¶ Ankunft Istanbul und die Idee der Zugreise
Hallo Manuel. Hallo Kari. Und herzlich willkommen schon wieder von einer Dachterrasse mit einem unfassbar schönen Blick. Ja, endlich, endlich bist du da in der letzten Episode. war ich schon in Istanbul und habe mit Rawat ein sehr interessantes Gespräch geführt. Und du warst etwas verspätet, denn du bist mit dem Zug angereist. Richtig, Manuel. Ich wollte mal ein richtiges Abenteuer begehen und hatte tatsächlich zehn Stunden Verspätung. Zehn Stunden Zugverspätung.
Ja, ich würde sagen, wir fangen mal ganz vorne an. Okay. Ach Manuel, bevor wir anfangen, lass uns erstmal den Blick genießen. Vielleicht kannst du uns beschreiben, wo wir hier eigentlich sind. Ja, wir sind über den Dächern. von Istanbul. Wir schauen auf den Bosporus und neben uns ist ein anderes Dach und dort werden Fotos gemacht.
Da kann man, wenn man möchte, wird einem da, glaube ich, ein Kleid geliehen. Ich beobachte das schon seit mehreren Tagen. Und jeden Tag werden Fotos gemacht, in der Regel von jungen Damen. die immer die gleichen Kleider tragen. Deswegen vermute ich, die Kleider sind Teil des Fotoshoots. Und dann werden dort die Möwen, das sind ja diese Vögel, die hier am Meer… Wann hört sie vielleicht auch jetzt? Vielleicht hört man sie. Sie werden gefüttert, damit sie auf den Fotos im Hintergrund rumfliegen.
Das ist wirklich unglaublich. Man nennt das Flying Dress Photoshoot. Ich wusste gar nicht, dass es das gibt. Unser Sponsor heute hier. Nein, also das… ist keine Marke. Ach, das ist, so heißt das Konzept. Genau, man geht da hin und geht auf das Dach.
Und da gibt es auch verschiedene Sachen, die man machen kann in einem Kleid. Es gibt auch eine hängende Schaukel und es gibt ein großes Herz. Ich habe eben von unten noch andere Sachen gesehen. Für mich wäre das nichts, weil ich möchte nicht, dass so viele Vögel… so nah an mir vorbeifliegen. Ja, Manuel. Und weißt du, was eigentlich der Grund ist, warum wir hier in Istanbul sind? Also wir haben ja schon mal vor einem Jahr ungefähr...
gedacht, vielleicht fahren wir mal nach Istanbul, haben aber dann diesen Plan wieder ad acta gelegt. Ah ja, zu den Akten. Also erst mal wieder beiseite gelegt. Genau, wir haben dann gesagt, ja, ist nett, aber uns haben auch nicht so viele Leute geschrieben und wir dachten, okay, machen wir später nochmal Istanbul. Und dann, ich habe ja immer so… Abende, wo ich YouTube-Videos gucke. Du auch? Ich gucke YouTube meistens zum Mittagessen. Wirklich?
Ja, ist nicht gesund, aber … Ich habe manchmal so Abende, wo ich einfach nur alleine bin und schöne YouTube-Videos gucke. Ich habe ein paar Kanäle, die ich wirklich liebe. Da gucke ich mir schöne Reisevideos an. Und dann habe ich irgendwas gesehen mit einem Titel namens The Longest Train of… Ich glaube, es war The Longest Train… I Took The Longest Train of America. Und ich dachte, cool, gucke ich mir an, ich liebe ja Zugvideos. Und dann habe ich…
einfach mal angefangen zu googeln, was ist denn eigentlich der längste Zug Europas? Also nicht die Länge des Zuges, nicht wie viele Waggonen. Der Zug ist wahrscheinlich auch lang, aber die Strecke, wie lang ist die Zugstrecke? Genau, wobei es gibt verschiedene Interpretationsmöglichkeiten. Man kann sagen, der Zug dauert lange, weil er sehr langsam ist. Man kann auch sagen, was ist die längste Strecke. Kilometer.
