Ich bin als Journalistin unabhängig. Ich darf mich nie gemein machen mit einer Seite. Auch nicht, wenn die Seite mir sympathisch ist oder schwach ist. Nicht mal mit den Frauen in Afghanistan darf ich mich gemein machen. Ich finde es ein sehr typisches Bild für uns Auslandskorrespondenten. Du musst halt weiter um die Story kämpfen, auch wenn es persönlich vielleicht für dich eine schwierige Lage ist.
Wir kommen morgens zur Arbeit mit dem festen Willen, am Ende des Tages in den Hauptnachrichtensendungen die verlässlichsten Informationen zu liefern, die man irgendwo finden kann. Das schließt aber Irrtum, das schließt Fehler eben nicht aus.
Herzlich willkommen zu Folge 55 unseres Podcasts und wir sitzen hier wieder in bewährter Runde mit Ulf Röller, unserem Korrespondenten in Brüssel, der auch gerade in Brüssel ist, und mit Elmar Thewissen, unserem Studioleiter in Washington, der auch gerade in Washington ist. Hallo ihr Lieben. Und mir, ZDF-Sonderkorrespondentin, ich bin gerade in Frankfurt. Wir zeichnen auf am Mittwoch, den 29. April um 14 Uhr.
Ja, wir hatten es ja letztes Mal schon angekündigt, dass wir die Folge diesmal der Frage widmen wollen, wie wir arbeiten und mal einen Einblick darin geben wollen. Wie sieht eigentlich unser Alltag aus? Wie gewinnen wir Nachrichten? Wie überprüfen wir sie vor allem auch? Und da haben wir natürlich sehr, sehr verschiedene Perspektiven, wir drei. Und das wird bestimmt eine spannende Runde.
Zum Auftakt will ich noch mal kurz zurückschauen auf den Samstag, weil das hat ja auch irgendwie mit dem Thema zu tun. Da hatte der Präsident der USA eingeladen zum traditionellen Correspondence Dinner. Da wart ihr vielleicht auch schon mal, Ulf und Elmar. Ihr seid ja beide Korrespondenten in den USA. Du, Elmar, aktuell. Ulf, du warst es. Ja, was wissen wir bisher? Bei dieser Gala, bei der sehr, sehr viele Journalisten, aber auch Regierungsmitglieder dabei waren, war ein mutmaßlicher Täter.
Ein Kalifornier, 31 Jahre alt, dem es wohl gelang, mit Schusswaffen in dieses Hotel, wo dieses Dinner statt war, einzudringen. Ja, eine panische Situation, wenn man die hört, die sie schildern. Aber anscheinend hat es auch mit den Sicherheitsvorkehrungen da nicht so wirklich gut funktioniert. Also Kollegen erzählen, dass sie nicht mal einen Ausweis zeigen mussten, um praktisch dort Zutritt zu bekommen.
Ja, das sind komplexe Nachrichtenlagen. Und gerade in der heutigen Zeit, wo ja alles so viel schneller geht, müssen wir immer schnell nachdenken. Im Prinzip checken, was passiert dort wirklich, was ist wahr, was ist nur Mutmaßung. Elmar, vielleicht nimmst du uns mal zu Anfang mit, weil du bist ja in Washington.
Wie war diese Situation für dich? Ich erzähle tatsächlich vielleicht mal, wie wir dann arbeiten in solchen Situationen, weil das, was bekannt ist mittlerweile, wer ist der Täter und welche Motivation hat der? Das ist ja, glaube ich, in den Nachrichtensendungen auch hinlänglich schon diskutiert worden. Also es war am Samstag, da war hier die Wochenendbereitschaft. Das heißt, bei uns ist es so, am Wochenende ist ein Redakteur,
ein Reporter quasi auf Bereitschaft. Der hat eine Producerin und einen Cutter in der Regel, sodass sie in der Lage sind, Beiträge zu machen oder auch Live-Schalten zu machen für die Sendungen. Und dann kamen ja die Eilmeldungen, beziehungsweise wir brauchten gar keine Eilmeldungen, sondern wir haben ja gesehen, was passiert ist. Das lag ja als sogenanntes Live-Feed bei uns auf.
Also die Live-Bilder waren hier zu sehen und die konnte man auch von zu Hause aus mitverfolgen, weil natürlich die Augen sich sowieso auf dieses Dinner gerichtet haben. Man war gespannt, ob Donald Trump mal richtig hinlangt und die Kolleginnen und Kollegen beschimpft und wie sie dann damit umgehen und so weiter. So, und dann hat man gesehen, was passiert ist. Ich hatte das gesehen in Atlanta. Ich war da auf Drehreise. Wir kommen später nochmal darauf zurück.
So und dann haben wir uns zusammen telefoniert. Wir haben sofort die Zentrale informiert. Wir haben so einen Verteiler im Team-System, der heißt Breaking News Ausland, wo sehr viele Kolleginnen und Kollegen von den wichtigsten Sendungen halt drin sind in dem Verteiler. Und da hat der David Sauer eben diesen Alarm reingeschrieben, um schon zu alarmieren im Sinne von, wie gehen wir dann am nächsten Tag oder in der Nacht damit um mit diesem Thema.
Wir haben dafür gesorgt, dass hier im Studio dann jemand war, der weitere Bilder reingeholt hat. Es gab ja später die Pressekonferenz auch mit dem Präsidenten. Wir Korrespondenten waren nicht vor Ort bei dem Dinner dabei. Weil wir alles andere zu tun hatten, als da jetzt an einem Dinner teilzunehmen. Wie gesagt, ich war auf Drehreise, eine Producerin von uns war da, Nicola Wenz, die war im Saal und hat das im Saal mitverfolgt. Und dann haben wir halt berichtet für die Sendungen.
In der Nacht hat der David von hier aus die Schaltgespräche gemacht für schon ein ZDF heute live, das mitten in der Nacht unserer Zeit, das war dann, ich glaube, 9 Uhr morgens deutscher Zeit, stattgefunden hat. Und ich bin in den frühen Flieger geklettert, am Sonntagmorgen um 5.45 Uhr von Atlanta aus hier nach Washington gekommen. Und dann haben wir uns das aufgeteilt. Der David hat die Beiträge gemacht, ich habe die Schalten gemacht und habe extra noch einen Kameramann reingeholt.
Den haben wir nicht automatisch auf Bereitschaft am Wochenende und mit dem Peter Schlömer, das ist der Kameramann, habe ich dann am Weißen Haus gestanden und da die Schaltgespräche gemacht für die verschiedenen Sendungen. Also so läuft das bei uns, dass man in so einem Breaking News Event natürlich sofort die Ressourcen zusammenzieht, um Informationen zu sammeln, damit wir sowohl in den Beiträgen als auch eben in den Schalten halt diese Informationen weitergeben können.
Ja, da würde ich mal direkt gerne mit einer Frage anknüpfen, die wir bekommen haben, die ich ganz interessant finde, von Silke Römhild. Die fragt nämlich, wie groß ist eigentlich das Team einer Auslandsredaktion wie Brüssel oder Washington? Wer gehört alles dazu? Und wie gestaltet sich der Austausch einerseits mit einheimischen Kollegen, andererseits aber auch mit anderen Auslandskorrespondenten? Gibt es da ein Netzwerk oder bleibt man doch am ehesten mit dem entsendenden
Heimatland verbunden? Ja. Wie ist das in Brüssel und in Washington? Genau, erstmal Brüssel. Ich bin nämlich neugierig, wie das bei dir ist, Ulf. Genau. Man muss dazu sagen, dass Brüssel und Washington, wenn ich es richtig sehe, glaube ich unsere größten ZDF-Auslandstudios sind.
Von 18 Auslandstudios, die das ZDF unterhält, was wirklich ein ganz, ganz bedeutendes Netz ist und eigentlich auch ein Kern unserer Kompetenz als öffentlich-rechtlicher Sender, sind Brüssel und Washington die, glaube ich, personell am größten ausgestatteten Studios. Ich hoffe, ich sage jetzt nichts Falsches. Nee, ich glaube, es stimmt.
