Alle Zeit der Welt Herzlich willkommen zur neuen Folge von Alle Zeit der Welt. Heute mit einer etwas kürzeren Ausgabe als sonst gehe ich jedenfalls davon aus, dass es kürzer wird. Hoff ich für uns alle. Wir haben in unserem Podcast bisher viele Verschwörungstheorien behandelt, ohne dass wir das jemals konkret so richtig beim Namen genannt hätten.
Es ist so ein roter Faden, der sich seit den ersten Folgen eigentlich durchzieht, ohne dass wir wirklich mal genauer darauf eingegangen sind, was überhaupt Verschwörungstheorien sind und das uns sehr fasziniert. Und das ist durchaus neben Esoterik und Ideologien und Faschismus und allen anderen Glaubenskonstrukten, mit denen wir uns so beschäftigen, einer der roten Fäden ist, die sich auf jeden Fall durchgezogen haben.
Deswegen soll es heute um so eine ganz kurze Geschichte der Verschwörungstheorien gehen. Was ist das? Wo kommt es her? Und warum sehen wir davon heute so viel? Wir haben einen ganz kurzen Blick zurück auf die letzten 20 und ein paar zerquetschte Folgen. Wir haben ganz am Anfang ja angefangen mit Hexenverfolgen und dem Hexenhammer. Und das ist ja selber schon ein Buch, das den Glauben an die Verschwörung, an dunkler Mächte, zur einzig orthodoxen katholischen Lehrmeinung machen wollte.
Also ein zutiefst Verschwörungstheoretisches Buch, das eben seine Hexenglauben propagiert hat. Und damit im deutschen Sprachraum auch einen unglaublichen Erfolg hatte. Dann haben wir danach über Edward Kelly und John Dee gesprochen. Inwiefern waren die denn vielleicht verschwörungsgläubig? Ich würde nicht sagen, dass man John Dee und Edward Kelly als verschwörungsgläubige oder Verschwörungstheoretiker bezeichnen könnte.
Man muss da schon noch eine Grenze ziehen zwischen Spiritualität, dem Glauben und so ein bisschen esoterischem Schwurbler-Tum, dem die beiden so ein bisschen angehangen haben. Aber für mich hat das nicht den Charakter von der Verschwörungstheorie, weil vor allem das Böse nicht so zentral ist. Bei mir haben Verschwörungstheorien immer etwas mit dem Bösen zu tun, das irgendwie seinen Wesen in dieser Welt treibt und das auf die eine oder andere Weise besiegt werden muss.
Also gerade bei John Dee und Edward Kelly waren es sehr engel, mit denen sie gesprochen haben. Primär zumindest. Und sie waren... Aber auch Dämonen und dunkle Mächte, mit dunklen Mächten standen sie ja im Kontakt. Ich meine, man kann gute Argumente finden, auch Religion als Verschwörungstheorie zu bezeichnen. Auch das Christentum basiert auf Vorstellungen des Guten und des Schlechten, des Tadelhaften und des Gutenhandelnds.
Verortet die Menschen in einer Welt, die irgendwie rationalisiert wird und gibt den Menschen Handlungsverhandlungen. Die große Verschwörungstheorie des Neuen Testaments werden wir gleich noch behandeln. Das wird Inhalt der heutigen Folge sein unter anderem. Aber du hast sicherlich einen guten Punkt, dass Edward Kelly und John Dee keine klassischen Verschwörungstgläubigen waren.
Und wir da heute ein bisschen an der Abgrenzung arbeiten müssen auf die kommenden Folgen, was denn als Verschwörungsgläubiges genau zählt und was nicht mehr. Ja, die Ariosophen, die uns Mimi vorgestellt hat, so im Detail waren auf jeden Fall verschwörungsgläubige Antisemiten, die sich ja auf jeden Fall sehr sehr sehr larpig ihre eigenen Orden und ihre eigenen Adelstitel und was weiß ich was verliehen haben, um Teil von eigentlich einer Verschwörung zu sein.
