitbekommen. Also was will ich damit sagen?

Die fünf Tage sind natürlich ein herrer Anspruch, aber das Thema Geschwindigkeit ist nun mal undrennbar irgendwie mit dem Thema Innovation verknüpft und das ist auch unser Anspruch und da kommt eben auch für uns kommen diese zwölf Monate auch genau dorthin, dass wir sagen, wenn wir das Thema aufgreifen, bis es dann tatsächlich auch schon einen Test etc. Gegeben hat, sollte eben auch kein zu langer Zeitraum dabei oder ja vergangen sein,

weil wir natürlich auch, was wir im Englischen irgendwie diesen Sensor, Urgency nennen würde, genau das natürlich irgendwie verspüren und seit jetzt spätestens irgendwie drei Jahren, ja heute auf den Tag genau. Merken wir es ja noch mehr, wie relevant irgendwie das Thema Geschwindigkeit und wir müssen irgendwie eine Überlegenheit mit innovativen Lösungen schaffen und nicht mit einfach noch größeren Truppen, die irgendwo aufzustellen sind, einfach immer präsenter sind.

Torsten

Aber hält die Truppe und vor allen Dingen auch die Verwaltung der Geschwindigkeit stand?

Patrick

Also für die Relevanten, was heißt Relevanten, für viele Dinge, die dann am Ende dieses Experimentes auch dabei rauskommen und dann auch tatsächlich das aufgezeigte Problem lösen können, würde ich sagen, kommen wir mehr und mehr dahin. Ja, also es wäre jetzt gelogen zu sagen, dass alles, was an Innovationsprojekten letztlich bei uns abgeschlossen wird, dann auch eins zu eins sofort aufgenommen werden kann und in die Beschaffung gehen kann und auf einmal irgendwie alles wunderbar funktioniert.

Also das ist bei weitem natürlich nicht so, aber die Entwicklung geht ganz klar dahin.

Fakt ist aber auch, dass Prozesse, insbesondere die Beschaffungsprozesse, die sich nun mal irgendwie in Friedenszeiten über viele, viele Jahre, ich will fast sagen Jahrzehnte, irgendwie so eingestellt haben, auch heute noch viel zu komplex sind, viel zu aufwendig sind und dementsprechend auch viel zu lange Zeit bedürfen, dass man heute irgendwie das an Innovation tatsächlich auch schnell unbürokratisch, ins System bringen kann, sozusagen.

Torsten

Ja, du hast die außen- und sicherheitspolitische Lage der letzten drei Jahre schon angesprochen. Wenn ich da in Richtung Ukraine schaue, was deren Innovationskraft und vor allem Innovationsgeschwindigkeit angeht, das ist ja Wahnsinn. Also da gefühlt jede Woche kommt eine neue Drohnengeneration an den Start. Spürt ihr das auch bei euch? Gibt es da auch jetzt gezieltere Ideen und Nachfragen?

Patrick

Absolut. Also wir spüren das Aus der Bundeswehr, weil man auch dort natürlich in vielen Bereichen, gerade auch was die operative Tätigkeit angeht, natürlich irgendwie nicht nur auf sich selbst guckt, sondern sehr genau beobachtet, was insbesondere eben auch in der Ukraine passiert. Wir spüren das auch bei unseren internationalen Partnern, die wir haben. Dazu gehören unter anderem eben auch ukrainische Organisationen, die eben genau das, wie du es gerade gesagt hast, irgendwie bestätigen.

Also dass meinetwegen auch neue Software-Versionen für Drohnen, um jetzt mal bei dem Beispiel zu bleiben, innerhalb von zwischen einer und sechs Wochen letztlich irgendwie von einem Software-Release zum nächsten das Ganze irgendwie weiter iteriert. Und das sind natürlich wahnsinnige Geschwindigkeiten.

Da wären wir mit den aktuellen Prozessen wahrscheinlich noch nicht mal dabei, irgendwie den Anforderungskatalog zu schreiben oder würden uns noch über die Gestaltung des Deckplatz wahrscheinlich unterhalten. Also ich sage das jetzt ein bisschen zynisch, aber am Ende des Tages ist das tatsächlich so.

