Zwei Jahre Nackenschmerzen - podcast episode cover

Zwei Jahre Nackenschmerzen

Jul 20, 202324 minEp. 90
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Summary

Prof. Dr. Axel Partenheimer teilt den Fall eines jungen Patienten mit zweijährigen Nackenschmerzen und schiefem Kopf, bei dem eine initiale Röntgenaufnahme eine unerwartete Struktur in der Halswirbelsäule zeigte. Nach schneller Diagnostik mittels CT und MRT wurde ein Osteoblastom, ein gutartiger, aber verdrängend wachsender Tumor, entdeckt. Der Fall unterstreicht die Notwendigkeit spezialisierter Zentren für solche komplexen Operationen und die Bedeutung, neurologische Symptome bei Nackenschmerzen ernst zu nehmen, besonders bei jungen Menschen.

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Ein Teenager hat nach dem Sport starke Beschwerden am Hals und hält den Kopf schief. Ein Spezialist entdeckt: Es ist keine Zeit zu verlieren! 

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Transcript

Erste Verdachtsmomente und Expertenvorstellung

Ich habe ein Röntgenbild angefertigt von der Halswirbelsäule und da war es dann schon relativ klar, dass irgendwas nicht so richtig dahin gehört. In so einem Fall nehme ich dann das Telefon zur Hand und rufe den Kollegen direkt an und bitte dann um einen sehr, sehr kurzfristigen Termin, eben um diese Wartezeit auch wirklich abzukürzen, also dass da jetzt nicht noch Panik entsteht. Ich glaube, dass er sofort weiß, was ist da los, was passiert da. Und man möchte diese Ungewissheit loswerden.

Der schlimmste einzutretende Fall wäre gewesen, dass der Junge dann nach den Gefühlsstörungen irgendwann auch motorische Einschränkungen bekommen hätte, das heißt dann auch Lebenserscheinungen. Ärztinnen und Ärzte sollen Leben retten. Sie sollen Krankheiten erkennen und Leiden heilen. Aber was ist, wenn sich eine Krankheit nicht so leicht erkennen lässt?

Was, wenn rätselhafte Beschwerden es den Medizinerinnen und Medizinern schwer machen, die Ursache einer Erkrankung zu finden? Dann kann man nur hoffen, dass man Expertinnen und Experten an seiner Seite hat, die dranbleiben, die nicht nachlassen. bis sie sie endlich gefunden haben. Die Diagnose. Der Stern-Podcast. Ich bin Annika Geißler, Ärztin und Redakteurin und beim Stern für die Rubrik Die Diagnose verantwortlich. Hier erzählen Medizinerinnen und Mediziner von ihren ungewöhnlichsten Fällen.

Heute spreche ich mit Prof. Dr. Axel Partenheimer. Er leitet die privatärztliche Fachpraxis Spine & Sport für Wirbelsäulenerkrankungen und Sportverletzungen in Hannover. In seinem Zivildienst war er im Rettungsdienst tätig, erzählt er. Schnell war klar, er wollte in die Unfallchirurgie. Er arbeitete später mehrere Jahre als leitender Oberarzt und stellvertretender Chefarzt an einer Klinik in Hannover.

Vor allem das Handwerkliche hat ihm in dem Fachgebiet immer gut gefallen, dass man unter anderem relativ einfach mit Säge und Hammer den Menschen helfen kann. Zudem forscht er zu Sport und Muskelverletzungen und hat eine Professur an der Medical School in Hamburg und unterrichtet das Fach Sportmedizin.

Patientengeschichte und vorherige Behandlungen

Wir sprechen heute über einen jungen Mann, der seit etwa zwei Jahren immer wieder Schmerzen im Nacken hatte, vor allem nach dem Sport. Inzwischen hielt er auch seinen Kopf leicht schief. Das Setting war im Prinzip so, wie es bei mir in der Praxis immer ist. Das heißt, Menschen und Patienten nehmen sich ganz normal oder bekommen ganz normal einen Termin und er kam halt zu mir.

