¶ Einführung in die Selbsterkenntnis durch Ruhe
Coach und Coach. Eine Reise durch die Welt des Coachings. Der Coaching Podcast mit Björn Buchach und Jan Gustav Franke.
Ja, wenn ich das jetzt richtig machen würde, würden wir jetzt erst mal eine Minute gar nichts sagen, Jan, oder?
Ja, also wir könnten mit Schweigen beginnen, denn wir sprechen ja heute über Selbsterkenntnis durch Ruhe. Und genau wollen einfach darüber sprechen, was es für uns bedeuten kann, wenn wir mal aktiv auch in eine Ruhephase gehen, was das mit uns machen kann und was es auch bedeutet, wenn wir das eben nicht haben, sondern permanent eigentlich unterschiedliche Eindrücke auf uns einprasseln haben. Ja, Björn, wie ist es denn bei dir? Kennst Du das? Also dass dass Du vielleicht gar keinen klaren Gedanken fassen kannst, weil so viele Dinge auf dich einprasseln oder halt generell irgendwie eine Situation, wo einfach sehr, sehr viel los ist?
Ja klar kenne ich das. Also das gibt's natürlich genug Situationen, wo man von einem Termin zum nächsten hetzt und zwischendurch gar nicht so richtig zur Ruhe kommt. Ich versuche mir das tatsächlich immer alles so zu planen, dass das nicht passiert. Also dass ich zum Beispiel, wenn ich zwei Termine habe, immer da auch 'n Puffer zwischen hab, damit ich ganz kurz einmal die Gedanken sortieren kann und runterfahren kann. Das kenn ich auch.
Aber das das das passiert natürlich. Also grade ich erinner mich auch daran, dass früher, als meine Familie noch größer war, also als meine Eltern noch lebten und es von einem Familiengeburtstag zum nächsten ging. Wir hatten da so bestimmte Zeiten im Jahr, wo sich das dann innerhalb von einer Woche alles so häufte. Und dazwischen war dann auch irgendwie nie das Gefühl, dass man mal wirklich bei sich zu Hause in Ruhe ankommt, weil eins aufs andere folgte.
Aber Du
wirst das auch kennen, oder?
Ja, ja, klar. Also in dem Verhältnis auch zwischen Beruf, Familie, Privatzeit, Hobby, da ist natürlich viel los und eigentlich, wir haben tatsächlich sogar einen Kalender, der irgendwie immer über 'n paar Monate relativ gefüllt ist. Das heißt also, da muss ich mir sogar Zeiten einplanen, in denen ich dann tatsächlich mal nichts habe oder weniger habe. Dann können wir vielleicht auch noch gleich darüber sprechen, was uns jeweils vielleicht auch so Orte oder Gelegenheiten sind, in denen wir auch gut entspannen können oder mal zur Ruhe kommen können. Solche kleine Oasen hab ich natürlich auch.
Genau, aber insofern kenne ich das sehr gut. Man spricht ja auch teilweise vom sogenannten Mental Load. Das hatten wir auch schon mal an anderer Stelle. Also sprich auch von den ganzen Themen, die man ja eigentlich so als latente Aufgaben im Hinterkopf hat, die auch im Alltag anfallen, die die man vielleicht gar nicht auf 'ner To do Liste stehen hat, aber die man sich kümmern muss, die eben auch noch mit mit obendrauf kommen, auf das, was im Tagesgeschehen so abläuft. Ja, und da kommt natürlich einiges zusammen.
Ja, und die Frage ist eben, wie man damit umgeht, wenn das eben der Fall ist, ob uns das überhaupt bewusst ist oder ob man eigentlich immer so weiterläuft und irgendwann feststellt, dass man ja, vielleicht einfach auch mal müde und erschöpft ist,
¶ Die Herausforderungen der Ruhe im Alltag
so. Ja. Eigentlich gibt's 'n ganz tolles Beispiel direkt aus der Coachingpraxis, fällt mir grad ein. Das hatten wir beide auch in unserer Ausbildung damals eigentlich so schön vor Augen geführt bekommen, nämlich das Aushalten von Stille. Also wenn man dem Klienten eine Frage stellt und da kommt nicht sofort eine Antwort, dann diese Stille zuzulassen und einfach da zu sitzen und zu warten, bis auf der anderen Seite etwas passiert.
