Warum jeder ein zweites Wohnzimmer braucht - podcast episode cover

Warum jeder ein zweites Wohnzimmer braucht

Jun 26, 202528 min
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Episode description

Der Ort an der Ecke, "Home Away From Home", das zweite Wohnzimmer: Für "Third Places" gibt es einige Umschreibungen. Aber was sind dritte Orte genau? Und wie findet man seinen eigenen?

Das Café Central Perk in Friends, MacLaren's Pub in How I Met Your Mother und Luke's Diner in der Serie Gilmore Girls haben etwas gemeinsam: Sie sind alle "Third Places", auf Deutsch dritte Orte. Damit sind Orte außerhalb des Zuhauses und der Arbeit gemeint, an denen sich Menschen begegnen, gemeinsam Zeit verbringen und sich entspannen können.

Warum nicht nur Charaktere in Serien, sondern jeder einen dritten Ort haben sollte, warum nicht gleich jedes Café einer ist und wie man seinen eigenen dritten Ort finden kann, darum dreht sich die neue Folge von "Besser leben".

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Transcript

Also, die haben schon alle ganz gut gecheckert. Und mehr Menschen als Quadratmeter im Pool. Also, eine gewisse Generation an Menschen waren Beerdigungen sein für uns. Willkommen zu "Besser leben - der Standard-Podcast zum Glücklichwerden". Ich bin Martin Schauhuber. Und ich bin Antonia Rautz. Und unsere Kollegin Florentina Ebener hat uns heute ein sehr spannendes Thema mitgebracht. Nämlich "Third Places". Für die, die noch das jetzt noch gar nicht gesagt.

Die Florentina wird uns gleich sehr viel mehr dazu erklären. Aber das sind so dritte Orte, die man neben dem Zuhause und der Arbeit benötigt, um jetzt ein rundes erfülltes Leben zu haben. Was das eigentlich ist und warum jeder jetzt mindestens einen davon haben sollte, ja, darum geht's heute. Hallo Florentina, danke, dass du heute zu uns stößt. Ja, hallo, schön, heute hier zu sein. Zum Einstieg habe ich gleich eine Frage für euch.

Wenn ihr gerade nicht zu Hause oder in der Arbeitszeit, wo verbringt ihr eure Freizeit, also an welchen Orten? Hm, also bei mir ist es, glaube ich, vor allem das Rad oder der Prater in den Laufschulen. Bei mir ist es, ja, vielleicht am ersten Ort mit einer gewissen Regelmäßigkeit, auch wenn ich ungefähr ein Viertel so sportlich bin wie der Antonia, ist dann doch vielleicht auch noch das Gym. Weil sonst ist sie irgendwie mal da, mal dort, mal ist es der schöne Wienerberg mit seinem See.

Ja, ich denke auch gerade nach, sonst vielleicht noch mein Lieblingsschwimmbad oder so. Das Wirtshaus ist schon auch, aber das ist halt nicht immer das Gleiche. Das sind sehr, sehr, sehr viele verschiedene, deswegen würde ich da jetzt nicht so sagen, dass eine. Okay, am ersten wäre da wahrscheinlich noch das Fitnessstudio ein dritter Ort. Okay, was sind dann third places oder dritte Orte?

Also diese third places oder eben zu deutsch dritte Orte entstammen einem Konzept, das der US-amerikanische Soziologer Ray Oldenburg entwickelt hat. Diese Theorie gibt es schon etwas länger. Und sie kam zum ersten Mal im Jahr 1989 in seinem Buch "The Great Good Place For". Und in diesem Buch beschreibt er, dass man drei unterschiedliche Orte braucht, um ein ausgewogenes und zufriedenes Leben zu führen. Okay, ich glaube, ich bin auch schon mal auf diese Theorie gestoßen.

Und wenn ich das richtig im Kopf habe, dann ist der erste Ort quasi mal zu Hause. Mein zweiter Ort wäre jetzt in meinem Fall hier das Podcaststudio, also der Arbeitsplatz. Und ja, was dann noch? Genau, also du hast gerade gesagt an den ersten beiden Orten, verbringt man schon den Großteil seines Lebens und gerade deswegen ist der dritte Ort so wichtig.

