¶ Podcast und Fallvorstellung
Die wurde mir vom Hausarzt überwiesen mit Schwindelattacken. Also eigentlich sehr, sehr banale Symptome. Was damals schon komisch war, ich habe das aber am Anfang jetzt gar nicht so wahrgenommen und auch so interpretiert, weil das sie gesagt hat, es ist vor allen Dingen beim Abends zu Bett gehen. Haben Sie mal... drauf geachtet ob dieser schwindel kommt er denn jeden abend oder jede nacht und dann sagte sie nehmen das ist also nicht immer so und dann
Ja, klingelte es schon so langsam bei mir und dann habe ich nochmal gefragt, könnte es denn sein, dass es immer kommt, wenn sie sich zudecken? Ärztinnen und Ärzte sollen Leben retten. Sie sollen Krankheiten erkennen und Leiden heilen. Aber was ist, wenn sich eine Krankheit nicht so leicht erkennen lässt? Was, wenn rätselhafte Beschwerden es den Medizinerinnen und Medizinern schwer machen, die Ursache einer Erkrankung zu finden?
Dann kann man nur hoffen, dass man Expertinnen und Experten an seiner Seite hat, die dranbleiben. Die nicht nachlassen, bis sie sie endlich gefunden haben. Die Diagnose. Der Stern-Podcast. Ich bin Annika Geißler, Ärztin und Redakteurin und beim Stern für die Rubrik Die Diagnose verantwortlich. Hier erzählen Medizinerinnen und Mediziner von ihren ungewöhnlichsten Fällen.
Mein heutiger Gesprächspartner ist Dr. Markus Knapp. Er ist niedergelassener Kardiologe und Psychokardiologe in Schwäbisch Hall. Eigentlich wollte er Geschichtslehrer werden, doch während des Zivildienstes hat er sich umentschieden. Im Medizinstudium faszinierte ihn das Herz schon früh. Besonders spannend findet er, wie viele Herzprobleme psychische Ursachen haben. Markus Knapp ist auch Autor des Buches Gesundheit ist Herzenssache.
Wir sprechen heute über eine Frau, die unter Schwindelattacken leidet und deshalb einen Herzschrittmacher bekommt. Aber der Schwindel kommt zurück, immer abends, wenn sie ins Bett geht. Der Fall liegt schon ein paar Jahre zurück, aber ich kann mich bis zum heutigen Tag sehr gut daran erinnern.
¶ Erste Diagnose: Herzschrittmacher Nötig
Das war also eine Mit-70erin, würde ich sagen. Die war also noch nicht uralt, aber schon in einem sehr... gesegneten Alter, war eine nette Dame und die wurde mir vom Hausarzt überwiesen mit Schwindelattacken. Also eigentlich sehr, sehr... banale Symptome, was wir in der Praxis sehr, sehr häufig haben. Und die kamen also in die Praxis und wir haben relativ schnell dann die Ursache dafür gefunden.
Nämlich sie hatte eine Rhythmusstörung im EKG, ein sogenannter AV-Block. Von einem AV-Block oder Atrioventrikularblock sprechen wir, wenn die elektrische Überleitung von der Vorkammer, vom Vorhof auf die Herzkammer nicht funktioniert. Das heißt, Das Herz möchte einen Impuls starten, das wird auch erledigt, aber die Überleitung auf die Kammer findet nicht statt oder nur in gewissen Abständen.
Das hat bei dieser Patientin dann zu Ausfällen im Herzschlag geführt. Wenn der Herzschlag entsprechend langsam ist oder lange Pausen entstehen, Dann bekommt der Patient Symptome. In diesem Fall waren es Schwindelattacken, der Dame. Mit dem EKG und einem Langzeit-EKG, also 24-Stunden-EKG-Aufnahme, war die Diagnose eigentlich sehr schnell gestellt und die Dame hat einen Schrittmacher bekommen. Also ein Herzschrittmacher, der wird in der Klinik dann eingesetzt oder wie läuft das?
