Die Peter Thiel Story (3/6) - Dunkle Propheten - podcast episode cover

Die Peter Thiel Story (3/6) - Dunkle Propheten

Jun 04, 202539 minSeason 1Ep. 3
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Summary

Diese Episode beleuchtet, wie der Tech-Visionär Peter Thiel durch den Einfluss von Denkern wie Ayn Rand und Carl Schmitt zu einem Verfechter autoritärer Ideen wurde und die Demokratie als überholt ansieht. Sie erkundet seine Vision von schwimmenden "Seastats" als Testläufe für neue Staatsformen und erklärt sein Engagement für die Tea Party und Donald Trump, motiviert durch Frustration über die "Wokeness-Kriege" und die Bedrohung seines Vermögens. Die Folge gipfelt in Thiels historischer Rede auf dem Republikaner-Parteitag 2016.

Episode description

Aus dem Tech-Visionär wird ein Verfechter autoritärer Ideen: Von Ayn Rands extremem Individualismus bis zu Carl Schmitts politischen Theorien – Libertäre, rechte Denker beeinflussen Peter Thiels antidemokratische Haltung.

Unser Host ist Fritz Espenlaub, Tech-Journalist, KI-Experte und Podcaster.

Das erwartet euch in dieser Episode:

(04:30) Einfluss von Ayn Rand: Radikaler Egoismus als Tugend
(09:18) Vision & Investition: Seasteading
(15:40) Theologe Wolfgang Palaver über Thiel und Carl Schmitt
(20:54) Curtis Yarvin: Dark Enlightenment
(28:15) Unterstützung für Donald Trump
(33:45) Thiel auf Parteitag 2016

Mehr zum Thema in der Deutschlandfunk App:

Ayn Rand am Schreibtisch des Kapitalismus
Der neue Westen. Interview-Reihe von “Der Tag”

Noch ein Tipp von uns: Der KI Podcast

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Transcript

Intro / Opening

Ich bin Andrew Ryan und ich möchte Sie eines fragen. Steht einem Menschen nicht das zu, was er sich im Schweiße seines Angesichts erarbeitet? Nein, sagt der Mann in Washington, es gehört den Armen. Nein, sagt der Mann im Vatikan, es gehört Gott dem Allmächtigen. Nein, sagt der Mann in Moskau, es gehört allen. Ich konnte keine dieser Antworten akzeptieren. Stattdessen entschied ich mich für etwas anderes. Für etwas Unmögliches. Ich entschied mich für...

Ich weiß noch genau, wie ich 2007 mit meinem besten Kumpel tagelang dieses Game zocke. Bioshock. Draußen scheint die Sonne. Aber drinnen sind wir unterwegs in den Tiefen des Ozeans. In einer Unterwassermetropole, die aussieht wie New York in den 1920er Jahren. Alles glänzt in Art Deco. Gewaltige Wolkenkratzer verbunden durch gläserne Tunnel. Zwischen den Gebäuden schwimmen Haie und Tintenfische. Das Spiel ist Wahnsinn. Wir sind süchtig danach.

Aber Bioshock ist mehr als nur ein Computerspiel. Es ist ein philosophisches Gedankenexperiment. Was wäre, wenn die Reichsten und Klügsten sich von der Gesellschaft lossagen würden? wenn sie einen Ort schaffen würden, an dem sie völlig frei von Regeln und Moral forschen und wirtschaften könnten. Oder anders, was wäre, wenn man eine Unterwasserstadt schaffen würde, die ein bisschen so ist, wie Peter Thiel gerne die Welt hätte.

Künstler keine Zensur fürchten, der Wissenschaftler sich keiner engstirnigen Moral beugen muss, in der diejenigen, die zu groß und bestimmt sind, nicht durch die kleinen Lichter gebremst werden, wenn auch sie im Schweiße ihres Angesichts für dies kämpfen kann. Im Spiel geht das alles furchtbar schief. Unkontrollierte Genexperimente verwandeln viele Einwohner in hirnlose Zombies. Und irgendwann versinkt die ganze Stadt im Bürgerkrieg.

