Nahrungsergänzungsmittel – nützlich, überflüssig oder gar schädlich? - podcast episode cover

Nahrungsergänzungsmittel – nützlich, überflüssig oder gar schädlich?

Jun 20, 202522 minEp. 78
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Episode description

Nahrungsergänzungsmittel nehmen in Drogerien immer größere Regalflächen ein und versprechen, das Immunsystem zu stärken sowie die Entwicklung von Kindern zu fördern. Doch sind sie wirklich nötig?

In dieser Podcast-Folge sprechen wir mit der Ernährungswissenschaftlerin Dr. Stephanie Hompes vom Altonaer Kinderkrankenhaus und der Hamburger Kinderärztin Dr. Charlotte Schulz. Sie erklären, dass Nahrungsergänzungsmittel für Kinder nur in Ausnahmefällen wirklich notwendig sind. Im Gegenteil: Bestimmte Präparate können in zu hohen Dosen sogar schädlich wirken.

Erfahren Sie, was Sie über Nahrungsergänzungmittel für Kinder wissen sollten, wann sie wirklich gebraucht werden und wie Sie die meisten davon getrost ignorieren können. Wir beleuchten insbesondere die Rolle von Calcium, Zink, VitaminD und Omega-3 in der kindlichen Ernährung.


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Transcript

Die Kinder-Docs. Der Podcast rund um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Liebe Eltern, wollen Sie auch das Immunsystem Ihrer Kinder stärken? Wollen Sie etwas für das Wachstum und für eine gesunde Knochenentwicklung tun? Wollen Sie die geistige Entwicklung fördern? Wollen Sie Vitaminmangelzuständen vorbeugen und etwas für die Blutbildung tun? Ja, dann hat Ihre Drogerie oder Ihre Apotheke sicher etwas für Sie.

Ich habe neulich in der Drogerie meines Vertrauens 18 Produkte gezählt, speziell für Kinder. Vom Immun-Smoothie über Denkbärchen mit Waldfruchtgeschmack bis hin zu Omega-3-Geltabs zum Kauen plus Vitamin D3. Also schöne Vorstellung eigentlich, die Kinder können sich gesund naschen. Aber ist das wirklich so? Brauchen Kinder überhaupt Nahrungsergänzungsmittel? Darüber reden wir heute bei den Kinder-Docs.

Mein Name ist Achim Leoni, ich bin Redakteur beim Hamburger Abendblatt und bei mir im Studio ist Dr. Charlotte Schulz, Kinderärztin in Hamburg und Sprecherin des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärztinnen. Hallo Charlotte. Ja, hallo Achim. Und auch heute wieder bei uns ist eine Expertin, Dr. Stefanie Hompes. Sie ist Ernährungsberaterin und Therapeutin am Altonaer Kinderkrankenhaus. Hallo Stefanie, danke, dass du da bist. Hallo Achim.

Ja, ich würde die Frage direkt an dich weitergeben, Stefanie. Brauchen Kinder Nahrungsergänzungsmittel? Und wenn ja, welche? Genau, erst mal so übergeordnete, also schwierige Frage finde ich oder wenn man es so ganz übergeordnet sieht, würde ich erst mal pauschal sagen nein, das muss man aber sicherlich dann nochmal differenzieren. Und vielleicht da gleich wichtiger ist natürlich da, als die Nahrungsergänzungsmittel, eine gesunde, ausgewogene Ernährung.

Und wenn man das darauf achtet, das hinbekommt, dann hat man im Grunde alle wichtigen Nährstoffe abgedeckt. Und dann müssen wir uns über Nahrungsergänzungsmittel gar keine Gedanken machen, zumal ja auch da immer dann die Frage ist, wenn... Haben wir nicht vielleicht davon dann sogar zu viel. Vitamine, Mineralstoffe haben ja nur einen ganz kleinen Wirkbereich, wo sie wirklich für uns sozusagen die wichtigen Funktionen im Körper erledigen. Wir müssen darauf achten, dass es nicht zu wenig ist.

