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Merz vs. Trump: Da steckt eine Menge Frustration dahinter

Apr 30, 202612 minEp. 2215
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Friedrich Merz und Donald Trump hatten eigentlich mal ein ganz gutes Verhältnis. Als sich die beiden Anfang März im Weißen Haus getroffen haben, war die Stimmung geradezu harmonisch. Dass der Kanzler und der US-Präsident gut miteinander klarkommen, ist auch politisch wichtig für Deutschland und Europa. Zu den USA gibt es nicht nur wirtschaftlich enge Verbindungen, sondern auch bei der Verteidigung: Da sind Deutschland und Europa weitgehend abhängig von den USA.

Doch knapp zwei Monate nach dem Treffen im Weißen Haus hat das Verhältnis von Merz und Trump deutliche Risse bekommen. In dieser Woche hat der Bundeskanzler den US-Präsidenten deutlich kritisiert. Die USA hätten “offensichtlich keine Strategie”, um aus dem Iran-Krieg wieder rauszukommen, sagte Merz. Sie würden durch Iran “gedemütigt”. Trump hat daraufhin beleidigt reagiert und angekündigt, die USA würden einen Teilabzug ihrer Truppen aus Deutschland prüfen.

Kanzler-Beobachter Daniel Brössler aus dem Berliner Büro der Süddeutschen Zeitung spricht in dieser Folge von “Auf den Punkt” über das deutsch-amerikanische Verhältnis und wie es jetzt weitergeht.

Weitere Nachrichten: Mieterschutz beim Heizungsgesetz; deutsche Wirtschaftsleistung.

Zum Weiterlesen: Mehr über das Heizungsgesetz können Sie hier lesen.

Und hier steht die Analyse zur deutschen Wirtschaft in der Krise.

Hier finden Sie alle Geschichten der SZ-Voloausgabe.

Moderation, Redaktion: Philipp Saul

Redaktion: Ann-Marlen Hoolt, Nadja Schlüter, Antonia Franz

Produktion: Julius Zimmer

Zitiertes und zusätzliches Audiomaterial über CNBC (Youtube).

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Transcript

Friedrich Merz und Donald Trump haben sich diese Woche so einiges an den Kopf geworfen. Der Bundeskanzler hat den US-Präsidenten wegen des Iran Kriegs kritisiert, der war direkt beleidigt. Jetzt droht Trump damit, dass die USA einen Teil ihrer Truppen aus Deutschland abziehen! Warum hat sich die Beziehung zwischen Merz & Trump so verschlechtert? Und wie geht es jetzt weiter?! Darüber spreche ich gleich mit Kanzlerbeobachter Daniel Brössler.

Es ist Anfang März und für den deutschen Bundeskanzler läuft es gerade ziemlich gut. Friedrich Merz sitzt da im goldversierten Oval Office neben Donald Trump, was soll man sagen? Die Stimmung ist geradezu harmonisch! Ist ja nicht immer so wenn Politiker im Weißen Haus zu Gast sind. Aber Trump erscheint richtig angetan zu sein von Deutschland und seinem Kanzler. Trump nennt Merz einen exzellenten Anführer.

Und der Bundeskanzler bedankt sich höflich, im sehr komfortablen Gästehaus übernachten zu dürfen. Dass der Bundes-Kanzler und der US-Präsident gut miteinander klarkommen – das ist auch politisch wichtig! Für Deutschland? Für Europa? Für den ganzen Umgang mit den USA?! Sie sind ja nicht nur wirtschaftlich eng miteinander verbunden, sondern auch was die Verteidigung angeht. Da sind Deutschland und auch ganz Europa weitgehend abhängig von den USA.".

Ja, das bringt uns nun zu dieser Woche – fast zwei Monate später! Da hat sich einiges geändert zwischen Merz und Trump unter anderem wegen des Irankriegs. Den hat Merz aber Anfang kaum oder nur sehr vorsichtig und diplomatisch kritisiert. Aber inzwischen sagt der Bundeskanzler seine Meinung sehr deutlich…. Die USA hätten offensichtlich keine Strategie, um aus dem Krieg wieder rauszukommen hat Merz gesagt. Sie würden durch Iran gedemütigt.". Und Trump?

