#107 Mord am Millionär - podcast episode cover

#107 Mord am Millionär

Jun 03, 202651 min
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Episode description

Der 76-jährige Dieter Hoffmann* führt ein bescheidenes und äußerst sparsames Leben in Wiesbaden. Niemand würde vermuten, dass der alleinstehende Rentner, der heruntergekommene Klamotten trägt, im Discounter einkauft und zum Strom sparen auf Reisen den Kühlschrank abschaltet, eigentlich Multimillionär ist. Von seinem Reichtum wissen überwiegend nur ein paar gute Freunde aus der Nachbarschaft, mit denen er täglich Kontakt hat. Die bemerken sofort, dass der Mann und seine Hündin Luna seit dem 16. August 2023 spurlos verschwunden sind.


Die Kripo bemerkt zahlreiche Ungereimtheiten, die gegen ein freiwilliges Verschwinden des Vermissten sprechen: Sein Handy und Auto wurden zurückgelassen und der geliebte Weimeraner im Tierheim abgegeben. Spätestens, als die Beamten auf dem Schlafzimmerboden Blut und Scherben finden und eine unbekannte Person mit Faschingsmaske Geld vom Konto des Rentners abhebt, wird ihnen klar: Sie haben es mit einem Gewaltverbrechen zu tun.


Zu Gast im Aufnahmestudio bei Rudi Cerne und Nicola Haenisch-Korus ist der Erste Kriminalhauptkommissar a. D. Stefan Lange. Er leitete über Jahre das K11 im Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden und berichtet vom perfiden Plan des Täters, einen Mord zu vertuschen. Außerdem im Interview: Sabine Ohlrogge, forensische Anthropologin und Gutachterin. Sie erklärt, worauf es bei einer Vergleichsanalyse von Bildern und Personen ankommt, welche körperlichen Merkmale sich für eine Identifikation eignen – und wo die Grenzen einer solchen Bildauswertung liegen.


*Name geändert


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Alle Podcastfolgen und weitere spannende Dokus gibt's auch auf YouTube-Kanal "ZDF True Crime": https://www.youtube.com/@ZDFTrueCrime/videos


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Moderation: Rudi Cerne, Nicola Haenisch Korus

Gast: EKHK a.D. Stefan Lange, Polizeipräsidium Westhessen/Wiesbaden 

Interviewpartner: Sabine Ohlrogge, Forensische Anthropologin

Autor dieser Folge: Jonas Wengert

Audioproduktion & Technik: Louis Schäffer, Christina Maier

Leitung Postproduktion: Stephan Gossen

Produktionsleitung Securitel: Marion Biefeld 

Produktionsleitung Bumm Film: Melanie Graf, Nina Kuhn 

Produktionsmanagement ZDF: Julian Best 

Leitung Digitale Redaktion Securitel: Nicola Haenisch-Korus  

Produzent Securitel: René Carl 

Produzent Bumm Film: Nico Krappweis  

Redaktion Securitel: Katharina Jakob, Zoë Jungblut

Redaktion ZDF: Kirsten Zielonka, Sonja Roy

Regie Bumm Film: David Gromer

Transcript

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Aktenzeichen XY, Unvergessene Verbrechen. Mein Name ist Rudi Zerne. Und ich bin Nikola Hänisch-Koros. Schön, dass ihr heute zuhört. Rudi, heute geht es um einen Mann mit Vermögen. Also er ist das, was man wohl ziemlich wohlhabend nennt. Und wir hören ja öfter, wer viel Geld hat, kann schnell ins Visier von Verbrechern geraten. Deshalb tut man gut daran, seine finanzielle Situation nicht allzu sehr in die Öffentlichkeit zu tragen.

In unserem heutigen Fall wusste allerdings niemand von dem Reichtum des Mannes, um den es heute geht. Man hat es ihm einfach nicht angesehen und eigentlich hat er sogar eher bescheiden und ziemlich zurückgezogen gelebt. Stimmt. Und trotzdem wusste der Täter über seine Finanzen bestens Bescheid, ganz ohne ihn auszukundschaften. Mehr davon erfahren wir gleich von unserem heutigen Gast. Bei uns im Studio ist wieder Stefan Lange, erster Kriminalhauptkommissar AD.

Er leitete über viele Jahre das K11 im Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden, und hat uns bereits für die Folge im goldenen Käfig Einblick in seine Ermittlungen gewährt. Schön, dass Sie heute wieder bei uns sind. Herzlich willkommen. Vielen Dank für die Einladung, diesen Fall hier vorstellen zu können. Ja, schön, dass Sie da sind, Herr Lange. Ja, dann fangen wir doch gleich an. Sie hatten es mal wieder mit einer ziemlich

komplizierten Ausgangslage zu tun. Denn auch in diesem Fall fehlte eine Leiche, um den Mord nachzuweisen. Umso wichtiger war es im späteren Prozess, ein anthropologisches Vergleichsgutachten zu erstellen. Die Sachverständige Sabine Ohlrogge hat unserer Redaktion vorab erklärt, worum es bei dieser forensischen Untersuchung ging. Bevor wir aber dazu kommen, machen wir einen Sprung zurück zum August 2013. Alle Namen haben wir wie immer geändert.

Dieter Hoffmann ist 76 Jahre alt, lebt in einem sehr guten Wohnviertel in Wiesbaden und hat bereits vor über 30 Jahren frühzeitig aufgehört zu arbeiten. In seiner früheren Arbeit als Maschinenbauingenieur hatte er einige Patente angemeldet, die ihm ein stattliches Vermögen eingebracht haben. Der Rentner ist alleinstehend und kinderlos. In seinem Einfamilienhaus wohnt er praktisch schon sein Leben lang.

Es ist sein Elternhaus und steht auf einem recht großen Grundstück mit über 1000 Quadratmetern. In dem Haus gibt es eine Einliegerwohnung, die seit ein paar Jahren an einen Fremdsprachenkorrespondenten vermietet ist. Abgesehen davon lebt Dieter Hoffmann seit dem Tod seiner Eltern dort aber allein. Einmal im Jahr, meistens rund um seinen Geburtstag im Sommer, macht er Urlaub in der Schweiz. Immer in derselben Ferienwohnung. Sein ständiger Begleiter ist seine Hündin Luna, ein Weimraner.

Außerdem hat er beinahe täglich Kontakt zu seiner Nachbarin Martha Weber, ebenfalls Rentnerin. Die beiden sehen sich vor allem dann, wenn Dieter Hoffmann mit Luna Gassi geht. Mit der Nachbarsfamilie ist er seit Jahrzehnten befreundet. Martha Webers Kinder waren in früheren Jahren regelmäßig bei Dieter Hoffmann zum Spielen oder Fernsehen. Insbesondere zu ihrem Sohn, Thomas Weber, hatte der Rentner Zeit seines Lebens engen Kontakt. Es ist Montag, der 19. August 2013, als Martha Weber in Sorge ist.

Sie versucht bereits seit drei Tagen vergeblich, Dieter Hoffmann per Telefon zu erreichen. Sie hat ihn auch seit mehreren Tagen nicht mehr Gassi gehen sehen. All das ist sehr ungewöhnlich. Er hatte sich bislang immer bei ihrer Familie abgemeldet, selbst wenn er nur kurz mit dem Auto unterwegs war. Und erst recht, wenn er für einen längeren Ausflug in die Schweiz fuhr. Martha Weber entschließt sich, in seinem Haus nach ihm zu sehen.

