Homöopathie I: Das Leben des Samuel Hahnemann - podcast episode cover

Homöopathie I: Das Leben des Samuel Hahnemann

Jul 21, 202343 minSeason 1Ep. 30
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Episode description

Homöopathie I: Das Leben des Samuel Hahnemann

In der ersten Folge zum Thema Homöopathie werfen wir einen Blick in das Leben von Samuel Hahnemann und besprechen die drei Grundpfeiler des von ihm entwickelten homöopathischen Glaubens.

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Literatur:

https://www.psiram.com/de/index.php/Hom%C3%B6opathie

https://www.psiram.com/de/index.php/Samuel_Hahnemann

https://www.gwup.org/infos/themen/77-komplementaer-und-alternativmedizin-cam/850-homoeopathie-der-ursprung-samuel-hahnemann

https://www.spektrum.de/news/denkfehler-der-homoeopathie/1499429

https://www.aerzteblatt.de/archiv/77721/Alternative-Therapieverfahren-Homoeopathie-in-der-Kritik

https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/die-geschichte-der-homoeopathie/index.html

https://www.aerzteblatt.de/archiv/2692

https://www.psiram.com/de/index.php/Signaturenlehre

https://twitter.com/andree_dominik/status/1220891985613152256?t=OnvOXuhy8OgGEagw845jOg&s=08

Tags: Neuere und neueste Geschichte, Europa, Deutschland, Homöopathie, Medizingeschichte, Samuel Hahnemann

Transcript

Alle Zeit der Welt Ja, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Alle Zeit der Welt. Ich bin heute wie üblich hier mit Mimi und Jonas. Ich bin Jojo und heute beschäftigen wir uns mit Homöopathie. Ein Thema, wo ich heute den ganzen Tag geübt habe, wie man richtig Homöopathie ausspricht. Nein, Homöopathie. Es wird die ganze Folge über durchgehend passieren, dass ich es falsch ausspreche. Ich habe einen Sprachfehler, das ist mir aufgefallen.

Also ich habe viele Sprachfehler, aber einer davon ist auf jeden Fall, dass ich Homöopathie nicht richtig aussprechen kann und die Ös falsch setzt. Du änderst auch immer die Namen der Personen, die wir hier sprechen. Ja, das ist auch ein gängiges Ding. Es ist mir aufgefallen, du lässt dir immer interessante Konstruktionen und Variationen davon einfallen. Die verändern sich immer so über die Folge hinweg.

Ja, dementsprechend heute geht es um den Erfinder der Homöopathie Okay, nämlich Samuel Hahnemann, ein Namen, den ich zum Glück besser aussprechen kann, wie die Medizin Richtung, für die er berühmt wurde. Kurzer Disclaimer am Anfang, wir sind natürlich alle keine Mediziner und wollen eigentlich auch keine Gesundheitsratschläge geben. Das ist ein Geschichtspodcast. Uns geht es jetzt hier erstmal um das Leben einer verschrobenen Persönlichkeit, wie auch bei allen anderen.

Dabei werden wir uns aber durchaus die drei Grundpfeiler der Homöopathie anschauen. Ich hoffe, dass die Leute mir trotzdem etwas über das Leben und ein bisschen abnehmen, was ich heute erzähle, auch wenn ich den Grundstand, also das Grundding unserer heutigen Untersuchung nicht richtig benennen kann und nicht fehlerfrei aussprechen. Damit qualifiziert man sich natürlich immer schon von Anfang an. Sag ein fünftes H-Wort oder die H-Bomb.

Bevor wir einsteigen, wir haben uns jetzt viel mit Leuten aus dem 20. Jahrhundert beschäftigt. Heute gehen wir zurück ins 18. und ins frühe 19. Jahrhundert, also noch eine Ecke früher. Also Hahnemann wurde am 10. April 1755 geboren. Deswegen wollte ich am Anfang einen ganz kurzen Exkurs zur Medizingeschichte voranschieben, weil wir uns jetzt ja doch ein paar Mal mit so historischen Medizinideen, vor allem abwegigen Medizintheorien, beschäftigt haben.

Und das werde ich auch noch ein paar Mal tun werden. Und ich habe mich ein bisschen eingelesen, wann denn diese klassische Unterscheidung, die wir heute zwischen naturwissenschaftlicher Medizin und allem anderen, wann die sich quasi vollzogen hat. Und zu der Zeit als Hahnemannarzt wurde, kleiner Spoiler, als Arzt, gab es diese Unterscheidung noch nicht ganz so deutlich.

Die hat sich tatsächlich vor allem im 19. Jahrhundert dann auch im Zuge der Debatten um Hüngepartie und solche Sachen herausentwickelt. Und wurde dann viel erst im Deutschen Kaiserreich ab 1871 dann auch mit den Bismarckischen Verordnungen zu allgemeiner Gesundheit, der Veränderung von Gesundheitsreferenz, da gab es Krankenversicherungen nach und nach. Und dann wurden quasi breiten Teilen der Bevölkerung auf einmal behandelbar oder wurden auch behandelt.

Und es gab dann eben auch ab 1850 Entwicklungen in der naturwissenschaftlichen Medizin, was die Methodik angeht, was Versuche angeht mit Placebos und so. Und wo dann eben auch angefangen wurde, mit frühen Antiseptika zu arbeiten und nicht mehr nur der Adderlass das Mittel der Wahl war.

Zu Hahnemannszeiten befinden wir uns in einer super spannenden Zeit, wo diese beiden Arten von Medizin, wie wir auf Medizin des Mittelalters blicken, mit vielen unlauteren Methoden, wo es viel um Myasmen und Körpersäfte geht, die sich ganz stark auch an altgriechischen Vorlagen orientieren und eben gern Blut aus Leuten rauslassen. Und manchmal auch in Leute wieder rein mit der falschen Blutgruppe und ein Wunder, dass es nicht funktioniert und so.

