Comeback der Atomkraft? - podcast episode cover

Comeback der Atomkraft?

Apr 26, 202614 minEp. 2211
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Episode description

Vor 40 Jahren explodierte der Reaktorblock des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl: Der folgenschwerste nukleare Unfall, den die Welt je erlebt hat. Massenweise radioaktives Material gelangte in die Atmosphäre. In Belarus, der Ukraine und Russland wurden ganze Landstriche verseucht. Regen und Wind haben die Schadstoffe damals außerdem in großen Teilen Europas verteilt.

Noch heute leiden Menschen an den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe. Und immer noch diskutieren wir über das Für und Wider von Atomkraft. Angesichts der gestiegenen Preise für Öl und Gas fragen sich viele Menschen, ob Deutschlands Abkehr von der Atomkraft nicht ein Fehler war. Brauchen wir nicht gerade jetzt Atomstrom, um die Energiekrise abzuschwächen?

Michael Bauchmüller, SZ-Experte für Energiepolitik, hält das für einen Fehlschluss. Er plädiert dafür, dass die Politik konsequent auf erneuerbare Energien setzt. Warum, erklärt er in dieser Podcastfolge von „Auf den Punkt“.

Weitere Nachrichten: Bewaffneter Zwischenfall bei Korrespondenten-Dinner mit Donald Trump; wieder keine direkten Gespräche zwischen USA und Iran in Islamabad; Bundespolitikerinnen von Phishing-Angriffen beim Messengerdienst Signal betroffen.

Zum Weiterlesen: Washington ist am Wochenende nur knapp einer Katastrophe entkommen: Lesen Sie hier einen Kommentar von Nicholas Richter. Spionage-Angriff über Signal: Hier erfahren Sie mehr über die Phishing-Affäre. 40 Jahre Tschernobyl: Wo sich die Spuren der Katastrophe noch heute zeigen, lesen Sie hier. Die Recherche über Serien-Zensur aus Russland finden Sie hier.

Moderation, Redaktion: Ann-Marlen Hoolt Redaktion: Dimitri Taube Produktion: Laura Sagebiel

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Transcript

Vor vierzig Jahren explodierte der Reaktorblock des ukrainischen Atomkraftwerks Chernobyl. Der folgenschwerste nukleare Unfall, den die Welt bisher erlebt hat. Atomstrom hat seitdem einen zweifelhaften Ruf. Ja das ist günstige Energie aber sie kommt mit Risiken! Wie sehr brauchen wir noch Atom Kraft? Gerade jetzt wo der Iran Krieg die Energiefersorgung durcheinanderwirbelt.

Darüber spreche ich gleich anlässlich des vierzigsten Jahrestag der Chernobil Katastrophe mit Michael Bauchmüller SZ-Experte für Energiepolitik. Sie hören den SZ Nachrichten-Podcast auf dem Punkt, mit mir an Marlene Holt. Es ist Ende April sixundachtzig. da wird im Kernkraftwerk Chernobyl ein Sicherheitstest durchgeführt. Routinearbeit eigentlich aber dieses Mal geht etwas schief. danach ist die Welt eine andere.

Durch die Expressionen im Reaktor schleudert radioaktives Material in die Atmosphäre. Hundertfünfzigtausend Quadratkilometer werden verseucht In Belarus der Ukraine und Russland ein Gebiet, in dem damals fünf Millionen Menschen gelebt haben. Regen und Wind verteilen die Schadstoffe in ganz Europa, die Behörden versuchen die Katastrophe zu vertuschen – und es dauert Tage bis die Öffentlichkeit davon erfährt und noch mal viel länger bis die betroffenen Menschen in Sicherheit gebracht werden.".

Das ist jetzt vierzig Jahre her! Und immer noch leiden Menschen an den Folgen der Katastrophes von Chernobyl. Wenn Sie mehr zu den Folgenden dieses Supergauss lesen wollen, dann schauen Sie gerne mal in die Show-Notes. da habe ich Ihnen ein paar Texte dazu verlinkt. Bis heute gilt Chernobyl als Warnung, dass Atomkraft nicht ohne Risiken kommt. Für die Menschen und für die Natur.

Deutschland hat sich deshalb entschlossen alle Atomkraftwerke hierzulande abzuschalten – das war kurz nach dem Reaktorunfall von Fukushima – und zur Zeit fragen sich viele Menschen und Politikerinnen und Politika ob es eigentlich eine gute Idee war damals die Atomkräfte aufzugeben. Brauchen wir nicht gerade jetzt in der Energiekrise den Atomstrom ganz dringend? Das frage ich jetzt meinen Kollegen Michael Bauchmüller aus dem SZ-Bürow in Berlin.