Sie hat einen Zweitschlüssel für den Fall, dass Dieter Hoffmann mal längere Zeit unterwegs ist. Im Haus nebenan stellt sie fest, dass weder Dieter noch seine Hündin zu Hause sind. Dazu findet sie seltsamerweise eine Tasse Kaffee und Töpfe mit ungekochtem Essen vor. Auch das Bettzeug von der Liege im Wohnzimmer, auf der Dieter Hoffmann immer schläft, ist weg. Dafür hängt sein Mobiltelefon am Ladekabel. Sein kleines Auto steht in der Garage und auch der Kühlschrank ist angeschaltet.

Dass Dieter Hoffmann verreist sein könnte, schließt Martha Weber aus. Sie weiß, der 76-Jährige ist äußerst sparsam. Wann immer er länger unterwegs ist, schaltet er den Kühlschrank ab. Auch der Mieter in der Einliegerwohnung weiß nicht, wo sich Dieter Hoffmann aufhält. Vor ein paar Tagen ist der Fremdsprachenkorrespondent mit seinem Partner für einen Sommerurlaub verreist. Von dort versucht er mehrfach, seinen Vermieter anzurufen. Erfolglos.

Andere Hundespaziergänger in der Gegend überlegen, ob Dieter Hoffmann beim Brombeerpflücken gestürzt sein könnte. Mit ihrer Tochter diskutiert Martha Weber, ob sich ihr Nachbar etwas angetan haben könnte. Den Gedanken verwirft sie aber sofort wieder. Eine andere Nachbarin von Martha Weber hat dann die Idee, im Tierheim nach Hündin Luna zu fragen. Vielleicht hatte Dieter Hoffmann ja tatsächlich einen Unfall. Vielleicht war Luna frei herumgelaufen und jemand hatte sie dort abgegeben.

Obwohl sie den Gedanken abwegig findet, ruft Martha Weber also am Dienstag, einen Tag nachdem sie im Nachbarhaus nachgesehen hatte, auf Gut Glück im Wiesbadener Tierheim an. Und tatsächlich, Luna wurde dort abgegeben. Mit der Begründung, ihr Herrchen hätte einen Schlaganfall erlitten und könne sich nicht mehr um sie kümmern. Martha Weber ist nun umso alarmierter. Ein Schlaganfall würde natürlich erklären, warum Dieter verschwunden ist.

Sie erkundigt sich in den umliegenden Krankenhäusern. Doch ein Dieter Hoffmann wurde in keinem der Häuser aufgenommen. Spätestens jetzt kommt Martha die Situation äußerst seltsam vor. Es vergeht noch ein weiterer Tag, an dem sie nichts von Dieter Hoffmann hört. Am Mittwoch, den 21. August 2013 gegen 18 Uhr, meldet die Rentnerin ihren langjährigen Freund bei der Polizei in Wiesbaden als vermisst. Herr Lange, ich nehme an, die Polizei hat die Vermisstenmeldung gleich sehr ernst genommen.

Nicht zuletzt auch wegen des fortgeschrittenen Alters von Dieter Hoffmann, oder? Das ist richtig. Der Dieter Hoffmann war zwar schon gesetzlich gesehen in einem Alter, wo man seinen Aufenthaltsort frei bewählen kann. Aber nichtsdestotrotz war es für uns dann wichtig zu wissen, wo er ist. Dieter Hoffmann hatte zwar in diesem Jahr eine größere Nierenoperation gehabt. Uns ist aber gesagt worden, dass er geistig für sein Alter sehr fit war.

Und daher war es eher unwahrscheinlich, dass er verwirrt weggelaufen wäre. Es machte natürlich dann aber auch ein Verschwinden merkwürdiger, die ganzen Umstände, die uns bis jetzt da geschildert worden waren, mit dem Hund und normalerweise seinem Lebensverlauf, der Abmeldung und solchen Dingen. Aus dem Grund habe ich dann zwei Kollegen von mir, die eigentlich für die vermissten Sachbearbeitung auch originär zuständig sind, dorthin geschickt, sich einfach mal ein Bild selbst zu verschaffen.

Also nicht nur auf das zu hören, was die Nachbarin da erklärt und erzählt, sondern sich selbst einfach den Umständen mal anzuschauen. Und die kamen dann zurück um die Mittagszeit und haben mal berichtet, wie es dort aussieht. Das haben wir ja schon eben gehört mit dem Schlaf in dem Wohnzimmer und solchen Dingen. Aber ich sage mal...

Die Kollegin, die jüngere, hatte ein schlechteres Gefühl, während der ältere Kollege gesagt hat, komm, schauen wir erst mal nach anderen Sachen, bevor wir uns da groß involvieren. Wir hatten einen Zweitschlüssel von der Nachbarin bekommen, mit dem wir das Haus betreten konnten. Das muss ja auch immer rechtlich dann auch gesichert sein. Und ja, der Zustand war wie beschrieben, es stand nicht gegessenes Essen da, das Handy war da.

Der Mann war weg und der Hund war auch nicht da, denn der war ja im Tierheim abgegeben worden. Also das war alles sehr komisch und das muss eigentlich nichts heißen, aber es macht einen doch aufmerksam. Und aus dem Grunde habe ich dann einfach als Kommissarzeiter entscheiden können, dass wir uns der Sache einfach mehr annehmen würden. Da waren aber noch Dinge, die waren aus Ihrer Sicht auch ziemlich merkwürdig oder zumindest noch weitere Dinge, die sehr merkwürdig waren.

Können Sie das mal beschreiben? Ja, man muss wissen, das Haus steht praktisch in einem sehr noblen Wiesbaden-Wohngebiet. Rundrum um das Haus, um das betreffende Haus des Rentners stehen also wirklich Millionen Villen, kann man sagen. Und ins Einsam verlassen würde ich nicht sagen, aber steht dann dieses alte, wirklich heruntergekommene Haus auf einem riesengroßen Grundstück. Und das allein ist schon auffällig. Also man würde niemals vermuten, dass es da um Geld oder um Werte geht oder sonst was.

Wir hatten aber gehört, dass der Vermisster doch vermögend sein sollte und wenn man diese Werte des Grundstücks allein berechnet, wären das schon Millionenwerte gewesen. Die Einrichtung, die war allerdings wirklich aus den 50er, 60er Jahren, das war die alte Einrichtung der Eltern, da ist nie was geändert oder modernisiert worden. Es war auch schon ein bisschen, ich will nicht sagen gerümpelig, aber das beschreibt das vielleicht am besten.

Der Herr hatte weniger Aufmerksamkeit auf Ordnung oder sowas gelegt. Bestimmte Bereiche waren in Ordnung, aber manche Sachen waren doch schon ein bisschen heruntergekommen. Das kann man einfach so mal so sagen. Es fiel also komplett aus dem Raster und passte nicht so richtig in diese normale Lebenssituation in dieser Gegend. Also das war jetzt der von Ihnen geschilderte erste Eindruck am Abend der Vermisstenanzeige. Waren Sie dann auch gleich hellhörig und alarmiert?

Wie ich eben schon gesagt habe, bei vermissten Sachen kann man in einer Sekunde, bei Kindern insbesondere ganz schwer, alles richtig oder alles falsch machen. In dem Falle sah es jetzt nicht zwingend nach einem Gewaltverbrechen aus, aber es sah auch nicht so aus, als wenn ein Mensch seinen normalen Lebensbereich verlassen hätte. Weder aus Krankheitsgründen oder auch aus Urlaubsgründen oder sonst was.

Wir haben einfach gesagt, hier stimmt was nicht, wir schauen uns das eigentlich am nächsten Tag nochmal an. Und zwar nicht nur wir, sondern wir gehen auch mit der Spurensicherung dahin. Um einfach mal zu gucken, ob dort möglicherweise Hinweise auf ein gewaltsames Eindringen oder sonst was zu finden waren. Und ja, wir haben uns das Haus, ich selber war auch dann mit, da hat mir das angeschaut.

