Klimaschutz - Doping für den Ozean - podcast episode cover

Klimaschutz - Doping für den Ozean

Mar 19, 202439 min
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Summary

Diese Episode beleuchtet die vielversprechende, aber kontroverse Methode der Ozean-Alkalinisierung, um CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen. Es werden die wissenschaftlichen Grundlagen und die Herausforderungen bei der Umsetzung durch Feldversuche in Cornwall (mit Protesten) und Halifax (mit größerer Akzeptanz) diskutiert. Die Sendung thematisiert auch die immense Skalierbarkeitsproblematik und die Gefahr von Greenwashing in der aufstrebenden Branche der CO2-Entnahmetechnologien.

Episode description

Mit Hilfe von Gesteinsmehl ließen sich Unmengen CO2 im Meer "entsorgen". Was kann dabei schon schiefgehen, fragen wir den Meereschemiker Will Burt. Die Antwort soll ein Versuch liefern, bei dem sich das Meer verfärbt - und zwar pink.

Das erwartet Euch in dieser Episode:
(02:21) Ein Viertel der globalen CO2-Emissionen sollen jedes Jahr raus aus der Atmosphäre.
(05:18) Meereschemiker Will Burt sieht Tiere und Pflanzen an Kanadas Küste in der Hitze sterben.
(08:02) Wie „Ozean-Doping“ CO2 aus der Luft saugt und im Meer versenkt
(12:50) Wills Firma testet das Ozean-Doping in Cornwall. Aber Umweltschützer protestieren.
(18:00) Eine Reise nach Helgoland, Krebskacke und die Frage: Ist Ozean-Doping gefährlich?
(22:09) Wie pinkfarbenes Wasser vor Halifax zu einer guten Nachricht für Meeres-Lebewesen führt
(29:10) „Wir müssten zweimal im Jahr das Matterhorn kleinraspeln!“
(32:17) Alles nur Greenwashing?

Es kommen zu Wort:
Will Burt. Versucht als Chef-Wissenschaftler von Planetary Technologies die Ozeane zu noch mächtigeren CO2-Speichern zu machen.

Andreas Oschlies. Schaut als Modellierer am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel in Vergangenheit und Zukunft. Für letztere, meint er, werden wir auf Technologien angewiesen sein, mit denen sich große Mengen CO2 aus der Atmosphäre holen lassen.

Weiterer Input kam von:
Katja Fennel. Begleitet als Modelliererin an der Dalhousie University in Halifax die Versuche von Planetary Technologies wissenschaftlich - unter anderem mit Hilfe von pinkem Meerwasser.

David Ho. Bringt als Ozeanograph an der Universität Hawaii gerne nüchterne Fakten in die Debatte, wenn die Begeisterung über zukünftige CO2-Entnahme-Technologien allzu große Wellen schlägt. 

Unser Host:
Sophie Stigler, Wissenschaftsjournalistin, hat über fast alles schon mal berichtet, kann immer noch staunen.

Reporter:
Tomma Schröder, Fachjournalistin für Klima und Umwelt. Mag den Norden, Schnee und Eis – und verbringt ihre Zeit am liebsten am und im Meer.

Weiterführende Links:
Ozean-Alkalinisierung im Fachmagazin Science im Dezember 2023: An alkaline solution
Leitfaden für die Forschung zur Erhöhung des Alkalitätsgehalts der Ozeane: Guide to Best Practices in Ocean Alkalinity Enhancement Research

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Transcript

Intro / Opening

Sophie, ich nehme dich jetzt mal mit an die Atlantikküste. Schön. Ja, freu dich nicht zu früh. Wir gehen in den zweitgrößten Industriehafen Nordamerikas. Ja, jetzt bin ich gleich weniger begeistert. Der liegt in Halifax in Kanada und du darfst dir das gerne alles ziemlich grau vorstellen. Also da sind graue Lagerhallen, Kräne, Industrieschlote, Güterbahnhof. Aber wenn du da an die Hafenkante gehst und vor dir ins Wasser guckst, dann ist das plötzlich pink. Industrieunfall oder was?

Ja, könnte man denken. Das sprudelte aus einem Rohr und das führte zu einem großen Gas- und Ölkraftwerk, was da am Ufer stand. Und wenn denen Öl ausgelaufen ist, dann ist das echt überhaupt nicht witzig, aber... Öl ist ja jetzt auch nicht pink, oder? Also, was ist denn das jetzt für eine Umweltkatastrophe? Ja, gar keine. Das soll eigentlich das Gegenteil sein. a science project for the planet as researchers dispersed 500 litres of safe pink fluorescent dye into the Halifax harbour.

Das waren nämlich Forscher, die die Farbe da ins Meer eingeleitet haben, weil die das Meer dazu bringen wollen, noch viel mehr Kohlendioxid aufzunehmen. Also noch mehr, als es jetzt schon aufnimmt. Ja, mit so einer Art Doping für den Ozean. Damit wollen sie ein Viertel der globalen Emissionen im Meer verschwinden lassen.

Ihr seid bei Deep Science. Schön, dass ihr zuhört. In unserer dritten Staffel, da fragen wir, wer rettet die Erde? Es geht um nicht weniger als um das Überleben auf diesem Planeten. Die Arktis schmilzt. Korallen und viele andere Arten drohen auszusterben. Wälder werden zu Wüsten und wir fragen, ist das noch alles zu retten? Sind wir noch zu retten? Es gibt Menschen, die glauben, ja, wenn wir keine Angst vor großen Ideen haben.

Und alle Hebel dafür in Bewegung setzen. Dann haben wir eine Chance. Und um genau so eine große Idee geht es jetzt. Ich bin Sophie Stiegler und bei mir ist unsere Klimareporterin Thomas Schröder. Hey. Hey.

