Anthroposophie III: Steiners Jünger im 3. Reich - podcast episode cover

Anthroposophie III: Steiners Jünger im 3. Reich

May 19, 202330 minSeason 1Ep. 21
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Episode description

In der dritten und vorerst letzten Folge zum Thema Anthroposophie beschäftigen wir uns mit den Jüngern Steiners nach dessen Tod und ihr gespaltenes Verhältnis zum Nationalsozialismus und dem sog. "Dritten Reich."

Dabei schauen wir uns die typische Linie der Anthroposophie an, die sich darauf stützt, dass die Waldorfschulen und die Schriften von Rudolf Steiner unter den Nazis verboten waren.

Quellen:

Literatur:

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Tags: Zeitgeschichte, Europa, Deutschland, Rudolf Steiner, Anthroposophie, Nationalsozialismus

Transcript

So bringen wir es hinter uns. Willkommen zurück zur dritten Folge zu Rudolf Steiner. Wir nehmen immer noch auf. Für euch ist es jetzt schon eine Woche später. Wir sitzen immer noch hier und beschäftigen uns immer noch mit den Gedanken der Anthroposophie. Worum ging es denn in den letzten zwei Folgen? Könnt ihr es kurz zusammenfassen? Also wenn ihr die Folgen nicht gehört habt, geht zurück und hört euch die ersten beiden Folgen an. Ich denke, es macht mehr Sinn.

Es baut relativ aufeinander auf. Aber genau, kurz um die Hörer zurückzuholen, für die war es jetzt schon eine Woche. Ja, sehr gerne. Also in Folge eins haben wir uns mit Steiners Herkunft, seinem Lebenslauf, also seine frühen Lebensjahre als erfolgloser Philosoph und Goethe-Editor und dann später als erfolgreichen Theosophen und schließlich Anthroposophen gewidmet. In der zweiten Folge jetzt haben wir uns das letzte Stückchen seines Lebens noch angeschaut. Wir haben Kritik, die er schon zu

Lebzeiten erfahren hat, uns ein bisschen näher angeschaut. Sein Tod dann, die anthroposophische Medizin. Ich glaube, ich bin viel zu ausführlich. Ich gehe jetzt alles durch. Und den Rassismus bei Steiner, es war eine sehr deprimierende Folge. Hört sie euch gerne an und es geht jetzt weiter. Ja, es geht jetzt weiter. Frischer und froher Mut mit Antisemitismus. Oh man, endlich mal wieder Antisemitismus. Ja, egal welches Thema, welche Verschwörungstheorie, man endet immer wieder

beim Antisemitismus leider. Zum Glück war Steiner kein so schlimmer Antisemit, wie er Rassist war, wenn man das so sagen kann. Jedenfalls in seinen Schriften. Ich musste weniger Zitate rausstreichen, weil ich dir nicht zumuten wollte, sie vorzulesen. Aber ja, es ist dennoch problematisch. Wir machen einen kleinen Einstieg zum Antisemitismusvorwurf gegenüber Steiner, zur Verteidigung des Anthrowikis und ein paar Zitaten dazu. Halten es aber relativ kurz und

machen dann heute das große Fass auf Anthroposophie in der Nazizeit. Das wird das Hauptthema der dritten Folge. Ja, ich weiß nicht, freut euch oder freut euch nicht, das wird spannend. Wenn Fobins vorbei ist. Mimi leidet richtig in diesen Steinerfolgen. Ich glaube, es tut mir ganz gut, das zu sehen, dass du so leidest und auch du, Jonas, unter dem Input hier, weil ich habe tatsächlich auch ganz schön gelitten bei der Vorbereitung für diese Folge. Mehr als sonst. Und

das beruhigt mich, dass es nicht nur mir so geht. Also ja. Beruhigt mich, dass du mir Litten nervst. Ja, das ist tatsächlich auch beruhigend. Also das finde ich, also generell, wer Steiner intensiv liest und nicht leidet, da sehe ich Probleme. Ihr ist die Red Flag. Ja, wir steigen direkt ein mit der Verteidigung des Anthrowikis. Da haben wir letztes Mal schon über geredet, dass es eine der Seiten war, die sich wenigstens scheinbar der Kritik an Steiner gestellt