Und auch die grundsätzliche Menge an Blut im menschlichen Körper weit aus überschätzt. Die haben von den sechs bis acht Litern einfach mal fünf bis sechs abgelassen und sich dann gewundert, wieso es keine Wirkung erzielt oder die Wirkung der eintretenden Tod der Patientin ist. Genau, also das ist so. Und das ist dieses Bild der mittelalterlichen Medizin, die ja tatsächlich sehr quasi alle Vorurteile,

die heutzutage gegen die Medizin kursieren, durchaus bestätigen würde. Alles, was die Leute heute über die Medizin sich erzählen, stimmt, wenn du zu einem Arzt im Mittelalter oder der frühen Neuzeit gehst. Also aus den Kreuzzügen lustige Berichte von arabischen Ärzten, die gemeint haben, also die Kreuzfahrerärzte, das sind eigentlich auch nur bessere Henker, die in die Zimmer von den Kranken geben, die nach und nach abschlachten. Was ist eigentlich so eine Methodik?

Also, und dann haben wir die heutige naturwissenschaftliche Medizin, wo man im Großen und Ganzen sagen muss, die Lebenserwartung hat sich extrem verbessert. Die Kindersterblichkeit hat sich extrem verringert. Wir haben tatsächlich nicht nur durch Impfungen, sondern eben generell durch Behandlung einen Riesengewinn an Lebensqualität und müssen nicht mehr mit Mitte 20 an irgendwelchen Seuchen sterben im Idealfall.

Dementsprechend geht es bei dem heutigen Vortrag immer so ein bisschen darum, beide Medizinbilder im Hinterkopf zu behalten, zu sehen, dass es heute immer noch wir quasi noch im Prozess ist, das richtig voneinander zu trennen und auszudifferenzieren. Was ist denn eigentlich jetzt Medizin und was ist die, in Anführungszeichen, Gute und was ist die Quacksalberei? So, die Person, mit der wir uns heute beschäftigen, Hanemann, ist eben eine Person, die in Deutschland einen Riesenanstoß gegeben hat

und diese Debatte nachpräglich prägt hat. Nicht nur, dass seine Schüler, die den Begriff der Schulmedizin erfunden haben, als Kampfbegriff gegen die, in Anführungszeichen, normale Medizin, sondern er selber hat auch einen Begriff geprägt. Die Allopaten sind für Hanemann alle Ärzte, die keine Hymiopathen sind und damit quasi sich als Allopaten disqualifizieren. Ich wurde vor kurzem zum Beispiel von einem Allopaten sehr korrekt operiert, vielen Dank dafür. Du hast das überlegt, Mensch.

Ja, ich hab's überlegt und mir geht's sehr gut mittlerweile, von daher bin ich großer Allopatie-Fan. Steigen wir ein mit dem Leben von Hanemann. Samuel Hanemann wurde, wie ich schon geteasert hatte, 1745 als drittes Kind, von Christian Gottfried Hahnemann und seiner zweiten Frau Johanna Christiane Spieß in sächsischen Meißen geboren. Sein Vater war Porzellanmaler in der berühmten Meißner Porzellanmanufaktur, also der stereotypischste Job,

der man im 18. Jahrhundert, der sächsischste Job, den man haben konnte im 18. Jahrhundert. Vielleicht nach dem sächsischen König war Meißner Porzellanmanufaktur-Mitarbeiter zu sein. Hanemann besuchte dann die Meißner Stadtschule. Die Familie fand ihn ziemlich verarmt, aber weil er so begabt war, wurde ihm das Schulgeld erlassen und er hat danach ein Stipendium bekommen, um an der Fürstenschule St. Afra in Meißen zum Gymnasium zu gehen.

Die Schule gibt es spannenderweise heute noch. Ich habe da mal nachgeschaut, also die hat auf jeden Fall 100 Jahre Tradition, diese Schule in Meißen, dieses Gymnasium. Nach seinem Schulabschluss 1775 begann er dann Medizinstudium in Leipzig, wechselte dann 1777 an die Wiener Universität und hat dort vom Leibarzt von Kaiserin Maria Theresia Unterricht am Krankenbett erhalten, bis er kein Geld mehr hatte, die Uni bzw. dieses Stipendium, diese Zeit dort zu bezahlen in Wien.

Und er dann ohne Abschluss erst mal zurück nach Sachsen kam. Über die Vermittlung von seinem Medizinprofessor wurde ihm dann aber eine Stelle angeboten, nämlich bei Freiherr Samuel von Bruckenthal, der gerade eben erst von Kaiserin Maria Theresia zum Stadthalter in Siebenbürgen ernannt wurde. Und dort sollte er als Bibliothekar, Hauslehrer und Leibarzt arbeiten, obwohl er seinen Abschluss noch nicht fertig gemacht hat.

Das ist ein bisschen was von allem über Vermittlung des Professors, ein guter Junge, der hat gerade Geldprobleme, du brauchst doch jemand in Siebenbürgen. Hahnemann ist dann nach Hermannstadt, nach Siebenbürgen mitgezogen und blieb dort zwei Jahre. Dort hat er offenbar viele Fälle von Wechselfieber, also Malaria, gesehen. Früher Malaria, man denkt immer, das gab es nicht, also wenn man so...

Der Begriff Malaria kommt selten vor, wenn man sich mit europäischer Geschichte beschäftigt, das heißt dann einfach Dittmarches Fieber oder Wechselfieber oder so. Im Endeffekt auch alles, irgendwelche Unterarten von Malaria. Und wahrscheinlich ist er auch selbst dort daran erkrankt.

Dass er dort an Malaria erkrankt ist, wird später noch mal relevant sein, deswegen erzähle ich das hier, weil das zu einem sehr berühmten Selbstversuch mit dem Malaria-Mittel sehr China-Rinde, später für 1790, die dann zur eigentlichen Entdeckung der Hymiopathie, zu dem er Entdeckungsereignis eigentlich wird. Spannenderweise war unser lieber Samuel Freimaurer. 1777 wurde er dann auf Unterstützung seines Arbeitgebers in die Freimaurer-Losche zu den drei Seeblättern in Hermannstadt aufgenommen.

Das ist die kleine Anfangslosche, später ist er dann auch noch in größeren. Auf jeden Fall ist er dann in Hermannstadt, es läuft ganz gut für ihn.

