Rasta Roots: Die Geschichte der Rastafari - podcast episode cover

Rasta Roots: Die Geschichte der Rastafari

Mar 14, 20251 hr 10 minSeason 1Ep. 115
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In der Episode Rasta Roots: Die Geschichte der Rastafari tauchen wir in die faszinierende Geschichte der Rastafari-Bewegung ein. Wir sprechen über Haile Selassie und seine zentrale Rolle im Rasta-Glauben, ergründen, warum im Reggae immer wieder von Babylon und den Israeliten gesungen wird und erklären, wie der Synkretismus auf Jamaika zur Entstehung einer einzigartigen Religion führte. Diese Episode beleuchtet die tiefen spirituellen, kulturellen und politischen Wurzeln, die die Rastafari-Bewegung bis heute prägen.

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Quellen & Literatur:

Transcript

Herzlich willkommen zurück zu einer neuen Folge von Alle Zeit der Welt. Heute wieder mit Jonas und mir. Hallo zusammen. Lang, lang ist sehr gefühlt, muss ich sagen. Erste Urlaubspause seit zwei Jahren Podcast. Ich hoffe, das verzeiht ihr uns. Und wir. Das hoffe ich auch. Wir sind mehr oder weniger erfrisch zurück aus dem Urlaub. Und ich hatte eben in der Urlaubszeit ein bisschen Zeit zwei Bücher. zur Rastafari -Geschichte zu

lesen, Rastafari -Geschichte. Wir müssen uns überlegen, ob wir es einheitlich aussprechen oder nicht über die Folge jetzt. Aber das solltet ihr ja gewohnt sein, dass da manchmal Inkonsistenz gibt bei der Aussprache. Aber wir bemühen uns. Rastafari. Rastafari. Die Rastafari -Bewegung. Woran denkst du, Jonas, wenn du das hörst? Natürlich an Jamaika, an Haile Selassie, Äthiopien, Regge,

Bob Marley. Weed. Ja, ganz wichtig. Also tatsächlich und alle von euch, die jetzt mit all diesen Dingen nichts anfangen können oder denken ich hasse Reggae und ich habe nie gekifft oder ich will nie kiffen oder ich finde es eklig, dann hört jetzt trotzdem nicht direkt weg oder schaltet die Folge aus. Denn wenn euch unser Podcast ansonsten gefällt, dann werden euch heute ganz viele Aspekte begegnen, die euch aus unseren anderen Themenbereichen

schon bekannt sind. Es geht um religiöse Synthese, kulturelle Synthese, es geht um Antikolonialismus, um die Entstehung einer Religionsgemeinschaft und um einige lustige und unterhaltsame Geschichten, die mich selber sehr überrascht haben aus der Frühgeschichte der Rasta -Bewegung. Und ja, also so viel zur Vorrede. Es wird wie immer eine wilde Farb durch die Geschichte einer Idee, die größer wird, als es sich die einzelnen Menschen, die diese Idee in die Welt gebracht haben, wahrscheinlich

jemals hätten vorstellen können. Oder auch nicht, vielleicht haben sie es auch von Anfang an so geplant. Wir steigen ein mit einem Zitat von Charles Price aus seinem Buch Rastafari, The Evolution of a People and Their Identity von 2022. Alle Zitate, die heute von Jonas vorgelesen werden, sind aus diesem Buch von Charles Price. Das heißt, mir nicht dazu sagen, könnt ihr das immer mitdenken. Die ganze Quelle findet ihr auch noch mal in der Folgenbeschreibung. Und

ich kann das Buch euch mal empfehlen. Ich glaube, es ist bis jetzt nur auf Englisch verfügbar. Ich habe die Sachen selber aus dem Englischen übersetzt. Ja, aber das kommt bestimmt auch demnächst

auf Deutsch raus. Und die zweite Quelle für die Folge, die wichtig war, war eine Untersuchung aus den 1960er Jahren, wo in Jawaika die Universität in Kingston versucht hat, dieses aufkommende oder zu der Zeit schon existente kulturelle und religiöse Phänomen der Rasta -Bewegung irgendwie wissenschaftlich zu greifen und die haben dann Feldforschungsmäßig mehrere hunderte Rastas zu der Zeit auf Jamaika Interview zur Frühgeschichte und wie sie quasi die letzten Jahre der Bewegung

davor erlebt haben und daraus dann den Versuch eine Analyse zu schreiben, was eigentlich Rasta ist in den 1960er Jahren und dann eben Charles Prince für die modernere Forschungsperspektive da drauf. Die Ethnogenese der Rastafari entwickelte sich unter Bedingungen der Unterdrückung, Verdrängung

und Repression. Nicht ungewöhnlich für die kolonisierten Völker der Welt, aber mit weniger direkter Rekrutierung, als man es von einer Gruppe erwarten würde, deren Zahl weiter wächst und deren Ethos sich weiter verbreitet. Ja, schonmal der erste kleine Einschuf. Was glaubst du denn, wie viele Rastas es weltweit gibt, Jonas? Das ist schwer zu sagen. Welch, weiß ich nicht, drei Millionen? Tatsächlich sind

es wahrscheinlich nur eine Million. Und die sind in zahlreichen Untergruppen organisiert, zu denen wir heute auch noch ein bisschen kommen werden. Und die glauben alle sehr viele unterschiedliche Dinge. Ziel der heutigen Folge ist, auch so ein bisschen die paar gemeinsamen Nenner herauszuarbeiten, die einfach auch aus der Geschichte der Bewegung

hervorgegangen sind. Aber ihr müsst euch immer dabei denken, dass es ein extrem pluralistisches Glaubenssystem ist, wo es zwar so ein paar Grundpunkte gibt, aber im Endeffekt ist es sehr schwer zu sagen, was ist Rasta oder was ist eine Rastafari Identität, weil es eben so eine Vielzahl gibt, der Auslegungen, Theologien dann da wieder und auch sehr viele individuelle Strömungen. Das heißt, das muss man immer ein bisschen mitdenken dazu. Es ist eine der kleinsten Glaubensgemeinschaften

der Welt, aber eine der präsentesten. So in einer Million Mitglieder weltweit, eben auch über den Reggae und über die kulturelle Verbreitung, haben wir alle viel mehr Kontakt zu den Rastas, wahrscheinlich kulturell, musikalisch und so gehabt, während wir aufgewachsen sind, wie wir das vielleicht zu anderen kleinen religiösen Splittergruppen haben, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert

entstanden sind. Jamaika selbst hat eine extrem spannende religiöse Szene gehabt, die sich in diesem Klima der britischen Kolonie mit Sklaverei und rassischer Segregation entwickelt hat. Es gab starke Einflüsse von Religionen aus Westafrika, vor allem aus dem Kongo, auf die lokalen Glaubenssysteme

in Jamaika dann. Und es kam zu Vermischungen zwischen der christlichen Religion, die von den Sklaren Haltern und der Krone quasi vertreten und propagiert wurden und den Religionen, die die Menschen mitgebracht haben, die versklavt wurden. Aus diesen, da gab es dann zum Beispiel so Traditionen wie Mual oder Revivalism, die daraus hervorgegangen sind. Mual ist eine afro -jamaikanische, spirituelle Tradition, die so Sachen wie rituelle Magie, spirituelle Besessenheit

und Tanz in Vordergrund stellt. Dann gibt es noch Obea, wo es mehr um Geisterglauben geht und um das Auffinden von verlorenen Menschen. Zum Beispiel Obea wurde unterdrückt und als gefährliche Hexerei angesehen, während Myal eher unterstützt wurde von der Weißen Oberschicht, weil die eher christliche Elemente übernahm und sich gegen Obea gewandert hat. Aber aus beiden Seiten dieser Medaille haben diesen Tanz und dann in unterschiedlichen Ausmaßen die spirituelle Besessenheit gehabt.