In der Realität steht der große Test noch aus. Kann so eine libertäre Utopie nicht vielleicht doch funktionieren? Peter Thiel würde das gerne ausprobieren. Wie Andrew Ryan. Der fiktive Erbauer dieser Unterwasserstadt träumt auch eher von libertären Freiräumen, in denen Innovation und Fortschritt ungehindert florieren können. Und wie Ryan setzt auch Thiel dabei auf die befreiende Kraft der Ozeane.

Nur, dass er keine Stadt unter dem Meer plant, sondern schwimmende Städte, sogenannte Seastats. Diese Seastats könnten eine Art Testlauf sein. Für eine Zukunft, in der Staaten komplett anders funktionieren könnten als heute. Denn eines ist für Peter Thiel völlig klar. Die Demokratie, wie wir sie heute kennen, hat ausgedient. Das ist die Peter Thiel Story. Folge 3. Dunkle Propheten. Ich bin Fritz Espenlaub.

I feel like it's a socialist Marxist regime that's in power right now. There are parallels in the US in the 2020s to Germany in the 1920s. It's not even that democracy is bad, it's just that it's very weak. Trust me, I'm like a Spartan. Es gibt so eine Haltung, der ich immer wieder begegne, die manchmal so durchkommt in Diskussionen.

früher an der Uni oder auch heute noch mit manchen Journalistenkollegen. Und diese Haltung ist, wer rechts ist oder konservativ, ist automatisch auch ein bisschen doof. Vor allem in den USA. Trump ist ein Idiot. Elon Musk spinnt. Und die Amerikaner, die Trump mehrheitlich gewählt haben, die sind halt ungebildet. Dumme Menschen, die gegen ihre eigenen Interessen wählen, weil sie es einfach nicht checken. Die Wirklichkeit ist deutlich interessanter.

Denn in den USA gibt es schon lange mächtige intellektuelle Strömungen auf der rechten Seite des politischen Spektrums. Philosophen und Publizisten, die seit Jahrzehnten an dem arbeiten, Was wir gerade als Vibe-Shift erleben. Rechte und libertäre Intellektuelle. So wie Peter Thiel. Und wenn man verstehen will, wie diese Leute ticken, muss man mit einer Denkerin anfangen? die in Deutschland fast niemand kennt. Aber in Amerika jeder. Ayn Rand. Das ist Ken Levine. Der Designer von Bioshock.

Er sagt, zunächst wollten er und sein Team einfach ein Spiel machen, das in einer Unterwasserstadt spielt. Ist halt eine coole Location. Dann stolpert er in eine Buchhandlung über Ayn Rand's Buch The Fountainhead. Das kann man in den USA wirklich in jeder Buchhandlung kaufen, sogar am Kiosk im Flughafen. Levine denkt zuerst, The Fountainhead wäre halt einfach ein Roman. Aber eigentlich ist es ein als Roman verkleidetes philosophisches Manifest. Über radikalen Individualismus.

Levin liest weiter über Anne Rand, die russisch-amerikanische Denkerin aus den 40er Jahren und ihre Philosophie des Objektivismus. Und plötzlich ergibt alles Sinn. Die Unterwasserstadt als Ort, der sich von der Welt abkapselt. Ein eigener Staat, ohne Regeln, ohne Moral. Ohne Grenzen für die Großen dieser Welt. Levine sagt, er war fasziniert von Rand, weil ihre Philosophie so radikal alles auf den Kopf stellt. Selbstzucht ist eine Tugend. Mitgefühl ist Schwäche. Jeder ist sich selbst der Nächste.

Rand ist quasi die Mutter aller modernen Contrarians. Ayn Rand selbst hat das Ganze in einem Interview 1959 so erklärt. Sie sei die Begründerin einer neuen Moral, die einzig und allein auf Logik beruht. Und logisch ist eben Egoismus. Alles andere ist Quatsch, den einem die anderen einreden, die Religion, die Gesellschaft und sonstige Pflaumen. dass sein höchste Moral-Purso ist der Erfolg seiner eigenen Glückwunsch. Und dass er nicht andere Menschen muss, oder ihre Recht zu erzeugen.

Ayn Rand findet, jeder ist in seinem Streben nach Glück allein. Es ist eine Philosophie des Egoismus, die propagiert, dass der Starke keine Verantwortung für den Schwachen trägt. Man kann gar nicht genug betonen, wie entscheidend Ayn Rand für das amerikanische Denken ist.