Vielleicht erst nochmal, als ich das gehört habe, dass es da also einen Attentatversuch gab bei dem White House Cross Mountain, den habe ich natürlich sofort an Elmer gedacht und habe mir gedacht, oh Gott, oh Gott, wo ist er oder wie ist er? Und dann haben wir in dieser Breaking News, die er gerade beschrieben hat, in Teams, wo alle reingucken können im ZDF, die in Auslandstudios arbeiten, gesehen, dass er in Atlanta ist. Insofern war das ein beruhigender Moment.
Und ich fand vielleicht auch das noch, darüber werden wir später reden, auch interessant, weil es natürlich auch die Frage aufwirft, wie geht man in so einer Krisensituation als Journalist um? Ich fand es doch beeindruckend, dass man gesehen hat, dass der Saal, der ja nicht wusste, ist der Täter im Saal. Er war ja, glaube ich, dann Stockwerk tiefer, wenn ich das richtig mitbekommen habe, Elmar. Stockwerk drüber.
Und ein Stockwerk drüber, ja genau, das ist im Keller. Jedenfalls lag da die gesamte, und das muss man wissen, das ist wie der Bundespresseball, die gesamte journalistische Hauptstadt-Elite von allen, von allen, New York Times, NBC, ABC, alles, was man sich vorstellen kann. Und Fox News lag da mehr oder weniger auf dem Boden, unterm Tisch. Aber du hast überall nur die Handys gesehen, die hochgehalten wurden.
Es ist also ein professioneller Reflex, dass man sagt, auch wenn man unter einer gewissen Lebensgefahr oder Unsicherheit ist, man muss, bleibt Journalist. Das hat mich dann doch auf eine schautrige Art und Weise sehr, sehr, ja, sehr nachdenkt. Ich finde es ein sehr typisches Bild für uns Auslandskorrespondenten. Du musst halt weiter um die Story kämpfen, Auch wenn es persönlich vielleicht für dich eine schwierige Lage ist.
Und das trifft ja auf die Kollegen, die über den Iran berichten oder über den Kollegen, die in Moskau berichten, in einer viel existenzielleren Form nochmal zu, als das in Brüssel ist. Brüssel ist da, sage ich mal, ein etwas feinerer Club, auch wenn man den Präsidenten Trump ansieht, der ja permanent die Listen bedroht. Das tut natürlich von der Leyen nicht. Wir als Studio sind vier Korrespondenten. Wir sind vor allem, das ist das aller, aller wichtigste, Fernsehen ist Teamarbeit.
Was man hier sieht, ist. Wenn es gut läuft, die Spitze des Einsbergs. Aber alle basieren wir auf einem riesengroßen, soliden Brocken, der unterhalb der Zuschauerwasserfläche ist, die permanent arbeiten und die eigentlich die Story in was machen. Wir sind nur so gut als On-Gesichter, wie gut unser Team ist. Also wir haben vier Korrespondenten, einige wird man auch kennen, weil die auftreten im Fernsehen.
Wir haben die sogenannten für mich wichtigen Leute, das sind die sogenannten Producer, das sind genauso nur ein anderer Name, Journalisten, die die Geschichten recherchieren, die uns mit Informationen versorgen. Ehrlich gesagt, wenn du als Brüsseler Studioleiter neu herkommst, gehst du erst mal den Wust dieser Brüsseler Administration und der Feindliedrigkeit der Gesetzung komplett unter. Und ohne die Producer würde es die Arbeit gar nicht geben, die wir machen.
Also man wird an die Hand genommen und die führen einen und sagen, pass auf, da musst du jetzt aufpassen. Du musst es auch so sagen, du kannst es nicht so sagen. Die Kameraleute, die Multis, sie das schneiden, die Verwaltung. Also ein Studio, ich weiß es gar nicht jetzt, 15 Leute oder wie wir sind, ich müsste es mal durchzählen, die zusammenarbeiten, täglich sich austauschen, gucken, wie sie das hinkriegen und nur so funktioniert es. Also Teamwork makes the dream work.
Das gilt hier massiv für ZDF Brüssel und ich weiß aus alter Zeit gilt das natürlich auch für Boschingen. Ja, Ulf war ja hier. Er war mein Vorgänger und hat das alles hier erlebt. Wir sind mittlerweile noch ein bisschen gewachsen, Ulf, seit du weg bist. Wir haben noch ein paar Kolleginnen und Kollegen dazu bekommen. Also ich sage mal, wir sind hier vier Fernsehkorrespondenten. Normalerweise wären es in Washington drei. Aber mit dem Wahljahr haben wir eine vierte Kollegin zur Aushilfe bekommen.
Und momentan ist sie nach wie vor hier eingesetzt. Wenn sie mal nicht da ist, wird sie auch ersetzt durch jemanden aus Mainz, weil wir einfach gemerkt haben, in Trump-Zeiten reichen eben drei nicht aus. Wir brauchen vier. Wir sind zuständig, das muss man vielleicht nochmal, bevor ich die weiteren Zahlen aufliste, sagen, für alles von der Nordgrenze der USA bis zur Südgrenze von Panama. Das heißt halt, Mittelamerika gehört zum guten Teil auch zu unserem Törf.
Und deswegen sind wir auch ein paar mehr als andere Studios, weil wir uns um alle möglichen Themen, nicht nur Politik und nicht nur, was wir hier machen, kümmern, sondern auch Unterhaltung, Sport, soziale Themen etc. Wir haben Producerinnen, so wie Ulf das vorhin beschrieben hat, die eben inhaltlich mit vorbereiten, die aber auch logistisch dafür sorgen, dass das Bildmaterial herangeschafft wird, dass wir Flüge organisieren, dass wir Protagonisten finden, um dann Interviews zu machen,
auch für unsere Reisen ins Land oder in andere Länder in unserem Berichtsgebiet. Und sehr wichtig ist eine crossmediale Reporterin. Das haben wir vor einigen Jahren hier eingeführt, dass wir immer für ein Jahr eine Kollegin, einen Kollegen da haben, die sich sehr auf Social Media, auf Online konzentrieren. Das heißt nicht, dass die anderen das nicht machen, heißt auch nicht, dass die Kollegin nur Online macht oder Social Media.
Aber wir wollten mal sehen, wie viel kriegen wir zustande, wenn wir jemanden haben, der sich federführend drum kümmert. So und weil wir dieses große Berichtsgebiet haben, weil wir in der Woche immer irgendein Team draußen im Land oder in anderen Ländern haben. Momentan ist beispielsweise Claudia Bates auf Kuba. Wir waren in Georgia gerade. Die Kollegen David Sauer und andere haben in Texas vor zwei Wochen gedreht und so weiter.
Deswegen holen wir dann zusätzlich Kameraleute, Techniker noch dazu, auch freie Producerinnen, um das alles leisten zu können. Und dafür braucht man eben auch ein Stück weit Personal, damit eben die Informationen, die wir verbreiten, auch stimmen. Und manchmal dauert es halt ein bisschen länger, bis wir tatsächlich was fertig bekommen, weil wir eben noch prüfen, ob das auch so alles richtig ist, was wir dann berichten wollen.
Katrin, bevor du die nächste Frage stellst, weil du dich ja vielleicht nicht selbst befragen kannst, könnte ich mir vorstellen. Dass es sehr interessant ist, weil wir sind zwei Studios mit einer großen Logistik, die Emma beschrieben hat, Kamera, Schnitt, alles und auch eine große Manpower, die viel News, Ereignisberichterstattung auch macht. Du bist ja nun eine mobile Einheit oft, die abgeworfen wird.
Also wenn du nach Afghanistan gehst, wenn du nach Israel gehst, das ist ja nochmal was ganz anderes, Auslandsberichterstattung. Vielleicht erzählst du mal, wie du dich vorbereitest auf solche Kriseneinsätze, die ja mit einem hohen persönlichen Risiko auch verbunden sind. Und welche Leute melden, die sich freiwillig? Kann man zwangsverpflichtet werden, in ein Krisengebiet zu gehen? All diese doch dramatischen Fragen, die sich bei dir mehr stellen als zumindest in Brüssel.
Ich würde auch sagen, in Amerika mit Abschwächung. Das ist auch härter geworden, das Geschäft. Ja, wenn du das einmal sagen würdest. Ja, danke, dass du es anrichtest. Dazu gibt es auch übrigens eine Frage von Angela Orman, die sagt, was das eigentlich bedeutet, Sonderkorrespondentin zu sein. Ob das heißt, heute hier, morgen dort? Nee, es heißt nicht, heute hier, morgen dort, um das mal direkt klarzustellen.
