Von der Welpenstunde zur Junghundegruppe und dann weiter in das große Einmal 1 der Erziehung und Beschäftigung. Wir haben eine Hundeschultstruktur geschaffen, die sehr ähnlich ist der menschlichen Schultstruktur und die gleichen Negativauswirkungen hat. Besonders bemerkbar macht sich das, meiner Meinung nach, in den Welpen und Junghundegruppen. Und genau um diese Junghundegruppen
soll es heute gehen. Ich verrate dir nämlich in der heutigen Episode, warum Junghundegruppen, meiner Meinung nach, der Startpunkt von Leinenaggression, Sozialverhaltens- und Erregungsproblemen sind und du daher einen großen Bogen um sie machen solltest. Hi, ich bin Annem Bucher und du bist gelandet bei einer neuen Episode vom Anders mit Hund Podcast.
Vielleicht hast du es mitbekommen, wie ich auf die D-Dieser-Episode gekommen bin. Ich saß an einem See und wollte in Ruhe arbeiten, meine Stille genießen, auf den See gucken und bin geraten zwischen zwei Partys von ganz jungen Leuten. In dem einen Fall ein 18. Geburtstag ohne Erwachsene, dafür mit Alkohol und jeder Menge Alkohol und einer Gruppe von sagen wir mal so Leuten, ich schätze sie auf 22 bis 27, die an unterschiedlichen Plätzen gefeiert haben und ich konnte die
Partys gut beobachten. Am Anfang habe ich mich total geärgert und dann habe ich mir gedacht, irgendwie sehr spannend, weil mich das Ganze doch sehr an Hunde in der Jugendentwicklung erinnert. Natürlich können wir nicht alles von Menschen auf Hunde übertragen, aber diese Situation hat mich eben zu dieser Episode inspiriert und ich möchte auch bei dem Beispiel der jugendlichen Menschen in dieser Episode immer wieder bleiben, um dir etwas plakativ deutlich zu machen.
By the way, diese Phase, diese junge Hunde-Jugend-Entwicklungsphase, die ist wichtig. Die hat ganz, ganz viele Funktionen und damit diese Funktionen gewährleistet sind, damit der Organismus, das Individuum diese Funktionen auch durchlebt, geschehen eben im Körper bestimmte Prozesse.
Die sind bei Menschen wie Hunden identisch. Das heißt, bei Menschen wie Hunden werden bestimmte Gehirnbereiche vom Denkvermögen abgeknabst, beziehungsweise sind schlechter erreichbar, bestimmte Hormone nehmen zu, äußere und innere Geschlechtsmerkmale reifen heran. Und was auch bei beiden gleich ist, man nennt eigentlich die Phase bis zur Entwicklung der
Geschlechtsreife Pubertät und die frühe vorhandene Geschlechtsreife Adolescence. Und uns geht es heute wirklich um diesen Bereich bis zum Erreichen der Geschlechtsreife und ein Stück darüber hinaus, wenn so die ersten Monate der Geschlechtsreife da sind. Das kann man nämlich sehr wohl vergleichen. Was haben wir nicht beim Hund? Wo können wir natürlich nicht vergleichen? Ein Hund kennt keine kulturellen und gesellschaftlichen Regeln, wie wir das kennen und hat auch keine entsprechende
Erziehung. Was macht man? Was macht man nicht? Was ist respektlos? Was ist höflich? Was ist freundlich? Wie verhält man sich in dieser Art und Weise diese ganzen Etiketten? Die hat er nicht. Was ist vergleichbar? Vergleichbar sind die ersten emotionalen Reaktionen und auch die Erregungsverläufe, wenn eben bestimmte Dinge miteinander in der Interaktion passieren bzw. bestimmte Konstellationen her sind. Das heißt, das können wir vergleichen. Alles,
was so den kulturellen Status hat etc. oder auch ein Reflektieren von Handlungen. Du weißt genau, dass du mich da letztens geschubst hast und solche Sachen. Das können wir mal schön weglassen. Das macht das Ganze ein bisschen einfacher im Kontext der Hunde, aber trotzdem ist viel Gleiches. Als ich jetzt diese Jugendlichen beobachtet habe, war es total spannend zu sehen, was passierte, solange jeweils ein Gerüppchen Jungs unter sich war. Da gab es so ein bisschen Wettstreit,
Kräftemessen. Wer kann schneller schwimmen? Wer springt mit der besseren Arschpumpe in den See? Wer kann was besonders gut? Das war alles auf eine spielerische Art und Weise und es war ein permanentes gegenseitiges Taxieren, Vorschnellen, Zurückspringen, Vorschnellen, Zurückspringen und es war dadurch spielerisch. Das war auch so, als die beiden Jungsgruppen der verschiedenen Partys sich mischten. Da wurde es ein bisschen, bisschen mehr von der Erregung und der Lautstärke.