Aber auch umgekehrt, es darf auch nicht zu viel sein. Weil das kann auch wieder gefährlich und schädigend sein. Genau, ich glaube, ich würde gerne einmal kurz einhaken.

Das ist auch wiederum eine sehr häufige Frage in unserer kinderärztlichen Sprechstunde, dass einem die Werbung, die Medien ja suggerieren, dass Kinder quasi nicht durch den Winter kommen können, also gesund ohne irgendwelche Erkältungserkrankungen, wenn sie nicht Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen und Nährstoffen zu sich nehmen. Und da würden wir als erstes gerne mal sagen, für gesunde Kinder stimmt das so nicht, brauchen sie nicht.

Zweite Frage, mein Kind ist sehr krank gewesen, hatte einen Magen-Darm-Infekt, jetzt ist das ganze Biom irgendwie durcheinander, müssen wir das nicht wieder aufbauen mit einem Nahrungsergänzungsmittel. Bei einer ausgewogenen Ernährung, wie Steffi das gerade gesagt hat, brauchen die Kinder das nicht. Das reguliert sich von selbst.

Sogar in der Regel, es gibt es immer für alles, auch für seltene Ausnahmen, nach einer antibiotischen Therapie ist kein Aufbau der Darmflora in Form von Nahrungsergänzungsmitteln erforderlich. Aber jetzt habt ihr ja beide gesagt, wenn man sich gesund ernährt, braucht man das nicht. Es ernähren sich ja aber leider nicht alle gesund. Ich nehme an, du hast in deiner Praxis, Charlotte, auch mit, oder du im Krankenhaus, Stefanie, mit Kindern zu tun, die nicht ausgewogen ernährt werden.

Kann man dann nicht sagen, dann kann man vielleicht mit Nahrungsergänzungsmitteln zumindest das Schlimmste verhindern und was kompensieren, was bei der Ernährung halt schief läuft? Ja, aber das müsste ja super, super extrem sein. Also selbst unsere Piki Ita, die zwei, dreijährigen, die ja plötzlich nur noch Nudeln irgendwie mit Pesto essen oder nur noch mit Butter und Parmesan. Und bloß kein Gemüse. Nee, genau, also zumindest nicht in der Form, dass sie es erkennen können.

Also wenn die Eltern irgendwie es schaffen, Vollkornprodukte unterzubringen und es irgendein, wirklich ein, zwei Obstsorten gibt und Gemüse irgendwie in Form von pürierten Soßen irgendwie untergejubelt werden oder…, Von mir aus auch in solchen Fällen in Form von Smoothies. Wir haben ja schon mal über Quetschis und deren Sinn und Unsinn gesprochen.

Aber wenn es die einzige Chance ist, in irgendeiner Form, wohlgemerkt alles, irgendwie bitte nicht extrem, sondern wohldosiert, dann brauchen die Kinder das nicht.

Also wir reden hier glaube ich nur über Kinder, die zum Beispiel, die sind bei dir in der Ambulanz ja häufiger, mit Nahrungsmittelallergien zu kämpfen haben, bestimmte Nahrungsmittelgruppen deswegen gar nicht zu sich nehmen können oder aufgrund von chronischen Magen-Darm-Erkrankungen vielleicht eine Resorptionsstörung haben, keine gute Nährstoffaufnahme über den Darm haben, dann müssen wir uns natürlich Gedanken machen.

Genau, also das sind natürlich diese Sonderfälle, die muss man aber dann auch immer individuell natürlich angucken. Da würde man auch nie pauschal irgendwie was empfehlen. Und vielleicht nochmal mit den sogenannten Piki-Etern oder die Eltern, die dann mit großer Sorge kommen, mein Kind isst so vieles nicht. Da zeigt sich oft, wenn man das dann mal ein bisschen detaillierter durchgeht und da kann ich jetzt als Ernährungsberaterin vielleicht die Ernährungspyramide wieder nochmal anbringen.