Ein Viertel der globalen CO2-Emissionen sollen jedes Jahr raus aus der Atmosphäre.

Thomas, du hast ein großes Versprechen mitgebracht. Ein Viertel der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen soll raus aus der Atmosphäre und rein ins Meer. Ja, und zwar auf Dauer. Also jedes Jahr könnten wir das. Quasi Wegsaugen aus der Atmosphäre. Das ist auf jeden Fall eine Ansage. Das hat mich auch echt überrascht, als ich das das erste Mal vor sechs Jahren gehört habe. Da saß ich im Büro von Andreas Oschlis. Der ist Ozeanograf und Modellierer am Helmholtz-Zentrum für... Ozeanforschung in Kiel.

Und ich habe ihn damals interviewt, das war irgendwie sowas Hoffnungsloses wie Todeszonen, Ozeanversauerung war das Thema. Also typische Klimaberichterstattung. Typische Klimaberichterstattung, genau. Und als wir damit durch waren, haben wir noch so ein bisschen... uns unterhalten und dann ging es auch darum, wie man jetzt um Himmels Willen dieses ganze CO2 aus der Atmosphäre bekommt.

Und da hat er mir zum ersten Mal von dieser Methode erzählt, die da gerade ja, wo man gerade anfängt, die zu erforschen und die ziemlich vielversprechend ist. Da bin ich sehr hellhörig geworden, weil der jetzt sich nicht so schnell irgendwie begeistern lässt für solche Ideen. Das klingt erstmal gut, wenn er dafür ist.

Ich versuche jetzt irgendwie den Link zum Anfang zu kriegen. Wenn man das macht, dann wird das Meer pink dabei oder wie? Naja, also vom pinken Meer war erstmal gar nicht die Rede. Eigentlich... War gar nicht vom Meer, die Rede. Es ging erst mal um Berge. Alles, was wir an Bergen sehen.

würde sich dazu eignen, CO2 zu absorbieren. Und das tut Fels auch ganz normal, wenn er in der Luft verwittert. Also jeder Felsrutsch sieht erstmal ganz farbig, ganz frisch aus. Und wenn man dann nach ein, zwei, drei Jahren wieder hingeht, dann ist der grau geworden. genau dieser Prozess, da wird

CO2 aus der Luft genommen, reagiert chemisch mit dem Gestein und bildet dann diese grauen Karbonatgesteine. Also das Felsenverwittern habe ich schon mal gehört. Ich wusste aber jetzt nicht, dass dabei unbedingt CO2 aufgesaugt wird. Ja doch, das dauert allerdings Jahrhunderte und wir könnten diesen Prozess jetzt aber beschleunigen. Nämlich indem wir Gestein in Wasser auflösen. Also im Meer. Ja. Und das nennt man dann die Alkalinisierung des Ozeans.

Und davon sind mittlerweile auch sehr viele Wissenschaftler überzeugt, dass diese Alkalinisierung vielleicht das größte Potenzial birgt, um das Klima wirklich global zu beeinflussen. Das ist Will Bird. Und er hat gerade gesagt, dass er auch glaubt, dass da eine Menge Potenzial drin steckt. Deswegen erforscht er die Alkal... Alkalinisierung. Ich sag mal Ozeandoping, okay? Ich mach das. Will ist ein Meereschemiker aus Kanada. Junger Vater, sehr offen, sehr freundlich.

Meereschemiker Will Burt sieht Tiere und Pflanzen an Kanadas Küste in der Hitze sterben.

Naja, wie er viele Leute mit kleinen Kindern auch sehr besorgt um die Zukunft seiner Familie. Auch weil er die Auswirkungen des Klimawandels in Kanada so deutlich spürt. that happened in British Columbia three years ago now, where essentially the entire intertidal zone Ja, das, wovon er redet, das war diese extreme Hitzewelle in Kanada, wo alle wirklich total entsetzt waren, weil da 50 Grad gemessen wurden in Kanada. Und die Leute sind in Tiefgaragen geflüchtet.

weil sie es einfach nicht mehr ausgehalten haben draußen. Ja, das war 2021 und Will hat mir erzählt, wie er damals am Strand war, also an einem Strand, wo er selber auch aufgewachsen ist. Und an der Küste war alles... taught and just sort of fried the entire you know all the shellfish all the things that live at the Also Tiere, Pflanzen, das war quasi gegrillt. Seine Familie leidet unter dem Klimawandel, hat er gesagt, und nicht nur das. leiden tatsächlich unter Klimaangst.

You know, you're studying the impacts usually in a very, very detailed way. Und er bekommt dann gleichzeitig mehr und mehr das Gefühl, dass so diese Arbeit, die er an den Universitäten macht, so diese hyperspezialisierten Artikel, die er als Juniorprofessor für Ozeanografie schreibt, dass er damit ja eigentlich gar nichts bewirkt. Also das liest eh kaum jemand. Außer halt so ein paar andere Ozeanografen oder so. So ein paar Nerds, genau, die aber natürlich auch nichts verändern können wirklich.

Obwohl seine Forschung, seine ganze Timeline auf Social Media quasi danach schreit, dass jetzt klimapolitisch endlich mal was passieren muss, bewegt sich einfach nichts. Und das frustriert ihn. Das frustriert ihn sogar so sehr, dass er dann irgendwann seine akademische Karriere hinschmeißt, seine Festanstellung und in ein Unternehmen wechselt. Also er wird Chief Scientist bei Planetary Technologies.

Und das ist so ein mittelgroßes Startup für Umwelttechnologie in Halifax in Kanada. Und deren Slogan Restore the Climate, Heal the Ocean. Also die wollen genau dieses Ozean-Doping machen und dabei auch noch den Meeren was Gutes tun. Da ist es wieder, dieses große Versprechen. Und jetzt kommt ja noch eins dazu.