Man hat gemerkt, dass einige Jungs ein paar Schritte zurückgegangen sind, sich aus der Gruppe entfernt haben, ein paar andere besonders laut wurden. Das heißt, da konnte man schon so merken, wie der Konkurrenzkampf und der Wettstreit und der Ehrgeiz ein bisschen mehr hoch. Aber alles total friedlich. Umgekehrt, die Mädels der einzelnen Gruppen haben sich überhaupt nicht miteinander vernetzt. Die waren eher jede Mädelsgruppe für sich. Sie waren stiller,
sie waren leiser, sie waren ein bisschen außerhalb dessen. Sie haben sehr viel taxiert, die Situation, sehr viel beobachtet, sind sehr viel auf Distanz gegangen und haben auch mitminder garantiert ein bisschen Grenzen getestet und sich ausgetaucht. Also tauscht in Form von non-verbalem "wie weit kann ich bei dir gehen?" nur eben nicht so laut und nicht auffällig. Es geschieht unterschwelliger. Trotzdem konnte man auch da Blicke beobachten, zum Beispiel distanzierende
Blicke. Man konnte Gesten beobachten, dass wenn eine distanzieren geguckt hat, die andere sich ein bisschen zurückgelehnt hat. Auch da kann man also dieses "vor, zurück, vor, zurück" beobachten. Ich möchte nämlich auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass Mädels die Super-Schwestern schafft miteinander haben, während Jungs sich immer messen müssen. Das ist totaler Mumpitz. Man weiß sogar, dass Auseinandersetzungen zwischen Rüden häufig glimpflicher abgehen als zwischen
Hündinnen. Sie sind häufig lauter, sie geschehen auch oft scheinbar schneller und ohne größeren Grund. Aber wenn Hündinnen sich untereinander streiten, kommt es zu viel krasser und Verletzungen häufiger und es wird viel heftiger. Also bei Jungs und Rüden haben wir halt mehr dieses "gemacker" und das wirkt erst mal lauter, pompöser, vielleicht auch aggressiver. Bei Mädels hat man eher dieses "zurückhaltendere" scheinbar, aber dann, wenn Grenzen überschritten werden, kann es
heftig werden. Das heißt, wir können übertragen genau diese ersten emotionalen Reaktionen, Gesten etc. wirklich von jungen Menschen auf Hunde. Warum ist das so? Naja, lass uns mal zu den Hunden gehen. Hunde leben eigentlich in anderen Strukturen, als wir das tun. Ein Hunde Rudel besteht immer aus Elterntieren, Wurf des Vorjahres und danach kommenden aktuellen Welpen. In der Natur ist Inzucht nicht sinnvoll, Inzest nicht sinnvoll und deswegen muss das Vorjahreswelpen
Grüppchen irgendwann abwandern und sich von der Gruppe abspalten. Und das ist ja jetzt genau der Moment, wo die sexuelle Entwicklung vorhanden ist, wo Sexualferhalten beginnt, damit eben keine Inzucht, Inzest stattfindet, sondern dass die Jungtiere abwandern und irgendwo anders für den Erhalt der Art suchen. Und wir haben häufig gemischtgeschlechtlich oder gleichgeschlechtliche größere Gruppen, die dann keine Rudel, sondern eine Gruppe finden, die sich aus nützlichen
Zwecken zusammenfinden. Um zum Beispiel friedliche Allianzen miteinander zu schließen, um gemeinsam einen bestimmten Lebensraum zu verteidigen, zu bewohnen und sinnvoll zu nutzen. Auch hier soll es keine Inzest geben und auch hier soll möglichst wenig Konflikt entstehen, sodass hierfür Sozialfähigkeiten, sowohl für das Leben im Rudel als auch in der Gruppe, müssen soziale
Fähigkeiten ausgebildet werden. In der Regel ist es so, dass wir in diesen Hundegruppen wenig bis keine Welten sehen und Hündinnen mit Welten sich zum Beispiel ein bisschen absondern für einen gewissen Zeitraum und dann wieder mehr in die Gruppe reingehen. Das heißt, dieser Part, wenn die anfangen, im Saft zu stehen, sage ich mal, also ihre sexuellen Hormone auszubringen, der wird von den Gruppen mitgetragen und mitgestaltet, aber auch hier gibt es bestimmte Regeln, die gelernt
werden, die eingehalten werden und es geht immer einher mit einem Spiel von Distanzen. Das Konstrukt, was wir in freier Wildbahn sehen, sind ja in der Regel Rudel und da ist es so, dass eben mit Beginn der Geschlechtsreife die Jungtiere abwandern in Gruppen, wandern sie dann ab, wenn in der Gruppe nicht genügend Fortpflanzungspartner und Ressourcen da wären, um eben die Inzucht zu vermeiden, wenn
die Gruppe zu viele Hunde für den aktuellen Raum bedeuten würde. Damit diese Abwanderung, die deren Zeit eben gekommen ist, wenn die Sexualhormone strömt, dann ist die Zeit der Abwanderung da und die Sexualhormone begünstigen das auch. Damit das Ganze funktioniert, brauchen wir etwas. Wir brauchen mehr Risikobereitschaft und ein höheres Neugier- und Erkundungsverhalten, also ein größeres Bedürfnis nach Selbstbestimmungen und Autarkie, nach Abgrenzung und nach Entdecken.
