609: Das crazy! - podcast episode cover
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Summary

Die Moderatoren Cari und Manuel stellen das Jugendwort des Jahres 2025, "Das crazy", vor und erklären dessen Bedeutung als "Allzweckwaffe der Sprachlosigkeit". Anschließend beleuchten sie die komplexen sozialen Erwartungen rund um Gutschein-Geschenke, insbesondere ob der Schenkende zur Teilnahme verpflichtet ist. Eine Hörerfrage zum Leben im Ausland führt zu einer Diskussion über das Verlassen der Komfortzone und die Vorteile neuer Erfahrungen.

Episode description

Wie in jedem Jahr berichten wir in dieser Episode über das Jugendwort des Jahres 2025: "das crazy" – ein Ausdruck, den man immer sagen kann, wenn einem sonst nichts einfällt. Dann beantworten wir eine spannende Hörerfrage: Wann sollte man sich trauen, in ein anderes Land zu ziehen? Außerdem sprechen wir über Erwartungen bei Gutschein-Geschenken und erklären gemeinsam mit Janusz den Ausdruck "da liegt der Hund begraben". Checkst du?

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Intro: Norwegen

Thema der Woche: Jugendwort des Jahres 2025

Thema der Woche: Was ist… ein Gutschein-Geschenk?

Eure Fragen
  • Andrea aus Italien fragt: Sollte ich mein Leben in Italien aufgeben und nach Deutschland ziehen?
  • Hast du eine Frage an uns? Auf easygerman.fm kannst du uns eine Sprachnachricht schicken.

Ausdruck der Woche: da liegt der Hund begraben

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Transcript

Begrüßung und Reisebericht aus Norwegen

Manuel Popanuel. Cari Safari. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit. Sehen wir uns heute nicht. Wo bist du? Ich bin in Norwegen, in der Stadt Bergen. Und ich verstehe auch, warum sie Bergen heißt, denn es gibt viele Berge um sie herum. Ich gehe jetzt mal auf maps.google.com. Das klingt wie ein Product Placement. Entschuldigung, das wollte ich nicht.

Gucke mal, ob ich da schon war, weil irgendwo in der Nähe war ich schon mal. Aber es war nicht Bergen, es war Starwanger. Ja, es ist sehr schön hier. Ich kann dir leider noch nicht viel berichten, da ich gestern erst angekommen bin und … heute den ganzen Tag gearbeitet habe. Aber in der Zukunft werde ich dir wie gewohnt einen Reisebericht.

Bist du denn da zum Arbeiten oder was genau machst du da? Nö, ich bin hier privat auf einer kleinen Norwegen-Tour, aber ich arbeite trotzdem ein bisschen zwischendurch.

Jugendwort des Jahres: Kandidaten

Das nennt man ja, wie nennt man das? Workation. Workation. Genau. Thema der Woche. Kommen wir zu spannenderen Themen, Kari. Es hat schon Tradition. bei uns hier im Easy German Podcast, dass wir jedes Jahr über das Jugendwort des Jahres berichten. Kannst du uns erklären, was ist das, das Jugendwort des Jahres? Junge Menschen sprechen oft anders Deutsch als ältere Menschen oder grundsätzlich gibt es in jeder Gruppe auch eigene...

Sprachliche Spezialitäten, sage ich mal. Das kann es ja auch geben zwischen verschiedenen sozialen Gruppen und zwischen Altersgruppen eben auch. Und um zu sehen, was gerade im Trend ist, wählt Irgendwer, ich weiß gar nicht, wer die Institution ist. Der Langenscheid Verlag. Der Langenscheid Verlag wählt einmal im Jahr oder lässt das.

