¶ Podcast-Einführung und nützliche Ressourcen
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Deutsch mit Schmidt. Alle Informationen zu meinem Podcast sowie ein tägliches Quiz findet ihr in meinem kostenlosen Telegram-Kanal. Alle Podcast-Folgen inklusive der Vokabellisten, Transkripte und Arbeitsblätter, können auf meiner Patreon-Seite heruntergeladen werden. Außerdem möchte ich hier und heute auf die Serie Go C1 aufmerksam machen. Dabei handelt es sich um gezielte Prüfungsvorbereitung auf das Goethe-Zertifikat C1.
Alle Arbeitsblätter im PDF-Format können ebenfalls auf meiner Patreon-Seite heruntergeladen werden. Die entsprechenden Links findet ihr in der Beschreibung.
¶ Das Verb "nachgehen": Vier Bedeutungen
In unserer heutigen Folge des Podcasts geht es um die Wörter. Nachgehen. Haarsträubend. Wir starten! Unser erstes Wort für heute lautet Nachgehen. Nachgehen. Ging nach. Ist nachgegangen. Der Privatdetektiv, der von Frau Schneider beauftragt wurde, ist dem Verdächtigen unauffällig nachgegangen. Nachgehen. Ging nach. Ist nachgegangen. Es wird vermutet, dass der Politiker in einen großen Skandal verwickelt ist. Diesen Vorwürfen ging der junge Journalist intensiv nach. Nachgehen. Ist nachgegangen.
Neben ihrem Hauptberuf als Lehrerin geht Maria einer selbstständigen Tätigkeit nach. Nachgehen. Ging nach. Ist nachgegangen. Sandra hatte einen Streit mit ihrem Chef. Dieser Streit ging ihr den ganzen Abend nach. Nachgehen. Ging nach. Ist nachgegangen. Nachgehen ist ein trennbares Verb, das in vier verschiedenen Bedeutungen verwendet werden kann.
In unserem ersten Beispielsatz wird Nachgehen in der Bedeutung von jemanden verfolgen oder jemandem unauffällig folgen benutzt. Worum geht es hier genau? Frau Schneider hat einen Privatdetektiv engagiert, also beauftragt, damit er einen Verdächtigen beobachtet. Der Privatdetektiv ist diesem Verdächtigen unauffällig nachgegangen. Das bedeutet, dass er dem Verdächtigen hinterhergelaufen ist, ohne dass der Verdächtige es bemerkt hat.
Er bleibt also in einiger Entfernung, tut so, als ob er ganz normal spazieren geht oder einkauft. Schaut vielleicht zwischendurch aufs Handy, wechselt ab und zu die Straßenseite und verhält sich insgesamt unauffällig. Sein Ziel ist es, herauszufinden, wohin der Verdächtige geht, wen er trifft oder was er macht. Jemandem Nachgehen in dieser Bedeutung ist demnach sehr nah an jemanden verfolgen, klingt aber etwas neutraler und weniger dramatisch.
In unserem zweiten Beispiel wird Nachgehen in einer anderen Bedeutung verwendet, nämlich im Sinne von etwas untersuchen, etwas überprüfen oder etwas gründlich verfolgen. Es gibt Vermutungen, dass ein Politiker in einen Skandal verwickelt. Das ist zunächst nur ein Verdacht. Nun geht der junge Journalist diesen Vorwürfen intensiv nach. Das bedeutet, er nimmt diese Anschuldigungen ernst und prüft, ob etwas daran stimmt.
Er recherchiert, liest Dokumente, führt Interviews, fragt bei Behörden nach, Vergleicht Aussagen, prüft Termine und versucht herauszufinden, ob die Vorwürfe belegt werden können oder ob alles nur Gerüchte sind. Wir benutzen einer Sache Nachgehen sehr häufig in genau diesem Kontext. Zum Beispiel in Ausdrücken wie einem Verdacht nachgehen, einer Spur nachgehen, einer Frage nachgehen, einem Gerücht nachgehen oder einem Problem nachgehen.
Gemeint ist immer, dass man sich intensiv mit etwas beschäftigt, um Klarheit zu bekommen. Man könnte den Satz also auch so ausdrücken. Der Journalist hat die Vorwürfe gründlich untersucht. Neben ihrem Hauptberuf als Lehrerin geht Maria einer selbstständigen Tätigkeit nach, lautet Beispielsatz Nummer 3. In diesem Satz bedeutet einer Tätigkeit nachgehen, so viel wie etwas beruflich oder regelmäßig machen oder eine Beschäftigung ausüben.
Maria hat einen Hauptberuf. Sie ist Lehrerin. Zusätzlich hat sie noch eine selbstständige Tätigkeit, also eine Arbeit, die sie auf eigene Rechnung ausübt. Zum Beispiel als Nachhilfelehrerin, als Übersetzerin, als Fotografin oder mit einem kleinen Online-Shop. Und dieser Tätigkeit geht sie na. Das heißt, sie übt diese Tätigkeit aus. Sie macht das regelmäßig und ernsthaft und nicht nur gelegentlich. Andere typische Kombinationen sind,
Thomas geht einem Hobby nach. Luisa geht einer Nebenbeschäftigung nach. Peter geht einer geregelten Arbeit nach. Oder Caroline geht einer kreativen Tätigkeit nach. In all diesen Fällen bedeutet es, dass jemand Zeit und Energie in diese Beschäftigung investiert und sie aktiv ausführt. In unserem letzten Beispiel hat Nachgehen eine sehr emotionale Bedeutung. Etwas geht jemandem nach, bedeutet, dass einen etwas innerlich nicht loslässt.