Vielleicht, weil sie eine Art philosophischen Überbau liefert für etwas, was viele Amerikaner sowieso empfinden. Einen Wunsch nach individueller Freiheit, der viel kompromissloser ist als bei uns in Europa. Und Rand sagt dazu, das ist nicht nur okay. Das ist moralisch richtig. Auch Peter Thiel kommt schon als Teenager mit Ayn Rand in Kontakt. An der Highschool verschlingt er ihre Bücher.

In einem Interview mit der YouTube-Show The Rubin Report sagt er, Ayn Rands Vision sei heute noch viel wichtiger als damals. Was er am meisten an Rand bewundert, ist, dass es bei ihr immer um den Widerspruch zwischen Individuum und Kollektiv geht. Und dass bei ihr das Individuum immer Recht hat. Im April 2008 zieht Peter Thiel daraus die gleichen Konsequenzen wie Andrew Ryan in Bioshock. Er will einen eigenen Staat aufbauen, jenseits von allen Regeln.

Vision & Investition: Seasteading

Dazu investiert er zusammen mit anderen in das Seasteading Institute. Das ist eine Organisation, die schwimmende Städte auf dem Ozean errichten will. Die Vision beginnt bescheiden. Keine ganzen Städte zunächst, sondern kleine Gemeinden von Unternehmern, die außerhalb staatlicher Kontrolle operieren können. Alte Ölbohrplattformen, schwimmende Inseln, umgebaute Kreuzfahrtschiffe.

Finanziert werden soll das über Glücksspiel-Websites, neuartige Zahlungssysteme, unkontrollierte Big Data Server, alles, was an Land zu sehr reguliert wird. Seasteading, sagt Peter Thiel, ist nicht nur möglich, es ist unerlässlich. Weil es eine Art Planspiel für die Zukunft von Staaten sein kann. Und dann nimmt er uns mit in ein Gedankenexperiment. And the thought experiment is that in the year 1945, you had about 45 countries in the world. Today we have probably about 200 countries.

1945 gab es nur etwa 45 Staaten auf der Welt. Heute sind es mehr als 200. Und die Frage ist, wie viele wird es im Jahr 2050 geben? Was wäre, wenn es 1000 Staaten geben würde? 1000 Staaten, sagt Thiel. Das würde bedeuten … Tausend verschiedene Steuersysteme. Je mehr Staaten es gibt, desto mehr müssen sie um Bürger und Unternehmen konkurrieren. Zum Beispiel mit niedrigen Steuern. Wer mehr Freiheit will, sagt Thiel, der muss die Anzahl der Länder auf der Welt erhöhen.

Freiheit bedeutet für Thiel also vor allem die Freiheit, sich den Staat mit den niedrigsten Steuern aussuchen zu können. Schwimmende Städte sind nur der erste Schritt in diese Richtung. Thiel weiß, dass diese Kleinstaaten auf dem Meer ein riskantes Investment sind. Die Idee ist kompliziert und teuer und zieht auch viele Spinner an. Die Chance ist groß, dass keines dieser Seasteading-Projekte jemals wirklich funktionieren wird.

Aber andererseits sind riskante Investments einfach auch genau Thiels Ding. Und außerdem hat er, wie immer, noch ein anderes Eisen im Feuer. Denn während Thiel über Seasteading nachdenkt, bildet sich in den USA gerade eine neue politische Bewegung heraus. Die sogenannte Tea Party. Die Tea Party ist der wütende Gegenentwurf zur Regierung von Barack Obama.

Sie richtet sich vor allem gegen die staatliche Krankenversicherung Obamacare. Was für uns völlig normal ist, also die Pflicht, sich versichern zu lassen, ist für viele Libertäre und Konservative in den USA damals der erste Schritt in den Sozialismus. Überall in den USA gehen plötzlich Menschen auf die Straße, schwenken Don't Tread On Me Flaggen und protestieren. Gegen Obamacare, gegen die Bankenrettung.