Jugendwort des Jahres wählen. Und das ist immer ein bisschen peinlich für uns, Manuel, denn wir sind schon lange nicht mehr jugendlich und wir kennen diese Wörter meistens nicht. Genau, also der langen Scheid... bittet einmal im Jahr Menschen zwischen elf und zwanzig Jahren abzustimmen, welches Wort, welches Jugendwort, welcher Slangbegriff

der Jugend in dem Jahr besonders herausstach, besonders wichtig war, besonders häufig benutzt wurde. Danke an unseren Hörer Sebastian aus Vietnam, der jetzt aber in Deutschland lebt, der uns ... daran erinnert hat, dass diese Abstimmung für das Jahr 2025 nun stattgefunden hat. Ja, das habe ich auch in den Nachrichten gesehen. Das hast du sogar in den Nachrichten gesehen. Da bin ich ja mal gespannt, ob du die Wörter …

die gewonnen haben. Also gewonnen hat natürlich nur einen Begriff, aber wir starten mal mit Platz drei. Ich hatte dieses Wort noch nie gehört. Gunen ist auf Platz drei des Jugendwort des Jahres. Weißt du, was dieses Verb bedeutet? G-O-O-N-E-N. Also es ist auf jeden Fall schon mal kein ursprünglich deutscher Begriff, denn auf Deutsch gibt es diese Abfolge nicht.

Man sagt nicht G-O-O-N, wäre auf Deutsch G-O-N, aber es gibt auch kein Doppel-O im Deutschen, ne? Richtig. Eigentlich. Ja, doch, also Doppel-O gibt es schon, das Boot. Ja, okay, stimmt, ja, aber man würde da nicht… Also wenn es Gunen ausgesprochen wird, muss es ja eigentlich aus dem Englischen kommen. Richtig. Da soweit komme ich, Manuel, und jetzt hört es bei mir auf. Ja, also dieses Wort bedeutet tatsächlich …

so wie ich das gelesen habe, exzessive lange Selbstbefriedigung. Oh! Und oder das obsessive Anschauen von Pornos. Echt? Ja. Krass. Und das finde ich leicht deprimierend, dass das ein Jugendwort, also fast das Jugendwort des Jahres geworden wurde. Das ist ja interessant. Ja, gut. Platz zwei, machen wir schnell weiter, ist Checkstu.

Checkst du? Checkst du. Checkst du? Checkst du. Das kann man verstehen. Checken ist ja auf Deutsch und auf Englisch eigentlich die gleiche Bedeutung. Wir sagen auf Deutsch auch, checkst du das, verstehst du das? Aber die Kurzfassung ist dann, checkst du. Aber checkst du kannst du eigentlich immer am Ende des Satzes sagen, wenn du irgendwem was erklärt hast. Checkst du? Checkst du. Und auf Platz 1.

Das würde ich mir natürlich nicht anmaßen, das jetzt selbst hier zu präsentieren, denn das ist die Aufgabe von Susanne Daubner. Da habe ich gleich einen Einspieler für dich. Vielleicht kannst du vorher noch mal kurz erklären, wer diese Frau Daubner ist und warum das Tradition hat. dass sie das Jugendwort des Jahres präsentiert. Ja, also Susanne Daubner ist Sprecherin der Tagesschau, eine der Sprecherinnen der Tagesschau. Und die Tagesschau ist vielleicht...

Die bekannteste Nachrichtensendung in der ARD, im deutschen Fernsehen. Und die Tagesschau ist ja eher, sage ich mal, nicht für Jugendliche gemacht, sondern... schon eher so ein traditionelles Medium, oder? Und ich glaube, dass der Witz darin besteht, dass sie als, sag ich mal, alteingesessene ...

Nachrichtensprecherin, die Jugendwörter spricht. Ich glaube, sie hat das irgendwann mal in der Tagesschau vorgestellt, die Jugendwörter. Und das ist dann viral gegangen, weil das so witzig klang, diese ... Jugendwörter aus ihrem Mund zu hören, während sie ganz förmlich mit Kostüm in der Tagesschau steht. Und jetzt macht sie das jedes Jahr und das ist schon ein Witz geworden. Genau.

"Das Crazy": Siegerwort 2025

Die Frau ist in der deutschen Kulturlandschaft, sage ich mal, die dieses Wort dann auch offiziell präsentiert. Genau. Und hier präsentiert sie also das Jugendwort 2025. Die Entscheidung für das Jugendwort 2025 steht fest. Gewonnen hat das Crazy. Dieser Ausdruck wird verwendet, um zu verdeutlichen, dass etwas krass ist. Z.B. wenn ich jetzt noch eine Rap-Karriere starten würde.

