631: Stimmen aus dem Iran - podcast episode cover
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Summary

Cari und Manuel widmen sich den aktuellen Protesten im Iran und teilen persönliche Nachrichten von iranischen Hörer*innen, die die Verzweiflung und den Wunsch nach Aufmerksamkeit verdeutlichen. Sie beleuchten die brutale Reaktion des Regimes und die Rolle internationaler Medien. Anschließend diskutieren sie das wichtige Thema der "Nachrichtendiät" – wie man sich informiert, ohne von der Flut negativer Nachrichten überwältigt zu werden, und welche Rolle soziale Medien und persönliches Engagement dabei spielen können, um optimistisch und handlungsfähig zu bleiben.

Episode description

In dieser Episode sprechen wir über die Proteste der letzten Wochen im Iran und teilen einige bewegende Nachrichten von iranischen Hörer*innen, die in Deutschland leben. In unserem Thema der Woche sprechen wir über unseren Umgang mit Nachrichten: Was ist die richtige Nachrichtendiät? Wie informieren wir uns? Und wie schafft man es, optimistisch zu bleiben?

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Darüber redet Deutschland: Proteste im Iran

Thema der Woche: Unsere Nachrichtendiät

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Transcript

Begrüßung und Hörerstimmen zum Iran

Hallo Manuel. Hallo Kari, was ist da los? Ich höre dich sehr laut und sehr windig. Ach ja, ich habe gefiffen ins Mikrofon. Ja Manuel, willkommen zurück. Zu einer neuen Episode des Easy German Podcasts, heute remote. Remote, wie sagt man das auf Deutsch? Aus der Entfernung, so wie früher zu Corona-Zeiten. Von zu Hause. Wir sind beide heute, nee, ich bin zu Hause, du bist im Büro, weil ich leicht am Kränkeln bin, leicht verschnupft. Ich wollte dich nicht anstecken, Manuel, ne?

Ja, da habe ich schon mit Erik heute Morgen im Büro darüber gesprochen, dass wir das sehr sozial und verantwortlich von dir finden, dass du zwar einerseits arbeitest, obwohl du kränkelst. Also kränkeln ist so eine Vorstufe von krank sein, oder? Man ist so ein bisschen krank, aber dir Sorgen machst, andere Leute anzustecken.

Ich bin so in dieser Phase, wo du merkst, also zum Beispiel, du hast Halsschmerzen, der Geschmack im Mund ist anders, der Kopf ist ein bisschen zu, du merkst, dass du krank wirst. Und ich kenne dieses Gefühl, ich weiß, dass es dann meistens schlimmer wird und in dieser Phase ist man ja hoch ansteckend, Manuel. Und deswegen dachte ich, ich bleibe besser zu Hause, aber ich fühle mich auch eigentlich nicht so schlecht mit.

Nach Schmerztablette geht's schon. Das ist jetzt kein ärztlicher Rat, sondern das ist deine persönliche Entscheidung und dein persönlicher Lifestyle. Richtig, genau. Darüber redet Deutschland, Manuel. Worüber redet Deutschland aktuell? Über viele Dinge. Aber vor allem natürlich über das, was jetzt schon seit einigen Wochen im Iran passiert. Mit Sicherheit redet nicht nur Deutschland darüber, sondern das ist auf der ganzen Welt ein Nachrichtenthema.

Und wir haben auch von euch gehört, ich weiß gar nicht, ob das so... Ob das alle wissen, denn wir teilen ja unsere Statistiken nicht öffentlich, aber wir haben wirklich enorm viele HörerInnen und auch ZuschauerInnen im Iran. Wir haben eine große Community im Iran. Von denen haben sich viele auch bei uns jetzt gemeldet. Genau. Und das ist auch der Grund, einer der Gründe, warum wir heute über die Situation im Iran sprechen. Es ist Teil der Situation.

der Verzweiflung in der Situation, dass die Menschen Hilfe suchen. in aller Welt Aufmerksamkeit suchen und so haben wir auch sehr viele Nachrichten bekommen von unseren HörerInnen auf Instagram, per E-Mail. Und sogar per Sprachnachricht. Und ich dachte, wir lesen mal ein, zwei vor, bevor wir in das Thema einsteigen, Manuel. Unter anderem haben wir eine Sprachnachricht bekommen.

