Sie hat es dicke! - podcast episode cover

Sie hat es dicke!

May 21, 202636 minEp. 149
--:--
--:--
Download Metacast podcast app
Listen to this episode in Metacast mobile app
Don't just listen to podcasts. Learn from them with transcripts, summaries, and chapters for every episode. Skim, search, and bookmark insights. Learn more

Episode description

Alle Rabattcodes und Infos zu unseren Werbepartnern findet ihr hier: https://linktr.ee/diediagnose


EXKLUSIVES NordVPN-Angebot ➼ Unter nordvpn.com/diagnose gibt es einen Mega-Rabatt und 4 Extra-Monate auf die 2-Jahrespakete

Testet es jetzt risikofrei mit einer 30-Tage-Geld-zurück-Garantie!


Hol dir deine persönlichen Daten mit Incogni zurück! Gib einfach den Code diagnose über den Link unten ein und hol dir 60 % Rabatt auf ein Jahresabo: https://incogni.com/diagnose

Eine Frau leidet an Übergewicht, Schlafstörungen und Schweißausbrüchen. Ein Spezialist entdeckt die Ursache: in ihrem Kopf.

Dieser Podcast wird vermarktet von Julep Media: sales@julep.de


Wir verarbeiten im Zusammenhang mit dem Angebot unserer Podcasts Daten. Wenn Sie der automatischen Übermittlung der Daten widersprechen wollen, melden Sie sich hier: datenschutz@julep.de

Transcript

Sie hatte halt geklagt über eine unerklärliche Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen insbesondere, Schlafstörungen, Herzrasen, Schweißausbrüche. Das hat mich ein bisschen aufhorchen lassen und vor allen Dingen, dass sie mir glaubhaft versichert hat, dass sie ihre Ernährung kontrolliert und trotzdem an Adipositas leidet. Wenn wir was finden, eine Erkrankung, die das hohe Körpergewicht erklärt, dann können wir diese Erkrankung behandeln und damit das Körpergewicht senken.

Und das ist doch was Gutes. Diese gesamte Beschreibung der Patientin hat mich halt irgendwie stutzig gemacht und ich habe halt gedacht, da liegt vielleicht irgendwas anderes dahinter, als einfach zu dick geworden durch zu viel Essen. Ärztinnen und Ärzte sollen Leben retten. Sie sollen Krankheiten erkennen und Leiden heilen. Aber was ist, wenn sich eine Krankheit nicht so leicht erkennen lässt?

Was wenn rätselhafte Beschwerden es den Medizinerinnen und Medizinern schwer machen, die Ursache einer Erkrankung zu finden, dann kann man nur hoffen, dass man Expertinnen und Experten an seiner Seite hat, die dranbleiben, die nicht nachlassen, bis sie sie endlich gefunden haben. Die Diagnose. Der Stern Podcast. Ich bin Annika Geißler, Ärztin und Redakteurin und beim Stern für die Rubrik Die Diagnose verantwortlich. Hier erzählen Medizinerinnen und Mediziner von ihren ungewöhnlichsten Fällen.

Mein heutiger Gesprächspartner ist Dr. Tim Holstein, Internist, Endokrinologe, also Hormonspezialist, Diabetologe und Ernährungsmediziner am Uniklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. Dort beschäftigt er sich unter anderem mit der Prävention von Übergewicht und Adipositas. Er forschte unter anderem in den USA zum Thema Stoffwechsel. Heute arbeitet er als Oberarzt für Innere Medizin und Endokrinologie am Kieler Uniklinikum und leitet das Ernährungsteam.

Er widmet sich neben der Forschung viel den Patientinnen und Patienten. Manche kontaktieren ihn sogar via Instagram. Mit ihm spreche ich über eine Patientin Anfang 40, die mit starkem Übergewicht, Sie versicherte Tim Holstein, dass sie auf ihre Ernährung und genügend Bewegung achtete. Und trotzdem hatte sie immer weiter zugenommen. Seine Neugier war geweckt. Was konnte der Grund für diese rätselhafte Gewichtszunahme sein? Die Patientin ist, glaube ich, Mitte 40.

Und sie hatte mich vor ein paar Jahren kontaktiert, über Instagram interessanterweise. Weil da habe ich so einen Account, wo ich halt über meine Forschungsthemen berichte, über neue Erkenntnisse aus dem Thema Stoffwechsel und Adipositas. Und da hat sie mir halt geschrieben und meinte, Herr Holstein, ich brauche Ihre Hilfe, ich komme nicht mehr weiter. Kein Arzt glaubt mir mehr. So das, was man als Arzt auch häufig hört, wenn ich Patienten in meiner Sprechstunde sehe.

Und damals habe ich dann diese Nachricht gelesen und ich habe gedacht, okay, dann antworte ich ihr mal und versuche mal genau rauszufinden, was sie denn hat und sie war erst mal sehr glücklich, dass ich überhaupt geantwortet habe, aber ich probiere das auf jeden Fall immer zu machen und sie hatte halt geklagt über eine unerklärliche Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen insbesondere. Schlafstörungen, Herzrasen, Schweißausbrüche.