Peter Thiel unterstützt Kandidaten der Tea Party. Er spendet ein paar Millionen. Denn die Strategie der Tea Party ist ja ... die Republikaner dazu zu bringen, möglichst viele Rechte und libertäre Kandidaten aufzustellen. Aber so richtig All-in geht Thiel hier nicht. Das könnte auch daran liegen, dass er nicht wirklich daran glaubt, dass libertäre Positionen bei Wahlen jemals erfolgreich sein können. Schuld daran, schreibt er 2009 in einem Essay, ist das Frauenwahlrecht.

Weil Frauen kaum bereit wären, für libertäre Kandidaten zu stimmen. Das ist damals ein Riesenaufreger. Thiel wird unterstellt, er wolle das Frauenwahlrecht abschaffen. Auch wenn er das sofort danach bestreitet. Und in dieser ganzen Aufregung geht fast ein bisschen unter, dass Peter Thiel eigentlich etwas viel Grundsätzlicheres schreibt. Er schreibt explizit

dass er nicht mehr daran glaubt, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar sind. Bei uns in Deutschland wäre das immer noch ein krasser Tabubruch. Ich stelle mir gerade vor, was passieren würde, wenn ein deutscher Milliardär öffentlich die Demokratie infrage stellen würde. Aber in den USA sind die Grenzen des Sagbaren ein bisschen anders.

Und für Thiel sind diese Überlegungen das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung. Einer, der diese Entwicklung fast von Anfang an miterlebt hat, ist Wolfgang Palaver. Ihr erinnert euch, das ist der österreichische Professor, der damals auch in Stanford war. Er ist ein sehr gebildeter Mensch.

Ich bin dann erstaunt gewesen, dass auch wenn man Milliardär ist, durchaus sich noch weiterentwickeln kann und lesen kann und so. Und im Denken... ist Thiel eigentlich durchaus ein bescheidener, vorsichtiger Mensch, so wie jeder Student und jeder Forscher, der ein bisschen die Dinge ernst nimmt, immer mit einer gewissen Unsicherheit.

Wolfgang Palaver ist so ziemlich der letzte Mensch, an den man denken würde, wenn man sich einen Freund von Peter Thiel vorstellt. Palaver ist weder besonders reich, noch besonders reaktionär. sondern ein linksliberaler Theologe aus Innsbruck, der jahrelang in der Friedensbewegung aktiv war. Aber er kennt Peter Thiel schon seit 30 Jahren und trifft ihn bis heute regelmäßig. Und das kam so.

Theologe Wolfgang Palaver über Thiel und Carl Schmitt

1996 hält Palawa einen Vortrag in Stanford. Sein Kollege René Girard, der Lieblingsprofessor von Peter Thiel, hat eine Konferenz organisiert. Und der junge Peter Thiel sitzt an diesem Tag auch im Publikum und kommt nach dem Vortrag auf Palawa zu. Und ich habe da über Karl Schmidt referiert und er war dabei und dann haben wir nachher sehr lange... ich glaube im Garten der Shiraz, nach der Konferenz miteinander diskutiert. Und das war irgendwie am Ende der Konferenz.

wo die Shiraz so vielleicht 20, 25 Leute zu sich im Garten eingeladen haben und da hat es dann Pizza gegeben. Und der Deal war vermutlich in meinem Referat dabei. Pallavas Vortrag ist eine kritische Auseinandersetzung mit Karl Schmitt. Karl Schmitt war der sogenannte Kronjurist der Nationalsozialisten. Von ihm stammt unter anderem der berüchtigte Satz, der Führer schützt das Recht.

trotzdem gilt er bis heute als einer der einflussreichsten Staatsrechtler des 20. Jahrhunderts. Seine Schriften werden bis heute von Intellektuellen aus unterschiedlichsten politischen Lagern diskutiert. Ich war damals ganz in der Forschung drinnen und wenn man sich zwei, drei Wochen auf so ein Referat vorbereitet hat und jetzt alles sozusagen mit einem kleinen Finger über diese Situation weiß, dann ist man ja ganz sozusagen aufgeladen.

Palawa blickt aus theologischer Perspektive auf Schmitt und ist überrascht, dass diese Perspektive sein Gegenüber auch ziemlich zu interessieren scheint. Und wenn man dann von jemandem angesprochen wird, der selber Interesse hat, dann kann sowas ja sofort sozusagen in eine ganz lange, intensive Diskussion gehen.