Der dritte Ort ist ein vertrauter öffentlicher Ort, an dem man sich regelmäßig mit anderen Bekannten und auch Unbekannten treffen kann, entweder weil man ein gemeinsames Interesse hat oder gemeinsam eine Aktivität macht. Die Orte können variieren, aber der Zweck bleibt derselbe. Also dritte Orte schaffen Anknüpfungspunkte für soziale Kontakte in und mit einer Gemeinschaft. Oldenburg, der Soziologe, spricht von dem Ort an der Ecke.

Diese Orte sollen eine echte Alternative zum Fernsehen oder heutzutage zu den sozialen Medien bieten und auch eine Flucht aus dem Hüttenkoller des Ehe- und Familienlebens bieten, das hat er so gesagt. Und idealerweise soll er eben auch sehr nahe an einem der ersten beiden Orte liegen, dass man nicht einmal ins Auto steigen muss.

Das finde ich urspannend, weil wie ich Wienerberg gesagt habe, habe ich mir gedacht, aber irgendwie ist das nicht so ein Ort für mich, weil für das muss ich wenn auch nur sehr kurz doch ins Auto steigen. Spannend, spannend. Aber das klingt jetzt doch noch alles ein bisschen abstrakt. Was wären jetzt ganz konkrete, außerdem, was wir jetzt vorher schon spekuliert haben zumindest, was wären der Beispiele für dritte Orte? Beispiele wären ganz klassisch Cafés, Buchläden oder auch Bars.

Für manche ist es vielleicht der Friseur Salon oder andere Treffpunkte im Herzen einer Gemeinschaft. Und lustigerweise die besten Beispiele für Third Places findet man eigentlich in Serien. Man denke an das Café Central Park aus Friends, dann in How I Met Your Mother gibt es die Bar McLarens oder auch Luke Steiner aus der Serie Gilmour Girls. Oh, das wäre mein Happy Third Place, wenn ich mir einen aussuchen könnte. Genau, weil diese Orte bieten einem einfach ein wunderschönes Gefühl.

Man fühlt sich wohl, man kann sich einfach niederlassen und die Zeit genießen und sich eben auch mit Freunden treffen. Und das ist das Schöne daran. Und dort passiert ja irgendwie auch die Handlung des Lebens unter Anführungszeichen. Oder also diese Orte gibt es ja, weil dort die Protagonistinnen und Protagonisten ins Gespräch kommen, über ihr Leben sprechen, reflektieren, Menschen treffen, blibla blub. Ich finde, das war ja einer der größten Plotholes von How I Met Your Mother.

Immer abgesehen davon, dass diese Menschen viel zu viel auf Ohnraum sich leisten konnten, dass die auch jeden Abend im Wirtshaus gesessen sind und grundsätzlich jetzt einen relativ gesunden Eindruck gemacht haben. Stimmt, das habe ich mir auch immer gedacht. Bei Friends ist das ja irgendwie geschickt, damit dass die halt da eigentlich immer Kaffee trinken. Aber also die haben schon alle ganz gut gecheckert.

Ja, aber bei Friends merkt man auch, dass es in den 90ern gedreht wurde, weil heute konnte man sich nicht jeden Tag einen Kaffee in New York leisten, glaube ich. Das stimmt. Und dort dann auch vier Stunden ungestört sitzen, breiten dürfen. Es gibt ja in Wien, würde ich fast sagen, traditionell da schon, eben einen recht klassischen Third Place mit unserer Kaffeehauskultur.

Das ist vielleicht nicht unbedingt einer, wo man extrem willkommen geheißen wird, aber wo man sich trotzdem sehr zu Hause fühlen kann und das traditionelle auch getan hat. Angebäffelt wird man daheim ja auch immer mal wieder. Ist jetzt jedes Kaffee so ein potenzieller Third Space? Womöglich, das kommt aber sehr darauf an, aus welcher Perspektive du das siehst.

Also eigentlich, wenn man aus einer soziologischen Perspektive das betrachtet, müsste ein dritter Ort alle acht Charakteristiker von Ray Oldenburg erfüllen. Die sind, keine Angst, ich mache es kurz. Nummer eins, es ist ein neutraler Ort. Die Besucher*innen können kommen und gehen, wie sie wollen. Und die Orte vertreten keine bestimmten Interessensgruppen oder Einzelpersonen. Das bedeutet eigentlich nur, es gibt keine exklusive Gäste-Liste, der Ort ist offen für alle.