Und sie sei damit schon bei unzähligen Ärzten gewesen und niemand hätte sie wirklich ernst genommen und meinte dann halt meistens zu ihr, ja, das ist psychosomatisch, wir konnten nichts finden im Blut. Schilddrüse ist okay, etc. Und sie müssen einfach jetzt sich mehr bewegen und weniger essen, dann nehmen sie ab. Und das hat aber alles nicht geklappt. Die Patientin hatte mir erzählt, dass sie auch Kalorien zählt und sie wirklich auch drauf und dran ist,

sich zu bewegen. Aber das hat nicht funktioniert. Sie hat trotzdem weiter mit ihrem Gewicht zu kämpfen gehabt und sie hatte auch einen sehr hohen Bodymass-Index. Der lag so bei 44. Und das ist halt schon sehr, sehr starkes Übergewicht. Also wir definieren ja Übergewicht mithilfe des Body Mass Index über 25. Das ist Körpergewicht durch Körpergröße in Metern zum Quadrat. Und ab über 30 hat man eine sogenannte Adipositas, also eine Fettsucht oder Fettleibigkeit.

Und über 40 ist es dann eine sehr schwerwiegende Form der Adipositas. Und das hatte sie halt. Das haben Sie alles erfahren, als Sie da in Kontakt mit ihr getreten sind, dann haben Sie ja vermutlich auch mal persönlich kennengelernt. Ist sie in Ihre Sprechstunde gekommen? Genau, sie ist in meine Sprechstunde gekommen. Also wir haben ihr einen Termin gegeben. Es ist so, dass wir aber immer recht lange Wartezeiten haben.

Also von dem Beginn der Kontaktaufnahme bis zum Termin sind dann ungefähr sieben, acht Monate vergangen, muss ich dazu sagen. Weil ich kann halt nicht Leute einfach so dazwischen schieben oder so. Das geht nicht. Nur in Notfällen geht das natürlich, aber das war jetzt kein Notfall. Und deswegen haben wir uns dann sieben, acht Monate später gesehen. Und da hat sie mir das nochmal erklärt. Sie war erst mal sehr dankbar, dass ich sie eingeladen habe.

Und dann haben wir eine umfangreiche Untersuchung gemacht. Also Sachen, die ich normalerweise auch gar nicht mache in meinem Stationsalltag oder in meiner Sprechstunde. Wir haben also neben dem Gespräch und der Blutinnahme auch ihre Körperzusammensetzung gemessen. Das heißt, wie viel Fettmasse hat sie, wie viel Muskelmasse, wie viel viscerales Fett besitzt sie. Das ist das Bauchfett, ne? Genau, wie viel des schlechten Fettes, weil das ist sehr entzündungsfördernd.

Und da haben wir zum Beispiel gesehen, dass sie sehr viel viszerales Fett besitzt. Und wir haben auch ihren Energieverbrauch gemessen, beziehungsweise mit diesem Gerät. Und der war auch eher niedrig. Und das waren dann schon Hinweise, die darauf hindeuten, dass irgendwas am Stoffwechsel nicht gut läuft. Lassen Sie mich mal ganz kurz einhaken.

Sie hatten diese Vorinformationen bekommen. um deutlich, deutlich zu hoher Body Mass Index, Herzrasen, Wassereinlagungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, dass sie schon viel versucht hätte und sich auch bewegen würde und dass das aber alles irgendwie nicht besser werden würde. Nur mal, wenn Sie sowas hören und wenn Sie einen Patienten oder eine Patientin kennenlernen und sehen, Adipositas liegt vor, was haben Sie denn eigentlich im Kopf?

Also Sie haben ja gerade schon gesagt, wir haben da ziemlich genau dann angefangen zu untersuchen, Aber ich sage jetzt mal normalerweise, woran denken Sie, was sind da die Ursachen? Man denkt ja nicht sofort, da schlummert irgendwas Geheimnisvolles in den Patienten. Nee, das ist richtig. Also viele Menschen kommen zu mir in die Sprechstunde, klagen über hohes Körpergewicht und wir finden nichts.

Und man muss dann so ein bisschen differenzieren, bei welchen Patienten könnte eine Erkrankung dahinter liegen. Also wo dann die Adipositas sekundär sich entwickelt, sagen wir Ärzte dazu. Und bei ihr hatte die Beschreibung mit den starken Wassereinlagerungen, auch mit der sogenannten Stammfettsucht, also dass sie eher so über sehr dicken Bauch geklagt hat und eher so schlankere Extremitäten, aber die waren jetzt auch nicht komplett schlank.

Aber das hat so mich ein bisschen aufforchen lassen und vor allen Dingen, dass sie mir glaubhaft versichert hat, dass sie ihre Ernährung. Und trotzdem an Adipositas leidet. Und manchmal lohnt es sich dann halt, in solchen Fällen genauer hinzuschauen. Das mache ich jetzt auch nicht nur bei ihr, das mache ich auch bei anderen, die in meine Sprechstunde kommen und sowas ähnliches berichten.

Denn wenn wir was finden, eine Erkrankung, die das hohe Körpergewicht erklärt, dann können wir diese Erkrankung behandeln und damit das Körpergewicht senken. Und das ist doch was Gutes. Und man muss halt so ein bisschen den klinischen Blick haben, bei welchen Patienten macht es Sinn, bei welchen nicht. und den entwickelt man mit der Zeit. Und bei ihr hatte ich dieses Gefühl.