Er ist Bibliothekar, er ordnet irgendwie die private Münzsammlung von seinem Arbeitgeber, macht also alle möglichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen irgendwie an Geld zu kommen und schafft es dann aber im August 1779, sein Medizinstudium an der Friedrich-Universität in Erlangen mit einer Promotion abzuschließen, weil es in Hermannstadt natürlich keine Uni gab, hat er das in Erlangen gemacht.

Jetzt ist Hanemann Arzt, er ist quasi eine soziale Aufstiegsgeschichte, ein schlaues Kind aus armer Verhältnissen, aus Meißen, hat sich jetzt hochgearbeitet und ab jetzt könnte sein Leben eigentlich entspannt, locker, flockig voll weitergehen, aber wenn das so gewesen wäre, hätten wir heute keine Chemöopathie und ich müsste diese gesamte Folge nicht über ihn machen, schließlich.

Bei der Recherche habe ich mir manchmal gewünscht, er hätte es einfach mal hinbekommen, irgendwie seine finanziellen Verhältnisse gebacken zu kriegen, aber der Umstand, dass es sich auch die nächsten Jahre nicht so wirklich stabilisiert, führt zu einigen ganz spannenden Eskapaden in seinem Leben. Hanemann ist jetzt also promovierter Arzt, sagt man das so? Abprobierter. Abprobierter Arzt, vielleicht auch promoviert.

Er hat seine Abprobation und hat in den Folgejahren als Arzt, Chemiker, Übersetzer und Schriftsteller in vielen nord- und mitteldeutschen Städten gearbeitet. Es sind tatsächlich viele, es ist einer der wenigen Personen, die so oft umzieht, also er zieht öfter um als Helena Blavatsky, um euch eine kleine Referenz zu geben.

Ich habe zwischendrin seine vielen Stationen auch einfach abgekürzt zu so kurzen Listen, wo ich die runterlese, einfach immer zwischendrin so vier, fünf Städte, damit wir nicht auf alle Details eingehen müssen. Das wird so ein bisschen ein Run durch Mittel- und Norddeutschland. Ihr könnt gespannt zuhören und hoffen, dass eure Heimatstadt fällt und wahrscheinlich Saul Hanemann auch mal dort gelebt hat. Dass es oft umgezogen ist, da kommen wir noch zu, aber er hatte eben stark wechselnden Erfolg.

Zeitweise gab er seine ärztliche Praxis völlig auf, weil Zitat, sie mehr Aufwand gekostet als Einnahme gebracht hat und gewöhnlich mit Undankt belohnt hat. Ein Brief von ihm von 1791. Und dann widmete er sich eben, wenn er nicht als Arzt arbeitet, die ganzen chemischen Versuche mit Medikamenten, Übersetzungen und Publikationen, hauptsächlich auch im medizinischen Bereich. Zu anderen Seiten wiederum hatte er scheinbar so viele Patienten, dass er kaum mit der Versorgung nachkam.

Zitat, fast hätte ich nicht schicker schreiben können, weil ich in den wenigen Wochen, die ich in Eilenburg war, schon so mit Kunden gesegnet bin, dass ich oft nicht essen kann. Schön für ihn. Läuft. Gut, Frau Hanemann, komischerweise bleibt aber auch, wenn es gut läuft, dort nicht lange. Ich habe später mehrere Vermutungen, warum. Ich habe auch schon eine. Also Jonas, willst du mal hier ein Zitat vorlesen?

Ja. Es ist eine Beschwerde von Hanemann, ein Brief nachdem er in Stötterlitz wohnt, einem Dorf. Es ist unmöglich, noch einen Winter hier draußen auf dem Dorfe zu leben. Ich kann nicht hier mit der Literatur fortleben. Auch zu chemischen Arbeiten habe ich keinen rechten Genass. Alles muss ich durch Booten aus der Stadt kommen lassen. Alles, das trockene Brot ausgenommen. Nun hätte ich mir längst eine Wohnung in Leipzig genommen, wenn ich gern da selbst wohnen wollte.

Die Teuerung, ungesunde Luft, schwerer Mietzins vertrieben mich mit meinen Kindern hier raus. Ja, also dem Mann fehlt vernünftige Internetverbindungen, Next-Day-Delivery von Amazon. Und ansonsten wirkt der Grund, warum er nicht in Leipzig wohnt, weil die Teuerung, die ungesunde Luft und der schwerer Mietzins erstaunlich modern sind. Ich finde es ganz lustig, dass wenn man in das 18. Jahrhundert guckt, die Leute sich über die Mieten beschweren.

Genau wie heute, das ist eine der konstanten. Die Mieten sind meistens zu hoch. Abschaffen. Aber er hat mittlerweile geheiratet und hat Kinder, hast du gesagt. Das kommt jetzt gleich. Das ist ein bisschen ein Vorgriff tatsächlich, erzählerisch. Er hat da schon Kinder. In dem Moment jetzt hat er noch keine, aber er lässt sich dann an einer Station in Hetzstadt nieder, dann in Dessau und in Dessau heiratet er dann 1782, also 9 Jahre bevor er diesen Brief tatsächlich geschrieben hat.

Die Apothekersdokter Johanna Leopoldine Henriette Küchler und die beiden hatten insgesamt zusammen 11 Kinder. Respekt. Heißt, Hahnemann zieht durch Deutschland mit einer zunehmenden Anzahl von Kindern. Ich habe jetzt quasi nicht weiter im Skript erwähnt, wie viele Kinder er gerade hat, aber ihr könnt mit jedem Umzug ein halbes Kind dazu rechnen, dann kommen wir am Ende ungefähr auf 11.

Mit seiner neuen Frau zieht er dann nach Gommern bei Magdeburg, nach Dresden, nach Lockwitz, dann doch nach Leipzig, dann wieder aus Leipzig raus. In Leipzig übersetzt er aber die zweibändige Arzneilehre des Schotten William Cullen, eines damals sehr bekannten Mediziners und des Lehrers von John Brown, dem Begründer des populären Brownianismus. Da werden wir sich groß darauf eingehen, aber das waren zu der Zeit kursierende populäre Heilmethoden, wo es viel darum geht, um Energie im Körper.