Wenn man da einfach schon mal die unterschiedlichen Nährstoffgruppen sich anschaut und nochmal erfragt, was wird denn eigentlich gegessen, dann sieht man oft, dass es doch gar nicht so schlecht aussieht. Die Pyramide müssen wir, glaube ich, an der Stelle nochmal kurz erklären. Die hast du in einer anderen Folge schon mal erwähnt, aber was ist das genau? Das ist sozusagen in Pyramidenform dargestellt, die Empfehlung für die tägliche Ernährung.

Und das wird immer mit so Kästchen angegeben sozusagen, mit so Kärtchen, also drei Kästchen für die Milchprodukte zum Beispiel. Das heißt, es sollen drei Portionen Milchprodukte am Tag gegessen werden. Dann gibt es drei Kästchen fürs Gemüse, zwei Kästchen fürs Obst. Das heißt drei, man sagt immer oft mit der Handregel, drei Hände voll Gemüse, drei Hände voll Obst am Tag. Genauso für die Beilagen oder die Kohlenhydrate.

Da werden vier Portionen Kohlenhydrate oder Beilagen empfohlen, also Brot oder Kartoffeln, Nudeln, Reis. Und genau, das sind schon im Grunde so die wichtigsten Reihen, sozusagen die Milchprodukte. Auf Milchprodukte steht für die Proteinreihe, da ist dann halt noch Fleisch, Fisch und Eier zu nennen.

Und wenn man, wie gesagt, das ist immer sehr anschaulich, das kann man gut mit den Eltern einmal so durchgehen und gucken und dann sieht man halt doch, ja, da wird, weiß ich nicht, aus der Gemüsereihe werden doch einige Gemüsesorten gegessen. Oder bei der Proteinreihe, dass da doch was vertreten ist und dann sieht es alles schon gar nicht mehr ganz so dramatisch aus. Und dann ist halt natürlich die Frage, wenn man das jetzt schon sieht, kann man schon mal einen Großteil beruhigen.

Und dann ist es oft so, wenn wir dann doch mal eine Blutanalyse machen, also die Empfehlung ist ja eigentlich, wenn man was substituiert, eigentlich nur, wenn ein Mangel nachgewiesen wurde, damit man dann natürlich auch gezielt substituieren kann. Aber wenn wir dann manchmal Anteanalysen machen, dann ist man manchmal doch erstaunt, dass man häufig gar keinen Mangel nachweisen kann. Also das kann man, glaube ich, zur Beruhigung auch oft nochmal sagen, dass das doch so häufig gar nicht vorkommt.

Und da auch nochmal, was du vorher gesagt hast, ganz wichtig, wenn man nämlich hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel nimmt und dann eben doch auch entsprechende Lebensmittel verzehrt, dass man dann doch schnell mal auch im Überdosisbereich ist. Das heißt, diese ganzen Produkte decken eigentlich einen Bedarf ab, den es gar nicht gibt unbedingt, sondern der so ein bisschen eingebildet ist oder eingeredet?

Ja, der aus der Sorge natürlich entstanden ist. Und die Sorge kann ich total verstehen, wenn ich ein Kind habe, was so pikiiter ist und schlecht isst. Oder wenn ich ein Kind habe, was besonders infektanfällig im Winter war und jetzt so viele Infekte hatte, dann dreht man sich da ja nachts im Kreis und denkt irgendwie, woran hakt es? Was könnten wir noch tun oder was übersehe ich? Und das ist dann natürlich die Sorge, die wir dann mit den Eltern besprechen.

Aber apropos Winter, da sind wir bei Vitamin D. Das ist ein spezieller Fall. Diese Information, die hält sich ja hartnäckig und das könnt ihr vielleicht mal erklären, brauchen Kinder im Winter, gerade jetzt hier in unseren nördlichen Breiten, wo es vielleicht nicht immer so sonnig ist, Vitamin D zusätzlich?