Wir haben uns ja vorher auch schon über den Fall ein bisschen unterhalten, bevor wir uns jetzt hier im Podcast getroffen haben. Die Patientin hatte ja auch ein Diabetes entwickelt. Das ist ja auch schwerwiegend und nicht unerheblich, das noch zu erwähnen. Und was ich interessant fand, was Sie gesagt hatten, Fieberschübe und Antriebslosigkeit, das ist ja auch was, wo man sagt, okay, Leute haben Übergewicht, das wird nicht besser oder wird nicht weniger, trotz Diäten,

aber das ist ja auch nochmal was Besonderes, oder? Ja, definitiv. Also der Diabetes, der sich noch entwickelt, der macht einen auch schon mal stutzig, das stimmt. Das ist eine wichtige Diagnose, die jetzt bei mir auch noch eine Rolle gespielt hat. Die Fieberschübe konnte ich nicht so wirklich erklären, aber ich habe sie erst mal ernst genommen. Diese gesamte Beschreibung der Patientin hat mich halt irgendwie stutzig gemacht.

Und ich habe halt gedacht, da liegt vielleicht irgendwas anderes dahinter, als einfach zu dick geworden durch zu viel Essen. Wie sind Sie weiter vorgegangen? Sie haben gerade von diesen speziellen Untersuchungen erzählt. Sie haben vermutlich auch Blut abgenommen, da kann man ja ganz vieles überprüfen. Schilddrüse haben Sie gerade schon erwähnt, war wahrscheinlich in Ordnung. Was haben Sie noch angeguckt? Genau, also die Blutwerte geben schon mal einen ersten Hinweis.

Die Schilddrüse ist natürlich immer der erste Verdächtige, den man bei Menschen mit Adipositas mal untersucht. Zu schauen, haben Sie vielleicht eine Schilddrüsenunterfunktion? War bei ihr aber nicht der Fall. Dann haben wir noch weitere Hormone getestet. Wir haben uns angeschaut, wie ist die Östrogenproduktion bei der Frau. Weil manchmal kann auch ein Östrogenmangel, also im Prinzip eine vorgezogene Menopause, dafür verantwortlich sein.

Wir haben uns angeschaut, wie ist das Wachstumshormon bei der Frau. Also wir sind ja Endokrinologen. Ich bin also Hormonspezialist, deswegen schaue ich primär auf die Hormone. Das war aber auch okay. Was wir aber gesehen haben, was auffällig ist, das war das Hormon Cortisol. Das Stresshormon unseres Körpers oder eins der wichtigen Stresshormone unseres Körpers. Es gibt ja auch noch Adrenalin und Neuadrenalin. Aber Cortisol spielt auch eine wichtige Rolle. Und das war erhöht bei dieser Patientin.

Und das war sehr interessant, weil wir zusätzlich zum Cortisol immer noch ein weiteres Hormon messen und dieses Hormon nennt sich ACTH. Und dieses Hormon wird im Gehirn produziert und es ist im Prinzip der Signalgeber für die Nebennieren, Cortisol zu produzieren. Je mehr ACTH das Gehirn ausschüttet, desto mehr Cortisol wird produziert. Und dieses ACTH wird in der Hörnanhangdrüse produziert, die nennt sich auch Hypophyse.

Und als wir das bei ihr gemessen hatten, war dieser Wert halt auch schon im oberen Normbereich. Und das ist für uns schon ein bisschen auffällig, wenn gleichzeitig das Blutkortisol auch erhöht ist. So, das war schon mal ein erster Hinweis, dass wir das Kortisolsystem, das Stresssystem des Körpers, mal genauer unter die Lupe nehmen sollten. Und das haben wir dann gemacht.

Denn wenn man die Vermutung hat, dass der Körper zu viel Cortisol produziert, dann reicht es nicht einfach aus, nur das Cortisol im Blut zu messen. Wir brauchen dann extra Tests. Und welche sind das? Die Tests, die wir benutzen, sind drei Stück. Und zwar messen wir zuerst das Cortisol im Speichel. Und zwar an drei verschiedenen Zeitpunkten. Einmal morgens, einmal mittags und einmal sehr spät abends. Dieses Cortisol im Speichel sollte normalerweise im Verlauf des Tages abfallen.

Und im Unterschied zum Blutkortisol ist das Cortisol im Speichel auch das sogenannte freie Cortisol. Das heißt, wir messen nochmal eine bestimmte Form von Cortisol, was uns hilft bei der Auswertung der Ergebnisse. Also wir wollen sehen, das Cortisol fällt ab bei der Patientin von morgens bis abends. Dann messen wir das Cortisol im Urin. Und das hat auch damit zu tun, dass wir dann das freie Cortisol messen können und wir messen das auch über 24 Stunden.

Also muss die Patientin einmal Urin sammeln für 24 Stunden. Und als drittes messen wir, wie der Körper reagiert auf externes Cortisol. Denn es ist so, wenn wir Cortison nehmen zum Beispiel, manche Menschen nehmen das ja aufgrund von Autoimmunerkrankungen oder nach einer Organtransplantation. Dann ist es so, dass unser Körper das merkt und er die eigene Cortisonproduktion herunterfährt.

Das heißt, die Hörnanhangsdrüse merkt, oh, hier ist ja ganz viel Cortisol von draußen, ich muss kein eigenes mehr produzieren, ich schütte jetzt mal kein ACTH mehr aus. Und deswegen wird dann auch weniger Cortisol produziert aus der Nebenniere. Und das können wir messen. Die Patientin nimmt dann abends dafür eine Tablette ein mit hochdosiertem Cortison und kommt dann am nächsten Morgen zu uns zur Blutinnahme.