Es beschäftigt einen, es wirkt nach, man denkt immer wieder daran und es bleibt wie ein unangenehmes Echo im Kopf. Sandra hatte einen Streit mit ihrem Chef, und dieser Streit ging ihr den ganzen Abend nach. Das heißt, obwohl der Streit eigentlich vorbei ist, trägt Sandra ihn gedanklich weiter mit sich herum. Vielleicht spielt sie die Situation immer wieder im Kopf durch, überlegt, was sie hätte sagen sollen, ärgert sich, fühlt sich unfair behandelt oder hat Angst vor Konsequenzen.
Sie kann sich nicht richtig entspannen, weil der Streit ständig wieder in ihren Gedanken auftaucht. Genau das drückt das Verb Nachgehen hier aus. Sehr oft wird Nachgehen in dieser Bedeutung für negative Erlebnisse verwendet. Etwa für eine böse Bemerkung, einen peinlichen Moment, einen Fehler, eine traurige Nachricht oder, wie in unserem Beispiel, für einen Streit.
¶ Das Adjektiv "haarsträubend": Schockierend und Absurd
Unser zweites Wort für heute lautet haarsträubend. Haarsträubend Die Kommentare unter den Beiträgen auf Facebook sind haarsträubend. Haarsträubend. Aufgrund der haarsträubenden hygienischen Zustände in diesem Hotel wurde es kurzerhand geschlossen. Haarsträubend Die Kosten für das aktuelle Projekt sind völlig aus dem Ruder gelaufen und nehmen haarsträubende Ausmaße an. Haarsträubend. Wie kann man denn bitte auf solch eine haarsträubende Idee kommen?
Haarsträubend. Haarsträubend ist ein Adjektiv, das wir benutzen, wenn etwas so schockierend, empörend oder absurd ist, dass man es kaum glauben kann. Wörtlich steckt die Vorstellung dahinter, dass einem vor Entsetzen die Haare zu Berge stehen. Natürlich ist das aber nur bildlich und nicht wörtlich gemeint. Im Alltag bedeutet haarsträubend meist so etwas wie ungeheuerlich, entsetzlich, schockierend oder unfassbar. In unserem ersten Beispielsatz geht es um die Kommentare unter Facebook-Beiträgen.
Die Aussage, die Kommentare sind haarsträubend, bedeutet, dass dort Dinge stehen, die man als extrem unangenehm, aggressiv oder völlig daneben empfindet. Das können zum Beispiel Beleidigungen, Hass oder Lügen sein. Der Sprecher drückt damit aus, was dort geschrieben wird, ist nicht nur ein bisschen schlimm, sondern so schlimm oder so irre oder verrückt, dass man fast sprachlos wird. Und genau das ist der Punkt von Haarsträuben.
Es ist ein Verstärker für eine negative Überraschung, gepaart mit blankem Entsetzen oder Kopfschütteln. Das zweite Beispiel mit unserem heutigen Adjektiv haarsträubend lautet Aufgrund der haarsträubenden hygienischen Zustände in diesem Hotel wurde es kurzerhand geschlossen. Das Adjektiv haarsträubend beschreibt hier nicht Menschen oder Meinungen, sondern einen Zustand, also eine Situation in einem Hotel.
Haarsträubende hygienische Zustände bedeutet Es ist nicht einfach nur nicht besonders sauber, sondern hygienisch so katastrophal, dass es wirklich gefährlich oder unzumutbar ist. Man denkt dabei an Dinge wie Schimmel, Ungeziefer. Verdreckte Badezimmer, faulige Gerüche, verschmutzte Bettwäsche oder allgemein Zustände, bei denen man sich fragt, ob dort überhaupt irgendjemand kontrolliert hat.
In einfachem Deutsch lautet der Satz also Die hygienischen Zustände waren so schlimm, dass das Hotel sofort geschlossen wurde. Die Kosten für das aktuelle Projekt sind völlig aus dem Ruder gelaufen und nehmen haarsträubende Ausmaße an. Lautet unser dritter Beispielsatz. Hier wird das Adjektiv haarsträubend benutzt, um die Größenordnung zu beschreiben, genauer gesagt die Ausmaße der Kosten. Wenn Kosten haarsträubende Ausmaße annehmen, dann sind sie so hoch, dass es schockiert oder entsetzt.
Typische Synonyme in diesem Kontext wären astronomisch, absurd hoch. Unfassbar, völlig überzogen oder jenseits von Gut und Böse. Übersetzt man den Satz in einfaches Deutsch, würde er lauten. Das Projekt wird deutlich teurer als geplant. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern so extrem, dass es große Probleme bereiten. Haarsträubend macht hier klar, dass das Budget nicht nur leicht überschritten wurde. In unserem letzten Beispielsatz geht es um einen etwas ungewöhnlichen Vorschlag.
Wie kann man denn bitte auf solch eine haarsträubende Idee kommen? Gemeint ist eine Idee, die so absurd, riskant, verantwortungslos oder realitätsfern wirkt, dass man nur staunen kann. Je nach Kontext kann die Idee gefährlich sein, peinlich, moralisch fragwürdig oder einfach komplett unlogisch. Synonyme wären hier völlig irrsinnig, abenteuerlich, unfassbar, absurd oder völlig daneben.
Sinngemäß heißt der vierte Satz demnach, diese Idee ist so verrückt. Das kannst du doch nicht wirklich ernst meinen. Und das war's mit der heutigen Folge. Ich bedanke mich wie immer recht herzlich fürs Zuhören und in diesem Sinne bis zum nächsten Mal!