Die Thule-Gesellschaft war auch in etwa eine echte Verschwörung. Und auch dieser Glaube, dass die Armanenschaft quasi die Menschheit führt und sie Teil der Armanenschaft wären und da quasi sich in die Priesterwürde erheben, ist ja so eine Art verschwörerisches Cosplay. Die hätten alle extrem viel World of Warcraft gespielt, muss ich mir denken, wenn ich immer die Ariosophen lese. Das sind einfach Geschichtsnurse, die kein guter Outlet gefunden haben, außer der Faschismus.
Zurück zu unseren Verschwörungsgläubigen. Rudolf Steiner hat ja behauptet, nach dem Brand des Goetheaniums, ich glaube ich habe es falsch ausgesprochen in der anderen Folgen, wurde er auf Twitter zurechtgewiesen und jetzt weiß ich wieder nicht, wie man es richtig ausspricht.
Auf jeden Fall des großen Schreins der Anthroposophie, nachdem das erste Mal niedergebrannt war, die Holzversion, wurde da ja auch von Steiner vermutet, dass er die Freimaurer dahinterstecken müssen und er hat ja auch nach dem ersten Weltkrieg Schriften gefördert, die Juden und Kommunisten die Schultern im ersten Weltkrieg gegeben hat, was jetzt wirklich eine weit hergeholte Verschwörungstheorie im eigentlichen Sinne ist. Und, wen haben wir vergessen?
Ist vielleicht auch zu erwähnen, wenn es um Verschwörungstheorien geht, ne? Ja, das ist natürlich tatsächlich ein reiner Text, ähnlich dem Hexen haben wir, ein reiner Text, der geschrieben wurde, um eine Verschwörungstheorie zu propagieren. Nicht den Glauben an die Hexen in dem Fall, aber mit vielen Parallelen dazu gebastelt, die der Verschwörungsglauben, die Theorie der Weltverschwörung der Zionisten.
Und, ja, man sieht schon ein bisschen, das hat uns die ganze Zeit eigentlich begleitet, auch wenn wir das nicht immer so zwingend zu genannt haben. Ich habe jetzt hier eine Definition rausgesucht. Also, die Definition lautet Verschwörungstheorien. Wir erlaubten, dass mächtige Akteure hinter den Kulissen einen perfiden Plan verfolgen und deshalb die Geschehnisse manipulieren. Michael Barcoun zur Folge zeichnet sich Verschwörungstheorien durch drei Grundannahmen aus.
Sie gehen erstens davon aus, dass nichts durch Zufall geschieht, dass alles so geplant wurde. Zweitens behaupten sie, dass nichts so ist, wie es scheint, dass man alles, also immer hinter die Fassade blicken muss, um zu erkennen, was wirklich geschieht. Und drittens nehmen sie an, dass alles miteinander verbunden ist, dass es Beziehungen zwischen Ereignissen, Personen und Institutionen gibt, die man nur erkennt und die nur Sinn ergeben, wenn man von einer großen Verschwörung ausgeht.
Alles und nichts darf man allerdings nicht streng wörtlich nehmen. Das ist eine Definition. Das ist eine Definition davon. Es gibt natürlich verschiedene Definitionen, da hast du sicherlich recht, aber das war die, die ich ansprechend und gut fand. Weil die mit diesen drei Kategorien so ein bisschen den Rahmen gibt, die drei Punkte, also kein Zufall, alles bezieht sich aufeinander.
Und diesen größeren Hintergrund hinter all diesen Sachen macht eben nur Sinn, wenn man an diese Verschwörung glaubt, von dieser spezifischen, dunklen, mächtigen Akteurinnen hinter den Kulissen. Es gab länger in der Forschung die Theorie, dass Verschwörungstheorien eine Konstante der Menschheit wären, dass wir quasi immer mit Verschwörungstheorien gelebt haben und dass quasi eine gedankliche Ebene von uns ist.