Also der Country Club fällt raus. Genau, oder eine exklusive Bar, wo man stundenlang anstehen muss und nur reinkommt, wenn man auf der Gäste-Liste steht. Der zweite Punkt ist, dass sich in diesem Ort alle auf der gleichen Ebene befinden, unabhängig von ihrem sozialen Status oder ihrer Stellung außerhalb des Raumes. Damit fällt dann auch das Fitnessstudio weg, weil ich trug sicher nicht so viel wie die meisten dort.

Ich gehe ein bisschen so die Liste Fußballstadion mit und noch ist es gültig. Interessant. Da würde dann eigentlich beim Punkt 3 das Fußballstadion vielleicht wegfallen, denn die Hauptaktivität ist eigentlich das Gespräch. Ich weiß nicht, ob man so gut ins Gespräch kommen kann. Ja, das kommt davon wie Fahrtippe die, es hatte ich schon genug Spiele. Genau, auf jeden Fall. Ein dritter Ort lebt von Diskussionen und Interaktionen und die stehen eben im Mittelpunkt der Erfahrung.

Der vierte Punkt ist, dass dritte Orte leicht zugänglich und entgegenkommend sind. Das bedeutet leicht zugänglich, sie liegen in der Nähe, idealerweise. Und entgegenkommend, man fühlt sich einfach wohl. Da wird der Prater jetzt bei mir noch ganz gut passen. Das Stadion hat sich gerade verabschiedet bei mir. Zum Beispiel, das vorher auch genannt wurde ein Wirtshaus oder das Beiseln an der Ecke.

Da würde der Punkt 5 sehr gut passen, denn es sollte Stammgäste dort sein, die eben den Ort regelmäßig besuchen und diese Stammgäste kreieren ein Gefühl der Vertrautheit und ein Gefühl der Verbundenheit. Dann Punkt 6, die dritte Orte sind nicht punktvoll oder ausgefallen. Es ist ganz wichtig, dass sie eben zugänglich sind und dass es nicht zu teuer ist, dort zu sein. Damit sind dann wieder sehr viele Lokale rund um unsere Arbeitsplätze weggefallen.

Ja leider, genau. Und das ist immer ein ganz wichtiger Punkt, dass man leicht dort Zeit verbringen kann und eben nicht wahnsinnig viel Geld blechen muss, um dort sitzen bleiben zu dürfen. Das relativiert sich ja dann vermutlich mit dem, also ich denke mal für jemanden, der eh endlos viel Geld hat, sind dann vielleicht andere Sachen ein möglicher Third Space als für uns arme Podcaste und Podcaste erinnern. Genau, also generell dritte Orte sind wahnsinnig subjektiv.

Die können für alle etwas anderes bedeuten, eben je nachdem, wo man sich auch wohl fühlt. Da passt doch gleich der Punkt 7 dazu. Die Atmosphäre an einem Ort ist unbeschwert und spielerisch, Humor und Scherze sind erwünscht und man fühlt sich einfach wohl und willkommen und das ist eben, wie ich gerade schon gesagt habe, für jeden ein anderer Ort.

Und der letzte Punkt, Punkt 8, wahrscheinlich der wichtigste, der sich auch aus all den anderen Punkten ergibt, ein dritter Ort ist ein Home Away from Home oder das zweite Wohnzimmer. Dritte Orte bieten eben ein Gefühl der Zugehörigkeit, des Komforts und man kann sich dort entspannen und eben auch mit anderen in ein Gespräch kommen und auch andere Menschen kennenlernen.

Okay, also wenn ich das richtig verstehe, das Lieblingscafé ist irgendwie schon so, das Stereotyp schlechthin für einen Third Space, aber nur dann, wenn es eben nicht zu weit entfernt liegt von mir, nicht super teuer ist, auch wirklich zum Sitzen bleiben, einlädt und da auch eine entspannte Stimmung herrscht und man sich wirklich fallen lassen kann. Damit fallen dann eben doch auch wieder recht viele lokale Raus, habe ich so das Gefühl.

Es gibt wahrscheinlich diese Third Spaces nach dieser Definition, die halt wirklich eine höhere Bedeutung haben, aber es gibt ja dann vermutlich auch noch im Leben einfach andere Spaces, wo man halt mal zum Kurt Essen hingeht, die jetzt aber diese Funktionen einfach nicht erfüllen brauchen, oder? Genau, also um einen Ort zu finden, der als dritter Ort für einen selber agieren kann, muss dann nicht die ganze Checkliste erfüllen.