Also damals noch in der Klinik, der Fall ist schon weit über zehn Jahre her. Heutzutage macht man das in der Regel ambulant, ich persönlich auch. Also man muss nicht mehr wegen so einer Operation stationär eingewiesen werden. Aber es ist auch keine große Operation. Ich würde mal eher von einem Eingriff sprechen und deswegen kann man das heutzutage gut ambulant machen.
Das heißt, das ging ziemlich schnell. Die Dame kam zu Ihnen, hatte diese Schwindelattacken. Sie haben das Problem erkannt. Sie bekamen einen Herzschrittmacher. Was macht er genau? Wie behebt er das Problem? Also der Herzschrittmacher hat im Grunde genommen erstmal eine Überwachungsfunktion. Der schaut also, was macht die Patientin in dem Fall selber, erzeugt sie selber Herzaktionen.
Und wenn das der Fall ist, dann macht der Schrittmacher auch erst mal gar nichts. In dem Moment aber, wo das Herz inkompetent ist, also zum Beispiel den Herz schlagt nicht. durch eine Aktion des Sinusknotens oder es nicht überleiten kann auf die Kammer, dann... setzt der Herzschrittmacher Impulse von selbst. Das heißt, er gibt einen kleinen Stromschlag ab an die Herzmuskulatur, die sich dann...
kontrahiert und die Erregung entsprechend dann auch auf die übrigen Herzanteile weitergibt. Also er hat zwei Funktionen. Überwachung, muss ich überhaupt eingreifen? Und wenn es tatsächlich die Situation auftritt, dass eine Herzaktion aussitzt, dann ist der Schrittmacher als Backup da und macht die Arbeit vom Herzen.
¶ Rückkehr der Schwindelattacken
Wie ging das denn weiter, als der Herzschrittmacher eingesetzt war? Wie oft haben Sie die Patientin gesehen? In welchen Abständen kamen die zu Ihnen? Also üblicherweise ist es so, dass wir Etwa zwei, drei Tage nachdem das Aggregat dann im Körper implantiert ist, die Patientin sehen, gucken, wie die Wunde verheilt ist und ob der Schrittmacher funktioniert.
Das war bei der Dame der Fall. Und dann machen wir das Gleiche nochmal nach sechs Wochen. Sechs Wochen deswegen, weil in der Regel dann die Schrittmachersonden wirklich fest eingewachsen sind. die es am Anfang noch geben kann, dass sich eine Sonde wieder löst, nach dieser Zeit Gott sei Dank sehr, sehr unwahrscheinlich werden. Also nach sechs Wochen war die Dame wieder da.
Und dann habe ich sie in halbjährlichen Abständen, das ist so die durchschnittliche Zeiten, die wir routinemäßig bei beschwerdefreien Patienten Schrittmacher kontrollieren, in der Praxis gesehen. Wie ging es ihr denn mit dem Schrittmacher? Also es ging wunderbar. Vom ersten Tag an, was ja auch zu erwarten war, hat der Schrittmacher seine Arbeit aufgenommen und damit natürlich dafür gesorgt, dass diese Pausen
im EKG der Patientin nicht mehr aufgetreten sind und damit natürlich auch keine Symptome mehr. Das heißt, sie war komplett beschwerdefrei und glücklich. Aber dann? Nach einiger Zeit, sagen Sie gerne, wie lange das dauerte, veränderte sich was und Sie kamen zu Ihnen und hatten Probleme. Was war da los? Genau, also das... ging sicherlich zwei, drei Jahre dann so gut weiter. Und dann...
Ich kann mich genau daran erinnern, rief die Dame in der Praxis an und sagte, es wäre komisch, sie hätte jetzt wieder diese Attacken von damals und sie würde befürchten, dass das mit dem Schrittmacher nicht in Ordnung ist. ob sie denn vorbeikommen könnte außer der Reihe. Und da habe ich natürlich gesagt, klar, kommen Sie vorbei, weil das sind natürlich Sachen, die müssen wir dann sofort kontrollieren. Es kann auch nach zwei Jahren oder...
noch später eine Sonde sich noch mal verändern, aus der Verankerung lösen. Es kann aber auch sein, dass die Sonden schon porös werden, dass sie brechen im wahrsten Sinne des Wortes, dass sie also abknicken. Und das muss man dann unmittelbar kontrollieren. Und so habe ich dann die Patientin am selben Tag noch in die Praxis bestellt. Und wie merkte sie denn, dass es Probleme gab? Sie hatte wieder die Probleme vom Anfang, die Schwindelattacken? Genau, sie hatte die Probleme.