Das halten ja viele ganz schwer aus. Also sowohl Coaches als auch Klienten halten das manchmal nicht gut aus. Sollte man als Coach natürlich 'n bisschen drin geübter sein. Aber das ist ja genau der Moment. Das ist dieser Moment, wo kein Einfluss von außen kommt, wo genau das passiert, wo der Blick so nach hinten geht, in sich hineinfühlen und horchen geht und man in der Regel ja wirklich zu Erkenntnissen gelangt, die man vorher eigentlich in der Form nicht hatte.
Jetzt ist das die Coachingsituation, aber wie im Alltag? Wie schafft man das, wenn der Kalender voll ist?
Ja, also ich glaube sogar, es ist nicht nur der Alltag, sondern ich glaube, es braucht manchmal sogar noch was darüber hinaus als Alltagssituation. Genau, aber auch noch mal auf den Punkt zu kommen, den Du gerade angesprochen hast, da geht's ja auch oftmals darum, dass man erst mal, also in der Coaching Situation hast Du ja die Situation, dass Du in der Regel darum, dass man erst mal Also in der Coaching Situation hast Du ja die Situation, dass Du in der Regel auch eine Frage stellst oder dass irgendwie erst mal eine Aussage im Raum steht und dann ist halt eben die Frage, was passiert, wer reagiert, ne, darauf oder wer reagiert als Nächstes? Da kann sich mal so was ergeben. Aber ich glaube, dass es halt im Alltag auch ganz oft so ist, dass wir gar nicht unbedingt viel Ruhe zulassen oder halt unserem Gehirn auch mal eine Pause geben, dass Gedanken hochkommen können und so weiter. Denn heutzutage haben wir ja jeder unser Smartphone in der Tasche Und also Situationen, wo ich sag jetzt mal auch im Wartezimmer, im Bus oder an der Haltestelle oder im Zug, ja, you name it.
Situationen, wo da tatsächlich mal Menschen dastehen und nichts tun, die findest Du heute eigentlich kaum noch an. Eigentlich hat jeder permanent sein Handy in Hand. Ich erleb's ja selbst, wenn ich irgendwie beim Essen sitze und mit dem Essen durch bin oder wenn ich abends auf der Couch sitze. Teilweise ist ja so, dass man eventuell sogar 'n Film konsumiert und zwischendurch noch mal das Handy in die Hand nimmt und sogar noch aufm zweiten Bildschirm schaut. Das heißt also, das Gehirn bekommt permanent eigentlich Eindrücke und von daher ist gar nicht der Raum da, dass sich tatsächlich mal selbst etwas entwickelt.
Ich hab das zum Beispiel beim Sport. Wenn ich Sport mache, da mache ich natürlich auch eigentlich Sport, aber da habe ich zumindest mal die Situation, dass ich parallel nicht aufs Handy schaue oder andere Dinge habe. Da bekomme ich die Situation, dass ich mal wirklich 'n freien Kopf bekomme, ne, dass sich Gedanken von alleine entwickeln. Das ist mal sone Alltagssituation, in der man zum Beispiel halt auch etwas mehr Raum für den Geist erweitern kann, jenseits von anderen Praktiken wie beispielsweise auch Meditation oder sowas, ne. Aber was natürlich auch trotzdem relativ gerichtet ist, dass man jetzt sozusagen bewusst in die Meditation geht.
¶ Die Bedeutung von Stille und innerer Reflexion
Aber ich komm gleich noch mal auf einen anderen Fall, der mir gerade auch noch durch den Kopf geht. Mhm.