Solange man die Vorteile eines dritten Orts dort genießen kann, reicht das schon. Aber wenn wir jetzt Forscher*innen wären, die dritte Orte untersuchen wollen, dann müssten die eben alle Charakteristiker erfüllen. Aber als Grundregel, je mehr Charakteristiker, desto besser.

Mir kommt grad spontan vor, dass man sich eigentlich bei Third Spaces oft so von Jugendlichen eigentlich was abschauen könnte, weil ich kann mich erinnern, als wir irgendwie so 16, 17 waren im Land, da haben wir eigentlich alles zu unserem Third Space gemacht. Als jetzt irgendwie der Tankstellenparkplatz oder die Hobbywerkstatt oder auch nur die Bank am Spielplatz oder so. Und da hat man sich getroffen. Und da waren irgendwie alle Leute, die man dabei haben wollte.

Und das war einfach der Place to be. Das war das Wohnzimmer eben. Auf jeden Fall dritte Orte müssen gar nicht kompliziert sein oder wie gesagt alle Charakteristiker erfüllen. Also der Spielplatz an der Ecke kann die Aufgabe erfüllen. In Wien, der Donaukanal, wenn man sich dort hinsetzt, könnte dasselbe machen.

An den habe ich auch gerade gedacht, weil das war ja schon wirklich für, zumindest in meiner Studentenzeit, so wirklich der allgemein anerkannte Third Space eigentlich, wo man dann auch wirklich die Leute... Ich glaube, es hat ja total viel Scham, wenn man dann zufällig Leute trifft. Nicht immer die, die man treffen will, aber oft schon.

Und das finde ich schon immer cool, wenn man irgendwo, wo man gerne ist und noch Leute zufällig trifft, hat das dann, finde ich, gleich noch einen größeren Mehrwert, weil es sich eben gleich noch mehr nach zu Hause anfühlt oder nach Vertraut hat.

Ich glaube, in dem Fall ist einfach Innsbruck mein Third Space, weil da habe ich immer das Gefühl, also gerade im Verhältnis zu Wien ist diese Stadt so klein, ich steig am Bahnhof beim Zug aus und habe irgendwie doch so lange dort gelebt, dass ich in viele Lokale gehen kann, ohne überhaupt was auszumachen. Und es sitzen sowieso drei Leute da, die ich kenne. Es ist ganz wichtig, Menschen zu sehen, die man bereits kennt, deswegen eben auch die Stammgäste.

Aber gleichzeitig ist es auch wichtig, dass es die Möglichkeit gibt, neue Menschen kennenzulernen. Weil dieser Faktor fehlt oftmals, wenn man sich jetzt zum Beispiel nur immer mit seinen Freunden in der Wohnung trifft. Die Freunde sind super, aber es fehlen dann eben die neuen Bekanntschaften oftmals. Also bei mir wäre das zum Beispiel die Donauinsel. Da bin ich sehr oft mit Freunden, aber es sind immer wieder neue Menschen dort, mit denen man dann auch ins Gespräch kommt.

Jetzt merke ich irgendwie schon bei uns, dass wir alle diese Third Spaces recht positiv finden, dass was emotional recht gut besetzt ist. Aber du hast ja ursprünglich eben, wie es um diese Folge auch gegangen ist, gesagt, eigentlich braucht jeder so eine Third Space. Warum ist das jetzt so wichtig? Weil Third Spaces wahnsinnig viele Vorteile bieten. Also, der Ray Oldenburg geht soweit, dass er sagt, dass dritte Orte der Schlüssel in unserer Suche nach einer besseren Art zu leben sind.

Dritte Orte werden wahrscheinlich nicht alle Lebensprobleme lösen können, aber wie gesagt, sie bieten einige Vorteile, die auch bereits erforscht wurden. Um die zu erforschen, muss man erst einen Ort finden, wo es genügend dritte Orte gibt. Spannenderweise wurden deswegen die dritte Orte oftmals in Amerika in College Campusen erforscht.

Weil, wenn wir kurz noch mal die Charakteristik im Kopf durchgehen, sind College Campus eigentlich perfekt, da das Zuhause, der First Space, die Arbeit beziehungsweise der Studium, der Second Place und dritte Orte, zum Beispiel eben Clubs, wo man seine Hobbys ausleben kann oder sich auch eben auch mit Freunden treffen kann. All das befindet sich an einem Ort. Zurück zu den Ergebnissen der Studien.