Exakt so wie am Anfang, also die Symptome, und deswegen war es ja auch so unheimlich, waren dieselben. Was damals schon komisch war, ich habe das aber am Anfang jetzt gar nicht so... so wahrgenommen und auch so interpretiert war, dass sie gesagt hat, es ist vor allen Dingen beim abends zu Bett gehen. Aber die Beschwerden... Die Symptome waren die gleichen. Also sie hatte wieder das Gefühl, sie könnte in Ohnmacht fallen oder es wurde ihr kurz schwarz vor den Augen. Also identisch.
¶ Rätselhafte Beschwerden und Fehlersuche
Wie war das denn, als Sie zu Ihnen in die Praxis kamen? Das war ja am selben Tag. Was haben Ihre Kontrollen ergeben? Ja, da habe ich eigentlich... hatte ich, wenn ich ehrlich bin, fest damit gerechnet, dass wir jetzt eine Schrittmacher-Fehlfunktion Also dass sich entweder der Schrittmacher verstellt hat, was selten vorkommen kann, auch wenn ich es wirklich ganz, ganz selten erlebt habe, aber es gibt es.
Oder dass tatsächlich eine von beiden Elektroden, die Patientin hatte also eine Elektrode im Vorhof und in der Herzkammer. dass sich eine von den Elektroden entweder gelöst hat oder nicht mehr so funktioniert wie am Anfang. Ich habe dann natürlich zuerst die Schrittmacherabfrage gemacht nach dem RUH-EKG. Das RUH-EKG war schon mal normal. Da zeigten sich auch schon, wir können das im RUH-EKG erkennen, dass der
Patient Schrittmacheraktionen hat. Das war dann schon mal unauffällig und erstaunlicherweise war auch die Schrittmacherabfrage komplett unauffällig. Also der Schrittmacher schien einen guten Eindruck zu machen. soweit Sie das beurteilen konnten. Was haben Sie als nächstes angeguckt? Wo hätte es noch herkommen können? Ja, dann hat man sich natürlich überlegt, wie kann das sein? Gleiche Symptome, Schrittmacher funktioniert. Es gibt manchmal solche spezifischen Manöver.
Wenn jetzt zum Beispiel Patienten eine Bohrmaschine in der Hand halten oder die Muskeln stark kontrahieren, dann werden... Diese Muskelpotenziale, was ja auch elektrische Ausschläge macht, vom Schrittmacher als Herzaktion fehlinterpretiert. Und dann sagt er ja, mein Herz arbeitet ja. Dann höre ich mal auf zu arbeiten. Das war aber bei der Dame natürlich nicht der Fall. Sie hat weder handwerklich gearbeitet, noch sonst körperlich schwer.
Also das konnte ich sehr schnell ausschließen. Dann gibt es natürlich noch viele andere Ursachen für Schwindelattacken. Beim älteren Menschen meistens so Kreislaufbeschwerden, also Blutdruckmedikamente eingenommen dann sehr schnell.
aufgestanden, vielleicht noch wenig getrunken, dann kann er natürlich auch mal schwindelig und schwarz vor den Augen nehmen. Aber das war ja überhaupt nicht von der Patientin so beschrieben, sodass es also eigentlich... überhaupt nicht in die Richtung Kreislaufbeschwerden ging und meine Überlegungen auch nicht in die Richtung gingen. Dann habe ich andere Untersuchungen durchgeführt. Ich habe die Halsschlagadern geschallt. Manchmal machen Verengungen der Halsschlagader solche Beschwerden.