Das klingt alles sehr esoterisch und es geht eben darum, teilweise die Leute nach ihren Verstimmungen zu behandeln oder Leute nach ihren quasi jede Krankheit, ist ein körperausgelöstes Ungleichgewicht der Energien, das wieder hergestellt werden muss. Klingt auch sehr von östlich mitunter.

Hahnemann ist eben der Übersetzer von solchen Schriften und ist damit an der wissenschaftlichen Front seiner Zeit und interessiert sich eben auch für diese alternativen Lehren aus England, aus Frankreich und so weiter. In dieser Übersetzung ist eine Fußnote enthalten, die von Wissenschaftlern als die erste Spur der Homöopathie betrachtet wird. Hahnemann kritisiert darin das Kalm, die bekannte Wirkung von Chinarinde bei Malaria, auf deren Magen stärkende Eigenschaften zurückführte.

Und er gab einen Bericht über einen von ihm vorgenommen, wiederholten Selbstversuch mit der Chinarinde an, die nach seinen Angelegen bei ihm alle sonst beim Wechselfieber, also Malaria gewöhnlichen Symptome hervorrief. Doch ohne den eigentlichen Fieberschauer.

Zu diesem Selbstversuch werden wir später nochmal zurückkommen, aber ihr könnt im Hinterkopf bewahren, dass dieser erste Hinweis auf diesen Selbstversuch als Fußnote in eine Übersetzung reinkommt, wo Hahnemanns Meinung eigentlich gar nicht so konkret gefragt ist, aber er kommentiert dann mal seine eigenen Gründe und quasi drunter nach guter Social Media-Manier, weil ihm persönlich ging es da ganz anders.

Im Jahr 1791 wurde Hahnemann dann in die renommierte Kurfürstliche Mainzsche Akademie nützlicher Wissenschaften zu Erfurt aufgenommen. Im Jahr 1793 wurde er dann von den Mitgliedern dieser Akademie der Wissenschaften zur Mitglied der Gelehrtakademie Leopoldina gewählt und war damit eigentlich akademisch erst mal etabliert. Leopoldina gibt es ja heute noch, ne?

Die ist heute noch eine Hausnummer, genau. Und da hat er quasi den Aufstieg, es ist quasi immer noch eine Erfolgs- und Aufstiegsgeschichte, wäre da nicht sein Privatleben, seine ständigen Umzüge und andere kleine Probleme und die gescheiterten Selbstversuche mit Chinarinde, die er scheinbar die ganze Zeit an sich. Na, im Endeffekt hat er es überlebt, ne? Orglich selbstverständlich. Chinarinde, genau, er hat anscheinend eine leichte Allergie dagegen gehabt oder eine Blutverdächtigkeit wenigstens,

deswegen hat er so reagiert. Das erklärt er dir. Da kam er aber nicht drauf. Stattdessen hat er eine neue Medizinform gegründet, um seine Allergie weg zu erklären. Finde ich tatsächlich spannend. In Gotar kündigt er dann mit einem von ihm befreudeten Verleger, seinem Kumpel Rudolf Zacharias Becher, die Gründung einer Genesungsanstalt für etwa, Zitat, vier irrsinnige Personen aus vermögenden Häusern.

Die Benennungskonvention im 18. Jahrhundert waren einfach auch super. Da hat man den noch beim Namen gelernt. Also ich gründe jetzt einfach hier eine Anstalt für circa fünf irrsinnige Personen, die viel Geld haben. Heute heißt es einfach Entzugsklinik oder so. Und die sollte von einem, Zitat, menschenfreundlichen Arzt geleitet werden, nämlich Hahnemann selber. Natürlich.

Das Konzept ist aber an sich erst mal sehr lobenswert. Es sollte in dieser Genesungsanstalt für irrsinnige Personen auf Züchtigung, Fixierung und andere Disziplinierungsmaßnahmen verzichtet werden. Die Therapie bestand im Wesentlichen offenbar in Gesprächen, möglicherweise auch bereits mit homöopathischer Medikamentengebung als Zusatz. Das heißt, wir haben ja eigentlich eine psychiatrische Anstalt, wo mit Sprachtherapie gearbeitet werden soll. Klingt erst mal sehr modern.

Ist auch tatsächlich eine gute Idee zu sagen, okay, wir lassen die Elektroschocks vielleicht weg und fesseln die Leute nicht die ganze Zeit ins Bett, wenn die depressiv sind. Vielleicht ist oder, ne? Nur eine Idee. Nur eine Idee. Vielleicht müssen wir nicht jeden wie Hölderlin behandeln. Oder ihm einen Nagel ins Gehirn treiben und eine Lobotomie durchführen, ein bisschen rumkratzen und hoffen, dass was passiert.

Und der Ansatz von Hahnemann war jetzt einfach, wir reden mal mit den Leuten. Ich glaube, wir können viel schon durch Reden lösen. Er hat dann aber wegen den hohen Kosten nur einen Patienten gefunden, der sich ihn leisten konnte als menschenfreundlichen Arzt. Da muss man sich auch was verlangen. Und das war der Autor und Beamte Friedrich Arnold Klokkenbring aus Hannover, der offenbar so eine Art manisch-depressive Gemütskrankheit hatte. Also irgendwie manisch-depressiv war wahrscheinlich.

Im Frühjahr 1793 entließ, also ein Jahr später, entließ Hahnemann Klokkenbring als geheilt, musste danach allerdings seine Anstalt mangels weiterer Patienten schließen. Das große Problem erfolgreicher Kliniken. Vor allem wenn man nur einen Patienten hat, wenn man den zu schnell heilt und in der Zeit keine neuen Patienten dazukommen, dann ist danach die Anstalt halt leer. Vor allem wenn man die grundsätzlich erstmal für vier Leute angelegt hat.

Hahnemann ist zu diesem Zeitpunkt jetzt 38 Jahre alt, hat verschiedenste akademische Würden bereits erreicht, aber er hat immer noch kein Geld. Und seine Geldversuche, wie das jetzt mit dem Verleger eben zu sagen, wir machen was Handfestes, wir ziehen was auf und wir auch noch auf reiches Klientel irgendwie abgezieht. Er hat ja tatsächlich sich Gedanken gemacht, wie komme ich an mehr Geld?