Relativ großer junger Mann, der so ein bisschen auch den Kopf schon schief hielt und sagte, er hätte also seit zwei Jahren immer Nackenprobleme. Und dann haben wir uns darüber erst mal unterhalten, ob es einen Anlass gab, ob es eine Ursache gab, warum er den Kopf so ein bisschen schief hält oder warum er diese Schmerzen hat. Da konnte er sich aber eigentlich an nichts groß erinnern. sondern sagte einfach nur, seit zwei Jahren hätte er eben diese Nackenschmerzen.

Das war eigentlich so der Eingang, war halt ein sehr, sehr schlanker, großer, junger Mann. Und beim Blick dann in die Krankenakte, bei uns ist es so, dass die Patienten immer vorher... eine Anamnese ausfüllen müssen, also eine Vorgeschichte. Es ist eben so, dass er da zusätzlich noch ein sogenanntes Marfan-Syndrom hat.

Das ist ein Chromosomenfehler, wo die Menschen sehr groß gewachsen sind, sehr schlank sind und noch mehrere Nebenerkrankungen haben können. Sie haben gesagt, er hatte Nackenschmerzen angegeben. Hat er das noch ein bisschen präzisiert? So wie wenn man sich verlegen hat, das ging ja schon längere Zeit. Wie hat er die beschrieben? Nee, er sagte eigentlich...

ohne richtigen Anlass, dass er halt irgendwo im Bereich des Nackens Schmerzen gehabt hätte. Das war eigentlich alles, also nicht vom Schlafen, sondern einfach, dass er eigentlich einen konstanten Nackenschmerz hat. Das ging über zwei Jahre. Gab es dann doch ab und zu im Alltag besondere Anleiste, wo es nochmal mehr auffiel, die Nackenschmerzen? Ja, immer wenn er sich sportlich betätigt hatte, dann sagte er, dass danach die Beschwerden besonders stark seien.

Das erwähnte Marfan-Syndrom, das Sie eben kurz angesprochen hatten, hat das vielleicht irgendwas mit Nackenschmerzen zu tun? auch um Bindegewebe und um vielleicht ein bisschen beweglicheres oder lockereres Bindegewebe, soweit ich weiß, können aus dieser Richtung Nackenschmerzen entstehen.

Rein theoretisch können die Patienten mit Marfan-Syndrom in allen Gelenken und allen Körperabschnitten eigentlich so Probleme bekommen, weil sie eben über das geschwächte Bindegewebe auch nicht die Gelenkstabilität über die Bänder haben. wie das normalerweise ist.

Welche Vorgeschichte brachte der Patientin mit? Er war zuvor ja auch bei anderen Ärzten gewesen. Was haben Sie darüber erfahren? Er sagte, er hätte sich schon bei zwei anderen Kollegen vorgestellt mit dieser Problematik. Die haben ihn auch untersucht, aber haben jetzt keine...

eine weiterführende Diagnostik gemacht. Das heißt, sie haben keine Röntgendiagnostik angeschoben, um mal zu schauen, ob da irgendwas dahinterstecken könnte, auch knöchern, sondern da ist dann im Prinzip nichts weiter passiert. Ist das nachvollziehbar aus Ihrer Sicht? Sie haben gesagt, es war ein junger Mann. Da denkt man ja vielleicht nicht gleich an ganz schlimmen Verschleiß. Oder gehört das doch dazu, dass man das im Kopf hat? Naja, man muss zumindest...

drüber nachdenken, warum das so ist. Also ich persönlich denke, gerade weil ich aber auch viel manualtherapeutisch arbeite, dass eine eingehende Röntgendiagnostik dazugehört, auch beim jungen Patienten. Allein schon, um jetzt nicht gerade gleich was Bösartiges auszuschließen, aber es gibt auch Verschiebungen, sogenannte Lesthesen, und die sind zwar in der Halswirbelsäule mehr als selten.