Mal das Blut untersucht, ob vielleicht eine Blutarmut vorliegt, war auch nicht der Fall. Wir haben spezielle Bewegungen des Kopfes. durchgeführt, um auszuschließen, dass es sich vielleicht um eine Innenohrschädigung handelt. Auch das ist relativ häufig, macht dann eher so ein Drehschwindel wie auf dem Karussell. War komplett unauffällig und dann habe ich sie letztendlich auch noch beim Orthopäden vorgestellt.
um auszuschließen, dass die Halswirbelsäule irgendwas hat. Auch das macht ganz gerne mal Schwindel. War alles unauffällig. Da kam überall nichts raus oder nichts Auffälliges raus, sagen wir so. So ist es. Das hat wahrscheinlich ein paar Tage auch gedauert, bis sie soweit waren, wenn sie noch beim Orthopäden war und sie warteten auf die Rückmeldung. Also da ist auch Zeit vergangen. Richtig. Wie ging es denn weiter? Sie kamen dann wieder zu ihnen und dann?
Also ich habe das natürlich dann mitbekommen und irgendwann kam die Dame wieder und sagte, also es tut dir furchtbar leid, es ist alles, die Kollegen haben nichts gefunden. Und sie hat weiter. Nicht regelmäßig, aber immer wieder diese Attacken abends im Bett. Und dann habe ich gesagt, jetzt kommen Sie doch bitte nochmal vorbei. Jetzt gucke ich den Schrittmacher nochmal an, weil irgendwie...
konnte ich mir nicht vorstellen, dass die Dame sich das einbildet. Das kommt natürlich auch immer wieder vor. Dass man irgendwann aus Verzweiflung jeder Arzt kennt und sagt, naja, wir finden nichts. Also das muss dann irgendwie Einbildung sein bei der Patientin oder beim Patienten. Und das konnte ich bei dieser Dame absolut ausschließen, weil sie gar nicht der Typ dafür war. Und zweitens auch die Symptome so beschrieb, wie sie sie erkannte. Und deswegen...
war ich mir eigentlich schon ziemlich sicher, dass irgendeine Diagnose gefunden werden muss, der diese Zustände erklärt. Nun spielte das Ganze in einer bestimmten Jahreszeit vor. Bevor Sie weiter erzählen, was am Ende rauskam, wann war denn das, in welcher Jahreszeit, dass Sie sie aufsuchte? Das war also schon im Winter, also Anfang Dezember. Und ich weiß, dass es auch...
Eine Zeit war, wo es schon relativ früh bei uns in Deutschland. Heutzutage ist es ja sehr ungewöhnlich, dass man im November, Dezember schon sehr kalte Temperaturen hat. Aber das war ein Jahr, wo es ... Also schon im Dezember sehr kalt war und auch Schnee lag. Und deswegen hat die Jahreszeit in dem Jahr jetzt schon ein bisschen...
¶ Die Überraschende Ursache: Heizdecke
Weiß nicht darauf hin, einen gewissen Einfluss dann auf die Diagnosefindung. Nun saß die Patientin erneut vor Ihnen. Sie hatten sie gebeten, dass sie nochmal kommt. Wie sind Sie weiter vorgegangen? Das war ja doch sehr rätselhaft alles. Genau, ich habe sie nochmal abgefragt, alles unauffällig und ich war ehrlich gesagt auch ein bisschen dann verzweifelt, weil ich am Ende mit meinem Latein war.
um es mal vorsichtig auszudrücken. Und dann habe ich gesagt, jetzt sagen Sie mir doch noch mal, weil Sie noch mal beschrieben, dass es also immer ... Im Bett passiert und wir hatten das auch vorher schon besprochen, ob das irgendwie lagerabhängig ist, ob das ist, wenn sie sich dreht, nein, nein. Und dann habe ich sie aber, also nochmal. Sie soll die Umstände, wie das auftritt, noch mal genau beschreiben und dachte aber eher, wie gesagt, ein spezielles Manöver durch die Patientin.