Und interessanterweise haben wir dann das Gemessen, das Cortisol morgens bei der Patientin und es sollte normalerweise sehr niedrig sein, weil der Körper ja die eigene Produktion einstellt. Bei der Patientin war das aber nicht der Fall, das war erhöht. Gleichzeitig war auch die Cortisolproduktion im Urin erhöht und in den Speichelproben zeigte sich, dass das Cortisol nicht abgefallen ist zum Abend hin.

Und diese ganzen Punkte, diese ganzen Ergebnisse waren alle positiv und die haben uns dann schon sehr hellhörig gemacht. Und wir waren eigentlich dann so weit gekommen, dass wir sagen könnten, okay, die Patientin hat zu viel Cortisol im Blut. Und das ist ein Hinweis für eine Erkrankung, die nennt sich Cushing-Syndrom. Lassen Sie uns ganz kurz eine kleine Wollte noch machen zu dem Cortisol. Wir haben schon gesagt, manche kennen das Cortison als Tablette.

Viele haben Angst davor, das ist ein schwieriges Medikament, aber wir sind ja beim Cortisol. Das ist ja eigentlich ein Hormon, was auch wichtig und gut ist. Weil wir jetzt gesagt haben, da ist was nicht so in diesem ganzen Stoffwechselkreislauf richtig gelaufen, vermutlich bei der Patientin. Aber ich glaube, dass wir morgens aus dem Bett kommen, dass wir durch den Tag kommen, dass wir irgendwie Antrieb haben und so. Dafür ist es doch eigentlich gedacht und auch gut, richtig?

Definitiv. Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon. Es ist das Hormon, was auch wie die Schilddrüsenhormone eigentlich unseren Stoffwechsel in Gang hält und dafür sorgt, dass alles gut funktioniert und unser Körper genug Energie hat. Weil Cortisol zum Beispiel auch in bestimmten Maßen den Blutdruck erhöht oder dafür sorgt, dass wir überhaupt einen guten Blutdruck haben.

Es sorgt dafür, dass unser Herz richtig schlägt, dass unsere Stoffwechsel richtig funktioniert, dass Zucker produziert wird von der Leber zum Beispiel oder auch, dass die Fettverbrennung stattfindet, und die Fettzellen entsprechend gut funktionieren. Also Cortisol spielt eine extrem wichtige Rolle. Wenn wir keins haben, dann können wir sterben. Das ist ganz klar. Es gibt eine Erkrankung, wo man kein Cortisol produziert. Die nennt sich Morbus Edison.

Das ist eine Erkrankung, wo die Nebenniere einfach sagt, ich mache nicht mehr. Meistens ist es aufgrund einer Autoimmunerkrankung zum Beispiel. Ich nenne das immer die Hashimoto-Erkrankung der Nebenniere. Hashimoto ist die Stilldrüsenunterfunktion. Wenn die Nebenniere keine Lust mehr hat, dann ist das ein guter Vergleich. Und diese Erkrankung sorgt dafür, wenn die Menschen nicht behandelt werden, dass sie sterben können. Und die müssen von uns dann Cortison bekommen, um am Leben zu bleiben.

Das ist dann wie, wenn Menschen mit einer Schilddrüsenerkrankung, also einer Unterfunktion der Schilddrüse, das Schilddrüsenhormon L-Tyroxin einnehmen müssen. So kriegen diese Menschen dann Cortison. Also Cortison ist lebenswichtig. Ohne Cortisol können wir nicht überleben. Aber wenn man zu viel des Guten hat, ist auch schlecht. Das ist wie mit den Schilddrüsenhormonen. Zu wenig ist schlecht, zu viel ist auch schlecht. Gut, dann haben Sie das nochmal ein bisschen deutlicher gemacht.

Und Sie haben jetzt gerade davor gesagt, okay, wenn das zu viel ist, und das haben Sie ja nachgewiesen, dann spricht man von Morbus Cushing. War denn da schon klar, okay, wenn das Morbus Cushing ist, dann passen auch diese ganzen Beschwerden, die die Patientin beschrieben hat? Also Herzrasen, Schlafstörung, Wassereinlagung, Gewichtszunahme, Schweißausbrüche. Das passte alles? Ja, genau. Das ist nämlich ganz interessant. Das passt dann sehr gut. Was entwickeln Patienten mit Morbus Cushing?

Auf jeden Fall erst mal werden die dick. Die entwickeln eine starke Adipositas. Man sieht das denen auch an oft. Und zwar kriegen die an bestimmten Stellen besonders viel Fettablagerung. Dazu zählt einerseits der Bauch. Das ist diese Stammfettsucht. Also ein wirklich dicker Bauch. Der wird so schnell so dick, dass sich solche Schwangerschaftsstreifen entwickeln können. Strierube nennen wir die in der Medizin. Weil die Haut einfach nicht so schnell

mitwachsen kann wie das Fett. und die Haut auch tendenziell dünner wird durch die erhöhte Kortison-Belastung im Körper. Das kennen vielleicht einige, wenn man Kortison-Cremes regelmäßig aufträgt, dann wird auch die Haut dünner. Wir nennen das Pergamenthaut. Also das ist ein Problem. Sie hatte zwar diese Schwangerschaftsstreifen jetzt nicht direkt, aber diese Stammfettzucht. Und dann hat man ein Vollmondgesicht. Also die Fettablagerungen im Gesicht herum

sind besonders sensibel und werden dann besonders dick. Man kriegt dann ein rundes Gesicht. Man kriegt einen sogenannten Stiernacken. Das heißt, so ein kleines Fettpolster hinten am Ende des Halses. Und das sind so Zeichen, die man von außen schon erkennen kann. Und bei ihr hat das so ein bisschen zugetroffen. Also sie hatte auf jeden Fall ein rundes Gesicht. Einen Stiernacken hatte sie nicht. Und man kriegt manchmal auch mehr Behaarung. Frauen kriegen mehr Behaarung.