Aber wenn Du Sport machst, machst Du ja schon wieder was.
Genau, das hab ich ja gesagt.
Das hab ich ja gesagt. Ja.
Das ist ja die Frage, also auch bei Meditation konzentrierst Du dich ja eigentlich auch auf den Atem, ne. So, das heißt, da versuchst Du jetzt zu meditieren im Moment zu sein. Da kommst Du ja vielleicht auch in eine Situation, wo Du deine Gedanken beobachtest, ne, ohne sie zu bewerten, wo schon mal so etwas da ist. Aber beim Sport ist zum Beispiel bei mir so, beim Ausdauersport, ich komm erst, also ich fang an, ne, das ist sone sone Phase, da komme ich erst mal rein, da muss ich erst mal irgendwie in den Rhythmus kommen. Dann dann gehen mir ganz viele Gedanken durch den Kopf, die halt irgendwie auch so hochkommt, ne.
Das ist sone Kreativitätsphase. Und dann später komme ich wirklich in son Flowzustand, wo ich auch relativ leer bin im Geist, sag ich jetzt mal, ne, und einfach nur nur wahrnehme. Ich sag aber, wie Du schon sagst, trotzdem macht man natürlich eigentlich was. So und ich jetzt quasi diesen Gedanken eben zu Ende zu führen. Und ich glaube, von Zeit zu Zeit braucht's auch tatsächlich mal etwas anderes, nämlich dass wir mal ganz bewusst rausgehen aus dem Alltag und uns mal Raum nehmen dafür, mit uns selbst in Kontakt zu kommen.
Und ich hab auch eine Analogie dazu, die hab ich vielleicht sogar schon mal an anderer Stelle zitiert. Die gibt's in unterschiedlichen Beispielen. Ich kenn sie beispielsweise von von 'ner von 'ner Bergbesteigung irgendwie stattgefunden hat, wo im Prinzip diejenigen, die halt eben diese diesen Berg da erklimmen wollten, auch so Sherpas mit dabei hatten, gesagt haben, komm, wir müssen schneller, wir müssen schneller, wir müssen schneller. Und das haben die auch mitgemacht. Nach zwei Tagen haben die Sherpas gesagt, so, hier ist jetzt erst mal Schluss, wir machen Pause.
Hab ich gesagt, warum? Wir sind jetzt so gut vorangekommen, warum sollen wir jetzt aufhören? Und dann war die Antwort, wir müssen jetzt erst mal unserer Seele die Chance geben, unseren Körper wieder einzuholen. So, und das ist das, worauf ich hinaus möchte. Ich glaube, in dem in der Hektik, in der wir unterwegs sind, ist es wichtig, von Zeit zu Zeit auch tatsächlich mal innezuhalten und mal in einen reizamen Kontext zu kommen, ne.
Sei das eine Hütte im Wald oder oder irgendwie eine Bank auf dem Deich an der Nordsee oder keine Ahnung wo. Und einfach mal ohne Handy, ohne Bücher, ohne Gespräche zu hören und zu spüren, was passiert denn da in mir? Wie fühl ich mich gerade körperlich, geistig? Und bin ich eigentlich gerade richtig aufgestellt, tue ich das Richtige in meinem Leben?
Mhm. Hat natürlich viel damit zu tun, was man persönlich dann als Ruhe empfindet, ne. Also bei dir ist es der Sport, wie Du sagst, das wär für mich nicht Ruhe, sondern eher Stress. Ich würde für mich persönlich zum Beispiel Ruhe so definieren, dass das Momente sind, wo keiner von außen etwas von mir will. Also wo ich mit mir alleine bin, keine Einflüsse von außen habe und das tun kann, in einem Tempo tun kann, wie ich das möchte.