Also was man jetzt nicht gesehen hat hier im Podcast ist, sie setzt sich dann eine Sonnenbrille auf und macht so ein bisschen hippe, coole Handbewegungen. Ja, weil wenn man rappt, muss man auch eine Sonnenbrille tragen. Genau. Also das crazy, Kari, das crazy, oder? Ja, das crazy. Und das ist tatsächlich ein Trend, der bei mir auch schon angekommen ist, dass man in der Jugendsprache einfach …

grammatische Endungen weglässt oder auch ein ganzes Verb. Hier zum Beispiel, man sagt nicht, das ist crazy oder checkst du das, sondern das crazy, checkst du. Das crazy, checkst du. Genau, man verkürzt die Sprache. Zum Beispiel, manchmal benutze ich das auch. Hast du schon mal sowas geschrieben wie … Okay, wo könntest du dich vielleicht mit Freunden treffen und du würdest jemand anderen bitten, da auch hinzukommen? In der Pizzeria und dann würde ich sagen, kommst du auch? Kommst du Pizzeria?

Ah, kommst du Pizzeria, ja. Genau, das kann man mittlerweile sagen, das ist natürlich grammatisch nicht korrekt. Das tut mir immer noch ein bisschen weh, wenn ich sowas höre, aber man hört es tatsächlich, ja. Ja, genau, also ich benutze sowas privat. Aber ich benutze das dann als Witz, weil ich spreche natürlich nicht echt so, aber ich weiß, dass Jugendliche so sprechen und ich finde es eigentlich witzig und cool. Wir beide gehören ja nicht zu den Menschen, die so sehr...

die Sprache so beschützen wollen, dass wir sagen, sie darf sich nicht verändern. Im Gegenteil, wir haben schon immer hier gesagt, Sprache verändert sich jeden Tag und ich finde das faszinierend und spannend. Auch wenn wir selber nicht Jugendsprache sprechen, ich finde manche von diesen Entwicklungen amüsant bis cool. Ja, also zu Das Crazy schreibt die Tagesschau noch, also klar, es bedeutet so viel wie, das ist krass.

Aber es ist auch so eine Art Allzweckwaffe. Man kann es nämlich immer dann sagen, wenn man keine so wirklich passende Antwort hat oder keine wirklich... höfliche oder eine zu ausführliche, auf die der Antwortende aber gerade keine Lust hat oder einfach nur okay. Also man kann das quasi so sagen, wenn man jetzt nicht so richtig weiß, was man jetzt antworten soll, dann kann man einfach

Die Etikette von Gutscheingeschenken

Sagen, das ist crazy. Ja, Kari, wir haben vor einiger Zeit eine neue Sektion eingeführt hier im Podcast, in der wir Dinge definieren. Möchten. Wir hatten, glaube ich, als erstes Segment, was ist ein Geschenk? Und dann hatten wir später noch, was ist Gott? Hatten wir das? Irgendwas mit … Mit Janusz, ja. Genau. Und ich habe heute ein Thema mitgebracht, das passt nicht so ganz da rein. Also es geht wieder um das Thema Geschenke.

Aber ich kann das nicht so ganz zusammenfassen in einem Titel. Ich muss es dir erklären, ich muss ein bisschen ausführen und dann kannst du mir aber sagen … was hier das Richtige und das Falsche ist, eventuell. Also wir definieren nicht ein Wort, sondern ein Phänomen. Ja, genau. Und das Spannende daran ist, dass ich vermute …

dass es kulturell bedingt sein könnte. Da freue ich mich dann auch auf Zuschriften unserer HörerInnen, die das eventuell dann bestätigen können. Okay. Ich muss dich erst mal fragen, hast du schon mal jemandem ein Ticket? zum Geburtstag oder zu Weihnachten, zum Beispiel für ein Konzert oder irgendein Erlebnis. Okay, und hast auch wahrscheinlich schon mal sowas geschenkt bekommen, ein Konzertticket.