Das sind alles so Effekte von zu viel Kortison im Blut. Dann kann der Blutdruck steigen. Das sehen wir bei ihr auch. Sie hat ja auch hohen Blutdruck gehabt. Wassereinlagerungen bilden sich durch den erhöhten Blutdruck auch. Und der Diabetes entwickelt sich, weil Kortison, wenn es zu hoch ist, dazu führt, dass eine Insulinresistenz entsteht.

Das heißt, der Körper wird unempfindlich für Insulin und der Blutzucker, der sammelt sich dann im Blut an, steigt nach oben und die Menschen kriegen Diabetes. Das heißt, das passte alles sehr gut. Jetzt war ja die Frage, warum ist das überhaupt entstanden? Also das war nämlich der nächste Punkt. Wir wollten dann gucken, okay, wir haben das Cushing-Syndrom bei der Patientin diagnostiziert.

Die Blutwerte sind eindeutig. Normalerweise müssen, oder die ganzen Diagnostiken, die wir gemacht haben, waren eindeutig, die Untersuchungen. Normalerweise müssen bloß zwei von drei von diesen Untersuchungen, die ich genannt habe, auffällig sein. und sie hatte drei, die auffällig waren, also sehr eindeutig. So, als nächsten Punkt müssen wir schauen, woher kommt das. Und da gibt es drei Orte, wo das herkommen kann.

Entweder produziert die Nebenniere von sich aus heraus zu viel Cortisol, weil sie einfach sagt, hier, ich habe jetzt einen Knoten zum Beispiel entwickelt und dieser Knoten produziert zu viel Cortisol. So wie ein Schilddrüsenknoten auch zu viel Schilddrüsenhormone produzieren kann, zum Vergleich. Das ist Punkt eins. Dann wäre Punkt 2, die Hörnanhangdrüse produziert zu viel ACTH. Was dann natürlich zur Nebenniere geht und dort die Cortisolproduktion ankurbelt.

Und dann gibt es noch Punkt 3. Es gibt irgendwie ein anderes Gewebe im Körper, was sehr viel ACTH produziert, was nicht in der Hörnanhanggrüse ist. Und dieses ACTH, das stimuliert dann auch die Nebenniere, um mehr Cortisol zu bilden. Und das mussten wir rausfinden. Zwischen Punkt 1 und Punkt 2 kann man im Prinzip recht schnell sehen, welcher zutrifft, wenn man sich das ACTH im Blut anschaut. Wenn die Nebenniere der Übeltäter ist, dann wäre ACTH niedrig.

Wenn die Hörnaderngrüse der Übeltäter ist, dann ist ACTH hoch. So, wir haben das gemessen. Ich hatte es ja am Anfang schon gesagt, es war bei ihr hoch. Deswegen konnten wir sagen, okay, die Nebenniere ist nicht das Problem. Und das Problem muss wahrscheinlich im Gehirn liegen, in der Hirnanhangdrüse. Aber wir können das noch nicht mit ziemlicher Sicherheit sagen, denn es gibt ja auch noch Punkt 3, was ich genannt habe. Ein anderes Gewebe im Körper kann ACTH produzieren.

Und da wäre natürlich ACTH im Blut auch hoch. So, jetzt haben wir zwei Situationen, wo ACTH erhöht sein kann. Wie kann man das unterscheiden? Und da machen wir einen sehr spannenden Test. Und zwar ist das ein Test, wo wir auch wieder Cortisol geben, aber diesmal in einer sehr, sehr, sehr hohen Konzentration. Noch viel höher als bei dem ersten Test, wo wir Cortisol gegeben haben. Der Hintergrund ist, wenn wir ganz viel Cortison geben.

Irgendwann ist so viel Cortison da, dass selbst die Zellen in der Hörnanhangdrüse irgendwann sagen, es ist jetzt so viel Kortison da, ich drossel mal meine ACTH-Produktion doch ein bisschen. Obwohl die eigentlich sehr viel produzieren. Das hat damit zu tun, dass diese Zellen noch empfänglich sind für so ein Signal von externem Kortison. Und bei so einem Gewebe, was nicht in der Hörnanhangdrüse liegt, Da wäre das nicht der Fall. Die können das nicht merken, wie viel Cortison im

Körper ist. Die produzieren einfach weiter ACTH. Und das können wir dann halt messen. Wir geben ihr also diese sehr, sehr hohe Dosis Cortison. Dann nimmt sie die ein, geht schlafen, kommt am nächsten Morgen zu uns. Dann nehmen wir Blut ab und dann können wir das messen. Und was haben wir gemessen? Wir haben gesehen, dass durch die Einnahme dieser hochdosierten Cortisonmenge der ACTH-Wert gesunken ist und auch das Cortison gesunken ist im Blut.

