Gott: Vater und Ermächtiger - podcast episode cover

Gott: Vater und Ermächtiger

Oct 09, 202434 minEp. 198
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Episode description

Gott der Vater ist der Schöpfer der Welt – diese christliche Grundüberzeugung qualifiziert auch das Verhältnis zwischen Gott und seiner Schöpfung. Die christliche Vorstellung von Gott als dem Schöpfer dieser Welt leitet sich nicht einfach aus der Betrachtung der Natur ab – sie verdankt sich einem Gott, der sich selbst in seiner Geschichte mit dem Menschen mitteilt. Der christliche Glaube nennt das «Offenbarung» – und die biblischen Geschichten des ersten und zweiten Testamentes sind voll davon: Gott spricht zu Adam und Eva, zu Abraham, Isaak und Jakob, zu David und zu den Propheten – und natürlich ultimativ zu uns durch Jesus Christus. Immer teilt sich Gott dabei selbst mit, nimmt sein Volk Israel und seine Gemeinde in eine lebendige Geschichte mit. «Offenbarung» bedeutet darum nicht das «Herunterladen zeitloser Informationen über Gott», sondern das Reden Gottes in ganz bestimmte Zusammenhänge und Situationen. In all dem wird deutlich: Gott steht zur Welt nicht in einem Verhältnis der totalen Bemächtigung – Gott hält seine Schöpfung nicht in einer Art und Weise in seiner Hand, welche ihr keine Eigendynamik und Selbstbestimmung zugesteht, sondern alles kontrolliert und determiniert. Vielmehr ist die Beziehung Gottes zur Welt ein Verhältnis der liebevollen Ermächtigung: Gott schafft in der Schöpfung Raum für die Welt und für den Menschen, er befreit seine Geschöpfe zu einer Geschichte mit ihm. Das gilt auch dann noch, wenn ein Leben scheitert, wenn es sich nicht mehr als Geschenk erfährt, sondern unter der Last des Schicksals zu zerbrechen droht: Jenem Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, ist auch zuzutrauen, dass er leidgeprüfte Lebensgeschichten irgendwann zu einem guten Ende erzählt…

Transcript

Für den Chormeister, ein Psalm-David. Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und das Firmament kündet das Werk seiner Hände. "Ein Tag" sagt es dem anderen eine Nacht und des anderen Kunde, ohne Rede und ohne Worte ungehört, bleibt ihre Stimme. Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, ihre Kunde bis zu den Enden der Erde. Dort hat er der Sonne ein Zelt gebaut. Sie tritt aus ihrem Gemach hervor wie ein Breutigam, sie frohlockt wie ein Held, ihre Bahn zu laufen.

Am einen Ende des Himmels geht sie auf und läuft bis ans andere Ende. Nichts kann sich vor ihrer Glut verbergen. Die Weisung des Herrn ist vollkommen. Sie erquickt den Menschen. Das Zeugnis des Herrn ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise. Die Befehle des Herrn sind gerade, sie erfüllen das Herz mit Freude. Das Gebot des Herrn ist rein, es erleuchtet die Augen. Die Furcht des Herrn ist lauter, sie besteht für immer. Die Urteile des Herrn sind wahrhaftig, gerecht sind sie alle.

Sie sind kostbarer als Gold, als feingold in Menge. Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben. Der Podcast über das, was wir nicht mehr glauben und das, was uns wichtig bleibt. Hier sind wir wieder. Hallo Stefan. Hi Manu. Es geht weiter mit unserer Staffel zu den Grundbeständen des Christlichen Glaubens. Aus einer beteiligten Perspektive. Aus der Perspektive derer, die das Ratatouille aus der Küche empfangen. Wir sind immer noch beim ersten Gang. Das ist ein happyes Mal.

Im ersten Gang servieren wir Gott. Nicht mehr und nicht weniger. Wir haben das letzte Mal angefangen, über Gott zu sprechen. Wir haben uns mal gefragt, was meinen wir eigentlich, wenn wir sagen, Gott ist der Schöpfer. Worum geht es uns da im Kern? Wir haben jetzt dem Salm 19 angefangen, um zu zeigen, diese Idee, dass Gott der Schöpfer ist, die gibt es natürlich nicht nur in der formalen und abstrakten Art.