Ja, ich glaube, das können wir jetzt ein bisschen einordnen in die einzelnen wenigen Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel, die sinnvollerweise bei bestimmten Konstellationen eingesetzt werden. Vitamin D wird allen Säuglingen gegeben, bis sie den zweiten Sommer sozusagen durchlebt haben. Also man kann auch grob sagen bis zum zweiten Geburtstag. Danach ist das nicht mehr erforderlich, weil... Sich dann die Kinder ja doch auch viel im Freien und in der Sonne bewegen.

Und der Körper kann eben in der Haut aus bestimmten Vorstufen unter dem Einfluss von Sonnenlicht das Vitamin D selber produzieren.

Und dafür ist gar nicht so viel erforderlich. Wir müssten jeden Tag uns so ungefähr 5 bis 15 Minuten mit Gesicht, Händen und den Unterarmen, reicht eigentlich schon, in der Sonne bewegen, ohne, so zwischen März und Oktober, dann ist sie stark genug, ohne natürlich, dass wir von oben bis unten mit 50er Sonnenschutz eingekleistert sind, aber das ist eine kurze Zeitspanne und ja, da muss man immer sagen, Sonnenschutz super wichtig, nicht wegen des Vitamin Ds irgendwie einen Sonnenbrand

riskieren, aber letztendlich bei der Zeit, die Kleinkinder im Kindergartenalter, im Grundschulalter draußen doch verbringen, in dieser Jahreszeit reicht das völlig aus. Und man kann dann auch ein gewisses Depot für die Winterzeit anlegen, von dem man dann gut durch den Winter kommt.

So, das ist natürlich was anderes bei Jugendlichen, die lange Schultage haben, viel dann zu Hause noch irgendwie tun müssen oder eben nicht irgendwie durch Sportaktivitäten oder so vielleicht viel draußen sind oder auch für uns Erwachsene, die wir ja doch sehr viel in geschlossenen Räumen sitzen und in unserem Alltag, wenn wir nicht gerade in den Sommerferien unterwegs sind, Und wir kommen oft nicht auf diese erforderliche Zeit.

Und deswegen reicht das vielleicht für die Sommermonate, aber nicht mehr für den Winter. Und für diejenigen ist es dann schon so, dass wir großzügig sagen, gebt Vitamin D von Oktober bis März, so wie mit den Winterreifen. Ja, kann man sich so ganz gut merken. Ja, das ist im Grunde nirgendwo so richtig niedergeschrieben. Ich hatte da recherchiert und gesucht. Ich habe nichts dazu gefunden. Aber es ist eigentlich so, dass es...

Ganz oft gesagt wird oder dass man mittlerweile ja auch weiß, dass es, oder man sagt ja immer, wir sind hier in einem Mangelgebiet, also wir haben eigentlich alle, wenn man dann mal untersucht, sind alle im Mangel und deswegen ist ja auch so ein Stück weit dahingehend die Empfehlung, dass man es hier in dem Fall sozusagen blind substituieren dürfte, ohne dass es jetzt im Blut unbedingt nachgewiesen ist, der Mangel.

Dass man dann in den Wintermonaten, oder ich hatte jetzt auch schon mal gehört, von O bis O, von Oktober bis Ostern dürfte man substituieren. Natürlich dann auch all das entsprechend bei den Erwachsenen eine andere Dosis als bei den Kindern. Ja, können wir mal kurz sagen. Kinder bis acht Jahre kriegen 500 Einheiten pro Tag. Das ist dann sozusagen so gefertigt, das ist eine kleine Vitamin-D-Tablette.

Und Erwachsene oder Kinder und Jugendliche ab acht Jahren und Erwachsene nehmen tausend Einheiten am Tag. Und es gibt aber Präparate, die haben dann schon 20.000 Einheiten und ich höre dann immer wieder auch von Eltern, ja, die nehmen wir jede Woche. Da muss man auch sagen, Vorsicht, das ist ein fettlösliches Vitamin, das wird im Körper gespeichert. Auch da gilt es natürlich irgendwie, dass man das sich nicht irgendwie einfach ohne drüber nachzudenken in Höchstdosen irgendwie im Winter.