Ich behandle jetzt reiche Menschen, die sich eben da vielleicht selber nicht in eine psychiatrische Anstalt einweisen lassen, weil sie wissen, wie sie dort behandelt werden. Den will ich ihnen Alternative anbieten, eine teure. Ging wieder leider nicht auf diese Geschäftsidee.

Dementsprechend macht sich Hahnemann wieder mit seiner Frau und Kindern auf die Karawanenreise durch Deutschland und zwar nach Mollschlepen, nach Göttingen, nach Pürmont, nach Wolfenbüttel, nach Braunschweig und nach Königslutter. Macht er die alte Okulistentechnik, die Starstecher, die von Ort zu Ort ziehen, alle Leute eine Nadel in die Augen stechen und meinen Seil in die von grauen Star und wenn der Verband dann nach drei Wochen abgenommen wird, ist der Arzt, der Okulist schon weiter?

Genau, also diesen Verdacht bekommt man, wenn er ein besonders beliebter oder guter Arzt gewesen wäre, dann wäre er doch irgendwo geblieben. In Leipzig, die später zeigen, Teil des entstehenden Problems ist, dass Hahnemann die ganze Zeit sagt, er will seine Medikamente alle selber machen und selber anmischen.

Und die Apotheker sagen, Moment, wir haben hier ein königlich oder ein Quasikurfürstlich, je nachdem eben zertifiziertes Monopol, dass wir die einzigen sind, die Medikamente anmischen dürfen. Und er ist dann eben lokal mit den Apothekern komplett überworfen, hat sobald rauskommt, der Arzt war bei mir der Neue und der hat alle Medikamente bei mir selber in der Küche hergestellt. Oder quasi in seinem kleinen Köfferchen selber spontan zusammengemischt. Der Walter White 18. Jahrhundert.

Ja, aber das ist auf jeden Fall einer der Gründe dieser ständigen Apothekerstreits. Während diesen vielen Umzügen führt Hahnemann weitere Experimente mit Arzneistoffen an sich und anderen vor. Das ist natürlich gut, wenn man elf Kinder hat. Große Kontrollgruppe. Genau. Die ging dann in den ersten Aufsatz über das Heilprinzip, das später das Hymiopathische heißen sollte ein.

Mit dem Titel Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen, nebst einigen Blicken auf die bisherigen. Aber nur einige, nicht alle. In diesem Aufsatz formuliert Hahnemann das erste Mal jetzt nach ihm das Prinzip Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen. Auf Latein Simila similibus correntur. Und versucht mit einer ganzen Reihe von scheinbar empirischen oder empirischen Beobachtungen dieses abzustützen.

Unter anderem mit weiteren Selbstversuchen, Vergiftungsberichten von Patienten und einigen fremden Heilungsgeschichten, die er durch das Simili Prinzip erklärt oder die in den anderen Quellen so erklärt wurden. Hier der erste Einschub, denn das Simili Prinzip ist eine der, würde ich sagen, drei Säulen der Hymiopathie.

Deswegen vielleicht hier ein Zitat aus dem unglaublich schlecht geschriebenen, schlecht recherchierten und vorwaschenpositiven Artikel vom Bayerischen Rundfunk über Hahnemann. Jonas, bitte. Bei der Übersetzung eines Arzneimittel Lehrgukurses fällt Hahnemann eine Unstimmigkeit auf. Er unternimmt einen Selbstversuch mit der Chinarinde und stellt bei sich genau die Symptome fest, gegen welche Chinarinde eingesetzt wird.

Hahnemann litt an einer Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff. Dennoch ist dieser Versuch für ihn der Ausgangspunkt, seine Ähnlichkeitsriegel zu entwickeln. Hahnemann postuliert, Ähnliches könne mit ähnlichem geheilt werden und sucht nun Mittel, die Wirkungen haben, die echten Krankheiten möglichst ähnlich sind.

Diese Mittel verdünnt er dann auf spezielle Weise so stark, dass kaum noch etwas der Ausgangssubstanz in ihnen vorhanden ist. Er nimmt seine ärztliche Praxis wieder auf und beginnt erneut, Patienten zu behandeln. Der BR spinnt da quasi so diese Erzählung. Hahnemann wäre Arzt gewesen, seine ganzen Patienten wären in einer klassischen Medizin gestorben oder hätten darunter sehr gelitten unter den Methoden.

Er konnte das gewissenstechnisch mit sich nicht vereinbaren, hatte dann diesen Selbstversuch bei der Übersetzung und beginnt dann, nachdem er diese neue Methode gefunden hat, wieder mit der Behandlung von Patienten, jetzt wo er weichere, keinen Schaden mehr anrichten kann. Dass diese Erzählung komplett der Humbug ist, werden wir heute in dieser Folge eindrücklich sehen. Ich würde viel eher behaupten, dass sich ständige Geldprobleme von ihm viel größere Auslöser mitunter wahren für Entwicklung.

Wir werden später auch noch einige Abwege sehen, wo er versucht hat, andere Misslchen zu verkaufen, um einfach nur Geld zu verdienen. Dieser BR Artikel, also ja, und was in diesem Artikel jetzt zur Ähnlichkeitsregel so knapp erwähnt wird, müssen wir uns kurz ein bisschen genauer anschauen. Weil da wird eigentlich postuliert, dass jede Krankheit durch die Substanz geheilt werden könne, die beim gesunden Menschen der Krankheit ähnliche Symptome hervorruft.

Ja. Also wenn mir übel ist, muss ich ein Brechmittel nehmen, aber halt sehr verdünnt. Zu der Verdünnung und der Potenzierung, und so kommen wir später noch, das war am Anfang auch kein so großes Ding. Da wurde das auch mit Weilen nur sehr, sehr lapidar, spontan verdünnt, also viel weniger stark wie dann später, also die höheren Potenzen entwickelt. Aber diese Grundidee ist einfach schon mal bescheuert zu sagen, wir müssen etwas geben, was die Symptome vor allem von der Krankheit auslöst.

