#59 Der schönste Tag im Leben eines Killers - podcast episode cover

#59 Der schönste Tag im Leben eines Killers

Oct 09, 202449 min
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Episode description

Oktober 2004, eine Autofahrerin entdeckt in der Nacht an der A57 bei Neukirchen-Vluyn eine schwerverletzte junge Frau, die verzweifelt um Hilfe bittet: Ein Mann hatte sie in seinem Lkw vergewaltigt und auf sie eingestochen. Schwer verletzt wird sie ins Krankenhaus gebracht. Wie durch ein Wunder überlebt die 25-Jährige, die als Prostituierte ihr Geld verdient. 


Die Polizei vermutet, dass der Täter auch für den Mord an einer 32-Jährigen verantwortlich ist. Sie war etwa ein Jahr zuvor erdrosselt, missbraucht und tot auf einem Baumarktparkplatz bei Dormagen abgelegt worden. Sie arbeitete ebenfalls als Prostituierte - auf dem Kölner Straßenstrich. Auch sie war zu einem unbekannten Freier in einen Lkw gestiegen. 


Während die Mordkommission zahlreiche Lkw-Fahrer überprüft, verschwindet Ende Oktober 2005 eine weitere Frau aus Dillenburg nach einem nächtlichen Besuch einer Telefonzelle. Ein Spaziergänger entdeckt ihre Leiche acht Tage später in einem Wald. Sie wurde vergewaltigt und erdrosselt. 


Anfang Juli 2006 überwältigt ein Unbekannter eine 18-Jährige in Kassel nachts auf dem Weg zu einer Bushaltestelle. Er erwürgt die Schülerin und vergeht sich anschließend an ihrer Leiche. 


An allen vier Tatorten werden DNA-Spuren sichergestellt, die auf denselben Täter schließen lassen. Doch wie ihm auf die Spur kommen? Die Zeit läuft, denn die Polizei ist sicher: Er wird wieder zuschlagen.


Zu Gast im Aufnahmestudio: Burkhard Achenbach, Erster Kriminalhauptkommissar und Leiter des KK 15 in Köln. Er war damals federführend für die Ermittlung im Fall der Vergewaltigung und des versuchten Mordes an der 25-Jährigen und hierfür 2005 im „Aktenzeichen XY… Ungelöst“-Studio. Er berichtet vom Druck, der auf den Ermittlerinnen und Ermittlern lastete, den Täter zu schnappen. Und davon, dass der Gefasste später in einer Vernehmung aussagte, dass der Tag, an dem er sein erstes Opfer tötete, einer der schönsten seines Lebens war. Denn da wurde er zum ersten Mal Vater.


Außerdem im Interview: Prof. Dr. Stefan Orlob von der Universität Greifswald. Er erklärt, wie jemand gleichzeitig fürsorglicher Familienvater und brutaler Serienmörder sein kann.


***


Hinweis: Diese Folge wurde aus Gründen der Sensibilität gegenüber Betroffenen nachträglich bearbeitet; einzelne Passagen wurden entfernt.


***


Wenn ihr Kritik oder Anregungen zu Fällen habt, schreibt uns gerne eine E-Mail an xy@zdf.de. 

Die aktuelle Sendung und mehr findet ihr in der ZDFmediathek: aktenzeichenxy.zdf.de.  


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Moderation: Rudi Cerne, Conny Neumeyer

Gäste & Experten: Erster Kriminalhauptkommissar Burkhard Achenbach, Kripo Köln, Prof. Dr. Stefan Orlob, Universität Greifswald

Autorin dieser Folge: Lale Artun

Audioproduktion: Felix Wittmann

Technik: Anja Rieß

Produktionsleitung Securitel: Marion Biefeld

Produktionsleitung Bumm Film: Melanie Graf, Nina Kuhn

Produktionsmanagement ZDF: Julian Best

Leitung Digitale Redaktion Securitel: Nicola Haenisch-Korus

Redaktion Securitel: Katharina Jakob, Corinna Prinz

Produzent Securitel: René Carl

Produzent Bumm Film: Nico Krappweis

Redaktion ZDF: Sonja Roy, Kirsten Schönig

Regie Bumm Film: Alexa Waschkau

Transcript

Hallo und herzlich Willkommen zu Aktenzeichen XY. Unvergessene Verbrechen. Mein Name ist Rudi Zerne. Und ich bin Conny Neumeier. Schön, dass ihr zuhört. Ja, Rudi, du machst das jetzt seit mehr als 20 Jahren, bist seit mehr als 20 Jahren Moderator von Aktenzeichen XY ungelöst, hat es also auch schon mit vielen grausamen Verbrechen zu tun. Und nicht selten hat sich dabei im Nachhinein herausgestellt, die Täter hatten nach außen ein völlig unauffälliges Leben.

Niemand im Umfeld hat auch nur geahnt, zu welchen Taten sie fähig waren. Und ich denke da zum Beispiel an unsere Folge Der Mörder unter uns, in dem der Täter neben dir in der Sendung saß und euch und ein Millionenpublikum an der Nase herumgeführt hat. Ja, das stimmt absolut. Und auch heute geht es um einen Täter, den seine Familie und Freunde für einen normalen, friedfertigen und liebevollen Familienvater hielten. Sie haben nicht geahnt, dass er zwei Gesichter hatte. Zwischen 2003 und 2006

vergewaltigte und tötete der Mann unerkannt mehrere Frauen. Ja, und an der Stelle noch eine Warnung vorweg. Bei den Taten, über die wir heute sprechen, geht es um schwere sexuelle Gewalt. Wir schildern wie üblich nicht jedes Detail, aber wir kommen nicht umhin, das, was der Täter den Opfern angetan hat, zumindest teilweise zu benennen. Wenn ihr euch damit nicht wohlfühlt, dann überspringt diese Folge besser oder hört sie euch mit jemandem zusammen an.

Bei uns zu Gast ist heute Burkhard Achenbach, erster Kriminalhauptkommissar und damals Leiter der Kölner Mordkommission. Er war als Sachbearbeiter zuständig für einen der Fälle, über die wir heute sprechen. Herzlich willkommen, Herr Achenbach. Schön, dass Sie da sind. Schönen Dank, einen wunderschönen guten Tag und vielen Dank für die Einladung. Herr Achenbach, im Vorfeld haben Sie uns gesagt, dass das auch für Sie während Ihrer 17 Jahre bei der Mordkommission ein besonderer Fall war. Warum?

Ja, auf jeden Fall ein besonderer Fall. Die meisten Mordfälle sind Beziehungstaten. Das heißt, es gibt ein konkretes Motiv, es gibt ein gezieltes Opfer und das war eben hier nicht der Fall. Es konnte jede treffen und der Täter konnte auch jederzeit wieder zuschlagen. Und zwar klar, das ist ein Killer, den man stoppen muss. Er wird nicht von alleine aufhören. Wir haben das ja schon angedeutet. Sie hatten es hier mit einem Serienkiller zu tun.

In Büchern und Krimiserien wimmelt es ja nur so von diesem Tätertyp. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Inwiefern? Ja, das stimmt. In der Realität sind solche Täter, Gott sei Dank, extrem selten. Und auch mir als langjährigen Mordermittler ist so ein Fall nur sehr selten begegnet. Was auf den ersten Blick ja auch ungewöhnlich war, war, dass der Täter ein regelrechtes Doppelleben geführt hat. Dazu hören wir später noch den forensischen Psychiater Prof. Dr.