Also wir haben uns ja entschieden in der Chefredaktion des ZDF diese Position einer internationalen Sonderkorrespondentin oder es könnte auch ein Mann irgendwann sein eines internationalen Sonderkorrespondenten ich hoffe, dass dieser Posten erhalten bleibt zu schaffen vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges wir haben halt gesehen vor ein paar Jahren, Gab es nicht so viele Konflikte, Krisen und Kriege?
Die Situation hat sich ja fundamental verändert und im Prinzip wollten wir im ZDF die Kompetenz stärken. Also sagen, wir haben ein tolles Netz von Auslandskorrespondenten, aber wir sind auch stark, wenn es darum geht, schnell auf Kriege und Krisen zu reagieren. Und das ist eigentlich mein Job, das versuche ich. Das versuche ich natürlich vor allem in den Ländern zu bewerkstelligen. In denen wir nicht mit Korrespondenten vertreten sind. Also jetzt mal vorrangig ist das in meinem Fall die Ukraine.
Und was für mich auch ganz wichtig ist, ist Afghanistan. Ein Gebiet, wo ich auch viel und gerne arbeite, ist der Nahe Osten. Da haben wir aber auch einen tollen Korrespondenten mit Thomas Reichert in Tel Aviv, mit dem ich dann zusammenarbeite.
Und Gullinia Tai in Ägypten. Genau und Gullinia Tai in Ägypten und ich kann natürlich nicht auf so ein tolles Team zurückgreifen, das immer da ist, aber auch mein Job oder mein Berufsalltag und meine Berichterstattung könnte nicht funktionieren ohne die tollen Kollegen, die mir als Producer, ihr habt es schon erwähnt, in den Ländern zur Seite stehen. Und das sind in der Regel immer Journalisten aus den jeweiligen Ländern, die auch schon lange fürs ZDF arbeiten.
Also das sind sehr, sehr vertrauensvolle und wichtige Beziehungen, weil wir müssen uns ja, wisst ihr, auch darauf verlassen können, was die uns sagen. Gerade wenn man die Sprache nicht spricht, ist es noch viel elementarer, dass man sich darauf verlässt und ohne deren Mitarbeit könnten wir die Storys, die wir machen, gar nicht bewerkstelligen.
Also man kann eigentlich deren Arbeit nicht hoch genug wertschätzen und ich versuche das immer wieder auch rauszustellen, dass die das Fundament unserer Arbeit sind. Wenn ich nochmal nachfragen dürfte, weil bei dir geht es ja und vielleicht bei Elmar auch, wenn er eine Drogengeschichte in Mexiko macht, geht es um existenzielle Fragen, nämlich Sicherheit und dein eigenes musst du garantieren überleben. Wie bereitest du das vor? Können Leute verpflichtet werden?
Weil manchmal kriege ich immer wieder die Frage oder ist das eine Sache, der jeder bewusst sich entscheidet? Dann gibt es dieses Hammelburg, glaube ich, ist interessant, das zu erklären, wie das ZDF auch dafür sorgt, maximale Möglichkeit zu erreichen, dass den Leuten, es bleibt riskant, aber dass sie nicht in ein selbstmörderisches Kommando reingehen, sondern dass man das schon solide vorbereitet. Also wir versuchen das seit Jahren wirklich sehr systematisch vorzubereiten.
Das ist so, dass wir im ZDF zwei Kollegen haben, die wirklich sich speziell nur um unsere Sicherheit kümmern. mit denen wir jeden Einsatz, der in ein gefährliches Gebiet führt, absprechen und genau gucken, was brauchen wir da. Brauchen wir eine schutzsichere Weste, die ist in der Regel immer dabei, einen Helm, eine vernünftige Ausstattung auch an Medikamenten, an Notfallmedizin, das haben wir immer dabei.
Wir gucken natürlich ganz genau, wo sind die Risiken, wo können wir überhaupt hingehen, wer geht da mit. Jeder, der im ZDF zumindest in ein Kriegs- und Krisengebiet geht, muss eine Ausbildung haben. Wie Hammelburg erwähntest du, Ulf, das war zu Anfang mal bei der Bundeswehr. Das ist so eine Kurzausbildung von einer Woche bis zehn Tagen, wo wir als Journalisten, aber auch die Kameraleute und Producer und alle, die mit uns unterwegs sind, lernen, ja, was bedeutet eigentlich Krieg?
Wie verhalte ich mich, wenn ich beschossen werde? Wie verhalte ich mich in einem Kriegsgebiet, das zum Beispiel vermint ist? Was passiert, wenn ich entführt werde? All diese Fragen. Systematisch machen wir das eigentlich, wenn ich richtig sehe, als Konsequenz auf den Golfkrieg. Elmar, du weißt das besser, weil du warst auch in der Chefredaktion damit beschäftigt. Wir haben das damals etabliert, weil vorher gab es das eigentlich so nicht.
Und es war klar, man muss alle mal nach den gleichen Standards schulen. Und ich fand auch Hammelburg, das habe ich auch dann mal mitgemacht.
Also das Training, das man da bekommt, wo simuliert wird Extremsituationen, wie dass man an Checkpoints steht, dass man beschossen wird, dass man auch mal lernt, die Unterscheidung zwischen Gewehrschüssen oder möglicherweise auch kleinen Sprengsätzen, größeren Sprengsätzen, große Bombe und so weiter, dass man lernt zu unterscheiden, aus welcher Richtung kommt das denn.
Nicht damit man da hingeht, sondern damit man dann eben weggeht und es wird sogar simuliert, was passiert, wenn man gefangen genommen wird und möglicherweise befragt unter schwierigen Bedingungen. Also wir simulieren nicht Folter, aber doch sehr schwere Haftbedingungen werden simuliert. Also wie es einem dabei geht, was macht die eigene Psyche damit?
Und am Ende dieses Trainings in Hammelburg haben wir dann eben immer auch uns entscheiden können, wer von uns ist bereit und auch in der Lage, das wird ja auch so ein bisschen evaluiert, in solche Krisengebiete zu gehen. Und das ist halt nicht jedermanns Sache, weil wenn man an seine Grenzen kommt, auch psychisch an seine Grenzen kommt und das wird versucht zu simulieren bei diesen Seminaren, dann ist man vielleicht auch nicht die Richtige oder der Richtige für solche Kriseneinsätze.
Ja, und das schließt, glaube ich, ganz gut an die Frage an, kann man jemanden dazu verpflichten? Man kann auf keinen Fall irgendjemanden dazu verpflichten, in ein Kriegs- und Krisengebiet zu gehen. Also das ist auch für mich selber, obwohl ich in dieser Position der Sonderkorrespondentin des ZDF bin, immer eine Entscheidung dafür oder dagegen. Also es gibt auch Situationen, da würde ich mich wahrscheinlich dagegen entscheiden. Das heißt, ich wäge das schon mit meinen Kollegen immer genau ab.
Und was auch wichtig ist, wenn man dann einmal in einem Kriegsgebiet ist, gibt es ja auch immer wieder Situationen, wo man abwägen muss, gehe ich da rein oder nicht. Und da gilt das Credo, der, ich sage jetzt ängstlichste, das ist nicht ein guter Begriff, aber derjenige, der die meisten Bedenken hat, der gibt die Leitlinie vor. Das heißt, wenn einer im Team ist, der sagt, ich fühle mich nicht so wohl, wenn wir das jetzt machen, dann machen wir es nicht.
Oder derjenige geht nicht mit. Aber niemand darf dazu gedrängt werden. Das wäre ganz, ganz fatal. Das ist eine wichtige Voraussetzung für Arbeit in Kriegs- und Krisengebieten. Ich schätze das sehr, dass wir diese Ausbildung inzwischen haben, weil ich habe noch zu Zeiten in Kriegen gearbeitet, da hatten wir das nicht. Da sind wir naiv da reingegangen. Ich kann mich daran erinnern, der Tschetschenienkrieg 1994. Ich habe da letztens noch mit einer Kollegin drüber gesprochen. Wir wussten nichts.