Nicht die Ursachen, sondern Symptome. Und dann finden wir was, was diese Symptome bei einem Gesunden verursacht, und dann geben wir, dass der Krankenperson verdünnt. So weit hergeholt finde ich das jetzt auch nicht. Wenn man sich Impfungen anschaut, die basieren ja auf einem ganz ähnlichen Prinzip. Man spritzt entweder lebende oder abgeschwächte Bakterien, Viren, und um den Körper und das Immunsystem darauf vorzubereiten und für eine weitere Erkrankung zu immunisieren dadurch.

Das dann zu übertragen auf Gifte und andere Dinge ist jetzt weit hergeholt und ist empirisch nicht, also ist auf jeden Fall falsifizierbar. Aber so die grundsätzliche Idee ist ja jetzt nicht so weit hergeholt, auch nicht für die normale Medizin. Da hast du schon recht, aber wenn jemand, das wie ich jetzt auch wieder in Ursachen basiert ist, denkt, oder zu sagen, also da wird die Krankheit ausgelöst oder wenn ich die Krankheit schon mal hatte, dann kann ich die Krankheit nicht wieder bekommen.

Also dieses Seidenken ist eher zu sagen, wenn ich Fieber bekomme, dann muss ich also was geben, was das Fieber potenziell verstärkt. Aber weil ich sehr gering dem Körper zufüge, führt das zu einem gegenteiligen Effekt. Und ich verstehe deinen Punkt absolut. Du hast recht, es gibt auf jeden Fall Beobachtungen und es gab auf jeden Fall auch eine medizinische Tradition, die sagt, das ist nicht aus dem Nichts gegriffen, das hat er nicht nur sich ganz allein erfunden.

Es gibt von Hippocrates zum Beispiel ein Zitat, durch das Ähnliche entsteht die Krankheit und durch die Anwendung des Ähnlichen wird die Krankheit geheilt. Das wurde auch von Hahnemann zitiert. Der Unterschied ist, dass es von der eigentlichen Faustregel, die es bei einigen der vorherigen medizinischen Empfehlungen war, eine Vorgesetzendung erhoben wird, dass gesagt wird, alle Krankheiten funktionieren so und das ist so eine Art unentdecktes Grundgesetz der Gesundheit.

Das Problematische ist, denke ich auch, dass es mit der Kinderrinne angefangen hat und die bei dem die Symptome hervorgerufen hat und er das auf alles übertragen hat. Das ist so ein Schluss vom Einzelnen aufs Allgemeine, den wir ja häufig in radikalen Theorien, in Verschwörungstheorien oder pseudowissenschaft kennen. Ich glaube, das ist das größte Problem. Ja, ja, hast du recht. Und da verschwimmt dann auch so ein bisschen die Grenze zwischen magischem Denken und Wissenschaft.

Es gab auch diese Signaturenlehre, ich weiß nicht, ob ihr das schon mal gehört habt, davon grenzt sich Hahnemann eigentlich immer ab, das war zu seiner Zeit auch eben populär, dass man gesagt hat, dass die Äußerlichkeit von Pflanzen den Symptomen entsprechen. Nomen est omen. Das heißt, man identifiziert z.B. Walnüsse gegen Probleme im Kopf, weil es aussieht wie ein Gehirn. Und Schlangenneuronen für Potenzprobleme.

Genau, deswegen wird auch in der traditionellen chinesischen Medizin gibt es diese Signaturenlehre eben auch. Deswegen wird da auch das Nashornhorn gegen Potenzprobleme. Zum Beispiel, weil das hart ist und immer, weißt du, da wird dann gesagt, okay, wir müssen was hartes vom Tier den Personen geben, Tigerzahn oder Nashorn damit sein.

Diese Idee, was ich sehr lustig fand bei der Recherche, ist, dass bei Depressionen in Deutschland Signaturenlehre Anhängende diese Blumen empfohlen haben, die den Kopf so hängen lassen. So quasi Maiglöckchenartige. Also diese Blumen, die eben oben, da gibt es Begriff dafür, ich habe es vergessen, aber so Maiglöckchenartige Blumen, die die Kelche so nach unten hängen, dass man die quasi gegen Depression verwendet und dass sie dementsprechend helfen müssen, weil die quasi symbolisch das zeigen.

Interessant. Bei Steiner und anthroposophischer Medizin zeigt sich das zum Beispiel daran, dass gewisse Misteln bei Krebs gegeben werden, weil die Mistel als parasitäre Pflanze gesehen wird und dann gesagt wird, genau wie der Krebs im Körper, ist die Mistel ein Parasit für den Baum. Und deswegen, wenn man gewisse Mistelarten für Männer und für Frauen dann gibt, dann wird er mit der Krebs bekannt. Es geht auch auf so eine Art von Signaturenlehre zurück. Höchst problematisch. Mein Gott, Scheiße.

Ich will nicht, dass mir mein Arzt Pflanzen gibt, die so aussehen wie ich, wenn ich in die Praxis komme. Okay, zurück zu Hahnemanns Leben. 1799 zog Hahnemann mit seiner Familie mal wieder um, inzwischen mit acht Kindern nach Altona. Dort liefen die Versuche, seinen Lebensunterhalt zu erwirtschaften nicht besonders gut, vor allem mit immer mehr Kindern, wo die Kosten immer höher waren. Altona, auch damals schon, kein so besonders günstiges Pflaster.

Er wollte dort, weil da viele reiche Menschen eben damals schon gelebt haben, wieder eine psychatrische, eine Protopsychatrische Behandlung aufmachen. Die Kur des psychisch kranken Dichters Johann Karl Wenzel, die nach dem Muster seiner vorherigen Behandlung übernahm, dann dort in Altona, schmuck aber relativ schnell fehl,

da er mit der aggressiven Haltung des Patienten nicht zurecht kam. Seine im Reichsanzeiger beworbene Schrift Heilung und Verhütung des Scharlachsfiebers, nebst einem Pöferchen, das gegen Ansteckungen mit Scharlach schützen sollte, erwies sich ebenfalls als erfolglos. Also er versucht wieder alles Mögliche irgendwie mit seinem Wissen Geld zu verdienen. Aufgrund seiner prekären ökonomischen Lage folgte 1800er ein weiterer Ortswechsel nach Mölln.