Und da kriegt man ein Bauchgefühl. Und da kommt man, also bei näher Betrachtung sind da einige Dinge schon auffällig gewesen. Da gab es zum Beispiel ein Schlafzimmer, was auch als Büro benutzt worden ist. Da stand auch ein Bett drin. Aber auf dem Bett war keine Matratze und auch kein Schoner oder solche Dinge. Das fehlte also komplett. Andererseits lagen aber unter diesem Bettgestell, was eigentlich nackt dann da stand, konnte man kleine Keramikstücke finden, also so scherbenartige Stücke.

Und die stammten wohl von solchen kleinen Keramikfiguren, von denen auch mehrere auf dem Regal über dem Bett gestanden haben. Also man konnte vielleicht denken, dass diese Figur runtergefallen wäre und dann zerbrochen wäre. Allerdings ohne Matratze, warum soll die da runterfallen und wie soll das Ganze dann dort zum Liegen kommen? Das waren so die ersten Dinge, wo man sagt, wir schauen einfach nochmal. Hätte ja auch bei einer körperlichen Auseinandersetzung zu Bruch gegangen sein

können. Aber was haben denn die Nachbarn gesagt? Gab es irgendwelche Anhaltspunkte für Streitereien im Umfeld von Dieter Hoffmann? Absolut nicht. Der Mann ist wirklich beschrieben worden als netter, älterer Herr, der wirklich mit jedem, aber wirklich mit jedem, insbesondere weil er die Leute ja auch seit Geburt dort kannte, einfach ein Top-Verhältnis gehabt hat. Also die Nachbarschaft, die war absolut sehr harmonisch, ist sie uns beschrieben worden.

Seine Mieter unten, der war nicht ständig da, sondern weil er auch beruflich außer Haus oft war. Selbst mit dem hat er ein absolut tolles, vertrauensvolles Verhältnis. Also es gab überhaupt nie Anhaltspunkte, dass dort es zu einem, ich sag mal, gewaltsamen Auseinandersetzungen in Folge eines Streits bekommen ist. Der Dieter Hoffmann, der hatte eine weitläufige Cousine in Bayern, die auch verständigt worden ist von der Nachbarin und die dann auch Kontakt mit uns aufgenommen hat.

Er hatte sonst so wirklich seine Nachbarn um sich rum und die paar Bekannten vorm Spazierengehen, gemeinsame Hundespaziergänge oder sonst was. Also keine Leitprobleme, keine Streitigkeiten oder ähnliches. Allerdings haben wir ja anfangs schon gehört, dass Dieter Hoffmann recht wohlhabend war und Habgier ist ja bekanntlich oft ein Motiv. Von wie viel Vermögen sprechen wir eigentlich hier?

Ja, auch wenn man es nicht angesehen hat. Aber der Dieter Hoffmann war schon seit circa 30 Jahren ja nicht mehr arbeitstätig gewesen. Und er hat praktisch von seinem Vermögen gelebt und auch gespart, was er über diese Patente, die er als Maschinenbauingenieur entwickelt hat, dann vermarkten konnte. Und auch wenn man es ihm nicht angesehen hat und auch seinem Anwesen nicht, er war also Millionär.

Und er hat im Prinzip immer noch diese Patente, also von diesen Patenten die Patentgebühren einstreichen können und hat die dann aber auch entsprechend angelegt gehabt. Ich sage jetzt mal nicht ganz legal, das werden wir noch drauf kommen. Und hat also da sich ein wirklich erhebliches Vermögen, Millionenvermögen angehäuft gehabt. Und insgesamt reden wir jetzt einfach von einer Summe von circa sechs Millionen Euro nur allein als Barvermögen.

Ja, das klingt durchaus ordentlich. Aber wie passt das denn jetzt eigentlich mit seiner Wohnsituation zusammen, also diesem heruntergekommenen Zustand des Hauses? Man hat weder Dieter Hoffmann selbst noch dem Haustest von außen angesehen. Das hatte ich ja schon gesagt, dass hier viel Geld vorhanden ist. Eher war das Gegenteil der Fall. Aber er war halt sehr, sehr sparsam in seinem eigenen Lebensunterhalt.

Ein Beispiel haben wir ja schon gehört. Wenn er in den Urlaub gefahren ist, hat er den Kühlschrank sogar ausgesteckt, um den Strom zu sparen. Und er hat auch alles, die ganzen Nachbarn wussten Bescheid, was er für ein Typ ist. Aber das war nicht negativ ihm angerechnet worden. Und auch seine Kleidung war stellenweise abgewetzt und gebraucht. Er fuhr im Discounter einkaufen und hatte auch ein kleines Auto, ich hatte einen kleinen Kleinwagen gehabt, einen alten.

Man hat wirklich nichts sehen können. Aber er war damit zufrieden, das hat man gemerkt. Und selbst mit seiner Wohnsituation war er zufrieden. Er hat sogar im Wohnzimmer geschlafen, um Strom zu sparen oder Heizkosten auch zu sparen. Und auch, das muss man einfach sagen, um seinem Hund nahe zu sein. Er hätte sich locker eine Putzkraft oder einen Gärtner oder sonst was leisten können oder das Haus renovieren können oder sowas.

Aber das war ihm nicht wichtig. Ich erlegte das stattdessen lieber alles zur Seite. Gab es denn in der Wohnung selbst Anzeichen für so etwas wie einen Raubüberfall? Also einen Überfall, der dann vielleicht aus dem Ruder gelaufen war? Ich habe ja schon gesagt, wir haben uns das dann angeschaut und haben auch Behältnisse geöffnet. Und da konnte man absolut nicht erkennen, dass dort irgendwas durchsucht worden wäre oder gesucht worden wäre.

Es wäre aber auch jetzt auf den ersten Anblick wirklich nichts zu holen gewesen. Also Wertgegenstände konnte man nicht finden. Das Einzige, was man vielleicht, die Geldbörse war nicht da. Also war sein Haus war nicht da und seine Geldbörse mit einer möglichen Debitkarte, also war nicht da. Aber ansonsten, Handy war da, es war jetzt auch kein besonderes Handy. Es sprach wirklich absolut nichts für einen, ich sag jetzt mal, gescheiterten Raubeüberfall oder solche Dinge.

Die Ermittler beschließen, der Spur des Geldes nachzugehen. Sie lassen die Konten von Dieter Hoffmann überprüfen und stellen fest, dass mit seiner EC-Karte am Sonntag, den 18. August 2013, 1000 Euro abgehoben wurden. Der Bankautomat, bei dem das Geld abgehoben wurde, verfügt über eine Videoüberwachung. Fünf Tage nach der Vermisstenanzeige sichtet die Polizei die Bilder und sieht dabei etwas Interessantes.

Die Person, die zur fraglichen Zeit Geld abgehoben hat, trug nicht nur dünne Latexhandschuhe, sondern auch eine Maske. Eine mit dem Aussehen eines alten Mannes, wie man sie am Karneval tragen würde. In den polizeilichen Unterlagen ist ab diesem Zeitpunkt von einer Opa-Maske die Rede.

Das unerklärliche, plötzliche Verschwinden von Dieter Hoffmann plus die Tatsache, dass eine maskierte Person mit seiner offensichtlich gestohlenen Bankkarte Geld von seinem Konto abhebt, liegt die Befürchtung nahe, dass es sich hier um ein Kapitalverbrechen handelt. Umso mehr, weil parallel zu der Videoauswertung die Spurensicherung weitere Erkenntnisse aus dem Wohnhaus zutage fördert.