Ganz happy, dass man jemanden findet, der sich für das interessiert, wo man gerade dran ist. Bis heute hat Thiel nicht nur ein Faible für obskure theologische Konzepte, er ist auch weiterhin von Karl Schmidt fasziniert. Im Interview mit dem libertären Think Tank Mercatus Center erklärt er, dass ihn bei Schmidt besonders eine Sache interessiert. Die klare Unterscheidung zwischen Freund und Feind in der Politik ist für Thiel...

Etwas Grundlegendes. Schmidt selbst sagt das sogar noch etwas deutlicher. Die Höhepunkte der großen Politik sind zugleich die Augenblicke, in denen der Feind in konkreter Deutlichkeit als Feind erkannt wird. Das ist natürlich eine Haltung, die sich sehr von der Realität in einer parlamentarischen Demokratie unterscheidet. Denn in der Demokratie geht es viel um Kompromisse und Koalitionen. Es wird diskutiert und ausgehandelt.

Schon allein das Wort Feind hat einen fahlen Beigeschmack. Aber Schmidt ist ja auch nicht gerade ein Demokrat. Er kritisiert in vielen seiner Werke sogar ausdrücklich die Weimarer Republik und auch insgesamt die liberale Demokratie. Und Peter Thiel kann dieser Kritik viel abgewinnen, auch wenn er, wie so oft, auf eine Referenz aus Herr der Ringe zurückgreifen muss. Ich meine, obviously, oder?

Natürlich ist die Weimarer Republik exakt wie die Zwerge in Moria, die zu tief graben und damit den schrecklichen Balrog wecken. Was auch sonst? Aber Thiel sieht noch eine andere Parallele. Thiel sieht die USA der 2020er in einer ähnlichen Situation wie das Deutschland der 1920er. Für ihn ist der Liberalismus erschöpft, die Demokratie ausgezehrt. Aber seine Schlussfolgerung ist nicht, dass man die Demokratie um jeden Preis schützen sollte.

Sondern, dass nur das radikale Infragestellen des Status Quo Erneuerung bringen kann. Aber was soll statt der Demokratie kommen? Eine libertäre Seasteading-Utopie oder ein neuer Faschismus? Oder etwas ganz anderes? Eine Monarchie? Ein Gottesstaat? Selbst Thiels Freund Wolfgang Pallava findet es schwer, einzuschätzen, was Thiel eigentlich will.

Wenn Sie mich jetzt genauer fragen, würde ich sagen, der hat zumindest zwei Herz in seiner Brust. Also er ist Libertarian und will also möglichst wenig Steuer zahlen. Und auf der anderen Seite unterstützt er Leute wie Wenz, die doch so einen autoritär-katholischen Zugang haben. Also wo er da genau steht oder ob er da...

auf beide Seiten setzt, das weiß er nicht. Spätestens jetzt wird es Zeit, über einen Menschen zu sprechen, der in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten intellektuellen Wegbegleiter von Peter Thiel geworden ist. Curtis Jarwin.

Curtis Yarvin: Dark Enlightenment

Ein libertärer Blogger und Programmierer. Ein Radikaler, den lange Zeit kaum jemand kennt. Außer Peter Thiel, der schon seit Jahren mit ihm abhängt und auch in seine Softwarefirma investiert hat. Aber neuerdings ist Darwin im Mainstream angekommen, als eine Art düsterer Philosoph des rechten Vibe-Schiffs. Mit seiner schwarzen Lederjacke und dem schulterlangen Haar

Sieht er auch so aus, wie man sich einen düsteren Philosophen vorstellt. Sogar Vizepräsident J.D. Vance höchstpersönlich ist Fan von Curtis Yavin. Im März 2025 ist Jarwin auf der Titelseite der New York Times und bekommt eine eigene Folge im Podcast The Interview. Darin fragt ihn der Reporter auch zu seinem Verhältnis zu Peter Thiel. den Yavin mal als fully enlightened bezeichnet hat. Also je nach Interpretation als ... vollständig aufgeklärt oder vollständig erleuchtet.