Und Obéa ist dann das, wo die rituelle Magie mit reinkam und da wurde dann die Grenze so ein bisschen gezogen. Aber dieses Besessensein wird auf jeden Fall auch gemeinsam mit dem starken Fokus auf Tanz in die christlichen Revivalist -Kirchen übernommen. die dann in direkter Nähe zu so was wie Baptistengemeinden und so ab den 1860er Jahren entstehen in Jamaika. Da sehen wir, und da ist auch wieder so, dass jede Kirche

wahrscheinlich ihr Revival ist. Das ist auch ein Riesenüberbegriff, wo sich alle unterschiedlichen Schattierungen von Müal bis quasi Baptistengemeinde so finden haben lassen. Aber es ist... sehr spannend zu sehen, dass Jamaika da eben auch von dieser christlichen Erweckungsbewegung gepackt wird, die zu der Zeit in Europa und Nordamerika alle eigentlich erfasst. Also es gibt ja diesen Begriff der Third Awakening, dass da in dieser Zeit eben überall Kulte gegründet wurden und neue Religionen

im 19. Jahrhundert und es eine extrem apokalyptische Stimmung gab und generell die Idee, dass die Welt jetzt jederzeit zu ihrem Ende kommen wird und man eben sich auf die wichtigen Dinge rückbissen müsste. Da müssen wir mal eine separate Folge eigentlich fast machen, was da alles an Religionen und christlichen Splittergruppen gegründet wurden, die wir heute quasi als ganz normal irgendwie ansehen oder das heißt normal die die ganz normal unser unser Bild von Freikirchen und Sekten irgendwie

so reinpassen. Also es sind die sieben Tagsadventisten, die Zeugen Jehovas. Das alles geht ja auf die Zeit zurück, auf diese Zeit im 19. Jahrhundert, wo auf einmal neue religiöse Strömungen, die Pilze aus dem Boden gesprossen sind. Und genauso

war das eben in Jamaika. Aber in Jamaika eben diesen speziellen Einfluss von einer unterdrückten Tradition, mehr oder weniger, je nachdem, auf welche Seite sie gefallen sind, Obeah oder Mial, aber auf jeden Fall Revivalist -Kirchen, die sie in diesem Rahmen gegründet und daraus hervorgegangen sind. Myal wird heute nicht mehr als eigenständige Religion praktiziert, aber die Rituale sind eben im Revivalism auch in so Sachen wie Kumina und Konvince aufgegangen. Hier noch ein kleines Zitat,

um das einzuordnen. Revival, eine Form des Afrokristentums, die in Jamaika beheimatet ist und hauptsächlich von Schwarzen Jamaikanern praktiziert wird, legt den Schwerpunkt auf die Kommunikation mit Geistern, strenges moralisches Verhalten und Heilung. Die Anhänger der Erweckungsbewegung sehen sich von Gott dazu berufen, dem Bösen entgegenzuwirken

und Körper und Seelen zu heilen. Revival -Führer wie Bedward sahen die Unterdrückung durch die Weisen als etwas Böses an, das den Einsatz der eigenen Fähigkeiten zur Heilung der Unterdrückten erforderte. Die Rastafari beschäftigten sich mit dem bösen moralischen Verhalten und der Heilung

des schwarzen Körpers und der Gemeinschaft. In der zweiten Generation jedoch gaben sie die Beschäftigung mit den Geistern auf, während sie eine rassistische Kritik des Bösen, des unmoralischen Verhaltens und der Heilung des schwarzen Körpers entwickelten. In diese Zeit, also ein bisschen später, fällt auch Markus Garvey, der als... Du -nichst -wissend... Hast du den Namen schon mal gehört? Den habe ich schon mal geführt. Ich meine in Zusammenhang

mit... Verdammt. Also er ist Amerikaner und wollte die, also dieses Zurück nach Afrika, Back to Africa Movement. Er war spannenderweise bei Jamaikaner. Er war Jamaikaner, hm, okay. Er ist St. Anne's Bay geboren und kam aber für die Arbeit nach Nordamerika. Er starb 1940 einem Schlaganfall

in London. Davor hat er sich gegen den Abesinenkrieg Mussolinis, den Jobienkrieg, dazu haben wir eine eigene Folge gemacht, tue dir die gerne an, hat sich dagegen eingesetzt und wollte davor eben, hat 1914 die UNIA gegründet, eine schwarze Massenorganisation, die mit Uniformen und Aufmärschen auf die Aufmärschung gemacht hat und eine Auswanderung aller Schwarzen

nach Afrika propagierte. Also genau diese Back -to -Afrika -Bewegung geht eben auf Gavi zurück, der zu Sachen gesagt hat, die Zitat blickt nach Afrika, wenn ein schwarzer König gekrönt wird, denn dann ist der Tag der Erlösung nahe. und hat sich da auch zu Psalm 68, 31 bezogen, weil er sehr biblisch unterwegs ist, auch immer in seinen Predigten und Reden, er Äthiopien bald

seine Hände zu Gott ausstrecken. 1914 gründet er die Universal Negro Improvement Association, die UNEA, und 1930 wird dann in Äthiopien tatsächlich ein schwarzer Kaiser gekrönt. Und damit schienen sich von die von Markus Gave propagierten Ideen auf einmal in den 30er Jahren im Rahmen des Möglichen zu bewegen. Also Gave hatte davor auch, wollte in Liberia eine Siedlung gründen, das wurde ihm

dann verweigert. Was ich spannend fand noch bei Gave ist, dass er eine Schifffahrtsgesellschaft gegründet hat, die Black Star Line, die aber wegen Missmanagement zugrunde ging unter anderem, weil eins ihrer Schiff wegen einem Lecksang und ein anderes explodierte. Ist uns lästig. Ein Dreischiff erst in eins explodiert, ist blöd. Aber das war auf jeden Fall eine relativ große

Katastrophe, die Idee dieser Gründung. Aber er hatte auf jeden Fall Ambitionen und hat diese Idee in die Welt gebracht, die oder die Idee artikuliert, die sowieso schon zu der Zeit verbreitet war, dass man eben zurück nach Afrika müsse. um dort was aufzubauen und dass man dieser Segregation und dem Rassismus nur dadurch entkommen kann, indem man sich quasi von ihm auch räumlich trennt. Und seine Prophezeiungen schienen dann wahr zu werden, als 1930 Ras Tafari Makonnen zu Haile

Selassie I. gegründ wird. Da haben wir jetzt den Ursprung, warum es Ras Tafari heißt. Also eigentlich ist es Tafari Makonnen, ist eigentlich der Äthiopische Adelszitel, wenn ich das richtig verstanden habe. Rastafari ist so ein bisschen wie König Ludwig oder so. Der Zitel plus der Vorname. Und genau, der Grönungsname von Tafari Makonnen war dann eben Helis Lassi I. wurden auch weitere biblische Bezüge aus Gabis Prophezeiung

scheinbar war. Siehe der Löwe aus dem Stamm Judah, die Wurzel Davids hat überwunden um das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel zu brechen aus der Offenbarung 5 Vers 5 und das bringt tatsächlich Bewegung also das bringt den richtigen Ursprung der Rastafari Bewegung natürlich, weil der Name kann ist. quasi jetzt gegeben werden. Und die ganze Idee kann jetzt eigentlich erst in den

1930ern so richtig an Fahrt aufnehmen. Die Krönung von König Rastafari zum Kaiser im Jahr 1930 brachte das System in Jamaika aus dem Gleichgewicht und veranlasste eine Reihe von Menschen dazu, Erzählungen über den neuen Kaiser zu konstruieren, die ihren bestehenden Bedenken hinsichtlich der Schwarzen Theologie entsprachen. Geschichten über Äthiopien, König Rastafari und Kaiser Selassie, die 1930 und danach in den Jamaikanischen Printmedien veröffentlicht wurden, lösten Diskussionen und

historische Analysen aus. Diese Unterhaltungen hatten zwei Aspekte. Die Berichterstattung über seine Krönung und die Frage, wer er wirklich war. Ein solches Interesse an dem äthiopischen König, der zum Kaiser wurde, Macht er eine kurze Einführung in den Äthiopismus und seinen Beitrag zur Entstehung der Identität und Ideologie der Rastafari erforderlich? Ja, hast du schon mal von Äthiopismus gehört? Ich habe extreme Probleme, das auszusprechen. Äthiopismus? Nein, noch nicht.