Hallo Kari, hallo Manuel, ich heiße Hanni, ich bin 25 und wohne seit 4 Wochen in Deutschland, bin ganz neu hier. Und was ich euch heute sagen möchte, ist eher eine Aussage, nicht eine Frage. Und seit über zwei Wochen gibt es Proteste im Iran gegen die Islamische Republik. Und seit einer Woche ist das Internet im Iran abgeschaltet.

Und auch die Mobilfunke funktioniert im Iran auch nicht. Ich persönlich habe nichts von meiner Familie und von meinen Freunden, von meinen Verwandten gehört. Und ich weiß nicht, wie es ihnen geht. Es wird geschätzt, dass über 12.000 Menschen in nur zwei Tagen von dem Regime getötet sind. Und wir brauchen euch, die Menschen, die eine Stimme haben, dass...

Die Stimme vom Iran zu sein. Wir brauchen euch. Wir brauchen eure Stimme. Wir brauchen, dass die Welt weiß, was gerade im Iran passiert. Danke für euren Podcast. Das war die Stimme von Hani und auch Amin hat uns geschrieben. Er schreibt, hallo Kari und Manuel, in Iran findet derzeit eine Welle von Protesten und Widerstand statt.

Viele junge Menschen gehen auf die Straße, um für Freiheit, Gerechtigkeit und ein würdevolles Leben zu kämpfen. Doch in den letzten Tagen wurden zahlreiche Demonstrierende getötet und verletzt. Gleichzeitig wurde das Internet landesweit stark eingeschränkt oder komplett abgeschaltet. Millionen von Menschen haben keinen Zugang zu Informationen, können keinen Kontakt zu Freunden und Familien aufnehmen.

Die Welt bekommt nur sehr wenig davon mit. Und wir bitten deshalb die internationale Öffentlichkeit, Medien und Menschenrechtsorganisationen nicht wegzuschauen. Manuel, was passiert denn aktuell im Iran?

Lage der Proteste im Iran

Ja, angefangen hat das Ganze vor mehreren Wochen mit einem Protest in Teheran, im Teheran großen Markt. Da ging es eigentlich... um den Anstieg des Dollarkurses und um die extrem hohe Inflation, über 60 Prozent Inflation. Und die Händler dort... haben angefangen zu protestieren, einfach weil die Lage, die wirtschaftliche Lage so prekär verzweifelt war. Und das ist dann ähnlich wie auch in früheren.

Protestbewegungen im Iran schnell umgeschlagen in einen generellen Protest gegen die Herrschaft der Islamischen Republik. Ja, und eben die zentrale Forderung, dass dieses Regime, dieses totalitäre Regime abtritt. Und ja, am Anfang hat der Präsident noch beschwichtigt, hat Wirtschaftsreformen versprochen, aber als... er dann gemerkt hat oder die Regierung gemerkt hat, dass das nicht aufhört, sind sie umgestiegen auf wirklich extrem.

harte Repressionen. Also man merkt, dieses Regime hat Angst, abgesetzt zu werden, zu verlieren gegen diesen Aufstand. Und wir haben es ja jetzt gerade schon in den Nachrichten gehört. Es wird wirklich mit absoluter Gewalt und Härte vorgegangen. Es gibt Massaker, es gibt Scharfschützen in den Straßen oder gab es vor allem während den aktiven...