Wie „Ozean-Doping" CO2 aus der Luft saugt und im Meer versenkt

Den Ozeanen soll es dann auch noch besser gehen, was ja natürlich super klingt. Dann gucken wir uns das mal genauer an, was da eigentlich dahinter steckt. Also bisher weiß ich, es hat irgendwie was mit einem Verwitterungsprozess zu tun. Und den wollen wir schneller machen und zwar mit Meerwasser. Ja oder ja? Ja, deswegen habe ich auch die kleine Ostsee hier dabei. Also das Meer im Glas. Genau. Und?

Gebirge in der Plastikdose. Das sieht ein bisschen aus wie Weizenmehl. Ja, ist gemahlenes Gestein. Und mit diesen beiden Zutaten haben wir jetzt eigentlich alles, um das Meer zu dopen. Und das machen wir jetzt mal im kleinen Experiment. Dieses Gestein da, was aussieht wie Mehl, kommt das so auch vor in der Natur oder was ist das? Ja, das ist Magnesiumhydroxid. Das habe ich jetzt genommen, weil Will und Planetary das auch nehmen.

Das kommt als Bruzid in der Natur vor, ist nicht besonders häufig. Häufiger sind andere Sachen wie Calcit oder Olivin oder Silikate. Die könnte man auch alle nehmen. Die könnte man auch alle nehmen. So, und das gebe ich jetzt mal hier rein, dieses weiße Pulver. In unsere kleine Ostsee. Es rieselt so runter auf den Boden. Löst sich aber ganz gut eigentlich. Also es ist übrigens...

Ganz harmlos, ne? Das könntest du jetzt hier auch zu dir nehmen. Zum Beispiel, wenn du zu viel Säure im Magen hast. Ah, okay. Und der Ozean hat auch irgendwie zu viel Säure im Magen, weil... Der hat ja das ganze CO2 aufgenommen, was wir so in die Luft pusten. Genau, knapp ein Drittel der menschengemachten Emissionen hat der aufgenommen. Und das führt aber eben dazu, dass der auch so ein bisschen Magenprobleme hat. Der ist eben zu sauer.

Weil das CO2 im Wasser zu Kohlensäure wird. Aber das Problem beheben wir ja jetzt. Das Problem haben wir jetzt wahrscheinlich behoben. Wir können jetzt einmal nachmessen. Also Ostsee-Wasser im normalen Zustand wäre jetzt... Vom pH-Wert hier im grünen Bereich, so neutral bis leicht alkalisch. Und jetzt mit dem Gesteinsmehl müsste das deutlich angestiegen sein. Ich gebe dir mal so einen Streifen hier.

Du kannst es mal reinhalten und dann zeigt er uns den pH-Wert an. Okay, stecke ich rein. Papierstreifchen. Und verfärbt sich direkt. Ziemlich toll, ne? Ja. Ist auf jeden Fall nicht mehr grün jetzt. sondern blau. Und blau heißt? Ja, deutlich alkalischer hier, schon im hohen Bereich. Das heißt, unsere kleine Ostsee ist weniger sauer geworden. Die ist weniger sauer geworden und das ist gut.

Weil sich in diesem alkalischen Wasser das CO2 jetzt verändert zu Bicarbonat-Ionen. Ein Teil des CO2 verschwindet und das Wasser holt sich CO2 aus der Luft nach. Und wird irgendwann wieder seinen alten pH-Wert erreichen. Das Problem ist nur, ich glaube, wir haben es ein bisschen übertrieben. Ja, da setzt sich jetzt so Kram am Boden ab vom Glas, ne? Genau, das wäre natürlich ein bisschen viel reingekippt. Ein bisschen viel reingekippt, das fänden jetzt...

Wirkliche Tiere im Meer nicht so toll, wenn sich der pH-Wert so stark verändert. Unten ist er auch so schlammschleimig. Das wäre auch nicht toll für die Bodenorganismen. Und... Wenn man es übertreibt, kann es auch passieren, dass sich Kalk bildet und dann entsteht sogar CO2. Das heißt, man würde das Gegenteil von dem erreichen, was man eigentlich machen will. Oh, okay. Ja, das wollen wir also nicht. Also man darf es auf keinen Fall übertreiben. Aber wir können mal festhalten, wir haben...

Dieses Zeug, das kann man auch gegen Sodbrennen nehmen oder man kippt es ins Meer und das wird dann auch alkalischer oder weniger sauer. Und das ist erstens gut für... Muscheln und andere Tiere, deren Kalkschalen ja momentan irgendwie von dem immer saurer werdenden Wasser ja so richtig weggeätzt werden. Und wir haben den Vorteil, dass wir CO2 damit aus der Atmosphäre holen können. Richtig.

Also man geht davon aus, dass der Ozean durch diese Alkalinisierung etwa 10 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr zusätzlich aufnehmen könnte. Und das wäre eben etwa ein Viertel der Emissionen. die weltweit pro Jahr ausgestoßen werden. Das klingt alles echt super gut. Also eigentlich zu gut. Ehrlich gesagt. Also das springt so ein bisschen mein Bullshit-Radar an, wo ich mich frage, wo ist der Haken? Wo ist der Haken? Aber kommen wir vielleicht gleich noch zu. Also erst mal.

Wills Firma testet das Ozean-Doping in Cornwall. Aber Umweltschützer protestieren.