Diese Studien haben ergeben, dass dritte Orte generell die Lebensqualität verbessern, indem sie Räume bieten, in denen man sich ausruhen kann, dem Alltag entfliehen kann oder auch neue Kontakte knüpfen und sich emotional entladen kann. Darüber hinaus kann der soziale Charakter dritte Orte, die Vielfalt und den Zusammenhalt in einer Nachbarschaft verbessern, was letztlich auch das Wohlbefinden des Einzelnen steigert. Wir haben jetzt schon viel über Wien geredet.

Für moderne Stadtbewohner*innen können Aktivitäten an dritten Orten die Selbstverwirklichung erleichtern und so eben auch das psychische Wohlbefinden verbessern. Und letztendlich können dritte Orte auch gesundheitsfördende Auswirkungen auf Personen haben, die speziell für soziale Isolation anfällig sind. Ja, Stichwort Einsamkeit, was der ja irgendwie auch mitschwingt. wir speziell seit der Corona-Pandemie ganz, ganz oft auch irgendwie medial thematisiert

und ist gerade auch unter jungen Menschen irgendwie so ein grassierendes Phänomen. Wie groß ist denn das Thema im Moment, würde ich zu sagen? Was ist dir da so untergekommen? Also das Problem der Einsamkeit ist sehr groß. Die WHO hat im Jahr 2023 die Einsamkeit zu einem globalen Problem für die öffentliche Gesundheit erklärt und auch eine Kommissions-

diesem Thema eingerichtet. Und diese Kommission hat dann durch Forschung festgestellt, dass Einsamkeit so gesundheitsschädlich sein kann, wie das Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag. Also es ist nicht nur psychisch schwierig mit Einsamkeit umzugehen, sondern es hat letztendlich auch wirklich gesundheitliche Folgen für den Körper. Und wer leider der meisten jetzt an dieser Einsamkeit? Also Antune, du hast es gerade auch schon angesprochen. Interessanterweise sind es

oftmals jugendliche oder jüngere Menschen, die mehr an Einsamkeit leiden. Also junge Menschen zwischen 18 und 24, von denen würde man ja eigentlich erwarten, dass sie viele soziale Kontakte und Interaktionen haben, aber tatsächlich die sind einsamer als ihre älteren Altersgenossen. Also nur um ein paar Zahlen zu nennen. In Europa fühlen sich zwei von drei jüngeren Menschen einsam, während es bei den über 70-Jährigen nur eine von drei Personen ist.

Das finde ich total interessant, weil ich glaube, ich war auch selten in meinem Leben so viel unter Menschen wie zwischen 18 und 24. Also was ich teilweise an Social Duties hatte in einer Woche. Halleluja, das würde ich heute Monat nicht mehr drucken. Aber was steckt denn da dahinter? Also warum wird die Gesellschaft immer einsamer?

Das wurde von einer Forschungsgruppe an der Harvard-Universität erforscht und die haben eine sehr große Umfrage in Amerika durchgeführt und haben die Teilnehmenden gefragt, was sind einige der Hauptursachen für Einsamkeit in Amerika aus ihrer subjektiven Sicht. Und die haben zum Beispiel Technologie genannt, dass Menschen einfach zu viel Zeit in digitalen Räumen verbringen oder einfach zu viel Zeit am Handy und deswegen eben einsamer werden.

Dazu kommt auch einfach ein stressigeres Leben, dass man schlicht und einfach zu wenig Zeit mit der Familie oder mit Freunden hat oder auch, dass psychische Probleme ein großer Grund sind für die Einsamkeit. Denn diese psychischen Probleme können die Beziehungen zu anderen Menschen beeinträchtigen. Dann ein weiterer Punkt ist, dass die Gesellschaft einfach generell zu individualistisch wird oder wurde. Und da gehört eben auch dazu,

dass religiöse oder spirituelle Leben weniger wichtig wird. Früher war zum Beispiel die Kirche, der Third Place schlechthin, wo man sich regelmäßig getroffen hat und auch eben eine Gemeinschaft hatte. Das ist für jeden Menschen anders, aber auch wenn der religiöse Aspekt wegfällt, ist eben diese soziale Gemeinschaft so wichtig.