Äthiopismus ist eine religiös -rassische Ideologie, also sowohl rassisch als auch religiös, die... ja. eine große Idee, also eine große Reihe von Ideen hat, die wir dann später in der Rastafari Identität wiederentdecken mit einer zentralen Bedeutung. Da geht es um die Ethnie, soziale Gerechtigkeit, biblische Geschichte und biblische Referenzen, biblische Prophezeiung. Und all das ist so eins zu eins in der Rastafari Identität

wiederzufinden. Deswegen müssen wir uns den Ethiopianismus noch kurz ein bisschen anschauen, weil das eben tatsächlich so auch ein bisschen Aufschluss darüber gibt, warum vor allem Rastafari die schwarze Identität hochhalten und sich selbst auch als Israeliten sehen. Da sind wir bei diesen Black Israelites und diesem Israelism. Wir hatten die British Israelites schon, die britischen Israeliten, die amerikanischen Israeliten und quasi wie das dann in verschiedene Rechte Nazi -Kulte auch

abgedriftet ist. Und wir sehen hier eben die Black Israelites und die Idee. auf schwarzer Seite zu sagen, wir sind auch Israeliten oder wir sind die eigentlichen Israeliten. Das ist auch eine Sprache, die wir sehr viel im Reggae hören. Also es wird ja sehr viel über Israelites geredet und damit sind eben nicht immer die biblischen Israeliten gemeint, sondern auch die metaphorischen

Israeliten, die sie sich selber sehen. Das fand ich sehr interessant, dass es eben da im sehr, sehr gut zu unserem Podcast -Themen passt und das sehr schön anschließt, weil wir da im Kern der Rastafari -Bewegung eben auch diesen schwarzen

Israelismus sehen. Und sich selber und die schwarze Identität quasi da mit den Israeliten zu verquicken, bringt den Vorteil, dass man sich dann als außerweltes Volk sehen kann und als Wartende, die auch genau wie die Israeliten eben auf ihren eigenen schwarzen Messias warten, den sie als Äthiopier identifizieren, der Haile Selassie ist, obwohl sie selbst nichts mit Abesinien zu tun haben. Sehr wenig Äthiopischstämmige

Menschen, die in der Karibik gelandet sind. Es gab natürlich auch Sklaverei aus Äthiopien, aber das sind Leute, die verstarften von dort, sind dann viel öfter nach Indien zum Beispiel gekommen oder nach Persien oder im Nahen Osten. Ich glaube, was man eigentlich auch noch erwähnen kann, ist, dass ja Äthiopien eine lange, lange christliche Tradition hat. dass sich das dann irgendwie so

gegenseitig begünstigt hat, oder? Ja, es gab, genau, Äthiopien hat ja immer so ein bisschen diese Sonderstellung, es gab ja also tatsächlich dann diesen Glauben an das Königreich des Prester John, des Priester Königs Johannes, der ist im Mittelalter die Portugiesen durchaus mit motiviert hat, sich auf ihre frühen Entdeckungsreisen zu

begeben. Und die Kreuzrisser haben auch tatsächlich am Anfang, als sie von den Mongolen gehört haben, gehofft, dass das eigentlich vielleicht noch der christliche König ist, den Priesterkönig Johannes, der jetzt kommt und die feindlichen Heere mit seiner Armee besiegt. Das war quasi die Erzählung, dass irgendwo hinter dem Horizont ein christlicher König lebt, der … eine riesige

Armee hat und extrem reich ist. Und dann wurden die Äthiopier immer wieder gefragt, ob jetzt ihr Kaiser, wenn jetzt die Diplomaten in Byzanz und so, ob sie denn ihr König und dieser Priesterkönig Johannes sei und so. Und die waren immer sehr verwirrt, weil die jetzt nicht wussten, warum sie damit identifiziert werden. Aber die Äthiopier als christliches Königreich, was man quasi so gefunden hat, hat viele der Kriterien erfüllt,

auch die dieser Legende irgendwie. Als die King James -Bibel 1611 veröffentlicht wurde, war ein Großteil des Gebiets, das wir heute als Afrika bezeichnen, den Europäern als Äthiopien, das Land der dunkelhäutigen Menschen, bekannt. Im 18. und 19. Jahrhundert verwendeten die Menschen in den Vereinigten Staaten der Karibik und England den Begriff Äthiopier für versklavte und freie Menschen afrikanischer Abstammung. Dieser geriet

im Laufe des 19. Jahrhunderts allmählich in Vergessenheit und wurde durch eine Reihe von Begriffen einschließlich hässlicher Schimpfwörter verdrängt. Afrikaner und Menschen afrikanischer Abstammung benutzten den Begriff Äthiopier jedoch bis zum Zweiten Weltkrieg in Kunst, Theater, Politik und Religion

weiter. Da sehen wir eben so auch dieses Konzept, das ist quasi das... der Begriff Ethiopia als Selbstbezeichnung auch für den freien schwarzen Mann in der Karibik oder die freie schwarze Frau da quasi viel weiteren Anklang gefunden hat, als mir bewusst war zum Beispiel vorher. Und der Äthiopianismus ist natürlich in diesem gesamten Rahmen sehr messianisch und auch apokalyptisch

prophezeit. göttliches Eingreifen, das quasi die Schwarzen aus der Unterdrückung befreien soll und sie auf eine glorreiche Zukunft des Wohlstands führt. Ja, das zeigt, dass die Rastafari diese Idee der Befreiung aus Babylon, woher das kommt, werden wir später noch erfahren, eben nicht erfunden haben, sondern sie eigentlich

den Ethiopianismus weiterentwickelt haben. Die Rastafari Version behauptet, dass die spirituelle Verwandtschaft der Schwarzen durch die Blutlinien der biblischen israelitischen Könige David und Salomon und der Königin Sonsaba verläuft, die dann im etiopischen Im äthiopianistischen Narrativ die Königin Makeda tatsächlich war eine Äthiopierin. Und die behaupten, dass Afrika die angestammte und spirituelle Heimat der Schwarzen sei, quasi

ihr persönliches gelobtes Land. Und dass man deswegen eben nach Afrika zurückkehren müsse. Und das ist so, denke ich, einer der Kernbausteine der Rastafari -Bewegung. Jedenfalls der frühen Rastafari -Bewegung bis in die Sechziger hinein, die hier aus dem Äthiopianismus eins zu eins übernommen wurde. Der Äthiopismus lieferte kulturelle Ressourcen für die Schaffung einer kollektiven

Identität. Ein Mittel zur Erlangung einer Identifikation, die sich selbst und das eigene Volk positiv definiert und die Macht besitzt, der weißen Vorherrschaft entgegenzuwirken. Weiße Vorherrschaft bedeutet hier, dass die Europäer sich selbst als Weiße als etwas Besonderes gegenüber allen anderen rassischen Kategorien verstanden. Der Äthiopismus bot eine kohärente, historisch begründete und zukunftsorientierte religiös -rassische Erzählung, die ein Gefühl der Solidarität und das gemeinsame

Schicksals förderte. Es war weit genug gefasst, um mehrere Interpretationen zuzulassen und die Erschöpfung zu vermeiden, die mit einer begrenzten Anzahl von Bedeutungen einhergehen kann. Dennoch haben Kritiker den Äthiopianismus als unausgegorenes Wunschdenken verspottet, das in Teleologie, Afroamerikanischen Exzeptionalismus und falschen Vorstellungen über Afrika verstrickt ist. Eine solche Kritik vernachlässigt jedoch genau das, was eine religiös -rassische

Ideologie wie der Äthiopianismus tut. die Welt und die Menschen in breiten, aber bedeutungsvollen Strichen malen. Empirische Treue war weder das Anliegen der Äthiopianisten, noch ist sie ein

übliches Anliegen der Ideologie. Ja, also das fand ich eine ganz gute Einordnung davon, dass auf eine Art und Weise natürlich wie mit all diesen Israelismen quasi immer so die Sache ist, dass sie eben jeder für besonders halten will oder besonders halten muss und durch das Christentum, durch das alte Testament quasi so eine Vorerzählung der verlorenen Stämme geliefert wurde, wo es

jeder dann selber einordnen konnte. Und hier sehen wir das Ganze aber noch unter einem besonderen, also ich denke einem anderen Druck, einem anderen Leitensdruck, wie das vielleicht die britischen Israeliten für verspürt haben, die am Ende durch die Gegend gegangen sind und irgendwelche irischen Hügelgräber geschändet haben und sehr schlechte Archäologie betrieben haben auf ihre eigene Art

und Weise. Und dass es eben hier auch darum geht, eine Identität aufzubauen, die im Rahmen dieses ganzen rassistischen Systems Identität stiftet und Gleichwertigkeit irgendwie schaffen soll. Und dass man dann quasi, statt den Rassismus abzuschaffen, sich auch auf den Rassismus auf eine Art und Weise auch versteift und einlässt. Um quasi dann zu sagen, aber eigentlich ist es andersrum. Nicht der ganze Rassismus ist falsch, sondern eigentlich sind wir die auserwählte Rasse.