Vielleicht zu Will und Wills Geschichte. Er hat ja jetzt einen neuen Arbeitgeber, Planetary. Und zusammen mit seinen Kollegen will er genau das machen. Also er will den Ozean dopen. Aber können die das so einfach? Na, sie müssen natürlich erstmal testen in klein. Und das macht Planetary im Herbst 2022 in Cornwall in England. Im kleinen? Also wie klein ist das? Ja, sie nehmen erstmal vier Tonnen Gesteinsmeer. Nicht so klein eigentlich. Was genau wollen Sie da testen?

Sie wollen es erstmal einfach nur ausprobieren und gucken, funktioniert das? Löst sich das im Wasser? Hat das selbst in diesen kleinsten Mengen vielleicht doch schon irgendwelche Auswirkungen auf Tiere oder Pflanzen, die man nicht auf dem Radar hat? Sie machen das da in St. Ives. Das ist eine total malerische Küste mit Sandstrand. Aber es gibt da eben auch so ein...

Irrelanges Abflussrohr, was ins Meer hineinführt. Und in dieses Abwasser mischen sie eben die vier Tonnen Magnesiumhydroxid. Und das funktioniert erstmal alles hervorragend. Also die Muscheln und die Krebse und Würmer da am Boden, die werden nicht mit einer dicken Schicht Gesteinsmehl zugedeckt, sondern das Pulver, das löst sich tatsächlich auf. Der pH-Wert.

steigt leicht an, so wie man das erwartet hätte, und geht dann aber auch relativ schnell wieder auf sein Ausgangsniveau zurück. Und insgesamt, das schätzt Planetary später, wurden auf diese Weise so eine halbe Tonne CO2 im Meer versinkt. Klingt jetzt erstmal relativ viel, aber wenn man sich so ein bisschen mit CO2-Emissionen beschäftigt hat, also das ist noch nicht mal ein Flug nach Bangkok. Also eine halbe Tonne CO2 ist vielleicht...

So ein Viertelflug nach Bangkok? Ja, das ist jetzt der negative Vergleich. Man könnte es auch... Mit einem Baum vergleichen, so viel CO2, wie der in seinem ganzen Leben aufnimmt, so viel CO2 haben sie auch im Meer gespeichert. Es war ja auch jetzt erstmal ein kleiner Versuch. Ich stelle aber fest, also wir haben vier Tonnen Gesteins. die wir reinkippen und eine halbe Tonne CO2, die wir am Ende damit

Ja, Moment, ich weiß, was du sagen willst. Das Verhältnis, das wird sich noch sehr stark verändern. Wenn das professionalisiert ist und kein Test mehr ist, dann wird man wesentlich weniger Gestein brauchen, um CO2 zu speichern. Aber um all das jetzt wirklich ausprobieren zu können, wollen Sie im Frühjahr 2023 dann endlich in einer zweiten Projektphase die Dosis erhöhen. Aber dann kommt die Presse.

A Canadian company plans to dump hundreds of tons of a mineral off the Cornish coast to slow climate change despite calls by the environmentalists to halt the trial. Planetary Technologies forgot to mention their experiment to any of the actual humans living here. Da erscheinen dann Zeitungsartikel, in denen steht, dass Planetary chinesische Chemikalien vor der Küste verklappen will. Leute demonstrieren am Strand mit Plakaten und so.

Und Will wird plötzlich als Umweltzerstörer angegriffen. Und ist denn was dran an den Vorwürfen? Naja, also dass Planetary jetzt sein Magnesiumhydroxid aus Industrieabfällen oder aus nuklearem Kühlwasser gewonnen hat, das wurde auch behauptet, das stimmt jetzt zum Beispiel nicht. Woher haben sie es denn dann? Also das sind ja erstmal ganz kleine Mengen, die kaufen sie einfach im Handel ein und die sind dann auch auf Verunreinigung geprüft, also ganz harmlos.

Ich meine, selbst wenn man jetzt bei den Fakten bleibt, muss man sich ja klar machen, Das ist so eine rosamunde Pilcher-Steilküste da in Cornwall, mit so einem Sandstrand davor. Und da kommt jetzt irgend so eine kanadische Firma und schmeißt dir da Chemikalien in dein Meer. Wäre vielleicht was anderes, wenn es eine staatliche Uni wäre oder so. Aber klar, so ein Privatunternehmen, da weiß man nie so genau, kriegen Will und seine Kollegen das dann wieder eingefangen.

Sie haben das natürlich versucht, jetzt die falschen Schlagzeilen zu widerlegen und Vertrauen aufzubauen. Informationsveranstaltungen haben sie gemacht, aber das gelingt alles nicht. Und am Ende brechen sie den Versuch dann ab. Autsch. Also das war ja noch sozusagen der kleinste Versuch. Das sollte ja nur der Anfang von was Größerem sein und dann so direkt abgewürgt.

Ja, ein ziemlich missglückter Staat. Hier lernt Will zum ersten Mal, wenn man Dinge wirklich macht und anpackt, die eben auch eine politische Dimension haben, dann kann man nicht mehr everybody's darling sein. Ja, es hat ihn dann am Ende aber ein bisschen abgehärtet, sagte er. Und für ihn ist dann auch klar, auch wenn nicht jeder gut findet, was er macht, wenn es sogar Leute gibt, die das gefährlich finden, er will weitermachen.

Eine Reise nach Helgoland, Krebskacke und die Frage: Ist Ozean-Doping gefährlich?

Aber jetzt mal ganz ehrlich, eigentlich wusste ja Will selbst nicht so genau, ob es wirklich ungefährlich ist, was Planetary da vorhatte. Also das wollten sie ja eigentlich gerade rausfinden mit ihrem Versuch, oder? Und jetzt haben sie ihn nicht gemacht? Jetzt wissen sie es ja immer noch nicht. Und jetzt? Also ist das Doping jetzt gefährlich oder nicht? Das erzähle ich dir auf einen kleinen Ausflug. Aha, jetzt geht es ans pinke Meer? Nein, nach Helgoland.