Historisch wird dem mittlerweile aber widersprochen in vielen Punkten und es lassen sich quasi nur vereinzelte Vorfahren von klassischen Verschwörungstheorien in der Antike oder bis in die Antike zurückverfolgen. Was davor war, bevor die Menschen geschrieben haben, wissen wir natürlich nicht. Aber seit sie geschrieben haben, gab es, gibt es quasi lange Zeit nur sehr vereinzelte Beispiele davon und dann ein vermehrtes und deutlich verstärktes Aufkommen in der Moderne.
In der Moderne meine ich nach dem Buchdruck, nach der Erfindung des Buchdrucks und der Schaffung einer größeren Öffentlichkeit durch Medien.
Ganz am Anfang steht aber, wie wahrscheinlich, die älteste Verschwörungstheorie, die ich in der westlichen Welt auf jeden Fall ausfindig machen konnte, nämlich die Offenbarung des Johannes und der Verschwörungsglaube, dass Nero nicht wirklich tot ist, wie es überall damals verlautbart wurde nach dem tatsächlichen Tod Neros, sondern der Glaube daran, dass Nero am Südpol lebt mit seinen anderen Nazis.
Nein, Nero, der Kaiser, die Baadi Theorie, hat sich nur in den Balkan zurückgezogen, um zu warten, bis die ganzen Christen und seine ganzen politischen Gegner aus ihren Löchern kommen und seinen Tod feiern, um dann zuzuschlagen und ihnen ein für alle Mal den Gau auszumachen. Er sei quasi verletzt worden, statt getötet und hätte sich zurückgezogen, um sich neu zu gruppieren und würde aber wiederkommen. Und die Offenbarung des Johannes ist quasi das letzte Buch des Neuen Testamentes.
Ihr erinnert euch alle. Aber höchstwahrt die Forschung geht davon aus, dass es das jüngste Buch des Neuen Testamentes ist, also das Buch, was als erstes geschrieben wurde, vor den Evangelien, vor den Paulusbriefen und den ganzen anderen Sachen. Deshalb ein bisschen lustig, dass es am Ende steht und das wirreste Buch des Neuen Testaments ist mit den meisten Uneindeutigkeiten und so, dass das eben das erste frühchristliche Schriftstück ist, das es in den Kanon dann geschafft hat, später.
Und tatsächlich ist es eben der Brief von diesem Johannes von Patmos, der da im Gefängnis sitzt auf dieser Insel Patmos und der seine christlichen Mitverschwörerinnen tatsächlich zu der Zeit, oder eben Glaubensgenossen des frühen Christentums, davor warnen will, weil er im Gefängnis eben gehört hat, die wahre Wahrheit gehört hat, nämlich die Theorie, dass Nero noch lebt und das alles nur eine Falle ist und deswegen wird vor dem Tier 666 gewarnt.
Und diese berühmte Zahl des Tiers, die wir quasi aus der Popkultur mit dem Satanismus und so in Verbindungen bringen, eben weil wegen dieser Referenz wird in den meisten Fällen als Kaiser Nero gedeutet, als wenn man die Zahlen im hebräischen Alphabet zählt, dann ergibt sich die 666, wenn man Kaiser Nero, ja, das ist die Exegese davon.
Da hat interessanterweise Friedrich Engels, der Kollege von Marx, eine längere Abhandlung zugeschrieben, die sehr lesenswert ist und sehr eingängig und sich erstaunlich in erstaunlich vielen Punkten mit den Schlissen der modernen Forschung zu dem Thema deckt. Genau. Und diese Verschwörungstheorie hat es in den Kanon des Christentums geschafft. Gab es nicht auch im Römischen Reich die Verschwörungstheorie, dass Christen Kinder entführen und schlachten?