hat. Und es gibt hier keine überraschende Argumentation, aber ich denke, es ist ein ganz guter Einstieg, uns anzuhören, was denn die Anthroposophen zu ihrer Verteidigung oder zur Verteidigung Steiners besser das sagen. Die Kritik Steiners an dem vom US-Präsidenten Woodrow Wilson initiierten Selbstbestimmungsrecht der Völker begründet sich auf der Ausgrenzung von Minderheiten innerhalb von ethnisch-einheitlichen Nationalstaaten. So richtet sich Steiner gegen

eine Ausgrenzung der Juden als Minderheit innerhalb eines ethnisch-einheitlichen Nationalstaates. So wie er ethische Schranken und nationale Grenzen generell als anachronistisch betrachtete, betrachtete er die Idee des Judentums als ethnische Sondergruppe insbesondere in seiner zionistischen Spielart als rückschrittlich. Das Judentum begreift Rudolf Steiner nicht als Rasse, sondern als eine auf religiöser und nationaler Einheit basierende Gemeinschaft,

die sich selbst ausgrenzt. Diese habe dadurch eine isolierte Kultur begründet. Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens und dass es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten. Das war ein Zitat. Ja, genau, das erste war das Zitat vom

Anthrowicki, das zweite war das Zitat von Steiner selber über das Judentum. Steiner hat sich quasi gegen Woodrow Wilson gerichtet und gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker, was damals ein großer demokratischer Hit war, weil er dagegen war, dass dabei ethnische Minderheiten ausgegrenzt werden und er sieht Juden als anachronistisch an. Also ich finde diese Verteidigung ist sehr slick, die ist sehr gut geschrieben von den Anthroposophen, aber sie zeigt

eigentlich schon viele Probleme, die Steiner hat in seinen Schriften mit dem Judentum. Nämlich, dass er sie als historischen Anachronismus ansieht, der eigentlich schon hätte verschwinden sollen. Er richtet sich in seinen Schriften explizit gegen den Antisemitismus, aber sein Bild von den Juden ist trotzdem alles andere als irgendwie gerechtfertigt oder positiv. Also hier noch ein Zitat, das immer wieder gerne angeführt wird, gegen den Antisemitismus von Steiner. Der Antisemitismus ist

nicht allein für die Juden eine Gefahr, da ist es auch für die Nicht-Juden. Er geht aus einer Gesinnung hervor, der es mit dem gesunden, geraten Urteil nicht ernst ist. Er befördert eine solche Gesinnung. Und wer philosophisch denkt, sollte dem nicht ruhig zusehen. Jede unbestimmte Haltung ist vom Übel. Genau, das ist eigentlich ein sehr positives Zitat von Steiner, wo er sich gegen den damals sehr populären Antisemitismus in der Gesellschaft richtet und sagt, das ist nicht

die richtige Richtung. Und gleichzeitig sagt Steiner aber dann auch solche Sachen. Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgeliebt, hat keine Berechtigung des modernen Völkerlebens und dass es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten. Wir meinen hier nicht die Formen der jüdischen Religion alleine, wir meinen vorzüglich den Geist des Judentums, die jüdische Denkweise.

Also da eskaliert Steiner natürlich wieder vom Gedanken, dass das, er sagt einerseits es geht hier gar nicht nur um die jüdische Religion und sagt dann es geht aber um viel grundsätzlichere Probleme, nämlich die Art wie die Juden denken und sie als ein Fehler der Weltgeschichte zu bezeichnen. Ja, Steiner war kein klassischer Antisemit seiner Zeit. Also er hat sich da durchaus gegen diesen in Zeitungen und auch sonst populär betriebenen Antisemitismus

gewendet. Im Gegensatz zu den Nazis. Ja, wahrscheinlich vor allem gegen diesen populistischen Antisemitismus von den Leuten, die sich selbst Antisemiten genannt hatten in Österreich etc., die diesen völkischen Nationalismus gepaart mit Antisemitismus betrieben haben ohne jetzt große religiöse spirituelle Gefühle, was dann bei Narriosophen auch politisiert wurde. Genau und sein Jesus war auch kein arischer Jesus, wie ihn die Nazis später propagiert haben. Hört euch unsere