Ja. Oder einen Gutschein für ein Restaurant oder so. Ja. Okay. Und jetzt ist meine Frage. Angenommen, wir machen es mal ganz konkret. Du schenkst deiner Schwester Isi … Tickets für … Zum Beispiel Foles hört ihr gerne, ne? Boah, du weißt voll Bescheid in unserem Leben. Ich weiß Bescheid. Okay, also du schenkst ihr zu Weihnachten zwei Tickets für ein Foles-Konzert. Ein sehr realistisches Szenario, Manuel. Und danke für die Idee.

Okay, und dann sagt Isi, vielen Dank, Cari, da gehe ich mit meiner Freundin Paula hin. Ja. Ist das okay? Oder ist das nicht okay? Also … Also ist das auch noch ein realistisches Szenario? Oder würde Easy dann ... zwangsläufig auf jeden Fall mit dir zu diesem Konzert gehen, weil du ihr ja die Tickets geschenkt hast. Ich glaube, das muss ja ich klar machen.

In dem Geschenk. Also entweder kaufe ich zwei Tickets für uns und ich schenke ihr ein Ticket und dann sage ich ihr, hey, hier ist ein Ticket für das Konzert und ich komme übrigens mit. Oder ich schenke ihr zwei Tickets und sage, du kannst selbst aussuchen, wen du mitnimmst. Aber wenn ich mitkommen wollen würde, dann müsste ich mir selber das Ticket kaufen und nicht das ihr schenken, damit sie mir das zurückschenkt. Das macht ja keinen Sinn.

Okay, und du würdest dann auch sozusagen nur ein Ticket überreichen und dann sagen, hier ist ein Ticket und übrigens, ich gehe da auch hin. Also wir werden uns da wahrscheinlich sehen, wenn du Lust hast. Ich auch, wenn, dann würde ich mit ihr natürlich gehen und wahrscheinlich würde ich in diesem Szenario vorher mitsch.

fragen ihren Mann, ob er auch mitkommen will, damit wir gar nicht erst den Konflikt haben, wen sie jetzt mitnimmt, sondern ich kaufe dann mir ein Ticket und ich sage mit, ich schenke das easy. Willst du auch mitkommen, dann kaufe ich direkt drei und du gibst mir das Geld für dein Ticket. Ein anderes Szenario. Janusz schenkt dir zum Geburtstag einen Gutschein für ein Nobelrestaurant. Oh ja.

Und dann, das ist, was weiß ich, was kostet ein Nobelrestaurant? 200 Euro. Und er schenkt dir diesen Gutschein und dann sagst du vielen Dank. Ich gehe da jetzt mit. Jemand anderem hin. Mit Manuel. Ja, oder mit mir. Ja. Ist das realist, ist das okay oder ist das nicht okay? Na, ich würde natürlich ihn als erstes fragen. Es kommt ja auch darauf an, was es für eine Aktivität ist. Wenn ich weiß, dass er gerne mit mir essen geht, lade ich ihn natürlich ein. Und wir sind ja auch verheiratet.

Aber ist das ein Zwang? Also in dieser Frage, in diesem Segment geht es mir heute darum, wenn man jemandem sozusagen Tickets oder einen Gutschein schenkt. Kann man das quasi zur Bedingung machen, dass man selbst mitkommt oder nicht? Ist das dann kein Geschenk mehr? Also das ist eigentlich, was ist ein Gutscheingeschenk? Ja genau, was ist ein Gutscheingeschenk? Ja, ich weiß nicht, ob man das so allgemein beantworten kann, Manuel. Ich würde sagen, das hängt wirklich von der Situation ab.

Und bei manchen Sachen, also wenn es sich jetzt kompliziert gestaltet, ich würde sagen, bei Ehemann und Ehefrau ist es relativ einfach, aber du meinst vielleicht eher sowas wie, ich schenke dir zwei Kinogutscheine. Damit du mit irgendwem gehen kannst. Aber ich sag schon mal, ja, ich kann ja mitkommen, wenn ich Zeit habe und dann ist aber irgendwie …

Es ist schwierig für uns einen Termin zu finden und ich traue mich nicht, den Gutschein jetzt an jemand anders zu geben, weil irgendwie haben wir da so halb drüber gesprochen, dass wir zusammen gehen können. Das fände ich, glaube ich, anstrengend. Bist du in so einer...