Na, es gab tatsächlich am Anfang den Eindruck, dass die Christen Kanibalen wären, weil dann den Römern am Anfang zugetragen wurde, da gibt es auch Schriftstücke darüber und so, dass jetzt ihre Sklaven oder ihre Hausangestellten, meistens der Sklaven, sich dann irgendwie zu heimlichen Rieten treffen, irgendwo in den Katakomben von Rom und da den Leib ihres Herren verzehren,
in sogenannten Abendmalen und das Blut der Christi trinken und wenn man das mal so hört als Römer, ist die Metapher jetzt nicht so ganz ersichtlich und da macht man sich schon Sorgen, dass einem ein Kanibale morgens dann das Bett macht oder das Frühstück zubereitet. Das ist jetzt kein besonders beruhigender Gedanke als Sklavenmeister, wenn die Sklaven auf einmal den Kanibalismus für sich entdecken.
Das war eine große Furcht unter den Römern. Kein Wunder, dass die danach gefeiert haben, wenn die in den Arenen an die Löwen verfüttert wurden. Wir müssen irgendwann eine Folge zu früher christlicher Theaterliteratur machen, weil das sind alles Theaterstücke, die mit dem Happy End enden, dass der Hauptcharakter auf möglichst schreckliche Art und Weise stirbt und zur Tode gefoltert wird.
Das ist jedes Mal das Happy End, was diese Geschichten am Ende bringen und das ist ein ganz besonderes Genre von Theaterliteratur, die es nicht lange nicht geschafft hat, aber das waren spannende 200 Jahre, da wurden einige Dinge auf den Kopf gestellt, sage ich mal. Nach dieser frühesten Verschwörungstheorie zu Nehron Kaisa Nero gab es dann keine kontinuierliche Entwicklungslinie, wie ich schon erwähnt hatte, in die Gegenwart.
Im Mittelalter gab es dann immer wieder diese Versatzstücke von Verschwörungstheorien, die dann aber erst mit dem Übergang vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit, also 15. und 16. Jahrhundert, richtig sich zu Verschwörungstheorien entwickeln, die unserem modernen Verständnis wirklich entsprechen.
Denn erst dann, sagt die Forschung, sind die Bedingungen gegeben, dass eben Verschwörungstheorien notwendig werden, damit die Menschen mit ihrer Handlungsfähigkeit und ihrer Freiheit quasi umgehen können. Nicht alles ist mehr von Gott bestimmt und prädeterminiert vom Schicksal, sondern der Mensch kann selber der Welt seinen Willen aufdrücken. Diese Idee der frühen Neuzeit ist da eben sehr wirkmächtig in unserem Gehirn.
Und die Zeitlichkeit, die die Menschen auf einmal erfahren, ist auch eine notwendige Komponente dafür, um wirklich in Verschwörungen zu glauben. Macht das irgendwie Sinn für euch? Also man braucht eine Art öffentliches Bewusstsein, um Verschwörungsgläubiger zu werden. Eigentlich ist das eine Qualifikation. Ich meine, das Kissen Tumen war ein relativ schweres Korsett, relativ dogmatisch und hat so einen Allgemeinheitsanspruch gehabt auf die Weltdeutung.
Da gab es keine verschiedenen Interpretationen. Gut, das ist vielleicht auch ein Thema. Die gab es schon und es gibt da lustige Akten von Inquisitionen über die Leute, über den Mann in Spanien, der gefoltert wurde, weil er geglaubt hat, die Erde wäre auf dem Rücken von einem Wurm, der durch ein riesiges Stück Käse sich frisst und im Universum ist das Stück Käse. Die Welt ist auf dem Wurm. Also es gab auch Mittelalterleute mit spannenden Theorien, wie sie ihre Welt erklärt haben.