Stefan Orlob. Mit ihm haben wir im Vorfeld dieser Folge darüber gesprochen, wie es dem Täter gelingen konnte, die Mordserie vor seinem Umfeld geheim zu halten. Noch ein Hinweis, aus rechtlichen Gründen haben wir alle Namen geändert, sowohl den des Täters als auch die der Opfer. Aber beginnen wir damit, was sich damals ereignet hat. Es ist der 19. Oktober 2004, der Straßenstrich am Kölner Güterverkehrszentrum Eiffeltor.

Fernfahrer aus dem In- und Ausland machen gelegentlich einen Abstecher hierher. Viele Frauen, die hier anschaffen gehen, stammen aus Osteuropa. So auch die Prostituierte Alena Jurkert. Die 25-Jährige ist erst Anfang des Jahres nach Deutschland gezogen. Wie üblich wartet sie an ihrem Stammplatz nahe einer Straßenkreuzung auf Kundschaft. Für die Frauen am Straßenstrich scheint es ein Tag wie jeder andere zu sein. Doch die Sorglosigkeit, mit der sie Potenziale Freier ansprechen,

täuscht. Viele haben Angst. Sie haben nicht vergessen, was vor rund einem Jahr an diesem Ort geschehen ist. Ihre Kollegin Nadine Unger wurde grausam ermordet. Damals, am 15. November 2003, verschwindet die 32-jährige Prostituierte aus Oberhausen bei ihrer nächtlichen Arbeit am Kölner Straßenstrich. Eine Kollegin hat noch gesehen, wie sie gegen 1 Uhr nachts in einen Lkw gestiegen ist.

Am nächsten Morgen findet man die teilweise entkleidete Leiche von Nadine auf dem Parkplatz eines Baumarktes in der Nähe von Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf. Ein Jahr später hat die Polizei den Mord noch immer nicht aufgeklärt. Den Frauen auf dem Kölner Straßenstrich ist die Tat ständig im Kopf. Sie wissen, dass der Mörder frei herumläuft. Auch Alena Jurghardt weiß davon, als sie an jenem Abend auf Kundschaft wartet.

Sie steht nur wenige hundert Meter von dem Ort entfernt, an dem Nadine Unger ein Jahr zuvor zu ihrem mutmaßlichen Mörder in den Lkw gestiegen war. Es ist kurz nach Mitternacht, als ein Fernfahrer Alena anspricht. Für sie ist er ein normaler Freier, sogar einer, der ihr gepflegt und freundlich erscheint. Wir haben die Szene später für eine Aktenzeichensendung nachgestellt. Hallo. Wie viel? 50. Komm rein. Hallo. Hallo. Wie viel? Erst die 50. Krank, Brummel. Riefe, los, Riefe!

Nachdem Alena in die Fahrerkabine des Lkw gestiegen ist, langt der Mann hinter seinen Fahrersitz. Alena meint, um Geld hervorzuholen. Sie sieht nicht, wonach er greift, zum Reagieren bleibt keine Zeit. Sie spürt nur, wie er ihr plötzlich von hinten eine Schlinge um den Hals legt und zuzieht. Verzweifelt versucht sie, die Finger unter die Schlinge zu bekommen, um sich zu befreien. Doch es gelingt ihr nicht. Mit letzter Kraft schafft sie es, die Beifahrertür zu öffnen.

Gemeinsam mit dem Mann stürzt Alena aus dem Führerhaus zu Boden. Sie will fliehen, doch sofort ist der Mann wieder über ihr, ringt sie zu Boden und setzt sich mit seinem ganzen Gewicht auf sie. Mit den Händen wirkt er sie bis zur Besinnungslosigkeit. Als Alena wieder zu sich kommt, findet sie sich in der Schlafkoje des fahrenden LKW wieder. Sie ist teilweise entkleidet.

An den Autobahnschildern, die an der Windschutzscheibe vorbeirauschen, erkennt sie, dass sie auf der A57 in Richtung Düsseldorf unterwegs sind. Sie spürt, dass es hier um ihr Leben geht und versucht nun, den Mann in ein Gespräch zu verwickeln. Hören wir noch einmal in die nachgestellte Szene aus der Aktenzeichen XY-Sendung. Wie alt bist du? Hast du Familie? Wohin fährst du? Bringst du mich nach Köln zurück? Ich muss Ladung abladen.

Du musst nicht bezahlen, ich mach umsonst. Aber du lässt mich gehen, ja? Du krass, immer zu mir kommen, immer umsonst, bitte. Ich laufe nicht weg, ehrlich, ja? Auf Höhe Mörs, rund 75 Kilometer vom Straßenstrich entfernt, fährt der Mann von der Autobahn ab. Die Polizei wird später rekonstruieren, dass er mit Alena auf einen Parkplatz des Grafschafter Gewerbeparks Gennend bei Neukirchenflüden fährt.

Dort vergewaltigt er sie in seiner Schlafkurie. Aus Angst um ihr Leben wehrt sich die junge Frau nicht. Aber, und das wird später wichtig werden, während der mehrfachen Vergewaltigung bemerkt sie am Bauch des Täters eine Ansammlung auffälliger Narben. Es ist nun etwa drei Uhr nachts. Der Mann fordert Alena auf, sich wieder anzuziehen und ihm nach draußen auf den Parkplatz zu folgen. Er gibt vor, etwas an der Rückseite des LKW checken zu müssen und lockt sie dorthin.

Dann, aus dem Nichts, rammt er ihr ein Messer in die Brust. Er durchstößt eine Herzkammer. Es ist ein Wunder, dass Alena nicht sofort stirbt. Es ist kaum vorstellbar, aber Alena Jürgert reagiert auch in dieser lebensgefährlichen Situation absolut geistesgegenwärtig. Noch während sie die Klinge des Messers festhält, beginnt sie erneut auf den Täter einzureden. Er lässt von ihr ab, steigt in den LKW und fährt davon. Die schwerverletzte Alena Jurgert lässt er auf dem Parkplatz zurück.

Mit letzter Kraft schleppt sich die junge Frau 400 Meter weit über ein Maisfeld bis zu einer Bundesstraße. Dort bricht sie zusammen. Aber Alena Jurgert hat Glück im Unglück. Eine Autofahrerin bemerkt sie und alarmiert sofort die Polizei. Mit dem Rettungswagen wird die junge Frau ins Krankenhaus gebracht. Eine Notoperation rettet ihr das Leben. Herr Achenbach, Sie waren damals Leiter der zuständigen Mordkommission in Köln.

Als Sie von der Tat erfahren haben, war Ihnen ja wahrscheinlich sofort klar, dass Alena Jürgert in dieser Nacht Grausames erlebt haben musste. Gleichzeitig war sie ihre einzige Zeugin. Wie tritt man an so jemanden heran und vor allem wann? In diesen Fällen wollen wir einerseits so schnell wie möglich Informationen vom Opfer erhalten. Auf der anderen Seite dauert es einige Zeit wegen der schweren Verletzungen.