Oder Meilen? Mir war es eigentlich egal, ehrlich gesagt. Hauptsache eine Superlative. Hauptsache ist es ein guter YouTube-Titel. Und dann habe ich bei Reddit gesehen, es gibt eine Zugverbindung von Österreich. Bis kurz vor Istanbul nach Edirne in der Türkei. Kari denkt nur noch in YouTube-Titeln. Was mache ich in meinem Leben? Hauptsache, die Leute klicken drauf. Es ist lustig.
Aber wahr. Und wahr. Aber ich muss sagen, das ist der Teil von meinem Job, den ich einfach liebe. Content, Content, Content. Ihr wisst das sowieso schon. Ich liebe es, mir neuen Content auszudenken. Liebe ich fast noch mehr. als ihn dann umzusetzen, weil ich finde diese Idee faszinierend, dass du, du kannst dir eine Idee ausdenken.
Und sie dann umsetzen. Und sie dann umsetzen. Ich finde, das ist die absolute Freiheit meines Lebens, dass etwas, was in meinem Kopf entsteht, dann in ein Projekt oder in ein Video wird. Und die Idee, dass wir jetzt hier sitzen, ich muss sagen, das finde ich schon fast...
¶ Recherche und Buchung des Optima Express
Ja. Unfassbar. Jetzt fangen wir mal vorne an. Also, Österreich, hast du gesagt. Da beginnt diese Zugstrecke. Wir haben ein... Ein Teammitglied in Österreich namens Matthias, den hast du dann angerufen und gesagt, Matthias, ich habe da was im Internet entdeckt.
Also erstmal bin ich zu Janusz gegangen und habe gesagt, Janusz, willst du mit mir nach Istanbul fahren? Ja, und was hat er geantwortet? Der hat geantwortet, nee, habe ich keinen Bock. Und wir haben so ein bisschen geplant, dass wir nächstes Jahr nochmal eine große Reise machen. Und ich habe ihm versprochen, dass ich ihn dieses Jahr schone. Ja. Was bedeutet schonen? Ja, nicht zu sehr in Anspruch nehme. Janusz braucht Zeit alleine vor seinem …
Schreibtisch mit seinen Gitarren und die hast du ihm gegönnt. Genau. Ich habe trotzdem einfach mal nachgefragt, hast du Lust mitzukommen? Er sagte nein. Dann habe ich direkt an Matthias gedacht und Matthias geschrieben. Und Matthias hat direkt geantwortet. Direkt ja gesagt. Ja, Matthias ist immer für eine Reise zu haben.
Genau. Und dann habe ich ehrlich gesagt nicht viel mehr recherchiert. Da hast du gesagt, da fackel ich nicht lange. Zwei Tickets wurden dann sofort gebucht. Es wurde, ich habe dann noch auf die Website geguckt. Ich habe mir noch ein, zwei Erfahrungsberichte angeguckt. Ich war verwundert. weil es gibt bei YouTube fast gar keine Videos über diesen Zug. Also keiner von den großen Bahnfluencern oder Zug-YouTubern ist mit diesem Zug gefahren. Zu gefährlich.
Weiß ich nicht. Ich habe dann einfach Esti geschrieben, noch am Sonntagabend, das war Sonntagabend. Du schreibst unseren Mitarbeiterinnen sonntagsabends? Ja, die müssen das ja nicht dann lesen. Ach so. Und ich habe gesagt, Esti, buch bitte ein…
einmal ein Ticket für Matthias und mich. Und das hat sie am nächsten Morgen gemacht. Und danach habe ich mich ehrlich gesagt wochenlang nicht mehr mit diesem Thema beschäftigt. Weil für mich war das Thema abgeschlossen. Ich hatte ja meinen YouTube-Titel im Kopf. Und das Ticket in der Tasche.
Und das Ticket in der Tasche, genau. Und dann bin ich also letzte Woche mit erstmal nach München gefahren. Da war Janusz noch dabei. Wir haben ein Video gedreht auf der Reise nach München. Das könnt ihr auch bei YouTube sehen bald. Und bin dann weitergefahren am nächsten Tag von München nach Villach. Das liegt im Süden von Österreich. Das heißt, da war ich schon zwei Tage unterwegs mit dem Zug und bin dann abends in diesen...