Aber es kann auch Blockwirbelbildung geben und von daher gehört das bei mir eigentlich immer dazu. Bei der Eingangsuntersuchung, wenn jemand kommt und schon seit längeren Beschwerden hat, so oder so, dass man eine bildgebende Diagnostik macht. Welche Therapie hatte der junge Patient denn von den anderen Ärzten bekommen bisher? Da war im Prinzip nichts groß gemacht worden, außer dass der junge Mann ein bisschen Physiotherapie verschrieben bekommen hat. Mehr ist da nicht gelaufen.

Anfängliche Untersuchung und Röntgenbefunde

Was haben Sie genau gemacht, als dieser junge Mann nun vor Ihnen in der Sprechstunde stand? Sie kannten die Krankengeschichte, Sie haben erfahren, was gemacht worden ist mit ihm, beziehungsweise was nicht gemacht worden ist mit ihm.

Wie sind Sie weiter vorgegangen? Wie haben Sie ihn untersucht und was haben Sie noch erfahren? So wie ich es gesagt habe, also initial, wenn jemand im schiefen Hals vor mir steht, dann gibt es auf jeden Fall erstmal ein Röntgenbild, bevor ich die klinische Untersuchung einleite, eben um auszuschließen, dass wenn ich...

an so einem Kopf und so einem Hals arbeite, dass da eben nichts passieren kann. Und genau das habe ich dann auch getan. Das heißt, ich habe ein Röntgenbild angefertigt von der Halswirbelsäule. Ja, da war es dann schon relativ klar, dass irgendwas nicht so richtig dahin gehört. Nach so einem Röntgenbild kommt dann die klinische Untersuchung und dabei berichtete er dann auch, dass er seit einigen Wochen auch ein bisschen Gefühlsstörungen in den Armen hat.

Auch das ist so ein Hinweis dafür, dass irgendwas nicht so richtig stimmen kann, dass irgendwo was an der Wirbelsäule oder an den Nerven sein muss. Ansonsten bekommt ein junger Mensch nicht einfach Gefühlsstörungen. Was hat das Röntgenbild denn ergeben? Ja, eine Struktur im Bereich der Halswirbelsäule, die da schlichtweg nicht hingehört. Und da ist dann relativ klar, dass ein normales Röntgenbild auch nicht ausreicht. Ich habe dem Patienten das dann also erklärt.

dass da etwas ist, wo ich die Annahme habe, dass das eben nicht nur einfach eine Blockierung ist oder eine Fehlstellung, sondern dass wir da tatsächlich die Diagnostik weiterführen müssen, um rauszukriegen. Was da, muss man dann eben auch dem Patienten sanft erklären, dass da etwas wächst. Wie sah denn die Struktur auf dem Röntgenbild aus? Wie muss man sich das vorstellen?

Naja, also wenn man ein normales Röntgenbild anguckt, sage ich mal, da gibt es ganz normale Standards. Das heißt, wie ist die Knochendichte? Also wie sieht der Knochen im Röntgenbild aus? Wie ist das sogenannte Alignment der Wirbelsäule? Also ist das alles im Lot? Sind die Biegungen so, wie sie sein müssen? Und bei ihm ist es halt einfach so gewesen, dass dann...

im Röntgenbild der Knochen eine andere Dichte hatte, dass es so ein bisschen wolkig aussah, dass man einfach gesagt hat, dass das entspricht nicht dem, wie eine normale Wirbelsäule aussieht. Und auf welcher Höhe war das? Wo genau in der Halswirbelsäule muss man sich das vorstellen? Das war im Wirbelkörper. Also die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbelkörpern, die aufeinandersitzen. Und das war jetzt bei ihm auf Höhe des dritten und vierten Halswirbels.

dass zwischen den Wirbelkörpern das Bandscheibenfach nicht mehr richtig darstellbar war, dass der Wirbel selber so diffus aussah, der dritte Halswirbelkörper. Sie haben das gerade kurz erwähnt, dass Sie den Patienten vorsichtig daraufhin angesprochen haben. Er kam ja mit etwas, was ihm gar nicht so gravierend vorkam. Natürlich, die Schmerzen haben ihm Beschwerden bereitet und auch schon seit längerer Zeit. Und nun wird auf dem Röntgenbild etwas entdeckt und sie sagen, das gehört da so nicht hin.