Für dieses Entdecken brauchen wir mehr Neugier- und Erkundungsverhalten, mehr Risikobereitschaft auf der einen Seite und auf der anderen Seite, weil man ja mehr Wagnisse eingeht, mehr Impulsivität, mehr schnelles Reagieren und schnelle Emotionale und Erregte, Überregung sprechen wir in den kommenden Podcasts noch ein bisschen mehr Reaktionen auf die Umwelt, die sehr schnell, sehr impulsiv sind, damit, wenn ich ein Risiko eingehe und dabei meine Kompetenzen überschreite
und mich in Gefahr bin, ich das schnell zurückordern kann oder schnell zuschlagen kann. Je nach Umwelt, also je höher die Dichte zum Beispiel an Konkurrenz ist, desto mehr wird in dieser Zeit ein Durchsetzungsvermögen und heftige impulsive Reaktionen in Momenten gebraucht. Je geringer die Dichte an Konkurrenz ist, desto mehr wird in dieser Zeit ein aus dem Weg gehen gefördert.
Das heißt, je nach Umwelt wird die Risikobereitschaft, die Bereitschaft sich auf Auseinandersetzung einzulassen gefördert oder eben mit den Bogen drum rumgehen und dem aus dem Weg gehen gefördert. Wir brauchen also für diese sinnvolle Abwanderung grundsätzlich höheres neue Erkundungsverhalten, mehr Risikobereitschaft, mehr Bedürfte daraus entsteht, ein größeres Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Autorgie und je nach Umwelt und je nach Dichte wird dann eben mehr Durchsetzungsvermögen
oder mehr Abstand halten gefördert. Grundsätzlich ist es nämlich so, auch wenn das Testosteron bei den Jungs zum Beispiel die Bereitschaft für Konkurrenzsituationen, für Wettkampf, für Wettstreit, für Risiko erhöht, dass kein Individuum dabei über die Grenze dessen geht, was für den eigenen Organismus gesund ist, solange es nicht in eine große Dichte kommt. Also es ist wirklich die Ausnahme, dass Tiere sich bewusstwillentlich in eine überproportionale
Gefahr geben. Es ist dann auch nicht mehr sinnvoll. Es gibt es in ganz, ganz wenigen einzelnen Ausnahmen, sodass die hier nicht größer erwähnenswert sind. Worum wird konkurriert in dieser Phase? Natürlich um Futter, um Lebensraum, um Sexuallpartner und um Sozialpartner. So dichter, umso dichter die Ressourcendichte auf engem Raum ist, umso mehr Konkurrenzkampf gibt es bei
auch einer entsprechenden Population. Also je weniger Platz, auch wenn viele Ressourcen verfügbar sind, je weniger Platz desto mehr lernt das Individuum Durchsetzungsvermögen über Kraft und heftige Reaktionen, je weiter die Distanz zwischen den einzelnen Ressourcenquellen ist, also je weiter zum Beispiel Futter verteilt ist, je größer der Lebensraum, je mehr Sexuallpartner und
Sozialpartner verteilt sind, desto weniger aktiv ist die Konkurrenz. Wir haben also einerseits Distanz und Nähe als Ursachen für Konkurrenzdruck und andererseits natürlich Populationsdichte. Je weniger Hunde auf Futter, Sozialpartner etc. kommen, desto weniger Konkurrenzdruck. Konkurrenzdruck sorgt für natürlich Druck und Druck sorgt für schnelle emotionalere Reaktionen,
um erstmal die eigenen Bedürfnisse zu stellen und zu sichern. Dieses ganze Paket, mehr Impulsivität, schnellere, heftigere Emotionen, mehr Risikobereitschaft, schneller ansteigende Erregung. All das sorgt dafür, dass das Halten von fokussierter Aufmerksamkeit viel schwieriger wird, viel schwieriger möglich ist, viel mehr Ressourcen, wie zum Beispiel Impulskontrolle, also die Fähigkeit, impulsive Reaktionen zu unterdrücken,
sinkt. Das bedeutet, wir haben zwar immer noch die Möglichkeit, uns zu fokussieren und Aufmerksamkeit auf etwas zu rechten, aber es ist viel viel teurer, viel viel schwieriger und dadurch sorgt es für sinkendes Sicherheitsgefühl, wenn wir es tun müssen, für Überforderung, für Stress, für Druck, teilweise auch für Engangszustände, zu Wut und all diesen Sachen.