In diesen Zug eingestiegen, Manuel, über den ich wirklich wenig wusste, außer dass er Optima Express heißt. Woran denkst du bei dem Namen? Eigentlich an… Klingt irgendwie wie ein Optiker oder so. Optima, ja. Optiker, Optima, Optimal. Also es kann entweder sein, dass der sehr gut ist oder er klingt nur sehr gut. Ja, also optimal klingt wie optimal. Also optimal ist ja das Beste, kann man nicht mehr steigern. Richtig. Ich muss sagen, ich wusste ja nicht viel über den Zug. Ich habe dann mal…
Zwei Tage vorher angefangen, mir die Website anzugucken und die Fotos auf der Website, die waren alle aus den 90ern. Ja, Moment mal, der Zug startet in Willach, in einer kleinen Stadt in Österreich. Korrekt. Ist ja interessant, ne? Ja, das ist interessant. Und er geht auch nicht bis Istanbul, sondern bis Edirne. Das ist der erste Ort hinter der Grenze im Dreiländereck, Bulgarien, Griechenland, Türkei. Okay, und diese Zugverbindung gibt es also schon sehr lange?
Die gibt es schon sehr lange, genau. Und mir wurde dann später an Bord erzählt, dass es auch früher andere Verbindungen gab. Man konnte mit dem Zug nach Griechenland fahren. Es gab noch andere Züge, mit denen man auch relativ... Schnell ist relativ, aber man konnte über den Balkan mit durchgehenden Verbindungen fahren. Und die wurden aber alle in der Covid-Zeit eingestellt und das ist der einzige Zug, der jetzt noch übrig ist. Und dieser Zug fährt 35 Stunden lang.
Von Österreich nach Slowenien, nach Kroatien, nach Serbien, nach Bulgarien in die Türkei. Durch die ganzen Länder bist du durchgefahren? Ja, irgendwo muss man ja herfahren. Das ist ja völlig… Krass. Hast du denn vorher auf maninseat61.com recherchiert? Ich sehe, du tippst auf deinen Laptop. Bist du gerade auf dieser Seite? Ja, ich gucke gerade mal, ob ich da den Zug finde.
Weil dieser Mann, der diese Website betreibt, der ist ja wirklich schon mit gefühlt jedem Zug dieser Welt gefahren. Der ist mit Sicherheit mit diesem Zug gefahren. Ich sehe hier London nach Istanbul mit dem Zug. Vielleicht ist er da eine Strecke mit dem Optima Express gefahren.
¶ Zugerlebnisse und mangelnder Komfort
Ja, okay, also dann seid ihr eingestiegen und dann beschreibt mal diesen Zug. Wie war der so? War der optimal von innen? Also ich muss sagen, diese Zugfahrt war wirklich eine Achterbahn der Gefühle. Was ist denn die längste Zugfahrt, die du je gemacht hast, Manuel? Oh, ich bin auch schon einig. Einige lange Zugstrecken. Also ich bin zum Beispiel durch Indien, eigentlich von Südindien bis Nordindien mit dem Zug, natürlich mit Unterbrechungen. Aber da hatte ich auch mal…
Zehn Stunden Verspätung, daran kann ich mich noch erinnern. Da bin ich nochmal ins Hotel eingecheckt. Oder einmal hatten wir, glaube ich, sogar 20 Stunden Verspätung. Also wenn man noch nicht abgefahren ist, ist das ja okay. Ist nicht so schlimm. Dann kann man nochmal ins Hotel und dann kommt man nochmal wieder zum Bahnhof. Wir hatten zehn Stunden Verspätung im Zug. Bei der Ankunft, ja. Okay.