Ich war noch nicht geboren, als der Reaktor in Charnobyl explodiert ist? Kannst du dich noch daran erinnern?". Irgendwie komisch. Und ja, es gab ja so ein paar Auswirkungen auch in Deutschland, das war plötzlich keine Pilze mehr sammeln sollte. und also bis heute wenn ich Pilze finde denke ich daran ob da noch irgendwelche Chernobyl-Struhen dran sein würden. Es ist ja auch so dass wir in Deutschland schon seit gut drei Jahren keinen Atomstrom mehr produzieren.

aber jetzt ist Energiekrise, Gas wird immer teurer. was würdest du sagen? waren wir damals vielleicht doch ein bisschen zu vor schnell als wir die Abkäfer am Atomström beschlossen haben? Also die Debatte läuft natürlich heute. Es gibt ja auch viele Menschen, die immer noch sehr dieser Zeit hinterher trauern.

Man muss sagen, die deutschen Reaktoren, die damals abgeschaltet wurden waren ja oftmals die Jüngsten also die werden also schon zum Zeitpunkt ihrer Abschaltung dringend mal völlig gewesen für eine gründlichere Vision und von daher scheint mir manchmal diese Vorstellung ach wir hätten jetzt eine ich sage nicht strahlende sondern wunderbare Zukunft, wenn wir diese Atomkraftwerke noch hätten. Aus meiner Sicht ziemlich übertrieben.

Zum anderen muss man ja auch sehen dass wir mit erneuerbaren Energien jetzt auch viel Strom am Netz haben der schwankt also je nachdem wie die Sonne scheint und der Wind weht. das heißt sie brauchen eigentlich Kraftwerke als als Gegenparts die auch ähnlich schnell hoch und runter fahren können und das ist ein atomkraftwerk gerade nicht. das heißt eigentlich Für die Energiewelt, in die wir stören ist Atomkraft nicht geeignet und sie war schon vor drei Jahren nicht geegnet.

Und vor zehn Jahren eigentlich auch schon nicht. Also insofern halte ich das nicht für einen übereilten Ausstieg sondern für einen überfälligen. Warum wollen dann so viele Politikerinnen trotzdem zum Atomstrom zurück? Ich muss ehrlich sagen mich erstaunt es auch dass es immer wieder diese Forderungen gibt Selbst wenn wir jetzt mal anschauen, die Projekte wo in Europa zuletzt Atomkraftwerke gebaut wurden das waren eigentlich Albträume.

Also wir haben in Flammeville in Frankreich und in Okilotho in Finland neue Kraftwerke gesehen. Die sollten in fünf Jahren fertig werden und waren es nach siebzehn. Flammville sollte ursprünglich einmal um die fünf Milliarden Kosten geworden sind bis über dreinundzwanzig Und der Strom, der dort produziert wird, wird über zwölf Centie Kilowattstunde kosten. Wenn ein hierermaßen wirtschaftlich erzeugt werden soll.

Also weit jenseits dessen was man mit einem Wind oder Solarpark an Strom gestehlungskosten hat. also es ist weder günstig noch ist eine schnelle Lösung. und da haben wir noch gar nicht über die Sicherheitsprobleme und die offene Frage der Atommüll Endlagerung gesprochen. Es sind so viele Evidente, offensichtliche Nachteile damit verbunden. Dass sich immer wieder staunen wird, dass man ernsthaft im Jahr für die Neue Atomkraft erlangen kann.

und wenn wir auf die alten Atom Kraftwerke schauen also die vor drei Jahren abgestaltet wurden sie sind mittlerweile auch so weit zurückgebaut das es Milliarden verstiegen würde Sie überhaupt wieder in den Stand zu versetzten Strom zu erzeugen Und das sicherlich auch, er ist in vielen Jahren und wenn wir gleichzeitig die erneuerbaren Energien weiter ausbauen und uns darum bemühen.

Aus diesen Erneuerbahnen auch ein funktionierendes Stromsystem zu machen indem wir Batterien dazustellen und Berstkraftwerke für Flautenzeiten dann kommen diese Atomkraftwerken zum Zeitpunkt wieder ins Netz, wenn eigentlich der Drops längst gelutscht ist. Ich denke dass Deutschland auf einem sehr guten Weg ist für eine stabilen Erneuermahnschromerzeugung und Atomkraftwerke bringen uns von diesem Weg nur ab. Und vielleicht ist das ja auch das Ziel. Aber trotzdem werden Öl- und Gas immer teurer?