Dann ist es durchaus etwas, was sich einerseits auch in Lob, in dem Hypnos finden kann. Was dann aber auch verbunden wird mit dem Wort Gottes. Also Gott ist einer, der spricht. Gott ist einer, der handelt. Gott ist nicht irgendwie eine Idee, ein Prinzip. Einer, den wir uns so ausdenken können aufgrund von Sinnüberschuss. Sondern Gott ist einer, der sich Menschen zeigt.

Ja, und das ist, glaube ich, eine ganz, ganz entscheidende Einsicht auch des christlichen Gottesverständnisses, des biblischen Gottesverständnisses überhaupt. Und es ist interessant in diesem Salm. Es ist ja ein bekannter Schöpfungssalm eigentlich, den du gelesen hast, Samm 19. Dieses "ineinander", es wird zuerst in wunderschönen Bildern um Metaphern, muss man sagen, wird die Größe und Herrlichkeit und bestaunenswürdigkeit der Schöpfung beschrieben.

Und dann heißt es, sie sind ein Lied oder sie erzählt von Gott, sie erzählt vom Schöpfer, aber in einer stummen Botschaft quasi. Sie hat keinen Ton. Ungehör bleibt ihre Stimme. Ungehör bleibt ihre Stimme genau. Und dann kommt aber das Wort Gottes zur Sprache. Und da wird es dann, das ist eine interessante Verschränkung. Es wird deutlich gemacht, die Schöpfung legt Zeugnis ab vom Schöpfer, aber es ist quasi ein stumes Zeugnis.

Und dann gibt es aber auch ein tonhaftes Zeugnis, nämlich wenn Gott selber spricht. Und das zieht sich jetzt wirklich durch die ganze Bibel durch der Gott Israels und der Gemeinde, der Gott des Ersten und des Zweiten Testaments ist ein Gott, der spricht. Unzählige Male heißt es und Javé sprach und Gott sprach. Und er spricht zu Abraham, er spricht zu Isaac und zu Jakob. Er wird ihnen zum Bundes-Gott und er spricht zu seinem Volk.

Er spricht zu seinen Propheten und Gott sprach zu Jesaja, zu Jeremia, zu Ezekiel und so weiter. Und dann wird ja genau diese Geschichte aufgerufen im Hebräer-Brief. Gott hat zu uns gesprochen auf vielerlei Weise durch die Propheten, also durch die Empfänger des Redens Gottes. Und jetzt hat er zu uns quasi definitiv gesprochen. Jetzt hat er sich selbst offenbart in Jesus Christus. Also da wird diese Geschichte zusammengebunden.

Der Gott, der spricht im Ersten Testament zu Israel und den Propheten und der Gott, der dann spricht und sich mitteilt durch Jesus Christus selber. Also der biblische Gott, Battenlein ist, der biblische Gott ist ein Gott der Selbstmitteilung, der Selbstoffenbarung. Und das ist vielleicht wirklich eine Besonderheit an diesem Gott, dass wir in der christlichen Theologie nicht davon ausgehen können, dass wir einfach uns mal hinsetzen müssen, etwas vernünftig nachdenken müssen.

Und dann kommen wir irgendwie durch unser vernünftiges Nachdenken auf Gott und können uns erklären, wie der liebe Gott so ist. Also kein philosophischer Gottesbegriff, den wir da haben. Sondern der lebt von der Idee dieser Gottesbegriff, dass Gott einer ist, der sich als Schöpfer nicht nur entschieden hat, aber als Schöpfer Gott zu sein, sondern der tritt dann mit Menschen in einen Bund, der schließt einen Bund.

Und dieser Bund ist eigentlich der Grund für die ganze Geschichte, die jetzt losgeht und für das, wie sich Gott den Menschen und immer wie mehr Menschen, letztendlich allen Menschen, zeigt und zeigen wird. Ja, und ich glaube, das ist eine wirklich entscheidende Einsicht in den christlichen Gottesglauben.

Auch wenn wir eben über Gott den Schöpfer sprechen, über das Bekenntnis zu Gott, dem Vater, dem Schöpfer von Himmel und Erde, dann ist das nicht ein Bekenntnis und nicht eine Erkenntnis, die man einfach direkt an der Naturbeobachtung abgelesen hätte. Auch wenn es biblisch den Gedanken durchaus gibt, auch am Anfang des Römerbriefes, dass quasi, dass Gott auch irgendwie an der Schöpfung schon erkennbar ist.