Der Kritik jetzt nicht allzu gern hört – der hat sofort gekontert! Nämlich dass Merz keine Ahnung habe und das es kein Wunder sei, dass es Deutschland gerade so schlecht gehe…. Ja und jetzt gibt's noch eine neue Drohung von Trump … nämlich dass die USA überlegen Teile ihrer Truppen aus Deutschland abzuziehen. Das werde grade geprüft und soll in kürzer entschieden werden…. Dabei ist Deutschland ja einer der internationalen Knotenpunkte für das US-Militär.

Hier sind gerade weit mehr als dreißigtausend Soldaten stationiert! Wie das deutschamerikanische Verhältnis dasteht nach den jüngsten Aussagen von Merz und Trump, darüber spreche ich jetzt mit Daniel Brössler. Das hängt davon ab, wie groß dieser Abzug ausfallen würde. Wenn das nur ein paar Tausend Soldaten wären wäre das vielleicht nicht so schlimm?

Im Grunde geht es darum ob die Abschreckung durch die NATO noch funktioniert und bei einem massiven Truppenamtzug wäre das natürlich dann in Frage gestellt. und Deutschland ist eben auf absehbare Zeit noch auf den Schutz durch die USA angewiesen. Wie realistisch ist es denn dass da jetzt auf einmal ganz viele Truppen abgezogen werden. Eigentlich ist es nicht sehr realistisch, weil es eben eine gegenseitige Abhängigkeit ist.

Das sieht Donald Trump vielleicht nicht so aber ich glaube dass das US-Militär das sehr genau weiß. die Stützpunkte in Deutschland sind für das amerikanische Militär sehr wichtig als Logistikdrehkreuz. Das gilt zum Beispiel für Rammstein und für Operationen der amerikanischen Streitkräfte in aller Welt. übrigens auch am persischen Golf ist Deutschland eben sehr wichtig. Trump hat ja schon in seiner ersten Amtszeit damit gedroht, Truppen abzuziehen.

Dazu ist es dann nie gekommen und ich glaube das hatte eben auch damit zu tun dass diese Stützpunkte aus amerikanischer Sicht sehr sinnvoll und nützlich sind. Ich glaube es ist jetzt keine besonders steile These wenn man sagt die Drohung von Trump die hat mit seinem Verhältnis zur Bundeskanzler Merz zu tun. Das ist ja eigentlich noch gar nicht so lange her. da sind die beiden doch ziemlich gut miteinander klargekommen oder? Das stimmt aber so wahnsinnig überraschend.

Es ist auch wieder nicht, so ist das eben bei Donald Trump. Am Anfang war dieses Verhältnis sehr gut. ich glaube es hatte zum Beispiel damit zu tun dass Friedrich Merz nicht Angela Merkel ist und Donald Trump sehr viel gegen Angela Merkel hatte. Friedrich Merts ist ihm einfach auch sympathisch ein groß gewachsener Typ der gut Englisch spricht und der das muss man sagen in der ersten Zeit auch versucht hat net zu Trump zu sein.

das hat dem amerikanischen Präsidenten gefallen, aber es war klar dass das wahrscheinlich nicht ewig so anhalten würde. Und das hat's auch nicht. in den letzten Wochen hat März Trump dann immer wieder deutlich kritisiert diese Woche ganz besonders. Warum hat er sein Umgangston mit Trump denn so geändert? was meinst du? Ich glaube da ist eine Menge Frustration dahinter steckt. der Bundeskanzler hat ja sehr viel mit den Problemen zu tun die durch den Angriff auf Iran entstanden sind.

Das bringt dem Bundeskantler unter massiven Druck. also da is einfach ne Menge Fristration. Ich glaube auch, dass er das Gefühl hat, er muss schon einmal aussprechen was da an Kritik ist. Dass es auch von ihm erwartet wird aber natürlich nicht alles was er sagt dann immer unbedingt so durchdacht. Jetzt hat Merz ja gerade nochmal betont nur weil der Trump jetzt inhaltlich kritisiert Das ist das persönliche Verhältnis der beiden eigentlich gar nicht so belasten muss.