Protesten und nun gibt es eben sehr viele von diesen Schnellprozessen, Hinrichtungen und insgesamt sind es Es ist schwierig, da die genauen Zahlen zu beweisen, aber es sind mindestens viele tausende Tote, die da jetzt sozusagen in den Protesten selbst oder im Nachgang durch diese Bestrafungen... gestorben sind. Und dazu kommt eben dieses komplette Abschalten aller digitalen Kommunikation, Internet, Handynetz, zum Teil wurde, glaube ich, sogar das Satellitenfernsehen.

oder verhindert. Also das ist eine beispiellose Brutalität dieses Regimes. Und ja, das ist also die Situation. in der sich der Iran derzeit befindet. Ich muss sagen, dass ich die Menschenrechtslage im Iran schon seit Jahren verfolge, auch vielen Accounts folge. Und trotzdem ist es irgendwie für mich unvorstellbar, was da passiert. Ja, wir haben ja auch damals bei dem Tod von Massa Amini in 2022 schon über das Thema gesprochen.

Das war so der erste große Aufstand oder die erste große Protestwelle im Iran, seit wir diesen Podcast gestartet haben, glaube ich. Und damals hatten wir ja auch schon...

Darüber gesprochen, wie sehr uns das auch persönlich bewegt. Ja, genau. Ich meine, wir sind keine politischen Analysten. Wir können jetzt da wenig vielleicht erzählen über die... aktuellen Entwicklungen oder was passieren kann, aber ich finde es, also was ich mitbekomme, was ich sehr beeindruckend finde, ist mit wie viel Mut die Menschen die dort unterwegs sind, ob das Mut ist oder Verzweiflung. Es hängt ja oft auch eng zusammen.

Das ist auch das, was wir persönlich hören aus unserem Umfeld. Wir haben ja auch Leute in unserem Team aus dem Iran. Wir treffen viele von euch auch unterwegs immer wieder und reden darüber. Es ist irgendwie für mich unvorstellbar. Ich war noch nie im Iran und ich muss sagen, die ganzen Geschichten, die ich höre, das ist so ein bisschen wie aus einer anderen Welt, vor allem, wenn man sich dieses Regime vorstellt.

Dieses extrem repressive Regime, was ja fast gar keine Freiheit zulässt für die einzelnen Menschen, also komplette Unterdrückung eigentlich. Die Menschen können sich nicht frei ausdrücken, ob das jetzt in allen möglichen Formen ist. Wir haben viel über die Freiheit von Frauen gesprochen, was glaube ich auch ein zentraler Punkt ist und in den früheren Protesten ein zentraler Punkt.

Und gleichzeitig, also wenn man sich das vorstellt, dass es dieses Regime gibt mit diesem ultrakonservativen, repressiven Staat. Das ist im totalen Widerspruch zu den Menschen, die ich aus dem Iran treffe. Also die vielen IranerInnen, die wir immer wieder treffen, sind alle so... lieb, so gebildet, so wunderbare Menschen, die… Weltoffen. Ja, und das passt für mich überhaupt nicht zusammen. Und ja, deswegen, weiß nicht, habe ich…

Also ja, das ist einmal so das Gefühl, was ich persönlich habe, wenn wir euch treffen und uns mit euch unterhalten. Das, was ich auch höre oder gehört habe in einem Podcast zu diesem Thema, ist, dass dieses Regime, dieses ja … islamistische Regime eigentlich nur noch 10 bis vielleicht maximal 20 Prozent Unterstützung in der Bevölkerung hat. Also ich glaube, dieses Gefühl, das wir haben, natürlich lernen wir auch

vor allem die Exil-IranerInnen kennen. Aber dieses Gefühl, dass jetzt die meisten Menschen im Iran dieses Regime nicht mehr unterstützen, ist, glaube ich, schon akkurat. Ja, und die Frage ist natürlich,

Wie mit Leid umgehen?

Was kann man dagegen machen? Was können auch wir tun? Es ist extrem schwer. Vielleicht können wir nochmal von einer Hörerin vorlesen. Das ist eine Nachricht auf Englisch. wie sie sich damit fühlt hier in Deutschland. Weil ich glaube, ja, es ist schwer vorzustellen, was vor Ort passiert, jetzt gerade auch mit dieser neuen Dimension.

das Internet, das Fernsehen, das alles abgeschaltet ist, dass man einfach gar keine Möglichkeit hat, Kontakt aufzunehmen. Und auch die Menschen hier vor Ort leiden natürlich. Und vielleicht ist das einfach etwas, woran ihr denken könnt. Wenn ihr Menschen aus eurem Umfeld habt, die aus dem Iran kommen. Und die Frage ist natürlich, was können wir tun? Soll ich mal ein bisschen auf Englisch vorlesen, Manuel? Oder ist Englisch hier doof im Podcast? Nein, das ist okay. Lies mal die Nachricht vor.