So war es auch hier. Wir müssen natürlich zunächst grünes Licht von den Ärzten bekommen. Das Opfer war schwer verletzt. Es hat einige Tage gedauert, bis sie vernehmungsfähig war. Als es soweit war, habe ich dann ein Team hingeschickt ins Krankenhaus. Darunter auch eine junge Kollegin, die auch schnell einen guten Draht zu ihr hatte. Und es gab natürlich auch die Schwierigkeit der Sprachbarriere, denn Alena Jurkert lebte zu diesem Zeitpunkt erst einige Monate in Deutschland.

Und auch trotz dieser traumatischen Erlebnisse war sie aber eine außergewöhnlich gute Zeuge. Und was ist dabei rausgekommen? Welche Hinweise konnte sie Ihnen denn geben? Sie konnte uns zum einen den Tathergang sehr genau beschreiben. Ja, und als wir diese Angaben überprüft haben, hat sich noch ein unglaublicher Umstand herausgestellt. Es war also so, dass in dieser Situation, wo sie vom Täter angegangen wurde,

im Lkw sie sich wehrte. Man ist gemeinsam aus dem Lkw praktisch rausgefallen und draußen ging der Kampf weiter. Und in diesem Moment muss, wie wir nachher erfahren haben, ein Streifenwagen an dieser Stelle vorbeigefahren sein. Konnte aber das Geschehen nicht sehen, weil es auf der anderen Seite vom Lkw war. Und so ist der Streifenwagen wieder davon gefahren, ohne von dieser Situation was mitzubekommen.

Ja, unglaublich die Vorstellung, dass Beamte so nah waren und von der Tat aber nichts mitbekommen haben. Was macht das mit einem, wenn man sowas im Nachhinein erfährt? Ja, das macht einen. Schon nachdenklich. Und zeigt auch, wie nah Tod und Leben, Glück und Pech nebeneinander liegen können. Dass es manchmal sogar nur auf Sekunden ankommt. Schon bei der Tat hätte man eigentlich den Täter schon schnappen können.

Gleichzeitig hat aber der Zufall, Alena Jürgert in dieser Nacht gleich mehrfach eigentlich das Leben gerettet. Zunächst einmal ging der Messerstich ins Herz, war aber nicht tödlich. Sie hatte auch noch unheimliches Glück, dass sie dann auf eine Autofahrerin gestoßen ist, die ihr auch sofort geholfen hat und geistesgegenwärtig den Notruf verständigt hat. Was konnte sie Ihnen denn dann über den Täter sagen? Interessant war hier, dass sich bei dem Opfer das Gesicht des Täters nahezu

eingebrannt hatte. Sie konnte uns also das Gesicht des Täters sehr genau und präzise beschreiben. Und mit dieser Hilfe konnten wir auch ein sehr gutes Phantombild erstellen. Und sie konnte uns einen weiteren Hinweis geben, der später noch entscheidend sein sollte. So hat sie uns berichtet von punktförmigen, auffälligen Ansammlungen von Narben im Bauchbereich des Täters. Das ist natürlich ein sehr konkreter Hinweis und wir haben es vorhin schon erwähnt.

Ein Jahr zuvor war schon einmal eine Prostituierte auf dem Kölner Straßenstrich verschwunden. Sie hat den Angriff nicht überlebt. Haben Sie denn damals sofort einen Zusammenhang mit dem Mord an Nadine Unger vermutet oder gesehen? Ja, in der Tat waren hier einige Parallelen nicht zu übersehen. Das beginnt mit der Opferauswahl. Beide Frauen waren ja Prostituierte vom Kölner Straßenstrich.

Und die Ermittlungen zu Nadine Unger fielen damals aufgrund des Leichenfundortes in die Zuständigkeit der Kripo in Düsseldorf. Als die Gemeinsamkeiten aber uns deutlich wurden, haben wir natürlich mit der Mordkommission in Düsseldorf Kontakt aufgenommen. Und als klar wurde, dass diese Fälle zusammenhängen, haben wir auch unser Personal verstärkt. Die Mordkommission vom Personal her verdoppelt und sind dann auch sehr aufwendige und lange Ermittlungen gefahren.

Grund dafür war unter anderem auch, dass wir uns sicher waren, dass wir denselben Täter suchen und es sich praktisch um Serientäter handelt. Was hatten denn die Ermittlungen der Kolleginnen und Kollegen aus Düsseldorf im Fall Nadine ergeben? Nadine war in der Nacht ihres Verschwindens von einer Kollegin dabei beobachtet worden, wie auch sie zu einem Fernfahrer in einen Lkw gestiegen ist. Tags darauf wurde sie auf dem Parkplatz eines Baumarktes in Dormagen gefunden.

Das führt uns zu dem Schluss, dass der Täter, wie auch im Fall Alena Jurkert, die A57 genutzt hatte, um sich von Köln zu entfernen. Nadine war offenbar schon tot, als sie auf dem Parkplatz abgelegt wurde. Denn wir haben da keine Spuren eines Kampfes gefunden, sodass wir hier von einem Ablageort ausgehen mussten. Die Leiche von Nadine Unger ist ja in der Rechtsmedizin dann obduziert worden. Hat die Obduktion denn weitere Erkenntnisse über die Tat liefern können?

Ja, tatsächlich. Die Obduktion hat gezeigt, dass Nadine Unger erdrosselt wurde. Das war auch wieder eine weitere Parallele zu unserem Fall, zu Alena Jurkert. Denn auch hier wurde Gewalt gegen den Hals angewendet. Und der Täter hatte sich nach dem Mord an Nadine Unger, an ihrem Leichnam, vergangen, sodass wir auch hier eine sexuelle Komponente als Parallele gefunden haben. Konnten denn damals beispielsweise Sperma- oder DNA-Spuren am Leichnam von Nadine gesichert werden?

Spermaspuren konnten damals nicht gefunden werden. Aber wir haben eine Fremd-DNA an einer Socke des Opfers sichern können. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Mischspur. Was bedeutet das? Also es kein reines DNA-Material einer Person ist, sondern eine Mischspur, also andere Personen hinzukommen. Ja, das fremde DNA-Profil war allerdings unvollständig und reichte nicht für eine Abfrage in der DNA-Datenbank aus.

Wir hatten später auch noch Fremd-DNA an der Fingerkuppe von Alena Jürgert gefunden. Allerdings auch dieses Profil war unvollständig. Ein direkter Abgleich hatte daher keine Gewissheit gebracht. Trotzdem waren Sie sich damals aufgrund des Modus operandi sicher, dass es sich um denselben Täter gehandelt hat und auch, dass er wieder zuschlagen würde, nicht wahr? Ja, davon mussten wir leider ausgehen. Wir haben damals auch die sogenannte OFA, also die operative Fallanalyse, mit eingeschaltet.

Eine Einheit, die beim Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen ansässig ist. Die haben wir mit in die Ermittlungen einbezogen und von dort aus hat man auch ein Täterprofil erstellt. Bei mir hat sich eingebrannt, dass die Kollegen damals von der OFA sagten, wir haben es hier mit einem Täter zu tun, der nicht aufhören wird, wenn wir ihn nicht stoppen. Ja, das klingt jetzt auch nach einem sehr großen Ermittlungsdruck für Sie und Ihr Team. Wie sind Sie denn nun weiter vorgegangen?

Ja, wir wussten ja nun, dass wir nach einem Lkw-Fahrer suchen müssen. Und wir hatten ein sehr gutes Phantombild, wie vorhin schon geschildert, aufgrund der sehr guten Beschreibung unseres Opfers Alina. Wir haben dann in der örtlichen Presse dieses Bild und den Fall veröffentlicht und auch diese Besonderheit, nämlich diese Zeichnung der Narben im Bauchbereich, in diese Veröffentlichung mit einbezogen. Ja, so hofften wir natürlich auf Hinweise zur Identität des Mannes.