Und wie lange bist du da in Indien gefahren? Ich habe dann die langen Strecke meistens als Nachtstrecke gemacht. Also länger als 24 Stunden bin ich nicht gefahren. Du jetzt aber schon. Wie lange wart ihr unterwegs insgesamt? glaube ich, 46 Stunden oder 45 Stunden unterwegs, also zehn Stunden länger als gedacht. Und das hätte ich auch wissen können, wenn ich vorher mal mich besser informiert hätte. Ja, du hast uns dann auf dem Laufenden gehalten.
in einer WhatsApp-Gruppe und hast uns aus dem Zug heraus dann die Google-Bewertungen über den Zug geschickt. von denen du nicht wusstest, dass sie existieren. Ja, also ich muss sagen, dieser Zug war wirklich faszinierend und ich beschreibe dir jetzt mal diese Achterbahn der Gefühle, die wir hatten. Wir sind erst mal abends eingestiegen.
Und es hörte sich eigentlich alles oder es sah alles gut aus. Wir haben ein Bett gemacht bekommen. Wir hatten ein kleines Abteil mit zwei Betten. Die hat uns der Schaffner so runtergeklappt. War nicht so schick wie die amerikanischen. Züge, mit denen wir gefahren sind und die waren ja auch schon nicht schick.
Aber es war gemütlich. Matthias und ich in einem Schlafwagen. Wir haben noch ein bisschen gequatscht und dann sind wir eigentlich relativ schnell ins Bett gegangen, denn der Zug fuhr erst um 10 Uhr abends ab. Und ich glaube, um 11 Uhr haben wir schon geschlafen. Hattet ihr ein Waschbecken? Genau, wir hatten ein Waschbecken in unserem Abteil.
Und dann bin ich am nächsten Morgen aufgewacht, es war glaube ich 5 oder 6 Uhr und ich war wirklich eigentlich die ganze Nacht wach, alle halbe Stunde aufgewacht. Man kennt das ja, im Zug schlafen ist jetzt kein Komfort. Ja, kein Komfort, aber ich bin ja auch neulich mit dem Nachtzug von Stockholm zurück nach Berlin. Aha. Wie war das? Da habe ich die ganze Nacht durchgeschlafen mit Schlafmaske und Uropax und da kamen auch nachts keine Durchsagen.
Ja, das ist gut. Das war dann okay, man konnte schlafen. Also ich muss sagen, bei mir war dann am nächsten Morgen der Tiefpunkt gekommen. Ich habe mir das mal aufgeschrieben, erster Morgen-Doppelpunkt. Kein Schlaf, keine Dusche, keine Toilette, kein Essen. Oh je. Wir sind aufgewacht und ich habe dann erstmal gemerkt, also ich wollte zur Toilette gehen und die Toilette ist komplett voll.
verstopft gewesen. Okay, keine Details, bitte. Keine Details. Auf jeden Fall, diese Toilette war nicht benutzbar. Ich bin dann zum Schaffner gegangen und habe gefragt, könnt ihr bitte eine andere... Ich dachte erst, kein Problem, wir haben ja irgendwie, dieser Zug ist lang, da sind ja 20 Toiletten. Alle anderen Toiletten waren verschlossen, waren abgesperrt oder da stand drüber defekt. Und...
Ich habe aber später herausgefunden, die waren funktionabel, die waren einfach nur verschlossen und nur für das Zugpersonal zugänglich. Und immer wieder haben mir die Leute gesagt, nein, ihr habt eine Toilette für fünf Leute, das reicht. Aber ich dachte, verdammt, was ist denn hier los? Das ist ja nicht so gut. Nicht so gut, genau. Dann gab es keine Dusche, das wusste ich ehrlich gesagt auch nicht. Ich dachte, das ist halt ein Schlafzug, der hat doch eine Dusche. Du bist das Gegenteil von mir.
kaufe mir einen Koffer und recherchiere zwei Monate lang, welchen Koffer ich mir kaufen will und du machst eine... 40-stündige Zugfahrt und kaufst das Ticket und fährst einfach mal los. Ja, ich muss sagen, normalerweise bin ich eigentlich auch besser vorbereitet. Ich war von mir selbst überrascht. Ich hatte einfach zu viel vorher zu tun. Ich war ja schon zwei Tage im Zug gesessen. Ich hatte schon...
paar Snacks mit, aber ich hatte dann auch nicht damit gerechnet, dass es im Restaurant so wenig Optionen gab. Es gab eigentlich nur drei Gerichte, die waren teuer und nur eins konnte ich überhaupt essen. Was war das? Hähnchen mit... Reis und Gemüse.