Was kann denn da passieren? Es gibt schon Überdosierungen, die sich in ganz unterschiedlichen, sehr subtilen Symptomen irgendwie bemerkbar machen. Es ist eben nicht gefahrlos. Das ist mir hier einfach wichtig. Ich glaube, das führt zu weit, wenn wir da jetzt ganz im Detail drauf eingehen.

Ja, aber es gibt ja tatsächlich, also vielleicht nur noch ganz kurz, es gibt ja schon so Berichte von so ganz massiven Überdosierungen, wo es dann richtig zur Elektrolytentgleisung kommt und die dann wirklich auch im Krankenhaus landen. Aber das sind dann massive hohe Dosen. Ja, wir hatten das jetzt zweimal in kurzer Zeit hintereinander, interessanterweise. Es gibt Vitamin D für Säuglinge auch in Tropfenform und da gibt es verschiedene Präparate.

Es gibt eins, wo man nur einen Tropfen am Tag gibt und die haben das irgendwie falsch verstanden und haben zehn Tropfen am Tag, die zehnfache Menge gegeben und dann war die Flasche Gott sei Dank irgendwie leer auch und alle sind stutzig geworden, weil sie so schnell ein Folgerezept haben wollten. Und so kam das dann raus, dass sie vier Wochen lang die zehnfache Dosis ihrem Säugling gegeben haben, ne, Neugeborenen.

Und die Kinder sind tatsächlich stationär überwacht worden, weil das Vitamin D über den Knochenstoffwechsel eben zu diesen Elektrolyten, also den Blutsalzen, Calcium insbesondere, zu Verschiebungen führen kann, die eben Herzrhythmusstörungen auslösen können, um das jetzt nochmal so zu beantworten. Genau, ist aber alles gut gegangen, Gott sei Dank. Zum Glück. Jetzt gibt es ja Kinder auch, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, auch wirklich ernähren wollen.

Das habe ich auch selbst in meinem Umfeld so erlebt. Das war ein achtjähriges Mädchen und die sagt, sie will keine Tiere mehr essen und so. Was gilt es denn da zu beachten? Kommen da denn Nahrungsergänzungsmittel dann wieder ins Spiel? Also bei Veganern empfiehlt man schon ganz klar die Substitution von Vitamin B12, weil Vitamin B12 nur in tierischen Produkten vorkommt und das bei einer rein pflanzlichen Ernährung einfach gar nicht abgedeckt werden kann.

Und das sollte man auf jeden Fall substituieren. Ja, und das ist wirklich wichtig, denn Vitamin B12-Mangel kann ganz gravierende Folgen haben. Wir brauchen das Vitamin B12 für alles Gewebe, was sich teilt und man kann sich gut vorstellen, also für Zellerneuerung, Regeneration und Teilung und dass gerade bei Kindern, die im Wachstum sind, das ganz erhebliche Folgen haben kann und die auch nicht mehr reversibel sind. Das muss man sagen.

Also, dass das bei den vegan ernährten Kindern und Erwachsenen ganz wichtig ist. Ich glaube, das ist unbestritten. Und auch da nochmal, liebe Eltern, immer wieder erleben wir auch, wenn Eltern sich vegan ernähren, dass sie am Anfang denken, dass das noch nicht so wichtig sei für die Säuglinge und Kleinkinder, das Vitamin B12 zu ergänzen. Aber doch, es ist total wichtig, ganz elementar wichtig, dann direkt vom ersten Tag der Beikost an.

Und wie ist es bei vegetarischer Ernährung? Gilt es da auch was zu beachten? Also bei vegetarischer Ernährung, da soll, also wenn man auf das Fleisch verzichtet, Fleisch ist ja ein wichtiger Eisenlieferant, dann sollte man die Eisenversorgung auf jeden Fall nochmal im Blick haben. Das müssen aber nicht unbedingt Tabletten sein dann? Nee, man kann es auch anders. Also Eisen kommt natürlich nicht nur im Fleisch vor.