Aber die generelle Lehrmeinung, die eben allen gleich gelehrt wurde, war eben alles ist Gott gewollt und Gott bestimmt. Und damit sind Verschwörungen, also wie soll die möglich sein, wenn Gott allmächtig ist? Also da ist wenig Spielraum für Verschwörungstheorien. Beziehungsweise da, wo dann wieder eine Rechtfertigung gebraucht wurde, um zu rechtfertigen, wieso die Welt scheiße ist, wieso Gott der Allmächtige so etwas zulässt.
Da wurde dann eben dieses Narrativ wieder angespült, dass eben die Hexen am Werke sind und mit Luzi verpaktieren und den Untergang der Welt herbeisehnen. Und diese Kraft eben dem guten Willen Gottes gegenüber steht. Also auch im religiösen Kontext sind Verschwörungstheorien aufgekommen. Aber die waren dann eben klar christlich geframt und haben sich immer auf... Und wurden dann entweder zum katholizistischen Lehrmeinungen oder wurden verfolgt und ausgerottet.
Also da gab es ja genug inneren Regismen und Kämpfe um solche Deutungsfragen. Aber die waren, wie du gesagt hast, eben alle oder größtenteils dann christlich gefärbt oder wurden so interpretiert und gelesen. Aber was eben gefehlt hat im Mittelalter und auch in der Antike eigentlich war der Buchdruck. Und die Möglichkeit mediale Öffentlichkeit zu erzeugen für Ideen.
Und der Anfang des Buchdrucks in Europa ist eine ganz spannende Zeit, weil am Anfang wird tatsächlich wie auf diesen Imageboards ein Haufen Schund auf eine Seite geschustert. Relativ schnell auch mit großen Bildern für die man nicht lesen können. So Meme-mäßig. Und die wurden dann eben weit verbreitet und zirkuliert. Und es wurde diese frühen Zeitungen und sind ja oft auch einfach nur Hetschschriften oder Lügen einfach. Also da wurde ganz viel damit experimentiert. Es gab keine Übersicht.
Sobald irgendjemand in irgendeiner kleinen Grafschaft eine Druckerpresse gebaut hat, konnte der drucken was er wollte solange sein lokaler Herr damit okay ist. Und das aber an alle Nachbar quasi in einem viel größeren Bereich zirkulieren. Das ist der einzige Grund warum die Reformation mit Martin Luther so toll funktioniert hat und Jan Hus 100 Jahre davor in der Tschechei gescheitert ist mit den gleichen Ideen.
Weil Luther fähige Medienleute um sich herum hatte, die Druckerpresse und Kupferstich beherrscht haben. Und da ein mediales Erlebnis daraus gemacht haben aus der Reformation. Und das war einfach nicht möglich und das hat aber zu einer enormen Zirkulation von Verschwörungstheorien und Glauben geführt. Und ihr müsst euch vorstellen heute kämpft die Öffentlichkeit mit Internetdesinformationen. Und wir sagen wir sind nicht gebildet genug und man muss eigentlich da mehr Bildung schaffen.
Stellt euch mal vor wie das im 15. Jahrhundert war. Auf was für ein Bildungsstandard da in der Öffentlichkeit diese Fake News getroffen sind und was für fruchtbarer Boden das war. Weil wenn man bis jetzt immer nur die Bibel gelesen hat und auf einmal kommen spannende Sachen aus dem Nachbarort irgendwie. Die ganz wilde Sachen über die eigenen Herrscher behaupten. Da kann man schon mal sich der Reformation anschließen.
Wenn da lang genug behauptet wird der eigene katholische Fürst würde dies und das machen. Es gibt im 18. Jahrhundert dann diese Vorstellung von einem mechanischen Weltbild. Das ist quasi diese Aufklärungszeit auch wo die Menschen, wo es diese Bilder gibt, wo die Menschen innen ganz viele kleine Räder sind. Und quasi so eine Art Fetischisierung der Mechanik aufkam. Als Vorläufer zur industriellen Revolution, als Teil der industriellen Revolution der Anlaufenden.