Wir wussten schlichtweg nichts. Für mich war das eine Überraschung, als ich dann in Hammelburg hörte, hinter einer Mauer sollte man sich vor Schüssen nicht verstecken, weil gerade in Entwicklungsländern sind man sofort durchlöchert wie ein Schweizer Käse, sondern da musst du dich ganz anders verhalten. Und das, finde ich, ist schon eine sehr wertvolle Leitlinie. Nichtsdestotrotz, glaube ich, das Wichtigste ist immer noch Erfahrung. Also ich sehe in meinem Team...
Leute, die wirklich viel Erfahrung haben in Kriegs- und Krisengebieten und ich bin auch dankbar dafür, dass ich von vielen erfahrenen Kollegen lernen durfte, die arbeiten sehr, sehr viel vorsichtiger als Leute, die anscheinend mutig sind. Also ich erlebe das auch immer wieder, jetzt nicht bei uns im Sender, aber auch vor allem bei freien Journalisten, dass die oft ins Feuer gehen und das Feuer suchen, wo ich denke, das ist ziemlich leichtsinnig.
Es ist es auch nicht wert für eine gute Geschichte, wie du das auch schon beschrieben hast, Ulf, manchmal dieser Reflex von Journalisten, wir müssen alles mitkriegen und alles filmen. Da muss man sich gerade in einer gefährlichen Situation auch selbst disziplinieren und sagen, ich habe ja eine Verantwortung für das Team. Und das gilt auch vielleicht nur als Ergänzung, weil wir auch hier in den USA gerade wieder ein Training gemacht haben vor ein paar Monaten.
Und das klingt verrückt. Warum für die USA? Klar kann in Mexiko Kartelle etc. Mal was passieren. Aber auch hier in den USA gilt, und wir haben so einen Leitfaden hier, den halte ich mal hoch. Da steht halt drin, wie wir uns verhalten in solchen Situationen. Auch wenn wir hier in Situationen zwischen Demonstranten und Sicherheitsbehörden geraten sollten. Und da stehen halt Regeln drin, dass man zum Beispiel vorher vereinbart, wo man sich wieder trifft, wenn man getrennt wird.
Oder wie man miteinander kommuniziert, ob man irgendein Zeichen vereinbart, wann man wirklich abbricht und dann den Ort verlässt und so weiter. Also ich glaube, all das ist extrem wichtig, weil in so einer Extremsituation anzufangen, solche Regeln aufzustellen oder sich irgendwie zu organisieren, das kannst du mal gleich vergessen, das soll nicht passieren. Und es wirft natürlich die Frage auf. Die ein Grundverständnis des Journalismus in diesen krisenhaften Zeiten formuliert.
Nämlich, wie kommst du an Primärerfahrung ran? Also wenn du dir jetzt den Iran-Konflikt anguckst, wer ist wirklich im Iran? Wie weit kann man das beurteilen? Wir haben natürlich auch unsere Leute, die dort sind, die für uns mitgucken. Aber wie kommst du an Bilder ran? Was ist, wenn du in den Gazastreifen nicht reinkommst? Wie lässt du dich dann, fährst du embedded, wie es dann viel war, dass man mit dem Militär mitfährt?
Wie weit kriegst du dann aber noch eine Wirklichkeit oder nur eine bestimmte Wirklichkeit mit? Und die Gefahr dann, dass du dann von Staatsmedien eben die Bilder bekommst, die sie liefern wollen, das sind ja sehr grundsätzliche Fragen und das ist dann immer eine. Eine große Güterabwägung, die sich eigentlich für mich in meinem Leben, ich war ja in China, da war es die Frage, wann fahren wir nach Wuhan und wer fährt nach Wuhan, das bleibt immer ein Risiko.
Und dann hast du auch, ich finde das total richtig mit dem Handbuch, am Ende bleibt es aber eine Frage, die du nicht hundertprozentig beantworten kannst. Du fährst hin und du kannst keinem garantieren, dass er sich nicht ansteckt und das war am Anfang von Wuhan und dann weißt du nicht, wie gefährlich diese Krankheit ist, das muss man einfach wissen. Aber natürlich kriegst du dadurch eben auch einfach einen Blick vor Ort, der ein anderer ist, als den die chinesische Regierung will.
Diese Fragen sind, ich finde, haben sich in meinem Berufsleben scharfer gestellt, als das vielleicht früher war. Ich weiß es nicht, ob es für die Generation, die den Vietnam-Krieg gecovert haben, auch schwierig war, weil die gar keine Bilder sonst hatten, weil es keine Handys gab. Aber jetzt stellt sich diese Frage des Journalismus primär, also dass du dort bist, vor Ort bist, stellt sich nochmal in einer ganz neuen Intensität, weil es viele Kräfte gibt, die eine Geschichte dir erzählen wollen.
Ich weiß nicht, wie ihr sie beantwortet, weil es immer ein moralisches oder auch ein existenzielles Dilemma bleibt. Am Ende musst du entscheiden, es ist so wichtig für dich und die Leute, dass du hingehst und es bleibt ein Restrisiko. Und das ist eine Frage, wie ihr sie beantwortet oder wie ihr das wertet und ob ihr das genauso wahrnimmt, dass sie sich immer dringender stellt in dieser Zeit. Rolf, vielleicht sagst du mal ein Beispiel aus deinem Berufsleben? Also bei uns war die Frage...
Fahren wir nach Wuhan oder nicht? Ehrlich gesagt, ja, vor allem als es noch nicht zu war. Da hatten wir Glück und wir sind dann hingefahren und wussten nur, es ist irgendeine Viruserkrankung. So richtig hat man noch gar nicht gewusst, was es ist und kamen dort an abends. Wir sind noch aus Peking hingefahren. Wuhan ist ja eine Riesenstadt mit 16 oder 14 Millionen und kam am Flughafen an und da trug auch keiner Masken.
Also die Regierung hat das ja komplett, die örtliche, noch nicht mal die Peking-Hauptregierung oder die chinesische Regierung, sondern die Kommunalregierung hat das unter Deckel gehalten, damit sie keinen Ärger kriegen mit Peking. Und deswegen haben die Leute nicht gewusst, was da schon wie verseucht die Stadt ist. Und alle liefen ohne Masken rum.
Und wir kamen dann an und fuhren noch abends, weil wir es spät ankamen, nachts um, ich glaube es war halb zwölf oder elf, zu diesem Krankenhaus, was wir nur gelesen hatten, dass da Fälle sahen. Und dann merkten wir, oh shit, weil da fuhr ein Notarztfang nach dem anderen rein. Und da dachten wir, das ist aber jetzt komisch, das muss ja doch intensiver sein. Und dann schielt einer an, weil er nicht reinfahren konnte.
Und es ging hinten die Klappe auf und es stieg einer, wie ich immer sage, mit dieser vollen Mondkleidung an, die wir nachher alle kannten, diesen weißen Vollanzug mit kompletter Maske. Hinten, konntest du es so sehen, war einer an Schläuchen. Und da denke ich, Joe Yeh, unsere Senior Producer in China, denke ich, oh, oh, oh, was ist denn hier los?
Und dann hatten wir Glück, weil wenn die eine Langnase sehen, die Chinesen, mit einer Kamera, also mich, ein Westeuropäer, dann gehen die natürlich sofort in Deckung. Aber wir hatten einen Kameramann, Dynasty aus Peking, Chinese und Joe Yeh aus Chinesen und die sind dann da hingegangen und haben mit Leuten gefragt, dass wir auch das erste Mal gesehen haben, die in einem LKW saßen, so Reinigungsmaschinen, mit denen man normalerweise Schnee wegräumt.
Aber ich dachte, was ist denn jetzt los? Und da sind sie dann hingegangen. Und die haben gedacht, es wäre TV Peking, also Leute aus der Hauptstadt. Und deswegen rede ich, sagt er, gut, dass ihr da seid. Hier die Kommunalregierung will nichts sagen. Es ist ein Riesen-Virus-Ausbruch. Wir wissen nicht, was los ist. Im Krankenhaus sterben die Leute, die liegen auf den Fluren und so weiter.
Okay, das war natürlich, das klingt jetzt zynisch, war für mich in meinem Leben ein journalistisches Highlight, weil wir waren die einzigen, die dort waren. Aber es ist ein hohes Risiko, dass wir eingegangen sind. Wir hatten Glück, wir haben auch am nächsten Tag uns dann Masken besorgt, aber wir hatten Glück. Aber es war natürlich schon von großer substanzialer Bedeutung, dass wir das hatten an Material und auch die Aussagen.