¶ Individuelle Definition von Ruhe
Das kann, das ist für mich Ruhe. Das kann sogar arbeiten sein. Also wenn ich für mich in meinem Tempo in Ruhe, ohne Druck, ohne Termin vor der Nase arbeiten kann, ist das für mich auch eine Form von Ruhe. Was Du beschreibst, ist eigentlich das Rausnehmen aus dem aus diesem Puls des Alltags, was ich zum Beispiel sofort jetzt als Du es geschildert hast mit Urlaub verbinde. Dieses Raus aus dem alltäglichen Puls aus dieser Taktung, in der man ist in eine Situation, die einem die Möglichkeit gibt, alles an Verpflichtung erst mal fallen zu lassen.
Ist auch eine Form von Ruhe, aber ich glaub, die Definition davon ist unglaublich individuell. Also wie gesagt, ich hab das auch das Gefühl von Ruhe, wenn ich in meinem Arbeitszimmer sitze, auch irgendwas beruflich mache, aber in meinem Tempo.
Ja, genau, aber das ist explizit nicht die Ruhe, die ich meine. Und deshalb hab ich auch gerade gesagt, die Frage ist sozusagen, was sind so was sind so kleine Punkte? Du hattest gefragt, wie's im Alltag gelingt, ne? Also da gelingt mir das zum Beispiel mal im Sport oder bei Meditation oder so was, ne? Oder auch wenn man jetzt in Ruhe arbeitet und 'nem in 'nem Flow Zustand ist, dann ist das 'n angenehmer Zustand.
Aber was ich meine, ist tatsächlich der Moment, wo die Dinge in mir aufkommen, die ich vielleicht auch gar nicht sehen möchte. Ne, also tatsächlich Ah, okay. In einen in einen Bereich reinzukommen, wo ich sage, ich setze mich mal mit den Dingen auseinander, die mir im Kopf umhergehen. Mhm. Und dazu brauchst Du aus meiner Sicht tatsächlich mal 'n Abstand zu zu zu zum Alltag, ja, und der auch nicht nur irgendwie mal zehn Minuten, sondern das ist idealerweise auch mal mit 'nem Ortswechsel verbunden.
Das ist idealerweise damit verbunden, dass ich dann tatsächlich dort auch grade keine keine Dinge zu tun habe, dass ich keine Bücher lese, dass ich kein Smartphone schaue und so weiter und so fort. Für mich ist zum Beispiel das immer eine eine gute Gelegenheit, wenn ich Zeit im Wald verbringe. Denn wie Du weißt, bin ich ja auch Jäger. So und entgegen vieler Vorurteile sind die nicht die ganze Zeit mit Schießen beschäftigt, sondern in erster Linie sind die viel in der Natur. Und ich hatte jetzt grade vor vor vor drei Wochen oder so was eine Situation.
Das fand ich großartig. Es war in der Eifel Schnee gefallen und ich bin da hingefahren zum Jagen. Und ich saß dann morgens in 'ner verschneiten Landschaft im Wald. Im Dunkeln bin ich quasi noch zum Hochsitz gegangen und die Sonne ging langsam auf. Und dann saß ich da drei Stunden.
So, und ich hatte ehrlicherweise nicht mal Interesse, da irgendwie was zu schießen, sondern ich wollte eigentlich nur diese diese Stimmung genießen, da sein, ne, so. Und es war so interessant, wenn man tatsächlich mal diese Ruhe hat für mehrere Stunden, sich nicht ablenken lässt, wie dann auch der Geist aktiv wird und wie man dann eben unterschiedliche Dinge auch in sich entdeckt, die man im Alltag gar nicht so erspürt, weil weil erspürt, weil weil gar kein Raum dafür da ist. Mhm.
¶ Achtsamkeit und innere Auseinandersetzung
Und das
dann mal zu nutzen und sich auch zu hinterfragen, also das, was ich grade sagte, ne? Also bin ich eigentlich in meinem Leben aktuell gut aufgestellt? Tue ich die Dinge, die mir Freude machen? Gibt es Dinge, die ich eigentlich ändern müsste, weil ich sie eigentlich gar nicht möchte? Das ist so wertvoll und dazu gibt es ganz, ganz oft gar nicht wirklich die Zeit.