Was ist alternative Energie, die wir jetzt nutzen können? Naja, wir haben die Energie, ja! Wir wissen auch wie wir sie nutzen, Wind und Sonne. Wir sind auf dem Weg zur Achtzigprozentanteil an der Stromerzeugung liegen gerade bei Sechzig Prozent. Wir wissen was zu tun ist um die Volatilität dieser Energien auszugleichen.

Wir werden auch natürlich noch viel mehr über Digitalisierung der Netze reden müssen und wir haben gleichzeitig auch Technologien, mit denen wir mehr und mehr diesen Strom nutzen können um zum Beispiel Wärme zu erzeugen oder uns auf Straßen vorzubewegen. also technologisch haben wir alles beisammen um daraus ein klimaneutrales Strom- und Energiesystem auf Dauer zu machen das nicht abhängig ist von Energien, die dummerweise durch die Straße vom Hummus müssen.

Wenn du sagst technologisch haben wir alles zusammen? Politisch auch? Ich zweifle immer wieder weil eben auch immer wieder diese Schüsse von der Seitenlinie kommen beispielsweise Atomenergie. ich kann nur davor warnen jetzt diese Wege zu verlassen und alles wieder in Frage zu stellen denn das ist letztendlich auch eine der Lernen aus Tschernobyl. Das Schlimmste, was man in der Energiepolitik anrichten kann ist ein ständiges Hin und Her.

Und ich hoffe dass wir in solche Diskussionen nicht wieder reinkommen sondern einmal tatsächlich jetzt auch eine Energiepolitik durchziehen weil alles andere macht die Sache einfach nur unendlich teuer. Aber wir haben ja schon auch sehr prominente Stimmen die sich für die Atomkraft einsetzen. Ursula von der Leyen zum Beispiel hat gesagt Die Abgär von der Atomkraft war einen Fehler Und wir haben zum Beispiel auch Markus Söder, der Forderungen nach Mini-AKWs stark macht.

Also das Argument ist ja die Technologie ist viel weiter und wir können da technologisch auch viel mehr rausholen, dass ganz anders aufziehen als wir das vor vierzig Jahren gemacht haben. Bei Ursula von der Leyen ist wahrscheinlich auch die Brille der Kommissionspräsidentin entscheidend weil in Europa sehr viele Länder also allen voran Frankreich eben immer noch stark auf Atomenergie setzen und Ursula Von der Leinen natürlich auch versucht alle irgendwie gerecht zu werden.

Und gleichzeitig, und das scheint sowohl von der Linne als auch Markus Söhner irgendwie zu beeindrucken gibt es eben diese Vorstellung wir schaffen eine neue Generation von Atomkraftwerken. Diese kleinen modularen Reaktionen. Das ist so einer dieser Technologieträume die eigentlich auch die Kernkraft schon begleiten.

seit es die Technologie gibt existent bisher auf dem Papier, technologisch zum Teil auf Konzepten brunt die schon Jahrzehnte alt sind und sich bisher auch nicht als Machtheit erwiesen haben. Und es gibt eben noch keinen dieser kleinen modularen Reaktoren. Wenn es sie gäbe, müsste man da auch die Frage stellen wie ist das mit dem Atomöl? Man muss die Frage Stellen sind dann wirklich viele kleine modulare Reaktionen am Ende billiger als ein großer und damit wirtschaftlicher.

Man muss sich fragen, können die überhaupt wenn sie denn irgendwann mal produziert werden? Ein Platz finden in einem Energiesystem das in der Zwischenzeit eben dann schon bei hundert Prozent erneuerbaren steht und stabil funktioniert? also es gibt so unendlich viele Fragezeichen und da habe ich noch gar nicht das Fragezechen erwähnt dass es gar kein Regelwerk für diese Reaktoren gibt. Wir brauchen ja auch Regeln, die die Menschen vor Ort davor sichern.

Dafür muss man aber Erfahrungen haben mit diesen Anlagen dafür muss man wissen wie sie überhaupt funktionieren. also das wird Jahre dauern und dann reden wir irgendwann über Fertigstellungstermine jenseits des Jahres zwei tausendfünfundvierzig oder zweitausend fünfzig wenn Deutschland Europa klimaneutral sein wollen. da würde ich sagen also das Thema sollten wir vorher schon gelöst haben mit einer klimafreundlichen Energieerzeugung.