Und ja, das war diese Güterabwägung, die wir aus der Situation heraus gar nicht die Dimension erfasst haben. Uns erst später klar wurde, wir sind dann den nächsten Tag zurückgefahren, weil wir ein technisches Problem hatten und Auslandsjournal machen wollten. Und das ging nicht. Und fahren zurück und wussten nicht, dass sie einen Tag später die Stadt dicht machen. Nur auf dem Rückflug hatten auf einmal alle, der Kapitän, die Stewardessen, hatten auf einmal alle volle Maske an.
Und da merktest du, da ist irgendwas ganz dramatisch unter, passiert was ganz Dramatisches und ich werde nie vergessen, Zhou Yeh sagte, ich könnte mir vorstellen, dass sie die Stadt dicht machen. Und ich vom westeuropäischen Denken her sage ich, Zhou Yeh, du kannst doch nicht 14 Millionen Menschen einsperren.
Und ich will jetzt nicht sagen, weil sie ja nun Chinesin ist, nicht, dass sie Ärger kriegt, aber sie sagt, ich sage es mal höflich, du unterschätzt die Kraft der kommunistischen Partei, das chinesische Volk zu retten. So in dem Sinne. Also locker sparen die die ein. Teilweise haben sie zum Schluss 750 Millionen im Lockdown, die Chinesen. Aber das war das Primärerlebnis, wo es für mich ein Beispiel ist, wo sich viele Fragen stellen.
Ich trage mal bei, also ich war, Katrin, du bist ständig in solchen Krisen und Konfliktgebieten, Deswegen ziehe ich meinen Hut. Ich habe es eigentlich nur mal ein bisschen in Afghanistan und Pakistan erlebt, wo wir in Afghanistan 2011 unterwegs waren und dann fährst du die Straße lang und auf einmal ist vor dir so ein Tanker in Brand geschossen worden von den Al-Qaidas oder Talibans oder was und du musst dann von der Straße runter drumherum oder...
Und da weißt du ja auch nie, hättest du vielleicht direkt hinter dem Tanker, wärst du Tanklastwagen, wärst du gefahren, hättest du auch Pech gehabt. Oder in Quetta in Pakistan, wo wir gedreht haben auf einem Marktplatz und auf einmal kam der Mob gewissermaßen zusammen und wurde bedrohlich. Also das sind so Situationen und ich glaube, das ist das. Wir Journalisten müssen den Augenschein nehmen. Wir müssen vor Ort sein und finde toll, dass wir Kolleginnen und Kollegen wie dich haben.
Katrin, die das eben eigentlich ständig machen, aber es gilt auch auf dem etwas niedrigeren Niveau, wo nicht die unmittelbare körperliche Gefahr droht. Also wenn wir hier in den USA arbeiten, full disclosure. Wir sitzen hier im Büro, schnuckelig warm und im Sommer schön kühl und haben Bildmaterial von NBC, CNN, CBS und anderen zur Verfügung und wir kriegen eine Menge Material, das wir verarbeiten können und dann verarbeiten wir das für die Nachrichtensendungen.
Wir müssen trotzdem natürlich unterschiedlichste Quellen ansprechen, damit wir eben nicht eine Seite nur darstellen, sondern alle Seiten und haben natürlich Quellen, Kontakte etc. Aber das ist eine Arbeit, die findet hier, ich sag mal im Elfenbeinturm, könnte man gemeinerweise sagen, es ist aber nicht so, weil wir die Fenster öffnen und mit vielen Leuten reden.
Und umso entscheidender ist es, dass wir dann rauskommen, dass wir im Land unterwegs sind, wirklich mit den Menschen reden, weil die Umfragewerte, die wir hier so haben, geben dir noch nicht wirklich das Gespür dafür, wie die ticken, warum die so ticken. Und deswegen sind wir eben am Wochenende in Georgia gewesen und haben da mit Aussteigern aus der MAGA-Bewegung geredet. Oder wir waren in Portland, als der Präsident gesagt hat, da gibt es eine Kriegszone
in Portland, Oregon. Vor ein paar Monaten waren wir da, um mal zu gucken, wo die Kriegszone ist und stellt sich heraus, gibt es natürlich nicht. Da ist ein Eishafftcenter, wo halt jeden Tag ritualhaft quasi Demonstrationen stattfinden und man sich so gegenseitig so ein bisschen angeht. Aber es gibt keine Kriegszone. Also es ist entscheidend und wichtig, dass wir hingehen. Und dazu gehört auch, letzter Satz von mir, das Vertrauen der Zentrale uns zu schicken.
Also das kostet ja alles Geld und die Tendenz ist natürlich immer gern da, man will vorher wissen, was hinten rauskommt, wenn man Geld dafür ausgibt. Und wir haben kein eigenes Geld hier in Washington, sondern das geben die jeweiligen Sendungen. Und umso mehr schätze ich es, dass auch die Zentrale sich darauf einlässt, dass die Sendungen sich darauf einlassen zu sagen, fahrt doch mal hin und guckt mal.
Wir machen ja immer diese große Wohnmobil-Tour vor den Wahlen, wo wir nicht wissen, was hinten rauskommt. Es ist nichts organisiert, es ist nichts fest vereinbart mit irgendwelchen Interviewpartnern oder sowas. Also wo wir einfach nur mal das tun, was Journalisten wohl im Ursprung tun konnten und sollten. Nämlich gucken, wo die Story ist, wie die Leute ticken, ins Gespräch kommen und das ist das Schönste eigentlich an unserem Job.
Und ich glaube, es wird gerade jetzt in einer Zeit extremer Informationsüberflutung, die wir ja alle erfahren. Zunehmend wichtiger, diese eigene Anschauung. Auch in Zeiten von Desinformation, vielleicht können wir darauf auch gleich noch zu sprechen kommen, ist natürlich der Augenschein extrem wichtig geworden. Viel bedeutender, als ich erinnern kann in meinen Anfangsjahren als Journalistin. Hat auch was mit Vertrauen in Reporter zu tun, woher sie ihre Informationen haben.
Diese Reise, Elma, die du gerade erwähnt hast, in solchen Momenten oder da, wo du jetzt warst, gibt es dann da Situationen, wo du auch sagst, hey, jetzt bin ich überrascht. Ich hatte eigentlich gedacht, es wird ganz anders. Oder hast du was mitgebracht, wo du denkst, das ist eindrucksvoll? Ja, und wir hören da auch gleich mal rein. Ich will vorher erklären, was wir da bekommen haben. Also wir haben bewusst jemanden gesucht, der sich von MAGA getrennt hat.
Also aus dieser Make America Great Again Bewegung sich abgewendet hat. Und wenn wir draußen im Land unterwegs sind, dann hast du die Hardliner oft oder du hast die Demokraten auf der anderen Seite. Aber es fällt schwer, jemanden zu finden, der ausgestiegen ist und auch bereit ist, darüber offen zu reden. Und ich sage mal, dann kannst du schön in Umfragen gucken. Du kannst schauen, was Soziologen sagen.
Warum ist es so schwierig für die Leute da auszusteigen? Es geht nichts darüber, mit den Menschen wirklich zu sprechen, was ihre Beweggründe sind, was ihre persönliche Geschichte ist, weil man daraus lernen kann, was das ist, der Ausstieg aus Mager. Und wir hören vielleicht mal rein, was Carter Brown, eine junge Frau in Atlanta, Georgia, uns erzählt hat. Warum haben Sie Mager verlassen? Wie sind Sie zu dem Punkt gekommen, zu sagen, ich gehe?
Ich hatte ein wirklich traumatisierendes Gespräch mit jemandem, der mir nahesteht. Worum es ging, spielt keine Rolle, aber mir wurde ein Spiegel vorgehalten und ich war angeekelt davon, was ich gesehen habe. Was haben Sie gesehen? Eine Heuchlerin, eine Rassistin, die fremdenfeindlich und transfeindlich war. Eine Person, die nicht nach den Worten ihrer Religion lebt. that I subscribe to and I finally started to see, what the other Ich konnte endlich sehen, was die andere Seite sah.