In so einem Gutscheinzwang, Manuel. Nee, jetzt nicht ganz konkret aktuell, aber ich habe tatsächlich in meinem persönlichen Umfeld festgestellt, dass es mehrere Situationen gab, wo … Menschen, die in Deutschland groß geworden sind, das ganz normal fanden, dass sie sozusagen Tickets verschenken, übrigens inklusive mir, dass sie das normal fanden, Tickets zu verschenken.

Und das quasi aber zwangsläufig oder gedacht ist als eine gemeinsame Aktivität, während in zumindest den USA das scheinbar … nicht üblich ist, sondern wenn überhaupt das, was du gesagt hast, dass man nämlich ein Ticket verschenkt, aber dann sagt, hey, übrigens, ich gehe da auch hin. Und wenn du Lust hast, können wir auch zusammen gehen. Aber dass das so gar kein Zwang ist und dass es auch total okay ist, zum Beispiel seinem Partner oder seiner Partnerin Konzerttickets zu schenken, auch zwei.

Und die Person dann aber sich jemand anderen aussucht, mit dem sie da hingeht. Was? Und das finde ich ja interessant. Und dann war ich aber erst, glaube ich, weil ich ja eben in Deutschland groß geworden bin. fand ich das ganz komisch, aber dann habe ich zurückgedacht an unser, was ist ein Geschenk, als wir das diskutiert haben. Und da war, glaube ich, Teil meiner Definition, dass ein Geschenk nur dann ein Geschenk ist, wenn es eben ...

kein Zwang ist. Also wir hatten damals das Beispiel, dass du, wenn du jemandem ein Bild malst und schenkst und dann aber erwartest, dass die Person sich das aufhängt, Dass das dann eigentlich kein Geschenk mehr ist, sondern ein Arbeitsauftrag eher. Und in gewisser Weise ist das mit den Tickets ja auch so. Also wenn man damit nicht machen darf, was man will, dann ist es irgendwie auch kein Geschenk mehr. Das stimmt.

Gut, sehr interessant. Mich würden wirklich mal eure Perspektiven aus den verschiedenen Ländern und Kulturen interessieren. Schreibt uns mal einen Kommentar. Wie verschenkt ihr oder bekommt ihr Tickets bei euch zu Hause?

Sollte man ins Ausland ziehen?

Eure Fragen. Kari, wir haben eine Frage von Andrea aus Italien bekommen. Hallo Kari und hallo Manuel. Ich bin Andrea, ich komme aus Italien und ich bin 24 Jahre alt. Und ich befinde mich vor einer sehr schwierigen Entscheidung. Und zwar, was soll ich mit meinem Leben machen? Im Sinne von meinem Werdegang. Weil, wie ihr vielleicht schon weißt, in Italien ist...

Die Lage ist super gut und viele Leute, viele junge Menschen wie ich, entscheiden sich, das Land zu verlassen, in der Hoffnung, ein besseres Leben im Ausland führen zu dürfen. Aber das ist natürlich schwierig, weil man dann alle... hinter sich lassen, als alle die Freunde, die Leute, die man hier hat, auf die man sich verlassen kann. Ich würde gerne einen Tipp für heute.

bekommen, was soll ich mit meinem Leben machen? Soll ich für eine Zeit lange im Ausland gehen und dann zurück zu meiner Familie kommen und soll ich einfach mein Herzen zuzuhören? Weil ich denke manchmal... kann auch sein, dass wir uns nicht zu trauen, Erfahrungen zu machen, weil wir die Komfortzone nicht lassen möchten. Ich würde mich freuen auf eure Antwort. Tschüss! Wow. Ja, Kari, du kannst...

