Ist der deutschen Regierung der Gender Pay Gap egal? - podcast episode cover

Ist der deutschen Regierung der Gender Pay Gap egal?

Jun 07, 202611 minEp. 2251
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Episode description

Gender Pay Gap, das ist die Lücke zwischen dem was Männer verdienen und dem was Frauen verdienen. In Deutschland gibt es da im Durchschnitt knapp 16 Prozent Unterschied. Und selbst, wenn man rausrechnet, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten und eher Berufe ausüben, die schlecht bezahlt werden, dann ist der Unterschied immer noch da. Er liegt dann bei sechs Prozent.

Eine neue EU-Richtline soll deshalb für mehr Transparenz bei Gehältern sorgen. Unternehmen müssen demnach mehr offen legen, wie hoch die Gehälter bei ihnen sind. Aber Deutschland hat es nicht geschafft, die Richtlinie rechtzeitig umzusetzen. Der Gesetzentwurf liegt gerade noch beim zuständigen Familienministerium.

Anna Lea Jakobs aus der SZ-Wirtschaftsredaktion sagt im Podcast, dass dieses Versäumnis vor allem für Chaos sorgt: “Die Frauen wissen jetzt erst gar nicht, ab wann sie mehr Rechte zugesprochen bekommen, was das für sie eigentlich bedeutet. Und diese Unsicherheit, die nimmt man nicht nur auf Arbeitnehmerseite wahr, sondern auch bei den Firmen selber. Die wissen wir ja auch überhaupt nicht, auf was sollen wir uns denn jetzt vorbereiten? Sollen wir jetzt schon ein Gehaltssystem einführen, das dieser Richtlinie entspricht oder eben noch nicht?”

Moderation, Redaktion: Antonia Franz

Redaktion: Ann-Marlen Hoolt

Produktion: Laura Sagebiel

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Transcript

Heute ist der siebte Juni. Ein Sonntag und Tag des Videorekorders, aber auch ein wichtiger Stichtag im Kampf gegen den Gender Pay Gap. Bis heute sollten die EU-Länder nämlich eine neue Richtlinie umsetzen, die für mehr Transparenz bei Gehältern sorgen soll – nur Deutschland macht es nicht! Wir verpassen diese Deadline. Hm, was heißt das jetzt? Darum geht's in dieser Folge von Auf den Punkt. Heute am Mikrofizipin ich Antonia Franz.

Das ist die Lücke zwischen dem was Männer verdienen und dem was Frauen verdienen. In Deutschland gibt es da im Durchschnitt knapp sechzehn Prozent Unterschied, und selbst wenn man rausrechnet dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten und eher Berufe wählen die schlechter bezahlt werden dann ist der Unterschied immer noch dar – und zwar bei sechs Prozent. Frauen verdient also in Deutschland im Durchschritt weniger als Männer auch wenn sie dieselbe Tätigkeit in den selben Unternehmen ausführen.

Das ist unfair ganz klar! Und deshalb soll es ja auch geändert werden, und zwar mit mehr Transparenz. Dafür hat sich die EU was überlegt – die hat schon im Jahr zwanzigzehn eine Ent-Geld-Transparenzerichtlinie beschlossen. Das heißt so viel also dass Unternehmen mehr offenlegen sollen wie hoch die Gehälter bei ihnen sind. Aber wie schon gesagt Deutschland hat nicht geschafft diese Richtlinie rechtzeitig umzusetzen. Der Gesetzentwurf liegt gerade noch beim zuständigen Familienministerium.

Dabei zählt Deutschland innerhalb der EU sogar zu den Ländern mit den größten Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen. Meine Kollegin Anna Lea-Jakobs aus der SZ Wirtschaftsredaktion hat dazu recherchiert, ist jetzt bei mir im Studio. – Hi Anna! Wie fatal ist denn diese Verzögerung in deinen Augen? Zunächst lässt sich sagen dass diese Verzergerungen vor allem eines bringt und zwar Chaos. Die Frauen, du hast es gerade schon angesprochen.

Im Durchschnitt verdienen die sechs Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen für die gleiche Arbeit und... Die wissen jetzt erst gar nicht, ab wann sie mehr Rechte zugesprochen bekommen. Was das für Sie eigentlich bedeutet und diese Unsicherheit die nimmt man nicht nur auf Arbeitnehmerseite war sondern auch bei den Firmen selber weil die wissen ja überhaupt nicht. auf was sollen wir uns denn jetzt vorbereiten?