Und ja, also das spürt man auf jeden Fall, dass das so ist, dass es auch bei der Bundeswehr angekommen ist, dieses Bewusstsein, was aber natürlich bisweilen noch nicht in den entsprechenden Prozessen dann auch angekommen ist, um das Ganze dann auch durchsetzen zu können oder umsetzen zu können.

Torsten

Also ich höre da raus, dass ihr auch ein Stück weit daran arbeitet, Innovationen zu standardisieren.

Patrick

Ja, zu standardisieren und ich will es jetzt mal sagen, irgendwie so aus der Nische kann man auch machen, dahin zu holen, dass es einfach Teil des Geschäftes wird. Also ich habe ja vorhin schon gesagt, so der Slogan des CHBW ist ja Empowering Innovation in Defense und den gibt es tatsächlich schon seit dem ersten Tag des Bestehens des Cyber Innovation Hub der Bundeswehr. Was ja dahinter steckt, sagt ja schon, unser...

Mein ehrenhaftestes Ziel ist es, die Streitkräfte, die Bundeswehr selbst zu empowern, diese Innovationen zu machen. Also das heißt, am allerschönsten wäre es, und das klingt jetzt vielleicht so ein bisschen selbstzerstörerisch, aber am Ende des Tages, wenn es uns gar nicht mehr bräuchte, sondern wenn die Bundeswehr im Grunde genommen dieses innovative Denken und Dinge vertesten und schnell auf die Beine stellen, selbst könnte und genau das eben Teil des tagtäglichen wird.

Und dementsprechend, ja, das Ganze eben zu einem, ja, tagtäglichen Normalen wird. Und was wir aber jetzt ja sehen, ist ja tatsächlich, dass man eben an vielerlei Stellen immer noch sagt, okay, wow, da gab es jetzt was ganz Schnelles, es gibt ja schon einen Prototypen. Okay, ja, verrückt, jetzt müssen wir überlegen, ja, wie passt das denn jetzt mit unseren Beschaffungsprozessen irgendwie zusammen?

Und das ist sicherlich irgendwie auch Teil unseres Auftrages, genau das weiterhin natürlich zu machen, Und zu zeigen, aber auch natürlich irgendwie auf solche strukturellen Herausforderungen irgendwie auch hinzuweisen und natürlich auch super gerne dort irgendwie an der Verbesserung irgendwie mitzuwirken, weil auch das gehört natürlich dazu.

Wir sind oder verstehen unsere Organisation natürlich nicht als nur diejenigen, die irgendwie so den Finger irgendwo hinlegen und sagen, da funktioniert es nicht, sondern wir haben mit Stand heute jetzt 186 Innovationsprojekte auf unserer Liste stehen.

Das heißt, wir haben, behaupte ich jetzt mal, schon einigermaßen viel Erfahrung gesammelt und können das ein oder andere durchaus sehr konkret schon benennen oder zumindest ein paar Impulse liefern, was man da irgendwie vielleicht einfacher und schneller machen könnte.

Torsten

Da kommst du genau richtig, was ich gerade fragen wollte. Also aus dem agilen Entwicklungsumfeld kenne ich den Ausspruch Fail Fast, Fail Early. Arbeit ihr ähnlich? Dinge mal ausprobieren und möglichst schnell rauszufinden, ob es funktioniert oder nicht?

Patrick

Absolut. Also fail fast fail. Ich will jetzt einfach mal noch so ein Buzzword reinwerfen, nämlich test don't guess. Und genau das ist es, was wir tun. Also letztlich, habe ich ja schon gesagt, ist Teil jedes unserer Innovationsvorhaben auch dieser Nutzertest.