Und das kann man ja, du hast vorhin die Philosophen genannt, die griechischen Philosophen von den Vosokratikern weg, haben ja genau das getan. Sie haben aufgrund der Beobachtung der Schöpfung, aufgrund der Beobachtung der Ordnung der Welt, der logischen, mathematischen Beschreibbarkeit der Welt und so weiter, haben sie Rückschlüsse auf Gott, auf einen Schöpfer, auf einen Ursprung, all dessen gezogen.

Aber das biblische Bekenntnis zu Gott, dem Vater, dem Schöpfer von Himmel und Erde ist noch mal mehr und etwas anderes als einfach ein aus der Naturbeobachtung deduziertes Bekenntnis. Ja, und den geht es nämlich gar nicht so sehr im christlichen Glauben. Sondern es geht sehr viel mehr um einen Gott, der sich einmischt, der handelt und den Beziehung tritt.

Und eine ganz, ganz wichtige Bibelstelle dazu findet sich ziemlich am Anfang der Bibel, also im ersten Moselbuch in Kapitel 12, da wird nämlich Abraham berufen und beauftragt. Ich lese das ganz kurz vor. Und der Herr sprach zu Abraham, geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen und du sollst ein Segen sein.

Ich will segnen, die dich segnen und verfluchen, die dich verfluchen und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Und damit ist was angestoßen, eine Bundesgeschichte in Gang gesetzt, die einen verrückten und vielzweigigen und wirklich Auslegungs- und Deutungsbedürftigen Bestand hat.

Also da treten dann Mose, verschiedene Könige, Propheten auf und alle haben eigentlich die Aufgabe, dem Volk das mitzuteilen, also diesem Volk mitzuteilen, was Gott ihnen jetzt sagen will, was Gott von ihnen erwartet oder was er ihnen verheißt oder wo vorher sie warnen lässt. Ja genau. Und das wird eben theologisch dann mit dem Begriff der Offenbarung beschrieben. Und vielleicht muss man das ein bisschen schärfer stellen, auch um Missverständnisse noch zu vermeiden.

Ja, sehr häufig denkt man bei Offenbarung an so etwas Feststehendes, das da ist, also quasi okay, hier ist der Kälch der Wahrheit, das ist jetzt die Offenbarung und so ist es, genau das ist in der christlichen Theologie im christlichen Glauben genau andersrum. Also Offenbarung verschafft nicht eine Eindeutigkeit, sondern Offenbarung verwickelt immer in ein Gespräch, hält die Beziehung am Laufen.

Diese Beauftragung und diese Verheißung an Abraham ist ein Anfang und da wird sich jetzt zeigen, wie diese Geschichte mit Gott und seinem Volk los. Ja, ja. Und dieser Gott wird auch sagen, ah, du Hure, du hast mich verletzt und enttäuscht, alles in mir wendet sich gegen dich, ich möchte dich auslöschen und vernichten.

Also auch das gehört zu diesem Gott dazu, der ist nicht ein stilles Prinzip, das Regeln in die Welt bringt, sondern das ist wirklich ein Beziehungsgegenüber, das Menschen da erfahren.

Ja, genau. Was natürlich nicht bedeutet, dass die Offenbarung Gottes irgendwie unverbindlich wäre oder Gegenstand einfach lockerer Diskussionen oder so, sondern dass die, gerade die Offenbarungen oder das Reden Gottes an die Propheten ist ja teilweise unglaublich zugespitzt und wirklich auch mit einem ganz steilen Anspruch an das Volk verbunden und so weiter.

Aber der springende Punkt ist, dass das Reden Gottes an Israel und an die Gemeinde dann, dass es immer ein Reden ist, dass Menschen in eine Geschichte mit Gott verwickelt.

Dass es quasi eine, das Gott in bestimmte spezifische Situationen hineinspricht und dass man, wenn man jetzt dieses Reden Gottes durch die Testamente und durch die biblischen Bücher hindurch verfolgt, dass man merkt, dass sogar innerhalb der Bibel schon ein, quasi ein Gespräch und gewisse Revisionen, gewisse Qualifikationen und so weiter dieses Reden Gottes stattfinden. Also es ist nicht einfach, da fällt irgendwie ein zeitloses Dokument vom Himmel.

Wo jetzt quasi die Bedienungsanleitung für die Welt und das Leben. Und auch diese Propheten, da darf man sich nicht vorstellen, wie irgendwelche Zauberer, die in Höhen leben und Privatoffenbarungen empfangen, die sie dann übersetzen müssen für das Volk, sondern das sind sehr oft Politiker, die Zeichendeuten, die in Schriften nachschauen, wie könnten wir das interpretieren, auf welche Verheißung könnte sich das beziehen etc. Das ist nicht eine Eindeutigkeit, das muss geprüft werden.