Michael, ich höre sehr deutlich raus wie du zur Atomkraft stehst. Aber wenn du dir mal einmal anschaust wer sich da jetzt äußert, wer sich stark macht für die Atomkraft? Wie der Diskurs gerade läuft Für wir wahrscheinlich hältst du es denn dass die atomkraft doch nochmal ein comeback bekommt bei einer skala von null bis hundert Null weil also jedenfalls was deutschland anbelangt Ich sehe nicht das das in vorhersehbaren zeitpunkten überhaupt reif wird.

Ich sehe Nicht Dass Wer Zu dem Zeitpunkt Wo Es Reift wird ist überhaupt noch brauchen und vor allem sehe ich nicht, dass es irgendwie konkurrenzfähig sein soll gegen mittlerweile etablierte erneuerbare Energien die zu Preisen zu installieren sind. Die einen Bruchteil dessen betragen was für neue Atomkraft gerade aufgerufen wird. Danke dir für deine Einschätzung. sehr gerne In den Nachrichten. blicken wir jetzt zuerst nach Washington.

Da sind in der Nacht auf Sonntag Schüsse gefallen, gerade als Donald Trump bei einem Dinner-der-White House-Karrespondenten eine Rede halten sollte. Ein bewaffneter Mann hat versucht zudem sehr gut gesicherten Dinner vorzudringen – er hat dabei auf Agenten des Secret Service geschossen und hat den Gala Raum aber nicht erreicht. Da wäre er auf Donald Trump getroffen und auf sein gesamtes Kabinett. Aber der Mann will festgenommen und er soll am Montag vor Gericht gestellt werden!

Mein Kollege Nikolas Richter sagt dazu, die USA sind an diesem Wochenende nur knapp einer Katastrophe entgangen. Ein Kommentar von ihm dazu finden Sie in den Schaunuts. Im Iran-Krieg warten ja gerade alle darauf dass die USA und Iran über ein mögliches Ende des Krieges sprechen. aber schon wieder sind direkte Gespräche in Islamabad ausgefallen. noch bevor am Samstag die US Delegationen anreisen konnte ist der iranische Außenminister schon wieder abgereist.

Daraufhin haben die USA ihre Reise nach Pakistan abgesagt Und das schon zum zweiten Mal in einer Woche. Immer noch gibt es keinen Termin für eine zweite Verhandlungsrunde zwischen den beiden Kriegsparteien. Freitagabend ist bekannt geworden, dass es massenhaft Fishing-Angriffe bei Messengerdienst Signal gab und dass viele Bundespolitiker davon betroffen sind – darunter Baumanisterin Hubeck, Familienministerin Prin und Bundestagspräsidentin Klöckner! Die Fishingmasche, die geht so.

Über das Signal wurden falsche Sicherheitsmeldungen verschickt mit der Aufforderung ein Pin einzugeben und wer das gemacht hat, der hat den Hackern dann unfreiwillig den Zugriff auf alle Signalnachrichten gegeben. Die Bundesanwaltschaft ermittelt deswegen jetzt wegen Spionage. Russland soll nämlich hinter dem Angriff stecken. Eine offene Frage ist aber noch.

Wieso sind so viele Politiker und Politikerinnen, die sich ja wirklich auch mit Sicherheitsmaßnahmen auskennen sollten auf so eine eigentliche ziemlich einfache Fishing-Masche reingefallen? Auch dazu finden sie den Shownots einen Text verlinkt! Falls Sie mal in Russland sein sollten und dort in Ihre Lieblingsserien reinschauen dann könnt Ihr ihn auffallen, dass da ein paar Szenen fehlen.

In Russland wird nämlich zensiert nicht nur bei politischen Inhalten sondern auch im Unterhaltungsprogramm immer wenn es um Themen geht Die Mausgau nicht passend LGBTQ-Themen, Sexualität, Drogen, Suizid. Kollegen von mir haben das Ausmaß dieser Zensur analysiert und dann sehr anschaulich aufbereitet anhand von Serien wie Game of Thrones oder Euphoria. Schauen Sie da gern mal rein! Der Link ist in den Schaunots. Redaktionsschluss für Auf dem Punkt war heute fünfzehn Uhr.

Vielen Dank an Laura Sagebill fürs Produzieren dieser Sendung – und natürlich auch vielen Dank an sie fürs Zuhören. Ich sag' bis morgen.

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