Und genau darauf läuft es hinaus. Also das heißt, wir sind immer bestrebt, irgendeine Art Prototyp auf die Beine zu stellen, der irgendwie funktioniert, sei es jetzt ein reines Stück Software, Hardware oder eine Kombination davon, um das Ganze tatsächlich zu verproben. Und je schneller wir das tun, und da kommt ja genau die Verknüpfung mit dem Thema Geschwindigkeit wieder, desto eher lernen wir natürlich,

löst das Ganze das Problem oder tut es das eben nicht. Und wenn es das nicht tut, ja, dann brechen wir auch Projekte ab. Wir haben auch Projekte natürlich schon abgebrochen, bevor es überhaupt zu irgendeinem Test kam. Auch das kommt ja vor. Ja, das machen wir.

Die ganz wesentliche und spannende Erkenntnis dabei ist ja, dass egal, ob jetzt ein Projekt irgendwie zu einem sehr frühen Status irgendwie abgebrochen wird, ob so ein Test gemacht wird und wir stellen dann auf dem dritten Übungsplatz auf einmal fest, oje, oje, das irgendwie löst unser Problem ja überhaupt nicht. Oder ob wir das Projekt bis zum Ende irgendwie durchführen, in einen schönen Abschlussbericht packen und dann irgendwo hin absteuern.

Alle diese Projekte liefern einen unwahrscheinlichen Erkenntnisgewinn. Und genau das ist es ja auch am Ende des Tages, was dabei rauskommen soll. Natürlich ist es schön, wenn es funktioniert und wenn am Ende irgendwie eine funktionierende Lösung bei rumkommt. Aber auch wenn es das nicht tut, sind die Erkenntnisse, die wir auf dem Weg bis dahin gewinnen, auch oft sehr, sehr wertvoll.

Torsten

Nach meinem Verständnis sind so die meisten Soldaten eher so praktisch veranlagt, setzen Dinge um, sind so die Anpacker. Trotzdem, wenn ich mir so ein bisschen in so grazilere Gefilde reingehe in Richtung Softwareentwicklung und ähnlichen, wie sind denn eure Projektteams zusammengesetzt? Weil ihr braucht ja mit Sicherheit den Praktischen, der das vor Ort dann anwendet und natürlich auch den denkenden Ingenieur, der sich das Ganze quasi auf einer anderen Ebene durchdenkt.

Patrick

Ja, also ich glaube, auch da kommt, wie wir die Projekte zusammenstellen, glaube ich immer so ein ganz gutes Team bei raus. Also es ist zum einen, wie du es gerade schon gesagt hast, jemand auf Bundeswehrseite, der Nutzer, um den einfach mal so ganz generisch zu nennen, oder auch die Nutzerin, die auf uns zukommt mit einem Problem, mit einer Lösung, mit einer wie auch immer und das Ganze dann am Ende auch irgendwie anwenden und ausprobieren möchte.

Auf der anderen Seite haben wir dann Anbieter, die in der Regel eben irgendwelche jungen Unternehmen, Startups etc. Sind. So kam es ja auch dazu, dass wir in Berlin unser Büro aufgeschlagen haben und nirgendwo anders, weil in 2017 das ja so ein bisschen der Hotspot auch für Startups etc. War, die das Ganze auf technischer Seite wahrscheinlich super gut umsetzen können.

Und wir, das heißt Projektleiter aus dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr, unsere Innovation Manager, wie wir sie nennen, genau als Mittler zwischen diesen beiden Welten sozusagen agieren. Und genau diese Übersetzungsfunktion macht das, glaube ich.

Ja, so erfolgreich, sodass dann am Ende des Tages irgendwie auch eine Lösung bei rumkommt, die sowohl super praktisch anwendbar ist, die auch, und auch das ist Teil unseres Verständnisses und unserer Aufgabe, wir aber dann mit den entsprechenden Schnittstellen schon vordenken, sodass sie dann auch im Zweifelsfall eben an jetzt schon bestehende Systeme der Bundeswehr anschlussfähig sind, dass sie dann vielleicht auch in bestehende

Lösungen, wenn wir jetzt an Software denken, irgendwie integriert werden können. Und auch diese Art von Vordenken und das, ja, nennen wir es mal Stakeholder-Management letztlich, ist auch, was wir in all unseren Projekten jetzt, ja, mittlerweile sehr, sehr strukturiert sozusagen mitdenken, um genau das, was du gesagt hast, einmal zu gucken, okay, wir schaffen jetzt nicht nur einzelne Insellösungen, die vielleicht funktionieren, aber dem großen Ganzen gar nicht dienlich sind.