In der Bibel ist immer wieder die Rede von Lügenpropheten, ganze Techniken, wie man sie entlarven und überführen kann. Also da ist nicht einfach Klarheit, also wo Gott spricht, ist nicht einfach Klarheit. Und vielleicht am prominentesten und am zentralsten für uns würden wir sagen, naja, das ist die Selbstmitteilung Gottes durch Jesus Christus, also in der Menschwertung Gottes.

Aber eben auch da wieder, Gott entscheidet sich nicht, als Gesetzestafel auf die Welt zu kommen, sondern Gott entscheidet sich, in diesem Jesus von Nazareth Mensch zu werden, so dass er für uns der Christus sein kann.

Das klingt jetzt alles furchtbar dogmatisch, aber das einzige, worum es mir geht, ist eigentlich, dass Gott nicht etwas ist oder jemand ist, der sich für uns in einer Klarheit verfügbar macht, sondern ist jemand, der immer verbindlich zu Beziehung und zu Gemeinschaft einlädt und uns dort herausfordert in Verantwortung nimmt und mit uns unterwegs ist.

Naja, genau, genau. Also die Offenbarung ist eingebunden in ein Beziehungsgeschehen oder ist Teil Ausdruck eines Beziehungsgeschehens einer Geschichte Gottes mit den Menschen. Und das kann man jetzt auch zurückspielen. Wir reden ja über das Bekenntnis zu Gott, dem Schöpfer von Himmel und Erde. Das kann man zurückspielen und fragen, ja, aber was heißt das denn jetzt für das Verhältnis Gottes zu dieser Welt?

Weil wir in der letzten Folge gesagt haben, das ist ein Grundbestandteil des Christiens, glaub'n's, dass Gott der Schöpfer ist, der diese Welt und alles, was in ihr ist, hervorgebracht hat. Und wir haben da schon gesagt, es wird eben Gott der Vater als Schöpfer von Himmel und Erde bekannt. Und das ist schon eine Qualifikation, die man in Richtung einer Zuwendung oder sogar Liebe Gottes zur Welt deuten könnte.

Und genau das wird ja dann auch gemacht und ausgedeutscht eben in dieser Bundesgeschichte Gottes mit den Menschen. Da wird deutlich Gott steht, also man kann das ja ganz verschieden stricken und, dieologisch ist das auch gemacht worden, man kann verschiedene Modelle stricken und sagen, Gott steht zur Welt zum Beispiel in einem unerbittlichen Bemächtigungsverhältnis.

Gott lässt eigentlich die Welt nie aus seiner Hand. Er hat sie ganz fest in Griff, er kontrolliert sie bis hin zu ganz deterministischen Vorstellungen. Heilblatt fällt vom Baum ohne, dass Gott es erlaubt hat. Exakt. Und kein Atom regt sich ohne, dass Gott das geplant und in seinem Willen ewiglich so verankert hat und so. Das kann man ganz deterministisch denken.

Ist für mich aber eigentlich dann wirklich eine Vergewaltigung der Geschichte, wie sie mir in den biblischen Schriften begegnet, weil dieser Gott, der uns dort begegnet, ist gerade ein Gott, der eben Raum lässt für eine Interaktion zwischen sich und der Schöpfung, der quasi Platz schafft für den Selbststand und auch die Selbstbestimmung des Menschen und der Geschöpfe, der irgendwo eine Geschichte in Gang bringt, die doch irgendwo auch eine eigene Dynamik haben darf.

Ja genau. Es geht ja dabei um die Frage, also dieser Gott, der Schöpfer ist dieser Welt und der mit uns einen Bund hat, der uns erwählt, der zu uns in einer Beziehung, in einem Verhältnis steht, lässt er eigentlich noch Platz für Freiheit? Oder hat der das Spiel sich so zu Ende gedacht, dass eigentlich schon jeder zu klar ist und klar ist, was wir wann, wo, tun werden? Sogar schon dort, wo wir uns gegen das, was er eigentlich gut findet und will, richten. Auch das hat er eingeplant.