Ja, was ich interessant fand, sie schreibt, We are constantly doom-scrolling, reading horrible news and watching gut-wrenching videos. Then we put the phone down, go out into the normal world where ordinary things happen, attend lectures, do eight-hour shifts, attend meetings at our offices. The mind is dissociated. Dieses Gefühl, das kennen glaube ich einige Menschen. Ich habe es schon von...

mit vielen Menschen darüber gehört, die aus Krisenregionen kommen. Es ist, glaube ich, immer schwierig zusammenzubringen, wenn man in einer funktionierenden Gesellschaft lebt und zu Hause alles auseinanderbricht. Und diese Situation können wir natürlich nicht ändern, aber ich denke, wir können zumindest uns informieren, darüber sprechen und dem Thema Aufmerksamkeit geben. Und ich finde es irgendwie...

Sehr beeindruckend, dass das auch genau das ist, was die Exil-IranerInnen machen. Es gibt ja viel Support denen, die auch leisten. Ich habe gesehen von ... die versuchen über Videokonferenzen, wenn sie denn möglich sind, Verletzten vor Ort zu helfen. Aber auch eben diese Aufmerksamkeit, das Probieren, die Aufmerksamkeit zu bekommen, leider.

Gibt es die ja nicht immer, aber die finde ich auch enorm. Wie viele Nachrichten wir allein bekommen haben und wir sind ja ein Sprachlern-Podcast. Das finde ich irgendwie stark, dass die Menschen sagen, okay, ich versuche jetzt alles zu machen, was ich tun kann. Und wenn das nur ist, darüber zu sprechen und dafür zu sorgen, dass andere darüber sprechen. Ich habe noch eine Filmempfehlung, Kari. Sie hat nicht direkt etwas mit den derzeitigen Protesten zu tun, aber…

Sie gibt einen kleinen Einblick in das Leben im Iran und die iranische Kultur. Und das ist der Film Ein einfacher Unfall. Auf Englisch heißt er It Was Just An Accident. Ich war gestern spontan im Kino und habe ihn mir im Kino angeschaut, gestern Abend, von Jaffa Panahi, ein Regisseur, der... schon viele Filme im Iran gemacht hat und auch schon dafür im Iran im Gefängnis saß. Also dafür, dass er Filme gemacht hat, ohne dafür die Erlaubnis vom Regime zu haben.

Und auch wegen dieses Films wurde er bereits zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Er ist aber, soweit ich das weiß, nicht im Iran. Wirklich toller Film. Ich kann es nur empfehlen, also in jeder Hinsicht sehenswert und gleichzeitig jetzt in der aktuellen Lage hat es mir geholfen, mich ein bisschen näher dran zu fühlen. Das ist ein gutes Beispiel, was man tun kann. Sich beschäftigen und auch Kultur konsumieren aus dem Land. Das unterstützt ja auch dann zumindest die Künstler, die solche...

Sachen machen. Was kann man noch machen? Kari, ich weiß es nicht. Das ist vielleicht eine Frage an euch, an unser Publikum. Es ist wie mit allen Krisen auf der Welt. Man weiß manchmal nicht, was man tun kann persönlich. Richtig. Vielleicht ist das ein guter Übergang zu unserem nächsten Segment.