Das stimmt tatsächlich, mir fällt gerade ein und das klingt jetzt vielleicht ein bisschen makaber, aber ich habe das Gefühl, gerade so am Land, wo ich auch aufgewachsen bin, da war für so eine gewisse Generation an Menschen waren Beerdigungen so ein Third Place. Da ist man zu jedem Begräbenis gegangen, egal ob man mit der Person zweimal kredet

hat oder sie ein Leben lang kannte oder überhaupt nicht kannte. Und das war dann, da ist man zusammen gestanden und danach irgendwie ins Wirtschaftsgang gegangen und das war dann auch nicht mal so traurig anlässt, sondern das war halt irgendwie, das macht man halt. Auf jeden Fall, also diese eben auch spirituellen religiösen Orte oder Feiern, die gibt es

heutzutage halt immer weniger. Es kommt natürlich auf die Gesellschaft drauf an, in der man sich befindet und auf die Gemeinschaft, aber tendenziell ist es zurückgegangen und eben dieser soziale Aspekt ist sehr wichtig und der ist eben mittlerweile verloren gegangen. Wir haben jetzt schon gehört, wie viel eigentlich solche Third Spaces geben und wie positiv wir hier eigentlich auch alle wahrnehmen. Warum gehen die zurück? Warum verschwinden die offenbar?

Also dafür gibt es leider keine endgültige Antwort, aber es gibt auf jeden Fall mehrere Erklärungsansätze. Ein Punkt, den wir gerade zuvor angesprochen haben, ist zum Beispiel die Technologie, dass immer mal Menschen sehr viel Zeit online, zum Beispiel in sozialen Medien verbringen. Ein anderer Erklärungsansatz wäre, dass die Leben der Menschen einfach

immer besser organisiert und strukturiert werden, weil man immer mehr zu tun hat. Anstatt einfach in den Café an der Ecke zu gehen, verabreden sich viele Menschen für den nächsten Donnerstag zum Café. Und ich glaube, wenn man selber kurz vielleicht an den eigenen Google Calendar denkt, sieht man schon, dass man halt einfach durchgeplant ist. Und mir fällt gerade auf, dass eigentlich so soziale Medien oft irgendwie Third Places

eigentlich stimulieren. Also wenn ich auf Instagram gehe, dann sehe ich ja vermeintlich meine Freund*innen und Influencer*innen kommen einem auch vor, wie Alte bekannte. Man hat Routinen, man nimmt irgendwie am Leben der anderen teil, aber es ist ja eigentlich eine Einbahnstraße. Genau, also interessanterweise gab es da auch Studien dazu, inwiefern digitale Räume auch als Third Places agieren können und ob die digitalen Räume diese Third Places auch ersetzen

können. Und die Antwort auf die Frage, ob die das können, war gemischt. Einige Studien haben sich eben mit diesem Thema befasst und gezeigt, dass zum Beispiel Multiplayer-Onlinespiele oder auch Twitter-Chat-Räume Teile von Third Places oder ein paar der Charakteristika schon

sehr wohl umsetzen können. Also das bedeutet, dass man auf Twitter zum Beispiel, wenn man jetzt gerade nicht in einem Streit verwickelt ist oder auch bei Multiplayer-Onlinespielen sehr wohl auch Vorteile finden kann, die eben auch Third Places bieten. Ich halte das Standard-Forum für einen der gesünderen Online-Third Spaces, fällt mir da ein. Das Sport-Forum zumindest, das Sport-Forum. Also das ist ja, das hat, glaube ich, auch

im Endeffekt so eine Funktion. Man trifft ja auch Leute, die man keins hat, im Jahrzehnte oft schon. Voll, auf jeden Fall. Genau, und die können auch sehr wohl positive Effekte haben. Aber gleichzeitig bieten die meisten Social Media-Plattformen nicht die gleichen Vorteile wie ein analoger dritter Raum. Und in gewisser Weise können sie auch den gegenteiligen Effekt haben. Sie können isolierend wirken und sogar schädlich für das emotionale Wohlbefinden

sein. Speziell, wenn wir an Algorithmen denken, die Menschen dazu drängen, nur mit Gleichgesinnten zu interagieren, das kann dazu führen, dass Bubbles entstehen. Und gerade eben dieser wichtige Punkt, dass man auch unbekannte Menschen kennenlernt in Third Places, bleibt dann auf der Strecke. Aber jetzt ist auch nicht zuletzt durch Corona. Das sind ja auch ein Haufen Third Places. Einfach bleibt der Gang in dem Endeffekt oder

unzugänglich geworden. Das ist ja auch so ein Ding, die Leute ja, man, das wird so, es ist zu teuer geworden. Da geht es ja nicht nur darum, dass man nicht selber kochen muss. Da geht es ja auch darum, dass das auch ein Third Places sehr schwieriger zugänglich wird. Und eben auch dadurch, dass wenig konsumfreie Räume zumindest in Wien gibt. Und die, die es gibt, sind dann meistens auch schon von, vielleicht auch von spezifischen Gruppen besetzt