Folge zum arischen Jesus und der Kirche im Dritten Reich an, wenn ihr dazu mehr hören wollt. Also das war nicht Steiner's Weltbild, obwohl er so eurozentrisch war, aber er hat in Jesus quasi den großen Lehrer Europas gesehen. Trotzdem ist sein Versuch auf der Basis von den alten Sagen und Steinas eigener Hellsicht einen neuen Mythos zu schaffen, hat auch viele Sympathien bei den

Nazis ausgelöst. Also diese Idee einen neuen Mythos schaffen zu wollen, dieser starke Drang zu germanischer Mystik, zu germanischen Sagen und Volksreligionen, Volksgeist und all diese Gedanken haben natürlich da in den zwanziger Jahren auch angehende Nazis wie zum Beispiel Rudolf Hess begeistert, der später im Dritten Reich zu dem großen Schutzherrn der Anthroposophen und zum größten Fürsprecher ihrer wurde. Generell deswegen die spannende Frage, was machen eigentlich die

Anthroposophen nach dem Tod Steinas im Dritten Reich? Weil so richtige Fans von der Weimarer Republik und von Demokratie allgemein waren, die ja alle nicht, die wollten ja diese Dreiteilung der Gesellschaft als ideale Gesellschaft. Was sagt denn das Anthropik dazu Jonas? Was haben denn die

Anthroposophen in der Nazizeit gemacht? Wie klingt denn da die offizielle Linie? Obwohl manche Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaft versuchten eine ideale Nähe zum Nationalsozialismus vorzutäuschen, scheiterten alle Anbiederungs- und Gleichschaltungsversuche und die anthroposophische Gesellschaft in Deutschland wurde am 1. November 1935 wegen internationaler Einstellung und

eher Beziehungen zu ausländischen Freimauchern, Juden und Pazifisten verboten. Schon vorher hatten unter der Verbotsangst alle jüdischen Amtsinhaber ihre Ämter in der Landesgesellschaft abgegeben und ein Großteil der jüdischen Mitglieder wäre aus ihr ausgetreten. Nach dem Verbot bemühten sich einige Anthroposophen um eine Wiederzulassung. Die Versuche scheiterten 1939 endgültig,

als Rudolf Hess die Gleichbehandlung mit ehemaligen Freimauchern anordnete. Im gleichen Jahr entschied Adolf Hitler nach Bericht von Martin Bormann, Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaft sind wie Lohschenangehörige zu behandeln. Sie sind nach Meinung des Führers oft noch gefährlicher als Lohschenangehörige, weil sie mit ihren Ideen viel mehr Leute anstecken. Was ist denn diese Zusammenfassung von der Perspektive des Anthrowikis?

Hitler hält die Anthroposophen für gefährlich. Deswegen wurden wir verboten. Beziehungsweise wir wurden verboten, deswegen hatten wir mit den Nazis eigentlich nichts zu tun. Wir waren eigentlich, wir wurden von den Nazis als gefährlich erachtet und verboten. So würde ich

das ungefähr zusammenfassen. Sogar noch gefährlicher als die Freimauche. Was das Ganze ganz glatt bügelt, ist die Geschichte, dass die Anthroposophie natürlich als konkurrierende Weltanschauung auch erbitterte Gegner innerhalb des nationalsozialistischen Machtapparats hatte, aber sie fand eben auch zahlreiche einflussreiche Förderer und Unterstützer in diesem Machtapparat,

unter diesen am bekanntesten der Stellvertreter des Führers Rudolf Hess. Die Darstellung der Anthroposophen, dass sie verboten wurden und deswegen nichts mit den Nazis zu tun haben, ist geschichtsrevisionistisch und zutiefst falsch. Sie verstecken sich hinter den Floskühen und der Grundsatzaussage, als verbotene Partei kann man ja kein Übel quasi ausüben und warum das so nicht

stimmt, schauen wir uns heute ein bisschen genauer an. Als Einstieg würde ich gerne mit euch kurz eine kurze Timeline durchgehen, die das was gerade gesagt wurde, so ein bisschen einordnet in den Kontext, damit wir auf der Basis dann weiter uns die Sachen anschauen können. Wir

starten mal im November 1935. Bereits im November 1935 war die anthroposophische Gesellschaft von der Gestapo verboten worden, was aber wie oben ersichtlich keinesfalls ein Ende der erfolgreichen Zusammenarbeit von Anthroposophen mit nationalsozialistischen Organisationen bedeutete. Die Gründe für das Verbot waren vielfältig. Ganz allgemein lässt sich feststellen, dass der anti-esoterische Flügel der NSDAP alle okkulten Gruppen, nicht nur die Anthroposophie,