Nur einen Tag, nachdem die Polizei die Videoaufnahmen des Mannes mit der Faschingsmaske beim Bankautomaten entdeckt hat, stellt der Erkennungsdienst zweifelsfrei Blutspuren im Schlafzimmer von Dieter Hoffmann fest. Auf dem Boden, am Bett, im Regal sowie im Bad. Neben dem Bett befinden sich zudem drei frische Kratzspuren im Linoleumboden, die Richtung Tür führen. So, als hätte man etwas aus dem Zimmer herausgezogen. Oder jemanden.

Herr Lange, nach einer Untersuchung der Blutspuren durch das LKA war klar, das Blut stammte wirklich von Dieter Hoffmann. Konnten auch Spuren vom Täter gefunden werden? Man muss dazu erstmal sagen, es waren verschiedene Spuren zu finden. Und die Blutuntersuchung wurde leider Gottes damals nicht komplett durchgeführt, sondern man hat sich zunächst einmal auf ein paar Spuren konzentriert gehabt und hatte die ausgewertet.

Und da kamen wir dann, als Ergebnis bekamen wir dann die Erkenntnis, dass das Spuren wirklich vom vermissten Dieter Hoffmann gewesen sind. Also wenige Tage nach dem Verschwinden des Rentners mussten Sie also aufgrund der Spurenlage davon ausgehen, dass Dieter Hoffmann einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. Jetzt müssen wir auf einen Punkt zurückkommen, den wir vorhin schon einmal angerissen hatten. Die Hündin, dass die jetzt im Tierheim abgegeben wurde, das hat ja bereits die

Nachbarin rausgefunden. Das war ja schon recht merkwürdig. Das wussten wir praktisch ja von der ersten Minute der Anzeigenerstattung an. Der Nachbarin ist gesagt worden vom Tierheim, natürlich immer unter der Prämisse des Datenschutzes, dass der Dieter Hoffmann angeblich einen Schlaganfall gehabt haben sollte und dass ein Mann deswegen die Hündin dort im Tierheim abgegeben hatte, weil er sich einfach nicht mehr darum kümmern konnte.

Wir haben natürlich auch alles nochmal, was die Dame selbst schon überprüft hat, haben wir auch in den Krankenhäusern nachgefragt. Also in Dieter Hoffmann haben wir nirgendwo als Patient gefunden bezüglich einer Akutverletzung. Und wir haben dann weitergehende Erkenntnisse bekommen, dass uns gesagt worden ist, wer den Hund dort abgegeben hat und auch warum der Hund dort abgegeben worden ist. Also der Hund wurde nicht anonym abgegeben.

Ja und der Mann, der die Hündin ins Tierheim gebracht hat, hieß Alexander Kemmerer. Er war damals 39 Jahre alt und lebte ebenfalls in Wiesbaden. Sie haben ihn dann zunächst als Zeugen befragt. Was hat er Ihnen gegenüber denn gesagt, wo er die Hündin gefunden hat?

Der Herr Kemmerer hatte dann in einer Befragung durch meine Kollegen erklärt, dass der Dieter Hoffmann also ihn kennen würde und dass dieser ihm einen Brief geschrieben hätte und ihn gebeten respektive beauftragt hätte, den Hund ins Tierheim zu bringen. Er selbst würde in die Schweiz fahren und könnte den Hund dort nicht mehr halten. Uns gegenüber war also jetzt von dem angeblichen Schlaganfall, den der Herr Kemmerer erwähnt hat, nichts mehr zu hören gewesen.

Woher kannten sich die beiden denn, der Dieter Hoffmann und dieser Alexander Kämmerer? Das ist dann auch jetzt der abenteuerliche Teil dieser Geschichte. Der Alexander Kemmerer, der war in den Jahren zuvor, war der, ich sag mal als Bankberater bei einer deutschen Bankfiliale in Wiesbaden tätig. Und der Dieter Hoffmann, das hatte ich ja vorhin schon erwähnt, hat über lange Jahre einen Großteil seines Vermögens in der Schweiz verwahrt und dort offensichtlich nicht sauber versteuert.

Und er wollte sich dann 2012 einfach beraten lassen, wie er aus dieser Nummer rauskommt. Um möglichst nicht um stark bestraft zu werden wegen Steuerhinterziehung. Und so hat er sich an seine normale Hausbank gewandt und dort war der Alexander Kämmerer dann ihm als Berater zugeteilt worden. Das müssen wir jetzt mal kurz erklären. Seit 2008 ermittelten deutsche Steuerfahnder verstärkt zu Steuerhinterziehungen in Lichtenstein und später auch in der Schweiz. Die Folge?

Tausende beschuldigte Kunden, Ermittlungen gegen einzelne Banker, Durchsuchungen und hohe Vergleichszahlungen für einige Banken. Bereits zuvor gab es im deutschen Steuergesetz die Möglichkeit einer straffreien Selbstanzeige. Die Voraussetzungen dafür wurden allerdings durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs 2010 deutlich verschärft.

Seitdem müssen Steuerhinterzieher alle hinterzogenen Einkünfte vollständig offenlegen und die gesamten Steuern inklusive Zinsen nachzahlen, um straffrei davonzukommen. Ja, und Dieter Hoffmann wollte diese Möglichkeit der Selbstanzeige in Anspruch nehmen und suchte deswegen Rat bei einer Bank, also bei seiner Bank. Dort bekam er dann Alexander Kämmerer als Berater zugewiesen. Das heißt, der wusste über das üppige Vermögen von Dieter Hoffmann ziemlich genau Bescheid.

Ja, und das hat bei Ihnen als Ermittler doch sämtliche Alarmglocken klingeln lassen, oder? Ja, sicher. Der wusste sicherlich von den Geldern aus der Schweiz, die er reintransforiert hatte in die Bundesrepublik und auch natürlich über den normalen Kontobestand, den er schon gepflegt hatte in Deutschland. So, und dann zu diesen Erkenntnissen kommt diese komische Tierheimgeschichte, wo jemand dann der Bankberater ist und einen Hund da abgibt.

Also das hat alles irgendwie nicht gepasst. Es war stellenweise schlecht erklärlich. Und aus Dieter Hoffmanns Umfeld konnten wir dann auch ermitteln, dass den Herrn Kemmerer überhaupt niemand gekannt hat. Wie gesagt, er hatte einen Bekanntschaftskreis, Nachbarschaftskreis, aber in dem Kreis war der Kämmerer überhaupt nicht bekannt.

Und es war deswegen auch nicht ersichtlich oder plausibel erklärbar, dass er auf einmal eine Vertrauensperson gewesen sein soll, dem der Dieter Hoffmann seine wirklich von ihm geliebte Hündin anvertraut hatte. Wenn er den Hund, also wenn er wegfuhr, in Urlaub oder Erledigung oder ins Krankenhaus ging, dann hat er den Hund natürlich nicht mitnehmen können. Dann ließ er den Hund immer zum Aufpassen bei der Nachbarin, die wir ja schon erwähnt hatten, die selbst auch einen Hund hatten.

Und das war also überhaupt nicht. Dass der Hund irgendwo mal weggeht. Und die Martha Weber und auch das gesamtliche Umfeld hat klipp und klar gesagt, dass die da auf man den Hund niemals einfach so zurückgelassen hätte und schon gar nicht ins Tierheim abgegeben hätte. Alexander Kemmerer rückte damit also ziemlich schnell in Ihren Fokus. Was konnten Sie über ihn herausfinden? Der Alexander Kemmerer kann man sagen, der war aus einem gutbürgerlichen Haus.