Und apropos teuer, darf ich mal fragen, was diese Zugreise gekostet hat? Sehr gerne. Darfst du das fragen, Manuel, denn das hat ja unsere Firma bezahlt. Aha. Das war natürlich eine Geschäftsausgabe. Verstehe. Das war ja für das YouTube-Video. Ja. 770 Euro. Für ein Ticket. Für uns beide, für diesen Schlaf. Für zwei Tickets. Das geht ja eigentlich noch. Genau, der Liegewagen, wo man sich das Abteil teilt, hat 200 Euro pro Person gekostet. Und bei uns dann 300.
80, ne? Ungefähr. Ja, und ich liege da also am nächsten Morgen, ich gehe dann wieder ins Bett, lege mich da hin und denke, scheiße, wir haben 770 Euro ausgegeben.
¶ Google-Bewertungen und Passagieranalyse
Dafür, dass ich hier nicht schlafe und nicht zur Toilette gehen kann. Und dann habe ich angefangen, Google-Bewertungen zu lesen. Und da war es bei mir völlig vorbei in den Google-Bewertungen. Da waren ein paar Fünf-Sterne-Bewertungen, so Bahnromantiker, die geschrieben haben, beste Erfahrung überhaupt, sowas gibt es nur noch einmal in der Welt, genial, eine echte Zeitreise, also so Bahnromantiker.
Und daneben gab es ganz viele Ein-Sterne-Bewertungen, die sehr, sehr schlimm klangen. Ja, zum Beispiel, eine hattest du uns geschickt, da stand, glaube ich... Wenn ich zu Fuß gegangen wäre, wäre ich früher angekommen oder so. Genau, einer hat geschrieben, wir wurden von einem Fahrrad überholt, weil die Bahn so langsam ist. Ich such mal ganz kurz ein paar. Wir haben ja Zeit.
Gib uns doch mal deine Bewertung. Wie viele Sterne und was würdest du schreiben? Erstmal stand dann sowas wie Warnung. Diese Fahrt dauert wahrscheinlich immer 45 Stunden. Aufgrund der schlechten Strecken in Serbien und Bulgarien Zoll los. Blockwechsel in jedem Land. Die Zeitangabe 35 Stunden ist eine Utopie. Dann schreibt jemand, I have no words to describe how much this feels like a scam.
Ganz schön kritisch, die Leute. Muss man doch wissen, wenn man so ein Abenteuer macht, dass das nicht alles perfekt funktionieren wird. Ja, dann hat jemand anders geschrieben, I'm not even sure how to start describing what went wrong. I do not recommend taking this train. Okay, jetzt sag mal deine Bewertung. Wie viele Sterne gibst du dieser Zugfahrt? Also am Ende der Zugfahrt habe ich gesagt drei Sterne.
Weil es war dann doch eine gute Erfahrung, besonders nachdem die Toiletten wieder funktioniert haben. Beziehungsweise ich habe dann so lange gemeckert, bis sie uns eine andere Toilette aufgemacht haben. Da war es wieder okay. Weißt du, was ich dir mal schenke demnächst? Ich habe so viele Geschenkideen für dich. Ja? Man kann diese Schlüssel, mit denen solche Bahntoiletten verschlossen sind.
Und viele andere Dinge kann man sich kaufen. Dann kann man ziemlich viele Dinge öffnen, die man eigentlich nicht öffnen können soll. Das ist eine gute Idee, ne? Ja. Ist das nicht hochgradig illegal? So einen Schlüssel zu besitzen, glaube ich nicht. Du kannst ja sagen, du bist Mechanikerin. Du guckst mal, ob alles funktioniert. Ich muss sagen, ich habe dann, als ich dann endlich auf diese Toilette kam, die vorher zugesperrt war,
habe ich so viel Freude empfunden, wie ich noch nie für eine Bahntoilette empfunden habe. Einfach nur, weil sie existierte. Der Abfluss funktionierte. Da lernt man Dankbarkeit auf so einer Reise. Man lernte Dankbarkeit. Also ich habe am ersten Morgen in mein Tagebuch geschrieben, wir haben 700 Euro für die unbequemste Reise aller Zeiten ausgegeben.