Und kamen die dann auch? Leider gab es keine sachdienlichen Hinweise zu diesem Zeitpunkt. Wir haben dann sehr aufwendige Maßnahmen gefahren, zum Beispiel, wir wussten ja, der Täter fährt über die A57. Und das scheint er dann mehrfach beruflich zu machen, sodass wir eine sogenannte Kennzeichen-Erfassungsanlage aufgebaut haben. Das heißt, dass alle LKWs, die zu einer bestimmten Zeit eben da durchfahren, auch aufgenommen wurden.

Herr Achenbach, Sie haben ja gerade gesagt, dass Sie auf der Brücke der A57 diese Kennzeichen-Erfassungsanlage aufgebaut haben. Warum denn ausgerechnet dort? Ja, wir haben uns eine Brücke ausgesucht, die der Täter in beiden Fällen passiert haben musste und so sind wir davon ausgegangen, dass er das auch in Zukunft machen würde, diese passieren und somit haben wir diese Brücke ausgewählt, um diese Anlage aufzubauen.

Ja, wir haben zusätzlich Observationsmaßnahmen in den Bereichen angestellt, wo die Opfer in Köln aufgenommen wurden, auch hier in der Annahme, dass der Täter vielleicht wiederkommt und wir ihn dann vielleicht in der Observation drin hätten. Ja, es führte insgesamt dazu, dass wir etwa 5000 Lkw-Halter und Speditionen überprüft haben.

Wir haben hier Dachoscheiben ausgewertet, wir haben die Fahrer mit dem Phantombild verglichen und auch diese umfangreichen Ermittlungen haben uns leider zum damaligen Zeitpunkt nicht weitergebracht. Sie sagten es gerade, Sie suchten damals nach einem Fernfahrer, mussten also von einem hochmobilen und laut den Kollegen der operativen Fallanalyse von einem extrem gefährlichen Täter ausgehen, der jederzeit und überall wieder zuschlagen konnte.

In dieser Situation haben sie sich dann an die Sendung Aktenzeichen XY ungelöst gewandt. Herr Achenbach, Sie selbst waren ja am 10. Februar 2005 bei mir in der Sendung, also nur wenige Monate nach dem versuchten Mord an Alena Jurkert und haben Ihre Ermittlungen vorgestellt. Hören wir mal in unser Gespräch von damals rein. Durch die Rettung der jungen Frau haben Sie jetzt eine sehr wichtige Zeugin. Sie konnte den Mann sehr gut beschreiben.

Hier ist er. Ja, wir haben dieses Phantombild erstellt und prägnant ist, dass er im Bereich des Bauches auffällige punktförmige Narben haben soll. Also einige Ansatzpunkte, die doch von Bedeutung sind für die weiteren Ermittlungen für Kommissar Achenbach. Liebe Zuschauer, wenn Ihnen etwas aufgefallen sein sollte, wenn Sie etwas wissen, rufen Sie an bei der Kripo Köln oder Düsseldorf. Herr Achenbach, gab es nach der Sendung Hinweise auf den Täter?

Es gab nach der Sendung leider keine Hinweise, die unsere Ermittlungen vorangebracht hätten. Der schnelle Erfolg blieb damals aus und so konnte der Täter leider nach einem Jahr wieder zuschlagen, bevor wir ihm auf die Spur gekommen sind. Was genau geschehen ist, dazu kommen wir jetzt. Es ist Sonntag, der 23. Oktober 2005. Rund ein Jahr ist seit dem Angriff auf Alena Jokert vergangen. Im hessischen Dillenburg, ca. 120 km von Köln entfernt, lebt Marta Baranowski.

Bei ihren Arbeitgebern gilt sie als fleißig und zuverlässig. Marta lebt zusammen mit ihrem Bruder und ihrer Schwester am Rande der Dillenburger Innenstadt. Am Abend des 23. Oktober, die Geschwister machen sich schon zum Schlafen bereit, verlässt Martha gegen 23 Uhr noch einmal die Wohnung. Auch diese Szene wird später für die Sendung Aktenzeichen XY ungelöst nachgestellt. Alles frei. Ich gehe nochmal weg. Telefoniere. Meine kleine Schwester hat ein großes Geheimnis. Tschüss.

Als Marthas Schwester am nächsten Morgen nach ihr sehen will, ist die junge Frau verschwunden. Ihr Bett ist unberührt. Ihre Sachen sind alle da, nur ihren Schlüssel und ihr Handy hatte sie offensichtlich mitgenommen. Die Schwester versucht, Martha auf dem Handy anzurufen. Doch anstelle von Martha nimmt ein Mann ab, er spricht mit russischem Akzent. Auf die Frage, wie er an Marthas Handy gekommen sei, legt er einfach auf.

Die Geschwister ahnen sofort, dass etwas nicht stimmt. Sie wenden sich an die Polizei und die nimmt Marthas Verschwinden sehr ernst. Die Ermittler überprüfen die nahegelegene Telefonzelle. Denn Marthas Geschwister vermuten, dass sie von dort ein Auslandsgespräch führen wollte. Doch das Ergebnis? Von der Telefonzelle aus wurden in der fraglichen Zeit keine Anrufe mehr getätigt.

Außerdem versuchen die Beamten Martas Handy zu orten. Weil sie von einem Notfall ausgehen, sogar ohne einen Gerichtsbeschluss. Aber auch hier kein Ergebnis, das die Ermittler weiterbringt. Der unbekannte Mann mit dem russischen Akzent kann von überall in der Dillenburger Innenstadt aus telefoniert haben. Seit dem Gespräch mit Martas Schwester hat er das Handy offenbar nicht mehr benutzt. Acht Tage später, es ist der 1. November 2005.

Die Ermittlungen zum vermissten Fall Martha Paranowski laufen noch immer auf Hochtouren. Da findet ein Spaziergänger in einem Waldstück die Leiche einer jungen Frau. Der Fundort liegt in der Nähe einer Landstraße oberhalb von Eisern, einem Ortsteil von Siegen, nur wenige Kilometer von Dillenburg entfernt. Ihre Geschwister identifizieren die Tote zweifelsfrei. Es ist Martha Paranowski. Was ist in der Nacht auf den 24. Oktober 2005 geschehen?

Wurde Marta Baranowski auf dem Weg zur Telefonzelle abgefangen? Oder hatte sie in Wahrheit noch eine Verabredung, von der ihre Geschwister nichts wussten? Wen hat sie in der Nacht getroffen? Und ist sie freiwillig mitgegangen oder wurde sie gezwungen? Herr Achenbach, Sie waren damals nicht direkt an den Ermittlungen zum Fall Marta Baranowski beteiligt. Trotzdem kennen Sie den Fall natürlich gut. Er sollte ja später noch eine entscheidende Rolle in ihren Ermittlungen spielen.

Ja, das ist richtig. Die Ermittlungen im Fall Martha Baranowski haben die Kollegen von der Kripo in Dillenburg geführt. Wir von der Kripo Köln hatten zunächst nichts damit zu tun. Wir wussten ja noch gar nicht, dass diese Fälle zusammenhängen. Allerdings gab es ja von Anfang an Gemeinsamkeiten mit den beiden Taten im Raum Köln.