Und ich glaube halt diese diese Möglichkeiten, die muss man sich schaffen und auch diese Reizarmut, die muss man von Zeit zu Zeit mal suchen, überhaupt so mit sich in Kontakt treten zu können. These.
Ja. Ja. Ja. Ich würde jetzt dagegen argumentieren, aber das ist doch eigentlich Achtsamkeit.
Ja, genau, aber Du kannst acht sein Du kannst achtsam sein im Moment, ne. Also wenn's irgendwie dieses Gleichnis gibt von dem von dem buddhistischen Meister, wo die Schüler kommen und sagen, was ist der Weg zum Glück? Und dann sagt er ja, ne, wenn ich esse, esse ich. Wenn ich gehe, gehe ich. Wenn ich sitze, sitze ich.
So und dann sagen er, was machen wir doch auch? Ja, nein, aber Du machst quasi, Du Du quasi denkst ans Essen, wenn Du gehst, ne? Du denkst ans Sitzen, wenn Du läufst. Das heißt, Du machst eigentlich nicht last. Das wäre ja nicht Achtsamkeit.
Und ja klar, es ist Achtsamkeit in dem Moment zu sein, aber es gibt quasi noch etwas über die Achtsamkeit hinaus aus meiner Sicht. Die Achtsamkeit ist noch relativ gerichtet. Da Ich versuche quasi ja in dem Moment alles wahrzunehmen, auch Ja. Was quasi diese Situation bedeutet. Und mir geht's quasi nicht die Achtsamkeit nach außen, sondern insbesondere auch die Achtsamkeit im Inneren.
Und und ja, wären wir alle völlig ideale oder ich sag mal, ja. Also sehr, sehr helle Geister im Sinne von, dass wir schon schon so aufgeklärt oder auch erleuchtet werden, dass wir halt irgendwie in permanente Achtsamkeit leben würden und uns permanent spüren würden, dann würd ich sagen, ja, ne. Ja. Aber wer ist das? Also wer wer ist sich quasi permanent gewahr darüber, wie die innere Verfassung ist und so weiter?
Und ehrlicherweise, wenn Du hier auch so durch 'n Alltag springst mit Job und keine Ahnung was, dann kannst Du möglichst achtsam sein in den Dingen. Aber trotzdem auch, ich sag mal, grundlegende Lebensfragen, die wirst Du dir seltenst mal ausführlich stellen oder dafür Zeit nehmen, ne. Es gibt viele Menschen, die betreiben auch Journaling und so weiter. Aber trotzdem ist es aus meiner Sicht eigentlich immer 'n etwas beschränkterer Korridor, in dem man da grade unterwegs ist, als als sich wirklich mal ausreichend Zeit zu nehmen. Warum nicht mal 'n ganzes Wochenende oder mal eine Woche, ne?
Es gibt ja quasi eben buddhistischen auch, ich glaub, es heißt wie Passana oder so was, ne, wenn Du tatsächlich mal in so Schweige Retreat gehst, Mhm. Mal mit dir in Kontakt zu treten, das ist natürlich schon vielleicht relativ extrem, ja. Mhm. Vielleicht geht's auch schon mal in 'ner Leitvariante, aber ich sag mal, versuch das mal, also Du Du kennst das, ne, aber für viele, also man muss mal versuchen, sich allein mal ein oder zwei Tage oder mal 'n ganzes Wochenende ohne Freunde mal alleine irgendwo zu sein und mal zu gucken, was passiert. Ich glaube, die wenigsten haben das in den letzten fünf bis zehn Jahren mal getan.
¶ Selbsterkenntnis und Lebensentscheidungen
Ja, ich schon tatsächlich, dass Du sagst ja schon, Du kennst das. Das ist tatsächlich auch eine Erfahrung, die ich gemacht habe, aber ich verstehe jetzt sehr viel besser, was Du meinst. Also es geht so gar nicht das, dass dieses Achtsamkeit sein im Sinne von, was mache ich grade? Wie geht's mir grade? Was spür ich grade?