Und zweitens aber auch, gibt es irgendwie eine Architektur, in der das Ganze am Ende des Tages anflussfähig ist und dann vielleicht ja nach dem Innovationsstatus letztlich auch in eine dauerhafte Lösung überführt werden kann.

Torsten

Jetzt haben wir ja die ganze Zeit über eher so praktische Innovationen gesprochen. Jetzt komme ich aus der Verwaltungswelt und auch die Bundeswehr hat eine Verwaltung. Ist die Verwaltung auch bei euch quasi vor Ort und sagt, Mensch, ich habe da eine Idee, wie könnte es bei uns oder was könnte bei uns da weitergehen? Also ich bin sehr interessiert an so Verwaltungsinnovationen, die man vielleicht auch im Zivilen nutzen könnte.

Patrick

Muss ich sagen, mittlerweile sehr wenig. Also was konkrete Innovationsprojekte angeht, ist es mittlerweile tatsächlich sehr, sehr, sehr, sehr wenig. Insbesondere seitdem wir eben für uns selbst unseren Fokus auf dieses Thema scharfes Ende sozusagen gerichtet haben. Das heißt, das ist tatsächlich irgendwie nicht so wirklich unser Steckenpferd.

Was mit Verwaltung natürlich einhergeht, sind eben Beschaffungsstrukturen etc., die dann ja, sag ich mal, die Anschlüsse an unsere ganz praktischen Projekte sind, mit denen wir uns tatsächlich durchaus beschäftigen, aber jetzt eben nicht im Sinne eines konkreten Projektes, sondern eher eben im Sinne der Anschlussfähigkeit an unsere Innovationsprojekte.

Was wir ja haben, und das war ja auch in einem der letzten Podcasts irgendwie ein Thema, ist dieses Thema OKR, was vielleicht eher ein bisschen auf der theoretischen Management-Seite irgendwie ist, was wir im Rahmen dieses Forum OKR natürlich super gerne irgendwie teilen und auch da unsere Erfahrungen mitgeben. Also das heißt, jetzt nicht im Rahmen unserer eigentlichen Innovationsarbeit, aber alles, was da drumherum passiert.

Können wir vielleicht das eine oder andere tatsächlich da auch noch weitergeben, auch wenn es jetzt nicht direkt irgendwie so unser Kernthema ist.

Torsten

Ja, gerade im Bereich OKR, da seid ihr ja eine Art Nukleus auch für die zivile Verwaltung.

Patrick

Das ist schön, wenn du es so wahrnimmst.

Torsten

Da habt ihr eine gute Community inzwischen aufgebaut, die nicht nur aus Bundeswehr besteht.

Patrick

Genau, also das auf jeden Fall. Und das ist auch super schön zu sehen, dass es da so ein großes Interesse gibt und dass wir da auch damit irgendwie einen kleinen Beitrag zu leisten können.

Torsten

Also ich kann nur anbieten, wenn die Bundeswehrverwaltung Innovation braucht, immer, also die Verwaltung teilt auch gern, also die zivilen Verwaltung.

Patrick

Sehr gut.

Torsten

Jetzt gehen wir mal in die Zukunft. Wie sieht die Zukunft vom Cyber Innovation Hub aus?

Patrick

Ja, die Zukunft sieht hoffentlich aus, dass wir mit den organisatorischen und auch mit den finanziellen Rahmenbedingungen ausgestattet werden, um all unsere Tätigkeiten noch weiter zu skalieren. Wir sind mit Stand heute im Cyber Innovation Hub der Bundeswehr 55 Personen, die mit unserer Innovationsarbeit versuchen, eine Organisation von 180.000 Soldaten und nochmal, ich glaube, 70.000 plus minus Zivilangestellten der Bundeswehr irgendwie da hineinzuwirken.

Alleine an dem Verhältnis merkt man ja schon, dass was wir tun ja leider immer nur so ein bisschen schlaglichtartig sich sozusagen dann auch manifestieren kann. Also das heißt, es ist uns natürlich sehr daran gelegen, das was wir tun auch noch skalieren zu können.