Das heißt, ein Jungtier, ganz egal ob es sich dabei um ein pubertierendes Wesen handelt, im Sinne von Mensch oder Hund, neigt zu schnelleren, impulsiveren Reaktionen und alles, was damit zu tun hat, sich auf Dinge sehr zu konzentrieren zu müssen, sehr fokussiert
bei der Sache zu bleiben, Dinge auszublenden, wird extrem schwierig. Es gilt ja darum, eigentlich jetzt abzuwandern, eine eigene Familie zu gründen, andere Individuen zu finden, zu denen ich passe, mit denen ich was teilen kann, dabei auch durch viele Gefahren zu streifen und derjenige, der am besten in der aktuellen Umwelt überlebt, der soll sich fortpflanzen.
Großer Ausflug, damit du überhaupt verstehst, worüber wir hier reden und jetzt gucken wir uns mal die jungen Hundegruppen an, die es so klassisch gibt und wenn ich jetzt über Junghundegruppen spreche, dann denk doch mal bitte an Sportunterricht, Gemischtgeschlechtlichen in der Schule oder auch das, was in Klassen oder Pausenhöfen passiert. Erstens, in der Regel treffen wir in Junghundegruppen beide Geschlechter. Eine etwaige Altersklasse,
beide Geschlechter mit unterschiedlichen Sexualstatus. Das heißt, die einen, je nach Alter, aber ja auch je nach Rasse, je nach Größe, je nach Individualentwicklung, sind schon weiter in Pubertät und Adolescence als die anderen. Durch das entsteht ein extrem hoher Konkurrenzdruck. Ob und wie weit der dein Hund betrifft, hängt sehr stark davon ab, wie weit er in seiner Individualentwicklung ist, also wo seine Hormone zentral stehen und natürlich auch
von der Persönlichkeitstype. Dazu kommt, in Junghundegruppen ist alles dicht gedrängt. Die Ressourcen an Sozialpartnern, die einem wichtig sind. Die Ressourcen an Futterbelohnung, Spiel, Aufmerksamkeit, all diesen Dingen. Und nein, das ist keine Einladung ohne Belohnung zu arbeiten, weil die Knappheit von Belohnungen, so würde es ja bei der Dichte der Hundepopulation pro Quadratmeter, würde es ja wieder schlimmer machen. Das heißt, wir haben viele Individuen,
und wie Mensch. Und bei viel sind wir schon, überleg dir mal, nehmen wir mal an, wir haben eine junge Hundegruppe mit vier Hunden, vier dazu gehörigen Menschen, einem Hundetrainer, dann sind es schon neun Individuen, auf die man gleichzeitig achten muss, um sich sicher zu fühlen. Das heißt, wir haben auf relativ engem Raum sehr viele Lebewesen, dadurch die um Sozialpartner, Sexualpartner, Futter, Lebensraum. All Aufmerksamkeit, all diese Sachen konkurrieren.
Dazu kommt der angedachte Nutzen. In der Regel ist der Nutzen einer Junghundegruppe signalisiert mit, sie sollen Sozialverhalten lernen, sie sollen Gesellschaftstaugliches Verhalten lernen, das Hunde einmal eins und Menschen sollen lernen, ihre Hunde zu führen, zu erziehen, sollen lernen, wie Hunden etwas beigebracht wird. Idealerweise auch wie man Hunde liest, häufig leider nur wie Hunde vermeintlich ticken und nicht wie man Hunde liest.