Du hast jetzt angesprochen ob das so durch dacht ist? Merz muss doch eigentlich gewusst haben dass Trump das anders sieht, dass das das Verhältnissen schon belasten könnte. Ich glaube, dass es vollkommen unmöglich ist Kritik zu üben an Dingen die Donald Trump tut und dann nicht das persönliche Verhältnis zu belasten. Alles ist bei Donald Trump persönlich Und er nimmt Kritik immer persönlich. Er is eine solche Persönlichkeit.

Es muss klar sein wenn man Donald Trump im Grunde bei seiner Ehre packt Wenn man sagt Iraner demütigen da eine ganze Nation dass er beleidigt reagieren würde, darauf hätte sich der Bundeskanzler gefasst machen können. Was ist denn deine Meinung? Meinst du Merz macht damit dann mehr kaputt gegenüber Trump als es ihm vielleicht nutzt? Außenpolitisch glaube ich wird das dem Bundeskantler nicht nutzen.

Wir haben ja schon drüber gesprochen Deutschland isst immer noch in der Sicherheitspolitik von den USA abhängig. Er muss irgendwie mit Donald Trump zurechtkommen, das muss nicht bedeuten dass man keinerlei Kritik übt. ich glaube es geht gar nicht. bei der erratischen Politik die Donald Trump vertritt muss eben ein demokratischer Regierungschef auch in der Lage sein dann mal seine Meinung zu äußern. Die Kunst müsste wohl darin bestehen ist so zu tun.

dass Trump sich nicht persönlich beleidigt fühlt Ist nicht ganz einfach weil Donald Trump sich natürlich relativ schnell beleidigt. Meinst du, das ist dann jetzt nur eine Phase zwischen den beiden? Ich denke dass Friedrich Merz versuchen wird wieder den Draht zu Donald Trump zu verbessern. Das ist auch nicht unmöglich. Trump is ja bekannt für seine erratische Politik und das kann morgen dann auch wieder ganz anders sein.

ich habe jetzt nicht den Eindruck aus dem was Trump bisher gesagt hat dass da jetzt ein irreparabler Schaden ist und das er jetzt Friedrich Merz zu einer Art Hauptfeind erklärt hätte. Das klingt ja dann bei Donald Trump noch ganz anders, also insofern ist da vielleicht nicht alles verloren. Welche Strategie könnte Merz denn jetzt nutzen um wieder ein besseres Verhältnis vielleicht zu erreichen zwischen den USA und Deutschland und so Europa?

Na ja ganz praktisch geht es ja gerade um die Frage was die Europäer was auch Deutschland tun kann um die Straße von Hormuz zu sichern nach einem Waffenstillstand. Das würde auch den USA helfen, ich glaube das ist das was praktisch gerade vorbereitet wird, dass hat die Bundesregierung ja auch schon angekündigt und angeboten und das ist glaube ich grade aktuell das was man am ehesten machen kann.

Wenn du jetzt auf das deutsch-amerikanische Verhältnis schaust wir haben jetzt gerade ein Jahr Friedrich Merz im Amt, gutes Jahr Donald Trump wie wird es die nächsten Jahre weitergehen? Das halte ich tatsächlich für schwer zu sagen, weil das hängt natürlich auch davon ab wie es in den USA weitergeht. Wie die Zwischenwahlen ausgehen. Donald Trump ist absolut unberechenbar und sich da jetzt auszumalen, wie sich das alles auf die Beziehung zu Deutschland auswirkt, ist glaube ich ziemlich schwierig.

Ich glaube das ist genau das was gerade passiert und was Friedrich Merz auch versuchen muss er fährt da auf Sicht und längerfristig zu planen ist bei einem amerikanischen Präsidenten Donald Trump sowieso völlig unmöglich. Lieber Daniel, vielen Dank. Sehr gerne! Das war die deutsche Außenpolitik. Schauen wir jetzt nach innen. Da will die schwarz-rote Regierung ja das sogenannte Heizungsgesetz reformieren.