Es kommt auch in vielen anderen Lebensmitteln vor. Das muss man natürlich dann so ein bisschen mehr im Blick haben und ein bisschen fokussieren. Dass es halt dann auch dann abgedeckt wird. Wenn man jetzt zum Beispiel Vollkornprodukte liefern, grundsätzlich mehr Mineralstoffe als jetzt die Auszugsmehle, also ein Vollkornbrot mehr Mineralstoffe als ein Weißbrot. Solche Sachen, dann weiß man halt auch, dass man Eisen besser aufnehmen kann, wenn es gleichzeitig mit Vitamin C aufgenommen wird.

Das heißt jetzt nicht, dass wir Vitamin C-Pulver hinzugeben müssen, aber mit Gemüse, Obst dazu, dann wird das schon in der Kombination sozusagen, ist das begünstigend. Und im Gegenzug, dass Milchprodukte, wenn sie gleichzeitig jetzt mit sehr eisenhaltigen Lebensmitteln aufgenommen werden, dann eher hemmen. Das heißt jetzt nicht, dass man da ganz streng immer drauf achten muss.

Meistens wird ja trotzdem was aufgenommen. Aber wenn es jetzt irgendwie in einen Mangel kommen sollte, wären das so Sachen, die man dann beachten könnte. Gibt es eigentlich auch Nahrungsergänzungsmittel, die ich wirklich völlig ohne Bedenken geben kann, einfach weil ich mich da absichern möchte? Ja, aber dann irgendwie, warum gibst du sie dann, damit du ein besseres Gefühl hast oder weil dein Kind was braucht? Wahrscheinlich dann doch für Milch am Ende. Genau.

Ich will das jetzt gar nicht damit freigeben, aber wo man ja immer sagt, wo es sehr kritisch ist, was du auch schon angesprochen hast, sind die fettlöslichen Vitamine, weil die sich halt anreichern im Körper. Bei den wasserlöslichen sagt man, die werden größtenteils, was im Überschuss ist, wird ausgeschieden. Wobei ich da jetzt auch schon wieder nochmal gelesen habe, dass das auch nicht per se so ist.

Also auch bei den wasserlöslichen, Wenn sie in sehr starkem Übermaß aufgenommen werden, können sie halt auch schädigende Wirkung haben. Deswegen, wie gesagt, nochmal, wenn man was gibt, mit Vorsicht genießen. Eine weitere Ausnahme sind schwangere und stillende Frauen, denen empfohlen wird, Jod und Folsäure zu substituieren und gegebenenfalls Eisen. Das muss man im Einzelfall betrachten.

Jod brauchen wir, um Schilddrüsenhormone zu produzieren und die Folsäure ist auch wieder ein wichtiger Kofaktor für Zellteilungsvorgänge. Also das ist, glaube ich, auch unbestritten und wird, glaube ich, auch ganz konsequent so gemacht. Und für die Gesamtbevölkerung wird ja empfohlen, jodiertes und fluoridiertes Speisesalz zu benutzen, weil wir einfach hier in einem Jodmangelgebiet und in unserer Ernährungsform mit einem Jodmangel zu tun haben.

Und das Fluorid brauchen wir für unseren Zahnschmelz, damit dieses Bevölkerungsphänomen des Karies einfach nicht ganz so groß ist. Das ist es aber aus meiner Sicht auch. Oder sei denn, du hast noch was zu ergänzen?

Ich will vielleicht nur einfach noch mal darauf hinweisen, Wenn man jetzt, dass sich die Eltern das auch nochmal klar machen, wenn sie jetzt doch ins Geschäft gehen und was kaufen oder in den Drogeriemarkt, dann gibt es ja immer hinten drauf nochmal auf der Verpackung die Nährstoffbezugswerte. Da wird immer mit in Prozentangabe sozusagen angegeben, wie viel von dem Nährstoff ist denn schon abgedeckt.