Am nächsten Tag habe ich in mein Tagebuch geschrieben, ich bin in einer Parallelwelt und ich habe keine Ahnung, warum sie existiert. Sehr poetisch. Du musst dir vorstellen, dieser Zug... Also ich habe immer noch nicht verstanden und ich habe dann auch mit vielen Leuten gesprochen, warum er existiert. Ja genau, weil wahrscheinlich sind die anderen Fahrgäste nicht YouTuber gewesen, die das dokumentieren wollten. Genau. Wer nimmt diesen Zug, wenn man irgendwie für fünf...
30 Euro auch fliegen können. Genau, dieser Zug wird hauptsächlich genommen von Türken, die in Deutschland leben, viele ehemalige Gastarbeiter, es waren sehr viele ältere Menschen an Bord. Alle mit Flugangst. Flugangst habe ich auch getroffen, ja, aber viele wollen mit ihrem Auto in die Türkei fahren und das ist ein Autoreisezug. Ach, der Zug hat Autos hinten drauf. Genau, der Zug war wahnsinnig lang.
Und es waren insgesamt vielleicht 20 Menschen an Bord, aber davon hatten halt... What? Es waren nur 20 Leute in diesem Zug? Ja, das war das Verrückte. Und der ganze Zug war leer. Also wir sind... Ich habe eine volle...
Völlig falsche Vorstellung gehabt. Ich dachte, da wären hunderte Menschen in diesem Zug. 20 Leute und 20 Autos. Ja, deswegen verstehe ich weder Angebot noch Nachfrage. Also offensichtlich haben den Zug nicht viele Menschen benutzt. Die, die ihn benutzt haben... schätzen diesen Zug nicht für die Schnelligkeit, nicht für die Bequemlichkeit, aber es ist wahrscheinlich immer noch besser, 45 Stunden lang in dem Zug zu sitzen, als mit dem Auto zu fahren.
Verstehe, okay. Und viele von den Menschen fahren dann weiter von Edine irgendwo nach Anatolien und sind dann nochmal ein paar Stunden unterwegs und haben die ganzen Autos voll gehabt mit Zeug, was sie mitnehmen. in die Türkei und verbringen dann den Winter hier. Und diese 20 Leute hast du interviewt? Ich habe mit einigen gesprochen, nicht mit... Vielen, aber ich habe dann auch mit anderen Leuten gesprochen, die wir kennengelernt haben, sodass ich das Gefühl hatte, ich kannte dann irgendwann.
Die Geschichten an Bord. Was habe ich noch aufgeschrieben? Die Fahrt war einfach komplett langsam und ineffizient, wie man das sich nicht vorstellen kann. Das Schienennetz in einigen Ländern völlig kaputt. Wir waren auf Strecken unterwegs, wo es gar kein... Personenverkehr gibt. Das heißt, da gibt es nur Güterverkehr und unser Auto oder unser Wagen war ja eigentlich auch halb Güterverkehr. Das Ganze, dieses Ganze...
Dieser ganze Zug besteht aus unterschiedlichen Waggons aus unterschiedlichen Ländern. Da waren einige... alte Züge von der Deutschen Bahn bei, die 50 Jahre alt waren. Da waren einige alte Züge. Der Speisewagen kam aus Slowenien. Die Menschen an Bord waren alle aus Serbien.
Und dieser Zug alleine, da war schon alles alt und kaputt und hat geklappert. Also das waren alles Sachen, die 40, 50 Jahre alt waren. Die Lok war glaube ich noch älter, die war 70 oder 80 Jahre alt. Toll, das ist eine Zeitmaschine mit…
¶ Spezifika: Rauchen, Loks und Grenzkontrollen
Völkerverständigung. Genau. Dann wurde in diesem Zug geraucht, Manuel. Ja. Wann hast du zum letzten Mal Menschen im Zug rauchen sehen? Auch in anderen Ländern. Ja. Ich sage jetzt nicht in welchen, dann kriege ich Ärger. Wieso? Ich habe das schon mal erwähnt und dann habe ich ganz viel Ärger bekommen in den Kommentaren, weil es wohl nicht mehr so ist in dem Land. Aber ich war auch schon in Ländern, da war das Rauchen auch nicht erlaubt in den Zügen.