Javin erklärt, er hätte damit vor allem gemeint, dass Thiel komplett desillusioniert ist. Es sind nicht so sehr gemeinsame Überzeugungen, sagt Jarwin, die ihn und Thiel und die ganze neue Rechte zusammenhalten. Es ist eher die Tatsache, dass sie an bestimmte Dinge nicht glauben. Diversity, Demokratie, staatliche Institutionen.

Auf den Ideen von Jarwin beruht die sogenannte Dark Enlightenment-Bewegung. Und diese dunkle Aufklärung, die ist bei Jarwin wirklich ziemlich finster. Und vor allem ziemlich antidemokratisch. In dem New York Times Podcast wird ja irgendwann gefragt, ob Mao, Stalin und Pol Pot und die Millionen von Toten unter ihrer Herrschaft nicht zeigen, dass Diktaturen irgendwie schlecht sind? Naja. antwortet Javin. Hitler und Stalin wären schon schlimm gewesen. Aber andere Diktatoren? Eigentlich eher nicht.

Die Menschheitsgeschichte als Ganzes, sagt Jarwin, ist eine zwiespältige Angelegenheit. Und manchmal sind Diktatoren schon auch gut. Das ist jetzt keine besonders philosophische Antwort. Aber es ist genau die Art von Provokation, die Peter Thiel so gerne mag. Yavin sagt, Demokratie sei gar nicht schlecht, sie sei nur sehr schwach. Und vor allem sagt Yavin immer wieder, belohne sie Inkompetenz.

Ihm schwebt stattdessen etwas anderes vor. Der Staat soll wie ein modernes Unternehmen geführt werden, wie Apple, Microsoft oder Meta. Die Bürger werden zu Aktionären, die Politik zu einer Frage der Rendite. Und statt eines gewählten Parlaments gibt es einen vom Aufsichtsrat bestellten CEO, der die Geschicke des Landes lenkt. Klingt größenwahnsinnig? Für Jarwin ist es nur logisch. Javnzak, das ist ganz einfach.

Man nimmt irgendeinen Chef eines Top-Unternehmens und setzt ihn in Washington ein. Das Ergebnis wäre automatisch besser als das aktuelle System. Noch lieber wäre ihm eine Monarchie. Aber das mit dem CEO an der Spitze klingt irgendwie moderner. Jarwin hat mal gesagt, er habe Peter Thiel gecoacht, was die dunkle Aufklärung angeht. Und vielleicht erklärt Jarwins Einfluss auch diese Veränderung bei Thiel, weg vom klassischen Libertären hin zum Autoritären.

Maximale Freiheit für die Wirtschaft, ja. Aber Demokratie für die Massen eher nicht. Demokratie nervt ja auch wirklich. Infrastrukturprojekte scheitern an irgendwelchen Bürgerbegehren. Wissenschaftliche Grundlagenforschung muss erst lang und breit ethisch diskutiert werden und jede neue Technologie wird erstmal misstrauisch beäugt. So kommt es zumindest Thiel vor.

In einer Debatte auf YouTube sagt er einen Satz, der längst zum Meme geworden ist. Sie haben uns fliegende Autos versprochen und bekommen haben wir 140 Zeichen. Social Media statt Science Fiction. Echt ein Fortschritt, sagt Thiel. gibt es damals fast nur im Softwarebereich. Die großen Versprechen der Technik hingegen, also neue Transportmittel, neue Energieformen, neue Medikamente.

Die seien uneingelöst geblieben. Und das sei die Schuld verkrusteter staatlicher Strukturen. Diese Aussage ist von 2014. Zu dieser Zeit ist Peter Thiel in einer ziemlich frustrierenden Lage. Denn einerseits ist er da ja schon sehr reich und auch irgendwie mächtig. Seine PayPal-Mafia hat im Silicon Valley Schlüsselpositionen besetzt. Überall sitzen Thiels Leute.

Andererseits kann er diese Macht nicht wirklich politisch einsetzen. Die Tea Party schafft es nicht, libertäre Positionen in den Mainstream zu tragen. Die Seasteading-Projekte, die kommen einfach nicht so richtig voran. Und Peter Thiels intellektuelles Netzwerk versucht zwar, den Diskurs nach rechts zu verschieben, aber das Dark Enlightenment wird noch zehn Jahre brauchen, um seine ganze Wirkung zu entfalten.