Und das deutet darauf hin, dass das Problem in der Hirnanhangdrüse liegt und nicht woanders. Woanders wäre auch eher schlecht, weil welche Gewebe produzieren meistens ACTH und liegen nicht im Gehirn, das ist meistens Krebs, meistens Lungenkrebs. In der Hinsicht war das schon mal beruhigend, das hat sie wahrscheinlich nicht, aber... Sie hat wahrscheinlich ein Problem in der Hirnanhangdrüse. Und das konnten wir damit wahrscheinlich, also wir konnten das mit ziemlicher Sicherheit sagen.

Es ist ja toll, wie Sie das erklärt haben, dass Sie sagen, okay, es könnte Punkt 2 oder Punkt 3 sein, wo ist der Übeltäter? Und dass dann die Hirnanhangdrüse doch auf diesen einen Test gewillt ist, ein bisschen zu reagieren und die Produktion runterzufahren. Und dass das bei dieser Patientin ja der Fall war, dass man quasi sich so Gewebe, wie sie reagieren, vorstellen können.

Na, das ist noch ein bisschen sensibel drauf, aber wenn es ein anderes Gewebe wäre, vielleicht sogar ein bösartiges, das reagiert dann gar nicht mehr. Ich glaube, das kann man sich ganz gut vorstellen. War ja eigentlich im Vergleich zu Punkt 3 noch eine ganz gute Nachricht, wenn Sie sagen, okay, es kam aus der Anhangsdrüse. Nicht, dass man das unbedingt sagt, ja, wollte ich schon immer die Diagnose haben, aber besser als die Alternative Punkt 3, die Sie genannt haben.

Genau, das ist definitiv so. Wir haben das der Patientin erklärt. Ich war natürlich erst mal schockiert, weil sie dachte, sie hat einen Tumor im Kopf. Ich habe ihr dann gesagt, nein, das nennen wir eher, wenn dann Knoten. Und außerdem haben wir den jetzt noch gar nicht nachgewiesen. Wir vermuten das jetzt nur anhand der ganzen Diagnostik, die wir gemacht haben. Und jetzt müssen wir ihn noch nachweisen. Was machen wir dafür? Natürlich ein Bild vom Kopf.

Wir haben sie also zu einem MRT geschickt. Sie kam dann wieder mit den Ergebnissen und dort zeigte sich ein unauffälliger Befund. Die Höranhangsdrüse sah komplett normal aus. Waren wir erstmal ein bisschen überrascht, wir hatten eigentlich was anderes erwartet. Normalerweise sieht man das, wenn da so ein Knoten ist. Aber es gibt halt auch Fälle, wo die Knoten sehr, sehr klein sind, sodass sie im MRT nicht erkannt werden können. Wir haben dann nochmal ein höher auflösendes MRT gemacht.

Und da war eventuell was erkennbar. Wir haben auch mit neurochirurgischen Kollegen gesprochen, die dafür zuständig sind aus Hamburg. Am UKE in Hamburg gibt es einen ganz erfahrenen Neurochirurgen. Der hat sich das auch nochmal angeschaut. Da hatte ich die Patientin hingeschickt. Und der meinte, ja, er könnte eventuell was erkennen, aber er ist sich auch nicht sicher. Und wir wollten dann, um wirklich sicher zu gehen, noch einen weiteren Test

machen. Es gibt nämlich noch einen Test, den man machen kann. Und dieser Test ist ein spezieller Test, der nennt sich Sinus-Petrosus-Katheter. Im Prinzip kann man sich das so vorstellen, dass wir eine Blutabnahme in einem Blutgefäß machen, direkt neben der Hörnanhanggrüse. Denn die Hörnanhanggrüse, wenn die zu viel ACTH produziert, dann müsste in dem Blutgefäß, was von der Hörnanhanggrüse direkt kommt, sehr, sehr viel ACTH im Blut sein, weil dort kommt es ja her.

Ja, das heißt, wir schieben ein Katheter mit einem Bluternahmeschlauch so weit bis ins Gehirn vor, bis wir genau da vor der Hirn-Angangsdrüse sind und dann nehmen wir einfach Blut ab dort. So einfach ist das. Also klingt das, ist natürlich ein bisschen kompliziert. Es klingt spektakulär, wenn man sich es bildlich vorstellt, ja. Genau, aber der Sinn ist einfach eine lokale Bluternahme direkt da vor der Hirn-Angangsdrüse.

Und damit könnten wir das dann halt beweisen. Wir könnten sogar, weil es zwei Blutgefäße gibt, einmal für die rechte und linke Seite der Hohenangstrüse, können wir sogar sagen, auf welcher Seite das eher wer. Aber das Problem war, die Patientin hatte gleichzeitig noch eine weitere Erkrankung, und zwar eine Erkrankung, wo man zu wenig Blutplättchen im Blut hat. Und durch diese Erkrankung war ihre Blutgerinnung gestört.

Und ihr wurde eher abgeraten, größere chirurgische Eingriffe zu machen etc. Das war immer so ein bisschen grenzwertig. Wir hatten das mit der Patientin besprochen, hatten gesagt, dass wir das Risiko für Vertret behalten, aber sie wollte das dann erstmal nicht und hat sich dagegen entschieden, diese Untersuchung zu machen. Das heißt, wir wurden erstmal nicht schlauer. Dann haben wir der Patientin vorgeschlagen, okay, wir können es auch einfach operieren.