Dadurch entsteht ganz viel Druck auf diesem dichten Raum. Erstens, keiner von uns Menschen ist davon gefallt, sich miteinander zu vergleichen und dadurch entsteht natürlich ein Leistungsdruck. Zweitens, in der Sekunde, wo wir so in die Situation kommen, dass vielleicht unser Hund und wir Aufgaben nicht so gut lösen können und wir so in die Prüfungs- und Hausaufgabensituation aus der Schulzeit kommen, entsteht da auch wieder ein gewisser Leistungsdruck bei uns.
Für die Hunde ist es ein extrem hoher Druck, wenn sie die Aufmerksamkeit auf die Menschen richten sollen. Die Menschen werden garantiert unzufrieden, wenn der Hund es nicht schafft, kaum jemand ist da dauerhaft echt entspannt. Das heißt, der Hund gerät auch hier, bekommt einen sozialen Druck von seinem Menschen, dazu kommt der ganze Konkurrenzdruck und es wird so ein richtig, richtig schönes Pulverfass.
Dazu kommt, wenn wir jetzt weiter beim Nutzen dem Vermeintlichen sind, das, was Hunde in der Junghunde-Gruppe meistens lernen, ist kaum reproduzierbar für den Alltag. Das ist wie Mathe-Formeln in der Schule pauken und zu Hause sitzen und einem fällt nichts mehr ein.
Gerade in der Konstellation mit verschiedenen Geschlechtern in einer Gruppe passiert jetzt zusätzlich zu diesem Allgemeinen Druck noch der extrem hohe Sexualdruck, und zwar einer seits der innerartlichen Konkurrenz und andererseits der extrem verschiedenen Arten in bestimmten Lebensphasen mit Situationen umzugehen. Denn Jungs haben besonders viel Testosteron, Jungs haben besonders viel Risikobereitschaft.
Hündinnen und Mädchen nicht, die sind da anders in dieser Phase, die sind doch schlau, wenn sie anders sind, weil die Jungs ja gerade so viel Risikobereitschaft haben und wir ja hier gucken müssen, dass es ein Gegengewicht gibt zwischen den beiden. Es soll der stärkste Junge sich fortpflanzen und überleben, gleichzeitig soll aber auch die stärkste Hündin im Sinne von sinnvoll mit Ressourcen umgehen.
Vorausschauend in Anführungsstrichen, Hunde planen nicht und setzen keine Ziele, aber Ressourcen schonenthandeln die Hündin soll überleben. Denn so bekommt die nur ihre Jungen groß. Wenn wir uns jetzt zurück zu der Party begeben und ich dir jetzt berichte, was passiert ist, in der Sekunde wo auch nur ein Mädchen zu der jungen Gruppe gegangen ist oder ein Junge zu der Mädchengruppe gegangen ist, du weißt was passiert, oder?
Die Schreie der Mädchen wurden spitz und schrill, es gab Gekreische, es gab viel Gekicher, es gab ein bisschen mehr Grempel, die Jungs deren Kräftemessungen wurden lauter, rupiger, radikaler. Wenn es die Möglichkeit gab, die in Kontrast zwischen sich und anderen herzustellen und sich hervorzuheben, wurde das getan auch auf Kosten der anderen. Und so entsteht Mobbing. Und das ist tatsächlich das, was in jungen Hundegruppen auch entsteht.
Wenn wir jetzt uns die Jungen Gruppe angucken, bei der sehr viel Spiel und Kontakt miteinander gefördert wird, sehr viel Begegnung geübt wird, dann bringen wir die Hunde immer wieder in einen angeleinten oder umzeunten Bereich in der Regel, in Situationen wo sie nicht eigenständig aus dem Weg können gehen können.
Sie lernen also, dass es eine enge Dichte gibt, eine hohe Dichte, ein enges Zusammensein gibt und da wiederum braucht es Abgrenzung und Durchsetzungsvermögen über schnelle, heftige Reaktionen, und sowohl bei Hündinnen als auch bei Röden.
Und so entsteht bei Hündinnen häufig eine Abwehrhaltung mit dem Abschnappen, dem drauf zu springen und Abschnappen, dem Verbeißen von Hunden, die von hinten kommen und an ihnen abschnüffeln wollen, weil sie nicht die Möglichkeit haben, sich auszuklinken und sich der Situation zu entziehen.
Und wenn das nicht gut funktioniert oder aber auch wenn ihnen da die Möglichkeit nicht gegeben wird, beziehungsweise andere Dinge zu zeigen, dann fangen sie das irgendwann auch an der Leine immer früher und immer früher an, damit sie gar nicht erst in die Bedrängnis kommen. Und bei den Jungs entsteht in der Zeit das, wer lauter, schneller, höher ist, der, wer am meisten Muck hat, wird am meisten wahrgenommen und kann sich am besten von den anderen abheben.