Es ist morgens 8 Uhr und wir gehen da an den Nordhafen. Es ist Frühjahr 2023, das heißt, da liegen kaum Boote im Hafen, aber dafür sind da so komische, runde Dinge an den Stegen. Die sehen aus ein bisschen wie so Saunatauchbecken, nur dass die eine durchsichtige Hülle haben und eben direkt im Meer hängen. Mesokosmen nennt man die im Wissenschaftsdeutsch.

Und um diese Mesokosmen herum auf den Stegen wuseln unendlich viele Wissenschaftler, die irgendwelche Rohre da reinstoßen und ganz furchtbar viele Messungen machen. Wir versuchen quasi ziemlich in der Mitte einzustechen und relativ langsam abzulassen und das wird dann in den Kanister umgefüllt und das wird dann später filtriert. In diesen Minimeeren will man rausfinden, was das Doping mit dem Meer anstellt, also was die Risiken davon sind. Im Grunde ja.

Also wenn du jetzt da in diese Mini-Meere reinguckst, dann sieht man da nicht viel. Aber tatsächlich schwimmen da ja ganz viele kleine Tierchen, Algen und so weiter drin herum. Und da wollen sie halt gucken. Wie kommen die klar mit unterschiedlich hoher Alkalinität, also unterschiedlich hohen pH-Werten und auch?

Wie stark kann man eigentlich alkalinisieren, ohne dass man es übertreibt, so wie wir das gerade eben hier gemacht haben? Insgesamt machen die da tausende von Messungen, aber ganz ehrlich, wenn ich dir das jetzt alles erklären würde, dann würden wir morgen hier noch sitzen.

Jetzt ist das gerade eine Probe, wo relativ viele kleine Partikel drin sind. Hier zum Beispiel sieht man, das ist ein Fecal Pallet, also was von Copopoden ausgeschieden wurde. Also vielleicht mal so als Beispiel dafür, wie tief die da eingetaucht sind in die ganze Problematik. Da wurde unter anderem im Labor gefilmt und gemessen, wie schnell so kleine Partikel, zum Beispiel der Kot von winzig kleinen Krebschen, sogenannten Koppelpoden,

in die Tiefe sinkt. Witzig, dass er gerade Fecal Palate gesagt hat, weil man auf Deutsch, Kacke klingt einfach blöd. Wenn man das Freunden erzählt, ich erforsche Krebskacke. Warum ist das wichtig mit der Krebskacke? Zum einen sind diese Krebse und auch ihr Kot, ganz wichtig für das Ökosystem. Diese Krebskacke hat auch eine Bedeutung für den Kohlenstoffkreislauf im Meer. Wenn nämlich keine Krebse mehr da sind, die ins Meer kacken, dann sinkt auch weniger CO2.

Und wenn jetzt das Gesteinsmehl irgendwie diese Krebse vergraulen würde, dann müsste man das auch in die CO2-Bilanz mit einrechnen. Und was kam jetzt raus? Also mögen die Krebse das Gesteinsmehl? Ja, mögen weiß ich jetzt nicht, aber es stört sie zumindest nicht. Aber etwas anderes hat sich in den Mesokosmen verändert und zwar so.

Dass die Forscher schon echt überrascht waren, weil sie das vorher bei Versuchen nicht beobachtet haben. Die Algenblüte hat sich nämlich in vielen Mesokosmen deutlich nach hinten verschoben. Und ist das ein Problem? Ja, das könnte schon ziemlich wichtig sein für die kleinen Tierchen im Wasser, die sich ja davon ernähren. Und das heißt, man muss, wenn man die Ozeanalkalinisierung irgendwann mal im größeren Stil betreibt, dann wirklich vorsichtig sein.

dass der pH-Wert nicht zu stark ansteigt bzw. auch schnell wieder sinkt. Also ich nehme mit, es könnte da eventuell Probleme geben, aber sollte eigentlich alles okay sein, wenn man es erstmal nicht übertreibt mit dem Doping. Ja, um das jetzt endgültig zu sagen, ist das wahrscheinlich zu früh.

Aber die meisten Forscher sehen das schon als so sicher und sinnvoll an, dass man diese Alkalinisierung des Meeres jetzt auch mal kleinskaliger proben kann. Also auch außerhalb von Testbecken im echten Meer. Also im Ende.

Wie pinkfarbenes Wasser vor Halifax zu einer guten Nachricht für Meeres-Lebewesen führt

Gute Nachrichten für Will, zumindest auch nach der Vollkatastrophe da in Cornwall. Du hast ja gesagt, er will auch weitermachen. Ja, und diesmal wirklich in Kanada vor der Haustür. Und da färben sie als erstes mal das Wasser im Hafen von Halifax pink. Endlich sind wir beim pinken Wasser. Wir erinnern uns, Halifax, Industriehafen, Lagerhäuser und Container. Ja, und dieses Ölkraftwerk, wo das komische bunte Wasser herkommt. Genau, dieses Kraftwerk kommt jetzt ins Spiel.

Das leitet nämlich sein Kühlwasser über Rohre in die Bucht. Und in dieses Abwasser hat man dann den Farbstoff zugegeben. Und das eingefärbte Wasser, das sprudelt dann da im Herbst 2023 an ein paar Tagen in die Hafenbucht. Und die war dann eben für eine Weile mit diesem rosa Schaum bedeckt und das Wasser darunter war so pink. Das ist ja jetzt nicht gerade unauffällig, wenn man sowas macht. Also gab es denn in Halifax Proteste, so wie in Cornwall?