Damals sind Thiel und seine Verbündeten noch in einer extremen Außenseiterposition. Und dann passiert auf einmal etwas, mit dem Peter Thiel wirklich nicht gerechnet hat. Dann kommt nämlich dieser Typ. Der unwahrscheinlichste Präsidentschaftskandidat aller Zeiten. Donald Trump. Ein Typ, der den halben Tag Bullshit labert und die andere Hälfte des Tages lügt. Unmöglich, dass die Republikaner so jemanden aufstellen. Oder? Oder? Auch Thiel glaubt zunächst nicht daran. Aber er investiert trotzdem.

Die alte Contrarian-Nummer. Thiel schlägt sich schon früh auf die Seite von Trump. Dann taucht das berüchtigte Access Hollywood-Video auf.

Unterstützung für Donald Trump

in dem Trump damit prahlt, Frauen zwischen die Beine zu greifen. Viele denken, das war's jetzt für Trump. Selbst eingefleischte Unterstützer wenden sich von ihm ab. Und Thiel? Der macht natürlich wieder das Gegenteil. Der unterstützt Trump jetzt erst recht. Wenige Tage nach dem Leak des Videos spendet Peter Thiel über eine Million Dollar für Trump. Spielgeld für den Milliardär. Aber ein klares Signal. Darauf angesprochen erklärt er, naja, Trump sage halt manchmal dumme Sachen.

Niemand findet das okay. Aber dann kommt das große Aber. Amerika brauche endlich etwas Bescheidenheit. Wie bitte? Bescheidenheit? Das sagt der Mann, der den Staat abschaffen will und am liebsten den Tod mit dazu. Über Donald Trump? Und dann enthüllt er Trumps große Vision. Also das, was er dafür hält. Trumps Agenda, sagt Thiel, wäre ... aus Amerika endlich ein normales Land zu machen. Moment, was?

kein Handelsdefizit in der Höhe eines mittleren Staatshaushalts, keine endlosen Kriege ohne Kriegserklärung. Eine Regierung, die einfach nur regiert. Der Mann, der sonst Städte auf dem Meer bauen will, predigt auf einmal die Rückkehr zur Normalität. What Trump represents isn't crazy and it's not going away. He points toward a new Republican Party

Thiel sagt, Trump steht für eine neue republikanische Partei. Damals ist das ziemlich prophetisch. Trump wird die republikanische Partei tatsächlich von Grund auf umkrempeln. Reagan, Bush, Romney, sie alle werden zu Relikten einer vergangenen Ära. Und dann sagt Thiel noch, Die Geschichte werde zeigen, ob diese neue Politik zu spät komme oder genau rechtzeitig. Wenn es um Trump geht,

kommt bei Thiel einiges zusammen. Da ist zum einen diese tiefe Frustration über die Obama-Jahre. Es ist ein bisschen, als hätte sich die ganze Welt in einen riesigen Stanford-Campus verwandelt. Überall wird über Safe Spaces diskutiert, über Mikroaggressionen, Privilegien, Transrechte, darüber, was man noch sagen darf und was nicht. So, als hätten die Identitätspolitiker und Diversity-Beauftragten

über die er schon im Studium die Augen verdreht hat, jetzt die Macht übernommen. Dann diese verdammte sozialistische Krankenversicherung, die auch die Tea Party nicht verhindern konnte. Überhaupt die hohen Staatsausgaben. Mit all diesen Punkten ist Thiel in den USA nicht alleine. Und über manches davon kann man auch diskutieren, finde ich. Zum Beispiel glaube ich...

Dass wir in Deutschland oft gar nicht auf dem Schirm haben, wie stark diese ganzen Wokeness-Kriege in den USA hochgekocht sind in den letzten Jahren. Und dass es da teilweise vielleicht auch mehr um Machtausübung ging, als darum, tatsächlich das Leben von Menschen zu verbessern. Aber da ist noch etwas anderes, sehr viel Konkreteres, was Thiel antreibt. Sein Vermögen. Thiel hat ja einen Großteil seines Reichtums in einem sogenannten Roth IRA geparkt. Einem Steuersparmodell.

das ihm erlaubt, Milliarden Dollar steuerfrei anzuhäufen. Doch unter Obama gerät dieses Modell zunehmend in die Kritik. Die Demokraten diskutieren Gesetzesänderungen. Hillary Clinton plant höhere Kapitalertragssteuern. und will Steuerschlupflöcher schließen. Max Schewkin hat recherchiert, wie sehr diese Aussicht Thiel beunruhigt. Schewkin spricht von Thiels größter Angst, dass die Demokraten ihm sein Vermögen wegnehmen könnten.