Vielleicht eine gewisse Situation, wenn sie die Augen zumacht oder kurz vorm Einschlafen. Und dann erwähnte sie das allerdings zum ersten Mal, dass sie sich also hinlegt und dass sie... sich dann mit ihrer Heizdecke zudeckt, die sie im Winter gelegentlich benutzt und dass sie dann Ein paar Sekunden später, wenn sie also liegt und sich mit dieser Decke zudeckt, dass sie dann diese Beschwerden bekommt. Und da klingelte es schon bei Ihnen sofort?
Also ich muss zugeben, noch nicht sofort, unmittelbar, aber nach ein paar Minuten habe ich dann gedacht, Mensch, jetzt fragst du doch nochmal nach. Apropos Heizdecke, haben sie mal drauf geachtet, ob dieser Schwindel kommt, der denn jeden Abend oder jede Nacht. Und dann sagte sie, nee, nee, das ist also nicht immer so. Und dann...
Ja, klingelte es schon so langsam bei mir. Und dann habe ich nochmal gefragt, könnte es denn sein, dass das immer kommt, wenn Sie sich zudecken? Und die Patientin guckte ganz irritiert und wusste jetzt, glaube ich, auch nicht, warum ich ihr diese Frage stelle.
Und konnte mir dann auch gar nicht so eine genaue Antwort geben, aber sie sagte, also wenn sie jetzt so ein bisschen überlegt, also heute Nacht wäre es ja wieder so gewesen und heute Nacht oder am Abend hätte sie tatsächlich die Heizdecke benutzt. Was war denn das für eine Heizdecke? Was haben Sie darüber herausgefunden? Dann habe ich natürlich gefragt, was ist mit der Heizdecke? Ist die neu oder ist die schon älter? Und da hatte ich auch schon eine gewisse Vermutung.
Insofern bestätigt, dass die Dame sagt, das wäre eine uralte Heizdecke, die sie vor 20 Jahren von ihren Kindern mal geschenkt bekommen hätte, weil sie... grundsätzlich unter kalten Füßen leiden würde, vor allen Dingen natürlich im Winter. Und dann wäre diese Heizdecke halt immer mal wieder in Gebrauch gewesen, im Sommer natürlich nicht. Und für mich hat sich das so angehört, als ob die natürlich schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat und eventuell vielleicht auch ein Defekt hat.
Was haben Sie der Dame geraten nach dieser neuen Information? Dann habe ich einfach mal einen Auslassversuch unternommen oder der Patientin angeraten. Machen wir doch mal folgendes Experiment. Schrittmacher ist in Ordnung, Sie brauchen sich keine Sorgen machen. Und jetzt lassen Sie doch einfach mal die Heizdecke heute Abend weg. Einfach mal, um zu schauen, ob das einen Einfluss auf Ihre Beschwerden hat.
Und am nächsten Tag ruft die Patientin an und sagt, also Herr Dr. Knapp, ich muss sagen, ich habe heute Nacht ohne Probleme und ohne Schwindel bin ich... eingeschlafen und aufgewacht und hatte überhaupt keine Beschwerden. Ein schöner Anruf am nächsten Tag. Haben Sie diese Heizdecke mal selber gesehen im Nachhinein? Dann war für mich eigentlich Klar, dass die Heizdecke mit diesen...
Schrittmacher und der Schrittmacherfehlfunktion der mutmaßlichen zu tun haben müsste. Und weil sie ja auch schon, wie gesagt, sehr alt war, habe ich gedacht, jetzt kommen Sie bitte heute nochmal und bringen mir mal diese Heizdecke mit. Und dann habe ich mir die in der Praxis angeguckt und dann hat sich das eigentlich bestätigt, was ich schon vermutet hatte. Die Heizdecke, die war wirklich an mehreren Abschnitten verschlissen, altersbedingt.
Zum Teil lagen tatsächlich diese Kabel- oder Wärmedrähte ohne Ummantelung frei. Also man musste sich schon fragen, warum man so ein Gerät oder so ein Utensil überhaupt noch benutzt hat. Aber mit dem ersten Blick konnte man erkennen, dass diese Heizdecke einen Defekt hat.