Das Konzept der Nachrichtendiät

Ja, so ein bisschen vielleicht passend zu der Nachrichtenlage und zu dem, worüber wir jetzt gesprochen haben, ist unser Thema der Woche. Wie gehen wir persönlich? mit Nachrichten um, mit dem Weltgeschehen und mit den schlechten oder beängstigenden Nachrichten oder den Krisen in der Welt. Wie gehen wir damit um? Tja, Manuel, das ist eine gute Frage, die wir auch immer wieder fragen uns diese Leute, fragen uns verschiedene Leute diese Frage und ich muss sagen,

Ich glaube, die Antwort ist eine gute Balance und die muss wahrscheinlich jeder selbst finden. Ich finde beide Extreme nicht gut. Also ich finde es nicht gut, wenn man... Jetzt die Nachrichten ganz abschaltet, kenne ich auch einige Leute, die sagen, ach, kann man gar nicht mehr gucken, Nachrichten, ja. Aber was ist denn die Lösung? Ignorieren, was in der Welt passiert und nicht mehr mitbekommen?

Das habe ich schon tatsächlich so als Tipp gehört von einigen Influencern, die sagen, ja, gar keine Nachrichten mehr lesen und sich auf das eigene positive Tun fokussieren. Das finde ich aber ist für mich... Nicht die Lösung, aber auf der anderen Seite muss man eben auch aufpassen, so schrecklich die Nachrichten sind, dass man sich nicht komplett vereinnahmen lässt von den Nachrichten. Und was heißt Vereinnahmen?

Ja, wenn man die Kontrolle verliert, wenn es einen komplett einnimmt, wenn dann nichts anderes mehr wichtig ist. Es gibt ein Wort, das… ich sehr hilfreich finde, nämlich das Wort Nachrichtendiät. Also Diät, das Wort Diät, bedeutet umgangssprachlich ja oft, ich bin auf Diät, bedeutet ich

esse bestimmte Dinge nicht oder so, damit man dann Gewicht verliert zum Beispiel. Aber eigentlich bedeutet Diät ja alles, was man isst. Also wenn ein Arzt sagt, erzähl mir mal über deine Diät oder über deine tägliche Diät. möchte der Arzt wissen oder die Ärztin, wovon ernährst du dich? Und wie bei einer wirklichen Diät, wie bei dem, was wir essen, da kommt es ja auch auf eine Balance an.

Wenn man nur Süßigkeiten isst, ist das schlecht. Wenn man nur Brokkoli isst, wird man auch nicht glücklich und wahrscheinlich auch nicht gesund. Doch. Ich weiß, Steve Jobs hat mal jahrelang nur Äpfel gegessen. Es gibt solche Extrembeispiele vielleicht, aber ich glaube, wie du schon sagst, es kommt auf die richtige Balance an. Und das ist für mich persönlich ein Thema, an dem ich arbeite.

richtige Nachrichtendiät. Denn ich war schon ziemlich viele Jahre auch ein Nachrichten-Junkie, sagt man ja umgangssprachlich, und habe wirklich mehrmals am Tag ein oder zwei Nachrichtenseiten. neu geladen, um zu gucken, ist irgendwas Neues gerade passiert. Und da habe ich mittlerweile gemerkt, dass mir das nicht gut tut. Und bevor wir weitermachen, würde ich sagen, ist es vielleicht noch wichtig zu sagen, das, was wir jetzt besprechen. gilt

Nicht für Menschen, deren Familie sich in einer akuten Krise befindet. Also wenn meine Familie jetzt im Iran wäre, dann würde ich jetzt auch nicht über eine Nachrichtendiät nachdenken. Dann willst du natürlich alles mitbekommen und in Kontakt bleiben. Aber sprechen wir mal über die Leute, denen es eigentlich gerade gut geht im persönlichen Umfeld, aber die trotzdem darüber nachdenken wollen, okay, ich interessiere mich für die Welt.

Mich macht das betroffen, was in anderen Regionen passiert. Vielleicht auch, wenn ich keine persönlichen Bezüge habe. Wie viele Nachrichten sind da gut? In Klammern schlechte Nachrichten. Das Komische an Nachrichten ist ja auch. dass wir oft nur über schlechte Nachrichten reden. Das finde ich auch schon mal eine interessante Feststellung. Ich verfolge mittlerweile mehrere Newsletter, die versuchen, gute Nachrichten zu finden.