Also die Operation ist auch minimalinvasiv. Das geht über die Nase interessanterweise. Da kann man direkt durchdringend zur Hörnanhangdrüse, um sie zu entfernen oder einen Teil zu entfernen. Ein neurochirurgischer Kollege hatte auch gesagt, er würde das machen. Aber die Patientin wollte das auch nicht. Und dann haben wir gesagt, okay, dann können wir als weitere Option eine medikamentöse

Therapie erst mal probieren. Es gibt auch noch die Option der Bestrahlung, bloß da wollte ich erstmal von Abstand nehmen. Ich wollte erstmal schauen, wie sieht das mit den Medikamenten aus. Und es gibt seit ein paar Jahren ein Medikament, was ganz gut wirkt. Im Prinzip ist das ein Wachstumshormon-Rezepte-Antagonist, der im Prinzip sehr gut an den Zellen in der Hörnanhangsdrüse wirkt, um dort dann entsprechend die Produktion von ACTH zu reduzieren,

letztendlich die Zellen so ein bisschen schlafen zu legen. Das ist der Hintergrund. Und dieses Medikament, es wirkt letztendlich wie ein eigenes Hormon, was wir haben. Es gibt ein Hormon, das nennt sich Somatostatin. Das ist der Gegenspieler vom Wachstumshormon. Und dieses Somatostatin, wenn das ausgeschüttet wird, dann kann das zum Beispiel auch in der Anhangstrüse andocken und dort regulieren, dass zum Beispiel weniger Wachstumshormone gebildet wird, aber auch weniger ACTH ausgeschüttet wird.

Das ist so ein bisschen ein Hormon, was den Stoffwechsel ein bisschen runterfährt und im Prinzip auch zu solchen Erkrankungen positiv beitragen kann. Und dann hat man gesagt, okay, wir können ja auch so ein Hormon im Labor entwickeln, was genau die gleiche Wirkung hat, aber noch ein bisschen besser funktioniert. Und dann hat man das gemacht und hat dann eine Version entwickelt, die sehr gut bei dieser Erkrankung wirkt.

Und das injiziert man dann und dann dockt das in der Hörnanangstrüse an und dort fährt es die Zellen so ein bisschen herunter, die dieses ACTH produzieren. So, das haben wir ihr gegeben. Das gibt man einmal im Monat. Wir haben erst mit einer niedrigen Dosis angefangen. Und als Entscheidungskriterium, ob diese Therapie gut wirkt, schauen wir uns immer den Urin an und gucken, ob der Cortisolwert im Urin absinkt.

Und das haben wir gemacht. Wir haben mir das gespritzt und dann nach zwei Monaten geschaut, wie sieht es aus mit dem Urin und der ist wirklich besser geworden. Das war schon mal ein Zeichen, okay, das liegt wirklich am Cushing-Syndrom und die Behandlung scheint auch anzuschlagen. Und gleichzeitig, und das ist ganz wichtig, die Patientin kam zu uns und meinte, ihr geht es wirklich besser. Das ist ja wichtig und interessant. Sie hatte ja so viele Nebeneffekte. Genau, sie hat diese Wirkung gespürt.

Bloß ein Problem hat sich dann noch entwickelt. Und zwar, das Medikament wirkt sehr gut, um das Cortisol zu reduzieren. Aber es hat eine wichtige Nebenwirkung. Und zwar kann es den Blutzucker erhöhen. Und die Patientin hatte schon einen Diabetes. Und der hat sich unter der Therapie wirklich verschlechtert. Und das war dann wieder nicht so gut, weil ein schlechter Diabetes wollen wir nicht haben, das hat ganz viele Komplikationen.

Das heißt, dann mussten wir nochmal in unsere Trickkiste greifen in der Endokrinologie und ein weiteres Medikament herauszücken, um diese Nebenwirkungen speziell zu bekämpfen, weil ich wollte ja ihr das andere Medikament weitergeben. Und da hatten wir Glück, dass jetzt seit ein paar Jahren die sogenannten Abnehmenspritzen verfügbar sind.

Die kennt jeder, die sind sehr gut, um Gewicht zu reduzieren, aber sie wurden eigentlich ursprünglich entwickelt als Diabetes-Medikament, weil sie auch sehr gut den Blutzucker senken können. Und das war halt optimal, weil da konnten wir im Prinzip zwei Fliegen mit einer Klappe schragen. Wir konnten dafür sorgen, dass einerseits ihr Blutzucker sinkt und andererseits konnte sie auch noch extra Gewicht verlieren damit. Und ich habe hier eine besonders potente Version davon verschrieben.

Es gibt ein Medikament, was zwei Wirkstoffe drin hat von diesen Abnehmenspritzen und das macht ungefähr 20% Gewichtsverlust und senkt den Blutzucker, also den Langzeitblutzucker, sehr gut. Und sie hat das auch bekommen. Und seitdem sind ihre Werte top. Also nicht nur das Cortison im Urin, Sondern auch der Blutzucker ist jetzt fast wieder normwertig. Natürlich unter der Therapie, die sie bekommt. Und vor allen Dingen geht es ihr wunderbar. Also ich bin mit ihr regelmäßig in Kontakt.

Wir haben auch weiter über Instagram Kontakt. Das ist so ein bisschen den Vorteil, den sie jetzt hat, weil sie mich da vor ein paar Jahren kontaktiert hat. Bin ich jetzt auch sozusagen immer bei Fragen oder so mal über Instagram ansprechbar. Und das mag sie natürlich sehr. Ja, und wir haben es echt hinbekommen, dass sie nicht nur Gewicht verloren hat, ihre Wassereinlagerungen sind zurückgegangen

und ihr Gesicht ist auch schlanker geworden. Als sie letztens bei mir war, habe ich das wirklich gesehen. Also sie sieht wirklich gesünder aus und vitaler. Und es war echt schön zu sehen, wie gut diese Therapie gewirkt hat und dass wir jetzt damit erstmal weitermachen können. Weil wir halt auch diese Abnehmenspritze haben, um diese Diabetes-Nebenwirkung zu bekämpfen.