Aber in den langsamen Nachtzügen wurde trotzdem dann geraucht, weil wenn man Raucher ist oder Raucherin, meistens, oft sind es dann ja doch eher die Männer und man ist da halt... 30 Stunden in so einem Zug, dann kriegt man natürlich Lust, vermute ich, dass das so ist. Und dann greift man halt trotzdem zur Zigarette. Also in diesem Zug waren hauptsächlich Männer. Ich glaube, es waren noch zwei andere Frauen mit mir an Bord.
Wir haben ja schon festgestellt, in der Türkei wird auch viel geraucht, noch mehr als in Deutschland. Es haben sehr viele Menschen geraucht und zwar überall. Es gab ein Restaurant, da wurde geraucht, es wurde auf den Fluren geraucht, es wurde in den Zimmern geraucht und sogar der Zugchef, während er mit mir geredet hat. geraucht und in den Plastikpapiereimer mit einer Plastiktüte reingeascht.
Also du hättest da wirklich Spaß gehabt, muss ich sagen. Du bist doch genauso deutsch wie ich, wie du das beschreibst. Ich kann deinen Gesichtsausdruck mir vorstellen in dem Moment. Ja, es war lustig. Dann wurde halt auch, was ich nicht wusste vorher, weil ich ja nicht recherchiert hatte, es wurden die Loks gewechselt, weil es einfach in den Ländern unterschiedliche Konstruktionen gibt.
Es ist manchmal elektrisch mit Oberleitung gefahren, manchmal wurde eine Diesellok davor gesetzt. Das dauert halt auch immer, so eine Lok auswechseln. Also teilweise standen wir einfach sehr lange Zeit auf irgendwelchen Abstellgleisen. Dann, Manuel, das Letzte auf meiner Liste, was wirklich besonders ist, ist das Thema Grenzkontrollen. Wir sind ja insgesamt durch sechs Länder gefahren. Und da ist diese Besonderheit, dass wir einmal...
Aus der EU und aus dem Schengen-Raum rausfahren, nämlich von Kroatien nach Serbien. Dann von Serbien nach Bulgarien wieder in den Schengen-Raum einfahren. Und dann von Bulgarien in die Türkei wieder rausfahren. Was ist der Schengen-Raum? Ganz schön kompliziert. Das ist der Raum, die... Die Länder, der Zusammenschluss von Ländern, in denen die Grenzen normalerweise offen sind, wo es also keine Passkontrollen gibt, zumindest keine regulären. Also es gibt schon Grenzen und es kann sein, dass mal...
ein Auto rausgezogen wird. Aber grundsätzlich kann man einfach durch diese Länder durchfahren, ohne dass man jetzt immer an der Grenze halten muss und kontrolliert wird. Genau, das ist eigentlich das Schöne an der EU. Deutschland schießt da jetzt gerade so ein bisschen quer, indem Deutschland selber wieder Grenzkontrollen macht. Aber ja, von Kroatien, von Slowenien nach Kroatien gab es keine Grenzkontrollen.
Danach aber schon. Das heißt, wir sind dann in Kroatien ausgestempelt worden sozusagen. Wir sind dort kontrolliert worden. Dann fährt der Zug über die Grenze. Dort sind wir wieder kontrolliert worden. Von Serbien nach Bulgarien auch. Das heißt, der Zug steht immer, es kommt dann. Und das ist das Besondere. Hast du schon mal eine Grenzkontrolle im Zug erlebt? Ja, auch schon öfter. Wo denn? Zum Beispiel...
Jetzt kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich bin ganz sicher schon mal im Zug kontrolliert worden. Wo bin ich denn mal von Polen aus vielleicht irgendwo hingefahren? Also bei mir war das tatsächlich 1999 im Schlafzug nach Polen. Da ist mir das zum letzten Mal passiert. Aber es ist sehr ungewöhnlich, weil normalerweise fährt man ja nicht mit einem Zug über einer Ländergrenze.