Seine Eltern waren rechtschaffende Menschen. Er war der älteste Sohn, Er war so ein bisschen Mamas und Papas Liebling. Er stand aber wohl zeitlebens unter dem Druck, sich beweisen zu müssen. Das ist ihm dann nicht ganz so gelungen. Nach dem Abitur zum Beispiel hat er eine Lehre zum Steuerberater gemacht, beziehungsweise doch dort gearbeitet. Aber er hat nie große berufliche Erfolge erzielen können, eher sogar das Gegenteil. Zwischendurch war er auch arbeitslos, hat den Job oft gewechselt.

Er hat aber immer wieder versucht, so einen Schein des Normalen aufrechtzuerhalten. Ein Beispiel einfach, sein letzter Arbeitgeber hatte gemeint, also im Finanzbereich, er wäre pünktlich und zuverlässig, aber in Stresssituationen schnell überfordert und dann noch hektisch. Es ging ihm also, man muss ja sagen, er war ja schon jetzt knapp 40, immer eher bergab als bergauf und auch so in seinem sozialen Leben.

Als Beispiel, sein Bruder war jünger und er war Diplomingenieur, hatte Familie und ein gestandtes Lebensgefühl. Er hatte das Ganze also nicht. Und ja, man musste immer aus der Sicht der Familie nach ihm gucken und ihm helfen, weil er mal wieder in irgendwas reingetappt gewesen ist. Ich nenne das jetzt einfach mal so. Ja, apropos reingetappt. Sie haben dann die Finanzlage von Alexander Kemmerer überprüft und dabei kam dann auch heraus, dass er seit längerem in finanziellen Schwierigkeiten war.

Und im Frühjahr 2013 hatte sich die Situation dann nochmal zugespitzt. In welcher Form? Genau. Im Mai, ungefähr drei Monate vor Dieter Hoffmanns Verschwinden, hat Alexander Kemmerer dann seinen Job bei der Bank verloren. Er war also nicht mehr der Berater, der er vorher war, sondern seit diesem Datum arbeitete er in Teilzeit als Restaurantleiter beim gastronomischen Betrieb auf der Messe in Frankfurt.

Das war aber sehr unregelmäßig, weil er dann nach Stunden bezahlt worden ist und manchmal hat er weniger gearbeitet, manchmal mehr. Und maximal hat dieser Job ihm da, ich sage mal, 1200 Euro im Monat wohl damals eingebracht, weil er einfach keine regelmäßigen Arbeitszeiten hingekriegt hat. Demgegenüber standen allerdings monatliche Fixkosten, die er zu dem Zeitpunkt allein schon gehabt hat, von 1800 Euro.

Also er musste seine eigene Wohnung bezahlen, er musste seine Kredite bedienen und diese Dinge. Und das hat hinten und vorne schon überhaupt nicht gepasst. Er hatte vor Jahren von seinen Eltern schon mal so eine Wohnung geschenkt bekommen in einem größeren Komplex und hatte sich dann aber eine zweite Wohnung dazu gekauft. In der einen Wohnung wohnte er selber. Er hatte darüber hinaus zwei Kredite von je 70.000 Euro aufgenommen, um sich eine weitere Eigentumswohnung zu kaufen.

Einen davon hatte er abbezahlt, bei dem anderen war er aber im Verzug nicht. Ja, es lief auch noch ein weiteres Darlehen für ihn, über 20.000, das er aufgenommen hatte, um die Rückstände aus seinem Girokonto auszugleichen. Also auch da war er schon richtig ins Minus gelaufen. Die Mieteinnahme einfach der weiteren Wohnung, die er also gekauft hatte auf Pump und sein, Geringeres Einkommen konnten also die Laufenkosten bei weitem nicht decken.

Seine Eltern haben ihm oftmals und auch größere Geldbeträge immer mal wieder zugeschossen. Aber das war auch klar, irgendwann war das damit vorbei. Also die konnten dann auch nicht mehr das ganze Geld ausgeben. Und da ist er dann halt in diese Drucklage geraten. Und durch die Kündigung bei der Bank kam noch eine weitere ganz akute Not dazu. Alexander Kemmerers frühere Arbeitgeber hatte ihm nämlich einen Provisionsvorschuss von rund 5000 Euro überwiesen, den er zurückzahlen musste.

Dabei war er ohnehin schon mit mehreren Zahlungen im Rückstand. Im Juli wurde sogar schon ein Inkasso-Unternehmen beauftragt, das Geld einzufordern. Und Sie sind dann noch auf weitere brisante Hinweise gestoßen. Welche waren das? Das ist richtig. Zu Thomas Weber, dem Sohn seiner Nachbarin, hat der verschwundene Dieter Hoffmann ja ein sehr enges Verhältnis gehabt. Er war unter anderem auch sein Steuerberater und auch sein Vermögensverwalter, kann man eigentlich sagen.

Und er hatte Vollmacht über alle seine Konten. Und wir konnten dann auf einmal auf der Bank ein Schreiben erhalten, dass diese Vollmachten für den Thomas Weber zu löschen gewesen wären. Und auf einmal jemand anders als Vollmachtinhaber eingesetzt worden ist. Und dieses Schreiben sah jetzt auf den ersten Blick aus, als wenn es geschrieben und auch unterzeichnet gewesen wäre von unserem vermissten Dieter Hoffmann. Es kam noch dazu, am Montag, den 19.

August, zahlte der Alexander Kemmerer Geld auf seinem eigenen Konto ein, also auf seinem Girokonto, das war ein dicker Minus, und zwar den genauen Betrag von 1.000 Euro. Also genau diese Summe, die der maskierte Mann, also mit der alten Mannmaske, am Tag zuvor von Dieter Hoffmanns Konto, weil er eine Abhebung abgehoben hatte. Ziemlich auffällig. Für eine Festnahme reichte das allerdings noch nicht aus. Sie haben ihn deshalb am 28.

August, also eine Woche nach der vermissten Anzeige, zu einer Befragung aufs Präsidium geholt und noch mal mit ihm über seine Beziehung zu Dieter Hoffmann und über die Hündin Luna gesprochen. Was kam dabei raus? Man muss sagen, wir haben ihn dann auf unsere Dienststelle verbracht und haben dann zunächst einmal ihn als Zeuge vernommen. Und er behauptete dann erstmal, dass er den Dieter Hoffmann vor mehreren Jahren, vier Jahren ungefähr, über den Pächter eines Jagdreviers kennengelernt hatte.

Und da hatte man sich dann über Hunde unterhalten und Dieter Hoffmann hatte sich für einen Hund interessiert. Und so hätte sich dann der Kontakt ergeben und auch intensiviert. Und er wäre auch öfters dann mal zu Kaffee und Kuchen beim Dieter Hoffmann eingeladen gewesen. Über das Vermögen vom Dieter Hoffmann habe er angeblich überhaupt nichts gewusst. Er wusste ja nicht, was wir mittlerweile schon wissen.

Alexander Kemmerer verstrickte sich dann aber immer mehr in Widersprüche und wirkte auf uns immer unglaubwürdiger. Wir haben dann feststellen können, der Pächter des Jagdreviers, der angeblich diesen Kontakt hergestellt hat, der war schon seit mehr als zehn Jahren tot, also das konnte schon mal nicht passen.

Hinzu kam, als ich Alexander Kemmerer zum ersten Mal bei uns gesehen habe, als er bei uns in die Dienststelle geführt worden ist, habe ich gesehen, was er für eine Körperhaltung hat und wie er sich bewegt. Und da habe ich für mich selbst sofort gedacht, das ist der Mann, den wir auf der Überwachungskamera auf den Bildern gesehen haben. Der Mann mit der Obermaske. Sie haben dann auch die Wohnung von Alexander Kemmerer durchsucht. Was konnten Sie da finden?