als staatsfeindlich einstufte. Peter Staudenmeier oder Peter Staudenmeier, den amerikanischen Historiker für deutsche Geschichte, den wir schon in den vorigen Folgen mal gehört haben, immer wieder als Zitat, nennt einen der Hauptgründe für dieses Verbot das Deutstum der Anthroposophie als Faktor, der besonders die anti-okkulte Interessengruppe in der Nazi-Geheimdienste irritierte, die manchmal die Anthroposophie gerade wegen ihrer ostentativ

germanozentrischen Ansprüche verurteilte. Also das Problem war für viele nicht-esoterische Nazis, dass die die ganze Zeit von Atlantis reden und quasi mit ihrer eigenen Vorstellung eine alternative Mythologie erschaffen haben, alternativ zum Hauptlehre des Führerkults sozusagen und damit generell suspekt waren. Also nur weil man verboten wurde, heißt es nicht ausnahmsautomatisch, dass das passiert ist, weil es intellektuell nicht miteinander vereinbar war oder sowas.

Es gab dann verschiedene Gutachten von Nazis wie von Alfred Bäumler im Oktober 38 und nach dem Gutachten wurden danach 50 der 1935 verbotenen Schriften von Rudolf Steiner wieder zugelassen. Gleichzeitig kam es aber zu der Beginnauflösung der bestehenden Waldorfschulen in Deutschland, einige bestanden aber als Versuchsschulen der Nationalsozialisten weiter fort. Anfang

1939 wurde dann der Fortbestand der Waldorfschulen in Dresden, Hamburg und Hannover genehmigt. 1941 im Mai gab es dann den berühmten Englandflug von Rudolf Hess, der ja der wichtigste Förderer der Anthroposophie unter den Nazis war. Der Leiter des anthroposophischen Erbhofs Marienhöhe von so einer Kommune, von so einem Gehöft, Erhard Bartsch, wurde dann in dem Zusammenhang mit dem Flug von

Hess verhaftet und dann Anfang 1942 wieder entlassen. Es gab in der Zeit aber eine große Aufregung unter den Nazis, dass die Anthroposophen mit ihren esoterischen Einflüssen Hess dazu veranlasst hätten, quasi Fahnenflucht zu begehen und sich in England gefangen zu nehmen. Es gibt

ja verschiedenste Theorien dazu, warum Hess damals nach England geflogen ist. Auf jeden Fall waren danach die Anthroposophen im Kreuzfeuer, weil ihnen die Schuld für den Flug in die Schule geschoben wurde und damit verlor die Anthroposophie nicht nur ihren größten Förderer, sondern auch so ein bisschen die Legitimation und wurde dann als gefährlich für Nazi Ideologen, als unterwandernde Ideologie angesehen. Deswegen wurde dann auch die von Rudolf Hess gedeckte Waldorfschule in Dresden

als dann 41 letzte noch existierende Waldorfschule in Betrieb einstellen. In Juni 41 gab es dann die Aktion gegen Geheimlernen und Geheimwissenschaften von den Nazis. 1941 wurde dann auch die Christengemeinschaft verboten. Im August 1941 gab es die Denkschrift von J.V. Krone an die Reichsleitung der NSDAP, um den Versuch Verdacht zu zerstreuen der Englandflug von Heske auf anthroposophische Beeinflussung zurück, also versuche der Lobby sich da wieder ein besseres

Licht zurückzuhalten. Generell arbeiten Anthroposophen in den wichtigen Praxisfeldern

der Anthroposophie mit nationalistischen Organisationen zusammen. Zum Beispiel die Waldorfschulen hatten das Motto, die Waldorfschulen erzielen zur Volksgemeinschaft und in ihrer Selbstdarstellung lieferten die anthroposophische Pädagogie, geben einen wesentlichen Beitrag zum Ausbau des neuen Deutschlands durch die Pflege des völkischen Gedankens und die Betonung des Wesens und der Aufgaben des deutschen Geistes und stand damit im Einklang mit der Grundgesinnung des

nationalsozialistischen Staates. Also, na herzlichen Glückwunsch. Herzlichen Glückwunsch, genau. Es gibt dann auch so große anthroposophen, unüberzeugte Nationalsozialisten wie Richard Carguts. Zudem habe ich mir einen kleinen Exkurs überlegt gehabt, aber habe ihn dann wieder verworfen. Ich glaube, das führt zu weit. Das kann sich jeder mal selber anschauen, wenn es