Sollen wir schon ein Gehaltssystem einführen dass dieser Richtlinie entspricht oder eben noch nicht? deshalb warnen auch Rechtsexperten davor damit jetzt einfach aufzuhören als Firma, weil deutsche Gerichte auch Gesetze eigentlich so anwenden müssen, dass sie europarechtskonform sind. Deswegen würde ich sagen diese Verzögerung führt eben vor allem zu einer Unordnung. Vielleicht gehen wir dann nochmal tiefer auf diese Richtlinie jetzt genau ein. also was kann die denn überhaupt leisten?

Was sind da? findest du wichtige Punkte die die EU da rausgearbeitet hat, die Deutschland eigentlich umsetzen sollte wirklich auch was helfen würden. Also erst mal muss man sagen, es ist eine Richtlinie für Transparenz. Was dann mit dieser Transparens passiert? Ob diese Transparents dann wirklich zu Gehaltserhöhungen führt das ist noch meine andere Frage.

aber es ist auf jeden Fall ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung weil sie auf der einen Seite festhält dass Firm schon im Bewerbungsprozess verpflichtende Angaben zu einer Gehaltsspanne machen müssen. Das heißt, man weiß dann schon als Frau okay das wäre ein mögliches Gehalt was ich verdienen könnte in der Rolle? Das macht es natürlich viel einfacher und vorhersehbarer und das ist aber noch ziemlich ungewöhnlich in Deutschland.

also hier geben nur zwölf Prozent der Firmen in Stellen Ausschreibungen an und das zeigt eben Deutschland ist einfach wahnsinnig intransparent was das angeht. Dann kommt noch dazu dass Filme auch in einer regelmäßigen Zeitspanne einen Report veröffentlichen müssen und in diesem Report ist dann genau aufgeschlüsselt. Wie sieht es denn eigentlich aus mit dem Gender Pay Gap bei uns in der Firma?

Da ist eben der Gedanke dahinter, dass das zu mehr Druck führt, Druck in der Öffentlichkeit, dass Firmen eben Angst haben vor schlechter Presse aber auch Druck innerhalb der Firma daran struktuell etwas zu ändern. Jetzt sagt ihr aber die CDU, also zum Beispiel jetzt die frauenpolitische Sprecherin Anne König. Dass diese EU-Richtlinie gar nichts bringen würde für die Gleichberechtigung sondern eher für Konflikte in Unternehmen sorgen würde? Ist das denn eine berechtigte Sorge? hat sie dann Punkt?

Ich glaube man kann schon sagen dass das zu Konflikten führen wird. wir können uns ja mal alle vorstellen Wir sind in einer IT-Firma und dort verdient eine Frau, das sieht man jetzt schon laut Studien unter Masterabsolventen, fünfzehn Prozent weniger. Das ist erstmal eine sehr abstrakte Zahl.

aber wenn diese Zahl dann auf einmal in einer Firma stattfindet und eine Frau merkt hoch okay ich verdiene wirklich mehrere hundert Euro weniger im Monat als mein männlicher Kollege, dann kann das natürlich zu Konflikten führen. die Frage Wollen wir diesen Konflikt oder nicht? Die Alternative wäre ja, dass Frauen weiterhin weniger verdienen. Und das trägt auf jeden Fall zu ihrem Armutsrisiko bei, das ohnehin größer ist als das Armuts-Risiko von Männern.

und wenn man dann eben war Jahrzehnte hinweg weniger als der männliche Kollege verdient, zahlt man eben auch weniger in die Rentenkasse ein hat vermutlich auch ohnehin schon weniger Rücklagen. es durchaus sinnvoll für viele Frauen, dass das Thema in ihrer Firma jetzt transparenter wird? Ein anderer Punkt der ja immer wieder angeführt wird gegen diese Richtlinie gegen mehr Transparenz bei Gehältern ist Bürokratie.

Also Arbeitgeberverbände aber auch die Union sagen ach, es ist ein neues Bürokrantiemonster, dass wir uns da aufhalten! Ist das denn eine berechtigte Kritik? dass diese Richtlinie zu mehr Bürokratie, zu einem höheren Aufwand für Firmen führen wird. Das ist so.

Das schätze ich auch so ein weil man muss sich das mal vorstellen eine Firma die hat vielleicht noch gar nicht ein systematisches Datensystem wo dann die Gehälter irgendwie so hinterlegt sind, dass es auch dafür ausgelegt ist den Gender Pay Gap zum Beispiel zu erheben. also Für solche Firmen ist es schon ein erheblicher Aufwand. Ich glaube, das muss man auch anerkennen.