Machen Sie das in der Gesprächsführung? Das ist ja erstmal ein großer Schreck wahrscheinlich für den Patienten. Ja, es ist immer schwierig, jemandem mitteilen zu müssen, dass da etwas ist, was da nicht hingehört. Und das geht allen Kollegen so. Ich glaube, das ist einfach wichtig, dass man zwar auf der einen Seite sehr offen ist, auf der anderen Seite aber nicht gleich in Panik verfällt.

Ich versuche dann auch das Wort bösartig nicht gleich in den Mund zu nehmen, sondern versuche wirklich zu erklären, also da ist etwas, was da nicht hingehört. Dass man das jetzt nicht einordnen kann, hundertprozentig, was es ist, aber dass man es auf jeden Fall abklären muss.

Erweiterte Diagnostik und Tumordiagnose

Was passierte als nächstes? Ein normales Röntgenbild, wie Sie eben sagten, reicht da nicht aus. Da muss man genauer hingucken. Was wurde als nächstes gemacht? Wenn irgendwo der Verdacht auf ein bösartiges Wachstum oder ein Wachstum, was auch immer, wo es herkommt, dann gehört für mich eigentlich dazu, dass man auf jeden Fall eine Computertomographie macht, weil die uns dann einfach...

aus dem zweidimensionalen Bild ein dreidimensionales Bild schafft. Wir können also deutlich genauer schauen. Und das Zweite, was dann dazugehört, ist für mich über eine Kernspintomographie. Zum einen, weil er auch Gefühlsstörungen hatte. die Nerven ein bisschen darstellen kann, auch das Rückenmark, aber auch, um zu gucken, ob das noch ein weitergehender Weichteilprozess ist, der da stattfindet.

Haben Sie denn einen Radiologen bei sich im selben Haus sitzen? Wie lange dauert sowas, bis man da Klarheit bekommt? Das ist ja doch dann eine schwierige Zeit für einen Patienten, wenn er so abwarten muss, was ergeben die Bilder. Ja, das ist schwierig. Ich selber arbeite mit zwei, drei Radiologien bei uns in der Stadt zusammen und in so einem Fall nehme ich dann das Telefon zur Hand und rufe den Kollegen direkt an und bitte dann um einen sehr, sehr kurz.

kurzfristigen Termin, eben um diese Wartezeit auch wirklich abzukürzen. Also dass da jetzt nicht noch Panik entsteht. Und ich glaube, das möchte jeder dann, dass er sofort weiß, was ist da los, was passiert da. Und man möchte diese Ungewissheit loswerden. Wie lange dauert das dann, wenn das wirklich so schnell gemacht wird? Wie lange muss man da rechnen, bis man wirklich Klarheit hat? Also bei ihm ging das jetzt sehr schnell. Das haben wir dann innerhalb von 24 Stunden abgefrühstückt.

Das ist eine Wunschvorstellung. Das ist mir auch bewusst. Das ist nicht überall und immer durchsetzbar. Ich weiß auch, dass oft darauf gewartet werden muss, aber da sehe ich so... Da sehe ich mich auch in der Pflicht gerade, dass man dann sagt, okay, wir weichen von den normalen Abläufen ab, wo man sagt, okay, hier jetzt erstmal eine Kernschmittomographie und dann sehen wir uns in drei, vier Wochen wieder.