In dieser Zeit bewahrt und verkaufte er ein selbst hergestelltes neues Laugensalz, in Anführungszeichen, das sich aber bald als altbekanntes Borax erwies, so ein Mineral. Er gestand seinen Fehler ein und gab das eingenommene Geld zurück. Also hier sind wir am absoluten Tiefpunkt. Er bewirbt Zeitschriften, versucht Pöferchen gegen Scharlachfieber zu verkaufen. Heutzutage hätte er einfach einen Telegram-Kanal und würde irgendwie Mittel gegen Corona verticken, selber zusammen gebraute.

Er wird dann aber tatsächlich immer wieder entlarvt, sogar um 1800 irgendwas, was mich wirklich überrascht. Damals kam er ja eigentlich tatsächlich mit solchen Betrügereien noch relativ gut durch, wie sollten sich die Leute auch informieren. Aber er schafft es immer wieder enttarnt zu werden und muss dann wieder umziehen. Und jetzt ist er eigentlich an seinem Tiefpunkt eingekannt.

Also obwohl er trotz seiner akademischen Würden, er hat keine Kohle, er zieht die ganze Zeit um, er ist als Schlangengiftverkäufer, als Quacksalber in mehreren Orten quasi verschrien. Das sind verbrannte Aarer, er kann nicht mehr zurück nach Altona, er kann nicht mehr zurück nach Mölln. Er hat sich wahrscheinlich in allen anderen Orten, wo er vorher gelebt hat, jetzt sind 15 Städten mit allen Apothekern überworfen.

Und zieht dementsprechend direkt noch mal viermal um, nach Machern, nach Eilenburg, nach Schildau und nach Thorgau. Wir sind am Tiefpunkt von Hahnemanns Leben angekommen. Ich fürchte, für die Menschheit geht es danach nicht aufwärts. Ja, das ist eben die Frage. Aber für ihn geht es doch nach aufwärts, Mimmi. Darüber müssen wir uns auch mal freuen können.

Hahnemann begann in dieser Zeit in seinem Krankenjournal, was er über die Krankenbehandlung geführt hat, als erste Mal jetzt zweifelsfrei mit Behandlung nach homöopathischem Ähnlichkeitsgesetz, die da auch nachzuweisen fügen. Er begann immer kleinere Dosen zu verwenden von Medikamenten, die tatsächlich so auch verwendet wurden, was zu einem Aufsatz führte von ihm, der, Zitat, großartiger Titel, über die Kraft kleiner gaben der Arzneien überhaupt und der Belladonna insbesondere hieß.

Was ist die Belladonna? Weiß es auch noch von euch? Tollkirsche. Ja, das ist die Tollkirsche und von der sollte man generell nicht so große Dosen nehmen. Von daher ist das ein sehr sinnvoller Artikel von ihm. Die heißt übrigens Belladonna, also schöne Frau, weil Frauen früher Tollkirsche gegessen haben, um größere Pupillen zu haben und das als Schönheitsidee hergehalten. Darüber müsste man tatsächlich auch mal eine Folge machen, Datingverhalten irgendwie in so verschiedenen Zeiten.

Also so in Japan, bevor die 18. Jahrhundert, wo das Schönheitsideal war, dass die Frauen komplett schwarze Zähne hatten zum Beispiel. Und solche Sachen wie, dass große Pupillen als sexy galten und wozu das dann führt natürlich, weil Leute dann diesem Schönheitsideal entsprechen wollen. 1810 kam dann schließlich von Hahnemann die erste Auflage seines Grundlagenwerkes zur Hämöopathie, damals darunter dem Titel Organon der rationalen Heilkunde.

Ne, rationellen Heilkunde hat er geschrieben. Später hieß es dann einfach nur noch Organon der Heilkunst. Das ist bis heute eigentlich das grundlegende theoretische Werk der Hämöopathie. Das Organon wirkte auch wegen der in ihm enthaltenen sehr scharfen Polemik gegen die von ihm als Allopaten abgelehnte gängige Medizin. Sehr polarisierend auf die medizinische Landschaft damals in Deutschland.

Und Hahnemann wurde eigentlich damit über Nacht mit diesem Werk als Haupt einer neuen Medizinschule angesehen. Nicht schlecht. Das war sein großer Durchbruch. Ab jetzt ist er jemand in der Medizin. Er ist nur der Quackseiber, der irgendwie Borax als große Erfindung vertreibt oder so. Sondern jetzt ist er nahe mit den anderen kennen, über den wir diskutiert jetzt auf einmal. 1811 folgte dann das erste große Werk, das ein Programm der Prüfung der von Arzneimitteln an Gesunden umsetzte.

Nämlich der erste Band der reinen Arzneimittellehre, die es später auf sechs Bände bringen sollte. In der schreibt er eben seine Methode fest, Experimente an Gesunden, vor allem an sich selbst, an der Familie und seinen Schülern zu der Zeit umzusetzen. Das ist die zweite, nach dem Simile Prinzip, die zweite große Säule der Hymiopathie, nämlich die Arzneimittelprüfung an Gesunden. Im Gegensatz zur gängigen, echten Medizin, in der es dann, erklär das mal, wie das funktioniert.

Du hast deine Referenzgruppe, deine Blindgruppe, beide Gruppen wissen nicht, was sie bekommen. Und dann untersucht man, was für Symptome oder wie das Ganze, welche Nebenwirkungen die Leute haben und wie das Ganze wirkt. Bei kranken Menschen aber. Menschen, die Beschwerden haben meistens. Ich glaube, die Neuzulassung für Aspirin wird wahrscheinlich an einfach Menschen, die schon mal Kopfschmerzen hatten gemacht, was quasi jeder ist.

Aber ansonsten, deswegen gibt es immer in der U-Bahn diese kleinen Schildchen, wo drauf steht, haben Sie Krankheit XY, dann können Sie 2000 Euro verdienen, indem Sie bei der Charité, bei Medikamententests mitmachen für ein halbes Jahr. Also, Hanemann entwickelt eben ein, damals war das in der Medizin noch nicht festgelegt, das Prinzip, wie das heute ist. Um 1810, Hanemann entwickelt sein eigenes Konzept, dass Arzneimittel an gesunden Menschen geprüft werden.