Er hat quasi den großen Masterplan und wir sind jetzt quasi nur noch die Figuren, die die Choreografie tanzen, die wir selbst gar nicht verstehen. Und das halte ich für ein heretisches Gottesbild, also für ein falsches Gottesbild und das sage ich jetzt nicht, weil es mir nicht gefällt und ich einfach sehr freiheitsliebend bin, sondern das ist wirklich etwas, was ich mit biblischen Texten überhaupt nicht zusammenbringen kann.

Das scheint für mich eine Abstraktion zu sein, irgendwo ein zwangmenschlichen Denkens Gott wieder zu einem Prinzip zu machen. Also die Begriffe so aneinander zu rein, dass sie sich Gott bemächtigen können, dass ich Gott definieren und verstehen kann. In den biblischen Texten taucht Gott schon nicht als ein planloser Typ auf, das das meine ich gar nicht, aber taucht auch nicht als Typ auf.

Aber Gott ist jemand, der sich berühren lässt, der selbst auch etwas lernt, der seine Meinung auch ändern kann. Ja, genau. Und ich finde, das kann man nicht genug in Anschlag bringen, wenn es um das Gottesbild und um das Verhältnis Gottesbild, es zur Welt geht. Ich habe vorhin gesagt, es gibt diese Idee, dass Gott einen Verhältnis der Bemächtigung zur Welt hat oder sie schon gar nicht erst aus seiner Hand lässt. Aber

man kann das auch anders denken. Man kann sagen, Gott steht in einem Verhältnis der Ermächtigung der Welt gegenüber. Und das gilt dann auch für den Allmachtsbegriff. Weil man ja eben gerade Gott den Schöpfer als den Allmächtigen auch gerne bekennt. Und es gibt auch eben Versuche, die Allmacht so metaphysisch und philosophisch konsequent durchzudenken, dass eigentlich für die Macht oder für die Eigendynamik, die Eigenmächtigkeit

der Geschöpfe überhaupt gar kein Platz bleibt. Weil Gott der allein wirksame ist und eigentlich praktisch alles absorbiert, gerade wieder absorbiert, was er zuvor geschaffen hat. Und ich glaube nicht, dass sich das wirklich mit der biblischen Bundesgeschichte Gottes im Einklang bringen lässt. Ich würde vielmehr sagen, dass auch Gottes Allmacht als eine

Macht verstanden werden muss, die eben andere ermächtigt. Und das ist keine schwächere Macht, sondern das ist eine sehr viel kompetentere Art von Machtausübung, die auch die Größe und Großzügigkeit und diesen Begriff auch noch zu nennen, die Suveränität hat. Zu sagen, nein, ich setze eine Geschichte in Gang und ich lasse mich von mir aus auf eine Abenteuerschöpfung und ein Abenteuer Mensch ein und gestehe der Schöpfung und den Geschöpfen

auch eine Eigenmächtigkeit zu. Und das ist jetzt nicht eine Einbuße meiner Allmacht, sondern es ist eine Betätigung meiner Allmacht. Es ist eine ermächtigende Macht, die ich ausübe. So würde ich das jetzt stricken, um auch diesen Begriff, den man ja mit dem Schöpfergott auch in den Bekenntnissen in Verbindung bringt, noch aufzugreifen. Ich finde es eine sehr sympathische Art, Allmacht zu denken. Ich selbst habe den Allmachtsbegriff

sehr gerne und brauche noch mal ein bisschen anders. Nämlich so, dass ich mir so vorstelle, dass Gott sich jetzt unter allen Möglichkeiten, die er hatte, entschieden, dass er ein Schöpfer sein will und dass er den Menschen zum Gegenüber haben will. Und damit hat er sich darauf

eingelassen, sich in eine Geschichte mit dieser Welt und diesen Menschen zu verstricken. Und diese Allmacht, also das, was aber mehr ist als Macht, also das, was mehr bedeutet als Macht, sehe ich bei Gott darin, dass er nicht ein Rückzieher macht und nicht einfach kontrollieren und bestimmen will, sondern dass er sagt, okay gut, auf Gedeihe und Verderb gehöre ich

zu dieser Schöpfung und zu diesem Menschen. Das sind meine Menschen, das ist meine Welt, das ist meine Schöpfung und deswegen riskiere ich mich selbst und werte ein solcher Mensch in der Gefahr, dass ich dabei selbst untergehen und zu Tode komme. Ja, ja, also darauf werden