Skalieren heißt in dem Fall jetzt nicht nur einfach das, was wir jetzt schon machen, irgendwie mal fünf tun zu können, sondern skalieren heißt für mich eben uns auch nochmal ganz neue Aufgabenfelder zu erschließen, eben auch sowas wie unsere Nutzertests jetzt eben in einem viel, viel größeren Umfang denken zu können um dann am Ende des Tages auch viel, viel mehr Nutzergruppen zu erreichen.

Weil jetzt müssen wir uns natürlich ganz praktisch irgendwie eine sehr kleine Nutzergruppe aussuchen, mit denen wir dann Dinge vertesten können. Das wäre natürlich schön, das irgendwie für die Bundeswehr auch noch in einem viel, viel größeren Umfang machen zu können, wofür wir natürlich erstmal mehr Menschen brauchen, die unsere Vision teilen, die wir am Ende des Tages auch jetzt ganz praktisch gesprochen bezahlen können.

Und natürlich auch mit den finanziellen Mitteln dann ausgestattet sind, genau das irgendwie tun zu können, sodass wir von jetzt, wo wir mit dem aktuellen Budget so zwischen 20 und 30 Projekten pro Jahr auf die Beine stellen können, das Ganze gerne auch noch viel, viel mehr und viel, viel größer machen können.

Torsten

Bevor wir jetzt so langsam zum Ende dieser Sendung kommen, die Frage, haben wir noch was vergessen? Gibt es noch irgendwas, was dir auf Nägeln brennt, was du unbedingt noch loswerden willst?

Patrick

Ich muss überlegen, was von den vielen Themen. Nein, also ich glaube, hoffentlich sind so die Kernpunkte unserer Arbeit irgendwie dabei rübergekommen. Ich muss sagen, ich freue mich sehr, dass wir jetzt gerade auch in Anbetracht unserer außensicherheitspolitischen Lage in den letzten paar Jahren da tatsächlich auch nochmal eine ganz andere Wahrnehmung irgendwie gefunden haben.

Dass wir auch, und das hoffe ich auch, dass es so schnell nicht abreißt, reges Interesse haben, auch von ehemaligen Soldatinnen und Soldaten, die bei uns irgendwie als Reservedienstleistende irgendwie mitarbeiten wollen, was für uns super, super wertvoll ist und was wirklich toll ist, irgendwie wahrzunehmen.

Also dementsprechend, das will jetzt hier keinen kleinen Aufruf starten, aber wer dazu Lust hat und da einen Hintergrund hat, super gerne, davon profitieren wir, davon profitiert die Bundeswehr ungemein, wenn dort ehemalige Soldatinnen und Soldaten sich irgendwie nochmal mit einbringen.

Gleichzeitig ist mir auch noch ein großes Anliegen zu erwähnen, wir sehen, dass in ganz Deutschland, und ich spreche jetzt mal fürs Militär, weil das so ein bisschen der Bereich ist, in dem ich mir jetzt anmaße, mich auszukennen. Mittlerweile ein wahnsinnig großes Innovationsökosystem entstanden ist.

Also das heißt, wo jetzt im Jahr 2017 irgendwie wir als Cyber Innovation Hub der Bundeswehr gegründet wurden und so das kleine Einhorn irgendwie waren, die dort was getan haben, ist mittlerweile ein wirklich großes und immer größer werdendes Ökosystem entstanden. Die militärische Innovation oder andersrum Innovation für die Bundeswehr und zum Glück aber auch mittlerweile ja für andere Teile der öffentlichen und Bundesverwaltung irgendwie machen.

Das ist super gut und es ist tatsächlich auch super schön, sich da auf verschiedensten Ebenen irgendwie austauschen zu können. Gleichzeitig ist es aber uns auch tatsächlich ein sehr, sehr wichtiges Anliegen, Player, die wir jetzt schon haben und von denen wir wissen, dass es funktioniert, an der Stelle irgendwie auch zu stärken. Also nicht die Anzahl an Marktplätzen irgendwie noch zu vergrößern, sondern bestehende Marktplätze auch noch weiter irgendwie zu stärken.