Es war das Härteste, was ich je durchgemacht habe. Denn ich habe realisiert, vieles, woran ich geglaubt habe, war nicht die Realität. Es ist wie Truman, der in der Truman-Show aufwacht, dass es ein ganz anderes Leben gibt, außerhalb dessen, wofür man selbst die ganze Zeit gelebt hat. Zu Carter noch, sie ist in einer evangelikalen Familie aufgewachsen, das heißt in einem Bezugssystem, wo nur Gewissheiten existierten.
Also es gab wenig Zweifel und dadurch ist sie reingerutscht auch in diese Verschwörungstheorien, QAnon, ist dann Trump-Anhängerin geworden, Mitglied dieser mager Bewegung kann man sagen und hat sich jetzt eben abgewendet und hat natürlich geweint während des Interviews, weil und ich glaube da ist sie authentisch und überzeugend, weil sie auch uns dargelegt hat, was das für sie jetzt bedeutet.
Das heißt, ihr gesamtes Bezugssystem, ihre Familie, ihre Freunde, alles, wo sie eingebettet war, was ihr Sicherheit und Halt gegeben hat, ist zum guten Teil jetzt weg, weil die sich natürlich abwenden, weil sie als Verräterin deklariert wird. Und durch so einen Prozess durchzugehen, ist psychisch unglaublich schwierig.
Jetzt haben wir natürlich nicht nur mit Kater geredet. Wir haben auf der anderen Seite dann am Sonntag, da war ich dann nicht mehr dabei, weil ich ja wegen der Berichterstattung zurück musste. Aber die Kollegin Annette Brieger hat dann eben auch mit einer Mageranhängerin geredet, die keine Zweifel hat, die fest davon überzeugt ist, dass das alles richtig ist, was Donald Trump macht.
Und auf diese Weise, und das ist das Überraschende, wenn man so eine Gelegenheit mal hat, zu verstehen, wie menschlich das ist, was hier in diesem Land passiert. Und welche Emotionen da eine Rolle spielen, das hat mich sehr tief beeindruckt. Also ich fand es auch einen ganz berührenden Moment, diese junge Frau zu erleben, wie sie das schildert und. Den Spiegel vorgehalten zu bekommen. Dieses Bild, was sie benutzt. Ich weiß nicht, wie es dir ging, Ulf.
Ja, man hat das Gefühl, man kennt, oder diese Intensität ist wie bei Sektenaussteigern. Also sie ist ja fassungslos von sich selbst. Wie konnte mir das passieren? Wie konnte ich so gläubig werden? Und das ist erschreckend, weil sie sich wahrscheinlich fragt, wie manipulierbar bin ich? Und was ist, also das ist ein sehr beeindruckendes Dokument wahrscheinlich, was vielleicht jetzt auch gerade in Amerika passiert, weil ich glaube, sie spricht für mehr als nur für sich selbst. Ein Wachwerden.
Was mir das immer fasziniert fand an meiner Arbeit und ich glaube. Da müssen nicht wir als Journalisten auch selbstkritisch genug sein. Die Aufgabe, finde ich, ist, Leuten, die Möglichkeit zu geben, im Englischen sagt man, I see you, dass sie gesehen werden, dass sie wahrgenommen werden.
Deswegen finde ich auch gut, dass diese Mageranhängerin zu Wort kommt und man erst dann mit den eigenen Ansichten und Moralvorstellungen zurückhält, sondern erst mal sagt, ich gebe diesen Raum und dann finde ich immer noch sehr gut Journalismus, wenn man vor allem den Schwachen, den Ungehörten einen Raum gibt. Und es gibt ja schon das Gefühl in Amerika und das ist auch in Deutschland und in vielen europäischen Ländern so, dass es eine Tendenz in der Berichterstattung gibt.
Unabhängig wie gerecht ist das oder nicht. Aber die Magerleute würden ja sagen, als wir uns zu Wort gemeldet haben, unter Obama sind wir gar nicht wahrgenommen worden. Wir wurden stumm geschaltet. Und ich will das gar nicht bewerten, ich will es einfach nur darstellen. Und auch diese White House-Korrespondent-Dinner, ich war da, als Obama da Präsident war und war auch bei zwei Abendessen, wo er da war. Und er ist ja ein faszinierender Mann gewesen, charismatisch.
Aber ich würde schon sagen, vor dem Hintergrund, wie polarisiert dieses Land war, war auch dieses White House-Presse ein bisschen zu sehr Fanveranstaltung. Also ich konnte schon verstehen, dass die Leute aber auch erst im Nachhinein vielleicht gesagt haben, auch da gehört Distanz, nicht nur zu dem jetzigen Präsident.
Und das ist etwas, was wir lernen, das gibt ja bei uns die Diskussion bei der Corona-Politik, wie weit haben die Medien dazu sehr der Regierungsagenda gefolgt und haben nicht den anderen, die einen Aluhut haben oder wie verrückt sie auch immer sind, die Chance gegeben, dass sie wahrgenommen werden, den Prozess ohne moralisch gleich eingeordnet zu werden.
Und das finde ich so spannend. Also vielleicht ist auch der Journalismus in einer Phase, der durch diese ganzen Krisen und durch diesen amerikanischen Präsidenten, der ja anbrüllt Fake News und ihr seid Feinde des amerikanischen Volkes. Vielleicht ist darin sogar was Gutes, dass man nochmal über seine Rolle reflektiert und sagt, jetzt gehe ich mal zu den Menschen hin, die das denken und gebe ihm die Möglichkeit, I see you. Ich will einfach erstmal verstehen, was du machst.
Insofern finde ich das ganz toll, was er da macht und das alles, vielleicht ein bisschen viel interpretiere ich in diese arme Frau Kater rein, dass man dir die Chance gegeben hat, wir sehen dich, wir hören dich. Also sehr beeindruckend. Wir können vielleicht mal den O-Ton von Trump hören, der, als du noch hier warst, uns ja zu Feinden des Volkes erklärt hat. Ich will, dass ihr alle wisst, wir kämpfen gegen die Fake News. Die Nachrichten sind erfunden falsch.
Vor wenigen Tagen habe ich die verlogenen Medien den Feind des Volkes genannt. Und das sind sie. Nur weil ich ja damals Korrespondent war, deswegen hat man meine Stimme und man kannte das Phänomen Trump überhaupt nicht.
2017 war das, ne? Ja, also man kannte das, also da kannte man es schon ein bisschen, aber im Grunde genommen war das alles neu, dass ein amerikanischer Präsident in dieser Brutalität, die als Journalist, nicht mir persönlich war, nicht wichtig genug als Auslandsmedien, aber eigentlich den Leuten die Knarre an den Kopf hält und sagt, wenn ich es kann, mach ich dich fertig. Und es wäre gelogen, wenn das nicht eine Reaktion, auch bei Journalisten sind Menschen, auslöst, die vielleicht über das,
Maß hinausgeht, was ein Journalist machen soll. Journalist ist nie die, ist die Gegenmacht generell, die Macht in Frage stellt, aber sie ist nicht eine Macht, die eine bestimmte Macht in Frage stellt. Und das ist, glaube ich, der Lernprozess, den ich jetzt sehr, sehr spannend finde, der bei all dieser Lügenpresse und Fake News und so weiter, wo wir selber reflektieren, wie weit sehen wir manche Strömungen nicht und müssen selber über unsere eigene Rolle nochmal nachdenken. Und das ist das Gute.
Und damals war man einfach gedacht, wow, ich glaube, es geht los, jetzt erst recht. Ja, und das ist vielleicht nicht die richtige Haltung, sondern einfach, ich weiß gar nicht, wer es gesagt hat, Elmer. Ich glaube, es war der ehemalige Chefredakteur von der Washington Post. He goes to war, we go to work. Genau.
Ich wollte gerade anknüpfen. Wir haben nämlich eine Frage von Jadas69, der uns schreibt, Mich würde interessieren, die Medien, denen wird zunehmend vorgeworfen, sie seien voreingenommen und eher links geprägt. Wie stellen Sie persönlich und redaktionell sicher, dass Ihre Berichterstattung objektiv bleibt? Halten Sie die Kritik für berechtigt, dass viele Medien eher eine politische Richtung, zum Beispiel links statt rechts, widerspiegeln und wie gehen Sie mit solchen Vorwürfen um?