Sondern es geht dir eigentlich darum, durch diese Ruhe und dieses Rausziehen aus dem Alltag und das mindern dieser alltäglichen Reize einen Raum zu schaffen im Bewusstsein. Also ich würd's jetzt mal ganz platt formulieren, Du stellst deine Antennen nicht auf Senden, sondern auf Empfang. Genau. Also Du empfängt, was eigentlich in deinen Gedanken ankommt und setzt dich damit dann auch auseinander. Also nicht wie eine Meditation, wo man eigentlich sagt, man soll eigentlich überhaupt nicht an irgendwas denken, sondern nur, ne, die Gedanken ziehen so durch, sondern das ist dann schon eine aktives damit auseinandersetzen.
Kann ich sogar sehr gut nachempfinden, weil ich jedes Mal, wenn ich irgendwie einen großen Wechsel in meinem Leben hatte und da gab's ja schon viele, hab ich auch schon oft genug von erzählt, aber das war auch die Zeit, wo ich eigentlich immer allein in den Urlaub gefahren bin und das auch sehr gerne. Und da war ich dann mit mir alleine auf irgendwelchen Bergen an irgendeinem Ozean. Und in diesen Reisen ist mir immer sehr, sehr klar geworden, weil halt dieser Raum da war, was ich eigentlich mit beim Leben als Nächstes machen möchte. Oder ich habe neue Impulse bekommen für neuen Dingen, die ich nachgehen wollte. Selbst wenn's kein großer Umbruch war, wurde mir auf einmal klar, nein, ich möchte eigentlich aber jetzt in die Richtung maschinen.
Ich glaube, jetzt versteh ich sehr genau, was Du meinst. Du möchtest eigentlich diese diese Möglichkeit haben oder dir geht es darum, diese Möglichkeit zu schaffen, dass der Geist auf Empfang geschaltet wird und empfänglich ist für neue Gedanken, die aus einem selbst rauskommen, Bedürfnisse, die man hat und den diesen Dingen dann nachzugehen. Und ich glaube, dazu braucht's genau zwei Dinge, nämlich erst mal reduzieren von alltäglichen Reizen, deswegen ist der Abstand an irgendeinem Ort so gut, deswegen ist der Urlaub sehr wahrscheinlich auch dazu so gut geeignet. Das ist das eine. Also dieses Reduzieren des dieser alltäglichen Reize und das Gefühl, auch von sich selbst ein bisschen befreit zu sein vielleicht.
Also dieses nicht in seiner in der normalen Jacke rumzulaufen, ums ganz plakativ zu machen, sondern quasi nackig dazustehen und sich anzuziehen, was einem in dem Moment gerade in den Sinn kommt. Das ist sehr bildlich gesprochen, aber ist das nicht geht das nicht in die Richtung? Ist es nicht so, dass wir dass wir eigentlich immer mit irgendwelchen, wenn man jetzt in dem Bild bleibt, mit irgendwelchen Jacken rumlaufen, die grade das darstellen, was wir grade sind, ob's jetzt Vater ist oder Coach oder Trainer oder Partner oder Freund oder was auch immer. Und in solchen Momenten haben wir eigentlich gar keine Jacke an?
Also es ist 'n sehr interessantes Bild und auch ein sehr ein Bild, was etwas in Gang setzt, aber bleiben bleiben wir mal dabei. Klar, wir laufen natürlich auch in unserem oder durch unser Leben und haben unterschiedliche Rollen, ne. Das sind die Rollen, keine Ahnung, des Vaters, des Arbeitnehmers, Arbeitgebers, Fußballtrainers, was weiß ich, alles Mögliche. So und viele von den Jacken, die kommen ja auch mal so mit dazu, Ne, es kommt vielleicht irgendwie noch eine Jacke, eine Ehrenamtjacke die Ecke und ich werd dir noch mit übergeschmissen und sag's, ach komm, die nehm ich auch noch, ne, so passt schon. Ja, ja.