Ist eine naheliegende Reaktion. Und ist auf jeden Fall auch etwas mit in die Rassafahrerbewegung. eingegangen ist. Aber bevor wir jetzt weiter darüber spekulieren, wie der Äthiopismus die Rastafari -Bewegung beeinflusst hat, schauen wir uns die ersten echten Rastafari -Prediger der 1930er an, nach der Krönung Hellesirazis.

In den 1930er Jahren standen Leonard Howell, Robert Hintz, Joseph Hibbert und Altamont Reed und andere, die nicht bekannt sind, auf einer baufälligen Plattform und predigten über den Neuen Schwarzen Messias und die Kämpfe der Schwarzen Jamaikaner. Sie waren Straßenprediger. Einige Zuhörer waren von den Informationen begeistert, nahmen sie auf und verinnerlichten sie, entwickelten sich zu einer lebendigen Verkörperung des Wissens und wurden zur Rastafari. Ich habe viele von

ihnen getroffen. Die Redner vermittelten Inhalte und Kraft, die ihre Zuhörer dazu brachten, ihre Überzeugungen zu überdenken und ihr Selbstkonzept zu verändern. Die erste Generation der Rastafari ist nicht mehr unter den Lebenden. Ich denke dabei an Rasta Ivy und Brother D., die beide

in den frühen 1900er Jahren geboren wurden. Als die erste Generation der Rastafari wie wie Rasta Ivy und Brother D. zum ersten Mal die Rastafarer Jesprast Straßenprediger hörten, machten sie sich die Idee von Kaiser Selassie als den zurückgekehrten Messias zu eigen. Und Howell, Leonard Howell, der jetzt hier auch erwähnt wurde, veröffentlicht ein sehr einflussreiches Buch, das The Promised Key, der versprochene Schlüssel, heißt. Ich habe

ein paar Zitate rausgesucht und übersetzt. König Rastafari ist das Haupt über alle Menschen, denn er ist der höchste Gott, also Gottheit. Äthiopien ist unser göttliches Erben, der König von Äthiopien ist unser rechtmäßiger Herrscher. Also auch diese Aberkennung des britischen Kolonialsystems und so weiter, quasi der Ansprüche, dass man irgendwie dem was schuldig sei, weil der eigentlich rechtmäßig Herrscher ist in Äthiopien. Das System des Weißen

Mannes ist der Feind des Schwarzen Mannes. Er versklavt uns, raubt uns unsere Identität und hält uns in Unwissenheit. Erwacht, ihr Schwarzen Männer, und erkennt euch selbst. Ihr seid die wahren Kinder Israels, und Äthiopien ist euer Zuhause. Äthiopismus. Deswegen ist es gut, dass wir jetzt so ausgiebig darüber geredet haben, weil wir das jetzt hier alles direkt wiedererkennen und quasi in den frühesten Rastafari -Texten erkennen, wo das herkommt. Und die Gesetze Babilons

sind nicht für uns. Wir müssen den Gesetzen unseres Königs folgen, den Gesetzen von Rastafari. Das führte unter anderem dafür, dass Leute wie John Pickett, die die Straßenpredige angehört haben, gesagt haben, das klingt alles ziemlich gut und einfach mal ihre Koffer geparkt haben und sie auf den Weg nach Äthiopien gemacht haben. John Ricketts packte seine Sachen und verließ Jamaika

am 25. Mai 1933 in Richtung Äthiopien. Howells sagte seinen Zuhörern, dass König Rastafari ihnen bei ihrer Ankunft in Äthiopien beistehen würde. Niemand begrüßte Ricketts bei seiner Ankunft in Äthiopien. Dennoch war Howells Behauptung vernünftig, wenn wir uns daran erinnern, dass König Rastafari und seine Verwalter schwarze Einwanderer wie Arnold Ford in Äthiopien willkommen

hießen. Ricketts wurde in Äthiopien verprügelt und seines Geldes beraubt und musste die britische Krone, der er ursprünglich entkommen wollte, um Hilfe bitten, damit er nach Jamaika zurückkehren konnte. Die Redakteure erhielten Ricketts für das Sinnbild des beeinflussbaren Schwarzen Tölpels und den Beweis für den ruchlosen Einfluss von Howell und seiner Botschaft. Ja, da ist ja erstmal nach hinten losgegangen. Genau, die ersten Versuche liefen nicht so gut und wurden dann halt auch

sehr hämisch von der Presse publiziert. Was man hierbei bedenken muss und was es wahrscheinlich wichtig ist zu sagen, ist, dass sowohl damals natürlich noch, aber heute immer noch, sowohl in Jamaika als auch in Äthiopien, die Rastafari -Bewegung eine absolute Minderheit darstellt. Also von den ein Millionen Rastafari leben sich viele auf Jamaika, aber auch ganz viele nicht. Also sie ist überall eine Minderheit. Eine sehr sichtbare Minderheit. Aber immer eine Minderheit.

So. Und das haben manche Leute auch mit ihrem Jamaika -Bild, weil die so viel Sendungskraft haben, wird das gern vergessen, dass... Ja. Als Brustafari in Äthiopien, glaube ich, komisch angeguckt wird und in Jamaika mittlerweile ein bisschen weniger, aber... man immer noch mit seinen Glaubensgrundsätzen eine Minderheit ist. Howell gründete, nachdem er sein Buch veröffentlicht hatte, 1933, 1940 die erste autarke Rastafari

-Siedlung Pinnacle. Und die Gemeinschaft basierte auf Subsistenzwirtschaft, also selbst anzubauen, was man braucht. großzügigen Ganderanbau für kommerzielle Zwecke auch zu verkaufen und spirituellem Leben. Und Howl hat sich dort, sagen wir so, ein bisschen in seiner Sektenvision doch auch

vorannt. In dem ersten Bericht aus den 1960er Jahren wird halt beschrieben, wie er da mit seinen, was weiß ich, wie viele Kongobinen im Herrenhaus gelebt hat dann und die Nachbarsbauern, die außenrum um Pinnigri gelebt haben und mit der Gemeinschaft ansonsten nichts zu tun hatten, keine so besonders guten Erfahrungen mit ihm gemacht haben. Howell lieferte eine prophetische Analyse der Jamaikanischen Gesellschaft und ein Argument für die Rastafari

-Lehre. Unter Bezugnahme auf die biblischen Bücher Thessalonicher und Offenbarung sagte Howl zu seinen Zuhörern, ich bat sie als geliebte Äthiopier das Bild von Rastafari in ihrem Herzen zu verankern, der sagte, ich bin der Anfang und das Ende. In Thessalonicher 5 Vers 2 heißt es, dass der Tag des Herren kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Während in Offenbarung 17 Vers 5 zu lesen ist, Auf ihrer Stirn stand ein Name geschrieben. Geheimnis Babylon, die Große, die Mutter der Huren und

der Kreuel auf Erden. Howl wies darauf hin, dass Gott in aller Deutlichkeit sichtbar geworden war. Und Babylon, die Große, war dazu bestimmt zu fallen, jetzt, da der Messias auf der Bildfläche erschien. Babylon wurde als übernatürliches und materielles politisches Gebilde konzipiert. Es stand für eine kosmopolitische und fortschrichtliche Gesellschaft, die von Korruption, Unterdrückung

und Verderbtheit zerfressen war. Und es stand für überirdische Mächte, wie Regierungen, die im Widerspruch zu den biblischen Aussagen über Gottesfurcht und Gott standen. Babylon war Jamaica. Die Polizei war Babylon's Vollstrecker. Howells Aufgabe war es, allen, die zuhören wollten, von der neuen Ära zu erzählen, die mit der Krönung von König Rastafari begonnen hatte. Und hier haben wir den Ursprung des Babylon -Motivs in der Rasta -Bewegung, das geht quasi auf Howl

zurück. Das klingt ja auch fast ein bisschen anarchistisch. Ja, oder wie in Reichen sozusagen. Das ist das Königreich Deutschland. Genau, aber es war so dieser Versuch, sich loszulösen, seinen eigenen autarken Herrschaftsbereich auch so ein bisschen zu machen, zu sagen, wir brauchen den Staat, wir machen unser eigenes Ding. Und wir haben unseren eigenen Herrscher, also eine religiös motivierte Sektenkommune könnte man sagen auch.

Und es gab dann zu den Polizeireits und eine Zerschlagung der Kommune 1954 wegen angeblicher Kriminalität und Ganja -Kultivierung aus den Prozessakten, da wurden dann eben viele der Bauern außen rum interviewt, die überfallen. die ausgesagt haben, sie wären überfallen worden von Mitgliedern der Kommune und auch von Haul persönlich. Ich lasse hier mal dich ein Zitat vorlesen, gerne auch erstmal auf Englisch und dann auf Deutsch, wie du willst, aus den Prozessakten über Haul.