Nee, da muss es einfach schnell gehen. Also zum einen, um die Diagnose festzumachen, zum anderen aber auch, dass der Patient da dich nicht irre wird. Was haben denn die Bilder ergeben? Was ist rausgekommen? Tatsächlich war das dann so, dass wir in der ersten Diagnostik gesehen haben, ja da wächst etwas, was uns nicht ganz klar ist, was das ist. Und dann gibt es...

ein Referenzzentrum für Radiologie, das sitzt in Bremen. Und dort habe ich dann auch angerufen, habe die Bilder dann rübergeschickt. Das ist Professor Freischmidt, der ist so eine... Institution für alles, was am Knochen wächst. Und der konnte dann ganz klar und eindeutig sagen, jawohl, das ist typisch auch in dieser Altersgruppe, dass es eben ein gutartig wachsender Tumor ist, in Anführungsstrichen gutartig, weil er

infiltrativ, das heißt einwuchernd wächst und es war dann ein Osteoblastom. Gutartig heißt im Sinne von Streut wahrscheinlich oder sicher nicht. aber ist ja nicht so gutmütig im Wirbelkörper drin. Also kann ja durchaus was anrichten. Können Sie das nochmal das Osteoblastom ein bisschen erklären, was das macht und bei wem das vorkommt?

Ja, also das Osteoglastom ist ein Tumor, der verdrängend wächst. Das heißt, das ist in Anführungsstrichen deswegen gutartig, weil er nicht metastasiert und nicht streut. Aber er wächst verdrängt. Das heißt, er wächst in knöchernen Strukturen und nimmt keine Rücksicht auf das, was da drumherum liegt. Und wenn sowas in der Wirbelsäule ist, nimmt es natürlich auch wenig Rücksicht auf...

nervale Strukturen, aufs Rückenmark, auf austrebende Nerven. Und deswegen ist es ein Tumor, ja, aber eben kein streunender Tumor und von dem man weiß, wenn man ihn entfernt. dass das dann zur Heilung führt. Und so waren auch die Gefühlsstörungen in den Armen zu erklären durch dieses verdrängende Wachstum. Genau. Was wäre denn passiert, wenn man das längere Zeit nicht entdeckt hätte?

Schlimmst einzutretende Fall wäre gewesen, dass der Junge dann nach den Gefühlsstörungen irgendwann auch motorische Einschränkungen bekommen hätte, das heißt dann auch Lebenserscheinungen. Und irgendwann hätte man mit Sicherheit dann so oder so die Diagnostik ausgeweitet. Aber wenn es dann schon zu spät ist und dann wirklich Nerven oder Rückenmark irreversibel geschädigt sind, das ist gerade an der Halswirbelsäule der Fall, dass ich das dann eben nicht mehr wieder erholen kann.

Chirurgische Behandlung und Operationsrisiken

dass dann eben bleibende Lebenserscheinungen da geblieben wären. Wie ging der Fall weiter? Ich habe dann, wie gesagt, ja sowohl auch mit dem Herrn Freischmidt gesprochen und wir haben dann zusammen überlegt, wer ist da eigentlich derjenige, der sowas, der da Erfahrung hat, weil es ist zwar... Ein Tumor, der häufig, in Anführungsstrichen, oder wenn er vorkommt, zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr auftritt. Aber es gibt halt nicht viele, die gerade an der Wirbelsäule damit Erfahrung haben.

Und von daher haben wir uns dann dazu entschieden, auch in Rücksprache mit den Patienten und den Eltern, dass wir ihn nach Heidelberg schicken. Und wie wurde diese OP durchgeführt? Die ist dann in Heidelberg gemacht worden und dort hat man dann... den Tumor zum größten Teil, weil das ist eben dann auch nicht mehr so einfach, aber zum größten Teil entfernen können.

Das ist ein Standardzugang zur Halswirbelsäule. Das macht man von vorne, von der Seite, wenn man dann sehr gut an die Halswirbelsäule rankommt. Und neben der operativen Entfernung wurden dann zusätzlich noch die den tumorversorgenden Gefäße verödet. Das kennt man vielleicht auch aus der Hirnchirurgie und bei Aneurysmen im Gehirn. Die werden dann auch quasi verödet oder verschlossen. Es gibt verschiedene Techniken und das wurde dann zusätzlich gemacht.