als ihr Third Space. Dass sie eigentlich wirklich immer schwieriger wird, so was zu finden. Müsst das nicht eigentlich auch mehr aus einer stadtplanerischen Perspektive irgendwie Thema sein? Auf jeden Fall. Also, wenn wir an die Zukunft unserer Stadt denken, sollten dritte Räume auf jeden Fall eine wichtigere Rolle spielen. Wenn wir bei unserem Beispiel auch in Wien bleiben, hier leben immer mehr Menschen, es gibt immer

weniger Platz, die Wohnungen werden auch kleiner. Und gerade dann sind Gemeinschaftsräume, in zum Beispiel Wohnhäusern, immer wichtiger, um eben auch als dritte Orte zu agieren und auch außerhalb vom eigenen Wohnhaus, ist es wichtig, dritte Räume zu schaffen. Ein Freund von mir hat ein Rebwohnen in so einem riesigen Wohn-Tower, da war ein Pool am Dach. Das ist ja schon nicht mehr das Zuhause. Das könnte dann schon der Third Space sein,

oder? Ja, eigentlich schon. Solange halt genügend Menschen dort sind, die er zum Beispiel auch nicht kennt, solange offen ist auch für andere Menschen. Also zum Beispiel, wenn das jetzt nur für ein paar Menschen zugänglich ist, dann ist es natürlich sehr, sehr cool. Wenn es warm ist, sind da mehr Menschen als Quadratmeter im Pool. Also kein Thema, kein Thema. Na dann, wenn genügend Menschen auch

von außen Zugang haben, dann geht es auf jeden Fall. Also, wie gesagt, ein wichtiger Punkt ist eben auch, dass man neue Menschen kennenlernen kann. Und ich wollte das jetzt nicht abwärtern sagen, ich will bitte auch zu diesem Pool jetzt dann eingehen. Ja, ich kann auch. Wir haben jetzt vorher schon drüber gesprochen, dass ja zumindest, wenn man so von Kindern und Jugendlichen ausgeht, eigentlich dies oft sehr gut schaffen, so Third Spaces zu finden.

Das ist da offenbar in letzter Zeit einen Knick gegeben hat bei jüngeren Erwachsenen. Aber grundsätzlich, denke ich, mir wird es ja so aufs Leben gesehen, kentenziell immer wichtiger Third Spaces zu haben. Oder, weil ich denke da jetzt an, halt auch, wie viel Zeit Menschen so haben und wie man halt generell unter Leute kommt, weil solange man im Arbeitsleben eingebunden ist, ja, da triff es halt in der Arbeit irgendwie schon auch Leute und hast

auch eher vielleicht noch so das Feierabendweißer, womit den Leuten hingeht. Wenn man dann mal in Pension ist, vielleicht die Kinder aus dem Haus sind, womöglich sogar Partner in Partner verstorben, dann wird ja eigentlich dieser Anknüppungspunkt immer wichtiger, oder? Auf jeden Fall, also speziell in unserer immer älter werdenden Gesellschaft sollten dritte Orte immer weiter gefördert werden, weil, wie du gerade auch schon gesagt hast,

wenn man in die Pension kommt, der zweite Ort wegfällt, die Arbeit. Und dann ist man nur noch an einem Ort letztendlich zu Hause. Und dieser erste Ort bleibt bestehen, aber wenn die Kinder ausgezogen sind, wenn der Partner gestorben ist, dann ist der erste Ort vielleicht auch nicht mehr der Rückzugsort, wie der früher einmal einer war. Und wenn man nicht mehr erwerbstätig ist, fällt der zweite Ort weg. Und speziell neue Rentnerinnen

können es schwer haben, sich dann in einem neuen Umfeld zurechtzufinden. Und gerade da wird es eben immer wichtiger, dritte Orte zu haben, die Abwechslung bieten und eben auch soziale Kontakte, um soziale Isolation und auch Einsamkeit vorzubeuten. Oder man macht das Gegenteil davon, wie meine Eltern grüße gehen raus, die sich gleich

17 Third Spaces suchen. Und vom Core bis zum zweiten Core bis zur Radelgruppe und zum Töpferstudio einfach alles mitnehmen, wenn sie, glaube ich, mehr Stress haben als ich. Je mehr, desto besser. Vielleicht kann man sich ja auch bei so überaktiven Frührentnerinnen ein bisschen was abschauen, was das Föld Spaces angeht. Aber ich glaube, du hättest da auch noch ein paar Ideen mitgebracht, was denn sonst so Föld Spaces sein könnten, oder?