Das Problem damit ist natürlich, dass gesunde Prüfer dann diese Mittel nehmen und sich irgendwie alle Veränderungen notieren, die sie wahrnehmen. Die notierten Symptome und Veränderungen werden dann zu einem Arzneimittelbild zusammengefasst und auf der Basis verabreicht. Spannend, oder? Interessante Idee. Grundsätzlich haben wir eine interessante Idee, ist halt Quatsch, aber ist trotzdem eine spannende Idee. Kann man ja mal so machen.

Die Subjektivität der ganzen Angelegenheit ist eben halt das Problem. Das den Kassel danach keine erhaltbaren Schlüsse, welche Symptome jetzt Mittel wirklich erfuhlt und wofür das dementsprechend eingesetzt werden sollte. Na ja, weiter geht's. 1812 schaffte Hanemann dann die Lehrbefugnis an die Universität zu erlangen, die Habilitation.

Und wurde nun tatsächlich zu dem Begründer in eine heilkundliche Richtung, weil er eben an der Uni gelehrt hat und dort Studenten und Schüler um sich sammeln konnte. Und dementsprechend auch sein Arzneiprüfungsprogramm mit neuen Kräften und neuen Versuchspersonen fortsetzen konnte. Dort hielt er dann verschiedene Vorlesungen zur Geschichte der Medizin, die war nicht besonders kontrovers. Und eben seine Vorlesungen zur Hymiopathie, die durchaus sehr kontrovers waren damals schon.

Und die damals schon zu akademischen ausgedehnten Fäden mit anderen Medizinprofessoren geführt haben. Eine dieser Auseinandersetzungen war zum Beispiel mit Karl Heinrich Zondi von der Universität Halle.

Einem Professor dort, der mit Hanemann darüber diskutiert hat, ob man bei Verbrennungen jetzt möglichst warmes oder kaltes Wasser anwenden sollte, um sich eben mit ihm über sein Ähnlichkeitsprinzip zu streiten und hat eben argumentiert, wenn du dich verbrennst, machst du da auch kaltes Wasser drauf und machst da kein warmes Wasser drauf. Wenn du angeschossen wirst, musst du dich einfach nochmal anschießen, um der Wunde zu heilen. Sehr verdünnt nochmal, sehr verdünnt in die Wunde.

Kleinkaliber, Kleinkaliber, dann nochmal nach. Ganz klein, ganz, ganz klein. Die Lehrbefugnis hatte er übrigens in Leipzig erlangt, hab ich vergessen zu sagen, ist er nach Leipzig gezogen eben auch, ist dort in die Freimauber Lourche Minerva zu den drei Pralmen, einer deutlich größeren wie der alten, der mal zu irgendwie zugehörig war in Siebenbürgen, zu der der Tritt er bei, dieser großen Leipziger Lourche. In den nächsten Jahren, so bis 1830, formulierte er immer weiter seine Theorien aus.

Dabei kommt es immer wieder zu Radikalisierungen innerhalb seiner These und Neuausrichtung, die nicht nur auf Freude unter seinen Schülern und seinen Gefolgsleuten irgendwie stößt. Das fand ich ganz interessant einfach zu sagen, dass es damals eben schon eine ständige Debatte gab zu den Lebzeiten Hahnemanns, eigentlich in einem akademischen Kontext der Zeit über diese Methoden. Und Hahnemann sich durchaus zunehmend auch in den Streit in radikalere Positionen zurückzieht.

Also je mehr sich Hahnemann von den anderen Professoren als angefeindet zieht, desto radikaler werden seine Theorien auch. Zum Beispiel hat er dann das Buch Chronische Krankheiten veröffentlicht, wo es um so Sachen wie Syphilis und so ging. Seine Theorien zur Behandlung von Syphilis wurden damals stark in Frage gestellt. Ein zweiter Stein des Diskursanstoßes war die neue Lehre von der Arzneipotenzierung.

Hahnemann verkündete nun, dass die Methode der Verdünnung mit gleichzeitiger mechanischer Bearbeitung, also Schütteln oder Reiben, nicht nur Nebenwirkungsärmere Arzneien hervorbringe, sondern diese spezielle Methode ihre Heilkräfte sogar erst tatsächlich aufschließen würde. Da wird es jetzt tatsächlich zunehmend magisch und esoterisch. Da wird zunehmend jetzt quasi dann, am Anfang war es nur die Verdünnung und jetzt sind wir an dem Punkt, wo wir von rein der Verdünnung schon weit weg sind.

Es geht nicht mehr um die Simile und die Verdünnung, sondern es geht darum, dass wenn ich das auf eine gewisse Art schütte oder schlage, ich gewisse Energien freisetze in dieser Verdünnung, die dann tatsächlich zu einem höheren Heileffekt führen. Interessant. Endlich sind wir da angelangt. Aber jetzt wird es magisch. Genau. Dann, Achtung Leute, die Folge wurde ein bisschen zu lang. Wir haben sich mal wieder in zwei Teile gegutt.

Hier endet die erste Folge. In der zweiten Folge werden wir uns mit dem Rest von Hahnemanns Leben beschäftigen und ein bisschen mit der zeitgemässigen Kritik und den Versuchen gegen ihn. Ja und ein bisschen uns über die Hygienopathie allgemein unterhalten. Über Hundekot und Männermilch. Oh, stimmt. Über Hundekot ist eigentlich ein Highlight. Kommt erst im zweiten Teil. Also hört ihn euch unbedingt an. Es geht um Hundekot und Männermilch und Frauenmilch und generell Lakumana, Humanum.

Lasst uns ein Like da teilt uns. Wir freuen uns über all die neuen Hörer, die über eure Empfehlungen reinkommen. Und ja, bis nächste Woche zum zweiten Teil mit Hahnemann und seinen lustigen Ideen zur menschlichen Medizin und Gesundheit. Bye bye. Bye bye.

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