Wenn ich das so höre, dass da Drähte frei lagen oder zumindest Teile von Drähten, da kriegt man ja richtig Angst, wenn man das so hört. Wo ich so denke, wenn das auf die Haut direkt kommt, vielleicht war noch eine andere Decke dazwischen. Kann man ja vielleicht froh sein, dass da nicht, ich sag mal, dass da ein richtiger Stromschlag passiert ist, oder? Ja, absolut. Also das hätte sicherlich auch geschehen können.
Ich weiß jetzt nicht mehr, ob die Drähte jetzt über längere Strecken freilagen oder es war auf alle Fälle wirklich große Defekte in dieser Decke, sodass einfach dieser... diese Drähte nicht mehr geschützt waren. Die waren sicherlich zum Teil auch nicht mehr isoliert. Und natürlich kann man dann auch in direkten Kontakt mit Strom kommen. Und das muss es nicht gleich immer verheerende Auswirkungen haben, aber es ist zumindest sehr unangenehm. Bei den meisten...
Erzeugt sowas, wie wir das auch von medizinischen Niedrigstromgeräten können, ein leichtes Kribbeln auf der Haut. Also man spürt so ein bisschen diesen Strom oder wir kennen das auch, hat man als Kind immer gerne gemacht, mit der Zunge an eine Batterie gekommen ist. Also so dieses leichte Bitzeln. Das spürt man dann eigentlich. Aber bei meiner Patientin hatte das weniger Auswirkungen auf die Sensibilität ihrer Haut. Sie hatte also auch auf Nachfragen.
¶ Schrittmacher-Interferenzen und Lösung
Nicht gesagt, sie hätte da irgendwas gespürt, aber der Kontakt mit Strom hat halt ihrem Schrittmacher geschadet. Wie ist das denn mit diesen modernen Schrittmachern? Was können die denn? Weil es gibt ja noch andere Situationen, wo man denkt, ich habe einen Schrittmacher, kann ich da jetzt diese Untersuchung überhaupt mit mir machen lassen oder kann ich durch dieses Sicherheitssystem im Flughafen oder so durchgehen?
Was vertragen denn diese Schrittmacher eigentlich alles ganz gut? Ja, das ist eine gute Frage, weil mit den Schrittmachern und auch gerade diesen ... Alltagsprobleme natürlich sehr oft die Patienten überfordert sind und sie auch verunsichert sind, weil man auch viel darüber liest. Die modernen Schrittmacher.
Und wir müssen immer wieder sagen, dieser Fall ist schon ein paar Jahre her, da war die Technik noch nicht ganz so weit, aber die modernen Schrittmacher sind wirklich extrem selten störanfällig. Man kann eigentlich mit einem Schrittmacher heutzutage alles machen. Natürlich gibt es Empfehlungen, vor welchen Geräten man sich fernhalten sollte. Aber wenn man zum Beispiel... Jetzt den Klassiker nehmen, die Kernspinnuntersuchung ist heute mit einem modernen Schrittmacher problemlos möglich.
Vorher umprogrammieren und auch danach nochmal umstellen und abfragen. Aber ansonsten ist es möglich. Dann gibt es immer wieder die Frage mit dem Handy. War vor 20 Jahren noch was anderes. Da hat man, wenn man sich erinnert, das Handy oft vorne in der Hemdtasche getragen. Sieht man heutzutage eigentlich fast gar nicht mehr. Und selbst wenn man es tun würde, ist es mittlerweile gilt es als gesichert, dass Handys die Schrittmacher nicht beeinträchtigen.
Es gab, glaube ich, einen in der Literatur dokumentierten Fall, dass also ein Handy direkt auf den Schrittmacher aufgelegt wurde und dann zu einer Interaktion geführt hat. Aber das ist wirklich ein Kolibri. Dann haben wir oft die Flughafenschranken. Das ist mittlerweile auch kein Problem mehr mit den modernen Scangeräten. Wir haben die Kaufhausschranken, die Diebstahlsicherungen. Da sollte man sich jetzt nicht schocken.
stundenlang in so einer Schranke aufhalten. Macht, glaube ich, auch niemand so richtig gerne. Und dann haben wir noch die Kochfelder, die Ceran-Kochfelder. Da sollte man sich nicht mehr als 20 Zentimeter diesen Feldern nähern. Auch da habe ich jetzt noch keinen Patienten gesehen, der sich beim Kochen mit der Brust über das Kochfeld neigt. Also Sie sehen, es gibt...