Also von dem angeblichen Brief, den Dieter Hoffmann wegen seiner Abgabe seiner Hündung bekommen haben sollte oder wollte, gab es absolut überhaupt keine Spur. Wir haben dann natürlich nicht nur die Wohnung, sondern auch seine sämtlichen Dinge durchsucht und haben dann in seinem Fahrzeug hatten wir eine Blutspur oder mehrere Blutspuren gefunden. Die stellten sich aber später dann als sein eigenes Blut heraus.

Was es gab, natürlich dann immer interessante Daten auf elektronischen Geräten, wie zum Beispiel seinem Laptop. Dort konnte man feststellen, dass der Alexander Kemmerer hatte über seinen Bankzugang, den er ja noch gehabt hatte, kurz vor dem Verschwinden von Dieter Hoffmann, nochmal detaillierte Infos über das Vermögen oder den damaligen Vermögenstand von Dieter Hoffmann recherchiert.

Er war also gar nicht mehr berechtigt, das abzufragen, weil er ja schon entlassen worden ist, hat es aber nochmal gemacht. Außerdem auf dem Laptop waren gelöschte Dokumente zu finden. Wir konnten die Daten wiederherstellen, darunter aber auch das Schreiben, um die Vollmachten für den Sohn der Nachbarin aufzuheben. Alexander Kemmerer sagte, er habe das Schreiben nur für den Dieter Hoffmann aufgesetzt und habe ihm das Blanko geschickt. Aus unserer Sicht war das total unglaubwürdig.

Dieter Hoffmann hatte im Januar 2013 ein handschriftliches Testament verfasst. Als Erben für den Großteil der Wertpapiere hatte der Rentner den Nachbarssohn Thomas Weber sowie dessen Frau und Kinder eingesetzt. Auch das Haus sollte an Thomas Weber gehen. Nun tauchte aber plötzlich ein neues Testament auf, erzählen Sie. Das war jetzt besonders skurril. Am 29. August meldete sich dann ein Wiesbadener Notar bei uns, der in der Sache überhaupt noch nicht mit uns Berührung hatte oder sowas.

Und er hätte ein neues Testament von Dieter Hoffmann, den er überhaupt nicht kannte, mit Datum 24. August 2013 zugeschickt bekommen. Und zwar das Ganze per Brief aus der Schweiz. Der Notar, wie gesagt, kannte den Dieter Hoffmann überhaupt nicht und hat dann auch erst über eine Nachfrage beim Nachlassgericht erfahren, dass die Polizei dort ermittelt und deswegen hat er sich dann an uns gewandt. In dem Neuen Testament stand dann weiterhin der 2.

Thomas Weber als Haupterbe, Daneben aber unter anderem auch der örtliche Kirchenmusikverein und ein Tierschutzverein. Aber wer stand noch drin? Auf einmal der Herr Alexander Kemmerer. Und zwar, der sollte 500.000 Euro aus dem Nachlass bekommen. Wir haben dann natürlich dieses Testament untersuchen lassen, kriminalistisch. Und eine Schriftgutachterin stellte später vor Gericht dann auch fest, dass die Unterschrift unter dem Testament mit hoher Wahrscheinlichkeit gefälscht war.

Und dann gab es aber noch weitere Anzeichen dafür, dass Alexander Kemmerer das Testament gefälscht hatte, richtig? Wie gesagt, kriminalistisch untersucht und spurentechnisch. Und da konnten wir zum einen auf dem Testament selbst einen Handflächenabdruck von Alexander Kemmerer nachweisen. Er erklärte das so, dass er Dieter Hoffmann mal Briefpapier vorbeigebracht hätte. Daher müsste auch dann der Handflächenabdruck kommen. Also er hatte auf jede Frage immer eine Antwort.

Das war allerdings überhaupt nicht glaubwürdig. Und viel, ich sag mal, viel interessanter waren Auswertungen seines Handys oder seiner Mobilfunkdaten. Da konnte ich dann feststellen, dass er mit dem Auto am 27. August praktisch von seinem Wohnort nach Frankfurt gefahren ist und hat das Fahrzeug dort abgestellt auf dem Parkplatz seines Arbeitgebers im Bereich der Messe.

Von dort ist er wohl zehn Minuten zum Bahnhof gelaufen und von der Deutschen Bahn konnten wir erfahren, dass dort außergewöhnlich, deswegen war es auch schön für uns das zu erfahren, dass dort jemand ein Zugticket nach Zürich gekauft hat und das sogar bar bezahlt hat. Nicht wie üblich mit der Karte oder solchen Dingen.

So und dann war das Handy, das lag vermutlich im Auto, hatte also im Prinzip keine weiteren Daten erfasst und auf einmal ist es dann wieder in Bewegung geraten und wir konnten feststellen, dass der Zeitpunkt genau korrespondierte mit Rückfahrt aus der Schweiz mit dem Zug und dann wieder Laufen zum Parkplatz und Einsteigen in das Fahrzeug. Und das passte also, ich sag mal fast minutiös, einfach auf so einen nachgezogenen

Weg, den er zurückgelegt hätte. Das heißt, die gesammelten Indizien waren in Summe ziemlich eindeutig. Der 39-Jährige wurde deshalb am 5. September 2013 festgenommen, aber das Problem war, sie hatten nach wie vor keine Leiche. Was war denn Ihre Theorie, was zwischen Alexander Kemmerer und Dieter Hoffmann passiert ist? Wir konnten feststellen, dass anhand von Telefonverbindungen auch aus dem Hause des Vermissten, dass am 16. August wohl ein Gespräch stattgefunden hatte zwischen beiden.

So für anderthalb Minuten hatten sie telefoniert. Unsere These war damals, dass die beiden sich für den Tag aus irgendwelchen Gründen beim Dieter Hoffmann, also bei unserem Vermissten, zu Hause verabredet hätten. Wir gingen davon aus, dass der Kämmerer möglicherweise den reichen Rentner um Geld anpumpen wollte oder sowas, um dann seine Schulden erst mal zunächst in den Griff zu bekommen. Für mich war das aber im Prinzip nie so glaubhaft. Ich habe immer einen anderen Ablauf gedacht.

Und Einschätzung Dieter Hoffmann wird das garantiert ziemlich sicher abgelehnt haben. Er wollte garantiert kein Geld rausgeben. Theorie war dann wieder, die Abfuhr wollte Alexander Kremmerer so nicht auf sich sitzen lassen. Er hat den alten Mann dann erschlagen, seine Leiche beseitigt und das Testament gefälscht, um sich dann doch noch in Besitz des Geldes zu bringen.

Dieser Theorie folgt auch die Staatsanwaltschaft, auch wenn die Leiche von Dieter Hoffmann zu diesem Zeitpunkt immer noch verschwunden war. Am 30. Juni 2014, also gut zehn Monate nach dem Verschwinden des wohlhabenden Rentners, beginnt vor dem Landgericht Wiesbaden der Prozess gegen Alexander Kemmerer. Die Anklage lautet auf Mord wegen Habgier, Urkundenfälschung wegen des Testaments und Computerbetrugs wegen der Geldabhebung mit Dieter Hoffmanns Bankkarten.

Der Angeklagte äußert sich zu den Vorwürfen vor Gericht zunächst nicht. Auf einen Antrag hin werden die ca. 45 Blutspuren, die im Schlafzimmer von Dieter Hoffmann gefunden wurden, noch einmal kriminaltechnisch untersucht. Diesmal kann von einem Gutachter auch DNA von Alexander Kämmerer finden.