Die Frage ist – und da scheiden sich eben die Geister, da sagen sie einen ja wir brauchen diesen Aufwand, die anderen sagen nein gibt's nicht auch andere Lösungen? aber die Frage ist wollen wir diese Bürokratie oder können wir auch irgendwie anders zu mehr Gerechtigkeit kommen wenn es um Gehälter geht? Und da gibt es eben verschiedene Ansichten. Die CDU ist der Meinung, das ist keine gute Idee.

die SPD sagt naja lasst uns lieber an anderer Stelle Bürokratie abbauen aber eben nicht dort wo es um die Transparenz von Gehältern geht. Jetzt ist ja nun mal diese Richtlinie da. Deutschland hat jetzt nicht geschafft die in der vorgegebenen Frist umzusetzen. Woran ist das dann jetzt gescheitert, würde ich so sagen? Also man hatte jetzt eigentlich drei Jahre Zeit.

War es eben eher diese Befürchtungen bei den Arbeitgeberverbänden und der Union oder ist es einfach zu kompliziert gerade noch die Richtlinie umzusetzen? Also woran ist es da gescheitert? Ich glaube schon dass vor allem daran liegt, dass die Bundesregierung also vor allem die Union Unternehmen nicht so sehr belasten will Anstatt dass es jetzt so kompliziert ist, das Gesetz dafür zu schaffen. Man muss natürlich auch sagen die Lage für Unternehmen ist natürlich gerade alles andere als einfacher.

also wir haben auf der einen Seite den Iran Krieg, die Inflation und ohnehin große Wettbewerbsfragen was China angeht genau. Das heißt die Wirtschaft befindet sich natürlich gerade in immensen Herausforderungen und die Antwort der Union ist eben okay. wir wollen nicht noch etwas draufsetzen auf diesen Berg von Herausforderungen. Wie sieht jetzt der weitere Plan aus? Also was für ein Zeitplan hat die Bundesregierung aktuell bis wann das Gesetz jetzt umgesetzt wird?

Das Familienministerium von Karin Prien, also die kümmert sich ja um das ganze Thema. Die hat uns mitgeteilt dass die Umsetzung der Richtlinie jetzt für Anfang im Jahr ist geplant und ein Jahr später, also im Juni den ersten Mal einen Bericht schreiben zu ihrem Gender Pay Gap. Auch nicht jede Firma, aber eben Firmen ab einer bestimmten Größe. Das heißt der ursprüngliche Zeitplan ist jetzt um ein Jahr verzögert.

Muss ich mich dann bis dahin wenn ich jetzt unfähige Halsunterschiede doch schon kenne in meinem Unternehmen oder feststelle. muss sich das jetzt einfach so hinnehmen bis dahinn? Oder kann ich auch jetzt schon was machen? Nee auf keinen Fall muss man es hinnehmen! Es gilt ja heute auch schon das Endgeldtransparenz gesetzt. Das geht halt in vielen Punkten nicht so weit wie die U-Richtlinie.

Aber für diejenigen, die eben wissen – hier gibt es einen unfairen Gehaltsunterschied – sie haben natürlich die Möglichkeit das mit dem Betriebsrat zu besprechen und dann als letzte Möglichkeit dagegen zu klagen. Alles klar! Vielen Dank fürs Gespräch Anna. Danke schön Nächste Woche geht ja die Fußball-WM der Männer los. Ich muss sagen, ich bin noch nicht wirklich im WM Fieber aber auf eine Sache freue ich mich schon und zwar auf die Tipprunden!

Ich habe nämlich schon fest eingeplant wieder eine Tipprunde für unsere Podcast Redaktion zu erstellen. Was denken Sie denn während diesem Jahr die WM gewinnt? Und wer es vielleicht ins Finale, Halbfinale oder Viertelfinale schafft? Ich freu' mich wenn sie mir noch Tipps schicken am besten per Mail an podcastatst.de Oder sie kommentieren einfach diese Folge bei Spotify. Ja, und dann werden wir es Mitte Juli wissen wer recht hatte.

Das war's auf jeden Fall mit dieser siebter Juni-Ausgabe von Auf den Punkt. Redaktionsschluss war um sechzehn Uhr. Produziert hat diese Folge Laura Sagebiel. Vielen Dank fürs Zuhören!

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