Und der entfernte Bereich wurde mit einem kleinen Cage, also mit einem kleinen Block, einem Metallblock, der dazwischen gesetzt wurde, praktisch ersetzt, also einen Wirbelkörperersatz durchgeführt. Sie als Unfallchirurg und Wirbelsäulenspezialist erzählen das natürlich sehr ruhig und routiniert, diese Wirbelsäulen-OP. Das ist ja für Patientinnen und Patienten doch irgendwie...

Ja, ein großer Eingriff und auch ein beängstigender Eingriff, so Wirbelsäule, da ist das Rückenmark, da verlaufen die Nerven. Wie schätzen Sie das ein? Ist das dann, wenn man das häufig macht als Spezialistroutine? Die Heidelberger Kolleginnen und Kollegen, haben Sie ja gesagt, waren da am erfahrensten dafür. Das ist doch irgendwie ganz beeindruckend, wenn einem sowas bevorsteht. Wie lange dauert denn sowas ungefähr und wie muss man sich vorstellen, wie das vor sich geht?

Also im Prinzip ist die Wirbelsäulenchirurgie auch in der Halswirbelsäule relativ ungefährlich, wenn es jetzt darum geht, dass man also sagt, man macht eine Bandschabenoperation oder man macht, auch wenn da kleinere Brüche sind oder so. Also das ist alles nicht so schwierig. Schwierig wird es dann eben, wenn ein Wirbelkörper herausgenommen werden muss.

Gerade wenn man dann weiß, okay, das ist auch, auch wenn es ein gutartiger, aber es ist ein Tumor, Tumoren sind immer etwas stärker durchblutet. Das heißt, das ist etwas, wo man sagen muss, Das gehört einfach auch in Zentren. Ich selber operiere gerne und Viehwirbelsäulen, aber das ist etwas, wo man dann auch wissen muss, wo die Grenzen sind und da gibt es dann Leute, die machen das deutlich besser.

Und auch routinierter, das gehört eben nicht in die Hand. Ich mache das mal eben schnell, ist das mal so. Ja, und das ist schon eine schwierige und eine große Operation, eben weil man direkt am Rückenmark arbeitet, weil man sehr weit oben arbeitet. Das heißt, wenn etwas passiert, dann weiß man auch, dass ein hoher Querschnitt entsteht. Darauf muss man die Leute auch vorbereiten. Aber man muss jetzt sich nicht...

das so vorstellen, dass das Risiko der Lähmung exorbitatores ist. Es ist da, man muss es formulieren, man muss den Menschen auch darauf vorbereiten. Aber wie gesagt, wenn das in Zentren operiert wird, die damit sehr große Erfahrungen haben. Es ist ein Risiko, aber es ist jetzt nicht so, dass man die Leute angstgeschwängert da reinschicken muss. Wie ging es denn mit dem jungen Patienten weiter nach der OP? Die glückte ja und wie erging es ihm dann?

Genesung und Präventionstipps für Hörer

Gut, dann ist die ganz normale postoperative Behandlung, das heißt, wenn ein Wirbelkörperersatz gemacht wird, dann ist tatsächlich erstmal körperliche Schonung für acht bis zwölf Wochen, wo also kein Sport gemacht wird, wo ganz normal Physiotherapie... gemacht wird, am Anfang Luftdrainage, einfach, dass die Wunden gut zur Ruhe kommen und dann geht man dann, wenn man weiß, okay, jetzt haben wir auch eine gewisse Stabilität erreicht.

Dass man dann die Physiotherapie ein bisschen intensiviert, dass man in die Bewegungsübungen geht, bis dann im weiteren Verlauf, dass man zur Trainingstherapie kommt, dass man also auch wieder einen Kraftaufbau macht. dass die Wirbelsäule gerade muskulär ordentlich stabilisiert und gestützt wird. Das ist auch generell immer mit das Wichtigste, egal ob das operiert wird oder nicht.