Welche waren das? richtig die Obduktionen der Leichhardt ergeben, dass auch bei Marta Baranowski Gewalt gegen den Hals angewendet wurde, sie also durch diese Gewalt getötet wurde. Auch bei ihr gab es sexuelle Gewalt. Der Täter hatte sich offenbar sowohl vor, als auch nach ihrem Tod an dem Opfer vergangen. Und wie im Fall Nadine Unger waren auch hier Tat und Fundort laut Obduktion nicht übereinstimmend. Die Leiche war also erst nach der Tat in diesem Waldstück bei Eisern abgelegt worden.

Wir haben gerade schon darüber gesprochen, die Kollegen aus Dillenburg hatten im Fall Marta Baranowski ja zunächst eine heiße Spur. Wie es schien, der Mann, der an das Handy der jungen Frau gegangen war. Was kam bei dieser Überprüfung oder bei den Nachforschungen denn heraus? Die Kollegen konnten tatsächlich einige Tage danach, nach dem Leichenfund, diesen Mann identifizieren, der das Handy wieder in Betrieb genommen hatte.

Die Spur füllte allerdings ins Leere, denn der Mann konnte glaubhaft machen, dass er das Handy nur in der Nähe eines Parkplatzes gefunden hatte. Er hatte also offensichtlich mit der Tat doch nichts zu tun. In ihrer Ermittlung zu den Fällen Nadine Unger und Alena Jurkert waren auch Beamte von der operativen Fallanalyse des LKA Nordrhein-Westfalen eingebunden, sogenannte Profiler. Sie haben unter anderem die beiden Taten in NRW mit dem Mord an Marta Baranowski in Dillenburg verglichen.

Aber dass die drei Fälle zusammenhängen, das konnten die Kollegen von der OFA, also von der operativen Fallanalyse, nicht zweifelsfrei feststellen. Wieso nicht? Ja, es lag daran, dass hier die Lage leider nicht so eindeutig war. Zum einen sind hier zunächst mal keine Sperma- oder DNA-Spuren gefunden worden, sodass ein direkter Vergleich dieser Spuren nicht möglich war.

Und es gab auch noch andere Abweichungen, denn bei diesem Fall in Dillenburg lag der Ablageort der Leiche weit entfernt von den Ablageorten in der Nähe von Köln und auch die Opferauswahl war hier eine andere, denn in den ersten beiden Fällen wurden Prostituierte als Opfer ausgewählt, was hier eben nicht der Fall war. Die dritte Differenz lag darin, dass in den ersten Fällen ja ein Lkw offensichtlich benutzt wurde als Tatmittel.

Und das kam hier nicht in Frage, weil dafür diese Straßen, wo sich der Täter mit einem Fahrzeug bewegt haben, musste viel zu eng waren. Also hier kam offensichtlich kein Lkw zum Einsatz. Also wir hatten tatsächlich einige Differenzen. Und noch etwas ist anders als bei den vorherigen Taten. Bei der Obduktion stellen die Rechtsmediziner durch verschiedene Untersuchungen fest, dass Martha nach ihrem Verschwinden noch Stunden, vielleicht sogar mehrere Tage gelebt haben muss.

Nur, wo war sie in dieser Zeit? Die Ermittlungen im Fall Martha Baranowski leitet damals der Kriminalhauptkommissar Michael Michel von der Kripo Dillenburg. Er und sein Team stehen vor einer echten Herausforderung. Denn sie kennen das Motiv für die Tat nicht und sie wissen nicht, wo Martha getötet wurde. Die Spurenlage am Tatort kann ihnen also nicht weiterhelfen. Auch Michael Michel wendet sich schließlich an die Redaktion von Aktenzeichen XY ungelöst.

Im März 2006, rund vier Monate nach dem Fund von Marthas Leiche, ist er dann bei dir im Studio, Rudi, und wir hören da mal rein. Welche Fragen haben Sie im Zusammenhang jetzt? Eine zentrale Frage ist, ist sie möglicherweise noch irgendwo im Stadtgebiet von Dillenburg oder in der Nähe ihrer Wohnung gesehen worden, möglicherweise auch in Begleitung von weiteren Personen.

Gut, das sind ganz wichtige Fragen, die Sie haben. Wir haben ja gehört, dass sie noch mehrere Tage gelebt hat, bevor sie ermordet wurde. Jetzt stellt sich die Frage, wo war sie in der Zeit? Das wissen wir leider nicht. Es wäre denkbar, dass sie möglicherweise auch gegen ihren Willen noch mehrere Tage irgendwo festgehalten wurde. Wie ging es denn dann nach der Sendung weiter? Also sind Hinweise eingegangen? Nach der Ausstrahlung sind mehrere Hinweise eingegangen.

Der Entscheidende war aber leider nicht dabei. Und dann nur vier Monate, nachdem die Kripo Dillenburg den Fall Marta Baranowski bei uns vorgestellt hat, schlägt der Täter erneut zu. Diesmal in Kassel, circa 130 Kilometer vom letzten Tatort entfernt. Es ist der 8. Juli 2006. Die 18-jährige Schülerin Lara Seiler ist nach dem Besuch bei einer Freundin auf dem Weg zum Nachtbus. Mit dem will sie nach Hause zu ihren Eltern fahren.

Doch dort kommt sie nie an. Am nächsten Morgen macht ein Mann, der seinen Hund Gassi führt, eine schreckliche Entdeckung. In einem Gebüsch neben einem Autobahnparkplatz an der A49 liegt die unbekleidete Leiche von Lara Seiler. Die zuständige Kripo Kassel veranlasst eine Obduktion. Das Ergebnis? Die Schülerin wurde erwürgt. Anschließend verging sich der Täter an dem Leichnam. Auch diesmal finden die Ermittlerinnen und Ermittler keine Spermaspuren.

Jedoch gelingt es, ein Haar- und Hautschuppen auf dem Körper von Lara Seiler sicherzustellen. Unter ihren Fingernägeln befinden sich außerdem Hautpartikel, aus denen sich ein vollständiges DNA-Profil extrahieren lässt. Der Täter hat also seinen genetischen Fingerabdruck hinterlassen. Die Kasseler Ermittlerinnen und Ermittler suchen nun nach vergleichbaren Taten. Nach Frauen, die in der Nähe einer Autobahn vergewaltigt und getötet wurden.

Dabei stoßen sie auf die Fälle von Nadine Unger und Alena Jokert. Der DNA-Vergleich durch Spezialisten des hessischen LKA in Wiesbaden zeigt, die Spuren, die an der Socke von Nadine Unger und an der Fingerkuppe von Alena Jokert gesichert wurden, stimmen aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Fremd-DNA am Körper der Schülerin Lara Seiler überein. Es ist ein Wendepunkt in den Ermittlungen. Nun weiß die Polizei mit Sicherheit, was sie schon länger ahnt. Sie hat es mit einem Serienmörder zu tun.

Herr Achenbach, auf einmal waren Sie wieder ganz nah dran an dem Täter. Die Kolleginnen und Kollegen aus Kassel wussten, auch durch ihre Erkenntnisse aus den bisherigen Ermittlungen, dass es sich vermutlich um einen Lkw-Fahrer handelte. Nur die Identität des Mannes kannten sie nach wie vor nicht. Die Idee war nun, die Mautdaten der Autobahn in der Nähe von Laras Fundort auszuwerten. Ja, das ist richtig. Wir hatten auch schon diese Idee, diese Daten zu nutzen.