Das Leben von Andrea jetzt hier heute in dieser Episode eventuell maßgeblich beeinflussen. Ich sage das nur so halb im Scherz. Also ich war ja auch ein Austauschschüler zum Beispiel in den USA, als ich 17 war. War ich zum ersten Mal lange weg von zu Hause und im Ausland und das hat mein Leben doch geprägt in vieler Hinsicht. Ja, und ich war nie richtig lange Zeit im Ausland, wahrscheinlich aus dem anderen Grund, weil ich immer dachte, ach, ich habe eigentlich…

Ich bin glücklich und habe mich auch nicht immer ganz getraut. Ich hatte aber immer ein großes Interesse an anderen Ländern. Und ich würde aber sagen, keines ist richtig falsch. Also ich finde… Also man, ich bereue das jetzt auch nicht, dass ich erst mit 30 Jahren aus Münster weggezogen bin zum Beispiel, weil ich bin in der Zwischenzeit viel gereist und ich bin genau dann umgezogen, als ich das Gefühl hatte, okay, jetzt brauche ich eine Veränderung.

Und das ist auch okay. Aber tatsächlich, ich bin damals nicht längere Zeit ins Ausland gegangen, wie viele meiner Freunde, auch weil... Es mir gut ging in meiner Komfortzone. In Münster hatte ich alles, meine Familie. Mit Janusz war ich ja schon zusammen, als ich im Studium war und ich habe dann tatsächlich nicht so ein...

Auslandssemester oder so gemacht und habe so ein ganz bisschen das immer bereut, habe es aber immer mit anderen Reisen kompensiert. Also wir sind ja auch ständig irgendwo hingefahren. Mal bin ich alleine gefahren, mal mit Janusz und ich habe schon das Gefühl, dass ich

sehr viel Erfahrung in anderen Ländern gemacht habe. Und du hast das Gegenteil gemacht, Manuel. Du hast jede Chance genommen, abzuhauen. Du warst ein Jahr in Polen, ein Jahr in Mexiko, ein Jahr USA und dann noch eine Weltreise für zwei Jahre. Ja, und in der Schweiz habe ich auch noch länger gelebt. Und ich glaube, du hast recht, man sollte auf keinen Fall sich gezwungen fühlen oder Leute dazu zwingen.

irgendwie im Ausland zu leben oder ins Ausland zu gehen. Aber ich glaube schon fest daran, dass das für die meisten jungen Menschen eine sehr große Bereicherung ist, so eine Erfahrung mal zu machen. Selbst wenn...

vielleicht auch nicht alles gut läuft. Also ich kenne auch viele Leute, die hatten ein Austauschjahr, das erst mal so aus der Nähe betrachtet ... nicht gut war, wo Dinge schiefgelaufen sind, wo sie ganz krasses Heimweh hatten, wo sie keine Freunde gefunden haben, also wo es erstmal keine gute Erfahrung war.

Und die dann aber trotzdem meistens in der Distanz gesagt haben, ich habe so viel gelernt in dieser Zeit, ich bin so viel erwachsener geworden, so viel selbstständiger geworden, ich habe mein eigenes Land besser verstanden dadurch. Also meistens... ist es am Ende dann trotzdem eine positive Erfahrung. Und deswegen würde ich allen empfehlen, die so auf der Kippe sind. So klingt das für mich bei Andrea.

Irgendwie reizt es mich, mal ins Ausland zu gehen, aber ich traue mich nicht so richtig oder es ist halt einfach außerhalb meiner Komfortzone. Da würde ich... immer empfehlen, das mal zu versuchen. Wenn man jetzt von Italien nach Deutschland zieht, ist das ja auch nicht zwangsläufig eine lebenslange Entscheidung. Man kann ja auch nach sechs Monaten oder einem Jahr

wieder zurückziehen in der Regel. Klar, mit Job und so weiter ist das auch ein großes Projekt, aber man kann das, wenn man das riskieren kann, wenn man in der Lage ist, das zu riskieren, dann würde ich es auch riskieren. Absolut. Da würde ich dir voll zustimmen, Manuel. Und ich würde es vielleicht in so einer Situation als Experiment betrachten. Ich würde sagen, vielleicht kann Andrea sich einen Zeitraum aussuchen.

der realistisch ist, dass man zum Beispiel sagt, okay, ich gehe für sechs Monate, ich gehe für ein Jahr und ich verspreche mir, dass ich so lange durchhalte, auch wenn es vielleicht schlecht ist oder auch wenn es vielleicht wenn ich Heimweh habe und dann habe ich dieses Jahr gemacht und dann kann ich zurückgehen und dann zu entscheiden, weil vielleicht ist alles super und du freust dich total und du merkst, das tut dir gut und dann gehst du halt.