Ja, das war wirklich spannend, weil die da in Halifax einen komplett anderen Spin in diese Geschichte gekriegt haben. Sie haben informiert und gesagt, was sie machen und die Menschen haben insgesamt positiv darauf reagiert. Und man hat eben auch den Kampf gegen den Klimawandel in den Vordergrund gerückt. Und da hatte man dann irgendwie so das Gefühl, hey, wir sind hier in Halifax die Spitzenreiter in Klimalösungen.

Und was genau wollten Sie mit dem pinken Versuch rausfinden? Also es war ja nach Cornwall noch eine ganze Reihe Fragen offen. Zum einen wollen sie sicher gehen, dass sie wirklich keinen Schaden anrichten, auch wenn sie jetzt größere Mengen an Gesteinsmehl in die Bucht einleiten.

Und dafür, um das messen zu können, müssen sie aber wissen, wo sie eigentlich messen müssen. Also wo ist das Gesteinsmehl überhaupt? Also das heißt, sie färben einfach das Wasser ein und dann gucken sie, wo wird es pink und wo bleibt es irgendwie... Brackwasser, braun und da landet am Ende gar kein Pulver. Genau. Und dann konnte man mit dem eigentlichen Versuch loslegen und statt nur Farbe eben auch Gesteinsmehl in die Bucht einleiten.

Okay, das ist dann sozusagen der nächstgrößere Versuch, also Next Level. Genau, endlich. Also sie geben dem Kraftwerkskühlwasser diesmal... so eine Art vorangefertigten milchigen Schlamm aus Wasser und Magnesiumhydroxid zu. Und der wird dann über die Abwasserrohre in die Bucht gespült. Als der Versuch eine Woche gelaufen ist, hat Will mir noch eine Sprachnachricht geschickt und er war auch da noch ziemlich aufgeregt.

Er sagt, er hat a lot of feelings. Was für feelings denn? Also das Scheitern in Cornwall hat er zu dem Zeitpunkt sicherlich noch nicht ganz verdaut. Und Planetary will jetzt auch einfach zeigen, dass sie... da eher gesellschaftlich gescheitert sind, aber eben nicht wissenschaftlich. Und sie wollen jetzt endlich beweisen, dass die Idee, die ja bisher immer nur in Modellen oder in Laboren oder eben in Plastiksäcken erprobt wurde,

dass die wirklich auch im echten Meer funktioniert. Also am Ende die gleichen Fragen wie in Cornwall eigentlich. Ja, es geht um zwei Dinge. Zum einen... herauszufinden, ob sich auch größere Mengen von Gesteinsmehl wirklich lösen und dann wirklich CO2 binden und zum anderen, dass das Ökosystem dabei keinen Schaden nimmt.

Und dann ist es ja auch so, da sind jetzt ziemlich viele Augen auf Halifax gerichtet. Also alle, die sich irgendwie mit dieser Frage beschäftigen, wie wir CO2 aus der Atmosphäre bekommen, die kennen die Ozeanalkalinisierung. Und in Halifax läuft dazu gerade eines der ersten wirklich ernstzunehmenden Experimente im Meer. Und es läuft gut. Die erste Woche war ein voller Erfolg, sagt Will.

Wie lange ging es denn insgesamt? Insgesamt dauerte das so knapp drei Monate. Und in der Zeit haben sie 280 Tonnen Gesteinsmehl in die Bucht eingeleitet. Erst nur so eine Tonne pro Tag und danach ein bisschen mehr.

280 Tonnen. Also das sind ungefähr 15 Lkw-Ladungen. Klingt jetzt natürlich viel, aber ich schätze mal, in so einer großen Bucht ist das Zeug auch schnell weg. Ja, also sehen kann man das da nicht lange. Das geht sehr schnell. Aber das Ganze wird ja von der Delhossi University begonnen. Und das ist so eine Art Mecker der Meeresforschung.

Und nicht nur Will & Planetary, sondern eben auch diese Delhossi-Leute sind die ganze Zeit immer mit ihren Booten draußen auf der Bucht und messen alles, den Chlorophyll-Gehalt, ob das Wasser trüber geworden ist. Sie nehmen Sedimentproben, sie schauen sich eine... die winzigen Algen und Tiere im Wasser an. Und ganz wichtig, sie messen natürlich auch den pH-Wert des Wassers. Und?

Naja, also es sind natürlich noch lange nicht alle Daten ausgewertet, aber eins seiner beiden Ziele hat Planetary World erreicht. Es gibt nämlich bisher keine Auswirkungen auf die Tiere und Pflanzen, die da so in der Bucht rumschwimmen. Okay, das sind ja schon mal echt richtig gute Nachrichten, weil das war ja eigentlich auch eine große Sorge. Man kippt das da rein, man weiß nie so genau, was macht das dann vielleicht. Und jetzt kann man sagen, nö Leute, alles gut.

Passiert nicht viel mit den Tieren und Pflanzen. Das stimmt. Nur ihr zweites Ziel, das konnten sie nicht so ganz erfüllen. Also wir erinnern uns, sie wollten ja erreichen, dass sich das Pulver löst und das Wasser CO2 bindet. Das mit dem Lösen, das hat wohl ganz gut geklappt. Also man hat da auf dem Boden jetzt keine Ablagerung von Gesteinsmähe gefunden. Aber der pH-Wert hätte ansteigen müssen. Und ob das passiert ist... Ja, da ist man sich jetzt noch nicht so ganz sicher.

Ach nö, also was machen wir denn jetzt damit? Also ich meine, das große Ziel war ja schon, dass man CO2 aufsaugt damit. Und wenn man das jetzt nicht belegen kann, ja, was jetzt? Ja, das wäre das Ziel gewesen. Also der pH-Wert steigt an und nach und nach fällt er wieder, weil CO2 aus der Luft nachgefüllt wird sozusagen. Hat man denn irgendeine andere Möglichkeit, jetzt rauszufinden, ob CO2 gebunden wurde oder nicht?