Das heißt, es entsteht auf beiden Seiten ein Konkurrenzdruck, der dann dazu führt, dass Begegnungen mit Artgenossen, mit hoher Erregung, mit mangelnder Selbstbestimmung, mit wenig leisem und abgestuften Kommunikationsverhalten und all diesen Sachen verbunden wird und mit wenig freier Kommunikation.
Das finde ich ist ganz wichtig, dass du dir das merkst, spielen und Kontakt im beginnenden geschlechtsreifen Alter zwischen gemischt geschlechtlichen Gruppen mit Zaun oder Leiner kann, wenn es nicht ideal gestaltet ist, zu genau diesen Dingen führen. Und wenn wir uns eine Hundegruppe oder ein Rudel angucken, dann sind es nicht nur Jungtiere, sondern es sind einige, wenige Jungtiere zwischen vielen Tieren, die längst ausgereift sind.
Das heißt, es hilft dir jetzt auch nicht zu sagen, ja, meine Hundetrainer hat eine junge Hundegruppe, da laufen immer seine Erwachsenen mit und die klären das dann, no way, das ist nicht das, wie das funktioniert. Und da fehlt auch etwas ganz, ganz Wichtiges, was im Zusammenleben von Hunden entsteht, nämlich die Gruppeigene Dynamik und Kommunikation, wie du sie aus Familien oder langen Freundschaften kennst, mit all ihren Feinheiten Abstufungen.
Und genau daraus, ach, ich muss glaube ich mal so eine Podcast-Episode, "Sone machen Hunde unter sich", weil dieser Hunde unter sich sprucht, der da so häufig grassiert, der ist für mich der Inbegriff der Scheiße. Entschuldigung, aber ist so.
Es ist wirklich absolute Scheiße, weil dabei werden nie Hunde als Beispiel genommen, die natürlichen Strukturen leben mit einem gesunden, sinnvollen Miteinander, sondern es werden immer Hundegruppen verglichen, die wild gewürfelt unter dummen Bedingungen leben, aber dazu irgendwann anders mehr.
Also, was lernen in diesen jungen Hundegruppen mit sehr viel Nahkontakt, Spiel und Soziallelementen, die Hunde häufig, Konkurrenz, die Jungs und Mädels Durchsetzungsvermühen, Ümügen und harte Abgrenzung, genauso wie harte Konkurrenz.
Gleichzeitig kommt dazu, dass diese Gesellschaftstauglichkeit infrage gestellt gehört und das einmal eins in Form mit Üben und Lernen und Co. Dafür sorgt, dass die Hunde unter extremen Druck geraten, weil eben die Impulskontrolle so gefordert wird, weil eben in einem nicht sicheren Umfeld vor den Augen von konkurrenten Dinge von ihnen erwartet werden, die wieder ihrer Natur sind. Das Ganze gießt so richtig, richtig Öl ins Feuer.
Jetzt kann man sagen, alles klar, dann machen wir halt moderne Gruppen und die sind ein Kompromiss und sie sind besser als die Gruppen, die ich eben so genannt habe. Eine moderne Kompromiss-Gruppe wäre für mich zum Beispiel kleinere Gruppe, zwei bis vier Hunde.
Am liebsten wirklich nur zwei, drei sind häufig nämlich schon einer zu viel, gleichgeschlechtliche oder nur duos in einer Umwelt, die für die Hunde spannend ist, so dass sie sich nicht nur miteinander beschäftigen, also keinen Hundeplatz, sondern zum Beispiel gemeinsames Spazieren gehen. Da aber immer darauf achten, was kommt von außen.
Zum Beispiel, wenn bei einer gemischtgeschlechtlichen Duo ein anderer Hunde dazukommt, kann ja der Konkurrenzdruck steigen, genauso wie bei gegen gleichgeschlechtlichen Gruppen ein gegengeschlechtlicher dazukommt. Da braucht es dann wirklich die Fähigkeit, weiter auseinanderzugehen, die Möglichkeit auszuweichen, all diese Sachen. Dann ganz wichtig, Fokus nicht auf bedürfnisorientierter Belohnung, sondern auf Bedürfnisorientierung.
Das heißt, zu schauen, welche Bedürfnisse haben die Hunde sozial miteinander, haben die das Bedürfnis miteinander zu erkunden, haben beide das Bedürfnis aneinander zu erkunden, was sind die Bedürfnisse des Einzelnen und möglichst die Situation so herzustellen, dass das, was wir gerne im Alltag sehen wollen, in der Sekunde Bedürfnis für diese beiden Hunde ist oder für diese drei oder vier Hunde ist und das wiederum verstärken.