Neben all den weiteren Indizien, von Handabdrücken über das gefälschte Testament bis zur DNA-Analyse, geht es vor Gericht auch um die Frage, ob Alexander Kämmerer der Mann ist, der mit der Opermaske das Geld von Dieter Hoffmanns Konto abgehoben hat. Die Bilder der Überwachungskamera aus dem Geldautomaten sind zwar von annehmbarer Qualität und zeigen durchaus Einzelheiten.

Allerdings liegt die besondere Schwierigkeit darin, dass der Täter neben der Maske über dem Gesicht auch noch Einweghandschuhe getragen hat. Die Haut war dadurch vollständig bedeckt. Durch die sehr eng anliegenden Handschuhe zeichnete sich die Form der Hände jedoch klar ab. Deshalb beantragt Ermittler Stefan Lange einen Vergleich der Kameraaufnahmen mit den Händen des Angeklagten.

Gleich zwei Sachverständige, ein Facharzt für Rechtsmedizin und eine forensische Anthropologin, machen auf den Bildern zwei markante Venen auf dem Handrücken aus. Deren Dicke und Verlauf stimme mit der Hand des Angeklagten überein. Die Gutachter können zwar keine hohe Wahrscheinlichkeit feststellen, sie sehen aber auch keine Abweichung, die zu einem Ausschluss von Alexander Kemmerer führen würde.

Laut Gutachter könnte es sich bei dem Mann mit der Opermaske am Bankautomaten durchaus um Alexander Kämmerer handeln. Eine Identifikation aufgrund von Venen auf der Hand, wie zuverlässig ist so etwas? Wir haben für diese Folge mit Sabine Ohlroge gesprochen. Sie arbeitet seit 20 Jahren als forensische Anthropologin und fertigt Gutachten für Gerichte an. Darüber hinaus gibt sie Kurse für das Bundes- und auch die Landeskriminalämter und bildet somit Polizistinnen und Polizisten aus.

Forensische Anthropologen schauen sich Bild- oder Videoaufnahmen an und geben ihre Einschätzungen dazu ab, ob beispielsweise ein Angeklagter darauf zu sehen ist oder nicht. Dafür braucht es zum einen Bildmaterial in guter Qualität, aber auch aussagekräftige Vergleichspunkte. Auf der Haut können das zum Beispiel Muttermale oder Narben sein. Laut Sabine Ohlrogge eignen sich aber auch andere Merkmale. Ich würde mir zum Beispiel die Form ihrer Ohren angucken.

Wie hoch sind ihre Ohren? Wie ist die Ohraußenleiste? Ist sie gerade? Ist sie bogig? Ich bestimme die Form ihrer Ohrläppchen im Außenrand. Dann würde ich mir zum Beispiel ihre Nase angucken, wie breit ist ihre Nasenwurzel, wie tief ist ihre Nasenwurzel, ist ihre Nasenwurzel eingezogen.

Also das sind halt alles kleine Anteile, die nicht oder meistens nicht veränderbar sind im Gesicht oder an anderen Körperteilen, wo man dann ja bestmöglich im Bildvergleich guckt, in der gleichen Aufnahmeperspektive und in der gleichen Position. Vor ein paar Jahren gab es so ein Ohrengutachten bei der sogenannten Ibiza-Affäre 2019.

Heimlich aufgenommene Videoaufnahmen zeigten den damaligen österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache bei Korruptionsgesprächen mit einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte zwei Jahre zuvor. Bevor die Süddeutsche Zeitung und der Spiegel das Material im Mai 2019 veröffentlichten, wollten sie sichergehen, dass es sich bei dem Video nicht um ein Fake handelt und ließen ein Ohrengutachten anfertigen.

Dieses belegte, dass es sich bei dem Video mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um Strache handelte. Wofür anthropologische Gutachten noch benötigt werden, haben wir Sabine Ohlrogge auch gefragt. Die Evergreens sind die Blitzerbilder. Also da will es ja immer keiner gewesen sein, gerade wenn es um Fahrverbot geht. Was bei mir ganz, ganz viel auf dem Tisch liegt, ist die Auswertung von kinderpornografischen Bildern, dann ganz viele Kreditkartenmissbräuche.

Also wenn die Leute mit einer Karte Geld abholen, die ihnen nicht gehört. Überwachungsvideos, Videos aus S-Bahn, Bussen, also sowas ist so mein Gebiet. Bei einem Lichtbildgutachten geht es laut unserer Expertin immer um individuelle Merkmale, die man einer bestimmten Person zuordnen kann. Es müssen aber immer stabile Merkmale sein, also welche, die auch dauerhaft sind.

Nicht sowas wie, heute habe ich einen Pickel und nächste Woche ist der nicht mehr da, also dann bin ich es nicht, also so ist das nicht. Das muss schon was sein, was dauerhaft ist und Falten sind immer sehr gerne genommen, weil die einen höchst individuellen Verlauf haben und der ändert sich auch zeitlebens nicht mehr. Anders sieht es logischerweise mit Haarschnitt oder Bart aus. Das lässt sich leicht verändern. Genauso wie Brillen, Piercings oder Ohrringe.

Laut Sabine Ohlrogge sind Gutachter aber geschult darauf, sich nicht von einer anderen Frisur beeindrucken zu lassen. Sie achten auf Dinge, die Laien nicht bemerken würden. Viele forensische Gutachter haben sich auf bestimmte Merkmale spezialisiert. Es gibt zum Beispiel Experten für Gangbilder oder für Abstammungsgutachten. Wenn es bei alten Bildern um die Frage geht, ob jemand Vater oder Mutter einer Person sein könnte.

Sabine Ohlrogge ist auf Hände spezialisiert und sagt, Venen, wie in unserem Fall des ermordeten Millionärs, können tatsächlich ein guter Vergleichspunkt sein. Also Venenmuster sind hoch individuell. Wir haben zwar alle ein venöses Grundmuster, aber die kleinen Verzweigungen, das ist was, das bleibt zeitlebensgleich. Und damit kann man jemanden auch über eine lange Zeit wiedererkennen. Und dieses spezielle venöse Muster, das ist auch genetisch vorgegeben.

Und da ja jeder seinen eigenen genetischen Satz hat, hat auch jeder sein eigenes Vedenmuster. Laut Sabine Ohlrogge ist aber auch Vorsicht geboten. Weitere Rückschlüsse, beispielsweise auf Geschlecht, Alter oder Größe einer Person, lassen sich rein aufgrund von Handbildern nicht ziehen. Forensische Anthropologen können mit ihrer Expertise einen wichtigen Beitrag leisten, um Beschuldigte zu identifizieren. Vom geblitzten Autofahrer bis hin zum Mörder.

Sabine Ohlrogge sagt aber auch, Wir arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten. Also dass wir sagen, das ist vielleicht sehr wahrscheinlich jemand oder höchstwahrscheinlich jemand oder vielleicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegeben. Ich würde aber nie sagen, der ist es hundertprozentig. Da kann immer was um die Ecke gesprungen kommen, wo man nicht mit gerechnet hat. Im Fall Dieter Hoffmann sind sich die Gutachter anhand der Venen auf der Hand sehr sicher.

Alexander Kämmerer ist der Mann, der mit der Opermaske verkleidet Geld vom Konto des Getöteten abgehoben hat. Das Wehengutachten, der nachgewiesene Handabdruck auf dem gefälschten Testament, das Blut des Angeklagten im Schlafzimmer von Dieter Hoffmann, die Beweise gegen Alexander Kämmerer vor Gericht sind erdrückend. Und wohl auch aufgrund der ausweglosen Situation legt der Angeklagte am 4. November 2014, dem 14. Verhandlungstag, ein Geständnis ab.