Man wird es nie vollkommen ausschließen können. Und ich glaube auch, dass die Hersteller aus versicherungstechnischen Gründen das auch nicht garantieren können. Aber wenn man sich überlegt, dass... so ein Fall, wie ich ihn jetzt hier geschildert habe in meiner Praxis, die ich seit über 20 Jahren jetzt führe, einmal vorkam.
Und ansonsten, ich kann einziges Mal eine Störung von einem Schrittmacher durch ein elektrisches oder elektromagnetisches Gerät gesehen haben, dann sehen Sie, wie selten das ist. Was glauben Sie denn sozusagen, was da genau passiert ist? Da waren diese freiliegenden Drähte oder Drahtabschnitte, sagen wir, das war ja vielleicht nicht so lang und die Patientin ist kurz damit in Kontakt gekommen und dann hat der Schrittmacher...
Gar nichts mehr gemacht für ein paar Sekunden oder wie stellen Sie sich das vor, was da passiert ist? Ja, ich könnte mir vorstellen, also es gäbe zwei Erklärungen, dass der Schrittmacher elektrische Impulse. empfangen hat, die aber nicht vom Herzen kamen, sondern von den Drähten und dass die Praktisch diese Fehleinschätzung des Schrittmachers, der also dann, ich sage es jetzt mal salopp gedacht hat, aha, mein Herz macht Aktionen.
dann brauche ich ja selber nicht eingreifen, dann zu diesem Aussetzen des Schrittmachers geführt hat. Und die Patientin den Schwindel bekommt und dann sich unbewusst natürlich bewegt und dann diese Drähte wahrscheinlich wieder in eine andere Richtung lagen oder verschoben wurden, der Schwindel wieder weg war und sich das irgendwie immer wieder... Das wäre so eine Erklärung. Strom macht halt generell und auch Heizdecken als solche. Also früher, ich weiß nicht, das war ein altes Modell.
Ich bin jetzt kein Elektriker und weiß nicht, mit welcher Stromstärke und wie groß das Stromfeld war, da bin ich überfordert. Aber ich weiß, dass starke Stromfelder, gerade früher bei den Älteren, und das ist ja auch, wie gesagt, schon etwas länger her, tatsächlich den Schrittmacher nicht unbedingt funktionslos machen können, aber es reicht schon.
bei einem Patienten die Grundeinstellung verändert wird, dass er also in einem anderen Rhythmus arbeitet, dass er zum Beispiel durch einen Stromfeldkontakt mit der Frequenz runtergeht. Wir konnten es natürlich, wäre es interessant gewesen, hätte man natürlich machen können, habe ich nicht gemacht, die Heizdecke auflegen und den Schrittmacher dabei mal Abfragen kontrollieren, dann hätte man vielleicht direkt die Antwort bekommen.
Nun war klar, was los war. Was haben Sie ihr geraten? Wie ging es weiter? Die Therapie war ja denkbar einfach. Wir haben die Heizdecke in der Praxis. gelassen an Ort und Stelle und sie entsorgt. Und die Patientin hat sich eine neue Heizdecke angeschafft und seit dieser Zeit ist der Schrittmacher nicht einmal mehr. in negativer Hinsicht auffällig geworden. Ich habe ihn dann...
Nach ungefähr fünf weiteren Jahren, weil eine ganz normale Batterieerschöpfung eingetreten ist. Das dauert so je nach Gebrauch etwa zwischen sieben und zwölf Jahren. Bei einem normalen Schrittmacher habe ich ihn dann gewechselt. und habe ihn durch einen neuen ersetzt. Und ich habe Gott sei Dank nie mehr irgendein Schrittmacherproblem bei dieser Dame erlebt. Das war die Diagnose. Ich bin Annika Geißler. Bleiben Sie gesund!
Bis zum nächsten Mal. Dieser Podcast ist eine Produktion der Audio Alliance.