Tolle Geschichte und tolles Ende. Vielen Dank dafür, wenn Sie jetzt den Hörerinnen und Hörern ein, sage ich mal, etwas mitgeben würden. Jetzt hören ja vielleicht auch einige Personen zu, die sagen, ah ja, ich habe auch irgendwie Übergewicht und ich mache aber Diät und ich bewege mich und ich probiere alles und das wird irgendwie nicht besser. Aber das ist ja wahrscheinlich eher eine seltene Erkrankung, die Sie gerade beschrieben haben und nicht jeder kann alle Testbatterien durchlaufen.

Für wen wäre es denn geeignet zu sagen, da muss man doch mal hellhörig werden? Das kann sich ja jetzt nicht jeder angesprochen fühlen, der, weiß ich nicht, ein bisschen Übergewicht hat. Das ist korrekt, weil Adipositas und Übergewicht ist sehr häufig. Mehr als die Hälfte der Menschen sind übergewichtig in Deutschland und jeder Vierte leidet an Adipositas. Die haben natürlich jetzt nicht alle den Cushing.

Wenn man aber in sehr kurzer Zeit, ohne etwas zu ändern in seinem Leben, auf einmal eine sehr starke Gewichtszunahme bemerkt, gleichzeitig noch der Blutzucker verrückt spielt, das Gesicht aufgedunsen wirkt oder man noch andere Beschwerden hat, auf einmal starke Antriebslosigkeit, auch wie die Patientin, versichert und man wirklich nichts sonst geändert hat an seinem Leben. Das ist immer ein wichtiger Punkt. Also das kommt darauf an, wenn ich mit dem Patienten rede, wie die das so schildern.

Und manche, bei denen das wirklich so gewesen ist, die schildern das mit einer solchen Penetranz oder so glaubhaft, dass ich dann sage, okay, da muss wirklich was anderes dahinterstecken. Also wenn man solche Symptome spürt, dann sollte man das einmal abklären lassen. Denn das Cushing-Syndrom kann manchmal wirklich auch unter dem Radar verlaufen. Es gibt solche Definitionen davon auch. Das ist eine Erkrankung, die nennt sich Max-Syndrom.

M-A-C-S, es ist Englisch und heißt Mild Autonomous Cortisol Secretion. Und das ist noch gar nicht so bekannt, auch unter Ärzten. Das kann man feststellen. Und da sind die Werte halt auffällig, aber nicht ganz so auffällig, dass es ein Cushing ist und so. Aber man hat trotzdem die negativen Folgen von zu viel Cortisol. Und da wissen wir aktuell noch gar nicht, wie wir das behandeln sollen. Also ob wir da jetzt die Nebennieren zum Beispiel entfernen oder nicht.

Das wird alles noch so ein bisschen besprochen. Also wenn man sowas hat, dann sollte man das auf jeden Fall abklären lassen, solche Beschwerden. Und dafür sind diese drei Tests, die wir jetzt haben und die ich genannt habe, sind das die relevanten, um das abzuklären. Vielen Dank. Wenn man sie auf Insta finden will, wie findet man sie oder gibt man einfach ihren Namen ein? Man kann meinen Namen eingeben oder meinen Personal Doc Namen,

also den Namen Personal Doc. und dann findet man mich auf Instagram. Aber man kann auch einfach nur Tim Holstein bei Google eingeben. Da findet man meine Internetseite. Aber ich habe auch ein Buch geschrieben zu dem Thema Adipositas, wo auch das Cushing-Syndrom erwähnt wird. Und da erzähle ich ganz viel über das Problem, was viele haben, dass sie allein schon vom Anschauen des Kuchens dick werden und andere so viel essen können, wie sie wollen und schlank bleiben.

Denn es gibt, und das ist noch eine weitere Möglichkeit, warum man halt zunimmt, obwohl man eigentlich sich gesund verhält. Es gibt Stoffwechseltypen, die wir definiert haben. Menschen mit sparsamen Stoffwechseltyp, die neigen dazu, Gewicht zuzulegen und Menschen mit verschwenderischem Stoffwechseltyp halt nicht. Und da spielt ein besonderes Fettgewebe eine Rolle, was interessanterweise auch durch zu viel Cortisol deaktiviert werden kann.

Also das spielt auch da eine Rolle, das ist sehr spannend. Und wenn man sich dafür interessiert, dann kann man einfach in die Buchhandlung gehen und da gibt es das Buch mit dem Namen Das Kuchenparadox zu kaufen. Oder schon vorbestellbar. Das kann man sich gut merken. Ganz herzlichen Dank. Und ich freue mich, dass die Geschichte so ein gutes Ende genommen hat. Vielen Dank dafür. Dankeschön für die Einladung. Das war die Diagnose. Ich bin Annika Geißler. Bleiben Sie gesund. Bis zum nächsten Mal.

Die Diagnose. Der Stern-Podcast.

Transcript source: Provided by creator in RSS feed: download file
For the best experience, listen in Metacast app for iOS or Android