Ihnen interessiert. Ich packe den Link in die Beschreibung der Folge. In der anthroposophischen Medizin, also in der Medizin ja in Deutschland generell, waren 50 Prozent der Ärzte NSDAP-Mitglieder. Die Wahrscheinlichkeit, dass du NSDAP-Mitglied bist, wenn du Arzt bist im Vergleich zu anderen

Berufsgruppen, war siebenmal höher. Und die Vereinigung der anthroposophischen Ärzte stellte auch im Dritten Reich schon eine Hauptstütze der NS-treuen Reichsarbeiterschaft für eine neue deutsche Heilkunde da, weil damals eben viele Sachen knapp waren, viele Stoffe wie Jod oder andere wichtige Grundstoffe für Medizin und deswegen gehofft wurde über die anthroposophische Medizin und Hymiopathie Medikamente herzustellen, die auf altem germanischen Wissen oder whatever

basieren und die eben nicht auf diese Importe angewiesen sind. Was ähnliches fand in der Landwirtschaft statt, weil auch der Dürer knapp wurde, nämlich die biologisch dynamische Landwirtschaft von Steiner, über die wir bis jetzt noch gar nicht so viel geredet haben, wurde dann 35 dem Reichsverband für biologisch dynamische Wirtschaftsweise beigefügt und Teil der deutschen Gesellschaft für Lebensreformen, die das Motto hatte, die Weltanschauung der

deutschen Lebensreformbewegung ist der Nationalsozialismus, was ein richtig scheiß Motto ist, dass man sich das überlegt hat. Herzlichen Glückwunsch gesagt. Na und das Problem war eben, dass es gab viele führende biologische namische Landwirte, die damals eben mit Nazi-Ideologen

vorgedacht haben, wie man dann Osteuropa neu besiedeln könnte. Also es gab konkrete Pläne, diese Wehrdörfer, die da errichtet werden sollten im neuen Lebensraum in Osteuropa, dass die eben mit Demeter-Bauern bestückt wird und dass da eben biologisch namische

Landwirtschaft nach altem deutschen Geist betrieben wird und so ein Zeug. Und da sieht man an diesen Punkten, dass die Ideologien da einfach zusammengepasst haben und selbst nach dem Verbot der Waldorfschulen und der offiziellen anthroposophischen Gesellschaft wurden die ganzen biodynamischen Landwirtschaftsversuche und auch die medizinischen Versuche alle

fortgeführt und teilweise einfach unbenannt. Praktisch. Also genau wie Steiner die Theosophen abgerippt hat und einfach denen ihre Sachen geklaut hat und das unbenannt hat, wurde das gleiche dann mit seiner Ideologie von den Nazis gemacht, weil sie eben offiziell als gefährlich galten, aber dass die Hauptforschungsprojekte in dem Bereich waren und dann nehmen wir

das halt danach irgendwie anders und dann geht's weiter. Das gab eben auch Versuchsanstalten in den Konzentrationslagern, in den Vernichtungslagern, die von biologisch dynamischen Forschern in Anführungszeichen betrieben wurden. Es gab zum Beispiel den biologisch dynamischen Betrieb in Dachau von der DVA, der Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung. Da gab es eine große Plantage, auf der Heilkräuter und andere Waren für die SS produziert wurden,

natürlich von Zwangsarbeit. Wie in Ravensbrück wurde die Arbeit auf der biologisch dynamischen Plantage in Dachau auch von Lagerinsassen verrichtet. Ab 1941 wurde der Betrieb in Dachau von dem Anthroposoph Franz Lippert geleitet, der seit den Anfängen der biologisch dynamischen Bewegung führend war und von 1924 bis 1940 Chefgärtner Velleda gewesen war. Herzlichen Glückwunsch Velleda. Kurz nach der Übernahme der Dachauer Plantage trat Lippert in die