wir dann in der Folge zu Jesus Christus auf jeden Fall nochmal eingehen. Was mir jetzt vielleicht noch wichtig wäre oder was ich zumindest versuchen wollte, wir haben ja in der letzten Folge gesagt, um das auch lebensweltlich und erfahrungsmäßig auch irgendwo zu verankern oder zu plausibilisieren, haben wir gesagt, es gibt Erfahrungen, Erlebnisse, die wir machen, die so einen Bedeutungsüberschuss haben, wo wir merken, das hat jetzt ein, das Gewinnt,

ein Gewicht, das erhält einen Sinn in meinem Leben, der irgendwie nicht einfach naturwissenschaftlich beschreibbar ist, sondern der eigentlich hinweist, über sich hinausweist, auf einen Schöpfer, dem ich mein Leben verdanke. Und vielleicht könnte man den Versuch unternehmen, auch diese Aspekte, die wir in der Folge eingespielt haben, also dieser Gott, der eine Geschichte, eine Bundesgeschichte mit den Menschen schreibt und sie quasi einbindet in ein größeres Narrativ.

Vielleicht könnte man das auch mindestens aufzuschließen versuchen, durch die Einsichten auch neurer, neurer anthropologischer Forschung oder auch psychologischer Studien, die zeigen, dass eben Menschen dieses Bedürfnis schwer abschütteln können, Teil einer Geschichte

zu sein oder sich als ihr Leben auch als eine Geschichte zu erzählen. Also es ist sogar ein Kennzeichen von Menschen, die eben am Leben zerbrechen, dass sie ihr Leben nicht mehr erzählen können, als irgendwie eine zusammenhängende Geschichte, sondern dass da irgendwie die Dinge

auseinanderbrechen und es keinen Reim und nichts mehr gibt. Und das ist eine ganz existenzielle Bedrohung für viele Menschen und ich finde das einfach noch spannend, weiß so im Stichwort Narrative, Identität und so weiter, dass es durchaus auch ein Bedürfnis im Menschen gibt und einen Reflex eigentlich alle möglichen Erlebnisse in eine größere Geschichte einzupassen

und sich als Teil einer Geschichte zu verstehen. Und der Gott, der Schöpfer Gott, der sich in der Bundesgeschichte Israel ist und dann auch in der Geschichte der Kirche zeigt, ist eben ein Gott, der quasi ein solches, ich sage jetzt ganz modern, ein solches Narrativ anbietet, eine solche Geschichte anbietet, in der man sich dann wiederfindet und sein Leben irgendwie

versteht. Das ist ja das Faszinierende bis heute jetzt auch beim auch im jüdischen Glauben, dass sie sich immer bekennen, als Teil dieser Geschichte sagen, ich bin, Teil dieser Geschichte, ich bin, ich glaube an den Gott Abrahams, Isaacs und Jacobs. Mit dieser Generationenfolge wird eine Geschichte aufgerufen, zu der man sich immer noch zählt, bis hin zum Bekenntnis quasi ich selber

bin aus Ägyptenland geführt worden. Ich bin, ich bin quasi Teil dieser Geschichte und das, das machen Christen eigentlich auch, wenn sie sich zu, zum Schöpfer Gott bekennen, dem Vater und dem Bundes Gott, dann, dann frameen sie ihr Leben als Teil einer, einer solchen Gottesgeschichte. Wir fangen da zwei Dinge noch ein, die ich wichtig finde zu diesem Thema, ist natürlich ein sehr schöner Punkt. Ich glaube, dass das eine ist, es gibt ja auch

Menschen, die keine Geschichte mehr erzählen können. Sei das aus Gründen von Krankheit oder weil man sie kaputt gemacht hat, sie am Leben zerbrochen sind und der Glaube an den christlichen Gott beinhaltet auch den Trost und die Vorstellung, dass ich nicht selbst derjenige bin, der meine Geschichte schreiben muss und sie vertreten muss und sie bekannt machen muss, sondern das, der Gott ist, der sich an mich erinnert, in den ich eingeschlossen bin, mit dem, was ich lebe,

erlebe, nicht gelebt habe, verpasst habe. Also das ist da ein Sinn, Speicher außerhalb dessen liegt, was ich tun und lassen kann. Das ist mal das eine. Und das andere, das finde ich ganz besonders am Christum, weil wir halt diese Bibel mit den zwei Teilen haben, ist das schon Jesus, Christus, das Kreuz und die Auferstehung. Etwas ist, was eigentlich die ganze Geschichte noch einmal

in ein anderes Licht bringt. Ich habe diese Abrahams Verheißung vorgelesen und ich glaube, dass man von Kreuz und Auferstehung her so etwas wie "Ich will segnen, die dich segnen und verfluchen, die dich verfluchen und in dir sollen gesegnet werden, alle Geschlechter auf Erden". Natürlich ist noch mal ganz anders versteht. Also man kann dann mit christlichen Ohren, also mit einem Gehör, dass er von Kaffreitag und Ostern herkommt, auch sagen, ja genau, da ist es doch passiert.