Das heißt, wir gehen weg von Funktion, von Leistung, von klassischen Übungen, von Funktionieren und wir gehen hin zu, wie können wir das Setting so gestalten, dass die Hunde ganz automatisch das zeigen, was wir im Alltag für sehen wollen und wir das lohnenswert machen können. So, das heißt, wir haben ganz wenig bis gar kein klassisches Training. Wir haben ein Setting, dass die Hunde automatisch das zeigen lässt, was wir sie sehen lassen wollen.
Wir haben dicke Nerven bei den Menschen, wenig Ansprüche, vor allen Dingen darauf, dass sie der Mittelpunkt des Universums ist. Wir haben gut zusammengestellte Gruppen mit gut aufeinander abgestimmten Sexualstatus und wir haben idealerweise noch ein paar Entspannungstools in der Tasche für Krisen-Elemente.
Jetzt kannst du dir als Hunde-Trainerin vorstellen, verdammte Kacke, das ist richtig, arbeitsintensiv, das herzustellen, zu verkaufen, den Leuten klar zu machen, dass das wichtig ist, dass sie so vorgehen. Das ist stöhranfällig für von außen und wir haben den Leistungsdruck, dass andere nicht verstehen, was wir tun und wir angefeindet werden. Das heißt, eine Gruppenstunde kostet hier mindestens, mindestens 60 Euro pro Person.
Damit du die wirtschaftlich gut durchführen kannst, weil du brauchst da richtig viel Setting und richtig viel Arbeit und wenn nur einer spontan absagt bei einem Duo, hast du kein Duo mehr und du hast vielleicht den Kunden, der sich freut, dass da ein Einzeltraining draus geworden ist, vielleicht aber auch den hoch enttäuschten Kunden, weil der ja unbedingt Sozialverhalten machen wollte und der Meinung ist, dass er dafür Leute braucht.
Also an alle Hundehalterinnen daraus draußen eine Gruppenstunde, die euch für 10 Euro die Stunde verkauft wird und wo dann 4, 5, 6, 7 Hunde sind, die kann nicht die Qualität haben. Natürlich heißt es nicht, dass jeder Hunde-Trainer jetzt einfach ein Preistrauschild draufkleben kann, es geht schon um ein Preis-Leistungsverhältnis und um Wert der Gruppenstunde.
Gleichzeitig haben wir das Problem für die Menschen, die diese Gruppenstunden, also für die Hundehalter, die diese Gruppenstunden besuchen, dass wir nicht nur einen höheren Kostenfaktor haben, Investitionscharakter haben, übrigens dafür häufig viel selten dahin müssen und viel mehr mitnehmen, Qualität statt Quantität, sondern wir haben ja auch das, wir etwas Unbekanntes machen, was die Gesellschaft so nicht erwartet.
Es ist ja so, als würden wir unsere Kinder nicht zur Schule schicken und das dadurch eine sehr große Skepsis und sehr viele Zweifel entstehen und sehr viele Fragen im Alltag aufploppen, wo man es sich eben nicht vom Nachbarn abgucken kann. Das heißt, wir brauchen vielleicht auch noch als Hunde-Trainer eine gute Betreuung in der Theorie und im Bereich des Coachings, also des Begleitens der menschlichen Gedanken, Fragen, Welt, Überzeugung. Das wäre ein Kompromiss.
Du merkst, Kompromisse sind an der Stelle wirklich schwierig. Was können wir tun? Wir können erstmal als Hundehalter*innen den Fokus komplett auf uns richten. Wir können mal dieses ganze Schul- und Gruppensystem abstreifen. Unsere Hunde müssen nicht in der Ausbildung, die müssen nicht studieren gehen, die müssen einfach nur mit uns leben und sein. Und wir können gucken, was brauchen wir tatsächlich für unser Leben?
Brauche ich einen Sitz, brauche ich einen Platz, brauche ich einen Beanderlein? Brauche ich ein gutes Medical Training? Was brauche ich wirklich damit mein Hund mit viel Wohlbefinden und in meinem Alltag bestehen kann? Dann gerade in der Jugendentwicklung Fokus auf ein gutes Miteinander.
Das heißt, verlange wenig von deinem Hund und freue dich über jede Kralle, die er dir reichen kann und wirklich ernsthaft freuen, weil sein Gehirn ist eigentlich gerade darauf programmiert, nichts mit dir am Hut zu haben. Sondern seinen eigenen Weg zu gehen. Und es wäre auch gesund.