Und in diesem Weltbild wurde der Mensch noch mal einen Schritt weiter weg entfremdet als er das vorher war. Und hat damit die Menschen auch offener gemacht für Erklärungsmuster, die vielleicht ein größeres Ganzes nochmal über alle Konstrukte, die sie bis jetzt kannten, gestellt hat. Und das führte dann nicht nur dazu, also vor allem, also quer durch die gesamte Gesellschaft dazu, dass Verschwörungstheorien in eigentlich allen westlichen Gesellschaften ein riesiges Ding waren.
Also ab dem 16. Jahrhundert und dann bis ins 19. Jahrhundert hinein eigentlich unabgebrochen. Politiker wie Abraham Lincoln oder Winston Churchill waren Verschwörungsgläubige, haben Verschwörungstheorien angehangen. Und hatten natürlich auch großen Einfluss auf politische und andere Entscheidungen in ihrer Zeit.
Hätte es damals schon quantitative Erhebungen darüber gegeben, also 1821 oder 1921 oder war auch immer 1721, wie groß der Anteil an Verschwörungsglauben in der Bevölkerung gewesen wäre, wären wahrscheinlich 80 plus Prozent rausgekommen für die gängigen Verschwörungstheorien der Zeit, weil die so zum Standardbudget der Allgemeinbildung gehören haben quasi. Und der spannende Unterschied, den ich fand, war, dass es damals vor allem von Eliten nach unten kritisiert wurde anstatt von unten nach oben.
Also heute haben wir oft bei QAnon und anderen Verschwörungstheorien eben das Muster, dass gesagt wird, oben ist eine Elite, ein dunkler Schatten, eine Verschwörung. Und im 17. Jahrhundert zum Beispiel waren die Verschwörungstheorien, die Freimaucher organisieren sich von unten gegen die Aristokratie. Und da war die Panik oben in der Oberschicht groß, dass die Unterschicht irgendwas macht.
Auch die kommunistische Weltverschwörung, die immer wieder dann projiziert wurde ab 1848 oder die jüdische Weltverschwörung, waren immer so von den Eliten nach unten beäugte Sorgen, was denn da eigentlich braut bei den Unterdrückten so ein bisschen. Was was ich denn da eigentlich, über was die eigentlich reden in ihren stillen Kämmerchen, wo man keine Zensur dabei hat. Und das hat sich heute auf jeden Fall gewendet. Vielleicht gibt es auch große Verschwörungstheorien von oben.
Vielleicht kenne ich die Eliten nicht gut genug, aber da gibt es anscheinend diesen Shift in der Richtung, aus welcher der Umsturz vermutet wird. Und der Punkt der ganzen Sache ist so ein bisschen, dass wir heute die ganze Zeit im Internet quasi in der nächsten Welle nach dem Buchdruck, die das Gott sich nochmal verschärft hat, das Buchdruckproblem, mit dem Kursieren von Ideen stehen wir jetzt seit den 90ern oder eigentlich den frühen 2000ern,
an einem ähnlichen Schritt wie die Leute mit dem Buchdruck im 15. Jahrhundert standen, also in den 1550er, 1580er Jahren, wo das gerade ein riesen Phänomen ist, das ganz weit genutzt wird, aber eben die Gesellschaft noch damit arbeitet. Wozu führt denn das eigentlich und wie gehen wir mit diesen Verschwörungstheorien um, die da immer wieder kursieren werden?
Na, so oder so. Ich denke, es ist einfach wichtig, sich mit damit auseinandersetzen und zu wissen, wie Verschwörungstheorien genau so funktionieren und sich da verschiedene Beispiele genauer anzugucken, um dann selber im eigenen Leben für die alle zukünftig aufkommenden Verschwörungstheorien da direkt die Muster zu sehen. Ich denke, deswegen ist auch die Beschäftigung mit verschiedenen Formen davon historisch oder aktuell interessant und wichtig.