Wir wussten ja in etwa, wann der Lkw die Mautstellen der A57 passiert haben müsste. Plus minus eine halbe Stunde vielleicht. Und wenn wir das hätten auswerten können, dann wären das vielleicht 30 bis 50 Lkw-Treffer gewesen und sicherlich eine sehr gute Chance, den Täter zu identifizieren. Aber Sie haben diese Daten eben nicht bekommen und auch für das Ermittlerteam aus Kassel war es am Ende eine Sackgasse. Warum? Ja, wie so oft bei uns sprachen Datenschutzgründe dagegen.

In dem Mautgesetz, was ja auch damals schon umstritten war, wurde die Nutzung irgendwelcher Daten zu anderen Zwecken ausdrücklich verboten. Das war für uns natürlich äußerst frustrierend, wenn man im Prinzip dem Täter schon nah auf den Fersen ist. Die Frustration kann man sich gut vorstellen. Aber glücklicherweise kommen die Ermittlungen auch so voran.

Und zwar zunächst aufgrund von einem spektakulären Fund. Knapp drei Wochen nach der Ermordung von Lara Seiler findet ein Jogger einen durchsichtigen Beutel auf der Rheinbrücke zwischen Krefeld und Duisburg. Darin das Handy und der Geldbeutel der 18-jährigen Schülerin. Der Täter hatte die Sachen offenbar nach der Tat an sich genommen und sie später aus dem fahrenden Lkw in den Rhein werfen wollen.

Aufgrund des Fundortes fühlen sich die Ermittler bestätigt. Der Täter muss ein Berufsfahrer sein, der regelmäßig über verschiedene Routen von Nordhessen aus in Richtung Niederrhein-Westfalen geht. Auch an dem Plastikbeutel findet man DNA-Spuren, die mit den anderen übereinstimmen und vermutlich von Laras Mörder stammen.

Als sich die Ermittler aus Kassel noch einmal die ähnlich gelagerten Fälle entlang der Autobahnrouten von Nordhessen in Richtung Köln anschauen, nehmen sie sich auch nochmal den Mord an Martha Baranowski vor, der im Jahr zuvor begangen wurde. Herr Achenbach, wir haben gehört, dass die Spurensicherung der Kripo Dillenburg an der Leiche Martha Baranowskis keine DNA-Spuren gefunden hatte. Nun haben sich die Spezialisten des LKA in Wiesbaden die Kleidung aber noch einmal vorgenommen.

Was kam dabei heraus? Bei einer neuerlichen Analyse fand man tatsächlich einen Hautpartikel mit vollständigen DNA-Profilen. Der Abgleich hat gezeigt, dass die DNA mit allen drei anderen Fällen übereinstimmte. Jetzt war also klar, der Mörder von Marta Baranowski hatte auch Lara Seiler und die Prostituierte Nadine Unger getötet und war außerdem verantwortlich für den Angriff auf Alena Jurkert. Vier Taten innerhalb von nicht einmal drei Jahren also.

Und ich kann mir vorstellen, dass man da als Ermittler ganz schön unter Druck steht, weil man weiß, die Zeit läuft. Früher oder später schlägt der Täter wahrscheinlich wieder zu. Als Druck würde ich es jetzt nicht unbedingt bezeichnen, aber es ist eine große Motivation. Es motiviert mich persönlich auch, an dem Fall dran zu bleiben und damit kann ich auch meine Mannschaft besser mitnehmen. Man gibt halt an das Gas. Es ist natürlich verdammt viel Arbeit.

Da geht man auch nicht um fünf nach Hause, sondern nur noch zum Schlafen nach Hause monatelang. Man will schließlich nicht ein fünftes oder sechstes Opfer beklagen müssen. Sie wussten nun also, die gefundene DNA stimmt bei allen vier Fällen überein. Doch zu wem sie gehört, das wussten sie nach wie vor nicht. Denn das DNA-Profil war in keiner DNA-Datenbank hinterlegt. Wie ging es dann weiter? Wir wussten ja nun auch von der Tat in Dillenburg und auch, dass die völlig aus der Reihe fiel.

Hier war es zum ersten Mal keine Prostituierte. Und laut den Kollegen der OFA, die das so interpretiert haben, dass hier ein Zeichen der Steigerung bei dem Täter vorliegt, er eine größere Risikobereitschaft an den Tag legt. Zunächst hat er sich Opfer gesucht, die er leicht unter Kontrolle bringen konnte, nämlich Prostituierte, die dann natürlich auch freiwillig zum Beispiel zu ihm in den LKW gestiegen sind und diesmal war er auch nicht mit dem LKW unterwegs.

Offensichtlich, so die Interpretation der OFA, konnte er diesmal der Versuchung nicht widerstehen, auch in der Nähe seines Wohnortes zuzuschlagen. So hatten wir also beschlossen, die Öffentlichkeitsarbeit fortzusetzen, die wir auch mit Aktenzeichen XY begonnen hatten. Wir hatten ja das sehr gute Phantombild und auch, wie schon beschrieben, die Zeichnung dieser auffälligen Narben am Bauch von unserem Opfer,

das ja die einzige Überlebende war. Und das haben wir den Kollegen in Dillenburg natürlich zur Verfügung gestellt. Die haben dann diese Informationen in der örtlichen Presse veröffentlicht, da also eine größere Medienkampagne gestartet. Und was dann passiert, dazu kommen wir jetzt. Nur wenige Wochen sind seit dem letzten Mord an der Schülerin Lara Seiler vergangen.

Erstmals wird das Phantombild des Täters zusammen mit der Zeichnung der auffälligen Narben am Bauch auch in der örtlichen Presse in Dillenburg gezeigt. Da gehen unabhängig voneinander innerhalb kürzester Zeit zwei konkrete Hinweise bei der Polizei ein. Beide auf denselben Mann. Einer der Hinweisgeber wurde durch einen Fahndungsaufruf in der Zeitung alarmiert. Er glaubt, in dem Phantombild den neuen Lebensgefährten seiner Ex-Freundin erkannt zu haben.

Der Mann heißt Matthias M., ist 29 Jahre alt und lebt im hessischen Haiger, nur wenige Kilometer von Dillenburg entfernt. Er ist LKW-Fahrer und, so der Hinweisgeber, hat auffällige punktförmige Narben am Bauch. M. ist verheiratet, lebt aber getrennt von seiner Frau. Er ist Vater eines dreijährigen Kindes. Die zuständige Kripo Dillenburg durchsucht daraufhin das Haus von Matthias M. und seinen Lkw. Auf einer Ablage neben der Schlafkoje entdecken die Ermittler eine Kette.