I am Haile Selassie. Neither you nor the government have any lands here. Ich werde dir 96 Peitschenhibe geben. Ich werde dich schlagen und dir zeigen, dass du keine Steuern zahlen sollst. Ich bin Haile Selassie. Wer du noch die Regierung haben, hier Land besitzt. Ja, also diese Diskussion darüber, wo jetzt die Kommune genau endet und wo das Land der Bauern außen rum beginnt, wurde nicht immer friedlich geführt, so wie es aussieht. Und Haul hat sich auch da in seiner ganz schönen

Allmacht -Fantasie ergossen. Wie gesagt, hatte dann sein Privatharem. Und was ihn vor allem in den Augen der anderen Rastras, die nicht in einer Pinnacle -Kommune gewohnt haben, disqualifiziert hat, ist, dass er sich selber auch zu Gott erklärt hat in diesem Prozess, weil er sich selber zu Haile Selassie gemacht hat. Und das haben die anderen Rastras ihm theologisch übel genommen.

Danach kommt es zu einer zunehmenden Polizeiüberwachung und Unterdrückung der Bewegung durch die Polizei und die Behörden, weil man sie als gefährlich einordnet und als staatszersetzend. Wir haben ja viel über Äthiopismus geredet und die Einflüsse. Worüber wir überhaupt nicht geredet haben, sind die indischen Einflüsse. Und das liegt vor allem daran, dass die Rasta -Bewegung selbst eigentlich nicht so viel oder gern über die indischen Einflüsse redet, weil das nicht so ganz in den Äthiopismus

reinpasst. Weißt du? Diese Idee, dass man ... da jetzt vielleicht nicht nur afrikanische Traditionen quasi wieder aufleben lässt oder dass da eine viel breitere Synthese stattfindet zwischen christlichen, jüdischen, aber eben auch hinduistischen Ideen. Denn nach der Abschaffung der Sklaverei 1834 auf Jamaika importierte die britische Kolonialverwaltung Vertragsarbeiter aus Indien, um die Plantagen

weiter zu betreiben. Da hatte man das Problem, was machen wir, wenn wir alles klar und frei lassen und die nicht mehr ihre Arbeit machen wollen, dann holen wir uns Inder. Das war die Lösung. Zwischen 1845 und 1917 kamen über 36 .000 Inder nach Jamaika. die natürlich ihre eigenen Traditionen mitgebracht haben und Sprachen und

all das. Und was wir auf jeden Fall sehen können, ist so diese Idee, dass diese göttliche Manifestation und die Reinkarnation von Heli Silassi schon auch so einen leicht indischen Touch hat und so ein bisschen an Shiva erinnert. Ich meine, wenn Jesus jetzt quasi in regelmäßigen Reinkarnationen zurückkommt als Messias. Und was die auffälligste Gemeinsamkeit wahrscheinlich ist, ist, dass es in Indien so eine Art Proto -Ruster gibt. Nämlich die Idee der Sadhu -Mönche. Sagt der Sadhu was?

Ich meine ja. Die tragen lange verfüllte Haare, leben als Battlemönche auf der Straße quasi ohne irgendwelchen Besitz. Manche dürfen so einen kleinen Becher haben, manche dürfen keinen Becher haben. Manche kommen auch ganz leicht begleitet bis fast nackt, haben ganz lange ungeschnittene Bärte und Haare und haben eben Chata, also Rastas. Wir sagen Rastas, die original Variante davon sind die Chata, die lang verfüllten Haare. Ich hab ein Jahr in Indien gelebt und da sieht man

wirklich abgefahrene Treads in Indien. Also ich hab einmal so eine Frau gesehen, die hatte einfach, ihre gesamten Haare waren ein Tread, der hinten an ihr so runter ging bis zum Boden, wie so eine Isomatte. Sie hat einfach ihre gesamten Haare zu einer massiven Isomatte zusammengemacht. Da hab ich gleich für sie beeindruckt, das Bild. Aber genau, und die Sado -Mönche kiffen halt

auch die ganze Zeit. Das ist denen auch erlaubt von der Polizei, die werden auch nicht behelligt, und die rauchen halt die ganze Zeit in ihren Chillums, in diesen Steinpfeifen Gras oder Hasch. Weil das für sie ein heiliges Kraut ist, mit dem sie mit Shiva meditativ in Verbindung treten, ihrem Hauptgott. Ja, da werden die Parallelen irgendwie offensichtlich, oder? Ja, genau. Und in einer Safarebewegung wird Ganja auch irgendwie als Weed of Wisdom verehrt und da gibt es ganz

lustige Herleitungen aus der Bibel. Psalm 104, Vers 14, er lässt Gras wachsen für das Vieh und Kräuter zum Dienst des Menschen. Solche Sachen werden dann interpretiert. Es gibt natürlich diese ganzen Ölgeschichten im alten Testament mit den Salbungen, wo beschrieben wird, welche Kräuter da reinkommen und wo dann es eben auch darüber Diskussionen gibt, was denn das jetzt da genau für besondere Öle waren, die verwendet wurden. Und sowas wird dann sehr gerne eben uminterpretiert,

um zu sagen, da geht es um Cannabis. Fragwürdig, aber warum auch nicht. Und die Rastas haben im Gegensatz zu den, also die Sado -Mönche machen das eben für als Zeichen ihrer Askese, dass sie sich die Haare nicht schneiden. So. Und die Rastafari beziehen sich auf das Nazarea -Gelübde im 4. Mose 6 Vers 5. Alle Tage seines Gelübdes soll kein Schermesser über sein Haupt gehen. Also auch die Idee über den Sieg. Es gab auch auf jeden Fall Sieg, die dann nach Jamaika gekommen

sind aus Indien. Und bei denen ist ja auch die Idee quasi, dass man sich als Mann die Haare nicht schneidet, das Haupthaar nicht, und dann in diesem Turban zusammen bindet. Aber quasi sein Leben lang ungeschnittener Bart, ungeschnittene Kopfhaare. Hat. So, so viel zu den indischen Einflüssen. Und der andere Einfluss ... den ich noch beleuchten wollte, der mir ganz wichtig ist, ist Nyabinggi. Hast du schon mal von Nyabinggi gehört? Ich glaube, du kennst meine Antwort.

Das ist ein bisschen eine sehr kämpferische Tradition. Oberflächlich geht es darum, dass ursprünglich in Kingston getrommelt wurde, wenn Leute aus dem Knast freigelassen wurden. Und es gab dann gewisse Trommeln und eine gewisse Art von Tanz, die veranstaltet wurde. Und diese Art von Tanz

wurde irgendwann Nyabinggi genannt. Das ist die oberflächliche Erklärung und das hat eine gewissen Art Stil von Trommelmusik und hat aber auch so eine gewisse Bedeutung, quasi dieses Revolte, wir feiern die Rückkehr von jemandem, der zu Unrecht in Gefängnis war oder diese Protest, dieses Kämpferische. Das ist so die oberflächliche Erklärung davon. Und die tatsächliche Erklärung ist unglaublich lustig und verrückt, weil es

hat sich ein Österreicher überlegt. Und es ist eine Verschwörungstheorie, die ein Österreicher, der Angst vor Afrikanern hat, in die Welt gesetzt hat. Und das ist dann irgendwie zu einer Grundsäule der Rasterbewegung geworden. Also, Frederikos Filos, ein Mann mit vielen Ängsten. aber unfreiwilliger Ideengeber der Rastas. Ich lasse dies einfach

mal vorlesen, weil es ist dann so lustig. Etwa zur gleichen Zeit, als Howl's Promised Key veröffentlicht wurde, kursierten in österreichischen, kanadischen und Jamaikanischen Publikationen Gerüchte über eine internationale schwarze Verschwörung und Geheimgesellschaft. Die Niyabingi, deren Ziel die Vernichtung der Weißen sei. Am 24. August 1935 veröffentlichte die österreichische Zeitung Neues Wiener Tagblatt die Verschwörung der N