So. Und mal bei diesem Bild zu bleiben, wäre zu sagen, okay, diese ganzen Jacken hab ich eigentlich an. So und jetzt schaue ich mir mal auch in Ruhe diese Jacken an und sage, so, welche von denen möchte ich überhaupt tragen? Richtig. Gibt's vielleicht auch Jacken, die möchte ich gar nicht mehr tragen, die gebe ich weiter, ne?
Oder gibt's vielleicht eigentlich noch ganz andere Jacken, die ich tragen möchte? Gibt's ganz andere Rollen, die ich ausfüllen möchte? Und oder gibt's vielleicht auch Jacken, die taugen vielleicht für eine gewisse Uhrzeit oder Lebensphase und dann halt eben nicht mehr? Mhm. So und sich damit mal auseinanderzusetzen, das find ich ganz wichtig.
'N Gedanke, der mir noch durch den Kopf geht, ist 'n Stück weit auch ja sozusagen an dies an ans Steuerrad des Lebens zu kommen, ne. Also also wir sind ja viel auch so in 'nem Autopiloten unterwegs und das Leben passiert, ne, aber das Leben passiert ja nicht, sondern wir entscheiden uns ja jeden Tag für das, was wir tun, so. Aber dahin zu kommen, das zu reflektieren und nicht irgendwie nach zehn, zwanzig Jahren festzustellen, irgendwie hab ich 'n Leben gelebt, was mir halt irgendwie immer so vor die Füße geworfen wurde irgendwie an Themen und das hab ich dann halt einfach gemacht, sondern irgendwie sich da bewusst zu entscheiden. Das find ich halt ganz wichtig. Das kann natürlich auch Die Erkenntnis, die muss ja auch, Du hast grade gesagt, das muss müssen ja nicht immer Umbrüche sein, ne.
Also ich kann ja auch aus so einem aus soner Phase herauskommen und feststellen, Mensch, das läuft ja alles richtig gut. Eigentlich hab ich mir das immer so gewünscht, toll. Dann mach ich's so weiter. Herzlichen Glückwunsch.
Zufriedenheit hundert Prozent, genau.
Genau, so. Es kann dabei aber auch herauskommen, Mensch, das hab ich mir alles ganz anders vorgestellt und dann hab ich aber vielleicht auch mal eine Idee davon, was ich tun kann, damit's anders wird, damit's mir vielleicht anders geht, damit ich das tue, was ich gerne gerne tun möchte. Mhm. So. Oder ich stelle fest, es gibt zwar Dinge, die passen mir nicht so hundertprozentig, aber die sind in Ordnung, ne.
Auch das ist eine Erkenntnis, so. Und wichtig ist da, glaub ich, einfach diese Selbsterkenntnis, dann auch ja, die für sich selbst richtigen Entscheidungen zu treffen und dann auch wieder im Alltag gut weiterzuleben. Und das ist die Idee dahinter. Und ich, ja, also ich persönlich kann nur jedem wünschen, dass halt irgendwo im Leben Raum ist, auch diese Erfahrung zu machen.
Ja, wünsche ich auch jedem. Und ich find's ganz spannend, wie wir jetzt von Ruhe und Selbsterkenntnis irgendwann zu Jacken gekommen sind.
Ja, manche Wege sind unergründlich.
Ja, das war ein sehr schönes Gespräch mit dir wieder mal. Ich bedanke mich.
Absolut. Danke dir.
Und wir hoffen, euch hat's auch gefallen und ihr bleibt uns treu. Bis zum nächsten Mal.
Auf Wiederhören.
Coach und Coach. Eine Reise durch die Welt des Coachings. Der Coaching Podcast mit Björn Buchbach und Jan Gustav Franke.