Sie gehört der Schülerin Lara Seiler. Die Auswertung der Tachoscheibe ergibt außerdem, in der Nacht vom 8. Auf den 9. Juli steht Matthias M.'s Lkw um 2 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt wurde Lara Seiler den Rechtsmedizinern zufolge ermordet. Am 30. August 2006 nimmt die Polizei Dillenburg Matthias M. fest. Die Fotos, die die Beamten von M. machen, legen sie Alena Juckert vor, dem einzig überlebenden Opfer. Sie identifiziert ihn als den Mann, der sie im Oktober 2004 beinahe getötet

hätte. Bei der anschließenden Vernehmung legt Matthias M. ein umfassendes Geständnis ab. Ein DNA-Abgleich bringt schließlich die Gewissheit, er ist der Mann, nachdem die Ermittlerinnen und Ermittler der vier Mordkommissionen in Hessen und Nordrhein-Westfalen über drei Jahre gefahndet haben. Herr Achenbach, da sucht man über Jahre nach einem hochgefährlichen Serienmörder und dann wird er endlich geschnappt. Eine große Erleichterung nehme ich an. Wie haben Sie das aufgenommen?

Ja, ich war zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr bei der Mordkommission, sondern hatte gewechselt. Ich war stellvertretender Leiter eines Kriminalkommissiats für Raubdelikte. Die letzten Schritte der Ermittlungen hatte ich insofern persönlich nicht mehr miterlebt, wurde aber selbstverständlich sofort über diese neuen Umstände informiert, als die Kolleginnen und Kollegen Dillenburg den Täter geschnappt hatten.

Das war in der Tat eine Erleichterung, denn dieser Mann hatte jedes Jahr eine Frau getötet und wie wir schon mehrfach betont haben, hätte er unserer Meinung nach auch auf jeden Fall weitergemacht. Es tat auch gut zu erfahren, dass unser Phantombild schließlich entscheidend zu der Klärung beigetragen hatte. Wir hatten jahrelang an diesem Fall rumermittelt, ohne zu konkreten Ergebnissen zu kommen. Und nun war es sicherlich ein gutes Gefühl zu erfahren, dass das nicht alles umsonst war.

Und was genau Matthias M. der Polizei in Dillenburg nach seiner Festnahme bestanden hat, das hören wir jetzt. Es ist der Abend des 15. November 2003. Der Fernfahrer ist für eine Sondertour mit dem LKW in der Nähe von Köln unterwegs. Zu dieser Zeit lebt er noch mit seiner Ehefrau zusammen. Sie erwarten ein Kind. Am Morgen hat die Frau schon erste Wehen. Weil M. Trotzdem zu seiner Fahrt aufgebrochen war, hatte es zwischen den Eheleuten einen heftigen Streit gegeben.

Überhaupt läuft es in der Beziehung nicht gut. Schon damals geht M. heimlich zu Prostituierten. In dieser Nacht hält er gegen 23.30 Uhr am Kölner Straßenstrich und spricht die prostituierte Nadine Unger an. Sie steigt zu Matthias M. in den Lkw. Dort fällt er über sie her. Er erdrosselt Nadine Unger mit einem Ladungssicherungsband und vergeht sich anschließend an ihrem Leichnam. Ihren Körper legt er auf dem Parkplatz des Baumarktes bei Dormagen ab.

Ein schockierendes Detail, das die Ermittlerinnen und Ermittler bei der Vernehmung erfahren. Unmittelbar nach dem Mord fährt Matthias M. ins Krankenhaus zu seiner Frau. Nur Stunden später wird sein Kind geboren. Bei den Vernehmungen beschreibt er diesen Tag im Nachhinein als einen der schönsten in seinem Leben. Wirklich unfassbar. M. gesteht auch den Angriff auf Alena Jurkert rund ein Jahr später. Auch diesmal habe es vorher Streit mit seiner Ehefrau gegeben.

Und er schildert den Beamten, was sich in der Nacht des Verschwindens von Marta Baranowski zugetragen hat. Dabei bestätigt er, was die Ermittlerinnen und Ermittler bereits vermutet hatten. Martha Baranowski ist damals schlicht zur falschen Zeit, am falschen Ort. Denn der Täter kann in der Nacht vom 24. Oktober 2005 der Versuchung nicht widerstehen, auch in seinem Wohnumfeld zuzuschlagen. M. ist in dieser Nacht mit dem Auto in Dillenburg unterwegs.

Er bemerkt Martha, die gerade auf dem Weg zur Telefonzelle ist. Er folgt der jungen Frau, wirft ihr hinterrücks einen Strick um den Hals und überwältigt sie. Dann zwingt er sie in den Kofferraum seines Autos und fährt mit ihr zu seinem Haus im nahegelegenen Haiger. Es steht leer, denn wenige Monate zuvor ist es zum endgültigen Bruch zwischen M. und seiner Frau gekommen. Sie ist ausgezogen. In dem Haus vergewaltigt und misshandelt Matthias M. Martha und erwirkt sie schließlich.

Ähnlich grausam geht der Täter 2006 auch bei seinem vierten Opfer, der 18-jährigen Schülerin Lara Seiler, vor. Diesmal ist er wieder auf einer Lkw-Fahrt. Mit seinem Laster ist er in der Nähe von Kassel unterwegs. Er bemerkt Lara, als sie gerade an einer Bundesstraße entlang in Richtung der Haltestelle für den Nachtbus läuft. Als sie anschließend einen dunklen Park durchquert, fällt der Täter sie von hinten an und wirkt sie mit den Händen zu Tode.

Anschließend nimmt er sie mit in seine Schlafkoje, wo er sich an ihrem Leichnam vergeht. Danach legt er den Körper Lara Seilers im Schutz seines Fahrzeugs in einem Gebüsch neben einem Autobahnrastplatz ab. Nach diesem erschütternden Geständnis ist klar, der Täter Matthias M. Suchte sich im regelmäßigen Abstand von einem Jahr immer wieder Frauen aus, denen er zufällig begegnete und die er dann missbrauchte und tötete. Was bleibt, ist Fassungslosigkeit. Und die Frage, wer tut so etwas?

Herr Achenbach, um mehr darüber herauszufinden, haben Ihre Kolleginnen und Kollegen ja auch das Umfeld und die Biografie des Täters beleuchtet. Sie wollten herausfinden, wer dieser Mann ist. Was haben Sie denn erfahren? Offenbar hat er ein sehr enges Verhältnis zur Mutter, aber ein schwieriges zu seinem Vater gehabt. Er hatte wohl eine Lehre gemacht und war später angestellter Kraftfahrer. Er heiratete 2003 und wird Vater und das war auch das Jahr seines ersten Mordes.

Dann hat er sich 2005 wohl von seiner Frau getrennt und danach gab es auch weitere Beziehungen. Auffällig war in diesem Fall, dass er von seinem gesamten Umfeld als freundlicher und verständnisvoller Partner und Familienvater beschrieben wurde. Offensichtlich hat niemand etwas bemerkt. Er galt als ruhig und hilfsbereit und er hat sogar regelmäßig junge Frauen nachts von seiner Stammkneipe nach Hause gefahren, damit diese nicht im Dunkeln alleine

heimlaufen müssen. Ja, man kann sich das kaum vorstellen. Wirklich ein Mann mit zwei Gesichtern, wie wir eingangs ja schon erwähnt hatten. Wir haben ja gehört, dass Matthias M. zum Zeitpunkt seiner Festnahme auch eine Freundin hatte. Sie sagt noch später über ihn, sie habe ihn als jemanden erlebt, mit dem, Zitat, man über alles reden konnte. Wie es sein kann, dass niemand im Umfeld des Täters etwas von seiner brutalen Seite mitbekommen hat, das haben wir den forensischen Psychiater Prof. Dr.