Da ist es doch passiert. Und genau das wird ja Paulus tun, als einer, der tief in dieser Geschichte drinsteckt. Der wird sagen, ah, deswegen, so war das, da erschließt ich mir das hin. Und das finde ich schon etwas, ja, ich glaube, manche Menschen machen diese Erfahrung, dass sie im Leben etwas erleben, was alles, was sie bisher erlebt haben, umkehrt. Was sie nochmal neu verstehen müssen.

Man kann plötzlich nach Jahren auf seine Beziehung zurückblicken und sagen, immer wurde ich nur ausgenutzt oder man kann geliebten Menschen verlieren und sagen, ah, immer war ich zu wenig dankbar, ich hätte doch etc. Und unter diesem Eindruck deutet man das, was war anders, als man es

in der Situation gedeutet und erlebt hat. Und ich glaube, dass das neue Testament, also mit der Christusfigur, genau das in die Bibel als Spannung hineinbringt, dass ich eigentlich alles noch mal neu verstehen und anders lesen kann und andere Schwerpunkte setze und Dingevereinnahme, die vielleicht in dieser Zeit gar nicht darauf hingedeutet haben. Aber quasi vom Glauben her kommt

ich dann, ah, das ist der eigentliche, der tiefer ist. So ist Gott, so hat er sich gezeigt. Ja, das finde ich jetzt eine ganz wichtige Ergänzung, die man auch eben wieder anknüpfen könnte an, an am Anfang eigentlich unserer letzten Folge, wo wir gesagt haben, es gibt Erfahrungen, die wir machen, wo wir unser Leben als verdankt erfahren, wo wir merken oder wo man etwas von dem spürbar wird, dass wir eben unser Leben nicht aus uns selbst herausgesetzt haben und dass es auch nicht

aufgeht in irgendwelchen evolutiven, biologischen Naturwissenschaftlichen Erklärungen, sondern

dass Gott der Schöpfer dahinter steht, der uns dieses Leben geschenkt hat. Und jetzt hast du, wenn ich dich richtig verstanden habe, auch ein Stück weit die Perspektive derer stark gemacht, die dann, es gibt ja auch Erfahrungen, wo man sein Leben nicht mehr als Geschenk erlebt, wo man das Gefühl hat, jetzt ich bin aber vom Leben bestraft oder das ist jetzt, also jetzt bin ich ja wirklich durch Schicksalsschläge und traumatische Erfahrungen und so weiter,

kann ich mich jetzt gerade nicht mehr irgendwie mein Leben nicht mehr so fröhlich als Gabe eines guten Schöpfers irgendwie empfangen und das Faszinierende ist ja, dass nicht erst mit Jesus Christus, aber dass diese Geschichte, die Bundesgeschichte, die Gott mit Menschen schreibt, dass sie eben auch Menschen integriert oder Menschen einem, dem Leben von Menschen eine

Bedeutung zukommen lässt, die am Leben eigentlich schon zerbrochen sind. Also nicht nur, wenn man quasi aus der Fülle des Lebens und unter dem Eindruck der Schönheit der Schöpfung zur Überzeugung gelangt, ach, das Leben ist schön, es ist verdankt, da muss ein guter Gott dahinter stehen, sondern auch, wenn man am Leben zerbricht, dann wird man quasi gerade in der Geschichte Jesu Christi, wird das deutlich, wie man immer noch diesen Ausblick auf einen Gott haben,

der es dann trotzdem gut mit uns meint und wenigstens die Fähigkeit hat, unser Leben zu einem guten Ende zu erzählen irgendwann, weißt du so diese, also auch die Geschichte von Paulus, dieses Lob, "Lied auf die Liebe Gottes", auch angesichts von Tod und Verfolgung und so weiter. Das, was mir wichtig scheint, ist, dass jetzt nicht der Eindruck entsteht, dass diese Gott, den wir in der ersten Folge quasi vorgestellt haben, einfach ein Gott ist, der aus einem freudigen