Und deswegen, nimm das Gute mit, minimiere die Anforderungen und fördere freiwillige Interaktion und Annäherung, indem das wenn sie auftritt und tatsächlich freiwillig ist, du sie richtig gut auffängst, verstärkst und dann deinen Hund aber auch wieder in die Autarkie schickst, in die Selbstbestimmung schickst. Und das ist Punkt 3. Also erster Punkt, Fokus auf das, was du wirklich brauchst. Und zweitens, Fokus auf ein gutes Miteinander. Drittens, Autarkie und Selbstbestimmung ermöglichen.
Schau, dass du so wenig wie möglich in Situationen kommst, wo du dein Hund sagen musst, was er zu tun hat und über diese hormonell sehr aktive Phase eher guckst, dass dein Hund viel frei bestimmen kann und viel frei machen kann. Stell dir das vor, jeder Hund hat wie so eine Waage zwischen Selbstbestimmung und Verbundenheit und in der Jugendentwicklung ist das Bedürfnis nach Selbstbestimmung extrem hoch.
Und wenn du jetzt an der Verbundenheit ziehst und ziehst und ziehst und da immer mehr in die Waagschale wirst, dann wird das Bedürfnis nach Autarkie und Selbstbestimmung immer immer größer. Das heißt, schau, dass du so häufig wie möglich ermöglichen kannst. Über Schnüffelgärten, über Bommelausflüge, Bommeln habe ich schon ein paar Mal während Anleitung findest du im Anders-Mitton-Zirkel.
Über 5° sein lassen, überall diese Dinge falle ich in den Fehler des Grenzensetzens und über immer strengere Regeln nachdenken, dass dazu gehört ein großes Maß an eigener Sicherheit und an Reflektionsfähigkeit bei dir ist mir klar weiß ich. Übrigens zum Thema Grenzensetzen auch große Empfehlungen anders mit Hundzirkel entsteht gerade ein ganz ganz toller Kurs, den ich dir sehr ans Herzen legen möchte. Das war jetzt also Punkt Nummer 3, Autarkie ermöglichen.
Dann würde ich wenige Signale trainieren. Bei uns sind das die Big Five, die wir nutzen mit denen wir die Aufmerksamkeit des Hundes ein bisschen lenken können, den Hund in kritischen Situation lenken können indem wir den Hund entspannen können und verstärken können. Das sind zu unserer Big Five.
Diese wenigen Signale, also dir wirklich überlegen was brauche ich konkret um meinen Hund zu lenken und die wenigen Signale systematisch mit möglichst viel Bedürfnis orientierter Belohnung trainieren, aber nicht möglichst viele Wiederholungen, sondern möglichst saubere Wiederholungen, weil du nur so wenig Aufmerksamkeit zur Verfügung hast. Also Qualität vor Quantität. Nicht viel hilft viel, sondern gezielt. Und Tools für Erregungsspitzen trainieren.
Also selber lernen mit Erregung umzugehen, Erregung abfließen zu lassen oder auch kurzzeitig Erregung abzusenken und andererseits auch damit umzugehen, dass der Hund diese Erregungsspitzen hat und die auch mal ausleben lassen kann. Das ist der nächste Punkt. Und last but not least, geh bitte allem aus dem Weg was Konkurrenzdruck macht. Soweit du das kannst und wenn du in Situation kommst, wo Rengkengkohekonkurrenzdruck entsteht, lass Entspannung einfließen.
Ich hoffe, dieser Podcast hat dir geholfen. Alles was ich hier und heute erwähnt habe, gibt es im Anders mit Hund Zückel. Dort kannst du auch in den Foren durchaus deine Situation schildern und das Wissen von anderen Anzapfen dich beteiligen. Foren leben immer davon, dass alle sich beteiligen.
Dort kannst du eine Menge mitnehmen an diesen Tools, mit denen du eben die Impulskontrolle deines Hundes schonen kannst, indem du gezielt trainieren kannst Aufmerksamkeit zu wechseln, statt zu halten, indem du Tools bekommst, die deinem Hund mehr Selbstbestimmung ermöglichen. Werge ab, ob das das ist was ihr gerade braucht und dann siehst du, dass du in deinem Alltag mit deinem Hund losmarschierst.
Und wenn du eine Trainerin vor Ort hast oder einen Trainer vor Ort hast, der richtig gute alternative DUS in Junghundezeiten begleitet oder im Einzeltraining sowas begleitet, dann ist es auch gut. Aber meide bitte, bitte diese bescheuerten Junghundegruppen und Klassen. Ich danke dir. [Musik] [Ausschrei]