Das ist ja auch eine große politische Debatte in Deutschland. Also ich glaube, die wird tendenziell befeuert, auch dadurch, dass die Aufgabe der Medien ist, ja kritisch zu hinterfragen, was die Mächtigen tun. Und das wird sehr schnell sofort in die Kategorie eingeordnet. Das ist ja eher links als, ich sag mal, staatserhaltend, eher konservativ. Und dann sind wir links. Und ich will jetzt nicht über die gesamte deutsche
Medienlandschaft urteilen. Ich glaube, da gibt es eine Palette von, ich sage mal, eher linkeren Ansichten bis zu rechteren Ansichten in der Medienlandschaft in Deutschland. Aber wir haben natürlich den Auftrag, unparteiisch zu sein und das zu berichten, was ist, aber auch zu erklären, was es bedeutet. Und erstmal machen wir das so, dass wir innerhalb der Redaktionen natürlich diskutieren, über was berichten wir eigentlich.
Wir wollen sicherstellen, dass im Prozess alles, was wir dann nachher veröffentlichen, entsprechend überprüft wird und auch von verschiedenen Leuten beguckt wird. Also nicht nur von mir als Journalist, als Autor, sondern eben auch von der Producerin, den anderen Kollegen, die daran mitarbeiten.
Wir haben Schlussredakteure bei den Sendungen in Mainz, die sowohl vorher mit uns reden, wie ein Beitrag aussehen könnte, als auch hinterher, wenn der fertig ist, den Text abnehmen, den Beitrag nochmal abnehmen und so weiter, sodass verschiedene Blickwinkel da drauf gehen. Aber der Vorwurf ist eben oft, dass wir ja alle den gleichen Blickwinkel hätten und deswegen vielleicht andere Ansichten zu kurz kommen. Ich glaube aber, dass der Vorwurf so pauschal nicht stimmt.
Also wenn eine kleine Gruppe innerhalb einer Gesellschaft eine ganz andere Meinung hat als die überwältigende Mehrheit und wir würden hingehen, diese kleine Gruppe abbilden, als wären sie 50-50 von der Gesellschaft oder möglicherweise sogar eine Mehrheitsmeinung, dann würden wir Wirklichkeit falsch abbilden. Und die, die am lautesten rufen, man würde sie zensieren oder ihnen keine Plattformen geben.
Denen kann man, glaube ich, auch das widerlegen, indem sie tatsächlich zu sehen, also es kann man zählen, wie oft sie in den Sendungen auftauchen, wie oft abweichende Meinungen auftauchen, weil ein inhärenter Strang der News eigentlich auch immer ist, besonders einmal anzugucken, was weicht ab vom Normalen, was weicht ab vom sogenannten Mainstreet.
Und sie kommen meiner Meinung nach in unserer Berichterstattung absolut, sagen wir mal, verhältnismäßig vor, aber fühlen sich in irgendeiner Weise wegzensiert und das teile ich schlicht und ergreifend nicht. Ich will aber nicht für alle Medien in Deutschland da sprechen. Ulf, du schnaufst einmal durch. Es ist eine wahnsinnig schwierige Frage, zu der man auch starke Gefühle hat, also gebe ich ganz offen zu.
Ich glaube, erstmal habe ich gelernt, das zur Kenntnis zu nehmen, dass es viele Leute gibt, was auch immer das befeuert hat, vielleicht die Migration und Corona-Debatten, die uns sehr misstrauisch beobachten und glauben, dass wir da im Regierungslager oder dann woanders in irgendeinem Lager, es hängt immer von der politischen Überzeugung ab. Und ich glaube, ich nehme das zur Kenntnis und ich finde es gut, wenn man darüber offen diskutieren kann und sich immer wieder infrage stellt. Ähm.
Es kommt auch daher, dass die Welt immer komplizierter wird und die Gewissheiten nicht mehr einstimmen. Was meine ich damit? Wenn ich aus Europa eine Schalte mache in der 90er, ich mache es jetzt mal ganz pragmatisch. Eine Minute. Wie ist die Position Europas zum Ukraine-Krieg? Dann muss ich erst mal erklären, dass es das eine Europa nicht mehr so gibt, wie es das vielleicht noch vor 5, 6, 10 Jahren war.
Die Nachkriegsordnung ist zusammengebrochen. Und es gibt das Europa, ich nenne es immer der politischen Mitte und auch das ist schon eine politische Interpretation. Das sind also CDU, SPD, das ist das Europa der putschenden Mitte und die wollen eigentlich Europa. Und die Rechtspopulisten wollen ein anderes Europa. Aber sind das jetzt Europafeinde oder wollen die noch ein anderes Europa? Und dann kannst du schon anfangen zu diskutieren.
Und wenn ich jetzt, ich will gar nicht sagen, ein Rechtspopulist bin, aber nicht zu dieser Mitte direkt gehöre oder an der Zweifel, finde ich dann den Herrn Röller schon, dass er eigentlich immer nur über das Europa der Mitte spricht und die anderen weglässt. Aber in einer Minute kriege ich dieses alles gar nicht mehr ausdefiniert, das Komplexhafte, was vielleicht vor Auftritt Trump einfach selbstverständlich war. Also auch einmal die Frage, was denkt Amerika?
Da könnte Elmar sagen, das denkt ganz vieles, aber ob der Trump überhaupt noch die Mehrheit Amerikas ist, ist überhaupt nicht mehr sagbar. aber trotzdem interpretieren wir alles, was Amerika tut, als hätte Trump 80 Prozent der Stimmen. Das ist emotional. Und jedes Ding, das der mittlerweile so durch ist teilweise, machen wir auch, aber wir müssen ihn natürlich auch ernst nehmen. Und das macht es so komplex. Und da fühlen sich viele Leute unbefriedigt ab.
Informiert, weil in dieser Minute es wahnsinnig kompliziert ist, diesen Zerfall unserer Wertekanon, den wir mal hatten, in irgendeiner Form einzubringen. Das ist fast unmöglich. Und deswegen bin ich so ein bisschen, es ist halt echt verdammt schwierig. Also es ist nicht immer, wenn es einseitig klingen sollte, ist da ein böser Wille dahinter, sondern manchmal ist der Komplexität geschuldet, dass man vereinfacht und damit lässt man ganz viel weg.
Darf ich ein Beispiel von gestern mal nehmen? Die Rede von King Charles im Parlament. King Charles. Vorweggeschickt nochmal kurz. Genau, King Charles. Der Ulf weiß, worauf ich auch noch anspiele. Ich leide unter dem Queen Elizabeth-Syndrom. Das ist nämlich, wenn man aufgewachsen ist und die größte Zeit seines Lebens unter Queen Elizabeth verbracht hat, dann war Prinz Charles immer Prinz Charles und nicht King Charles. Jetzt ist er King Charles.
Deswegen habe ich gestern versehentlich bei Lanz dann Prinz Charles gesagt. Ich bin sicher, irgendjemand wird sich darüber aufregen, dass ich diesen Fehler gemacht habe. Ja, Prince Charles. Ist ja echt schade, dass noch Menschen arbeiten im Journalismus. Ne, was ich damit sagen will, der hat gestern eine grandiose Rede im Parlament gehalten, hier in Washington, im Kongress. Das war eine diplomatische Meisterleistung, weil er hat gewissermaßen denen die Leviten gelesen.
Er hat daran erinnert, wie sehr diese Gemeinsamkeiten basierten auf gemeinsamen Werten. Also er hat Bürgerrechte angesprochen, die Rechtsstaatlichkeit, die Überzeugung, dass die exekutive Macht beschränkt sein muss durch eben die Gewaltenteilung. Er hat eine Lanze gebrochen für Frieden statt Krieg und für den Schutz der Umwelt und all diese Dinge. So und wer das gehört hat, der kommt.
Kann eigentlich nicht anders als merken, dass das alles versteckte Botschaften sind, ohne zu sagen, hey, ihr in Amerika, ihr habt euch aus diesem Wertekanon, jedenfalls gerade die Trump-Administration, verabschiedet. Das dürfte der König im Leben nicht sagen, hier im Parlament, aber er hat das so geschickt gemacht, dass eigentlich alles klar wird.