Sinnüberschuss heraus entsteht, also aus einer Euphorie. Mit Sinnüberschuss meine ich durchaus auch Erfahrungen, die wir als ganz tragisch beschreiben würden. Also der Verlust eines geliebten Menschen hat eigentlich auch einen Bedeutungsüberschuss, nämlich dann, dass ich sage, das kann es nicht gewesen sein. Das darf nicht sinnlos gewesen sein zum Beispiel, oder die Erfahrung von ganz fundamentalem, zum Himmel schreienden Unrecht, das passieren kann,

das nicht vergolten werden kann. Das sind Dinge, die in uns Intuitionen anrühren, dass das nicht alles sein darf. Aber das genügt mir, aber jetzt noch nicht, wenn es um den christlichen Gott geht, sondern der christliche Gott ist einer, der in uns nicht nur die Hoffnung weckt, dass er als Schöpfer die ganze Welt mit Sinn und Schönheit durchzieht, das ist das eine, nicht nur der Gott, der sagt, hey, ich biete euch einen Bund an, eine Geschichte, in die ihr euch

einleben könnt, das ist auch der Gott, der sagt, ich werde das am Ende alles zurechtbringen. Und das ist eine Verheißung, die leider leider immer wieder falsch verstanden worden ist, quasi im Sinne einer Drohung. Achtung, am Schluss kommt das Gericht und dann musst du für alles gerade

stehen. Ich verstehe es viel eher so, hey, ihr werdet alle sterben in dieser Welt, ihr werdet untergehend, so ist das und das ist in euren Augen eine Tragik und darum habt ihr Angst, weil ich werde das zurechtbringen und ich werde die Beziehung zwischen euch zurechtbringen etc. Und auch die Beziehung zwischen euch Menschen und mir als Gott. Also das verstehe ich als

große christliche Verheißung, die ich ganz bedeute. Ja und die auch wieder am Bekenntnis zu Gott dem Schöpfer hängt, weil man quasi eben gerade Gott dem Schöpfer von Himmel und Erde nur zutraut oder zutrauen darf, dass er am Schluss die Dinge auch zurechtbringen kann. Ganz genau und deswegen finde ich auch, dass diese Rede davon, dass die Theodizee Frage, also die Frage wie der gute und allmächtige Gott leidzulassen kann in der Welt, keineswegs ein Problem ist für den

christlichen Glauben insofern, als dass es den christlichen Glauben unglaubwürdig macht. Ich würde sagen, dass es wahrscheinlich einer der ganz zentralen Erkenntnis zusammenhänge für das christliche Gottesbild. Der christliche Gott ist die unfassbar gute Antwort darauf, wie man einen allmächtigen

liebenden Gott denken kann angesichts des Übels in der Welt. Und dazu hat das Christendommer die christliche Tradition Geschichten, die uns immer wieder Aspekte beleuchten können, die es möglich machen, dass wir das Schreckliche, das passiert, wirklich auch als Schreckliches wahrnehmen und

nicht sagen müssen, nein, nein, das ist eigentlich gar nicht so schlimm. Wir sehen das nur falsch oder so, sondern dass uns die Möglichkeit gibt, dieses Schreckliche, dass wir nicht aushalten, vor Gott bringen zu können, in der Hoffnung, dass er seine Verheißung wahrmacht und das zu Recht bringen wird. Ja, das ist nicht die Auflösung der Theodizee verredzt. Genau, das wäre nicht noch

wichtig zu sagen. Ich finde, es ist mindestens eine, also für mich ist sehr viel plausibler zu sagen, dass die Theodizee Frage, das Theodizee Problem und zwar ganz lebenswältig und konkret erlebt viel zu Gottes Erkenntnis beigetragen hat und nicht das ist, was die ganze Gotteserkennung in Frage stellt. Ja, also da gäbe es jetzt noch viel zu sagen und es reizt mich, aber ich finde es auch eben einen sehr guten Schlussgedanken für diese Folge. Das waren die beiden Folgen zum

Bekenntnis zu Gott, dem Schöpfer. Es gäbe noch ganz viel zu sagen, aber ich glaube viel Wesentliches ist zur Sprache gekommen und nächstes Mal werden wir uns dem Menschen zuwenden. Genau, und wenn ihr mögt, schreibt uns, gebt uns Feedback, gebt uns Hinweise, was ihr gut fandet, wo wir nachbessern könnten und ich hoffe, wir hören uns wieder in einer Woche und bis dahin eine gute Zeit. Tschüss, tschüss! Reflab. [Musik]

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