Und alle Haltungsschäden und Probleme, die man da im Bereich der Wirbelsäule hat, kann man eigentlich am besten durch ein muskuläres Korsett beheben. Und das haben wir ihm dann antrainiert und konnten ihn dann. im weiteren Verlauf nach sechs Monaten im Prinzip auch so weit freigeben, dass er wieder sportliche Aktivitäten aufnehmen konnte.

Was würden Sie den Hörerinnen und Hörern als Rat oder Tipp mitgeben? Ich meine, viele von denen, die hier das jetzt hören, sitzen am Schreibtisch viel, haben Berufe. wo sie vielleicht gebeugt über dem Rechner sitzen oder schreiben oder sich nachts mal ... verlegen haben und man soll ja nun auch nicht jetzt wegen jenes Ziehens und Zappens im Nacken zum Arzt rennen oder zur Ärztin rennen.

Nackenschmerzen kennt man mal, aber wann soll man doch hellhörig werden? Was würden Sie da den Hörerinnen und Hörern mitgeben? Also immer sobald es irgendwo losgeht, dass es jetzt nicht der klassische Verspannungsschmerz ist, den jeder so kennt, gerade wenn er lange am Schreibtisch sitzt. Aber wenn es irgendwas ist, wo man sagt, jetzt stimmt irgendwas neurologisch nicht. Das heißt, ich habe irgendwo Missempfindungen.

Ich spüre irgendwo eine Kraftminderung. Dann ist Pflicht, dass man das ärztlich abklären lässt. Das ist ganz, ganz wichtig. Oder wenn man feststellt, wenn man selber vor Spiegel steht, irgendwie halte ich meinen Kopf nicht mehr so, wie ich ihn sonst halte. da ist irgendwas krumm oder schief. Das sind so Alarmsignale. Aber vor allen Dingen, wenn irgendwo tatsächlich eine neurologische Symptomatik auftritt, dann ist allerhöchste Zeit, einen Arzt aufzusuchen.

Und in diesem Fall war es ja ein junger Mann, ein junger Patient. Da sollte man wahrscheinlich das Augenmerk auch drauf richten, wenn es längere Zeit anhält. Ich meine, der hat Sport getrieben. Klar kann man sich da mal was zerren oder sich mal so ein bisschen, ja weiß ich nicht, unwohl fühlen nach intensivem Sport.

Das ging aber ja nun über zwei Jahre und das sollte man bei jungen Menschen dann nicht so auf die leichte Schulter nehmen. Was können Sie da noch mitgeben? Na generell ist es, also wenn ein junger Mensch über einen längeren Zeitraum und da würde ich... Nicht unbedingt zwei Jahre sagen, sondern das sollte schon früher losgehen. Also wenn ein junger Patient über mehr als drei Wochen Schmerzen im Bereich einer Region hat, ohne dass ein Auslöser da ist, dann muss das abgeklärt werden.

Und diese Tumoren im Bereich der Wirbelsäule, die müssen nicht immer gutartig sein. Da gibt es auch viele bösartige Tumoren, das heißt nicht viele, aber es gibt sie halt. Und wenn die nicht rechtzeitig erkannt werden... dann haben wir nicht nur das Problem, dass dauerhafte Schäden entstehen, sondern die können dann eben auch wirklich fatal auslaufen und haben dann eine relativ geringe Überlebensrate.

Für mich, wie gesagt, wie ich es am Anfang auch schon gesagt habe, gehört eigentlich eine Bildgebung dazu bei jedem Patienten. Das muss man dann gegebenenfalls auch mal mit den Eltern besprechen und sagen, also die tatsächliche... Radiologische und Strahlenbelastung, die da rauskommt, die ist zu vernachlässigen. Das muss man nicht jede Woche machen, aber wenn jemand das erste Mal kommt, dann gehört einfach eine Bildgebung dazu.

Das war die Diagnose. Ich bin Annika Geißler. Bleiben Sie gesund. Bis zum nächsten Mal. Dieser Podcast ist eine Produktion der Audio Alliance.

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