Also sich nur auf gute Nachrichten zu fokussieren und ich finde es völlig verrückt, dass es dann, also dass das so separiert wird, dass man sagt, okay, dann machen wir mal einen Good News Letter. Den hast du, glaube ich, schon mal empfohlen. Das ist so ein Newsletter von der Süddeutschen, kann das sein? Ja, von der Zeit. Es gibt auch einen von Spiegel. Ich glaube, jeder Magazin hat so ein Newsletter. Aber ich finde die mittlerweile …

Also ich finde das irgendwie komisch, dass das ein separiertes Produkt ist. Warum gibt es nicht auch in unseren normalen Nachrichten gute Nachrichten? Also wäre ja irgendwie schön, wenn wir das...

Wenn wir da auch eine gewisse Diät hätten, oder? Das stimmt, das stimmt. Aber ich glaube, das ist so verwurzelt in der Art und Weise, wie wir Nachrichten machen als Menschheit. Also ich glaube, das ist auch... Über alle Grenzen hinweg ist das so, dass die Nachrichten sich auf die Krisen und auf die schwierigen und schlechten Sachen und dann so die...

Die positiven Durchbrüche, klar, wenn es jetzt einen Durchbruch gibt in der Krebsforschung und jemand bekommt einen Nobelpreis dafür, dann ist das schon in den Nachrichten. Oft auch eher so als Randnotiz. Also das hat dann nicht das gleiche Gewicht wie die negativen Seiten, das stimmt. Ja, auf der Staats- oder die Top-Nachricht unter den guten Nachrichten in dem Newsletter diesen Sonntag. war, in Berlin haben wieder alle Haushalte Strom.

Wo ich so dachte, ja, ist das jetzt eine gute Nachricht, dass wir dafür fünf Tage gebraucht haben? Ja, das ist eigentlich eher ein Follow-up zu einer schlechten Nachricht, würde ich sagen. Das ist ja jetzt keine inhärent gute Nachricht.

Persönliche Strategien im Nachrichtenkonsum

Ich persönlich habe für mich im Moment entschieden, das ändert sich auch immer ein bisschen, dass ich versuche, nicht mehr jeden Tag so eine Nachrichtenseite neu zu laden. Also ich habe früher sehr viel Spiegel online. Und die sind über die Jahre hinweg auch immer ein bisschen reißerischer geworden. Die sind nicht mehr so neutral oder … Reißerisch, was bedeutet das? Das ist so eigentlich das wie …

Clickbait auf YouTube machen die in den Artikeln. Also wenn man etwas besonders anteasert mit besonders scharfen Worten, das ist reißerisch. Genau. Es ist schon auch immer noch eine seriöse Nachrichtenquelle. Aber was ich eben mag, ist die sehr fast emotionslose und neutrale Art, die die Tagesschau hat. Und der Fakt, dass sie 15 Minuten nur ist.

Für viele, die uns zuhören, ist das Level vielleicht zu hoch, aber für mich persönlich ist das das, was ich jeden Tag konsumiere, jeden Abend. Und dann gibt es einen Podcast, den haben wir schon oft hier empfohlen und wir hatten auch einen der beiden. Hosts hier schon mal zu Gast und das ist die Lage der Nation. Kommt in der Regel einmal wöchentlich und das ist dann eben lange. Das sind dann manchmal drei Stunden.

Und da habe ich das Gefühl, kann ich tiefer in die Themen einsteigen. Aber dieses Doomscrolling, das versuche ich, also dieses ständige Aktualisieren und Scrollen, das versuche ich bei mir wirklich jetzt abzustellen. Wie ist es bei dir? Finde ich gut, Manuel. Ich denke auch, was also grundsätzlich weißt du ja schon, dass sich alle

Push-Notifications in meinem Leben ausgestellt habe, ist egal, ob privat oder Arbeit. Und das gilt auch für Nachrichten. Das ist mal das Erste, was ich empfehlen würde, wenn ihr das noch nicht gemacht habt. Ich glaube, es ist nicht... immer wichtig, dass man direkt in dem Moment alles weiß. Es sei denn, man muss sich jetzt wirklich in diesem Moment über eine Region informieren. Dann ist es natürlich was anderes.