SS ein und erhielt 1944 eine besondere Anerkennung und eine Prämie für seine Arbeit dort. Lippert veröffentlichte 42 auch ein Buch für die SS, das auf seiner Arbeit in Velleda und Dachau basierte. Was sich zunächst harmlos nach Pflanzensucht anhört, was bei dem Thema glaube ich ganz wichtig ist, wenn man an Kräutergarten denkt, haben wir auch so romantische Bilder, war in Wirklichkeit eine seltsame Mischung aus SS-Schrecken und biologisch dynamischen

Anbau, aus Isotierik und Ausbeutung aus Terror und Ökoökonomie. Seit 1938 wurde auf der Plantage unter der Trägerschaft der Reichsführung SS durch die Zwangsarbeit der Lagerheftlinge eine gantische Heil- und Gewürzkräuterplantage angelegt. 1939 wurden auf einer Fläche von mehr als 100.000 Quadratmeter 68.000 Pfefferminzpflanzen, 106.000 Thymianpflanzen und 30.000 Sträucher,

darunter 22.000 Johannisbeersträucher eingesetzt. Dabei gab es auch Versuche mit Sonnenhut in Buchenwald, also nicht in Dachau, wo es darum ging mit permeopathischen Medikamenten und anthroposophischer Medizin Menschen zu sterilisieren, weil eben Massensterilisationen in Osteuropa geplant waren, um die Arbeitskraft der Menschen zu erhalten. Man hat gemerkt, man will nicht alle Leute töten, man will eigentlich zur Tode arbeiten und dafür ist

es quasi sicher, die vorher zu sterilisieren. Und dann wurde da mit Operationen experimentiert in Dachau und mit Röntgenstrahlung und es hat aber immer dazu geführt, dass die Menschen eben verstorben sind in vielen Fällen wegen der inneren Verletzungen und so und den Negativfolgen, die dich Eingriffe mit sich gebracht haben. Und dann war eben der Versuch über spezielle Pflanzen aus Südamerika und diese Kräuterexperimente, Sonnenhut wurde glaube ich verwendet, Pinka,

Sterilisationspillen herzustellen, mit denen man dann ganz Osteuropa. Es gab ja von den Amis zwischenzeitlich diesen Morgentalplan für Deutschland, die Idee quasi aus Deutschland so ein großes Freiluftkino nach dem Zweiten Weltkrieg zu machen, so eine Art große, also komplett deindustrialisieren, die Deutschen nur auf so Bauernhöfen ohne Straßen und dann kann man da quasi Urlaub machen gehen, wir haben ein bisschen eine Zeitreise, alle

Männer werden sterilisiert und da sitzen dann noch so ein paar alte sterilisierte deutsche Männer auf ihren Bauernhöfen rum. Das war so der Plan von Morgental, wirklich 41, 42 Mal. Und ja, das kann der nachlesen, der Morgentalplan. Und das ist so ähnlich wie der Plan, quasi den die Deutschen für Osteuropa hatten, eben die mit, also schlimmer war der deutsche Plan natürlich, weil er Zwangsarbeit und gleichzeitig eben diese Massensterilisierung

mit dabei war. Es wurden in den Konzentrationslagern diese Wind- und Wettercreme von Veleda, wurde entwickelt mit Versuchen, um gegen Brandbomben für die deutsche Armee bessere Cremes zu entwickeln, wurden dann rein weiße Insassen in den Vernichtungslagern, Konzentrationslagern, Brennungen zugeführt und die wurden dann mit Veleda-Creme behandelt und es wurden verschiedene homöopathische Medikamente dort getestet, auch wo Leuten dann Giftcocktails gegeben

wurden und ihnen dann Hymiopathie gegeben wurde und Überraschungen, die Überlebensraten

waren sehr sehr gering. Extrem düsteres Kapitel, wo die Anthroposophie und die Hymiopathie und der Nationalsozialismus gegenseitig die Hand reichen und eben Experimente an sehr vielen Menschen durchführen und also diese Verteidigung des Anthroposophies, dass man eben verboten wurde und dementsprechend nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun hatte, die ist eben unhaltbar, wenn man sich anschaut, wieviel Kooperation es gab, gerade