Das wird immer gesagt von der täglichen Empfehlung. Und hier möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass diese Nährstoffbezugswerte sich auf erwachsene Mengen beziehen. Auch wenn es ein spezielles Kinderprodukt ist. Genau, das ist bisher nicht verpflichtend. Es gibt im Moment noch keine Nährstoffbezugswerte, die sich auf Kinder beziehen. Die Nährstoff-NRV, Nährstoffbezugswerte, sind Werte, die von der EU mal festgelegt wurden, als Mindestangaben. Das muss in dem Produkt drin sein.

Und darauf dann bezogen wurden die Prozentangaben ausgerechnet. Und wie gesagt, es gibt keine Angaben für Kinder, sondern das sind immer Orientierungen an Erwachsenenwerten. Und deswegen ist es natürlich für Kinder doppelt kritisch, wenn sich Eltern da vielleicht das jetzt anschauen und dann sehen, ach das ist ja nur 30, 40 Prozent der empfohlenen Dosis ist hiermit abgegeben. Aber das sind Erwachsenenwerte. Dass man das auch noch mal kritisch sieht.

Ja und ergänzend kann man vielleicht auch sagen, dass Nahrungsergänzungsmittel keiner Kontrolle unterliegen. Das unterliegt den Herstellern selber für das gerade zu stehen, was sie draufschreiben, dass es da drin steht, da drin enthalten ist. Das ist anders als bei Medikamenten. Genau. Medikamente sind streng geprüft. Da müssen ja richtig Studien vorgelegt werden. Das ist bei den Nahrungsergänzungsmitteln nicht so. Das fällt sozusagen unter Nahrungsmittel.

Die müssen nicht geprüft werden und deswegen kann der Hersteller da im Grunde verkaufen, was er möchte. Das ist auch nochmal ein Punkt, der kritisch gegen die Nahrungsergänzungsmittel spricht. Dann vielleicht zusammenfassend, Charlotte, was können wir Eltern mit auf den Weg geben in puncto Nahrungsergänzungsmittel?

Also, eine, wenn irgendwie möglich, ausgewogene Ernährung, die alle Nahrungsmittelgruppen beinhaltet, die deckt eigentlich den täglichen Bedarf für Vitamine und Nährstoffe völlig ausreichend ab. Und nur wenn es aus bestimmten medizinischen Gründen nicht möglich ist, bestimmte Nahrungsmittelgruppen zu sich zu nehmen, dann in Rücksprache mit uns kann es sinnvoll sein, sowas zu ergänzen. Vitamin D für unter Zweijährige, glaube ich, ist auch allen bekannt und klar. Aber sonst?

Nee, und wenn? Genau. Und die Veganer, ja. Das sind so die Gruppe, die auch bei uns in der Praxis eben eine Rolle spielen. Und ich als Ernährungswissenschaftlerin muss vielleicht oder will gerne nochmal darauf hinweisen, dass natürlich, wenn jetzt, sage ich mal, da Unsicherheit ist und Zweifel oder Sorge, besteht ja auch immer noch die Möglichkeit, ein Ernährungsprotokoll führen zu lassen und das auszuwerten.

Darüber kann man dann ja auch gut gucken, wie viel wird denn überhaupt aufgenommen, wenn man nicht gleich eine Blutanalyse machen möchte. Und das ist auch, das gibt ja dann auch nochmal einen Rückschluss, was nimmt mein Kind überhaupt auf? Und dann kann man auch da schon mal sehen, das und das ist gut abgedeckt und das eine vielleicht gar nicht so gut.

Also bevor man zu einem dieser tollen Produkte greift, die ich am Anfang aufgezählt habe, auf jeden Fall erstmal einen fachlichen Rat einholen, bevor man da blind zugreift. Und ansonsten einfach links liegen lassen, so verlockend, wie das auch aussehen mag, da in der Drogerie oder Apotheke. Genau. Ja, dann vielen, vielen Dank für diese Folge. Ich bedanke mich bei Charlotte fürs Kommen und bei Stefanie. Ja, gerne. Das war sehr interessant und freue mich auf die nächste Folge der

Kinder-Docs. Bis dahin. Bis dann. Tschüss. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast.

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