Aber generell leben wir jetzt nicht in der Zeit, seit Corona und QAnon, die quasi dauerhaft von Verschwörungstheorien besessen ist, während wir vorher dieses Problem nicht hatten. Also seit dem Buchdruck ist es ein beständiges Problem. Und heute haben wir zum Glück keine 80 Prozent der Bevölkerung in den meisten westlichen Ländern, die an Verschwörungstheorien glauben. Die Prozentsätze, die sich da aktuell irgendwie ergeben, sind deutlich niedriger.
Es gibt von 2020, 2021 die Zahlen aus Deutschland, wo sich der Rahmen für so gängige Sachen wie die Medien und die Politik stecken, alle unter einer Decke oder ich vertraue meinen Gefühlen mehr als sogenannten Expertenmeinungen oder die meisten Studien für den Klimawandel sind gefälscht, sich die Prozentsahlen zwischen 4 und 18 Prozent bewegt haben, während wir, wenn wir in die Vergangenheit schauen und uns quasi die Leute,
die geschrieben haben, genau durchleuchten, fast alle irgendwelche Verschwörungstheorien finden können. Also wenigstens in der Zeit der frühen Neuzeit. Und deswegen ist die Hoffnung noch nicht ganz aufzugeben, finde ich.
Ich finde es eine ganz positive Nachricht, dass, obwohl wir es heute so medial die ganze Zeit mitkriegen und eben die Beispiele Corona, Verschwörungstheoretiker, Querdenker, QAnon, dass wir das zwar medial gerade viel präsentiert bekommen und es viel Thema ist, aber wir deswegen nicht in verlorenen Zeiten leben und auch nicht alle Verschwörungstheoretiker sind, sondern das ist immer noch eine Minderheit, die wir heutzutage in der Gesellschaft haben.
Unsere Gesellschaft ist viel, viel besser darauf vorbereitet, mit dem Internet umzugehen, wie die Gesellschaft in den 15, 80er Jahren es war, mit dem neuen Buchdruck umzugehen. Deswegen, ja, hoffentlich gute Neuigkeiten. Hoffentlich bekommen wir das noch ein bisschen besser in Griff, dass wir auch keine 4 bis 18 Prozent mehr haben. Es kommt ja auch nicht von ungefähr, dass plötzlich Leute trotzdem noch auf Verschwörungstheorien abgehen und daran glauben.
Ich meine, die Welt ist gerade an einem kritischen Punkt. Die Krisen werden immer größer, werden immer unverständlicher auf nationaler oder auch lokaler Ebene. Die Politik bemüht sich, eine große Distanz zwischen sich und den Bürgern aufzubauen. Die Prozesse sind so undurchsichtig, dass sich viele Leute einfach extrem abgehängt fühlen. Und die Zukunftsperspektiven sehen so aus wie eine Wahl zwischen entweder Klimakrise oder der atomaren Vernichtung der Welt oder eben der globalen Pandemie.
Das sind einfach Dinge, die die Menschen überfordern. Wir können auch nicht sagen, dass es gerade besonders gut läuft. Es läuft auch nicht gut. Aber was ich gemeint habe, ist, obwohl es so schlecht läuft, haben wir eigentlich eine relativ stabile Meinungsbindung in der Gesellschaft. Wenn es um Verschwörungstheorien geht, wird es als Fringe-Phänomen heute wahrgenommen und diskutiert und auch problematisiert.
Und es war vor 100 oder vor 150 und vor 250 Jahren nicht so. Da war das quasi die Standardmeinung, Verschwörungstheoretiker zu sein. Das habe ich damit gemeint. Also auch wenn die heute laut sind, die Verschwörungstheoretiker und immer noch viele zu viele Schwurbler, ist das eine Minderheit und das gut so. Gut. Folgt uns auf YouTube, Twitter und überall sonst. Liked und subscribt und liked und subscribt und gebt uns für Sterne und so.
Vielen lieben Dank fürs Zuhören und bis nächste Woche oder in zwei Wochen mal schauen. Bye bye.