-Wort verfasst von Federico Filos. Nach allgemeiner Auffassung war Federico Filos ein Pseudonym für einen unbekannten Propagandisten, der die italienische Aggression gegen Äthiopien rechtfertigen wollte. Filos Geschichte war ein Sammelsurium aus Eugenik, millenaristischen Ängsten und der Angst vor dem schwarzen Nationalismus. Sein zentraler Gedanke war die Gründung einer geheimen Föderation der schwarzen Ethnie, der Nyabingga, Bhingi, unter

der Führung von Kaiser Selassie. Phylos warnte, dass die Nyabinggi die gelbe Gefahr als Gefahr für die Weisen überholt hätten. Sie stellten eine schwarze Gefahr dar. Die Quellen der Nyabinggi seien Ägypten, Äthiopien und Liberia. Selbstverwaltete Nationen, in denen die N -Wort unbehelligt von der Kontrolle der Weisen an ihren Plänen arbeiten können. Neabingi ist der abyssinischen Sprache entnommen, schrieb Philos. Und seine englische Übersetzung lautet Tod den Weisen. Diese, schrieb

Philos... Ich bin verrutscht. Diese Behauptung ist unbegründet, aber ihre Absicht ist klar. Organisierte und vereinte Schwarze sind eine Bedrohung für die Weißen. Filos Tonfall war vorsichtig, aber in der Lage Angst und Schrecken in der Vorstellungskraft der Weißen Leser zu säen. Filos hat die sonst verbeubenen Widerstandsbewegungen der afrikanischen Ureinwohner gegen den Kolonialismus in Zentralafrika

ans Licht gebracht. Eine solche Bewegung, die für die Rastafari von Bedeutung ist, ist unter dem Namen Nyabinghi bekannt und geht auf die 1700er Jahre in den heutigen Ländern Tanzania und Rwanda zurück. Als vorkolonialer Glaubenskomplex konzentrierte sich Nyabinghi auf Geisterbesessenheit und die Führung durch weibliche und männliche Priester. Nyabinghi, ein Geist, wird in menschlicher

Form verkörpert, in der Regel von Frauen. Die Anführer der vorkolonialen Nyabingibewegung wandten sich gegen Ungerechtigkeit, insbesondere gegen die grausame und unterdrückerische Führung in der Region. Sie entwickelte sich in den späten 1800er Jahren zu einer antikolonialen Bewegung, als sich Muhomusa, eine ruandische Königin, den Nyabingi anschloss und zu einer Personifizierung

der Nyabingi wurde. Als charismatische und furchtlose Anführerin zog Muvu Musa eine beträchtliche Anhängerschaft an, indem sie zu Angriffen gegen die deutschen, belgischen und britischen Kolonialherren anstiftete.

Ja, also wir sehen hier, da hat ein Propagandist, ein Österreichischer, der Mussolinis Angriffskrieg rechtfertigen wollte, eine Verschwörungstheorie über eine internationale Verschwörung in die Welt gesetzt und hat ein einen Begriff, quasi eine tatsächliche Nyabingie -Bewegung, die es in Tansania und so gab, ganz woanders verortet und so was ganz Anderem gemacht und in Kontext

mit Haile Selassie gestellt. Also es gab tatsächlich Mumusa und es gab diese Bewegung als vorkoloniale Bewegung, die sich dann auch noch antikolonial engagiert hat. Aber nicht so wie viel aus sich das quasi zusammengereimt hat. Und spannend ist, dass er damit aber diese Bewegung überhaupt erst in die Medien gebracht hat. Sonst hätte nie jemand über die Nyabingii geredet und niemand in Jamaika hätte zu der Zeit in den Zeitschriften über die Nyabingii gelesen. Also dieses The Black Peril

von ihm wurde dann in ... Der Jamaica Times veröffentlicht auch unter dem Titel Secret Society to Destroy Whites Geheimgesellschaftsvernichtung der Weißen. Geiles Metal Album Titel. Der Artikel wurde für die Veröffentlichung in der Jamaica Times nur leicht verändert. Und der Untertitel schrie Armee von 20 Millionen. Und daneben mal so ein Foto von Kaiser Hailey Selassie. in der Geschichte mit abgedruckt. Und diese Black Peril Erzählung wurde tatsächlich zu einer kulturellen Ressource

für die Rastafari. Viele haben quasi ihr Bild von ihrem verirrten Kaiser aus dieser Geschichte heraus gehabt, haben es ausgeschnitten. Und das hat quasi auch suggeriert, dass 20 Millionen Menschen schon hier quasi ihm folgen und die Geschichte wurde komplett anders gelesen von den Leuten in Jamaika. Die haben das quasi als

eine hoffnungsvolle Geschichte gelesen. So geil, endlich macht mal jemand was und haben positiv auf eine Art und Weise Hoffnung aus der Verschwörungstheorie des österreichischen Propagandisten gezogen. Hier noch ein Zitat. Die Herkunft einer Idee ist nicht entscheidend für ihre Nutzung. Sobald sie Nichtmitgliedern zur Verfügung stehen, können kulturelle Ressourcen zu einem öffentlichen Gut

werden. Die vor dem zweiten Weltkrieg entstandene Vorstellung von einer internationalen Verschwörung der schwarzen Menschen, der schwarzen Gefahr, dem globalen Geheimbund der Schwarzen, mag dem rassistischen und eugenischen Denken der Weisen entsprungen sein. um dann von einigen schwarzen Jamaikanern in einer affirmativen Weise umgedeutet zu werden. Diese Umdeutung wurde unter anderem durch die Unwissenheit beider Parteien ermöglicht.

Schwarze Jamaikaner vernachlässigten, dass es sich bei der Nyabinghi -Erzählung um weiße Propaganda handelte, mit der weiße Ängste geschürt werden sollten, während weiße Ideologen wie Filos nicht wussten, wie ihre Propaganda gegen sie selbst gerichtet werden konnte, in dem sie ihre Ängste durch die Vergötterung von Kaiser Selassie weiterschürten.

Wir müssen weit und breit nach den symbolischen und narrativen Elementen suchen, mit denen eine kollektive Identifikation aufgebaut und aufrechterhalten wird. Ja, spannend. Wir sehen hier quasi, wie auch auf der Basis von einer propagandistischen Verschwörungstheorie eine religiöse Identität gegründet wird. Das ist ein schöner Twist. Das fand ich sehr erhellend und passt perfekt in unseren Podcast rein, dachte ich mir, als ich

das irgendwie gemacht habe. Die Situation zwischen der Polizei und der Rastafari hat sich danach der Auflösung der Pinnacle -Kommunen nicht weiter entspannt, sondern im Gegenteil weiter angespannt und es kam dann zu den Coronation Market Riots 1959, die auch in der Erzählung der Geschichte der Rastafari so eine ganz zentrale Rolle einnehmen. Zitat aus dem Polizeibericht. Die Rastafari -Bewegung ist groß und befindet sich in einem Zustand großer

Unruhe. Ihre Probleme erfordern vorrangige Behandlung. Zeigt, wie die Polizei darauf fokussiert war, die Bewegung zu unterbinden oder zu bekämpfen. Am 7. Mai 1959 brach auf dem Coronation Market in der Innenstadt von Kingston ein Aufstand aus, dessen Gewalt auf die umliegenden Gemeinden übergriff. Sidney Maitland, der als bärtiger Mann beschrieben wurde, wurde für die Auslösung der Unruhen verantwortlich gemacht. Ein Polizeibeamter stellte Maitland

zur Rede, der sich jedoch wehrte. Während des Kampfes mit Maitland zog ein anderer Beamter seinen Revolver und provozierte die Schaulustigen. Nachdem Maitland überwältigt und abgeführt worden war, protestierten die Anwohner gegen seine Behandlung. Die Marktangestellten legten die Arbeit nieder, Und einige Marktbesucher begannen, Steine und Flaschen auf die am Tatort eingetroffenen Beamten zu werfen. Es entstand eine Menschenmenge. Und

ein Polizeiauto wurde in Brand gesetzt. Die Rastafari hatten nun offensichtlich nicht Rastafari -Sympathisanten. Eine wichtige Entwicklung in der Ethnogenese der Rastafari. Mitglieder der Menge griffen die Feuerwehr an, die auf den Brand reagierte. Die Polizei verfolgte die Randalierer in die nahegelegenen Tattoos, Hütten, in den Rastafari -Hochburgen Kingston Pen und Backowall. Die Randalierer schlugen die Polizei mit Steinsalven zurück. Die Polizei stieg mit Tränengasbomben zurück und brannte

bis zu 50 Hütten aus. Die Polizei verhaftete mehr als 80 Personen, darunter acht Frauen. Obwohl es Beweise dafür gibt, dass Bärtige an den Unruhen beteiligt waren, stellten die Behörden sie als Rastafari -Rebellion dar, als einen massiven

Armorklauf der Rastafaris -Sekte. Ja, und viele der Rastafaris, vor allem der sichtbaren, also auch diese Unterscheidungen, lange nicht alle, die dieser Bewegung angehört haben, haben sich auch irgendwie Rastas wachsen lassen und sich lange Bärte und diese Bezeichnung auch Birz war ganz lang quasi die Polizei -Bezeichnung. für die Leute, die sie als Rastas eingestuft haben.