Ich erinnere mich, dass ich irgendwann, ich glaube der Moment, wo ich dann gesagt habe, so jetzt gehe ich in die Einstellung und mache das, war, als ich eine Push-Nachricht bekommen habe, dass irgendwo in... dass Nepal, glaube ich, ein kleines Flugzeug mit fünf Leuten abgestürzt ist. Es ist natürlich tragisch, aber ist es trotzdem in dem Moment für mich nicht relevant. Warum soll ich das jetzt direkt wissen?

Und da habe ich dann gesagt, okay, ich mache alle Nachrichten aus und ich muss nicht direkt wissen, wenn was passiert. Ja, und vor allen Dingen dieses Beispiel zeigt, finde ich, diese fehlende Balance. Also wir haben ja, es gibt Bürgerkriege, es gibt Kriege, es gibt so viele Bereiche und Themen, die quasi normal geworden sind, wo so viele Menschen zu Schaden kommen und sterben. Und so ein Flugzeugabsturz ist aber halt irgendwie spannend. Das ist so etwas, das hat ja fast was von einem Film.

Und das ist dann vielleicht auch so ein bisschen reißerisch. Also das wollen die Leute sofort erfahren, weil es halt auch irgendwie Entertainment ist. Aber sollte das so sein, eigentlich nicht. Ja, genau. Und man kann sich da auch die Frage stellen, was ist das Verhältnis? Also ich bin selber, würde ich sagen…

Manchmal betroffen von Flugangst, auch weil ich nicht so oft fliege. Aber der Grund, warum wir Angst vorm Fliegen haben, ist, dass wenn es ein Unglück gibt mit Flugzeugen, dann wird darüber wochenlang... Ich meine, vielleicht auch, weil es so außergewöhnlich ist, aber gleichzeitig in meinem Kopf habe ich Angst vorm Fliegen, aber ich habe keine Angst vorm Autofahren oder Fahrradfahren, obwohl statistisch…

Also obwohl das statistisch viel relevanter ist für meine persönliche Gefahrenlage. Und da müssen wir, glaube ich, auch aufpassen, dass sich nicht unser Bild von der Realität verzerrt durch Nachrichten. Auf der anderen Seite sehe ich auch dieses Thema, was wir jetzt aus dem Iran hören, dass schlimme Sachen passieren, die viel Aufmerksamkeit brauchen.

wo Leute einfach Angst haben, hey, es gibt nicht die richtige Aufmerksamkeit. Das ist ja ein großes Thema für viele Menschen in der Welt und deswegen reicht mir manchmal eben nicht. nur die Tagesschau, ob das jetzt die Website ist oder die Sendung, weil die dann doch immer noch sehr oberflächlich ist und ich finde es auch schwierig auf sozialen Medien in dieses ...

in diese Gewohnheit des Doomscrollings zu kommen, eine schlechte Nachricht nach der anderen. Aber ich finde es auch wichtig zu sehen, was dort passiert. Ja, es hat alles so zwei Seiten. Also ein anderes Beispiel. Ich versuche, meinen Social-Media-Konsum zu verringern.

Und gerade eben keine Nachrichten darüber zu konsumieren. Aber andererseits so etwas wie das, was gerade in den USA passiert, wo eine Frau ... von einem Eisagenten ermordet wird, was früher vielleicht gar keine Aufmerksamkeit gefunden hätte, aber heute dadurch, dass Menschen Smartphones haben, das Geschehen aufnehmen aus verschiedenen Blickwinkeln und das über Social Media verbreiten und darüber dann eine Protestbewegung entsteht.

Das hat ja wieder was Positives. Und das ist ja auch genau das, was im Iran versucht wird zu unterdrücken, indem man das Internet ausschaltet. Also es ist alles nicht so schwarz und weiß. Also es hat auch schon eine gute Seite. die Dinge über Social Media eine Aufmerksamkeit finden. Ja, und auch viele einzelne kleine Momente dadurch die Möglichkeit haben,

viel Aufmerksamkeit zu erreichen oder sogar Proteste auszulösen. Und da ist Social Media einfach riesig. Und das zeigt ja auch irgendwie die... Armseligkeit und die Verzweiflung des iranischen Regimes, dass sie einfach das Internet abschalten. Ja, die haben Angst. Die haben richtig Angst. Wie viel Angst kann man vor Informationen haben?