Grenzgrenze und wird im Zug kontrolliert. Ja doch, als wir in die Schweiz gefahren sind zum Beispiel, da kamen Grenzbeamte in den Zug und haben dann zwischen den beiden Stationen Ja, okay. Dann muss ich sagen, ist vielleicht das Besondere darin, dass wir in dem Zug geschlafen haben und dann tatsächlich Menschen im Schlaf an unsere Tür geklopft haben, unsere Pässe mitgenommen haben.
Und dann zurückgebracht haben. Dann kam erst jemand, der hat die Pässe genommen. Dann kam ein Grenzbeamter, der hat kontrolliert. Der hat dann nachts mit einer Taschenlampe in unser Gesicht geleuchtet, während wir geschlafen haben. Oder während wir im Bett lagen. Und dann hat er uns den Pass zurückgegeben und wir sind weitergefahren. Hast du das auch alles gefilmt für YouTube? Ich habe da ein paar anonymisierte Aufnahmen gemacht.
Also Manuel, ich kann das jetzt gar nicht so beschreiben. Ich glaube, wenn ihr das auf Video seht mit den Geräuschen, die dazugehören und den Emotionen, ist das noch ein bisschen besser. Hast du geweint in diesem Video? Ich habe in dem Video nicht... geweint,
Vielleicht beim Abschied von Janusz, auch gefilmt. Aber der Zug selbst hat dich nicht so weit frustriert, dass du… Nee, dann eher aus Freude, als wir angekommen sind. Da war ich wirklich kurz vorm Weinen, weil es dann am Ende waren die Emotionen einfach…
¶ Ankunft Istanbul und Fazit der Reise
unfassbar toll. Also es ist, wenn man irgendwie so etwas erlebt, mir kam das auch vor, als wären wir eine Woche in dem Zug gewesen. Es war unglaublich intensiv, emotional und ihr könnt euch das angucken. Einmal, wenn ihr ein Mitglied seid bei Easy German, werde ich schon mal ein paar Fotos vorab posten bei Discord. Jetzt, wenn diese Episode rauskommt. Und dann kommt das ganze Video im Dezember raus.
Und danach, Manuel, kommt ein Video? Danach kommt ein weiteres Video, denn als ihr dann hier angekommen seid, Matthias und du, da haben wir, Robert, Esti und ich, euch hier begrüßt. Wir sind nicht mitgefahren im Zug. Wir haben das Flugzeug genommen. Und dann haben wir hier mit euch eine schöne Zeit verbracht. Das Easy-Türkisch-Team hat uns begrüßt. Und dann haben wir…
Ein paar Touri-Highlights gemacht. Wir haben fantastische zwei Tage in Istanbul verbracht. Wir haben so viel gesehen, leckeres Essen probiert. Einige von euch getroffen, heute beim Meetup. werdet ihr dann auch sehen. Auch im Dezember auf YouTube. Genau, das wird ein Highlight, ein Dezember der Highlights, Manuel. Ein Highlight-December, ja. Vielen Dank für diesen Behind-the-Scenes-Eindruck. Das war immer meine Idee von unserem Podcast eigentlich, dass es quasi das Behind-the-Scenes ist.
für unsere Videos. Und genau so war es jetzt heute mal. Hast du denn noch eine Frage an mich? Wie geht es dir jetzt nach diesen ganzen Strapazen? Bist du bereit für Berlin? Freust du dich auf dein eigenes Bett? Also ja, aber ich muss sagen, ich bin jetzt auch noch mehr bereit für weitere Abenteuer. Ich könnte jetzt direkt mit dem Zug weiterfahren. Wirklich? Türkei, Iran bis nach Asien. Kari, die ist nicht zu stoppen.
Ich habe das Gefühl, ich konnte dir gar nicht so emotional vermitteln, wie schön diese Reise war. Also auch wie schrecklich, aber auch wie schön. Drei Sterne halt, beides. Bis bald, Kari. Tschüss, Manuel.