Auf jeden Fall. Also ich habe meine ganze Liste mitgebracht. Ich rate sie einfach mal runter. Also Beispiele für dritte Orte, die du in deiner Nähe finden könntest, sind Bibliotheken, Cafés, Buchklubs, das Fitnessstudio oder das Jugerstudio. Dann gibt es auch noch Selbsthilfegruppen, Bars oder Kneipen, Spielplätze, der Garten oder auch die Terrasse eines Freundes, ein Hundepark. Da darf man noch hin, wenn man keinen Hund hat, um die Hunde dort zu streicheln.

Ich sage es nur. Erholungstentren gibt es gemeinschaftliche Aufräumgruppen, ein Naturschutzgebiet, ein staatlicher Park, Frauenhäuser oder Jugendheime, ehrenamtliche Räume oder generell einfach Bereiche mit kostenlosen Wifi. Also es gibt genug Räume wahrscheinlich in deiner Nähe speziell, wenn man in deiner Stadt lebt. Am Land ist es oftmals ein bisschen schwieriger,

weil es einfach nicht so viele Angebote gibt. Aber da kann man es auch eigentlich dem Erfinder dieser Theorie nachmachen, Ray Oldenburg, der ist einmal aus einem Stadtgebiet in einen Vorort gezogen und hat gemerkt, dass er selber keinen dritten Ort mehr hat und hat dann in seiner Garage eine Bar für seine Nachbarschaft eröffnet. Also auch wenn du keinen dritten Ort in der Nähe hast oder keinen passenden, kannst du selber einen kreieren.

Ich glaube das ist mit den Lizenzregeln in den USA wahrscheinlich ein bisschen einfacher als bei uns Geschwinder mal in einer Garage aufmachen. Ich habe mir gedacht, ich bin ja auch in einem Dorf aufgewachsen und da war tatsächlich der dritte Ort für uns Kinder und Jugendliche, war der Sportplatz. Es war auch der einzige, der irgendwie potenziell

in Frage kommen wäre. Außer wir hätten jetzt beim Reifersenbank/Gemeindeamt diesen schönen Gebäude, das jeder niederösterreichischen Gemeinde gibt, wenn wir uns dort nicht aufhalten wollten, war es halt der Sportplatz. Bei uns war es glaube ich so zwischen dem Spielplatz, dem Vollepaltplatz und dem freiwillige Feuerwehrhaus. Vollepaltplatz bist du gescheit. In der Ruhe gibt es alles. Was soll ich sagen? Ich bin jemand schon vor, wenn das da eine Ecke

gehabt hat beim Fußballplatz, aber gut. Also dieser Vollepaltplatz war auch so ein, sagen wir mal, ein besserer Sandhaufen. Aber er hat gereicht, er hat gereicht. Ich habe mir nichts gehabt. Es gibt mittlerweile ein Jugendheim in meinem Heimatort, aber das ist für mich spät kommen. Ja, du hast es so wunderschön gesagt. Florentina, man kann

sich hier einfach selber einen dritten Ort kreieren. Ich schlag da zum Beispiel auch die Kommentarspalte unserem Spotify-Account vor, wo wir uns auch immer über fünf Sterne-Bewertungen freuen. Das war einer der schönsten Überleitungen dieser Podcastgeschichte. Ja, Florentina, vielen, vielen Dank, dass du uns so viel über Third Places erzählt hast. Vielen Dank, dass ich hier sein durfte. Wir freuen uns auch total über eure Third Places,

die ihr uns auch gern per Mail schicken könnt. Das ist dann besser leben als der Standardpunkt AT. Das ist, glaube ich, auch eine gute Gelegenheit, um dieses Spotify-Kommentarfunktion zu nutzen. Genau, das freuen wir uns auch. Die coolsten Third Places, bitte. Unbedingt. Das war "Besser leben, dass Standard Podcasts zum Glücklich werden". Ich bin Antonia Raut. Ich bin Martin Schahuber. Und diese Folge wurde von Christoph Neuweld produziert. Ciao. Bis nächste Woche. Ciao, ciao.

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