Bisher soll ja vor allem in Wärmepumpen investiert werden und das bedeutet grob gesagt hohe Kosten für Vermieter und Entlastung für Mieter. aber der Regierung möchte jetzt dass auch weiterhin neue Gas und Ölheizungen eingebaut werden dürfen. Das wäre wiederum gut Denn Gas und Ölheizungen verlangen weniger Investitionen von den Hausbesitzern, verursachen aber höhere laufende Kosten – und die werden überwiegend von den Mietern getragen.

Union-und SPD haben sich deshalb nochmal zusammengesetzt und haben sich jetzt darauf geeinigt, Mieter besser zu schützen. Vermieter sollen sich künftig beim Neueinbau einer Gas oder Öl heizung an den laufenden Kosten beteiligen. Das klingt jetzt alles vielleicht ein bisschen kompliziert! In den Shownotes verlinke ich Ihnen einen Text, da wird es noch mal ausführlicher erklärt…. Der deutschen Wirtschaft geht es ja gerade nicht so besonders.

Und jetzt zeigen neue Zahlen vom Statistischen Bundesamt, der Iran-Krieg verhindert dass sich die Wirtschaft so richtig erholt! Die deutsche Wirtschaftsleistung hat in den ersten drei Monaten des Jahres zwar um Null Komma drei Prozent zugelegt aber ein richtiger Aufschwung wird durch den Krieg ausgebremst. Er hatte erst Ende Februar begonnen und im ersten Quartal also fast nur auf den März richtige wirtschaftliche Auswirkungen.

Aber die merkt man jetzt... Der Krieg treibt die Energiepreise hoch und dämpft so den Konsum. Auch dazu finden Sie in den Show-Notes eine Analyse.". Und dann ist am Mittwochabend noch der Deutsche Computerspielpreis vergeben worden für die besten Games aus Deutschland, und gewonnen hat ein Underdog – das Spiel The Darkest Files! Was daran so besonders ist? Das erklärt jetzt meine Kollegin Marie Gundlach. In The Darkist Files spielt man Eva Katz.

Eva Katzt ist eine Mitarbeiterin vom hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer Und der hat sich ja in der Nachkriegszeit dafür eingesetzt, dass Nazi-Verbrechen vor Gericht kommen und Schuldige nicht einfach davonkommen.

Man ermittelt also jetzt im Spiel tatsächlich historischen Fällen und muss die Akten, Welzen, Indizien zusammensammeln, Mitzeugen noch mal sprechen aber eben auch mit dem Druck von außen klarkommen Denn viele wollten ja, dass diese Zeit vergessen wird und sie nicht aufgearbeitet wird. Schafft es jetzt dieses Jahr eigentlich sehr ernste Thema, ähm ... Respektvoll und gleichzeitig unterhaltsam umzusetzen? Also man muss sehr viel lesen tatsächlich.

Aber kann eben ja sich durch diese Akten interaktiv klicken und hat wirklich Storytelling und tolle Gameplay-Elemente. Und gleichzeitig hört das eben diesen sehr ernsten Thema gerecht und man lernt praktisch ganz nebenbei noch etwas über einen sehr wichtigen Teil der deutschen Geschichte. So! Jetzt möchte ich Ihnen noch etwas empfehlen Und zwar ein Projekt der Volontärinnen und Volontäre der Süddeutschen Zeitung. Zum Thema Beinacht!

Dafür sind die Wolos in den letzten Wochen in ganz Deutschland unterwegs gewesen. Sie haben Krabbenfischer im Dunklen auf ihrem Schiff begleitet, einem Nachtportier im Luxushotel bei der Arbeit zugeschaut... ...und sie haben sich auch mit dem Thema Obdachlosigkeit beschäftigt. Dabei sind ziemlich interessante Geschichten herausgekommen. Schauen Sie mal in die Show-Notes. Es lohnt sich. Redaktionsschluss für Auf den Punkt war sechzehn Uhr. Produziert hat diese Folge Julius Zimmer.

Vielen Dank fürs Zuhören Und weil jetzt am Freitag der erste Mai ist, gibt es keine Folge von auf den Punkt. Deshalb bis Samstag!

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