Das ist, glaube ich, ein wesentlicher Faktor, dass Innovation für die Bundeswehr auch funktionieren kann, dass dann auch diejenigen, die tatsächlich Dinge irgendwie umsetzen können in vielerlei Hinsicht, dann entsprechend auch die Mittel haben, das zu tun und tatsächlich hier auch irgendwie Wirkung zu erzielen, die tatsächlich dann auch bei der Bundeswehr ankommt.

Torsten

Mir ist noch eins eingefallen. Wir haben noch gar nicht darüber gesprochen, wo ich denn noch mehr Informationen über euch finde.

Patrick

Ja, wo findest du mehr Informationen? In diesem Internet findet man mehr Informationen.

Also unter cyberinnovationhub.de findet man unsere Homepage, die, glaube ich, ein ganz guter Einstiegspunkt ist, um erstes Mal auf der Homepage mehr über uns zu erfahren, über unsere Innovationsprojekte zu erfahren, über unser Intrapreneursche-Programm, da haben wir jetzt auch noch gar nicht drüber gesprochen, also indem wir praktisch nicht so sehr auf die technische Lösung gucken, sondern mehr auf die Soldatinnen und Soldaten, um die irgendwie zu fördern,

die weiterzubilden, denen auch finanzielle Mittel an die Hand zu geben, um ihre eigenen Projekte umzusetzen. Auch das ist ein ganz, ganz wesentlicher Teil der Innovationsarbeit, die wir tun. Und dort auch letztlich mehr über unser Forum OKR, über unsere Veranstaltungen etc. etc.

Zu finden. Und dort auch, und das vielleicht auch an alle, die jetzt irgendwie außerhalb der öffentlichen Verwaltung arbeiten und hier trotzdem zuhören, unsere Landingpage als Anbieter, als Startup letztlich zu finden, weil auch der Weg funktioniert natürlich. Wir sind auch immer super daran interessiert, was gibt es denn gerade an innovativen Lösungen so auf dem Markt, die vielleicht auch irgendwie eine militärische Nutzung finden können. Also auch dafür ist es ein super guter Anlaufpunkt.

Des Weiteren, vielleicht ja dann auch in den Shownotes zu finden, letztlich haben wir einen YouTube-Kanal, in dem er sehr plastisch dargestellt irgendwie viele unserer Projekte kennenlernen kann, unter anderem auch das angesprochene Minesweeper. Auf LinkedIn einen sehr aktiven Kanal, in dem wir vieles von uns teilen und über den wir auch super gut erreichbar sind. Und letztlich auch irgendwie über Instagram, auch in vielen bewegten Bildern, in dem man viel von uns mitbekommen kann.

Und ansonsten natürlich auch immer gerne live und in Farbe auf verschiedenen Veranstaltungen oder in Berlin-Morbid.

Torsten

Ja, ich habe es immer noch nicht geschafft, mir euer Cyber Innovation Hub mal anzuschauen vor Ort. Aber ich komme vorbei.

Patrick

Die Einladung steht trotzdem.

Torsten

Ja, ich weiß, ich schieße seit drei Jahren. Ich komme, sobald ich mal wieder da die Möglichkeit habe, in der Nähe zu sein. Also Patrick, vielen, vielen Dank und ich hoffe, euch wird jetzt die Bude eingerannt von den Zuhörerinnen und Zuhörern mit Ideen, die sie bei euch einbringen können.

Patrick

Ich habe nichts dagegen. Immer gerne her damit. Genau das macht uns Freude und genau das bringt hoffentlich für die Bundeswehr dann auch den Effekt, den wir ja versuchen zu erzielen. Also danke dir für die Möglichkeit, auch hier heute ein bisschen was über den Cyber Innovation Hub der Bundeswehr und über unsere Arbeit zu erzählen.

Torsten

Ja, vielen Dank, dass du da warst. Und euch, liebe Hörerinnen und Hörer, vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

Patrick

Bis dann.

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