Stefan Orlob gefragt. Also wir können davon ausgehen, dass es so einem Serienmörder doch gelingen kann, über lange Zeit nach außen relativ unauffällig aufzutreten, in Bezug auf ihn bekannte Personen, in Bezug vielleicht auf sein familiäres Umfeld, in Bezug auf eine Partnerin, auf einen Partner. Also das ist durchaus denkbar und da gibt es in der Kriminalgeschichte auch ausreichend viele Fälle, wo das genau so war, wie hier bei diesem Täter.

Und es gibt ja möglicherweise kleinere Anzeichen, die man dann später rekapituliert, wenn man dann um die Taten weiß, wo man dann sagt, ah ja, da gab es vielleicht schon die oder die andere Auffälligkeit, die man aber in der Situation natürlich nicht entsprechend wahrnimmt.

Also nur weil vielleicht jemand mal einmal in einer Situation in Anführungszeichen ausrastet oder einmal in einer Situation vielleicht irgendwie aggressiv reagiert, würde ja niemand auf die Idee kommen, hinter dieser Person verbirgt sich jetzt der gesuchte Serienmörder. Der Täter, so erklärt es Prof. Dr. Stefan Orlob, baut sich also eine Art Fassade auf, hinter der er seine brutale Seite vor Freunden und Familie versteckt. Man stellt sich das anstrengend vor. Immerhin muss er ständig befürchten,

aufzufliegen. Aber, Prof. Dr. Stefan Orlob sagt, Es kann auch durchaus sein, dass ein Täter sogar Freude und Spaß daran empfindet, sich unterschiedlich zu verhalten und das auch auskostet. Dass er also in einer Situation eben extrem brutal und destruktiv agiert und in einer anderen Situation eben dann den liebevollen, fürsorglichen Familienvater sozusagen darstellt, oder eben den hilfsbereiten Nachbarn.

Also das ist dem Menschen durchaus möglich, sich sozusagen unterschiedlich zu verhalten, je nach sozialer Situation auch sich in gewisser Weise sozial erwünscht zu verhalten. Und es kann auch gut sein, dass er das geschafft hat, weil diese brutalen und äußerst brutalen Taten für ihn dann ein Ventil darstellten. Also dass er dann durch diese Taten sozusagen wieder ein Gleichgewicht gefunden hat, was er dann für eine gewisse Zeit aufrechterhalten hat.

Trotzdem ist es unvorstellbar, dass jemand mit seinen Freundinnen und Freunden so hilfsbereit und verständnisvoll umgeht und mit seinen Opfern so kaltblütig. Dazu nochmal Prof. Dr. Stefan Orlob. Der Täter hier hat offensichtlich ja auch so etwas wie psychopathische Züge. Also er ist gefühllos in den Tatsituationen, er ist ausgesprochen brutal und rücksichtslos und destruktiv in einer für normale Menschen unvorstellbaren Weise.

Aber er konnte eben in anderen Situationen offensichtlich auch sich anders verhalten. Die Frage ist natürlich, und die kann nur er selber beantworten, hat er wirklich dabei tiefergehende Emotionen gefühlt oder hat er sie quasi nur gespielt, hat er nur etwas nachgeahmt, was er bei anderen gesehen hat und das in einer solch geschickten und manipulativen Weise, dass andere das auch ihnen abgenommen haben.

Das ist also durchaus denkbar. Auch während des Gerichtsverfahrens vor dem Landgericht Limburg im Jahr 2007 wird der Täter psychiatrisch begutachtet. Der Gutachter stellt bei ihm einen erheblichen Mangel an Empathie fest. Trotzdem hält er Matthias M. für voll schuldfähig. Unter anderem, weil M. Sich in seinem persönlichen Umfeld ja durchaus mitfühlend verhalten hatte. Letztlich wird Matthias M., der in der Presse der Brummimörder genannt wird, zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Außerdem stellt das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest und ordnet die Sicherungsverwahrung an. Es ist die höchste Strafe, die das deutsche Recht vorsieht. Ein ausschlaggebender Punkt für das harte Urteil ist, dass der Täter während des Verfahrens kaum Reue zeigt. Stattdessen rechtfertigt er die Morde mit Schwierigkeiten in seiner eigenen Lebensgeschichte.

Dazu nochmal Prof. Dr. Orlob. Was ja auch sehr typisch ist für solche psychopathischen Züge, dass er die Schuld auf andere projiziert hat. Also auf seine Lebensgeschichte, auf Konflikte in seiner Kindheit mit seinem Vater, auf Konflikte in der Ehe mit seiner Frau, auf die Trennungssituation. Und das hat er als Rechtfertigung genommen für seine äußerst brutalen Taten. Daraus hat er die Rechtfertigung bezogen, dass er das sozusagen mit den Frauen machen konnte, machen durfte.

Also er hat das nicht bei sich verortet und hat die Schuld nicht bei sich gesehen und hat damit natürlich auch kaum Reue gezeigt. Und das war letztendlich ja auch Anlass für das Landgericht, ihn dann sozusagen zur Höchststrafe zu verurteilen. Also nicht nur eine lebenslange Freiheitsstrafe, sondern auch die Anordnung einer Sicherungsverwahrung. Weil man bei einem solchen Täter natürlich die berechtigte Sorge haben muss, dass der bei Gelegenheit dann weitere Taten begehen wird.

Herr Achenbach, Sie haben uns erzählt, auch während Ihrer Ermittlungen hatten Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen immer im Hinterkopf, dieser Täter wird wieder zuschlagen. Nun das Urteil. Was geht da in einem vor? Ja, ich war damals selbst bei dem Prozess und habe unsere Ermittlungen dort vorgestellt. Ja, bei so einer eindeutigen Beweislage weiß man natürlich, dass das auf eine lebenslange Haft hinausläuft. Und trotzdem ist das Ganze erst safe, wenn das Gericht entschieden hat.

Und als es dann soweit war, war das für uns selbstverständlich eine große Erleichterung und Bestätigung. Das Urteil, das ist inzwischen über 15 Jahre her. Was bleibt für Sie von diesem Fall? Ja, es bleibt für mich dabei, auch nach dieser langen Zeit ist und bleibt es ein besonderer Fall. Und für mich persönlich ist es auch so, ich wohne tatsächlich in der Nähe von diesen Tatorten in Köln. Und immer wenn ich daran vorbeikomme, ist der Fall sofort wieder präsent.

Das ist so und das wird auch immer so bleiben. Danke, Herr Achenbach, dass Sie uns diesen Einblick in Ihre Ermittlungen gewährt haben. Damit sind wir auch am Ende der heutigen Folge. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen, noch einmal Burkhard Achenbach, dass Sie sich die Zeit genommen haben und zu uns ins Studio gekommen sind. Auch von mir vielen Dank und kommen Sie gut nach Hause. Ich danke, dass ich hier sein durfte.

Danke auch an den forensischen Psychiater Prof. Dr. Stefan Orlob und auch an Lale Artun, Autorin dieser Folge. Wie immer am Ende vielen Dank auch an euch, unsere Zuhörerinnen und Zuhörer und ich sage bis zum nächsten Mal bei Aktenzeichen XY unvergessener Verbrechen und ganz wichtig, bleibt sicher. Wir hören uns in zwei Wochen wieder, dann gibt es eine neue Folge. Alle Infos zu diesem Fall findet ihr, na klar, wie immer in den Shownotes. Bis dann.

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