Und dann die, die sichtbar waren, wurden eben zunehmend dann auch verhaftet und haben natürlich auch Polizeiaufmerksamkeit auf sich gezogen automatisch. Dadurch, dass wir dann aber viele Rastas in Gefängnissen haben, heißt es, dass sich die Rasta -Ideologie auch vor allem im Knast verbreitet und sich dann auch viele Kriminelle als Zeichen der Revolte gegen die Polizei ... Rastas wachsen lassen,

Dreadlocks wachsen lassen und lange Bärte. Und dann wird tatsächlich auch wieder einfach viele Kriminelle haben in der frühen Zeit, in den frühen 50er Jahren, die eben da auch mitwirken oder die irgendwie am Rande sehr sichtbare Teile sind dann für die Öffentlichkeit. Der Coronation Market Right zeigt aber da schon, dass sie quasi in der Öffentlichkeit auch eine breitere breitere

Sympathie gibt für die Rasterbewegung. Zu der Idee, wie sie dann eben auch als Kriminelle dargestellt wurden in den Medien, vor allem am Anfang, um sie zu bekämpfen und unpopulär zu machen. Da gab es eine... Simpson war einer der wenigen Autoren, Journalisten zu der Zeit in Kingston, die das Ganze anders gesehen haben und die darüber hinaus nachgedacht haben, was hinter dieser Bewegung steckt, was nicht nur diese Kriminalität ist. Der Daily Gleaner berichtete über Simpsons ersten

Artikel. Er widerlegte viele gängige Annahmen über die im Wesentlichen kriminellen Eigenschaften der Bewegung. In den Köpfen der besseren Schichten gibt es ein etwas verschwommenes Bild der Rastafaris, in dem Bärte, Verbrechen und Ganja die einzigen erkennbaren Objekte sind. Simpson stellte fest, dass nicht alle Rastafari -Gruppen das Tragen von Bärten bevorzugen. Dennoch bekennen sich einige Bettler, Diebe und Ganja -Konsumenten

zum Rastafarismus. Wir erkennen nun, dass Simpsons Erklärung für die Entwicklung der Rastafari sowohl ein Produkt des Denkens seiner Zeit als auch eine unvollständige Theorie war. Simpson hatte sich nicht vorgenommen, die Rastafari zu studieren, sondern stieß auf sie und interessierte sich für sie, als er Revival - und Cumina -Gruppen

in West Kingston studierte. Er stellte eine Kompensationstheorie auf, nach der die Rastafari die Materialisierung einer anpassenden Aktivität sind, die es ihren Mitgliedern ermöglicht, mit Armut, Elend und der Verachtung der Bessergestellten zu leben. Simpsons Theorie war ein Fortschritt in der Betrachtung der Rastafari, dass sie Wahnsinn ausschloss und sie stattdessen als Pragmatiker Pragmatiker darstellte, die eine Lösung für die lästigen Bedingungen

von Armut und Marginalität suchten. Und diese Bezeichnung Beard, die die ganze Zeit quasi von der Polizei verwendet wird, suggeriert jetzt ja auch schon in sich so eine gewisse Männlichkeit. und auch so eine Männlichkeit der Rastafari -Identität. Und es gibt auf jeden Fall durchaus Rastafari -Gruppen und auch im Reggae ja sehr patriarchale Männlichkeitsbilder, die da quasi auch im Bezug aufs alte Testament reproduziert werden oder die man als sehr oldschool christlich ansehen

würde, sonst vielleicht. Ja, kommt auch ein bisschen daher, dass da quasi so ein bisschen das als männliches Problem gesehen wurde von männlichen Kriminellen irgendwie. Ich habe noch mal ein Zitat dazu. Der Spitzname Beard verstärkte die Vorstellung der Rastafari von männlicher Vorherrschaft. Dennoch war der Bart in den frühen 1960er Jahren zu einer derart zentripetalen Metapher für die Rastafari Identität geworden, dass er auch Frauen

in seine Sphäre ziehen konnte. Ein Polizeibeamter verkündete, ich habe tatsächlich die Königinnen dieser Bewegung mit Bärten gesehen. Ungeachtet solcher haarsträubenden Behauptungen spürte ein Reporter der Jamaica Times die Frau auf, die angeblich die einzige Frau in Jamaika ist, die einen Bart trägt. Der Reporter beschrieb die 25 -jährige Daphne Mackenzie als eine bärtige Frau, die sich den Rastafari verschrieben hatte und von den männlichen Rastafari verehrt wurde.

Man sieht, wie verwirrt der Umgang der Medien auch war mit diesem gesamten Phänomen und wie man sie ein bisschen unsicher war, ob man das jetzt einfach Wahnsinn, wie geht man damit um? Einer der großen Wendepunkte in der Rastafari -Bewegung ist der Besuch von Haile Selassie in

Jamaika 1966. Es wurde am Anfang heiß diskutiert, ob das von den Behörden auch dazu führen würde, dass dann die Leute einfach aufhören vielleicht mit der ganzen Rastafarisache, wenn sie den Mann treffen und merken, der ist vielleicht gar nicht so göttlich, weißt du? oder die Geschichte nicht ändert, wenn er nach Jamaika kommt oder wie auch immer. Und andere haben gesagt, naja, im Gegenteil, es wird noch mehr Leute begeistert, noch mehr

Leute auf diese Idee ziehen. Und am Ende kam es zu dem Besuch von Haile Selassie in Jamaika 1966. Er wird im Kingston von Zehntausenden begeisterten Rastafari empfangen und erhält eine sehr bewegende Rede. Zitat, wir müssen größer sein, als wir waren, mutiger, größer im Geist, weitblickender. Und es beende nicht die Rastafari -Bewegung. Die Gedanken werden gerade zum Ende der 60er und den 70er Jahren einen unglaublichen Durchbruch erleben und die Rastafari zu einer globalen Bewegung

machen. Und das ist der Reggae. Das hat im Endeffekt dazu geführt, dass wir heute darüber reden und Vielleicht hätten wir auch sonst drüber geredet. Aber es ist auf jeden Fall das erste Bild, was wir alle im Kopf haben, wenn wir Rastafari hören, ist Bob Marley. Der das Ganze dann natürlich mit Peter Tosch und vielen anderen in die Popkultur gebracht hat und global bekannt gemacht hat,

hier einen schönen Absturz zu Bob Marley. Geboren in St. Anne's Parish als Sohn einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters und aufgewachsen im Stadtteil Trench Town in Kingston, wuchs Bob Marley in ärmlichen Verhältnissen in einem von Unruhen geplagten Teil von Kingston auf. Fasziniert von der Musik wandte sich Marley den musikalischen Formen seiner Zeit zu und sang und spielte zunächst von Rhythm and Blues und Scar inspirierte Musik.

Da er selbst in Mittenfila Rastafari lebte, Wurde er sich der Botschaft und des Lebensstils der Rastafari bewusst und angeleitet von verehrten älteren Rastafari -Gurus wie Mortimer Plano, nahm er die Rastafari an. Marleys musikalische Weggefährten Winston Peter Torch McIntosh und Neville Bunny Livingston befanden sich auf einem

ähnlichen Identitätspfad. Ihre Identitätswandlung zum Rastafari und die Armut, Kriminalität und politisch motivierte Gewalt in Kingston prägten ihren von der Rastafari inspirierten Reggae. Die Whalers, angeführt von Marley, Tosh und Bunny, lösten sich aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über ihre musikalische Richtung und ihre Beziehung zum Produzenten und Besitzer von Island Records, Chris Blackwell, auf. Tosh und Bunny entschlossen sich, ihre eigenen musikalischen Karrieren zu

verfolgen. Wailers wurden zu Bob Marley and the Wailers. Marley schloss sich den Twelve Tribes of Israel des Propheten Gad an. Prophet Gad, geboren als Vernon Carrington, gründete 1968 die Zwölf Stämme Israels, eine der vier großen Rastafari -Gemeinschaften. Die Zwölf Stämme begannen als Zusammenschluss eines äthiopischen Weltverbandes und einer Rastafari -Gemeinschaft der äthiopisch -orthodoxen Kirche. Mehrere Praktiken zeichnen die 12 Stämme unter den Rastafari in Jamaika

aus. Sie räumen Christus in ihrer Weltanschauung eine ausdrückliche Rolle ein. Obwohl keine Einigkeit darüber besteht, ob Kaiser Selassie die zweite Wiederkunft Christi ist oder ob der Kaiser ein Gefäß Christi und nicht der wiedergekehrte Christus war. Zu den weiteren Unterscheidungsmerkmalen geführt, dass sie eine weibliche Führungspersönlichkeit

anerkennen. dass sie unter den Rastafari am erfolgreichsten bei der Ansiedlung von Mitgliedern in Äthiopien sind, dass sie nicht schwarze Menschen in ihren Reihen willkommen heißen und dass sie die Reggae -Musik als Teil ihrer sozialen Organisation anerkennen, indem sie Aufführungen organisieren und ihre eigenen Musiker fördern. Diese Unterscheidungen führten zuweilen zu Spannungen zwischen den Zwölf Stämmen und anderen Rastafari -Gemeinschaften, wie dem Nyabingi -Orden oder dem Bobo Ashanti.