im Bereich Landwirtschaft, gerade im Bereich Medizin. Klar, die Waldorfschulen wurden verboten und auch man war auch nicht mehr so angesehen, nachdem Rudolf Hess nach England geflogen ist und natürlich war man als Sekte, wie alle anderen Sekten und Geheimwissenschaften dem Nazi-Regime suspekt, weil die Gleichschaltung nur dann funktioniert, wenn man all diese kleinen Widerstandsgruppen potentiell aushebt und verbietet und dementsprechend spricht

es nicht für die Ideologie, dass man von den Nazis verboten wurde, das bedeutet nur, dass man zu dem Zeit quasi eine Ideologie in Deutschland war. Das hat halt quasi ausgereicht,

dass die Menschen verboten zu werden. Und was ist dann, wenn man sich die genauen Biografien von anthroposophischen Medizinern im Dritten Reich anschaut, wenn man sich anschaut, wo die denn waren, dann waren die halt tatsächlich in den Führungsriegen und haben da ganz vorne als Avogad der Nazi-Wissenschaft mit ihrer anthroposophischen Wissenschaft versucht,

das neue Deutschland vorzubereiten. Und Vileda zum Beispiel hat sich mit der ganzen Geschichte überhaupt nicht auseinandergesetzt, bis sie 1998 von einem überlebenden Verband gezwungen wurden, sich damit auseinanderzusetzen. Und es gibt jetzt immer noch, weil die Akten nicht online sind, immer noch neue Sachen, die rauskommen, mit Leuten, die in die Archiv-Verfahren und dort mal nochmal genau nachschauen, was wurde denn da geforscht. Und da gibt es von

diesen Firmen einfach keinen Interesse, der auch war, scheinbar. Es gibt diesen einen Paper, was von einem Historiker dann veröffentlicht wurde, nachdem es 1998 diesen Shitstorm gab. Und seitdem wird wieder geblockt. Das ist natürlich Schuld von heutigen Anthroposophen, dass das damals passiert ist, aber das müsste man doch dann irgendwie aufarbeiten und thematisieren

und das sind einfach unter den Teppichkehren. Und ich habe da bis jetzt im Internet von anthroposophischer Seite eigentlich nichts außer wenn überhaupt, dann wurde es abgestritten und so getan, als wäre das ja schon alles vor Jahren widerlegt worden, diese Vorwürfe. Und das Gegenteil ist halt der Fall. Es kommt mit jedem Jahr eigentlich was Neues raus.

Das ist halt das Problem, wenn man so eine missionarische Führerfigur am Anfang hat, die dann auch noch quasi 25 storben ist, dann kann man immer sagen, ja wir wussten davon nicht. Und der hat ja dieses eine Zitat, Steiner hat dieses eine Zitat gegen Antisemitismus

gebracht, deswegen sind wir fein raus. Aber wie wir jetzt aus der Rassismus-Folge gesehen haben und in der jetzigen Folge, Steiner hat oft zu dem gleichen Thema zwei Vorträge gehalten und sich taktisch klug auch oft widersprochen, wenn es notwendig war, aber im Großen und Ganzen war er jetzt kein Freund der Völkerverständigung und war diese Rassenideologie jetzt auch nicht nur irgendwas Marginales, was er sich von Blavatsky übernommen hat und dann nie wieder

angefasst hat oder so. Und genauso wenig waren eben seine völkische Ausrichtung generell.

Man könnte auch die Gleichung aufmachen, Theosophie plus deutsches Volkstum und germanische Bräuche und Christentum ist quasi die Anthroposophie und hat dann natürlich aber diese ganzen Auswüchse, es gibt jetzt keine theosophische Medizin soweit ich weiß und im Gegensatz zu Blavatsky, die sich da eben immer auf dieser spirituellen Ebene bewegt hat, hat sich Steiner eben in alle Lebensbereiche ausgebreitet und den Anspruch erhoben zu wissen, wie gute