Ja, das lässt sich berechnen, aber es gibt natürlich schon ein paar Fragezeichen, wie viel CO2 dann tatsächlich aus der Atmosphäre ins Meer nachgefüllt wird. Und deshalb wird dieser Austausch zwischen der Luft und dem... alkalinisierten Meer nochmal gemessen. Wie viel CO2 wandert da hin und her? Die Ergebnisse gibt es allerdings bis jetzt noch nicht. Aber gibt es eine Schätzung oder so?

Also ganz sicher kann man sich da nicht sein, sagt Will. Ja, you're talking to a scientist. Ja, ist klar, ne? Aber wie viel denn jetzt ungefähr?

„Wir müssten zweimal im Jahr das Matterhorn kleinraspeln!"

Also 100 Tonnen plus minus 10 Prozent. Also schon deutlich mehr als beim ersten kleinen Versuch. Ja, das wäre jetzt nicht nur ein Viertelflug nach Bangkok, sondern das wären jetzt immerhin 50 Flüge von Frankfurt nach Bangkok. Ich würde gerne jetzt über die Dimensionen mal sprechen. Also Planetary sagt... 100 Tonnen CO2 haben Sie mit dem letzten Versuch aus der Atmosphäre geholt. Also hoffen Sie, schätzen Sie.

Das ist ja schön, aber wir haben ja große Versprechen gemacht am Anfang. Das heißt, wir wollen ja einen deutlichen Effekt fürs Klima haben, einen deutlichen CO2-Aufsaug-Effekt. Das heißt, wie viel größer müssten wir das Ganze fahren? Ja, schon noch um einige Faktoren. Der Weltklimarat schätzt ja, dass wir in den nächsten Jahren so... 10 bis 20 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre holen müssten. Okay, also nochmal eine ganze Liga drüber. 100 Millionen mal mehr.

Und Gestein dann noch ein bisschen mehr, weil wir müssen mehr Tonnen Gestein reinhauen ins Meer, als wir Tonnen Kohlendioxid dann aufsaugen können. Richtig? Jetzt waren das ja in Halifax schon so ein paar LKW-Ladungen oder ein paar mehr. Wo kriegt man dann das hundertmillionenfache von diesem Gestein her? Also wer soll die Steine abbauen? Wer soll sie malen? Wer soll sie dann an die Küsten fahren? Ist das überhaupt eingepreist in den Rechnungen?

die da vom großen Potenzial vom Ozeandoping sprechen. Also was man sich klar machen muss, wenn das irgendwann mal wirklich ausgereift ist, dann braucht man immer noch so ein bis zwei Tonnen Gestein für jede Tonne CO2, die man im Meer speichert.

Und wenn man das alles mal so umrechnet, das hat Andreas Oschlis gemacht und er hatte einen sehr anschaulichen Vergleich. Er hat nämlich gesagt, wenn wir alle unsere globalen Emissionen... verschwinden lassen wollen würden im Meer, dann müssten wir pro Jahr zweimal das Matterhorn kleinraspeln. Aber ich mag das Matterhorn. Also ich würde das jetzt ungern klein raspeln. Das macht auch keiner. Ja, im Ernst, ich meine, wir können nicht alle Gebirge in den Schredder hauen.

Nie, auch das können wir nicht. Aber wir können, und das machen wir ja auch schon, Bergbau betreiben. Wir könnten zum Beispiel statt Kohle abzubauen, zukünftig Gestein abbauen. Das würde natürlich mit allen negativen Folgen sein, die Bergbau so hat. Ja, also kostet eine Menge Energie, man braucht riesen Maschinen, holt möglicherweise irgendwelche Gifte aus dem Boden, die da schlummern und verschandelt die Landschaft. Ja, genau, das würde man alles mit einkaufen.

Das wären halt die Dimensionen, die man bräuchte, um einen Unterschied zu machen. Ich muss sagen, ich finde das total frustrierend.

Alles nur Greenwashing?

Also diese ganzen Methoden CO2 einzufangen und zu speichern, die klingen erstmal so gut und so plausibel. Und dann kommt man immer an den Punkt, wo man sagt, okay, wir müssen das dann mal im großen Stil machen und so. Und dann stellt man fest. Mist, das wäre einfach so ein unfassbarer Aufwand und so eine Riesenindustrie, die da dranhängen würde. Das ist einfach, das geht nicht.

Ja, aber auch deshalb ist es ja so wichtig, dass man daran forscht und dass man das klar macht. Es geht ja schon, aber wir haben halt einen Preis zu bezahlen und es ist wahnsinnig aufwendig, dieses CO2 wieder aus der Luft zu holen. Und dann kommt man aber vielleicht nochmal deutlicher zu dem Punkt, hey, es wäre einfach viel schlauer, wir würden es gar nicht erst da reinpusten. Ja, ich meine, andererseits, darüber haben wir auch schon gesprochen in dieser Staffel.

Das meiste von dem Kohlendioxid ist halt nun mal schon da in der Atmosphäre und es wärmt uns auch noch eine ganze Weile weiter. Und selbst wenn wir jetzt alle ganz plötzlich weltweit klimaneutral sind, dann würde eben das CO2, was jetzt schon zu viel ist, immer noch weiter.

und immer noch weiter die Temperatur hochtreiben. Und da brauchen wir dann eben solche Technologien, die CO2 aus der Atmosphäre wieder rausholen können. Also zusätzlich zu allem anderen, was wir zum Klimaschutz noch so machen. Ja und das zusätzlich, das ist hier genau der Punkt, nämlich damit Ozeanalkalinisierung uns im Kampf gegen den Klimawandel wirklich helfen kann, müssen wir… Ja warte, warte, warte, wir können das einfach aus den anderen Folgen von der Staffel reinschneiden.