Ob jetzt durch neue Gesetze oder durch Ermittlungen wegen seiner aggressiven Steuervermeidung. Thiel sieht sein Imperium in Gefahr. Also unterstützt er den einen Kandidaten, der reichen Leuten garantiert nichts wegnehmen will. Donald Trump.

Thiel auf Parteitag 2016

Und so steht Peter Thiel irgendwann auf der größten politischen Bühne Amerikas. In Cleveland am 21. Juli 2016 beim Parteitag der Republikaner. Guten Abend, sagt Peter Thiel. Ich bin Peter Thiel. Ich baue Unternehmen auf und unterstütze Leute, die Neues schaffen. Von sozialen Netzwerken bis hin zu Raketen. Ich bin kein Politiker. Aber das ist Donald Trump auch nicht. Teels Bewegungen sind mechanisch, das Gesicht angespannt. Der maßgeschneiderte Anzug sitzt perfekt, zu perfekt. Man sieht...

Jede Geste ist einstudiert. Er beginnt mit seiner persönlichen Geschichte. Der Einwandererjunge mit der Kindheit in Cleveland. Seine Stimme wird fester. Er zeichnet das Bild eines anderen Amerikas. Nicht das Silicon Valley seiner Gegenwart, sondern das Land der unbegrenzten Möglichkeiten seiner Kindheit. Als ganz Amerika ein Silicon Valley war. Weil ganz Amerika Hightech war. Das Land, das Menschen auf den Mond geschickt hat. Und dann falsch abgebogen ist.

nicht zum Mars geflogen ist, sondern sich in Konflikten auf der Erde aufgerieben hat. Zum Beispiel im Nahen Osten. Dann greift er Donald Trumps Gegnerin an, Hillary Clinton. Der Saal johnt. Thiel, der Technologie-Visionär, spricht von der inkompetenten Hillary und von dummen Kriegen. Und er verspricht den Wiederaufbau Amerikas. Früher ging es darum, die Sowjetunion zu besiegen. Und wir haben gesiegt. Aber jetzt geht es nur noch um Transgender-Toiletten.

Ausgerechnet er, der schwule Tech-Milliardär, macht sich über Gender-Debatten lustig. Und dann, nach exakt 4 Minuten und 30 Sekunden, der Höhepunkt. als eine unique Identität. Ich bin froh, dass ich gay bin. Ich bin froh, dass ich republikan bin. Aber ich bin froh, dass ich ein Amerikaner bin.

Der Saal explodiert. Ein historischer Moment. Perfekt choreografiert. Der erste offen schwule Redner auf einem republikanischen Parteitag bekennt sich zu Trump. Der Außenseiter, der sich gegen den Mainstream stellt. Der lebende Beweis, dass unter Trump die alten Regeln nicht mehr gelten. Dass gerade wirklich etwas ganz Neues beginnt. Es ist Thiels größte Wette. Sein mutigstes Investment. Und dieses Investment wird zumindest erstmal komplett daneben gehen.

Redaktionelle Mitarbeit Till Tonino Sprachaufnahmen Christoph Brandner Sounddesign Wolfgang Peres Regie Klaus Uhrig und Fabian Zweck Redaktion Wolfgang Schiller und Christine Grimm Eine Produktion von Plotprodukt für den Deutschlandfunk 2025.

Und am Ende noch ein Podcast-Tipp, ein Podcast, den ich selber hoste. Der KI-Podcast, da rede ich zusammen mit meinen Co-Hosts Gregor Schmalzried und Marie Kilk jede Woche über die KI-Revolution, wie sie unsere Welt und Gesellschaft verändert von der Religion. bis hin zu dem, was wir alle an unserem Handy jeden Nachmittag machen. Der KI-Podcast in der ARD Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt.

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