Wenn ich jetzt das einschätze, was da gesagt wird in der Schalte, wie ich es dann gestern auch gemacht habe für heute schon ein Update, dann muss ich natürlich auch diese Einschätzung bringen, weil ich glaube, diese Fallhöhe zwischen dem, was er beschreibt und dem, was Trumps Amerika heute ist, nochmal nicht ganz Amerika, sondern die Trump-Administration, die muss man einmal erwähnen.
Und wenn man das tut, gibt es auch in Deutschland bestimmt eine ganze Menge Leute, die der Meinung sind, wir sind gemein und garstig und einseitig. Dabei versuchen wir nur einzuschätzen, was das bedeutet, was der König hier gesagt hat. Was ich damit sagen will, Ulf, du hast es vorhin angesprochen, vieles liegt im Auge des Betrachters. Wenn ich auf meinem Sofa im Wohnzimmer schaue und bin halt einer, der Trump gut findet, dann finde ich das ein Sakrileg, dass der Tavison dann
solche Dinge sagt. Und wenn ich einer bin, der Trump nicht gut findet, dann findet der toller Journalismus und so weiter. Also auch das spielt dabei, ist natürlich kein toller Journalismus, also auch das spielt dabei eine Rolle. Und ich glaube, wir müssen viel stärker in die Diskussion mit den Menschen gehen und vermitteln. Und das versuchen wir ja jetzt gerade hier. Wie arbeiten wir eigentlich und warum schätzen wir Dinge so ein,
wie wir sie einschätzen? Ich würde dir gerne eine Frage nochmal stellen, Katrin, weil ich finde, wer über Israel bespricht, hat den allerschwersten Job. Weil da sind die Emotionen extrem. Und ich bin immer so froh, dass ich das nicht machen muss. Und du hast ja auch hier schon mal über Israel gewisse Dinge, die du deinen Erfahrungswert dargestellt, die auch in der Kommentierung dann ein bisschen auch mal was Kritisches gewesen ist.
Wie empfindest du dieses? Also ist es in einem so toxischen Verhältnis wie im Nahen Osten, wie kriegt man da noch einigermaßen, ich sage es so blöd, wie überlebt man da als Journalist? Ich würde den Nahen Osten gar nicht so isoliert sehen. Also für mich ist das, was ich jetzt seit dem Überfall der Hamas auf Israel erlebt habe, eigentlich ein bisschen vergleichbar mit dem Beginn von Russlands Krieg gegen die Ukraine. Das war eine ähnliche Atmosphäre.
Da durftest du auch bestimmte Sachen nicht sagen. Ich erinnere mich, ich wurde da als Russophob, Kriegstreiberin und ich kann gar nicht sagen, mit was für schrecklichen Begriffen bezeichnet, habe Morddrohungen bekommen. Und ich glaube, das Einzige, was du machen kannst, ist, dir selbst treu zu sein. Ich bin überzeugt davon, dass es Objektivität im Journalismus nicht gibt. Wir alle sind Subjekte, Menschen. Ich gucke subjektiv natürlich auf die Lage im Nahen Osten.
Als Deutsche, als Frau, als Frau meiner Generation. Deswegen ist mein Blick natürlich davon geprägt. Ich glaube, wir müssen das transparent machen. Nichtsdestotrotz bin ich tief davon überzeugt, dass das, was ich zu Israel sage, zu diesem Konflikt im Nahen Osten ist. Meiner erfahrenen Wahrheit entspricht. Also ich würde nicht sagen, dass irgendetwas davon in Frage zu stellen ist, weil es eine Falschbehauptung ist oder weil es eine Behauptung ist, die ich nur aufstelle, weil ich an etwas glaube.
Ich bin als Journalistin unabhängig. Ich darf mich nie gemein machen mit einer Seite. Auch nicht, wenn die Seite mir sympathisch ist oder schwach ist. Nicht mal mit den Frauen in Afghanistan darf ich mich gemein machen. Auch wenn ich natürlich an ihrer Seite bin Und natürlich sehe, was für Leid geschieht. Wir müssen immer die Dinge in Frage stellen. Aber sich als Journalist da selbst treu zu bleiben und auch gegen Kritik, gegen Feuer einfach das machen, wovon du überzeugt bist.
Ich bin davon überzeugt, dass die Dinge, die ich sage, die habe ich recherchiert, die habe ich überprüft, die habe ich entweder mit eigenen Augen gesehen, die habe ich abgeglichen mit sehr viel Erfahrung auch. Ich arbeite ja nicht das erste Mal in Israel, sondern seit 25 Jahren beschäftige ich mich mit dem Land. Ich glaube, diese toxische Atmosphäre, die ja auch aus diesem Trump-O-Ton sprach, Journalisten zu Feinden zu erklären, das hat ja Russland eigentlich begonnen.
Journalisten sind Soldaten. Nein, wir sind keine Soldaten. Wir sollten das zurückweisen und einfach das tun, was wirklich unsere Aufgabe ist. Nämlich das zu berichten, wie es Elmer, glaube ich, vorhin gesagt hat, was ist. Und auch immer wieder Einblicke zu geben. Deswegen freue ich mich, dass wir den Podcast heute zu dem Thema gemacht haben. Weil du schon so ein wunderbares Fazit siehst.
Und ich würde gerne, weil mir das wichtig ist, eigentlich auch ein Fazit für mich ziehen und vielleicht auch Elma. Für mich ist mein Fazit. Oder mein Wunsch ist, vertrauen Sie mir und misstrauen Sie mir. Was ich mit Vertrauen meine, vertrauen Sie mir, dass ich es wirklich ehrlich meine und versuche, möglichst gut hinzukriegen und wie du sagst, so nah an der Realität, wie ich sie wahrnehme.
Und misstrauen Sie mir, ich kann völlig daneben legen und gucken Sie sich dann Thewissen und Eigendorf und andere an, die hoffentlich noch eine andere Perspektive haben. Aber dieses Vertrauen, dass es ein ehrlicher Ansatz ist und Misstrauen, dass wir alle irrende Wesen sind, das wäre mir doch sehr angenehm, weil das ist, glaube ich, eine gute Antwort auf die doch schwieriger gewordene Atmosphäre für Journalisten.
Schöner kann man es gar nicht formulieren, deswegen addiere ich nur dazu, ich glaube, es gilt für viele, wenn nicht sogar alle in unserem Beruf. Wir kommen morgens zur Arbeit mit dem festen Willen, am Ende des Tages in den Hauptnachrichtensendungen die verlässlichsten Informationen zu liefern, die man irgendwo finden kann. Das schließt aber Irrtum, das schließt Fehler eben nicht aus.
Und ich glaube, wie wir klar machen können, wie wir arbeiten, je transparenter wir das machen, desto eher wird vielleicht auch verstanden, was fehlt, wenn es diese Arbeit nicht gäbe, wenn es eigentlich nur noch Medien gäbe, die ideologisch unterwegs sind oder die einfach es gar nicht sich die Mühe machen, zu hinterfragen, zu prüfen und so weiter, sondern Dinge raushauen und sie als Wahrheit verkaufen.
Und in diesem Sinne sind wir ja auch mit dem Podcast unterwegs und finde klasse, dass wir da zumindest sehr ähnlich ticken, auch wenn wir manchmal Gott sei Dank Meinungsunterschiede haben. Schön, ich danke euch sehr. Ich danke auch vor allem unseren Usern, die uns so tolle Fragen auch geschrieben haben, die wir gar nicht alle jetzt beantworten konnten. Aber das ist natürlich auch immer eine ganz tolle Inspiration zu hören, was ihr denkt über das, was wir sagen und was euch interessiert.
Wir müssen jetzt leider Schluss machen, wir könnten wahrscheinlich noch ewig darüber diskutieren, aber wir werden sicherlich wieder in irgendeiner der nächsten Folgen das Thema nochmal aufgreifen, auch bei dieser Folge freuen wir uns wie immer natürlich über euer Feedback zu folgender Adresse, Auslandsjournal Podcast geschrieben in einem Wort at zdf.de oder einfach in den Kommentaren, etwas hinterlassen Kritik, wir lesen alles und freuen uns darüber Aber dann
bleibt mir nichts anderes, als zu sagen, bis nächste Woche. Dankeschön, mach's gut, ihr Lieben.