Architektur funktioniert, wie gute Erziehung funktioniert, wie gute Medizin funktioniert und hat es damit geschafft, sich erstaunlich tief in die Lebensrealitäten vieler heutiger Menschen einzugraben, ohne dass die Leute wirklich wissen, was Steiner denn sonst noch geschrieben hat und wenn ich mir jetzt, nachdem ich so viel Steiner durchgelesen habe, werde ich es wirklich fraglich mein Haus auf der Basis von irgendwelchen Gedanken dieses Mannes

zu bauen oder irgendwelche Medikamente zu nehmen, die der Mann empfiehlt. Du wolltest den Podcast auch mal alte weiße Männer nennen und ich finde Steiner ist so der ultimative alte weiße Mann, mit dem man nicht diskutieren konnte, der alles besser wusste, der von nichts eine Ahnung hatte und trotzdem über alles geschrieben und geredet hat. Also alles, was man so Leuten vorwirft, also dieses klassische Stereotyp hat wirklich Steiner auf die Spitze

getrieben. Ja, also ich finde seinen Platz im Gedankenleben, den Ideologien der Moderne vollkommen unangebracht. Es gibt wahrscheinlich, wir müssen noch ein bisschen schönere, anti-modernistische Gedankenströmungen ergründen. Vielleicht finden wir immer noch irgendjemanden, den wir empfehlen können, wo wir sagen, guck mal hier, der war von der Moderne nicht ganz so überzeugt und ist trotzdem kein komischer Fascho. Wir suchen, schreibt uns gerne in

die Kommentare, wenn ihr da Ideen habt. Wir können in der Zukunft, wenn ihr euch ein bisschen komplett versteinert, das ist tatsächlich auch ein Begriff, der von Kritikern verwendet wurde, wenn es um quasi die Unwendbarkeit von Steinen, also das ist eben so festgefroren in der Zeit ist und sich nicht ändern lässt, dass sie eben viele Pädagogik in den Waldorfschulen nicht so richtig mit moderner Forschung in den Einklang bringen lässt, aber sie sind

dann zu versteinert, um da eben drauf einzugehen. Wir sagen nicht, dass alternative Pädagogik schlecht ist oder sowas, aber es gibt auch alternative Pädagogik, die offener der Forschung gegenüber ist und die vielleicht wandlungsoffener ist und die die Möglichkeit hat, sich irgendwie korrigieren zu lassen und neue Erkenntnisse mit einzubinden. Und das ist hier einfach überhaupt nicht gegeben. Das ist einfach zu sehr auf diesen Führerkult auf Steine,

auf diesen selbst ernannten Messias ausgerichtet. Es gibt einen riesigen Forschungsapparat in Deutschland mit extrem vielen Lernenden, mit Ausbildung, mit was weiß ich was, wo Leute mit Steinern lernen, vordergründig irgendwie kennenlernen sollen und aber tatsächlich wahrscheinlich wenig echten Steiner kennenlernen und viel Praxis aus der Anthroposophie stattdessen

mitkriegen. Und wenn man mit diesem fertigen Konstrukt einer Ideologie dann konfrontiert und nicht weiß, wo das herkommt und was da für einen Nonsens eigentlich gedankenstromstechnisch davor war, auch mit Blavatsky und mit den Ariusophen und so, wenn man davon nichts weiß, dann kann man das vielleicht für geniale neue Einfälle halten oder man findet das für sehr originelles Denken, was Steiner da schreibt, aber es ist ja nicht mal besonders originell.

Es ist ja in weiten Teilen auch einfach nur kopiert oder übernommen und unbenannt und so, was jetzt heutzutage als Plagiat gelten würde, wenn ich ein Buch schreibe und erst immer den Begriff Theosophie drin habe und dann irgendwann denke ich, nenn es jetzt anders, mach mal eigenen Club und benenne in meinem Ding überall die Hauptwörter um. Das ist

ja, also ich nehme die Texte von Blavatsky, aber setze halt meinen Namen davor. Er hat sicherlich viel geschrieben, ähnlich wie Elrond Hubbard, weil er ein sehr produktiver Mann. Aber da trifft dann wieder das Tucholsky-Zitat zu. Kannst du das nochmal vorlesen zum Abschluss, Jonas? Ja, je größer der Begriff, desto kleiner bekanntlich sein Inhalt und er hantierte mit riesen Begriffen. Ja, das ist ein sehr guter Abschluss. Danke Kurt Tucholsky.

Danke euch beiden, dass ihr drei Folgen zu Steiner mit mir durchgehalten habt. Ich fühle mich deutlich besser jetzt, wo ich mir von der Seele geredet habe. Ich bin mir sicher, wir werden viele wütende Kommentare bekommen. Ich bin gespannt. Ich freue mich drauf.

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