Dann bleibst du vielleicht noch länger oder du gehst nach einem Jahr zurück und sagst, okay, das war aber auch eine Erfahrung wert. Und so mache ich immer, wenn ich irgendwie eine schwere Entscheidung habe, versuche ich einfach Sachen als ... Experiment zu sehen und daraus zu lernen. Und ich muss dir auch zustimmen, Manuel, dieses Thema die Komfortzone verlassen, das ist etwas, was mich auch schon ...

lange beschäftigt und ich hatte viel zu lange auch viel zu viel Angst vor Sachen. Also ich habe zum Beispiel immer noch auf langen Reisen Und wenn ich lange nicht reise, dann wird das schlimmer. Also als wir nach Covid, nach der Covid-Zeit zum ersten Mal wieder gereist sind, nach, du erinnerst dich, wir sind zusammen gereist, nach Ägypten, dann in die USA, nach Mexiko.

Da hatte ich auf den ersten Reisen richtig Flugangst und so allgemeine Reiseängste und dachte, was ist, wenn jetzt jemand krank wird? Dann sind wir in Mexiko. Und das habe ich aber überwunden dadurch, dass wir einfach gefahren sind und wir waren dann ja tatsächlich krank. Wir hatten zum ersten Mal Covid in Ägypten und dachten, ach, das ist alles doof, aber es war am Ende gar nicht so schlimm.

Redewendung: Da liegt der Hund begraben

Und meine Ängste sind dann auch deutlich weniger geworden, dadurch, dass ich es einfach gemacht habe. Cari, mein Vater, Janusz Amerski, hat mich besucht. Letztes Wochenende. Manuel, immer, immer wenn du sagst, mein Vater, da habe ich kurz so eine Überlegung, wer ist nochmal dein Vater? Das ist lustig, das sagt mir Esti auch ganz oft, wenn ich sage … Mein Papa hat das und das gesagt, dann muss ich immer überlegen, warte mal, habe ich...

Habe ich den Vater von Manuel schon mal kennengelernt? Und dann fällt dir ein, ach, das ist ja Janusz. Und dann sagt sie, dass wir beide in ihrem Kopf, also Janusz und ich, in ihrem Kopf so mental so weit voneinander entfernt abgespeichert sind. Weil wir so unterschiedlich sind, dass das immer eine Sekunde dauert. Das ist auch so. Ihr seid schon ein lustiges Vater-Sohn-Pärchen, muss man schon sagen. Ja, jedenfalls hat mich Janusz Hamerski besucht.

Und wir haben über alles Mögliche gequatscht. Und da ist mir aufgefallen, dass Janusz wirklich sehr, sehr, sehr gutes Deutsch spricht mittlerweile und einen Ausdruck benutzt hat, aktiv. den ich jetzt, glaube ich, noch nie so aktiv benutzt habe. Es ist aber ein super Ausdruck, den sollte man können und benutzen.

Ich weiß gar nicht mehr genau, worüber wir da gesprochen haben, aber jedenfalls erzählte er irgendeine Geschichte und dann kam er zum Kern der Geschichte, hat gesagt, das ist das, worum es eigentlich geht. Und da hat er gesagt. Aber wo der Hund begraben liegt, ist da. Und damit habe ich diesen Ausdruck im Grunde schon erklärt. Also wo der Hund begraben liegt oder man sagt auch manchmal.

da liegt der Hund begraben, bedeutet so viel wie, das ist der Kern des Ganzen, das ist die Essenz, das ist das Wichtige. Oder das eigentliche Problem. Ja, das eigentliche Problem. Man sagt, glaube ich, nicht so oft, wo der Hund… begraben liegt, sondern man sagt, ha, da liegt der Hund begraben. Ich glaube, wenn man jetzt zum Beispiel über ein Thema spricht und es ist ein bisschen diffus, man versteht nicht so ganz den Grund.

Oder die Ursache und dann diskutiert man das aus und dann kommt man auf den echten Grund. Und dann würde man sagen, da liegt der Hund begraben. Und woher kommt dieser Ausdruck, Manuel? Ich habe ein bisschen recherchiert. Es ist nicht ganz hundertprozentig geklärt, aber eine Theorie kommt mal wieder aus dem Mittelalter.