Bob Marley ließ sich kurz vor seinem Tod in der äthiopisch -orthodoxen Kirche in Jamaika taufen. So viel zur religiösen Seite von Bob Marley, die vielleicht sonst nicht so belichtet wird. Und in den 1960er und 1970er Jahren kommt es dann auch in Teilen zu einer Uminterpretation

der Repatriierungsidee. Also nicht bei allen Zweigen, aber bei einigen geht es dann eben weniger um diesen physischen Umzug nach Afrika und mehr um eine innere Dekolonialisierung und so die Idee, dass man vorkoloniale Lebensstile annehmen könnte oder Denkweisen oder so ein back to the roots movement eher, ohne jetzt zu sagen, ich

muss selber nach Äthiopien ziehen. Und 2015 wurde dann Ganja für religiöse Zwecke in Jamaika legalisiert, was auf jeden Fall ein großer Sieg für die Rastafariabewegung war, nachdem sie sich davor ungefähr 85 Jahre lang mit der Polizei geprügelt hatten. Mittlerweile ist es weltweit als eine spirituelle Bewegung anerkannt, in England, glaube ich, als Religion sogar oder als Ethnie. Ich bin da irgendwie verwirrt

gewesen bei der Recherche. Man kann, glaube ich, irgendwie als ethnische Raster anleben, wenn du in England lebst. Keine Ahnung, wie das genau funktioniert. Und trotz alledem, trotz diesen Schritten zur Legalisierung der Bewegung, gibt es keine Einheitlichkeit. Das ist eine extrem vielschichtige Bewegung, die sehr schwer auf einen Nenner zu reduzieren ist. Und es gibt eben diese zwei grundsätzlichen Glaubenssätze, die

alle Rastas teilen. Das Rastafari, der lebendige Gott war oder, wie wir gehört haben, ein Gefäß Gottes. Und einige sehen ihn dann eher als Gottesrepräsentanten. Die Mehrheit sieht ihn jedoch selbst als Gott an. Und die zweite Idee, die eben die Rastas vereint, ist, dass schwarze Menschen nur in die Rückführung nach Afrika gerettet werden können. Für manche ist es eine säkuläre Doktrin, für andere eine religiöse. Und für andere, wie ich gerade schon erwähnt habe, geht es eben da um

eine innere Rückführung. Also da haben wir auch wieder eine vielseitige Ausschlegung von diesen Grundsätzen. Ja, und damit kommen wir zum Ende unserer Behandlung der Rasta -Fire -Bewegung. Ich hoffe, du hattest Spaß, Jonas, und hast ein paar Sachen, die dich überrascht haben, gelernt. Ja, auf jeden Fall. Also der Einfluss aus Indien, der kam für mich aus dem Nichts und natürlich war die Geschichte mit den österreichischen beziehungsweise italienischen Propagandisten auf jeden Fall eines

der Highlights, würde ich sagen. Ja, ich habe zum Abschluss noch ein schönes längeres Zitat aus dem sehr guten Buch von Charles Price, Rastafari, The Evolution of a People and their Identity. Muss ich noch erwähnen am Ende, weil die Folge jetzt auch sehr, sehr stark darauf aufgebaut hat, aber ich fand es so schön geschrieben und es hat so die Punkte, die ich woanders rausgefunden hatte, so gut untermauert und schön zusammengebracht,

deswegen, ja, große Empfehlung, gutes Buch. Die Rastafari sind ein Beispiel dafür, wie kulturelle Ressourcen als Rohmaterial für die Schaffung menschlicher Realitäten dienen und wie neue Konventionen entstehen. Die Rastafari wurden getadelt, weil sie die etablierten Vorstellungen von Ethnie, Gott und Anstand infrage stellten. Sie schufen unter schwerer Unterdrückung eine neue Realität, die zu den bestehenden Realitäten Jamaikas hinzu kam. Eine Realität, die sich später Zehntausende

von Jamaikanern zu eigen machen sollten. Die Vorstellung von einem schwarzen Gott, dass Cannabis heilig sei, dass man sich nicht kämmen oder die Haare schneiden dürfe und dass die Tyrannei des Kolonialismus, des Kapitalismus, des Rassismus und der Klassenunterdrückung, die sich als Fortschritt und natürliche Ordnung ausgaben, unnatürlich

und unordentlich seien. kam nicht in einem absoluten Sinne, sondern in dem Sinne, dass die Menschen die Ideen im Laufe der Zeit als real verinnerlichten und damit zur Schaffung neuer Konventionen, neuer Realitäten und neuer Wahrheiten beitrugen. Die Rastafari zwingen uns, uns mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass es mehrere sich überschneidende Realitäten gibt, während paradoxerweise viele von ihnen für die Absolutheit der von ihnen geschaffenen

Realität plädieren. Das sollte uns nicht verwirren. Man kann sich über die Vorstellung lustig machen, dass Kaiser Selassie der Irste unsterblich ist, aber heute glauben Zehntausende von Menschen daran. Eine neue Wahrheit und eine neue Realität, wenn auch umstritten, hat ihren Platz zwischen anderen Wahrheiten und Realitäten eingenommen, ob sie nun eingeladen wurde oder nicht. Und das finde ich ein sehr schönes Schlusswort zu diesem Thema. Und eine sehr schöne Zusammenfassung.

Wir hören uns in zwei Wochen wieder mit der nächsten Folge. Wir, kleine Ankündigung zum Ende. Wir haben auf nur zwei Wochen, die ein Rhythmus umgestellt ist, machst du eine Weile. Das muss nicht ewig so bleiben, aber dann haben wir ein bisschen

mehr Zeit zur Recherche, zum uns einlesen. Und ich hatte ja schon erwähnt, dass wir jetzt so ein bisschen nach zwei Jahren Podcast am Ende meines Allgemeinen Wissens angekommen sind und deswegen ich mehr lesen muss, um mich nicht die ganze Zeit zu wiederholen oder euch Unsinn zu erzählen. Deswegen, ähm, ja, deswegen jetzt erstmal ein bisschen zweiwöchentlich und dann mal schauen.

Ja, so viel dazu. Wenn ihr uns unterstützen wollt, dann könnt ihr das auf YouTube tun, im YouTube Premium oder auf Patreon, wo es die Folgen alle immer Also früher werbefrei gibt. Ihr könnt auch kostenlos bei Patreon dazukommen. Da gibt es auch viele Folgen und Posts und andere Sachen. Die meisten Sachen sieht man dann, wenn man uns unterstützt mit ab 3 Euro im Monat und ab und zu auch mal eine Premium -Folge dafür bekommt.

Und was ihr auch machen könnt, ihr könnt euch auf eine Liste eintragen hier, wo wir euch als unsere Produzenten einmal vorlesen am Ende der Folge. Dieser Moment ist jetzt gekommen. Trommelwirbel. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Freier Stuart, Onkel Didi, Alexi, Katharina, Fernando, Brigitte, Supersilvi, Lifardus, Petrosilius, Zwackelmann und Miauzetung neuerdings. Schön. Wunderbar, vielen lieben Dank. Wenn ihr uns unterstützen wollt, gerne dort. Wir freuen uns, dass ihr darüber.

ein Bier ausgibt quasi als Gegenwert oder einen Kaffee oder was man sonst wo für drei Euro bekommt, einen halben Döner. Wie ich mag, genau. Okay, dann bis zum nächsten Mal. Ja.

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