Optimistisch bleiben und aktiv werden

Das ist halt krass. Kari, du bist ein wahnsinnig optimistischer und gut gelaunter Mensch. Sag uns noch allen... denen das manchmal schwerfällt, wenn man in so ein Loch fällt, aufgrund der Nachrichten und der Weltgeschehnisse. Wie schaffst du das? Ja, ich glaube, dass wir alle das versuchen müssen. Wie gesagt, die von uns, die jetzt nicht gerade persönlich betroffen sind, wenn deine Familie im Krieg ist, dann kannst du auch nicht immer OptimistInnen bleiben. Aber ich glaube...

Also ich habe schon so das Gefühl, dass ich eine Verpflichtung habe, mich zu informieren und auch mich einzusetzen. Aber natürlich habe ich auch eine Verpflichtung mir gegenüber. gesund zu bleiben, auch mental gesund zu bleiben und deswegen denke ich, ist die Balance wichtig. Für mich hilft es, wenn ich Nachrichten nicht nur konsumiere, sondern vielleicht auch was beitragen kann. Ich weiß, dass es...

Man hat oft das Gefühl, dass man hilflos ist, aber genau das ist auch das Gefühl, was einen, glaube ich, überwältigt. Und wenn man da rauskommt und denkt, okay, ich bin aber nicht ganz hilflos, ich habe eine Stimme. Und die Stimme kann auch sein, dass ich bestimmte Inhalte konsumiere, teile, dazu beitrage, dass sie Aufmerksamkeit erhalten oder aber auch dann selber aktiv werde.

indem ich Organisationen beitrete, spende, zu Demonstrationen gehe. All das mache ich, nicht jede Woche, aber so wie ich es kann. Und ich glaube, da kann... jeder was machen und dann hat man auch das Gefühl, dass man nicht ganz so hilflos ist, finde ich. Wenn ihr im Iran seid und trotz aller Sperren das hier noch hören könnt und trotz der aktuellen Lage, dann

Wisst ihr hoffentlich, dass wir an euch denken und euch natürlich unterstützen. Alle Menschen im Exil, die in Deutschland und in anderen Ländern leben, natürlich genauso. Und wenn ihr Ideen habt, Gedanken habt, zum Thema Nachrichten wieder mit umgehen, dann könnt ihr uns einen Kommentar schreiben auf easygerman.fm. Und ich habe noch einen letzten Tipp, den packe ich in die Show Notes, Manuel. Es gibt zumindest in Berlin und auch in allen anderen Städten in Deutschland, glaube ich, Seiten in...

Berlin ist das von der Polizei Berlin. Eine Übersicht mit Versammlungen im Land. Es gibt wahnsinnig viele... Demonstrationen und Menschen, die sich einsetzen. Guck mal, ich sehe hier gerade eine Demo, die fand gestern in deiner Straße statt, Manuel. Wow. Und da kann man sich einfach informieren und auch mal hingehen. Und es gibt dieses Wochenende zum Beispiel in Berlin mehrere Demonstrationen.

Aus Solidarität mit den Menschen im Iran. Und da kann man auch hingehen, wenn man keine Freunde im Iran hat. Ich war vor ein paar Jahren, als es die großen Demonstrationen gab in Berlin, auch teilweise alleine bei den Demonstrationen. Und das war irgendwie auch ein schönes Gefühl, einfach mitzulaufen, ohne dass ich mich jetzt da groß auskenne. Und das kann man auch machen, wenn man einfach ein bisschen Solidarität zeigen möchte. Kari, ich wünsche dir eine gute Besserung.

Danke. Und wir hören uns in der nächsten Episode wieder. Das machen wir, Manuel. Bis bald. Bis bald. Ciao.

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