Wir haben das schon ein paar Mal gesagt, wir müssen die Emissionen reduzieren. Korrekt. Ja, und dann nehmen wir mal an, wir haben das geschafft, das ganz stark runterzufahren. Dann wäre es ja wirklich möglich. mit der Ozeanalkalinisierung auch den Rückwärtsgang beim Klimawandel einzulegen. Ja, Rückwärtsgang klingt ziemlich gut, aber setzt natürlich voraus, dass das Ozean-Doping dann...

eine dieser wenigen Methoden vielleicht ist, wo es dann doch in einem zumindest größeren Maßstab funktioniert. Und jetzt kommt ... Die Stunde der Wahrheit, weil wie wahrscheinlich ist das? Die Frage ist ja, wie gut wird das kontrolliert, was Unternehmen wie Planetary oder da sind noch zahlreiche andere gerade in den Startlöchern, was die da machen. Weil wir wissen ja, dass mit dem Nachweis, wie viel CO2 gespeichert wurde, das ist nicht so leicht. Das heißt, man würde am Ende hochrechnen müssen.

Und dann könnte ich ja einfach als Unternehmen so dahergehen und sagen, hey, ich habe hier gerade so anderthalb Millionen Tonnen Gesteinsmehl ins Meer geworfen. Damit habe ich jetzt eine Million Tonnen CO2 gebunden. Und dann könnte ein anderes Unternehmen kommen und sagen, ich zahle dir Summe X dafür, dass ich mir dieses CO2 in meinen Klimabilanzen gutschreiben kann. Die Startups, die tasten sich halt an das Geld ran.

Und da haben wir einen Finanzinvestor, der sagt, jedes Jahr ein Faktor 10 wachsen, dann ist gut, und sonst bin ich raus. Das sehen wir jetzt bei einigen, dass das halt eigentlich nicht mehr, also es ist nicht wissenschaftsgetrieben, es ist nicht erkenntnisgetrieben, sondern das ist... Geld getrieben. Und am Ende haben wir einfach nur Greenwashing. Könnte passieren, genau. Da wird zwar an Standards gearbeitet, also jetzt gerade auch in der EU.

Aber insgesamt ist das noch ziemlich Wildwest und auch echt so eine richtige Goldgräberstimmung, weil so große Unternehmen wie Microsoft, Shopify, Meta da gerade wirklich viel Geld reinpumpen. Und man weiß ja, Geld zieht nicht immer die richtigen Leute an. Und wie ist das jetzt bei Planetary? Das wird Will bestimmt nicht auf sich sitzen lassen, dass er und sein Unternehmen dann nur das ganz große Geld machen wollen, egal ob das jetzt funktioniert oder nicht, die Methode.

Ja, Geld müssen sie machen. Das ist bei Startups so. Und sagen wir so, also besonders kommunikativ war das Unternehmen jetzt nicht immer. Also sie versuchen schon viel transparent zu machen, so auf ihrer Website. Aber wie viel da ja vielleicht doch Fassade ist oder nicht, das kann ich nicht beurteilen. Aber Will kommt ja selber aus der Wissenschaft oder er hat seine Professur dafür aufgegeben, das Klima zu schützen.

nicht vorstellen, dass er jetzt sich dieser Methode verschreiben würde, wenn die einfach gar nicht funktionieren würde. Das kann ich mir auch nicht vorstellen. Und ich glaube ihm auch, dass er da wirklich was verändern möchte. Also Will benutzt hier ein Bild aus dem Wandern. Das kennt er sehr gut, weil er das oft macht in Kanada und auch einfach weiß, wie schwierig das ist, sich da einen Weg freizuschlagen, wo vorher noch niemand lang ist.

But we believe that it's worth blazing that trail, even if it's not a trail that we end up walking, because maybe the science will show that it's not the best trail to walk. But if there's parts of that trail that others will be able to walk. Und er meint, es spielt auch gar keine Rolle, ob man den Weg wirklich bis zum Ende geht oder doch vorher abbiegt. Man muss ihn halt suchen, den besten Weg. Den besten Weg, um der Atmosphäre CO2 zu entziehen.

Und dabei hofft man, dass wenigstens einer von diesen Wegen funktioniert und machbar ist, weil irgendwas muss funktionieren. Sonst können wir den Planeten, wie wir ihn kennen, abschreiben. Das war Deep Science mit der Folge Doping für den Ozean. Die Recherche kommt von Thomas Schröder. Die Redaktion hat Lydia Heller übernommen. Aufnahmen und Techniklagen bei Jean Tchimczak und Jan Fraune.

Die Regie und Produktion bei Deutsche Fiedler. Ich bin Sophie Stiegler und das ist eine Produktion von Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur. Und das ist übrigens die letzte von fünf Folgen unserer Staffel Wer rettet die Erde? Und wenn ihr noch nicht alle gehört habt, dann macht mal. Es lohnt sich.

Ich habe dir eigentlich schon erzählt, dass Will auch Deutsch spricht. Er hatte irgendwie so einen deutschen Doktorvater, Helmut, von dem hat er echt viel erzählt. Helmut, nee, hast du noch nicht erzählt. Willst du mal hören? Passt eigentlich auch gerade ganz gut, weil wir ja bei der letzten Folge von unserer Staffel sind. I do remember one thing is that my wife and I started saying choose to each other all the time because it was such a friendly end to all of our conversations. Choose. Choose.

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