Ja, er habe Dieter Hoffmann getötet, sagt Alexander Kemmerer. Es sei jedoch ein Unfall gewesen. Seine Geschichte geht so. Nach der Kündigung bei der Bank habe er nach und nach seine Kunden angerufen, um sich von ihnen zu verabschieden. Bei dem Telefonat mit Dieter Hoffmann habe der ihn zu sich nach Hause zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Dafür habe er ihn am 16. August 2013 besucht. In dem Wohnhaus habe Alexander Kemmerer irgendwann die Toilette aufgesucht. Die sei total verdreckt gewesen.

Das hätte er gegenüber Dieter Hoffmann auch so gesagt. Der Rentner habe daraufhin sehr aggressiv reagiert. Zwischen den beiden Männern sei es zum Gerangel gekommen. Sie seien gemeinsam zu Boden gegangen, wobei Dieter Hoffmann auf dem Angeklagten gelegen und ihm den Hals zugedrückt hätte. In seiner Not habe Alexander Kämmerer nach der Keramikfigur gegriffen und Dieter Hoffmann damit auf den Kopf geschlagen. Dabei sei der Rentner gestorben.

Der Angeklagte behauptet in seinem Geständnis, er habe noch vergebens versucht, Dieter Hoffmann zu reanimieren. Als das nicht geklappt habe, wollte er angeblich die Polizei rufen. Allerdings habe er befürchtet, dass ihm niemand glauben werde. Deswegen habe er sich dazu entschieden, die Leiche zu beseitigen. Er habe den Körper mit Hilfe von Benzin auf einem Grillplatz verbrannt und die Überreste in einem Wald nordöstlich von Wiesbaden vergraben.

Was das Geld angeht, so habe er nur die Gelegenheit genutzt, dass Dieter Hoffmann nun ohnehin schon tot war und das Geld nun ja nicht mehr brauche. Einen Tag nach dem Geständnis führt Alexander Kemmerer die Polizei zu besagter Stelle im Wald. Tatsächlich finden die Beamten dort Knochenteile von Dieter Hoffmann. Eine genaue Todesursache lässt sich nicht mehr feststellen. Die Geschichte des Angeklagten mit einem spontanen Streit und dem tödlichen Schlag aus Notwehr glaubt das Gericht jedoch nicht.

Auch die Ermittler um Stefan Lange halten das Geständnis in dieser Form für erfunden und für einen letzten verzweifelten Versuch, für Totschlag und nicht für Mord verurteilt zu werden. Doch daraus wird nichts. Am 8. Januar 2015 verurteilt das Landgericht Wiesbaden Alexander Kämmerer wegen Mordes, Computerbetruges und Urkundenfälschung zu einer lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe.

Das Gericht ist davon überzeugt, dass Alexander Kämmerer den reichen Rentner aus Habgier ermordet hat, um sich an seinem Vermögen zu bereichern. Die Kammer geht aber nicht davon aus, dass Alexander Kemmerer bereits mit einer festen Tötungsabsicht zu Dieter Hoffmann gefahren ist. Der Entschluss fiel laut Kammer erst, als sich der Rentner weigerte, Alexander Kemmerer finanziell zu helfen.

Herr Lange, am Ende stand eine Verurteilung wegen Mordes. Zum Glück konnten Sie den mit Ihren Ermittlungen und den vielen Indizien ja auch nachweisen, nicht? Ja, der Schlüssel war sicherlich der Name des Angeklagten im Tierheim. So sind wir erst auf Alexander Kemmerer gekommen, der auch gut vorbereitet war und auch versuchte, mir vieles zu erklären. Nachdem wir den hatten, hat sich sicherlich durch gute Ermittlungsarbeit schnell nacheinander viele Möglichkeiten gegeben, Indizien aufzubauen.

Aber ohne wäre es schwierig gewesen. Und wir wären sicherlich nicht so schnell auf den Herrn Kemmerer gestoßen. Er hatte ja sonst keine wirklich Verbindung zu Dieter Hoffmann gehabt. Und im Neuen Testament wäre uns der Name dann sicherlich bestimmt nochmal aufgefallen. Aber in dem Tierheim war die Richtung und die Verbindung von vornherein schon mal klar und erklärt. Und das ist ja eigentlich ein ziemlich interessanter Punkt.

Denn Alexander Kemmerer hat nach dem Mord versucht, viel zu beachten, um die Tat zu verschleiern. Die Nummer mit der Opa-Maske, das gefälschte Testament aus der Schweiz, wo Dieter Hoffmann regelmäßig Urlaub gemacht hat, das hat zwar aus seiner Sicht nicht fehlerfrei geklappt, aber er hat einen ziemlichen Aufwand dafür betrieben. Bei der Hündin aber, seines getöteten Opfers, geht er dann ins Tierheim und gibt sie unter seinem Klarnamen ab.

Wie erklären Sie sich, dass er den Hund nicht ebenfalls getötet hat? Vor Gericht gab es dazu zwei Theorien. Entweder er hat dem Hund einfach aus Tierliebe nichts getan oder er brauchte den Hund, um später eine persönliche Beziehung zu Dieter Hoffmann zu belegen. Er musste ja irgendwie erklären, warum er später im Testament auftaucht. Der tatsächliche Grund ist nie richtig geklärt worden. Bei dem Gericht ging es natürlich dann auch um die Persönlichkeit vom Alexander Kämmerer selbst.

Dazu wurde eine Gerichtspsychiaterin bestellt, die ein Gutachten über ihn abgegeben hat. Und in diesem Gutachten wurden ihm klare narzisstische Merkmale attestiert. Er hatte eine gewisse Hybris, so als könne ihm niemand was antun. Er dachte wohl immer, ich habe einen perfekten Plan und war einfach in seiner Überheblichkeit sehr stark ausgeprägt. Und es stimmt schon. Ich habe schon viele schlechtere Tatausführungen gesehen. Der Plan war nicht schlecht. Er war eben auch nicht gut genug für uns.

Ja, und damit dann die letzte Frage noch. Wissen Sie, was mit der Hündin Luna passiert ist? Ja, das weiß ich. Der Hund ging an Bekannte aus dem Wohngebiet, die den Dieter Hoffmann und die Luna gut gekannt haben. Und der Mann, der hat schon während der Ermittlungen sich vorübergehend um den Hund gekümmert und ihn versorgt und am Ende dann ganz übernommen. Der Kontakt zu ihm ist ihm damals von der Frau Martha Weber vermittelt worden.

Damit sind wir am Ende dieser Folge. Wir verabschieden und bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen, Herr Lange, für die Einblicke in Ihre wirklich interessante und spannende Ermittlungsarbeit. Vielen Dank, dass ich das hier vortragen konnte. Es war mir ein Vergnügen. Ja, auch von mir herzlichen Dank fürs Kommen. Außerdem bedanken wir uns bei Gutachterin Sabine Ohlroge für ihre Expertise zur forensischen Anthropologie. Ein weiterer besonderer Dank gilt dem Autor dieser Folge, Jonas Wengert.

Und das war es dann auch. Ich sage bis zum nächsten Mal und bleibt sicher. Tschüss und bis bald auch von mir. An dieser Folge mitgearbeitet haben Katharina Jakob und Zoe Jungblut. Für Ton und Technik sorgten Stefan Gossen und Christina Mayer. Die Regie hatte David Gromer und die Redaktion im ZDF Kirsten Zilonka und Sonja Roy. Die Podcast-Folgen könnt ihr übrigens auch auf dem ZDF True Crime YouTube-Kanal

anhören. Den Link dazu findet ihr, wie auch alle Infos zu dieser Folge, immer in den Shownotes. Aktenzeichen XY – Unvergessene Verbrechen ist eine Produktion der Securitel in Kooperation mit Bumpfilm im Auftrag.

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