Und zwar hat man damals tatsächlich noch manchmal Schätze begraben, also verbuddelt unter der Erde. Wenn man einen wertvollen Schatz hatte, Gold, Diamanten, was auch immer, hat man die irgendwo verbuddelt, damit die ... hoffentlich keiner findet. Und dann hat man zusätzlich angeblich manchmal einen schwarzen Hund dort vergraben, weil der Aberglaube so war, dass das den ...

Schatz sozusagen geistig schützt, also dass das eine abschreckende Wirkung hat und ja, dass das sozusagen diesen Schatz nochmal zusätzlich beschützt. Wirklich? Und das... Würde dann also bedeuten, da, wo der Hund begraben liegt, wenn man das weiß, dann weiß man auch, wo der Schatz begraben liegt.

Das macht dann ja so ein bisschen Sinn, dass man dann heute sagt, das ist hier das Wichtige oder die Lösung. Aber wie gesagt, es ist eine Theorie. Es ist nicht hundertprozentig geklärt. Ihr könnt euch einfach merken. Wenn ihr sagen wollt, hier, das ist das eigentliche Problem der Sache, dann sagt ihr, da liegt der Hund begraben. Manuel, mittlerweile ist Janusz reingekommen.

Und ich wollte das nochmal aus seinem Mund hören. Janusz, kannst du mal für unsere ZuhörerInnen das Sprichwort nochmal sagen, das du Manuel gesagt hast? Und zwar, da liegt der Hund begraben. Ja, da liegt der Hund begraben. Und wo hast du dieses Sprichwort gelernt? Wieso kennst du dieses Sprichwort überhaupt? Weil ich vielleicht 40 Jahre in Deutschland lebe. Und mittlerweile eine Attitude auch habe.

Genau. Und Manuel sagt, er hat dieses Sprichwort noch nie benutzt, du aber schon. Liegt das daran, dass du so viel gelesen hast, Janusz? Na, ich weiß es nicht. Wenn du 40 Jahre in einem Land lebst, dann kennst du allen Scheiß im Grunde. Super. Guckt, das lohnt es sich doch weiter Deutsch zu lernen. Irgendwann könnt ihr dann Ausdrücke benutzen, die nicht mal Muttersprachler...

Benutzen. Und was ich aber zum Beispiel nicht kenne, aber so eine leise Ahnung habe, da läuft der Hund im Pfeffer. Da liegt der Hase im Pfeffer. Da liegt der Hase im Pfeffer, genau. Das bedeutet das Gleiche eigentlich. Bedeutet das Gleiche. Es ist unfassbar, wie viele Sprichwörter wir haben, wo wir selber keine Ahnung haben, wo das herkommt. Wir sagen das einfach nur.

Und es ist auffallend, wie oft Deutsche beim ganz alltäglichen Sprechen, wie oft sie Sprichwörter benutzen. Ständig. Als Redewendungen. Deswegen erklären wir die hier. Peu à peu, nach und nach, immer als Ausdruck der Woche. Da ist schon wieder eins. Peu à peu, Manuel. Jetzt wird es ja französisch. Französisch, genau. Little by little, peu à peu. Stück für Stück erklären wir euch hier die Deutschen.

Vorschau auf die nächste Episode

Sprichwörter. Cari, nächste Episode haben wir ein Video für euch, eine Video-Episode mit Gast. Das heißt, da könnt ihr euch schon drauf freuen. Die gibt es dann am Dienstag. Genau. Könnt ihr auf YouTube. Schauen oder natürlich hören. Wollen wir nicht sagen, was das ist? Kannst du machen, klar. Wir haben nämlich Rieke zu Gast. Sie ist Psychiaterin in Deutschland und wir werden über das Thema mentale Gesundheit sprechen.

Die Mitglieder von uns wissen das schon, denn wir haben euch um Fragen gebeten und wir werden dann also eure Fragen beantworten, eine ganze Sendung lang. Fantastisch. Bis dann. Bis dann, Manuel. Tschüss. Ciao, Cari.

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